Er las den Roman einer Bekannten, Expense of Spirit, es ging um zwei Paare, es spielte im Hochsommer, am Meer, es ging darum, wie sie sich in ihren Beziehungen erlebten, erfanden, es war, nun ja, fand er, ein Schuss zu viel Dekadenz darin, es mochte an der Landschaft gelegen haben, am Meer und im Sommer, da ist alles leicht, aber wie ist es in den Bergen, im Winter, da kann man sich abarbeiten an einem eher feindlichen Umfeld, vor allem, wenn man Anfang Dreißig ist, und nicht mehr fliehen kann in irgend ein Jungsein, es kommt darauf an, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, keine Ausflüchte mehr, da hat eine Frau vielleicht ein Haus geerbt und weil es schön ist, zieht sie mit einer Freundin ein, es gibt einen Skilehrer, eine Freundin, die einen Roman übersetzt, es gibt ein Krankenhaus, ein Zimmertheater und einen Filmvorführer, der immerzu Fotos macht und sie nach Datum beschriftet in ein Album einklebt, sein tägliches Ritual, und der fast etwas verschreckt wirkt, wenn die Frau, mit der er sich verabredet hat, wirklich im Café erscheint, da gibt es die bunten Lampen im Haus, die ständig unaufgeräumte Küche, Weihnachten ist gerade vorbei, Tage, an denen der Schnee an den Rändern der Straßen sich anhäuft, du musst nicht mit mir reden, aber wie ist es, wenn neben dir jemand am Tresen sitzt und damit beginnt, Eigenschaftswörter von dir aufzuzählen, und, weil du das Spiel gerade bei ihm angefangen hast, musst du zuhören: „abwartend … zögernd … verschlossen … kontrolliert.“ „Aber das stimmt doch gar nicht.“ Die Kunst besteht darin, Motive schweben zu lassen. Und ihnen, wenn sie entgleiten, einfach zuzusehen.
„Winterschläfer“ – Ein Film von Tom Tykwer (1997)