Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: Mai 2022

Ich sprang noch schnell zu „Insch“ rein, um mir ein Buch für den Rückflug zu besorgen. „Insch“ nennen liebevoll literaturbegeisterte Italiener Inge Feltrinelli, die den großen Buchverlag nach dem mysteriösen Tod ihres Mannes Gian Feltrinelli übernommen hatte. Es gab in der Auslage nur drei deutsche Bücher. Ich griff in der Eile nach dem mir nichtssagenden Taschenbuch Orchis von Verena Stauffer. Was für ein Kunstgriff! Selten hat mich ein Roman so nachhaltig inspiriert. Hier die Geschichte: ein leidenschaftlicher Orchideenforscher fährt nach Madagaskar, um die seltene Orchideenart „Sobraliae“ zu finden. Er will sie mit in seine Heimat nehmen, um sie genauer zu studieren. Er ist überglücklich, als er sie findet und verfällt dem Wahnsinn, als er sie auf der stürmischen Rückreise im Meer versinken sieht. Seine Eltern bringen ihn in eine Psychiatrie, wo er sich nach einiger Zeit erholen kann. Wieder hört er von einer seltenen Orchideenart. Dieses Mal ist es der „Chinesische Frauenschuh“. Er bricht sofort nach China auf …

 

 

Of war and peace the truth just twists …

there are no truths outside the Gates of Eden

 

Ich nahm den frühen Flieger, um einer der ersten Besucher im botanischen Garten von Puerto de la Cruz zu sein.  Die Anlage eines botanischen Gartens auf Teneriffa ist ein sehr glücklicher Gedanke. Alexander von Humboldt hatte diesen besonderen Garten bereits Ende des 18. Jahrhunderts besucht. Er beschreibt die Vielfalt der Gewächse und die Gefahren, welche die Pflanzen auf ihrer Reise durch die salzhaltige Meerluft ausgesetzt waren und oft zu Grunde gingen. In diesem botanischen Garten konnten sie sich aufgrund von guter Pflege und geeignetem Klima oftmals erholen. Die riesigen Feigenbäume machten mich schwindelig. Meine bescheidene iPhone Kamera konnte sie nicht ganz ablichten. Auch das irritierende Wurzelwerk  konnte ich nicht einfangen. Wurzeln schienen von überall herauszuwachsen. Mich begeistern immer wieder kleine Wunder der Natur, die man auch anfassen kann. In dem Gelände entdeckte ich eine Pflanze, deren Blätter sich sofort einrollten, als ich sie berührte.

 
 


 
 
 

 
 

Ich hatte also einen Vormittag in Ataraxie verbracht. Vollkommen abgelenkt von den Ereignissen in der Welt. In dem Buch Lob der Erde: Eine Reise in den Garten gibt Byung-Chul Han anschauliche Anleitungen, wie er in seinem Berliner Garten wieder die Stille und Schönheit der Natur entdeckt und bestaunen lernt.

Ein Meister im Verlegen war ich sowieso immer. Manches will man unbewusst verlieren, eine Uhr, einen Regenschirm, eine Mahnung, das Teil hier ganz sicher nicht! Seit Tagen halte ich Ausschau nach dem Buch – es ist dick genug, der Umschlag knallbunt, es gibt keinen Grund, es zu übersehen. Vor allem ist dieser umfangreiche Schmöker eines jener Bücher, bei denen ich mich auf jede einzelne Seite, jedes der zahllosen Kapitel freue, und, ehrlich, ich hätte das bei dem Thema, einem wahrlich alten Hut, nicht für möglich gehalten. Aber Craig Brown hat ein wundervolles Verfahren entwickelt, uns die Geschichte der Beatles zu erzählen: bei allen eingestreuten Zeitsprüngen, die wie so vieles andere, zur Auflockerung beitragen, folgt er der Chronologie der Ereignisse, wobei das Marginale (ein weiterer Trick der Auflockerung) genauso fesselnd hinzugezogen wird wie legendäre Schlüsselmomente (für die er auch manch neuen Dreh findet).


Zudem ist hier ein Humorist am Werk, der es versteht, statt schwärmerisch eine Nummernrevue abzureissen, unter mancher Oberfläche des Schelmischen den einen und anderen Abgrund freizulegen. In des Ausdrucks freiester Auslegung, erzählt der gute Craig „mit vielen Zungen“, so gewitzt, oder, wie es die Engländer gerne sagen, „sophisticated“, dass es  die Lust an der Lektüre nicht im geringsten mindert, wenn einem manches bekannt vorkommt – so frisch und unverbraucht ist dieses „story-telling“ der Meisterklasse.


In den letzten zehn Jahren konnten wir uns auf unterschiedlichste Weise den Beatles neu annähern, da waren die Mono-Remasters, die Stereo-Remasters, die Surround-Mixe, die filmischen Dokumentationen, deren vorläufig letzter Streich die mehrteilige Serie „Get Back“ war, die, mit der ewigen, stoischen Anwesenheit von Yoko Ono, auch etwas von Bergmanns „Szenen einer Ehe“ hatte. Eine Serie, die ich, mit den ewigen Diskussionen im Kreis, abwechselnd ermüdend umd faszinierend fand: es geht um das Ende, und alle wissen es, verrückter, fabelhafter Jahre, ein letztes Sammeln kreativer Energien, für den Schwanengesang, der seine Momente hatte, aber nicht mehr an „Abbey Road“, „Das Weisse Album“, und „Sgt. Pepper“ heranreichen konnte. Die Vier waren auch zu müde, um nostalgietrunken ihre „alten Zeiten“ zu beschwören.


Und das bringt mich auf einen entscheidenden Aspekt von Craig Browns Erzählwerk: das Buch geht allen Fallen des Erinnerungsseligen aus dem Weg. Nicht mit Nüchternheit, sondern mit trockenem Humor. Beiläufigkeit. Nonchalance. Und so habe ich noch einmal, beim Packen des Reisekoffers, Ausschau gehalten nach dem Buch, das ich wohl in Domburg vergessen habe, neben dem Bett, in einem Strandkorb, oder sonstwo. Ich war ungefähr auf Seite 130, und die Beatles in einem Club in Liverpool. Notfalls kaufe ich es neu, kein Problem. Die CD mit den „Esher-Demos“ liegt bereits im Toyota, ich werde in bester Gesellschaft sein, während des Trips nach Furth im Wald, zum Hotel am Steinbruchsee.

 

(Wenn diese Reise nicht lang schon geplant gewesen, sowieso eine hochspannende Geschichte, wäre ich am 6. Mai  nach Tübingen gefahren, um abends das Bill Frisell Trio zu erleben. Bill ist ja auch mal kurze Zeit seiner Beatles-Leidenschaft gefolgt, und wer weiss, vielleicht würde er übermorgen eine Version von „Happiness Is A Warm Gun“ servieren. – Philip Watsons Biografie „Bill Frisell, Beautiful Dreamer“ ist ein übrigens ein weiterer, unerwarteter, perfekter Lesegenuss. Biografien sind nicht mein liebstes Buchgenre, aber in diesem Jahr scheint sich das Blatt zu wenden. Im August erscheint „Jeder für sich und Gott gegen alle“ bei Hanser, die Erinnerungen eines gewissen Werner Herzog. Vorfreude.)

 

OTON (1) – Bill Frisell*
Text Eins

M1 – David Virelles: from Nuna
Text Zwei
Feature 1 – Karsten Mützelfeldt on John Scofield‘s solo guitar album*** 
Text Drei
OTON (2) Oded Tzur
M2 – Oded Tzur: from Isabela
Text Vier
OTON (3) – Alabaster dePlume (mail)
Text Fünf
M3 – Alabaster DePlume: from Gold
Text Sechs
M4 – Jon Balke & Siwan: Uquallibu, from Hafla
Text Sieben 
Feature 2 – Michael Rüsenberg on the new Bill Frisell biography**
Text Acht
OTON (4) – Ches Smith
M6 – Ches Smith: from Interpret It Well


* thanks to I.J.B.

