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Archiv: Zeitreisen

2014 8 Mai

Coastal Area, 1958

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A Letter Home Intro
Changes (Phil Ochs)
Girl From The North Country (Bob Dylan)
Needle Of Death (Bert Jansch)
Early Morning Rain (Gordon Lightfoot)
Crazy (Willie Nelson)
Reason To Believe (Tim Hardin)
On The Road Again (Willie Nelson)
If You Could Read My Mind (Gordon Lightfoot)
Since I Met You Baby (Ivory Joe Hunter)
My Hometown (Bruce Springsteen)
I Wonder If I Care (Everly Brothers)

So einen Lehrer gibt es auch nicht alle Tage, der, wie Gregs David Mitchells “Wolkenatlas” im Unterricht durchnimmt, oder, den jetzt als Taschenbuch vorliegenden historischen “Tiefgangschmöker” mit den “tausend Herbsten”. Ab und an fragt er mich mal nach Ideen für seinen nächsten “Coup” jenseits geordneter Lehrpläne, und wären jetzt nicht schon die Würfel gefallen, ich hätte gleich zwei heisse Empfehlungen für jüngst erschienene Romane, einmal den Debutroman von Gavin Extence über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem jungen Epileptiker und einem alten Vietnamveteranen – und zum andern dieses Buch, das ich gerade mal seit 39 Seiten kenne, und das mich mit mit seiner leichthändigen Abgründigkeit so sehr fasziniert, dass ich es besser bei meinem London-Trip daheim lasse, um nicht völlig in seinen Innenwelten zu versinken. Der Roman stammt von einer Autorin, Filmemacherin und Zen-Priesterin namens Ruth Ozeki, und trägt den Titel “Geschichte für einen Augenblick” (engl.: “A Tale for the Time Being”). Es beginnt alles mit einem im Meer gefundenen Beutel, und einem grossen Buch mit dem nicht unbekannten Titel “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit”. Nur, wo Marcel Proust draufsteht, ist nicht unbedingt Marcel Proust drin. Für Martina ist dieses Buch eigentlich ein Muss, für Gregs die ideale Leselektüre (mit oder ohne seine Rasselbande). Joey würde das Buch lieben, Bob hat es wahrscheinlich schon gelesen (mit seinen japanischen Roots), Ian sollte mal im Bookshop seinen Vertrauens den Zehn-Seiten-Test machen, Henning könnte daraus ganz kühne neue Essays über die “Kunst der Improvisation” schöpfen, und Uwe dürfte bei  diesem Werk aus dem Staunen nicht mehr rauskommen (so schätze ich das aus der Ferne ein). Keine Ahnung, wie Dirk es finden würde. Und Ulrich, das ist der grosse Unbekannte, der zum Glück immer wieder mal im Leben ins Spiel kommt.

 
 
 

 

2014 19 Mrz

Neunzehn Drei Vierzehn

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Die WDR Jugendsendung “Mixed Media aus Soest” kannte ich bisher nicht; aber die Ausstrahlung lag auch weit „vor meiner Zeit“. Haette auch nie gedacht dass CAN und KRAFTWERK seinerzeit in Soest Station gemacht haben !

In Anbetracht der Tatsache dass dererlei Aufnahmen selten im Fernsehen zu sehen sind: Vormerken !
 
Sonntag auf Montag, den 24.03.2014
WDR Fernsehen
01.15 – 02.05 Uhr
From The Archives: Kraftwerk
(Soest, 1970, Mixed Media Show)

 
Sonntag auf Montag, den 31.03.2014
WDR Fernsehen
00.15 – 01.40 Uhr
From The Archives: Can
(Soest, 1972, Mixed Media Show)
 

2013 26 Sep

Ruthann and an unknown companion

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Constant Companion was Ruthann Friedman’s lone album. Originally released in 1969, its stripped-bare style floats alongside Clouds, Joni Mitchell’s record of that year. Friedman’s vocals and plucked acoustic guitar are dressed only in filmy fabric and misty morning echo, like she’s singing her songs to gathered lovers and friends after a night of wine and whatever else. She lived in that famed California scene too — Friedman performed at the 1969 Big Sur Folk Festival alongside Mitchell and Joan Baez. But Companion resonates today not as a dog-eared memory, but for its arresting ability to rumple the era’s psychedelic themes and folk structure with moments of unique beauty and sudden tales of warning. Hindsight might label “Fairy Prince Rainbow Man” as redundant whimsy. But Friedman’s character is a bringer of dreams who’s fated to die mysteriously, having “hidden himself for his love of the sun.” “People” too is a lament, with the scratchy ache in Friedman’s voice pleading for something real, or the recognition that Left Coast bohemia isn’t necessarily paradise. With its searching themes, gorgeous artwork and evocative photography of the artist’s penetrating eyes, Companion thrives as both a welcome reissue and provoking listen for all the mornings of today.

