Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the month Mai 2014.

Archives: Mai 2014

Hi Michael,

Apologies that I’m often a bit slower than average replying to emails – it’s not lack of interest, it’s just that I’m juggling a lot (I know, isn’t everyone – perhaps I’m just not as skilled at keeping everything up in the air)

Really glad that you heard back from Bill. I’d love to have a read of your two lectures of Kristiansand – I’ve had very busy times lately, but will definitely set aside some time to sit down and read soonß

I looked at a lot of your links – fascinating and inspiring stuff – makes me want to dedicate a day to listening to all the tracks that have inspired you. In fact I went straight away and listened to some of the Brian Eno recommendations (my mum was briefly at art school with him – said he was a lovely man – he probably wouldn’t remember her though). 

Yes, I’d be very happy to engage with whatever you feel like doing, before, after, later or sooner, both or neither.

All the best, 

Aby 

ps what if you hate my forthcoming solo material!?! Could be an even more interesting interview, I suppose!

2014 18 Mai

Die fabelhaften Songs von Dr. Eno und Mr. Hyde

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

Ursprünglich wollte Brian Eno mit Karl Hyde einen Weg finden, Elemente der Musik des Minimalisten Steve Reich mit der des Afrojazz-Magus Fela Kuti kurzzuschliessen. Es gibt in dieser Hinsicht allerdings nur eine lange Passage auf Someday World, in der zweiten Hälfte der Komposition When I Built This World, wo entfesselte Energien und rhythmische Vertracktheiten eins werden. Eno sorgt hier für Foundation, Voice, Lyric, Bass, Drums, Piano, Brass, Tapestry Synths, Voice Slices, Dissonant Glass Guitars, und Karl Hyde für Rhythm and Melody Guitars, Tapestry Voice Slices, Piano, Synth Brass, Talking Drum, und das gute alte Tambourine.

Von wegen also Reduktion, Leere, schöne ambiente Weiten. Das ganze Projekt wurde zu einem raffinierten Songalbum, bei dem weitaus mehr Quellen als die oben genannten angezapft werden. Das Wort „überbordend“, das sich fast nur noch im Feuilleton findet, wenn von grenzenloser Phantasie die Rede ist – hier darf es gerne aus der Schublade der etwas altbackenen Wörter gekramt werden. Die Gesangsstimmen der beiden harmonieren aufs Feinste und sorgen dafür, dass ein weites Feld von Gefühlslagen ausgelotet wird. Diese neue Werk geht mit all seinen Pop-Turbulenzen und extravaganten Klang-Alltäglchkeiten weit über ein paar Afrojazz-Anklänge hinaus und dockt phasenweise an den Ungestümheiten von Enos erstem Songalbum Here Come The Warm Jets an. Auch an Enos drei Produktionen mit den Talking Heads. Kurze Rückblende, kleiner Zeitsprung …

Es gibt Platten, die bieten Seelennahrung auf Lebenszeit und gehen tiefer als ein paar Stunden Psychoanalyse oder ein Südseekurs im Tiefseetauchen. So eine Platte war bei mir, vor vielen Jahren, Taking Tiger Mountain (By Strategy), das zweite der vier Song-Alben von Brian Eno aus den Siebzigern. Es bedeutete mir weitaus mehr als die beiden ersten Roxy Music-Alben. Es war meine erste Begegnung mit Eno, dem Sänger (und er wurde eine meiner Lieblingsstimmen!) – ich schätzte mich glücklich, kurz danach seine anderen Songklassiker von damals zu erstehen: Here Come The Warm Jets, Another Green World, und Before And After Science. Daneben erschienen all die zeitlosen Ambient-Werke.

Dann begann das grosse Warten. Mit den Jahren trat Eno, der Sänger, nämlich immer weniger in Erscheinung. Schliesslich gab es, nach einer halben Ewigkeit, das beeindruckende Duo mit John Cale, Wrong Way Up, und dann, sein meisterliches, gern unterschätztes Soloalbum Another Day On Earth. Die dazugehörigen Jahreszahlen sind 1990 und 2005. Ich mochte eben nicht nur seinen Gesangsstil, sondern auch seinen einfallsreichen Umgang mit Songstrukturen. Da wurde kein Muster ad infinitum ausgereizt.

Und jetzt also die Zusammenarbeit mit Karl Hyde – einmal mehr ein Füllhorn an Melodien, Klangtexturen, raffinierte Gegenläufigkeiten von Text und Melodie, Songs über verpasste Chancen, Lebensbilanzen, Glückstaumeleien, Kindheitserfahrungen, Traumbilder, Tagbücher, alles fragmentiert in den beeindruckenden Texten, die Hyde und Eno teilweise zusammen verfasst haben. Eno kann auch ein Expressionist sein, erzählte mir Laurie Anderson mal in einem Interview, anlässlich der von Eno produzierten CD Bright Red (1994).