** „Warm-hearted, collaborative, and discreet to the point of being almost ambient, Beautiful Dreamer manages to be the perfect companion-piece to the music of its subject.“ — MOJO // Beautiful Dreamer is the perfect title for Watson’s book . . . like a Frisell tune, [it] takes its time, slowly revealing the inner workings of its subject matter.“ — Jazzwise

*** „While that approach seems a natural progression in Scofield’s evolution as an instrumentalist, composer, and recording artist, the ease with which the man plays never subsides. John doesn’t reach for his music any longer but instead lets it come to him, so the deceptively casual air that informs tracks like “Honest I Do,” mirroring the inviting tranquility of the album cover graphics, is exactly the quality that renders this record so accessible.“ (glide magazine)

 

hbah

(Ches Smith on his favourite Bill Frisell album, „Where In The World“)

 

 


Zwei Cover meiner Neuvorstellungen (David Virelles, John Scofield) in den JazzFacts am 5. Mai (Deutschlandfunk, 21.05 Uhr) fanden Eingang ins Skript, zumal sie mehr enthalten als gefällige Illustrationen des jeweiligen Albums. Nur aus Zeitmangel, und um nicht zu viel im Radio über Bilder zu reden, die der Hörer nicht unbedingt vor sich sieht (ausserhalb seiner Fantasie), habe ich die Beschreibung des Covers von „Interpret It Well“ weggelassen. Bevor du liest, wie Troy Dostert das Bild beschreibt, lass es erstmal auf dich wirken. In mancher Hinsicht ist dieses Cover die perfekte Eintrittskarte zu einer nicht gerade auf Anhieb eingängigen, aber durchweg aufregenden Musik.

 

„Artist Raymond Pettibon provided the artwork for the album, and it is ideal in conveying the mysterious, open-ended forces at work here. A sparse landscape is depicted, perhaps somewhere in the Great Plains, with a few telephone poles and a farmstead alongside what looks to be a railroad track. But in the distance something looms: is it a tornado? Or a column of fire? Whatever it portends, one wants to discover it, and thus we are led into the richness of Smith’s vision.“

 

 

 

 

Zu dem Bild (Linolschnitt?) von David Virelles „kubanischem Trip“ „Nuna“ schrieb mir Lajla:

 

Manchmal verliert man sich im Betrachten von Covers und merkt erst nach langem assoziativen Träumen, dass man ja eine CD in der Hand hält. Die rote Sonne von Afrika strahlt mich an, und ich beginne im Rhythmus der Linolschnittwellen zu tanzen. Ich höre nicht, wie oft  der Hahn schon gekräht hat, der Klang der breiten einfachen Tasten haben den Schrei übertönt. So wie sie den alten weißen  Mann hinterm Klavier nur surreal freigeben. Seine starken Astarme umspannen Amerika. Ein „Gracias a La vida“-Gefühl in mir.“

 

 

 

What else to do at home, in times of the virus? The acoustic, the electric guitar, loops – all at his hand. A cover to make you smile, at least for a moment, for such  were the looks of nature, in the first lockdown – islands deserted from the tiniest idea of tourism, and the nature taking a deep, deep breath from noisy pasts. Has Mr. Scofield really been on  Sylt, I do have these dejavues of course  – no, he hasn‘t. Look at the buildings in the distance! The fence work. So many lonesome coasts across the ocean. Lay back, take your time. I contacted Luciano Rossetti, who did the photo for „Solo“, and this is what he wrote:

 

Collaboro con Ecm dal 2008, per loro finora ho sempre fornito foto per „inside use“ e „press use“, musicisti come Francois Couturier, Gianluigi Trovesi, Tomasz Stanko, Savina Yannatou, Arvo Pärt, Giya Cancheli, Sokratis Sinopoulos, Craig Taborn, Mark Turner… Quella di Scofield è la mia prima copertina. 


La fotografia è stata scattata nel Massachusetts, a Newburyport – Plum Island Beach il 10 aprile 2015. Ero lì con il mio carissimo amico Garrison Fewell, chitarrista americano che suonò con Herbie Hancock, Fred Hersch, George Cables, Cecil McBee, Steve LaSpina, Tal Farlow, Larry Coryell,  Steve Grossman, John Tchicai, Steve Swell, Slide Hampton, Benny Golson … 

Lui abitava poco distante da quel posto e ci siamo andati perchè mi aveva detto che sarebbe stato un bel posto per scattare fotografie. Lì, oltre a scattare foto all’ambiente, gli ho scattato alcuni ritratti.  Quelle sono le ultime fotografie che gli ho scattato perchè Garrison sarebbe morto pochi mesi dopo. Sono particolarmente felice che ECM abbia scelto una fotografia di quella sessione per il disco di Scofield.

…ho come la sensazione che Garrison ci abbia messo lo zampino!
… I somehow have the feeling as Garrison gave a little push!

Best
Luciano

2022 2 Mai

Jonathan Richman

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Although I knew Jonathon Richman and the Modern Lovers through Roadrunner, Ice Cream Man and Egyptian Reggae, which I heard around the time of the first punk explosion, for some reason I never really listened to him very closely until about three or four days ago, which is quite a long time to allow such a great treasure to escape from your life … I can’t even remember the chain of aleatoric thoughts that lead me to him again, but I find myself becoming ever more captivated by his enchanting music.

What I find so great about him is that unlike a band like Coldplay and countless others who need to express BIG emotions and big sounds, which ultimately end up feeling limited and constrained  because of the scale of their ambition, Jonathon Richman’s music is small and homespun in its sound and in its lyrical interest and yet manages to seem limitless in the possibilities it suggests of its possible meaning and its spiritual yearning.

Whether he is writing about being a mosquito or about honey bees or parachute jumpers, whether about the joys of driving along a New England freeway or dancing in a lesbian bar; however small or parochial the nature of his concerns, the expansive nature of the joy that the lyrics give rise to in the listener and the vibrancy and ebullience of the music are such that any one of his songs could charge you with sufficient energy to single-handed build a pyramid, fight a Roman legion (assuming there was one in the vicinity of the pyramid) and still have room to counter the next wave of misery that is an inherent part of the human condition, but which he manages to somehow dissipate through his songwriting.

Although there are so many of his songs that are great, I particularly love ‚Twilight in Boston‚ because it expresses the joy of the mundane – of the prosaic, with precisely the deftness of touch that avoids slipping into the mawkish (of course, this is subjective). It happens to refer to Boston, but this could be an experience that anyone could have, anywhere in the world – at any time. It’s sung with that gleeful sense that enjoyment comes from the here and now, from the smallness of things, which at the same time are connected to something greater.

(bob. t. bright, 2013)

 

imagine a summer campfire feel, all
along tracks of purity and wit, and a hat
for bo. now imagine these songs being
even more naked than you thought they
were in their salad days, rocking
in quite nonchalant ways. as
a last step, imagine a room with
a flower, a shadow of the disappeared,
and strum simple, strum, strum – the guitar.

(m.e.)