1 – Die verrückten Professoren hadern noch miteinander, beim Fabrizieren bzw. Errichten der überlebensgrossen Pille, die letztendlich wie ein Mikrofon ausschaut, dieweil einer der grössten Songs des 20. Jahrhunderts, A DAY IN THE LIFE, ertönt, und das leitet die Zeitreise ein, die schon begann, als ich während der Hinfahrt, nichtahnend, SGT. PEPPER in Mono spielte, und dann betritt die Combo der vier alten Männer die Bühne, und das “verrückte Pferd” feuert aus allen Zylindern.

2 – Wie Neil Young sich ans verwitterte Saloon-Piano setzt, und mit anmutigem Gesang, von einer verlorenen Seele singt, und mitten in all den erfolgreichen Raubzügen in der Ursuppe der Rockmusik auch mal für eine Weile in alten “Harvest”-Zeiten andockt.

3 – Wie Neil Young auch nach diesem akustischen Mittelteil in aller Ruhe am Klavier den rechten Schuh zubindet, über die Bühne schlendert, und dann mit drei harten Akkorden das nächste elektrifizierte Songgewitter einleitet.

4 – ROLL ANOTHER NUMBER – dieser schleichende Rocker erlaubt sich ein paar sentimentale Zeilen und rockt das Pferd. “Tomorrow is a long time when you’re a memory” singt er an anderer Stelle, und die Hörer, die Neils Musik gut kennen, wissen, dass sich hier alle auf einem Trip befinden, dessen Quellcode in den dunklen Mittsiebzigern liegt, als Neil Young mit einigen Illusionen der Ära aufräumte und all jene Fans vergraulte, die nur zu gerne altem Sanftmut erliegen. No way. Aber mit Traumstoffen spielen – gerne.

5 – Das Soundgewitter, welches das Ende des genialischen Liedes über verlorene Illusionen, WALK LIKE A GIANT, in Geräusch und Asche legt;  später, im Tosen, hören wir den virtuellen Platzregen niedergehen, und, wie einst in RUST NEVER SLEEPS, “no rain, no rain” allüberall erschallt. Die “Alchemy”-Tour ist in ihrem Element. Diese Musik ist, zum Glück, nicht ungefährlich.

6 – Crazy Horse hauchen jedem “fuckin’ old song” neues Leben ein, und wenn “HEART OF GOLD” ohne jede Brechung, akustisch und sanft ertönt, ist klar, dass hier ein alter Traum nichts als eine Seifenblase ist, die am Ende genau das macht, was Seifenblasen machen.

7 – Das Gesicht von Neil Young ist eine “schöne Ruine”, sein famoses Spiel auf der E-Gitarre lässt immer neue Winkel einstürzen.

8 – “Hey hey, my my, Rock’n Roll will never die” – Die Beschwörung. Es wird geschrien und geflüstert. Die gereckten Hände der ersten fünfzehn Reihen im Innenraum vollführen einen organischen Tanz, das “verrückte Pferd” erzittert! Jede Improvisation geht Risiko.

9 – Ja, überlebensgross, die Marshall-Amps auf der Bühne, aber die ganze Performance ist das Gegenteil eines gigantischen Spektakels: vier Männer, einer mit Hendrix auf dem T’Shirt, sind sich der Brüchigkeit von Allem bewusst, manövrieren sich wie Zeitgeister zurück in die Zukunft. Das Wilde ist keine Geste. Jeder falsche Ton genau der richtige!

10 – Das Feuer brennt noch. Papierfetzen fliegen über die Bühne. “Everybody knows this is nowhere.”

2013 25 Jun

“Help” restored, on BluRay and DVD

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Hello, my name is Johnny Appleseed! Fun! That’s what’s in this package. No serious message, no brutal revelations; just fun, historic fun. From a time when the Beatles (and a whole generation) took themselves less seriously, HELP! provided the soundtrack to many of our lives and times. Ringo’s life is imperiled by an ancient sacrificial ring stuck on his finger. The ring makes him the target of a group of hilariously demented oriental mystics, who chase the boys from London to the Swiss Alps to the Bahamas. But wait! There’s more to this perfectly restored classic than meets the eye – namely an electrifying encoded Hi-Fi soundtrack, adding an unprecedented dimension to the original songs: HELP! “You’re Gonna Lose That Girl,” “You’ve Got to Hide Your Love Away,” “Ticket to Ride,” “I Need You,” “Another Girl” and “The Night Before”. The visual execution of these songs is incredibly stylish – so just relax and experience this movie event, and let the memories of a lost era flood your mind! Best wishes from Mr. Appleseed!

Today I stumbled across a song of Jessica Pratt. Rings a bell, that name? No, not really. After listening to her song “Night Faces” and looking at the video several times I thought: does she come from the West Coast anno 1969? Is she a time traveller that has enjoyed a bit too much the company of Dr. Who? There is something ghostlike in her high trembling voice that always seems to be able to vanish into space from one moment to the other. But, to my surprise, she doesn’t leave the song by some secret exit long before its end. And the video is good, adds to the dreamlike quality with its flow of apparitions. I was so absorbed by the simple guitar arpeggios, the skeletal and raw mood, the sound of the voice that I only catched some of the words. A distant memory at work? And, then again, this name: Jessica Pratt – and old “psych-folk” soul swirling around the echoes of a long lost summer. No wonder she’s from San Francisco. Had a look at the cover of her self-titled album – at least she wears no flowers in her hair.