Diesen Expressionisten kann man auf etlichen Songs des neuen Albums hören, eine rohe, ungezähmte Energie ist am Werk, die manchmal am Rande des Überdrehtseins entlang taumelt (Daddys Car), um dann wieder das Harte (Text) und das Sanfte (Sound) wie einem Ohrwurm aus alter Zeit zu versöhnen (To Us All), in diesem letzten Song, einer Erinnerung an unsere endlos gezählten Tage. Ein vielschichtiges unerschöpfliches Album abseits ausgetretener Pfade, und die Rückkehr des „singers with the silver voice“.

 
 

 
 

2014 16 Mai

Sechzehn Vier Vierzehn

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

Ein heutzutage auf CD veroeffentlichtes Album hat welche Spieldauer ? Zumeist eine Stunde; wenn nicht noch laenger; manchmal auch kuerzer. – Wenn mein CD Player eine Spieldauer von etwa 45 Minuten meldet, dann erinnere ich mich immer an die „alte“, vom Vinyl bekannten Spieldauer.

Die Spieldauer einer Langspielplatte mit ca. 25 Minuten pro Seite hat Kuenstler und Produzenten gleichermassen inspiriert pro Seite eine auf- und anregende Abfolge von Songs zu „komponieren“. (Das ist natuerlich auch heute noch so; Manfred Eicher waere da zu nennen.) – Wieviele Alben habe ich auf Vinyl gehoert bei denen ein grandioser Song die Plattenseite beendete — „A Day In The Life“ von den „Beatles“ faellt mir da ein, mit seinem magisch nachhallenden Schlussakkord ! (Und dann bei „Sgt. Pepper“ die Sprach- und Klangfetzen in der Auslaufrille; auch so ein gimmick der Schallplatte!)

Im Zeitalter von MP3 etc. hat sich die vom Kuenstler gewollte Abfolge von Songs eines Albums natuerlich erledigt. Ob es ein Vorteil ist nur Picknickkorb-artig drei Songs eines Albums auszuwaehlen und den Rest zu verschmaehen mag dahingestellt sein; nicht ohne Grund haben Kuenstler wie „Pink Floyd“ – die mehr durch Alben als durch Singles Popularitaet errungen haben – ihre Zustimmung zur Zerstueckelung der Alben und Darbietung als Haeppchen auf Downloadplattformen o.ä. lange Zeit verweigert.

Und ist die Spieldauer von 25 Minuten pro Plattenseite der menschlichen attention span nicht weitaus entgegenkommender als eine CD die, mit einer Spieldauer von einer Stunde oder gar 80 Minuten — was einem Vinyldoppelalbum gleichkommt –, ohne Punkt und Komma durchlaeuft, so dass man nach 40 Minuten Spieldauer den Rest garnicht mehr richtig mit der gebotenen Aufmerksamkeit erfasst ?

Eine weitere Aesthetik, die Schallplatten hatten und immer mehr CD Veroeffentlichungen vermissen lassen sind die wohltuenden ein, zwei Sekunden Stille zwischen den einzelnen Tracks. Hier ist auffallend, dass selbst bei neuerlich kompilierten „Best Of“ Veroeffentlichungen ein Song ohne Pause den naechsten jagt.  

Mit Pausen zwischen den Songs gefiel es mir besser – und nicht ohne Grund beginnen alle neueren ECM Veroeffentlichungen auf CD mit fuenf Sekunden Stille, bevor die Musik einsetzt.

2014 16 Mai

„The Perfect Couple“ (by Frank Nikol)

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  | Comments off

 
 

 
 

Charcoal Owls und Sleaford Mods sind zwei britische Formationen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Die einen repräsentieren einen sozialen Realismus, der an Schärfe kaum zu überbieten ist (man stelle sich zwei anarchistisch gestimmte Bukowskis in der englischen Provinz vor!), die anderen eine traumverlorene Musik, welche die Melancholieausschläge eines John Dowland erreicht, und in flüchtigen Momenten Abgründe aufspürt, bei denen professionelle Trübseligkeitsbläser a la The Cure wie eine manieristische Clownstruppe wirken. Diese beiden Bands kommen tatsächlich aus dem Untergrund, und man möchte wieder die alten Geschichten glauben, von den Kellerräumen und Garagen und Schlafzimmern, in denen aus Trauer, Trostlosigkeit und allen anderen Zonen des Elends sich solch eine verdammte Wut (Sleaford Mods), solch eine verfluchte Zärtlichkeit (Charcoal Owls) Stück für Stück ans Tageslicht kämpfen. In ihrem Element sind diese Chronisten fortschreitender Verluste aber nur im Dunkeln, im tristen Bühnenlicht, oder daheim in unseren schummrigen Stuben. Es gehört zu den Geheimnissen dieser „masters of misery“, dass man sich nach dem Hören ihrer Songs seltsam lebendig fühlt, und nicht Zorn oder Tristesse den Grundton der eigenen Gestimmtheit angeben, sondern pure Lebensfreude, allen Widrigkeiten zum Trotz. Wie geht das nur? Hinter diesen Trick muss man erstmal kommen.