 

2022 1 Mai

Die letzten Tage von Roger Federer

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Tennis, Jazz, Dylan, Filme, Drogen, Nietzsche, Beethoven. Warum also lache ich? Weil Geoff Dyer wieder einmal Kommentare und Beobachtungen mit Intellekt und Witz verbindet. Dyer, der zwischen Kritik und Memoiren hin und her springt, ist einer der wenigen Autoren, deren Absätze ich sofort wieder lesen kann, um mehr daraus zu ziehen. Die Wendungen und Vergnügungen sind zahlreich, und wenn man das Buch schließlich zur Seite legt, denkt man: „Oh ja, so schlau war ich schon immer, nicht wahr?“

(Steve Martin)

„Mehr als der Titel vermuten lässt, ist The Last Days of Roger Federer eine fesselnde Serie von Meditationen über geistige und körperliche Sonnenuntergänge im Leben von Malern, Musikern, Philosophen, Dichtern, Boxern und natürlich Tennisspielern. Der Stilist Dyer ist hier auf der Höhe seines Könnens und serviert Rätsel, Paradoxien, logische Verknüpfungen und andere zerebrale Genüsse. Sogar seine Syntax ist witzig. Dieses großzügige Angebot von Dyers aufschlussreichen, oft urkomischen Betrachtungen über Kunst, Leben und Sport ist ein Fest für seine Leser.“

(Billy Collins)

Ich habe Geoff Dyer einmal in London besucht. Er hatte mit seiner Partnerin so ein Zen-Ding laufen, und es ging nur barfuss in sein Wohnzimmer. Wir sprachen über sein berühmtestes essayistisches Werk „But Beautiful“, das viel mit Jazz zu tun hat. Mein Favorit ist sein Buch über Tarkowskis Meisterwerk „Stalker“, dem er Szene für Szene nachstellt, und dem ohnehin nicht gerade temporeichen Film noch eine andere Form von Langsamkeit an die Seite stellt. Ich  bin ein Fan seiner „non-fiction“-Bücher, auch wenn er einst einen meiner liebsten polnischen Kinofilme, “Ein kurzer Film über die Liebe“, seltsam humorlos verrissen hat. Ich habe es nicht persönlich genommen. Am Ende unseres Treffens waren wir uns einig, dass in den späteren Jahren des Keith Jarrett Trios,  seit den gross dokumentierten Abende  im Village Vanguard, die trance-induzierenden Groovestücke ohnegleichen waren. Ich freue mich auf sein neues Buch, von dem ich die ersten zehn Texte mit einem inneren Lächeln gelesen habe. Das zweite Kapitel – und das Buch ist voller endlos kurzer Texte – erzählt etwas über Bob Dylans Song „Tangled Up In Blue“. Gewitzt, klug, keineswegs neunmalklug – wie ist das englische Wort dafür? „Sophisticated“. Nach Oliver Burkemans „4000 Wochen – Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement“ das nächste vielersprechende Buch über, nun ja, Endzeiten, Endspiele – mit, zumeist aber ohne, Roger Federer.“

(Michael E.)

 

„Geoff, das ist dein achtes Buch, seit Du das letzte Mal einen Roman geschrieben hast. Hast du  aufgehört, Romane zu schreiben?

Ja, so ziemlich. Ich habe all diese Bücher mit einer beträchtlichen Bandbreite an Themen geschrieben, aber meine Romane lassen sich in ein paar Sätzen zusammenfassen: Ein Mann geht auf eine Party, trifft ein Mädchen mit einer Gruppe von Freunden und verliebt sich. Das ist alles, was ich hatte. Als Nächstes möchte ich eine englische Version von Annie Ernaux‘ „The Years“ schreiben, um einige Aspekte meiner ganz gewöhnlichen Kindheit in den 1960er Jahren in der englischen Arbeiterklasse und der halb-ländlichen Welt festzuhalten, die mich geprägt hat, und die verschwunden zu sein scheint.

 

Oh, really. When it comes to Zappa, I have no long stories to tell. As someone loving some far-out areas of that thing called Rock Music, you might have had some elevated hours triping with Zappa albums, too. My favourites?  I have to go back to the days of old: surely „Sheik Yerbouti“, and „Zoot Allures“. And the one with the big band and „groovy“ George Duke, „Grand Wazoo“. I could never rank his broad discography, cause i am not familiar with so  much of his works. I preferred to come back to these three albums of passion and ambition and wit and great, great music. At the outer zones of foggy memories, „Overnite Sensation“ cries for being heard again. Is that so? Anyways, I wasn‘t bathing too often in these tons of sarcasm and parody. Zappa, yes, but in well chosen moments. So, years ago, i stumbled upon a fantstically remastered version of the 3-vinyl-edition of „Joe‘s Garage“, a true revelation. And, for me at least, a place to return to every once in a while, it has so much to offer.

 

 

And a fantastic sounding remaster it really is! Kudos to Zappa Trust. Careful re-packaging of a master’s work. If you start to be interested you‘ll find out the story. Musically it is „wide-screen“ Zappa, and with all its spoken words, killer tunes, and brilliant breaks,  it is nothing else than multo opulento. Aside from the sarirical groundings (textbook included, the gatefold cover a pure delight (except the lack of contrast between coloured words on black ground), the six sides contains a broad sprectre of moods between partytime and utter loneliness. The fiesta that life is on this album has a dark counterpoint in social realities and broken spirits, and you can hear the low life on rock bottom in  (sharply catched) empty spaces and other hangovers of the soul. Some people have minor quibbles with Zappa‘s long guitar solos, and I‘m definitely not amongs these guys. Au contraire – the guitar work is ace, and a wonderful counterpoint (in regards to space and mood) to the more uplifting tunes and chorusses. This is a very courageous album that offers a quite addictive experience. So think twice if you wanna take this bus! (Funny, that though Zappa cannot be heard on the fine soundtrack of „Licorice Pizza“, it‘s a not too wild a guess, that if you love the movie, you‘ll dig the music.)

2022 1 Mai

„This is a photograph“

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Und plötzlich stockt der Fluss der Zeit. Als sein Vater einen Herzinfarkt erlitten hatte, stolperte Morby über ein altes Foto des Patriarchen (der sich glücklicherweise erholte) in seiner Blütezeit: Brust raus, oben ohne und – wie der begnadete Texter in dem stampfenden Wirbel des Titeltracks erinnert – „bereit, es mit der Welt aufzunehmen“ (natürlich singt er dies in nicht ganz Kentuckyfreiem Amerikanischen Englisch). Später im Song blättert Morby zu einem anderen Familienfoto, das seine „Mutter im Rock / Im kühlen Staub von Kentucky / Lachend im Garten“ zeigt, und spekuliert, dass „der Schimmer in ihren Augen“ … zu sagen scheint: „Das ist es, was ich am Leben vermissen werde’“

Kevin Morby wäre in den Siebziger Jahren wohl einer der grossen Stars des Amerikanischen Songwriting geworden, aber, nun denn, als Nachgeborener, lernte er seine Lektionen von Dylan, Reed, Cohen und Co. – die facttenreiche und fulminante und mitunter sanft taumelnde Klangwucht ist nie verdächtig, in falschen Pathos zu versinken, zu sehr geistern diverse gelebte Leben durch sein Werk. „Vorsicht, zerbrechlich“: das Prädikat scheint jedem dieser Songs anzuhaften. Und man muss auch nicht immer die Einflüsse aufführen. „This Is A Photograph“ ist ein echer Morby.

Die Zeit, so erinnert uns Morby, ist „der unbesiegte, der Schwergewichts-Champion“, also nehmt alles hin. „Bittersweet, TN“, ein Duett mit Erin Rae, bringt es auf den Punkt, wenn er singt: „The living took forever, but the dying went quick.“ Mit Eric Johnsons Banjo allein wäre der Song ein sanfter Folk-Klassiker; als die Streicher einsetzen, wird er zu etwas Besonderem. Am Ende des Albums, in „Goodbye to Goodtimes“, besucht Morby noch einmal die Stadt namens Bittersweet und reduziert den Sound auf seine Gitarre und Sam Cohens Lap Steel und Tamburin. Er blickt auf ein weiteres Foto, „ein Fenster zur Vergangenheit“, und versucht, etwas festzuhalten, von dem er weiß, dass es ihm immer wieder entgleiten wird. (m.e.)

