

Oder ein weiterer Beitrag zur Untoten – Industrie?
Es gibt mittlerweile so viele Vampir – und Zombiefilme im Twilight der Fantasy – Filmkultur als hätte ständig einer den anderen gebissen – ein uraltes Motiv in immer neuen Klamotten, seit ca 15 Jahren gerne in Form von Teeniedramödien die mit dem Ideal der romantischen und entsagenden Liebe – die auch noch ewig währt, weil Vampire ja nicht sterben – durchaus vereinbart werden kann. Bei dem oscarberegneten Film Blood and Sinners könnte man versucht sein etwas wie Hier schlägt das dunkle Herz Afrikas oder zumindest etwas über den schwarzen Pulsschlag des Südens zu schwurbeln wenn man lyrisch veranlagt wäre, zumindest drängt sich dergleichen assoziativ auf, und man ist bereits beim Herz des verdienten Films und seinem furiosen Spiel mit Klischees aus dem Onkel -Toms – Hütte und Django – Unchained – Department. Der Handlungsstrang orientiert sich entlang der Kristallisationslinie von From Dusk till Dawn und der Soundtrack ist für jeden, der jegliche Musik südlich des Äquators mag einfach zum Niederknien und weniger Untermalung als singuläres Ereignis, körperlich spürbar, fast selbst schon Körper. Von Sinners ist ja auch kein weiter Weg zur Sinnlichkeit die wiederum einen präsentablen Sinn des Lebens abgibt so lange sie funktioniert. Das Wort archaisch gesellt sich als feuilletonistisches Mindestmass der Beschreibung dazu und Geisteswissenschaftler würden es vielleicht noch um chthonisch erweitern und erläutern dass der Film nicht geographisch zu sehen und zu verorten ist sondern einen Topos von Allgemeinmenschlichkeit zeichnet. Auf jeden Fall hat er mehr Ernst als die Exploitation-Satire From Dusk till Dawn und erinnert damit eher an den Prototyp Die Nacht der lebenden Leichen und seiner Vehemenz und erreicht auch nicht die spielerische Leichtigkeit eines Tarantino, somit ist der Film originär und nicht vergleichbar. Schon mal gut! Das Monströse ist hier nicht mehr nur Effekt, sondern Zustand. Und genau bei der Sinnlichkeit scheint der Film seinen eigentlichen Einsatz zu haben: Afrika und die schwarze Bevölkerung sind leider nicht nur im Unbewussten sondern auch eine Stufe höher als ursprünglich, triebhaft, körpernah codiert, im Verein mit Macht, Gewalt und Begehren lässt er die ursprünglichen Kolonialphantasien wieder aufleben, spielt mit ihnen, übertreibt sie und kommt ihnen doch in ihrer Beklemmung nahe. Dann bricht das toxische – weil oral gierige – Element in Gestalt der weissen Vampire in eine Gesellschaft ein die ihre Unschuld bisher noch nicht verloren hat. Fast könnte man hier eine Parabel sehen – wenn Parabeln nicht immer so furchtbar blutleer und einfach gestrickt wären – nein, das Parabelhafte ist hier sicher der geringste Anteil bei dieser Oper über die dunkelsten Seiten der Menschheit, Relikte aus einer Zeit in der einer den anderen fressen musste um zu überleben.

Warum funktioniert der Film so gut?
Der Film kommt gut an…nicht wegen der Klischees…sondern weil er sie ernst nimmt und sinnlich wieder auflädt – das meine ich mit der Erlösung aus dem Twilight – Paradies. Er gibt dem Publikum das wieder was es schon kennt, aber in einer Form damit es wieder etwas spürt. Oder sich etwas Bekanntes wieder neu anfühlt. Er Holt das zurück was im Twilightuniversum verloren ging – Blut, Gefahr, Monstrosität und schert sich den Teufel um das Bella – und – Edward – Happy – end. Wie befreiend!

Die Rückkehr des Bisses in den ästhetischen Genre – Haferschleim!



