2014 16 Mai

Rad, Rost und Reiter

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  | Comments off

„Ein Buch übers Fahrradfahren schreiben, das wär´s!“, dachte Jannis. Ein Kapitel hiesse dann Die Knie – als guter Einstieg für das Thema Ergonomie. Denn es gilt, die richtige Haltung zu beherzigen. Jannis´ Mutter hatte sich am Telefon darüber belustigt (sie rief wieder mal aus Athen an und klagte über die ernste Lage dort) – doch er unterstrich: ein optimal eingestelltes Bike, gehe mit dem Fahrer eine Verbindung ein wie Pferd und Reiter, das sei archaisch und gar nicht witzig.

Die Haltung ändert sich, sobald Fahrstil und Fitness sich bessern: diese ist bei sportlicher Fahrweise weiter nach vorne gebeugt und das Körpergewicht, vielmehr die Körperkraft, geht dann mehr in die Pedale und in den Lenker. Sollte jemandem das Radfahren verleidet sein, weil sein Gesäß ständig auf dem Sattel schmerzt, so könnte die Ursache seines Missvergnügens auch körperliche Schlaffheit sein. Mehr Dynamik! wäre der hier hilfreiche Imperativ.

„In meinem Alter fährt man sowieso kein Fahrrad mehr!“, entgegnete die altehrwürdige hellenische Dame. Jannis wusste, sie war auch früher nie Rad gefahren, und dachte weiter an sein Buch und das Kapitel Knie: die Sattelhöhe ist dann richtig eingestellt, wenn man bei durchgestrecktem Bein mit der Ferse gerade eben das untere Pedal berührt. Andernfalls nämlich ginge die Belastung zu sehr in die eingeknickten Gelenke. Hinzu kommt, dass ein leichter, möglichst hochtouriger Tritt – dem Gleichmass einer surrenden Nähmaschine in ebenem Gelände ähnlich – förderlich ist.

Findet man einen Partner, der ebenso vertraut ist mit der Philosophie des richtigen Radfahrens, dann überträgt sich das Gleichmass gemeinsamer körperlicher Anstrengung leicht auf die gesellige Gesprächsführung – und eine sich weitende, offene Landschaft trägt das Übrige dazu bei. Als schaue man Mark Twain samt Begleitung beim Wandern durch Europa zu, so gleitet das Gespräch locker von den Themen Fussball, Freundschaft oder Zahnersatz zu jenen anspruchvolleren, wie denn etwa eine geeignete Altersvorsorge auszusehen habe.

2014 16 Mai

The Kopenhagen Wheel

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

Das Echo auf die Anfrage, das Interview mit Eno und Hyde zu übersetzen, ist grösser als erwartet. Wunderschön, dass es in China zuerst realisiert wurde, denn dies ist ein Land mit einem sehr lebendigen Interesse an zeitgenössischer Rockmusik, Ambient Music und Moderner Klassik östlicher und westlicher Spielarten. Nun stehen wir in weiteren Verhandlungen mit einer griechischen Zeitschrift, einem italienischen Blatt für moderne Rockkultur (mit einem Spektrum von Sun Ra bis Talking Heads), einer finnischen On-line-Plattform. Ein Japaner hat sich auch gemeldet, aber der wollte umgerechnet 1800 Euro für eine Übersetzung. Die heisseste Spur für die nächste Übersetzung führt in die Niederlande (danke, Henning!). Ich finde es interessant, dass sich noch kein deutscher Übersetzer gemeldet hat. Könnte es ja selbst machen, aber ich habe nun einige andere Themen zu bearbeiten. Und möchte zu gerne Sonntag am Borsigplatz eine grosse Party erleben.

2014 14 Mai

The speed of life

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Comments

„Daddy’s Car“

„Just caught Brian and Karl live on the BBC TV machine … ‘Later with Jools Holland’ live music programme. Up beat track … Lots of players in assembled band. Close eye to eye playing and vibing … Full of energy. Worked.“ (tonight’s email from JS)


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz