Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: November 2016

1 Donald Ray Pollock: The Heavenly Table

(in deutscher Übersetzung jüngst erschienen bei Liebeskind)

 

Yes, The Heavenly Table is an old-fashioned yarn with a pretty predictable plot – but that’s the point, and as with The Adventures of Huckleberry Finn (an obvious influence), it is also a riotous satire that takes on our hopeless faith in modernity, along with our endless capacity for cruelty and absurd pretension … As much as we’d like to take comfort in the thought that all of this happened far away and a century ago, the fact is that Pollock’s funny, damning novel belongs, more than ever, to the country we live in now.

 

2 Duane Swierczynski: Revolver

 

Impressive, intricately constructed … Well sequenced to maximize suspense … A twist-filled saga of family loyalties and civic corruption … Mr. Swierczynski’s innovative, life-affirming novel also affords the traditional pleasures of a police procedural, including humor.

 

3 Bill Beverly: Dodgers

 

I try not to read thrillers because they tend to keep me up to all hours of the night, and I don’t have the time. Bill Beverly’s Dodgers broke through my wall of self-denial and, yes, I did stay up late for two nights to finish it. Four black boys in a gang from Los Angeles are given a job: drive across the country to carry out a hit on a black judge. What can go wrong? Everything, of course. The prose is tight, the dialogue rhythmic, the pacing fast, the violence measured, and the ending unexpected. So what if I lost some sleep?

 

4 Stephen Dobyns: Is Fat Bob Dead Yet?

 

A thriller that evokes Elmore Leonard and Donald E. Westlake but adds several layers of absurdity and a narrative voice that suggests metafiction meets a Greek chorus meets Jane Austen … Yes, it’s absurd; yes, it’soutrageous; but here’s the thing: somehow, amid all the craziness, there’s a beating heart, too.”

 

5 Edward A. Dreyfus: The Midnight Shrink

 

The Midnight Shrink by Edward Dreyfus is a compelling, engaging novel. The storyline focuses on a psychologist who has decided that he can best serve the people who need the most help by meeting them on their territory, the streets of Los Angeles. He makes himself available during the dark hours of the night out of his van. Growing up on the streets of New York himself, he has a soft spot for these often overlooked people of the night.

 

6 Barry Eisler: Livia Lone

 

Readers may be reminded of Stieg Larsson’s beloved Lisbeth Salander when they meet Livia Lone, and will be totally riveted by the story of this woman on a mission to right the wrongs in her past.”

 

7 Lisa Lutz: The Passenger

 

In a stunning departure from her comic Spellman Files series, Lutz offers a dark psychological thriller. Tanya Dubois finds her husband dead and knows she can’t afford the police scrutiny that is soon to follow. So she hits the road—and not for the first time. Lutz develops riveting suspense by slowly revealing Tanya’s past while white-knuckling the reader with her gritty heroine’s increasingly tenuous bids at survival.

 

8 Lisa Sandlin: The Do-Right

 

Ex-con Delpha Wade takes a secretarial job with PI Tom Phelan, but quickly the two are working side by side. Sandlin vividly evokes the bayou country of 1973 Beaumont, Texas, while introducing a terrific character in Delpha, who is soaking up her freedom as she gets used to “wearing sky over her head.”

Als ich mir nun meine Jahresliste der aufregendsten Musikproduktionen 2016 vornahm (und sie in strenge Reihenfolge brachte – ist es nicht seltsam, dass man bei soviel grossartiger Musik immer noch differenzieren kann, wieso X auf Platz 7 und Y auf Platz 8 landet?), fiel mir auf, wie wenig Electronica da vertreten sind, also Platten, deren Klänge überwiegend elektronisch erzeugt werden. Was kamen da für Werke in die Post: dark ambient, black ambient, doom ambient, ultra modern dancefloor vibes: was beschworen Rezensenten da alles für ferne Welten, „cathedrals from outer space“ – nur, die Musik zündete nicht, blieb altertümlich avantgardistisch, special effects-lastig. Dagegen begeisterten mich nur zwei Platten aus diesem weiten Feld: eine heisst CHEETAH von Aphex Twin (von dem ich überhaupt nur drei Platten mag, seinen Klassiker „Selected Ambient Works 2“ finde ich schlecht geklaut und langweilig). Leider eine E.P., also nichts für eine Liste der Alben. Aber was für springlebendige, zauberhaft wirbelnde elektronische Musik! Und die andere sprang auf Platz 3 meiner Jahresliste, 20 satte Punkte. Auch wenn ich damit wohl allein auf weiter Flur stehe. Nur wenige kennen das Teil. Dieses Album zu hören, hatte auf mich die gleiche rauschhafte Wirkung, wie einst in Teenagerjahren, als neben dem Tannebaum eines Freundes, der Plattenspieler „Halleluwah“ von Can spielte, aus der damals brandneuen Platte TAGO MAGO. Ich war ganz aus dem Häuschen. Völlig anderes Feld, und wenig elektronisch, aber was diese beiden Platten verbindet, über Jahrzehnte hinweg, ist der euphorisierende Drehschwindel, tiefe Trance, zugleich hellwache Gebanntheit für jede Vibration, jeden Basis- und Randgroove. Und wie die Musik auch bereit war, jene Zonen anzusteuern, in der sie vor dem reinen Nichts stand, um dann wieder, mit einem TING, und noch einem TING, in die Welt zurückzukehren, full volume. Damals wackelte der Weihnachtsbaum. Jetzt heisst es nur „Warten bis Nikolaus“, um meine unglaubliche „Numero 3“ zu registrieren. Wer es aber gar nicht aushält, dem empfehle ich, aus seinem Leben ein Gesamtkunstwerk zu machen, in dem Alltag und Magie eins werden. Besorgen Sie sich, am besten noch heute, es gibt immer einen Weg, eine neue alte Waschmaschine, die „Ultimate Care II“ heisst – vielleicht müssen Sie dafür in ein Museum einbrechen, oder schlicht den Markt sondieren!

2016 6 Nov.

Geschichte gesucht …

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Das Märchen von Dornröschen kennt ein jeder. Man stelle sich vor, das Märchen würde genau zu dem Zeitpunkt sein Ende finden, an dem die Königstochter, nachdem sie sich an der Spindel gestochen hatte, auf das Bett des alten Mütterchens gefallen und sofort in einen tiefen Schlaf versunken war, wie auch der König, die Königin und der ganze Hofstaat; zu dem Zeitpunkt, an dem die Pferde im Stall, die Hunde im Hof, die Tauben auf dem Dach, die Fliegen an der Wand, ja, das Feuer auf dem Herd fest eingeschlafen war und der Braten aufgehört hatte zu brutzeln und der Koch, der dem Küchenjungen, weil er etwas versehen hatte, gerade an den Haaren ziehen wollte, eingeschlafen war …. dann HALT, STOPP, nichts mehr. Die Zeit wäre für das Schloss für immer angehalten worden. Ein solches Haus, dem genau das widerfahren ist, kenne ich seit weit über zehn Jahren, also echt jetzt, kein Scherz, keine Fiktion. Die Fakten: Als ich das Haus das erste Mal am Rand eines winzigen Dorfes irgendwo in Deutschland wahrgenommen hatte, sah ich zunächst einen fachmännisch richtig gut instandgesetzten Altbau, neue Fenster und Türen einschließlich neuer Dachgauben, ein vollkommen erneuertes Dach, auch Dachrinnen montiert, allein, es fehlten die jeweiligen Abgänge der Dachrinnen. Daneben entstand ein Anbau, ein Neubau, an dem alles fertig gebaut war, bis fast hinauf zur Dachschräge, das Ganze zudem komplett eingerüstet. Auf dem Boden des Obergeschosses dieses Anbaus sah man einen Betonmischer, Stapel mit Zementsäcken, Türme von Backsteinen, die darauf warteten verbaut zu werden, Leitern, Wasserwannen und diverse Werkzeuge. In einem halben Jahr, so dachte ich, könnte dieses schmucke Haus samt Anbau bezugsfertig sein. Der Altbau wäre, so nahm ich an, wenn die Fußböden verlegt, die sanitären Anlagen eingebaut, die Badezimmer gefliest, die Malerarbeiten abgeschlossen sein würden, vielleicht schon eher bewohnbar. Das ganze Ensemble sah aus, als hätten die Bauarbeiter gerade eine Arbeitspause, eine Brotzeit eingelegt und würden umgehend ihre Arbeit fortsetzen.

 
 
 

 
 
 

Und nun das Erstaunliche: ein Jahr später führte mich mein Weg wieder an diesem Gebäude vorbei: das gleiche Bild, zwei, drei, vier, zehn, ja, zwölf Jahre später immer noch das unveränderte Bild. Nichts, aber auch gar nichts hatte sich verändert, kein Zementsack war weggetragen worden, keine Leiter entfernt, die Wasserwannen standen immer noch an ihrem Platz, das Gerüst unberührt, die Backsteinvorräte unangetastet. Die einzige Veränderung im Laufe der Jahre: an allen Gegenständen hatte sich Moos angesetzt, außerdem hatte der eine oder andere Baumsamen irgendwelche Erdreste zu nutzen gewusst und war nun zu zarten Bäumchen herangewachsen …

Seit Jahren versuche ich herauszubekommen, was hier passiert war, ich habe Menschen aus der Gegend befragt, mich in Kneipen umgehört, niemand scheint etwas zu wissen. Welche Katastrophe hatte die Hausbesitzer heimgesucht: Krankheit, Arbeitslosigkeit, Scheidung, ein Verbrechen (???), Tod? Niemand konnte mir die Geschichte erzählen.

Kennen Sie sie?

 

Wer die Geschichte erzählen kann, möge dies unter „Kommentare“ tun. Unter allen Einsendern (Einsendeschluss ist der 05.12.2016) wird zur Belohnung am 06.12.2016 eine CD verlost: Johann Ludwig Trepulka / Nobert von Hannenheim: Klavierstücke und Sonaten, eingespielt von Herbert Henck (ECM New Series).

2016 5 Nov.

The Lobster (2015) – Filmtipp

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They call me the wild rose
but my name was Elisa Day
why they call me it I do not know

(Nick Cave)

 
 

Ja, ich weiß auch nicht, was dieser Film von Giorgos Lanthimos zeigen will, vielleicht weiß es der griechische Regisseur selber nicht und das macht den Film so spannend.

Er hat drei Handlungsstränge, die schnell erzählt sind. In dem ersten Teil müssen Alleingelassene, Verlassene versuchen, in 45 Tagen einen Partner zu finden. Gelingt es ihnen unter der Herrscherin des Hotels, in dem sie wohnen, nicht, werden sie in ein Tier verwandelt. Im mittleren Teil gibt es eine Gegengruppe, dort müssen die Singles absolut Singles bleiben. Wenn sie sich verlieben sollten, drohen ihnen schreckliche Strafen. Im letzten Teil ist es Einem aus der ersten Gruppe und Einer aus der zweiten Gruppe „gelungen“, sich zu verlieben. Es gelingt ihnen, in die Stadt zu fliehen, wo sie eine grausame Gemeinsamkeit ihrer Liebe finden.

Ich weiß auch nicht, ob es in diesem Film um Liebe geht. Es werden keine Gefühle gezeigt. Derjenige, der den Nick Cave Song „Where The Wild Roses Grow“ singt, lehnt merkwürdig emotionslos am Baum. Man kann seine Sehnsucht nicht von seiner Trostlosigkeit unterscheiden. In dieser Dystopie ist der Wald Wohnort und Fluchtweg zugleich. Der Besuch in der Stadt, ist eine Möglichkeit für das Liebespaar, eins zu spielen.

Die Farben in diesem Film sind eher freundlich und warm: der Wald ist sonnendurchflutet, ein warmes Braun wechselt mit moosweichem Grün. Der nahe Fluss fließt träge durch gelbes Gras. Diese Leinwände geben dem Zuschauer Zeit zum Durchatmen, besonders wenn im dritten Teil eine grässliche Szene der anderen folgt. Ein schlimmer Film? Das hörte ich beim Hinausgehen. Ich denke, es ist ein irritierender, radikaler Film. Kein Sozialdrama, keine Gesellschaftskritik, kein Horrorfilm, kein Sciencefiction und schon gar nicht ein Liebesfilm. Wir sind in den Jubeltagen des Dadaismus. Bunuel lässt grüßen, aber auch die Waldmenschen aus „Fahrenheit 451“.

Das ist das neue griechische Kino, darauf sollten jetzt Kinogänger achten.

Jeder Manafonista, und evtl. extra angeschriebene special guests, mögen bis zum 1. Dezember ihre Top-Liste der Musikproduktionen des Jahres ans MHQ nach Hannover mailen. Keine „reissues“. Mailadresse: manafonistas@gmx.de

Dabei kann jeder auswählen, ob er eine Top-3, Top-10, oder, weiss der Kuckuck, maximal Top-20-Liste zusammenstellt. Auf keinen Fall mehr als 20, auch wenn Jukebox-Man Gregor das schwerfallen wird. Diese individuellen Listen (mit oder ohne Beitext) werden vom Chefdesigner veröffentlicht. Am Nikolaustag. Brian und Ian werden in ihrer Muttersprache informiert.

Kurz darauf erfolgt die finale Herden-Liste: „Die Manafonistas-Alben des Jahres“. Das Punktesystem kann nur von einem entwickelt worden sein, der in Mathe ne 5 im Abi hatte, aber seis drum: nehmen wir eine Top-20-Liste: Platz 1 bekommt 30 Punkte, Platz 2 25, und Platz 3 20 Punkte. Von Platz 4 bis 20 gehts dann, Zahl für Zahl, runter von 17 (!) bis hin zu einem Punkt für Platz 20.

Wer nur 3 veröffentlicht, bekommt dafür immerhin 30, 25, 20 Punkte. Eine Top-5-Liste würde 30, 25, 20, 17 und 16 Punkte ins Spiel bringen. Besonders ausgefuchst: ein Werk, das ggf. von  allen genannt wird, enthält neben der Gesamtsumme einmalig 25 Punkte hinzu. Das ist alles.

 
 
 

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Unter den Manafonistas und den special guests werden zwei Weihnachtsgeschenke verlost: die 40th anniversary-Edition der King Crimson-Werke „BEAT“* und „THREE OF A PERFECT KIND“*, mit allerfeinsten Stereo- und Surroundmixen sowie interessantem Videostoff, z.B. King Crimson 1982, München – und wer war da im Publikum? Ein Manafonista! Viel kommt ja in diesem Jahr nicht mehr, man kann im Grunde schon loslegen.

 

* die beiden opulenten KC-Werke sind mir von zwei Promotion-Agenturen zugegangen, liegen also doppelt vor. 

Wenn das Neue seinen Reiz verliert, sind die griffigen Vokabeln zur Hand. Aber wenn das Neue sich nicht darum schert, das Neue zu sein, fallen die meisten Worte ins Leere, das Abenteuer bleibt bestehen: den ersten Ton anzuschlagen, der Entfaltung einzelner Motve und Motivketten mal verblüfft, mal zweifelnd zu folgen, Atem zu holen, Laut zu geben (Jarretts Stöhnen ist nicht inszeniert, vielmehr Begleiterscheinung eines Ekstatikers bei der Arbeit), zwischen Stilen und Jahrzehnten fündig zu werden (als wäre es ein erstes Mal, kein Zitatenschatz). Und so gibt es hier, in diesen vier italienischen Konzerten aus den Neunziger Jahren , einiges mehr zu bestaunen, zu belauschen als in der zu obsessiv betriebenen Triobearbeitung alter amerikanischer Songblätter. Aus ungenannten, mediterranen Quellen wurde mir das Material der vier Konzerte vor Wochen zugespielt, und ich schmuggelte Ferrara (oder war es Modena) in eine Radiostunde nach Mitternacht. Es war mir ein Fest. Und jetzt reden Sie jetzt bitte nicht vom Köln Concert. The sounds they are a’changin‘! So weit, so gut, und neben A MULTITUDE OF ANGELS ist heute auch FLOTUS von Lambchop erschienen. Es gibt letzteres sogar in einer Edition mit Whisky.

2016 4 Nov.

Über Wolf Biermann

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Du, lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit – unvergessliche Verszeile des Barden Biermann, dem unsereins einst mit gemischten Gefühlen begegnete, jedoch auch Positives abgewinnen konnte. Anders als etwa der Frankfurter Schriftsteller Wilhelm Genazino, der gerne auf leisen Sohlen umherflaniert in seiner „Schule der Besänftigung“, kam der Wolf stets laut daher und erntete dafür Applaus: Gut gebrüllt, Löwe! Wo sind denn heute jene, die dem System so klar die Pranke zeigen?

Erste Eindrücke kamen von einem Schulfreund, der Konkret lesend, Ente fahrend, Gauloises rauchend, eben auch Besitzer aller Biermann-Alben war. Zwar nicht wirklich meine Musik, doch dessen Persona im Spannungsgefüge des geteilten Deutschland, stimmungsmässig in den Nachwehen des Nazireiches verhangen, hatte Charisma. Auch einer obrigkeitskritischen Haltung, mit Revoluzzerromantik gewürzt, kann man in Zeiten gnadenloser Globalisierung, in denen Dichotomien wie „links und rechts“, „gut und böse“ so simpel nicht mehr greifen, noch etwas abgewinnen. Es bleibt Fakt: die Kluft zwischen Armen und Reichen alleine schon treibt jedem Anständigen unter uns die Schamesröte ins Gesicht, mehr als je zuvor. Und die im Dunklen sieht man nicht: das Kapital mit seinen Fluchten und Verflüchtigungen.

Ein Livekonzert des DDR-Barden, damals mit der Aura des frisch Ausgebürgerten umgeben, blieb im Gedächtnis hängen: neben unzweifelhaften Entertainerqualitäten, zudem als ein Kronzeuge des Zeitgeistes auftretend, fiel mir vor allem auch seine Art des Gitarrenspiels auf. Diese Raubeinigkeit gefiel mir: wie ein Baselitz an den Saiten ging er zuwerke, abrupt oft und doch sensibel. Wenn ich Monk zuweilen höre oder Derek Bailey, denke ich stets an dieses klasse Klampfenspiel im biermannesken Klassenkampf zurück.

Auf die Frage, wie er zum Schreiben gekommen sei, sagte Hartmut Geerken in einem Radiogespräch mit Sabine Küchler, er hätte in einer Phase seines Lebens Langgedichte der Beatniks gelesen, und in einem Gedicht gab es ein Bild, in dem Menschen einen Strand entlanggehen. Er wusste in dem Moment, dass er Gedichte schreiben wollte. Ich fand es sympathisch, dass er sich nicht mehr an den Namen des Dichters erinnerte, er meinte, es könne Charles Olsen gewesen sein. Auf solche Fakten kommt es nicht mehr an, es war etwas da, und das hat etwas ausgelöst. Andere weigern sich, die Region ihres Unterbewusstseins zu betreten.

Der Stalker kehrte aus der Zone zurück. Alles um ihn herum war wieder schwarzweiß. Er stand mit den anderen beiden Männern, dem Wissenschaftler und dem Schriftsteller, an einem kleinen hohen hölzernen Tisch im einzigen Café weit und breit. Wohin war der Traum verschwunden, oder betrat er ihn jetzt? Die Frau und das Kind holten ihn ab. Sie war da, obwohl er nicht freundlich zu ihr gewesen war, vor dieser Reise. Er trug das Kind auf den Schultern, sie saß da oben ganz ruhig. Sie gingen über matschigen Boden, Morast, Landschaft ohne Vegetation, und der schwarze Hund aus der Zone war ihnen gefolgt. Sie erreichten Wasser, den Strand, und der Hund freute sich, er rannte herum, er würde bei ihnen bleiben, vielleicht.

 
 
 

 

Am Wochenende war ich in einem meiner ungewöhnlichsten Konzertbesuche. WILCO, mit dabei einer der weltbesten Gitarrenspieler. Ob es mit ihm zusammenhängt, weiss ich nicht, jedenfalls machte mich das ständige Austauschen der Gitarren sehr neugierig. Zuerst versuchte ich, den jeweiligen Gitarren einen Namen zu geben, Fender, E Gitarre … Dann ging ich vor zur Bühne, um den unterschiedlichen Sound besser heraushören zu können. Mehrmals schallten mir Misstöne entgegen, mir war nicht klar, ob diese mit eingebaut waren oder just happened. Auch die Rhythmen verführten mich zu dem Gedanken, dass es doch phänomenal sei, wenn die Band zu den Texten den allerbesten Sound rausloopten. Und dann hatte das Fragen ein Ende und das Staunen begann. Der Song begann sehr ruhig, fast zart – plötzlich ein donnernder Rockbeat für 2 Minuten auf 4 Gitarren, dann wieder dieser eingängige Blues. Mir wurde klar, dass hier eine Band am Sound arbeitet, dass Neues ausprobiert wird, dass um jeden Ton gerungen wird. Das alleine war die Show schon wert. Ich hätte gerne gewusst, wie viele Gitarren sie dabei hatten und wie genau der Soundcheck vorgenommen wurde. Zu Beginn des Konzertes hatte der Sänger gesagt, er könne sich in dieser Messehalle auch vorstellen, einen Vortrag über seine Musik zu halten. Auch das wäre sicher interessant gewesen.


 
 

When I had a first glance on Kurt Wagner’s telling essay on the making of FLOTUS, the word „Mancini“ popped up, and I immediately thought of Henry Mancini, the composer of unforgettable soundtracks. After having channelled Frankie „Boy“ Sinatra into ghost town territory, after having composed a new soundtrack for a German silent movie from the 20’s, after some Curtis Mayfield falsetto highs on NIXON – why should the man who, similar to Robert Wyatt, has always been able to give well-known sources a personal touch, not get away with some Henry Mancini mood? I was wrong, Mary Mancini is the name of his wife. A politician. Democratic party. And she plays her part in the album, that’s for sure.

To be honest, I would very much prefer to get lost in a Scottish whiskey bar instead of following the ups and downs of a long-time marriage by reading canonical middle class novels by Updike or Ford (to make a long list short) that were quite obsessed with midlife-crisis-drama and long-term relationship-matters.

But there are exceptions. BLOOD ON THE TRACKS (to name a prize-winning writer), or one of the long Neil Young-songs on PSYCHEDELIC PILL – or Lambchop’s FLOTUS: though there are a few songs here (you could ad hoc call love songs), a lot of the tracks carry you away from any kind of conceptual exloration of the modus vivendi of people who know one another for half a lifetime. And the love songs, by the way, are brilliant.

FLOTUS Is a multi-layered beast, on par with Lambchop masterpieces like IS A WOMAN or DAMAGED (you, dear reader, might have other ones in mind). But here he is, Mr. Kurt Wagner, playing with „auto-tune“, doing „the two-step-hustle“, spending some time in Spain, just a few days before the release of one of the great song albums of 2016. Album of the month in MOJO, album of the month in UNCUT (December issues). So, take your time, and do yourself a favour, read – and listen!

 
 

Michael Engelbrecht: Where are you just now, Kurt, any hip-hop to be heard in the neighborhood?

 

Kurt Wagner: I’m in Castelion, Spain, on my off day which happens to be a bank holiday in Spain. Last night was Halloween. Not much hip-hop in this town this morning but it has yet to wake up.

 

Michael: To open this album with IN CARE OF 856309, is a courageous decision. A slow burner, the vocals quite deep in the mix (sometimes the deep range of your voice placed close to the bass). Words become sounds, and the listener is not forced to do semantics in the first place. An „ambient song“, kind of.

 

Kurt: Making this the first track on FLOTUS seemed to be the only logical place for this track to go. For this particular record I think it introduces the vocal distortions in a confident way, almost relentlessly. The flow of the words and the almost ultra wordy prose makes the case for a certain amount of drift by the listener much in the same way great dense hip hop words work. But also Dylan.

 

Michael: Additionally, you cannot always distinguish exactly between the real voice and the manipulated one.

 

Kurt: It is true that the vocal processing does balance between the more natural voice and the processed. My hope is by the end of the experience you have either accepted the notion, or turned the track off. It gives you the space to decide.

 

Michael: Speaking of „Auto-Tune“. What is it that attracts you here, from besides of paying attention to your hip-hopping neigbourhood, and the distorted sound of their ghettoblasters? 

 

Kurt: In my case, this machine enables me to to go beyond my limitations as an artist. It can suggest and infer possibilities, it can open up ideas by virtue of its design. And it happens in real time as the source is presented, it’s like a performance enhance for but the mind and the mouth.

 

Michael: I have big fun when reading the lyrics of JFK (“ … We must build a culture of understanding / just shy of the radio: I’m a pharmacist … „) – and simultaneously listening to the song. What has been the inspiration to a song that may have some sad undercurrents. But then, yep, the dancing groove of the second part, me oh my …

 

Kurt: When I was helping my parents move a few years back I was cleaning out their basement and I came across a drawing I made when I must have been 6 or so. It was a picture of JFK at a desk in the oval office with the presidential flag behind him. (the same flag that’s on the FLOTUS record cover). It now sits in my office and I see it everyday and i move it from place to place not knowing really what to do with it. I even made a crude wooden frame for it back then and signed it on the back. I must have been quite proud of it I suppose. I do remember that when I was very young we went to see the eternal flame at JFKs grave in Washington DC and that I am told I broke away from my parents and slipped under the rope that protected the area and made a break for the grave and flame. A U.S. Marine guard had to run me down and return me to my parents. The song was written while looking at and contemplating the drawing.

 

Michael: You often used your small orchestra as a kind of paintbox carefully chosing musical colours, so that it resulted in a kind of chamber folk, maybe with the exception of NIXON. Now starting these songs alone with some new electronic devices allowed you to build up songs from scratch, with no prefigurations by favoured or well-trusted guitar lines. But it still sounds intimate and colourful. Even when a „club feel“ enters. And the long last, most „groovy“, most electronic track of the album sounds so much more contemplative than switching on fireworks-mode.

 

Kurt: With the help of technology I’ve been freed up to realize a song idea in a fuller more complete and complex way. But that said it still needs the human touch to be a Lambchop record or performance. It is that intimacy that Lambchop has with the listener that is one of the cool things about this record. I feel it’s still there in the sound and the songs.

 

Michael: I know that many of your songs start with everyday observations. So, looking at a song like OLD MASTERS, what (the hell) has inspired it? A good example that you don’t need to have the faintest idea of anything to love a song.

 

Kurt: Stay hungry, my friend.

 

Michael: I have been listening to the whole album just about six, seven times now, and I’m very sure that this whole thing is a damned tricky beast. You are never trapped in a formula, e v e r y song has a different and distinct atmosphere. I think you like downplaying this sophisticated element by presenting yourself as a man of certain age looking at the younger generation for doing a bit of trial-and-error stuff.

 

Kurt: I’ve indeed been convinced that in order to move forward through a creative life one has to look to younger generations to see where things are heading. Most but not all people my age tend to settle into a place that is more about the past than the future. Partly because the future for my generation is pretty fucked in a broad sense. So let the children play so to speak and interact with their sounds and ideas. I am in no way a complete idea but rather one that is in need of learning and refining the ideas that are out there and the ones yet to be thought of.

 

Michael: Some lyrics seem to refer to dream activities, at least daydream activities (the scene in the laundry, the special imagery of HARBOR COUNTRY.

 

Kurt: Sorry, no dreams in Harbor Country.

 

Michael: THE WRITER is witty, funny, thoughtful, dark, everything. Shades of a self portrait? Or some musings on polarities?

 

Kurt: It’s a bit of both really, I was playing with the folk form of style and verse and placing it in an electro setting with horns.

 

Michael: Your favourite TV-series of the last years?

 

Kurt: „Last Week With John Oliver“, the best comedy show on current events in the USA right now. No one else comes close.

 


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