Ergänzung: Hier gibt es eine hörenswerte Folge des Podcasts „Song Exploder“ mit Kevin Morby, in der er einen persönlichen Einblick in Hintergründe und Entstehungsprozess des Titelstücks gibt.  (i.j.b)

 

 


Am 27. Mai und 3. Juli kommt endlich die vierte Staffel (jeweils eine Hälfte) von STRANGER THINGS raus, auf Netflix. (My pleasure is not guilty, and I love it). Eine Serie, auf die sich bislang alle Manafonisten einigen konnten, die sie gesehen haben, ist HALT AND CATCH FIRE. Über das, was passiert, wenn Menschen ihren Visionen folgen, Höhenflüge, Scheitern, all inclusive. Vier Staffeln, und leider nicht so leicht verfügbar. Eine der wunderbaren Hauptdarstellerinnen dort erfreute mich einmal mehr mit ihrem Auftauchen in STATION ELEVEN (one season only). Auf Amazon prime kann man sich das komplette Meisterwerk aller drei Staffeln von THE LEFTOVERS anschauen (ein nicht endender Sog, und auch, wenn es unter „dystopian sci-fi“ eingeordnet wird, enthält diese Serie eine der wunderbarsten Love Stories der Serien des 21. Jahrhunderts, und die letzte Folge der dritten Staffel werden viele nie vergessen.  Richard Williams brachte mich auf die Spur von CALL MY AGENT, und alle vier Staffeln – je l’apelle Truffaut 2.0 – über das Treiben einer Pariser Schauspieleragentur sind verfügbar auf Amazon prime und Dvds. Die beste französische Cop-Serie aller Zeiten ist für mich SPIRAL (sieben oder acht Staffeln). Die beste amerikanische JUSTIFIED (auch zahllose Staffeln, und kein bisschen zu lang). Grossartige auch MINDHUNTERS, die zwei Staffeln, die uns in die Frühzeit des „profiling“ von Serienkillern beim FBI entführen, und mit feinem „understatement“ in Szene gesetzt wurden Wem mehr der Sinn nach einer Serie steht, die, wie Station Eleven alles in eine Staffel packt, und kein so grosser Zeiträuber ist, dem empfehle ich (und der gemeinsame Nenner all dieser Tipps ist, dass es alle durch die Bank absolute Lieblingsserien von mir sind, aus jüngerer Zeit) THE NIGHT OF (Dvd), UNBELIEVABLE (Netflix), THE QUEEN’S GAMBIT (Netflix), GODLESS (Netflix), und SEVEN SECONDS (Netflix). Ich habe sicher einige Schätze vergessen. (Eine Stunde später) Als da wären: SONS OF ANARCHY und GAME OF THRONES (totales bingewatching für mich, beide Serien gingen über etliche Staffeln, über Wochen lebte ich mit Kate und Co. auf der seltsamen Insel, und war Teil einer Motorrad-Gang, flow- und crashfaktor 10), SHARP OBJECTS (1 Staffel, bluray) und JOHN FROM CINCINNATI (amerikanische Serie in der Surfer-Szene mit leichtem Touch ins Surreale, grosses Kino allemal, aber, hoppla, die stammt von 2007, also kleiner Ausreisser hier, Geheimtipp nach wie vor).

 

Small announcement: es ist Zeit, mal etwas anderes zu machen. Im Laufe der Zeit  lesen Sie hier auf dem Blog sieben brandneue Besprechungen (Vorstellungen) von Brian Enos Soloalben aus den Siebziger Jahren. Auch werden Bewertungen in Form von Hüten vergeben werden, nach alter Downbeat-Tradition: ein bis fünf Sterne (Hüte). Für „Meilensteinstatus“ wird ein sechster Hut vergeben. Sie werden unglaublich überrascht sein. Mehr oder weniger. Es erwarten Sie auch keine herkömmlichen Musikkritiken, die neuen Wein in alte Schläuche schütten. Eher Kurzgeschichten. Sieben (kurze) Kurzgeschichten. Aber mit  Vorspiel.

