Manafonistas

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Archives: März 2021

2021 16 März

Telefonat mit einem Presseagenten (memory mix)

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Agent: Und die lassen sie über den Hindenburgdamm drüber? Michael: Das ist kein Problem. Beim ersten Shutdown musste ich mich bei der Landesregierung akkreditieren lassen, mittlerweile reicht eine Auftragsbescheinigung für die Chefin meiner Pension. Agent: Es ist dort ja total einsam, und da wollen sie ausgerechnet dieses Buch lesen? Da kommt was auf sie zu. Michael: Ich hoffe es, und ich liebe gute Western. Wenn ich nur  an Cormac McCarthys „All die schönen Pferde“ denke, grossartiger Roman, keine gute Verfilmung. Und ja, im Mai werde ich dann, in meiner Radionacht den Roman vorstellen, aber nur, wenn er mich mit auf eine Reise nimmt. Und dann unterlege ich ihn wohl mit jenen spröden Wüstengitarren, mit denen Warren Ellis und Nick Cave schon manchen Western bestückt haben. Agent: Vielversprechend. Michael: Ich hoffe es. Ich nehme das Buch überall mit hin, selbst nachts, wenn eine  meiner „Inselquellen“ mir eine Sauna am Meer öffnet. Agent: Was machen sie denn nachts in einer Sauna? Michael: Saunen. Oder heisst es saunieren? Agent (lacht): Extrem. Michael: Es ist Teil einer weiteren Nachtwanderung. Sie müssten mich mal im Neoprenanzug hinterm Roten Kliff sehen, sie würden an einen Alien denken! Ein Alien mit Taschenlampe. Agent: Sylt kann ich mir nur schwer als Abenteuerinsel vorstellen. Michael: Ich bisher auch nicht. Aber im Shutdown, und nachts, das hat schon was von realen Gespenstergeschichten. Zumal ich im letzten Jahr viel Material gesammelt habe, aus Zeitungen, von Insulanern, über den Suizid des Schauspielers Ulrich Wildgruber an der Küste von Westerland. Agent: Ganz ehrlich, wenn ich die Insel in diesem Zustand erleben dürfte, ich würde mir sicher auch eine spannende Lektüre mitnehmen, aber, ähem, nicht so eine extrem dichte Einsamkeitserforschung. Da lassen sie sich auf was ein. Michael: Das will ich ja. Ich bin nicht als Tourist unterwegs. Und für mich sind die nord- und ostfriesischen Inseln immer auch Teil meiner Kindheitsgeschichte. Das erdet, auch wenn ich meistens alleine rumstreune. Agent: Erstatten sie mir hinterher Bericht, bitte. Michael: Gerne doch.