VIDEO

2012 26 Dez

Sein und Schein

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Manche Geschichte erzählt man gerne weiter, wenn sie ein Aha-Erlebnis mit Erkenntniswert enthält. Noch viel lieber schreibt man so etwas für Andere auf, denn Schreiben ist ja an sich schon eine Belohnung – sofern man eine Leserschaft findet.

Es begab sich zur Studentenzeit, in höherem Semester. Als Tischler hatte man gute Jobgelegenheiten. So verschaffte mir ein frischgebackener, befreundeter Assistenzarzt der medizinischen Hochschule den Auftrag, das Büro zu bauen für ein bahnbrechendes junges Forschungsteam, dem er nun angehörte. Welche Ehre – die Arbeit machte Spass und ging zügig von der Hand, hatte man doch gestalterisch alle Freiheiten: Vollholzrahmenbau, dazu elegante Jalousien … ganz wie es uns gefiel.

Bald feierten wir Richtfest und beim Verabschieden fragte der Leiter des Teams, ob er die angesammelten Holzreste für seinen Kamin mitnehmen dürfe, sein Auto parke vor dem Eingang der Klinik. Da war meines auch – nun ja, er würde meine alte Schrottkarre zu Gesicht bekommen, was mir irgendwie peinlich war. Da stand dann aber ein verkommener Toyota, mit durchlöcherter Karosserie, neben dem mein R4 in aristokratischem Glanz erstrahlte. Der Arzt ging auf den Japaner zu, öffnete die Heckklappe, woraufhin sich die rostige Halterung löste und samt Klappe zu Boden fiel.

“Uups – Nanu! Naja, er ist nicht mehr der Jüngste.” Aber in seiner Position müsse man doch ein prestigeträchtigeres Auto fahren! “Alles nur Nebensächlichkeiten”, entgegnete der Chefarzt, “es gibt Wichtigeres im Leben als Prestige.”

Jahre später erwarb ich eine Kompilation von Joni Mitchell mit dem Titel Misses – im Gegensatz zu den Hits mit den “gescheiterten” (gescheiteren) Songs drauf. Auf dem Cover war ein ulkiges Auto zu sehen, vor dem die Lady vom Canyon mit Kreide etwas auf die Strasse zeichnete – einem indianischen Ritual ähnlich. Das Gefährt, welches ich mir dann kaufte, war auch so ein hässliches Weisses, als Resultat gewisser Einflüsterungen.
 
 

 

2012 6 Dez

Zwei auf einen Streich

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Mein erstes Album von Joni Mitchell war Miles of Aisles. Der Tag, an dem ich Hejira erstand, bleibt im Gedächtnis: an einem frischen und sonnigen Samstagmorgen im April sollte ich gleich zwei Langspielplatten erhalten. Das restliche Taschengeld wurde verbraucht, doch das wars wert. Mit Mutters R4 und dem gradmal ein paar Tage alten Führerschein in der Tasche gings also ab nach Bremen, Richtung Plattenladen. Die heisse Ware war vor Ort und ganz legal zu haben: Black Market von Weather Report und eben Hejira. Wieder daheim dann gleich auf den Flokati gefletzt, vor die Sphis-Boxen, die Tür zum Garten war auf. Kühle Frühlingsluft wehte herein und verströmte offene Weite und Ungebundenheit. The Refuge of the Roads. Zu hören war auf beiden Platten, welch ein Genuß, Jaco Pastorius im Überfluss. Der Song Gibraltar übrigens gehört zum Besten aller Zeiten. Das Album Blue hatte ich merkwürdigerweise nie als Platte, nur auf Kassette. Wir hatten dann auf einer Folk-Pub-Tour durch England einige Joni Mitchell Songs gecovert und auch in Clifden, einem irischen Küstenort in Connemara, gab man mal Mitchells Circle Game und dazu Spencer the Rover von John Martyn zum besten, begleitet von einem Dutzend irischer Musiker und etwa zehn Dutzend verrückter Iren als Zuhörerschaft. Those were the Days. Heute noch höre ich gerne Songs der kanadischen Sängerin wie Don´t Interrupt the Sorrow aus The Hissing of the Summer Lawns, damals das Lieblingsjonimitchellalbum des jüngeren Bruders, der sich als Saxofonist frühzeitig und unbeirrbar der Freien Improvisation widmete. Auch hier erinnere ich mich ganz genau: die ersten Töne klangen nicht die Spur wie Wayne Shorter auf Gibraltar, sondern eher wie eine gefolterte Kuh. John Zorn hätte seine Freude gehabt, Mitbewohner aber mussten leiden. Apropos Irland – die Iren sind ein sympathisches Volk: sie reden gerne, schreiben gerne, lachen gerne, machen viel Musik, sind gesellig und ein bischen irre.


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