Sehr geehrter Michael Engelbrecht,
eine Frau in Männerkleidern. Ein bankrotter König. Ein pietistischer Pfarrer und sein Gottesstaat. Ein Philosoph, der von der Aufklärung schimpft. Ein Arzt, der seinen Patienten als Liebhaber heilt. Ich erzähle in meinem historischen Briefroman »Rosenstengel« von erotischen, intellektuellen und religiösen Liebschaften in zwei Jahrhunderten.
Sehr geehrte Frau Steidele,
das hört sich nicht so an, als würde ich das Buch je in die Finger nehmen. Wer sind denn ihre Leser?
Sehr geehrter Michael Engelbrecht,
Wer meine Leser sind? Wer Wagner liebt und trotzdem lacht, ist hier richtig. Auch wer an Bach glaubt und deshalb Gott verzeiht. Alle, die beim Lieben auch denken.
Sehr geehrte Frau Steidele,
Ich liebe Wagner kein bisschen, und ich lache trotzdem. Ich glaube auch nicht an Bach. Auf den Rest will ich gar nicht erst eingehen. Aber ich bin sicher, es werden sich viele glückliche Leser finden. Ich möchte ihnen aber auch eine Buch empfehlen. Blutiges Echo, von Joe R. Lansdale. Nun, worum geht es? Für den Collegestudenten Harold Wilkes lauert der Schrecken buchstäblich an jeder Straßenecke: Vor seinem geistigen Auge spielen sich grauenhafte Szenen aus der Vergangenheit ab, wenn er, ohne es zu wollen, dem Schauplatz eines Unglücks oder eines Verbrechens nahe kommt. Um diesen Visionen zu entfliehen, betäubt Harry sich mit Alkohol. In seiner Stammkneipe lernt er Tad kennen, einen ehemaligen Kampfkunstlehrer, der seine Probleme ebenfalls in Bier ertränkt. Gemeinsam versuchen sie, ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen. Doch dann taucht Harrys Kindheitsschwarm Kayla auf und bittet ihn, mithilfe seiner besonderen Gabe den Mord an ihrem Vater aufzuklären.