 

Das Vorspiel findet nun statt, und sind meine „Behutungen“ der ersten drei Roxy Music-Platten. Diese drei Platten werden von unendlich vielen Menschen geliebt. Aber nicht von mir. Nun fussen meine Bewertungen auf Erinnerungen, denn was man nicht liebt, landet im Halbvergessenen. Die erste Roxy Music-Platte hiess „Roxy Music“, erschien im Juni 1972 und landete einen heftigen Wirkungstreffer. In der Kritik. In der Szene. Wenn damals schon der Begriff „hot shit“ umging, war das ganz bestimmt für viele „hot shit“. Eine andere Rockmusik. Dekadent. Exzentrisch, Genderverspielt. Experimentell. Anders.

 

In meiner Erinnerung (ich habe das Album vielleicht dreimal gehört, und die letzte Begegnung liegt gut und gerne 25 Jahre zurück) flashte  mich die Platte aber tatsächlich nicht so dolle: 🎩🎩🎩. Die zweite Roxy-Music-Platte, „For Your Pleasure“ war spannender, hatte magische Momente, aber auch Durchhänger – auch hier liegt meine Erinnerung halbe Ewigkeiten zurück: 🎩🎩🎩1/2 (dreieinhalb Hüte, also good bis very good). Ich möchte daran erinnern, dass a) diesen beiden Werke in Bälde als Vinyl neu aufgelegt werden (vielleicht will sie mir jemand schenken) Dass b) Brian bei den ersten beiden mitwirkte und dann ausstieg. Dass c) Brian leicht zu nerven war, wenn ein Fanjournalist kam und loslegte: „I love the first two Roxy Music albums“.

 

Wirklich besessen hatte ich damals das dritte Roxy Music-Album, das im März 1973 erschien, und von den drei Cover-Frauen wollte ich nur mit der von „Stranded“ schlafen. Die fand ich bei weitem am schärfsten, die ganze Platte erschien mir konventioneller, aber auch mehr aus einem Guss und mit einem schönen Drive ausgestattet: 🎩🎩🎩 1/2. Später verriet Brian, dass er von den drei Platten „Stranded“ am besten fand. Obwohl – wir erinnern uns – er gar nicht mehr dabei war. Kann mich nicht erinnern, wann ich sie das letzte mal gehört habe. Ich glaube, sie blieb in meinen Teenager-Jahren irgendwie hängen.

 

 

Ich verbinde mit keiner der drei Roxy Music-Alben eine scharfe Braut in meinem Leben (ausser der auf der Cover von „Stranded“, aber die war unerreichbar). Mit „Foxtrot“ von Genesis verband ich immerhin Regine D.   Zu  dem Zeitpunkt der drei Roxy Music-Alben dachte ich nicht, dass Brian Enos Musik für mich lebensbegleitend werden sollte. Hier die Behutungen der Folgejahre. Der Hammer. Und dann fehlen nur noch die kurzen Geschichten. Aber auch wenn der Himmel stark nach Vollmond ausschaut, ich gehe jetzt schlafen. Wie gesagt, die Stories kommen, früher oder später. 

 

Here Come The Warm Jets (Januar 1974) 🎩🎩🎩🎩🎩

Taking Tiger Mountain By Strategy (November 1974) 🎩🎩🎩🎩🎩

Another Green World (November 1975) 🎩🎩🎩🎩🎩🎩

Discreet Music (November 1975) 🎩🎩🎩🎩🎩🎩

Before And After Science (Dezember 1977) 🎩🎩🎩🎩1/2

Music For Airports (September 1978) 🎩🎩🎩🎩🎩🎩

Music For Films (September 1978) 🎩🎩🎩🎩🎩🎩


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