Die dritte Welle steigt, drastisch, mit zu vielen  schlecht durchdachten Öffnungen, der Inzidenzwert klettert (der kein politisches Konstrukt ist, sondern eine empirische Grösse mit existenziellen Auswerkungen), und das Murphy-Gesetz regiert. Oder Berlin? Die Intensivmediziner fordern sofortige Rückkehr zum Lockdown, sie lesen die Zahlen und wissen nur zu gut, warum. Die regierenden Zirkel scheuen die Wahrheit der Zahlen und reden über das Leiden dahinter, in einer alten Sprache, welche nur Hohlwörter hat für Einsamkeit, Trauer, Verlust. Im Stotterrhythmus von einer zur nächsten und übernächsten „vorübergehenden Schliessung“: das klingt so, als sei der Chef eines Tante Emma-Ladens mal kurz zum Zahnarzt gegangen, um dann nie wieder aufzutauchen. Für den Alltag braucht man langsam ein Narkotikum: allein die immergleichen Diskussionsrunden betäuben nicht wirklich, diese medialen Möbiusschleifen. Ein Dauerflimmern. Die Pandemie ist mit der dritten Welle nicht einfach vorüber. Die Ausschläge zu hart, und was hinten, Menschen nämlich, runterfällt. Optimisten wittern die Umarmung Fremder im Herbst. Prognosentaumel. Manchmal sind Wiederholungen wie ein Schlag ins Gesicht, der erst beim zweiten, dritten Mal Wirkungstreffer zeigt, Wahrheitsgewinn: 78000 Kinder und Jugendliche leiden an teilweise schweren physischen Folgeerscheinungen der abgeklungenen Hauptinfektion, in England, Long Covid genannt,  wo das mutierte Virus die Zahlen beherrscht. Suizidraten, Depressionen, Existenznot, alles steigt mit den Wellen, mit miserablem Management. Ding, Dong, You’re Dead. Einen Ausweg, ZeroCovid, hat man ein uns andere Mal versäumt, anders als in Neuseeland oder Australien, wo Rockkonzerte wieder vor 30000 Zuschauern stattfinden. Hier gibt es den Vandalismus geheimer Corona-Parties, in Wäldern, Flusstälern, Naherholungsgebieten. Stadtrandzonen. Wo es gemeldet wird, rücken die Ordnungskräfte an. Der soziale Friede ist längst gefährdet. Und dieser ganze Scheiss ist, bitteschön, kein Stephen King-Roman. Bitten wir zum Maskentanz, safe and sound and forever. Meditation hilft. Yoga. Grüner Tee. Bewegung. Bewegung wirkt antidepressiv. Liebe. Gute Freunde. Ein Hund. Gute Musik*. Guter Sex auch. Unter Fremden bitte nur mit vorgezogenem Schnelltest. Und zwischen bald und irgendwann, die Impfung, ein ganz besonderes Desaster in deutschen Landen. Einigen wir uns auf eine Schlussblende: 2022. Stellen wir uns einen Kanzler namens Laschet vor, und die korrupteste WM der Fussballhistorie. Katar. Und Boris Johnson rüstet Grossbritannien atomar auf, der Irre, so sein Ansinnen. Gottogott. Am Glück müssen wir wohl, wie sonst auch, selber werkeln. Das ist der frohe Teil der Botschaft.

 

*Die Ressourcen der Freude lassen sich für manche möglicherweise mit Daniel Lanois‘ neuem, am 3. April erscheinenden Album Heavy Sun aufstocken. James McNair schreibt in der Mai-Ausgabe von Mojo, ein wenig frei übersetzt und gekürzt: „Heavy Sun, in Lanois‘ buddhistischem Tempel in Toronto entstanden, den er in ein Studio verwandelt hat, ist eine Medizin gegen den pandemischen Blues; ein frohsinniges Gospel-Album, das nicht zuletzt  auf der Hammond von Johnny Shepherd, basiert. Es ist ein kühnes Werk mit hellichten und horizonterweiternden Texturen. Wenn die Stimmung an die Aretha Franklin Live-Doku „Amazing Grace“ erinnert, bringt Lanois‘ nuancierte Produktion den Gospel in andere, manchmal dubbigere Gefilde. Der Afrobeat von Every Nation and Angels Watching zementiert das Gefühl, dass hier ein Meister der Atmosphären am Werk ist, während Tree Of Tule einen 1.000 Jahre alten Ort der Meditation unter den Ästen in Oaxaca, Mexiko, feiert.“

 

2021 15 März

Blaudunkel

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Ich habe vor 5 Jahren sehr gerne zwei Songs von Masha Qrella gehört: In einem geht es um einen (oder eine?) DJ, der fast nur „On The Beach“ auflegt, in dem anderen darum, nicht die Schlüssel zur Wohnung des Partners zu bekommen, damit man die später nicht zurückgeben muss. Die restlichen Songs des Albums gefielen mir auch, so dass „Keys“ im Sommer 2016 sehr oft lief – und danach kaum noch. (Nebenbei: 2016, in dem Jahr der Brexit Abstimmung, der Wahl der AfD in den Bundestag und der Trump Wahl, dachte ich, dass es nicht viel schlimmer kommen könne, nun ja). Die Ankündigung des neuen Albums „Woanders“ hat mich erst nicht großartig interessiert. Gedichte, die vertont werden?! Ach ne, da kaufe ich mir lieber einen Gedichtband von Thomas Brasch und gut ist. Der Song „Geister“ gefiel mir mit seinen bollernden Beat dann doch ganz gut … und „Das Meer“ im Duo mit Dirk von Lotzow ließ mich nicht mehr los, so dass ich die Schallplatte bestellt habe. Ich mag alle Stücke, mal gehen die mehr in Richtung späte Roxy Music, dann klingt es nach Indie Pop, gelegentlich treten elektronische Einflüsse in den Vordergrund. Als Doppelalbum mit 17 Songs vielleicht etwas wenig abwechslungsreich. In Zukunft höre ich das Album wahrscheinlich nicht so oft am Stück, lege zwischendurch was anderes auf. Aber: Die Texte sind toll und wirken wie für die Musik gemacht. Keine Ahnung, ob es unter meine 16 Lieblingsalben des Jahres kommt, da muss ich noch etwas länger hören, ob und wie sich die Musik in meinen Alltag einnistet.

2021 15 März

Mogwai: As The Love Continues

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Wie bei jedem Mogwai-Album teilt sich das Meinungsbild auch hier wieder zwischen den Fraktionen „ein weiteres Album im qualitativen Mittelfeld, das keine besonderen neuen Ideen zu bieten hat“ und „ihr bestes Album seit…“ – in jedem Fall ist festzuhalten, dass As the Love Continues schon jetzt das (in den Charts) erfolgreichste Album der 25-jährigen Karriere der schottischen Rockband ist.

Ich halte mich für keinen sorgfältigen Fachmann aller Mogwai-Alben, doch wenn ich darüber nachdenke, merke ich, dass ich doch fast alles mehr oder weniger gut kenne, was die Band gemacht hat. In gewisser Weise genügt es vollkommen, die preisgünstige Kollektion Central Belters zu haben, die auf 3 CDs einen hervorragenden Querschnitt aller Alben, Soundtrack-Arbeiten und Nebenstränge der ersten 20 Schaffensjahre bietet. Doch As the Love Continues, das erste neue (Studio-)Album seit dem verhalten aufgenommenen Every Country’s Sun 2017, hat mehr auf dem Kasten, als dass es über eine gute Stunde nur die alten Ideen wieder hochköcheln würde.

Der Humor der Schotten zeigt sich bereits wieder einmal in den Songtiteln; „Ritchie Sacramento“ beispielsweise, einer der sehr seltenen Songs mit Gesang, beruht angeblich auf der missverstandenen Nennung des Namens Ryuichi Sakamoto (wie vor zehn Jahren „You’re Lionel Richie“ die zufällige Begegnung des Mogwai-Frontmanns mit Herrn Richie im Wartebereich eines Flughafens aufgriff), aber klar, auch Gags würden keine mittelprächtige Platte hörbarer machen, und „Ritchie Sacramento“ ist für Mogwai-Verhältnisse ein wunderbarer Pop-Hit, der aus dem Gesamtkontext nur scheinbar durch seine Andersartigkeit herausfällt. Denn viele Stücke sind einladend bis mitreißend, auch wenn das nicht immer gleich offensichtlich ist – und, ja, emotional eingängig, ohne plump zu sein, wie das bei solchen „Post-Rock“-Scheiben schnell passiert. Auch „Fuck off Money“ beginnt mit Gesang, allerdings mittels Vocoder bis zur Unverständlichkeit verfremdet (erinnert damit anfangs an das famose „Hunted By a Freak“ vor über 20 Jahren), bevor sich leidenschaftliche Gitarrenberge auftürmen, die die ganze bestechende Kraft dieser Band zusammenfassen, wie das auch im schroffen „Drive the Nail“ der Fall ist.

Bei „Ceiling Granny“ denken nicht wenige Hörer an den Alternative Rock der (früheren) 1990er, doch der Gesang, den man hier tatsächlich erwarten würde, er kommt nicht. Und trotzdem ist es ein Song, ein eingängiger, auf sympathische Weise womöglich altmodischer zudem. Das folgende „Midnight Flit“ wird durch mehr und mehr wirr aufgetürmte und zum Ende hin wieder versickernde Streicher von Atticus Ross zum Spektakel, bevor mit „Pat Stains“ (mit Saxofonist Colin Stetson als Gast) eine angenehme Entspanntheit Einzug hält.

Flaming-Lips-Hausproduzent Dave Fridmann, der in den Neunzigerjahren beim Album Come On Die Young im Boot war, scheint eine einnehmende Melodiefreudigkeit herausgekitzelt zu haben, vielleicht hatte die Band aber auch nach den vielen Soundtrack-Projekten mal wieder so richtig Lust auf eine recht geradlinige, bodenständige Platte. Wie auch immer: Mit As the Love Continues sind Mogwai nun erstmals auf Platz 1 der britischen Charts gelandet. Und ich sage: ihr bestes Album seit … 25 Jahren.

Ich mag diese Platte total gerne. Ursprünglich als Soloalbum eines nicht ganz unbekannten Musikers gedacht (der einst in den 80ern die Sahne auf die Torte eines Hits einer singenden Schmalzlocke zauberte), wird sie bei denen, die diesen Meister seines Instruments kennen, wahlweise für Irritation / Faszination sorgen. Es ist zurecht ein Duo-Album geworden, ausgestattet mit einer raffinierten Portion Jazz. Rein instrumental, fragmentiert, in Sekunden höllisch funky & dann wieder seltsam verloren. Das Gebräu weigert sich strikt, einem steten Groove zu folgen, wechselt nahtlos von einem halluzinatorischen Halbstil zum anderen. Das Spiel der Akteure ist sowohl abenteuerlich als auch strukturiert, und das überraschende, wohltuende Resultat hätte auch eine Veröffentlichung verdient gehabt auf Enos Obscure-Label aus den 70ern. Es wäre Obscure No. 11 gewesen. Nur ist eben eine Neuheit, und das Cover setzt genauso auf Unauffälligkeit wie der Titel dieser Langspielplatte. Die Frage ist: um welches Opus handelt es sich hier? Die Antwort wird nicht wirklich weiterhelfen, denn die Musik bleibt ein Rätsel. Wie Lana Del Ray.

2021 15 März

Valerie

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Gestern hatte ich in aller Ruhe das neue Album von Valerie June gehört. Und ein interessantes Phänomen erlebt. Auf den ersten Eindruck schien es überproduziert. Zudem musste ich mich an die hohe Stimme gewöhnen. Das gelang mir beim vorigen Album, und jetzt auch wieder. Als ich mich dann durch die Lieder bewegte, von Raum zu Raum, in einem weitreichenden Sammelsurium der Stile – geriet erstmal alles in Schwingung zwischen den Ohren, es zirpte, trommelte leicht, sprühte Pastell mit lauter zart besaiteten Instrumenten – selbst sich rar machende Blasinstrumente (so kommt es mir in der Erinnerung vor) schienen bevorzugt im Hintergrund zu tänzeln. Zusätzlich waren die offiziellen Videos einzelner Songs gar nicht mein Fall, so edel designt. Sollte ich mir erste Krokosse ins Haar flechten? Doch dann kippte alles, was frühe Wahrnehmungen suggerierten: ich konnte mich hineinfallen lassen in den Strom feinziselierter Melodien, die Stimme entwickelt einen anderen Soul, von Song zu Song, es packte mich dermassen, dass die Zeit nur so dahinflog beim zweiten Hören. Zum Beispiel dieser Song: “Two Roads” begins as a soul pastiche but quickly morphs into a gorgeous country song, drenched in honey-sweet pedal steel. The song is about grappling with the consequences of past decisions, with June—like her soft, upper-register vocal hook— sounding lost in the clouds. Auf den Punkt gebracht: All that deepness in the lightness. All those spaces in between. Erstaunlich gute Platte.

 

2021 14 März

Stratosphere Girl

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Every line you draw, leads to something. And often you don´t even know to where. You go on a journey without knowing how to end it.

 

 

 

Einen Teil des Plots für seinen nächsten Film hatte M.X. Oberg schon entwickelt. Er suchte aber noch einen passenden Ort. Nach seinem Abitur hatte er als Schlafwagenschaffner bei Wagon Lits gearbeitet und damit seinen ersten Kurzfilm Dreaming is a Private Thing finanziert. Und die Girls? Ein paar seiner ehemaligen Mitschülerinnen waren damals – es war  Ende der 80er – nach Tokyo gereist und hatten in Nachtclubs als Hostessen gearbeitet. Tokyo: Metropole aus blinkendem Neon und unverständlichen Zeichen. Menschen, die ihre Meinungen nicht direkt äußern. Grenzziehungen und Grenzaufweichungen. Erotik, aber kein Sex. Ein Job, nur ein Spiel, aber es kippt.

 

Most people seem to have a goal in life. But what happens to those who don’t?

 

Chloé Winkel ist als Abiturientin Angela charismatisch in ihrer ruhigen, introvertierten Präsenz, die sich erst auf den zweiten Blick zeigt: wenn man ihr zuschaut. Angela ist Comiczeichnerin und sehr professionell in ihrer Kunst. Der Charme des Films besteht darin, dass Angelas Zeichnungen die Geschichte entwickeln, ein Stil, den ich in STRATOSPHERE GIRL zum ersten und bisher einzigen Mal gesehen habe. Es beginnt mit dem attraktiven Japaner, der auf der Abiturfeier Platten auflegt, den sie anspricht. Später machen sich Angelas Zeichnungen selbstständig. Rückkopplungseffekte blitzen auf.

 

Die Kamera führt Michael Mieke in weichen, fließenden, geradezu schwebenden Bewegungen. Er hängt sie an einer Art Seil auf, das wirkt nicht so statisch wie mit der Steadycam, aber auch nicht so nervös wie mit einer Handkamera.

 

Grandios ist die musikalische Untermalung durch die fließenden Atmosphären von Nils Petter Molvaer, vielleicht Vorarbeiten für sein einige Jahre später erschienenes Album re-vision.

 

They drift with no clear destination. And then, they get lost and disappear.

2021 14 März

Ganz normale Menschen mit Weitblick

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Christian Drosten

Melanie Brinkmann

Lothar Wieler

Karl Lauterbach

Sandra  Ciesek

u.v.a

 

Ich greife nur ein paar der herausragenden Persönlichkeiten heraus, die, ohne, sich Wirklichkeiten zurecht zu rücken, und ohne ganzheitliches Denken zu  vernachlässigen, die Art von Aufklärung betreiben, die in Zeiten dieser Pandemie dringend nötig ist. Dass sie viel zu wenig Gehör finden, liegt an dem Einfluss der Wirtschaft auf die Politik, an ihrer rein beratenden Funktion, die durch das ganze Rädergetriebe aufgeweicht wird. Karl Lauterbach plädiert für die strikte Umsetzung der Notbremse – alle Lockerungen sollten so schnell wie möglich ausgesetzt werden, JETZT, um die dritte Welle so flach wie möglich zu halten. Hinterher ist man immer schlauer – das wird im April keiner mehr sagen dürfen.

 

A talk with Rasha Nahas about her album Desert – which should be a striking candidate for Manafonistas‘ best albums of 2021 lists. Rasha Nahas was born into a Palestinian family in Haifa where she grew up and lived before she moved to Berlin in 2017. In Germany she has been working with various musical and theatre productions and has just released her debut debut album Desert on her label Rmad Records.

 

One of the many things I find remarkable about your album is that these songs sound like you had been living with them for a while. I can’t exactly tell if I get that impression from the arrangements or from that fine flow in the lyrics. Some of the lyrics have such a wild, or complex, imagery that seems to be a mix of very personal thoughts and feelings and also some sentiments about society and the places you lived in. Lots of songs have a striking energy that sounds elaborate and emotionally lived-through at the same time.They sound like songs that have had some history before they’ve been put on tape.

 
 

The songs went through different arrangements. Yes, I lived with them – played them acoustically, only me with classical guitar, then I did them with more electronic elements, and then with different musicians. Little by little I started gathering the band. Me and the violinist [Shaden Nahra] have played together for seven or eight years. There was a very strong connection between me and the musicians, and we definitely explored and lived the songs a lot. It’s not a matter of time, though, rather a matter of commitment and a sense of being involved artistically. I actually wrote a lot of songs for this album, I just didn’t release them, apart from an EP in 2016.

 

You developed the music partly in your hometown, Haifa, and then you toured with it before you recorded it here in Berlin?

 

Yes, the music was written during my last few weeks in Haifa and during my first few weeks in Germany. It was really written through my transition. The title track, “Desert”, for example I wrote in my apartment in Haifa the month before I left. “The Clown” and “Ashes” were written in my first apartment here in Berlin. It was really like documenting my travel, documenting that period of my life, asking myself where I want to be – and doing it.

 

And that was three or four years ago?

 

Yes, I moved to Germany in the summer of 2017. I simply had a lot of friends here in Berlin. In 2017, we played Glastonbury Festival in England and a few other gigs, and it just made sense that I stayed here. Then I started performing here and applied for an artist visa.

 

The whole album really sounds like it could have been live in the studio, although I’m guessing there was a lot of work involved with how the the violin, the cello and the instruments in general blend together.

 

After I wrote the songs, we arranged the basics with the band, like verse, chorus, the lengths of sections and such. I worked mainly with the bass and the drums to really gain this solid, heavy feeling. The songs are intense there’s something very … like stepping in mud, you know? To me that feels like heavy steps. That was the the main work, to realise this solid rhythm section to build on.

We did work a lot with the cello and the violin lines, some of which I had in my mind – for example “Ashes”, these lines [sings] I must have had forever. I was always singing that when we were rehearsing. Then we were in the studio, and we’d never discussed it before, but I just went like, “try this line“. And it worked. A few songs were done in one take, “The Fall” for example, all of us together, including the vocals. We didn’t dub anything, just mixed it.

 
 

 
 

What was the co-producer’s role on this project? Where did he come from?

 

As for the co-producer, I basically needed someone on the technical side. As a band, we had a vision – we had a sound, but with me being lead singer and guitarist, I needed someone to execute this sound in a technical way. Plus, Jonathan is a great musician; he was a classical pianist. I trust him when it comes to giving me feedback, as a person from outside the band. Jonathan also mixed the album. I needed the same engineer to mix it, because the band really had a very specific sound, which I don’t think I could have executed without him.

 

In “Cat Lady“ I like this this raw atmosphere, with the guitar sounding almost like it was improvised, very much like played on the spot.

 

For “Cat Lady” we recorded bass, drums and guitar, then added violin and cello. And then I didn’t like the guitar part. So I just played one take of guitar on it. That was basically improvised. It was two chords, this whole song, but it has many variations. We play a lot with the colours. So with the guitar part I am basically reacting to what’s happening around me.

 

Indeed, you present all sorts of different colours on this album. At first it can be a bit overwhelming – for the listener, having all these different vantage points on your creative personality. All these elements are very fascinating to roam and experience. Every time I put on the CD, it feels like listening to a new album again. Let’s take the Leonard Cohen song: At first one might think, “why does a Leonard Cohen song end up on this album?”, but having listened to the album many times I in a way forgot it once was a Cohen song … until that fabulous chorus comes in and reminds me. Your recording of that song comes across as a very personal take, even though it’s not one that you wrote. Usually I’m a bit hesitant about people covering famous songs – and Cohen’s have been covered and recorded a lot. Singers often perform it in such a way that you can hear they like the song, but their take is not in any way unique. Here, it sounds like it’s your song, like there’s a deep personal connection. That’s why it fits splendidly into the overall concept of your album.

 

He’s a big inspiration. He’s one of the greatest songwriters that ever lived, at least in English music. His work definitely shaped a certain part of how I write in English and express specific things. I love this song very much. I played it acoustically on classical guitar a lot. During one rehearsal I plugged in my guitar, we were still in the beginning, like half tuning, half jamming … I started playing it, and then the bass gave the first note, then the drums did a bit of cymbals, then we went to the six eighths, and then the cello came in… So I just felt like recording it, because I think it’s a song that speaks about identity, about not recognizing yourself, about transition, about love. It’s also a dialogue with the father that can be also God, so it’s a somewhat religious song – this whole thing about covering the face… It’s very metaphorical but also very specific. It fit the album really well.

 

It does fit on the very personal side of these songs on the album. There are lots of very personal moments to it, but they’re never as bare as if you’re talking about something private. “Ashes” is a good example. It sounds like a very personal story, and this is where “Lover Lover Lover” fits in. “Ashes”, the longest and one of the most dramatic songs on the album, starts like it’s a quiet one and then it becomes more dramatic. And in the end it calms down again. I had this feeling that it’s probably a love song, but the metaphors you chose are anything but ordinary. They could easily relate to something else than merely a personal situation from a relationship.

 

“Ashes” is a love song, yes. It started from cigarette ashes. You find an ashtray with a lot of ashes of cigarettes. But it’s also a metaphor for burning, like when you get close to fire and then lose your balance – like a musician on stage is completely surrendering to the music, and burning, and after the concert thinking what is left. That sounds a bit tragic, but it’s also beautiful. And it’s about love, about relationships and balance, learning about the line between you and the other person. “And my ashes remain in the room as you leave” – it’s a beautiful metaphor. It’s one of my favorite songs on the album and one of my dearest things I wrote so far. I’m sharing a lot there.

I love personal music. Take Jeff Buckley, for example, or Joni Mitchell. If you go back in time, there was no ego in love songs – or maybe it was ego in a different way. I feel today love songs are so much about ego, and there’s a lot of thinking about how you’re perceived.

 

It’s great how these songs are more like open vessels for my – or other listeners’ – associations. And then there are others which are more eccentric. There’s lots of these associative elements which I find really fascinating to be drawn into. Did you work a lot on the lyrics, before you decided this is the final text? How much time do you spend on developing a song?

 

It’s different with every song. For “The Clown” it took 15 or 20 minutes to write the text. The arrangement took a bit more time, finding out how we’ll do it, rehearsing all the stops and the riffs. “Ashes” I wrote in the morning, then I went on my bike to get something in the city. I remember listening to the recording I had made on my phone, thinking about what I was going to change. Then I came back home, changed it – and that was it.

For me, with text I usually feel like it may not be perfect, and even though I could make everything sound a bit better or fix everything so that it will be more accurate, but I think that I prefer to just keep it as it is, because it’s what it is. I never felt that reservation of things not being good enough to let them out. It’s like taking a photograph and showing it to a friend. It’s a beautiful, very fluid process, and there’s no right and wrong. There is a lot of space to create and to invent.

 

You started playing music when you were very young and played classical guitar when you were about ten? Why didn’t you become a classical guitarist, or rather, where did you start taking a different turn? When did you decide to go down this path as a songwriter between cultures and countries?

 

I love classical music. But to play classical guitar is like flying an airplane – if you really want to do it in a way to pursue a career. In a way I find it classical music very impressive and very “royal” – to see people playing such sophisticated music and investing their life into manifesting it in a great way. I guess the music I make is more direct and accessible than classical music. My classical guitar studies were enriching for my experience as a musician, but I had something to say. I wanted to write songs. I wanted to speak to people. I wanted to share verbally. I just feel that I’m a songwriter.

When I was very young, I really grew up on John Lennon. He’s great. My Dad had a collection of Lennon CDs, and I just listened to them like every time I was in the car – every time we were driving somewhere, to visit my grandparents in the village or wherever. So it was like John lLennon from like my early my earliest memory of music. And later on we got Queen and Freddie Mercury, just like such great rock bands.

 

Lennon and Mercury – that makes sense to me, listening to your album.

 
 

 
 

About this album cover: What’s the story behind the image? Was it your idea, or where did this artwork come from?

 

It was a deep dialogue with the graphic designer [Haitham Haddad]. He is an amazing artist. He was a good friend of my sister’s and I’ve known him since high school. When we recorded the album I didn’t know the order of the songs, didn’t know how it’s all gonna be put together. The pieces felt so different from each other. Admittedly that was my plan: I didn’t want to create one genre. I don’t believe in genres anyway, I just want to do art and express feelings, express thoughts, express myself. And I realized it’s a collage. It moves and it takes you with it. Every song is a journey, but the whole thing is also a journey. It’s very personal, but also very theatrical – so the double exposure with the different layers basically represents the album like different personalities. The theatricality is in the distortions and the burned colour. There’s also something very clear in the face, but there’s this moving and shifting thing around it, it’s fluid. The graphic designer did a brilliant job.

 

How have you changed since the album has been finished? It’s been a while since you recorded it, and judging from all the projects you worked on since then, you seem to be in a very different place now, artistically at least.

 

Yes, it took time for me to understand what this album means. I started “Desert” in 2018 and I did a crowdfunding campaign. Then after the recording I had an injury in both my hands which stopped me from making music for almost a year. I had inflammation in my hands, and I couldn’t play guitar or carry my groceries, make food or type emails. I was not in a good place. I’m doing okay now, but I needed time to heal, time to to be with myself, prioritize things a bit.

I learned to know my limits. I started touring a lot, and it was the most important thing for me for some time. My music was more important than myself. It was a very romantic relationship to my art. It still is important, but it’s different; it’s healthier, because being ill for many months and not being able to play music taught me a lot about my relationship with music and my relationship with myself. I was forced to prioritize myself, my well-being, my health before everything else. That was the most precious lesson I learned in my life.

My relationship with music can still be the ashes that remain in the room, you know, but it’s a bit more balanced. I found a very beautiful relationship with music that is not as tragic. I just learned to do it in a way that is good and healthy.That’s the main thing that changed.

Making the album felt very intuitive. I’ve been through a lot with it, and it was very important for me to release it, before I release anything else. And it took me time to put it in a frame and say, “okay, this is what it is”, and so it’s such a perfect timing for it to be out now. It’s like opening a new chapter.

 

The conversation between Rasha Nahas and IJ.Biermann, recorded in Berlin in March 2021, has been edited and condensed for clarity.

 

2021 13 März

„In the dark flow of Spiral“

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Es ist noch nicht zu spät, in eine meiner absoluten Lieblingsserien einzusteigen. Auch wenn die erste Staffel noch ein paar kleine Schwächen hatte, wie eine zu aufdringliche Musik. Spätestens ab Staffel zwei gerät man leicht in jenen Sog, der uns hinter die Leinwand transportiert, als wären wir dabei, und, mon dieu, wie oft wird einem hier, innerhalb der acht Staffeln von „Spiral“, das Herz gebrochen! Viele haben versucht herauszufinden, warum sie das so fesselnd finden sollten, diese untertitelte Buddy-Buddy-Buddy-Flic-Flic-Serie, die im Großen und Ganzen auf der schmuddeligen Seite der Peripherie spielt, einem Paris fernab von Champagner, Kellnern und Touristenkram, einem Paris, das hauptsächlich von brennenden Reifen, billigen, stinkenden Schmuggelzigaretten und rüpelhaftem, düsterem Humor geprägt ist.

Der französische Titel lautet „Engrenages“, was wörtlich übersetzt so etwas wie „Räder in Rädchen“ und „Rädergetriebe“ bedeutet, was etwas passender ist: In jeder Folge wirbeln die Geschichten, kollidieren, greifen ineinander oder sprühen Funken, und man bleibt mit einem bewundernden, kopfschüttelnden, erschüttertem Empfinden zurück. Es gibt nichts als nahtlos gutes Schauspiel, sei es das Hauptdreieck der Polizisten – Laure, Gilou, Tintin – oder die Juristen, die den Richter François Roban (Philippe Duclos) und die flammenhaarige Anwältin Joséphine Karlsson (Audrey Fleurot) untersuchen. Caroline Proust als Laure Berthaud hält sie alle zusammen. So gut wie immer getrieben, ernst, unter Strom, doch wenn sie mal lächelt, dann ist das einer dieser Momente, in denen man weiss, dass es sich zuweilen lohnt, bis ans Ende der Nacht zu reisen.

 


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