Manafonistas

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Archiv: TV Serien

Der Anspruch steigt mit zunehmender Zahl: man „sucht“ eine neue Serie und keine will zunächst recht zünden. Es zeigt sich dabei ja immer eine gewisse Schwellenangst hinsichtlich der ausstehenden Entscheidung: Will ich bleiben oder gehen? Da wäre Mindhunter unter der Regie des renommierten David Fincher, von dem der Fight Club in positiver Erinnerung blieb und dessen Handschrift sofort unverkennbar ist: gesellschaftskritische, etwas theoriesteife Bezüge und irgendwann das Auftauchen einer attraktiven, dominanten Dame, die dem desorientierten männlichen Helden wichtige Lebensfragen beantwortet und den „true spirit“ einhaucht. Oder Preacher, das auf halber Strecke rohrkrepierte: technisch und visuell brillant, an einen Comic angelehnt, doch leider mit zu wenig Tiefgang und zu unsensibel. Kein Held auch, mit dem man sich identifizierte. Dann schaut man mal den einen oder anderen Tatort, zwar meilenweit hinter amerikanischen Klasseserien zurückbleibend, als entspannte Alternative. München Mord ist sehenswert, das bajuwarische Trio witzig, in anheimelndem Lokalkolorit an der Isar. Seniorkommissar Schaller (cool: Alexander Held) und seine junge Kollegin, die verzweifelt nach Selbstvertrauen sucht. Ermittlungsbedingt einen Callboy anheuernd fragt sie ihn: „Findest du mich als Frau etwa gut?“ Auch andere Möglichkeiten bieten sich, auf das „Randgeschehen“ (ein Lieblingswort aller peripheren Koryphäen) auszuweichen: eine Doku zu schauen über die Tschernobylzone, in der sich nun, da der Mensch notgedrungen fliehen musste, ein reiches Biotop neu bildete am Pripyat: mit Wölfen, Reihern, Bibern und Wildwuchs allerorten. Auch Martinas Manafonistas-Filmtipp wurde gerne gesehen: die herzergreifende Geschichte Biutiful mit Javier Bardem in einem wahrhaft düsteren Barcelona. Sahneserien wie die dritte Staffel Fargo werden auf den Winter verschoben: wenn der erste Schnee auf Zedern fällt, sieht man sowas besser. Schon ein bisschen vorgetastet: der Schauspieler Sylvester Groth (Schade, der schöne „Tatort“ Magdeburg!) in der Anfangssequenz. Frohlocken macht sich breit: dies ist die „wahre“ neue Fernsehwelt. Keinesfalls schweigen auch darf man von der grossartigen Serie Transparent, deren vierte Staffel die in Los Angeles ansässige jüdische Familie Pfefferman mit der Oberhäuptin Maura, vormals Mort, auf einem Besuch in Israel begleitet. Das Leben dort einmal aus einer feinen Erzählperspektive wahrzunehmen und nicht aus den täglichen Nachrichten, ist ein bildungs- und bilderreicher Hochgenuss. Ein Gänsehautmoment, als vor dem Frontfenster eines Reisebusses die zauberhafte Silhouette einer Stadt auftaucht, als sei es eine Frottage von Max Ernst: „And now: this is Jerusalem, the cradle of mankind!“ Vielleicht ahnt hier schon der Eine oder die Andere aus dem Stamm der Wohlstands-Wessis und der Besser-Ossis: solcherlei Fernsehkost kann mit „guten Büchern“ locker konkurrieren.

2017 26 Aug

My Top Ten TV Shows

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  1. Mad Men 7
  2. Sons of Anarchy 7
  3. Fargo 2
  4. True Detective 1
  5. Breaking Bad 6
  6. Halt And Catch Fire 4
  7. The Affair 3
  8. Bloodline 2
  9. Goliath 1
  10. Ray Donovan 3

 
(with the total numbers of seasons received)

 

Season one started in front of a wonderful family home in Brooklyn, New York, a couple with four kids packing their stuff in the car for summer vacation and season three ended there, five years later, Christmas Eve. Life has totally changed for two families. Where are we going, buddy? “The affair” season 3 is No. 6 at Jochen´s list of top TV shows updated to find here. Season one is the starter, season two a lecture in high suspense and season three a lecture in dream logic. Still I don´t get the trailer´s lyrics in the first three seasons events described. Show runner Sarah Treem did brilliant work with the narrative structure from different POVs and with time shifts. She said:

At the core of the show is – is just human relationships and the faultiness of memory, and the unreliability of our own personal narratives and the denial of objective truth.

Season three in Sarah Treem´s mind is a meditation on the following idea: If we believe that we all have a dark side that we´re not necessarily aware of, where is it and how does it influence our behavior? For the actors it was most challenging being seen by somebody else´s eyes. This includes their clothing, which differs in different POVs. Finally all versions are true.

Does anyone know if there will be a fourth season? In my POV there are some open questions left.

 

2017 25 Jun

The final season of „Broadchurch“

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Keine Frage, Patti Smith, die berühmteste Bingewatcherin englischer Kriminalserien jenseits des Atlantiks, hätte mitgefiebert in der dritten und finalen Staffel von „Broadchurch“. Das Ermittler-Duo Hardy (David Tennant) and Miller (Olivia Colman) gehört zu den gemischtgeschlechtlichen „Klassikern“ der jüngeren und älteren TV-Geschichte, und dürfte im „all-time-ranking“ einen Platz sicher haben knapp hinter Emma Peel und John Steed. Was einst makaber und surreal und exzentrisch war (und eine unschlagbare Titelmelodie hatte), schlägt in „Broadchurch“ ganz andere Tonarten an: zerrüttete Beziehungen, Gier, Kälte, und der unendliche Blues der Hinterbliebenen. Das pittoreske Dorset ist weitaus mehr geeeignet für das Zeug, aus dem die Träume von Rosamunde Pilcher sind, doch belegen Regie und Kameraführung stets aufs Neue, dass es nicht den ewigen Regen von Wales oder die karge Tristesse der Shetlands braucht, um der Nichtfarbe „noir“ neue, ungewohnte Schattierungen zu verleihen.

Jene britischen „crime series“, die sich fernab der grossen Städte abspielen, nutzen allesamt das Potential des Hinterlandes und seiner geographischen Verwitterungen, ob „Happy Valley“, „Shetland“ oder „Hinterland“ – letztere nicht nur ganz oben auf der Liste von Mrs. Smith, sondern auch Beleg dafür, dass sowohl die britische, wie natürlich auch die skandinavische Fernsehkultur, deutschem Serienstumpfsinn weit überlegen sind. Ich habe schon lange aufgehört, mich über das Münsteraner Idiotenduo amüsieren zu können, und selbst, wenn man mal „hard core“ versucht, wie beim Dortmunder „Tatort“, wiederholen sich einzelne Szenen und Muster, als wären die Drehbücher am Reissbrett entworfen worden. All diese biederen oder sozial furchbar betroffenenen „Tatorte“ werden in Punkto Dämlichkeit und/oder Sozialrealismus für Doofe nur noch von „Sylt-Krimis“ übertroffen.

Da ist „Broadchurch“, auch in der finalen Staffel, ein anderes Kaliber und vollkommen abnutzungsfrei. Und die Qualität gerät nicht einmal dadurch ins Wanken, dass wir es hier einmal mehr mit einem klassischen „whodunnit“ zu tun haben, mit gefühlten 175 Verdächtigen, und noch mehr falschen Fährten, die zwar selten der Wahrheit nahekommen, dafür aber einen Abgrund nach dem andern freilegen. Die Dialogschärfe, die Fähigkeit der Kamera, sich all Zeit der Welt für erstarrte und entgleitende Gesichtszüge zu nehmen, der homöopathisch dosierte Humor der trockenen Sorte: es gäbe einiges aufzulisten, was „Broadchurch“ ein besonderes Gütesiegel sichert.

Ohne Schwächen ist dieser finale Zehnteiler nicht, ich nenne es das „Lost-Syndrom“. Diese falschen Versöhnungsarien am Ende grosser Staffeln. Da kamen sie nun auch wieder in einer Kirche zusammen, um sich auf eine grosse Predigt einzulassen: cinematographischer Schmalz, der dann doch einmal einen Pilcher’schen Nachgeschmack hinterlässt, und der Klasse des Dramas in drei Staffeln unwürdig ist. Aber wer in Dorset lebt, ist wohl leichter für die Bergpredigt empfänglich. Sie vergeben etwas zu leicht, die Frauen von Broadchurch. Und sonst: die Abspannmelodie mag psychohygienisch ihre gute elegische Arbeit verrichten, sie ist allerdings auf Dauer allzu einlullend und sentimental. Das sind aber nur Kleinigkeiten, die von unserem gebannten Eintauchen in diese kleine Welt an der Südküste spielend absorbiert werden.

Noch ein paar Empfehlungen: lassen Sie sich, wenn möglich, auf die englische Originalfassung ein, die drei Staffeln gibt es seit kurzem in einer Box. Und geniessen Sie, bei Bedarf, die begleitenden Texte in „The Guardian“ (Google-Eingabe: z.B. Broadchurch, season 3, episode 1, recap, The Guardian). „It makes home cinema a less solitary experience. You’ll never watch alone!“ Und, wenn Sie Patti Smith irgendwo treffen, bestellen Sie ihr einen schönen Gruss und sagen sie ihr, sie möge sich rasch die gesammelten vier Hammer-Staffeln von „Line Of Duty“ besorgen. Da geht es dann allerdings ab in die Grosstadt!

2017 5 Mrz

Dr. House und Sneaky Pete

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„Everybody lies.“ Der Satz des Dr. House wirkt wie in Stein gemeisselt. Der geniale Arzt und agnostische Diagnostiker mag seine Patienten nicht: hier zwickt es und da tut es weh? Ach nein, wie uninteressant. Don´t tell me your stories. Leave me alone with my own worries! Kaputtes Bein, verunglückliche Liebe: der zynische House, dem schon so manches Übel widerfuhr, hat längst die Faxen dicke. Wären da nicht diese interessanten Fälle, denen nur Typen vom Karat des Sherlock Holmes auf die Schliche kommen. Unterhaltsam ist es, ihm dabei zuzuschauen – und so wie einst die Lektüre von Cioran und Schopenhauer war: heilsam und erhellend. Die Akzeptanz von Negativität wendet sich auf wundersame Weise ins Gegenteil: zu einem positiveren Lebensgefühl.

Auch Sneaky Pete ist so ein Mozart, nicht als Mediziner, vielmehr als Taschendieb und Trickbetrüger. Wie er sich gedankenschnell aus scheinbar ausweglosen Situationen windet, grenzt an Magie: den Zeitfluss auf Zeitlupe stellen und so in aller Ruhe das Mauseloch finden, durch das man entwischt. Eine jede Fernsehserie hat ihre Merkmale, die sie mit anderen verbindet, und solche, die sie unterscheidet. Erlesene Bildfotografie, schwarzer Humor, das Leben in disfunktionalen Familien, eine tarantinoeske Hemmungslosigkeit in der Darstellung von Gewalt, subtile Erotik, lebensnahe Figuren. Sneaky Pete erinnert hier an Breaking Bad, ein bischen an Fargo. Eines macht die Serie dennoch einzigartig: sie wirkt kaleidoskopisch, als eine Aneinanderreihung von Mikro-Kurzgeschichten, die wie kleine Knospen permanent aufspringen, in überraschenden Momenten und Wendungen.

„Immer fix, sonst kriegste nix!“ Was mir ein pfiffiger Spielkamerad in Kindheitstagen als Spruch ins Poesiealbum schrieb, liess mich schmerzlich erahnen: die Disziplin der Schnelligkeit war nicht mein Ding. Auch darin, skrupellos den eigenen Vorteil zu suchen, bestehen bis heute Defizite, die sich nur durch meditative Eigenschaften kompensieren lassen. Sneaky Pete ist so ein windiger Geselle, dem das, was unsereins versagt blieb, spielend leicht gelingt. Wo die Gefahr wächst, erkennt er stets das Rettende. Hierzu gehört die Kunst der schamlosen Lüge, die er übrigens auch mit jenem Typus teilt, der maskenhaft nur zu beherrschen trachtet: dem narzisstischen Psychopathen. Diesen Teil übernimmt, gespielt von Bryan Cranston, sein Gegenspieler Vince, kaltschnäuzig wie ein Krokodil. Wem schon Walter White verständlicherweise unsympathisch war, der findet hier die hardcore version. Charmant und fesch kommt er daher, dem anderen Komplimente machend, so wie man Blumen giesst, die man alsbald zu pflücken gedenkt.

2016 30 Aug

still binge (watching)

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Zwischendurch gab es einzelne Episoden von TV Serien, die er sich zweimal anschaute. Diese visuellen Errungenschaften des digitalen Erzählzeitalters waren nämlich vielschichtig wie gute Musikalben und jede hatte ihre eigene sound signature – ob es sich dabei um Mad Men handelte, Justified, um SOA oder die von ihm geschätzte Serie Love. Eine Episode von Bloodline beispielsweise sah er zweimal und fiel aus allen Wolken. Hatte er geschlafen? Wirkten Huxleys „Doors“ hier wiedermal, weil er nur die Hälfte mitbekommen hatte? Die Ursache schien schlicht: nur in begrenztem Masse sei man fähig, Aufmerksamkeit zu fokussieren. Da war dieses ADHS Syndrom des ewigen Träumers: kleine Details lenkten flugs ab auf eine Nebenspur, und schnell war der hauptsächliche Handlungsstrang entschwunden. Er erinnerte sich an die Stopp- und Rückspultasten seines Diktiergerätes und des altvertrauten Kassettenrekorders. Man sollte vielleicht nicht zu schüchtern sein, sie auch für Visuelles zu verwenden. Sons of Anarchy beispielsweise: war man nicht froh, kurz mal durchzuschnaufen, emotional kolossale Momente wirken zu lassen, Atem zu holen zwischendurch oder ein Bier? Hilfreich war auch eine frei flottierende Aufmerksamkeit: man liess es laufen in dem Urvertrauen, dass sich das Ganze doch von selbst einpendelte und das Unterbewußte letztlich am Rande alles mitbekam. Like a dog running across the fields, mostly finding the way back to its owner.

2016 21 Aug

Art, Hobbies, Sex (from „Justified“)

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Raylan Givens: I once met a man who made model reconstructions of famous aviation disasters.

Art Mullen: Hmph.

Raylan Givens: Tenerife. Sioux City. Lockerbie. Scaled down fusilages blackened and torn. Little engines and furrowed earth. I don’t know. I figure people are entitled to their hobbies and I’m entitled to think those people are creepy. No offense Vincent.

Vincent Hanselman: Next time you’re in Cincinnati, come by the gallery. I think you’ll be quite surprised.

Raylan Givens: Honestly, I think I’d rather stick my dick in a blender.

Art Mullen: That might solve a few problems.

 

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Brian Hylands Version von „Sealed With A Kiss“ ist kurz zu hören auf einer von Dons letzten Autofahrten. Man sieht ihn niemals so oft „on the road“ wie in den letzten sieben Folgen dieser Klasseserie. Der Mann von der Madison Avenue wird zum Drifter, zum Herumtreiber.

Und, ohne etwas zu verraten, sollte man sich, wenn man die letzte Folge gesehen hat, kurz die Hochgeschwindigkeit der ersten Szene und die absolute Ruhe des letzten Bildes (ein „film still“, das schon im bewegten Bild die Ruhe eines Mantras ausstrahlt) vergegenwärtigen. Und wie wunderbar gegenläufig, einen doppelten Boden auslegend, die beiden Schlussmusiken im Abspann …

Die vorletzte Folge legte vor, mit einem Titel, der einem, nach den ersten Szenen, den Atem stocken lässt, so dezent wird man in die Irre geführt: „The Milk And Honey Road“. Läuft das Leben nun fortwährend in vertrauten (unheimlichen oder harmlos eingeschliffenen) Mustern ab? Bis etwas endgültig reisst! Wie kommt man aus der eigenen Haut raus, und rettet sie gleichzeitig? Wie springt man über den Schatten, ohne sich in den Schatten zu verlieren? Wie retten die beteiligten Figuren (und können sie das überhaupt) ihre Würde?

Über die Schlusszene von „Lost“ wurde viel gelästert, sie machte Sinn, war aber schon grenzwertig nah am Kitsch. Es gibt allerdings eine Dosis von Kitsch, die dem üblichen Lamentieren über Hollywood’sche Gefühlsgängelei gute Argumente entgegen hält. Hier, in „Person To Person“, auch einem anfangs leicht wunderlich wirkenden Titel, ist nun alles kitschfrei, obwohl Sad Endings und Happy Endings sich die Waage halten.

2016 3 Aug

My Top TV Shows

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  1.  Fargo – Season One
  2.  True Detective – Season One
  3.  Bloodline – Season One
  4.  Breaking Bad – All Seasons
  5.  Fargo – Season Two
  6.  Sons of Anarchy – Season One to Three
  7.  Mad Men – Season One to Four 
  8.  Better Call Saul – Season One and Two
  9.  Transparent – Season One and Two
  10.  Justified – Season One and Two
  11.  Bosch – Season One
  12.  Bloodline – Season Two
  13.  The Bridge / Bron / Broen – All Seasons (OV danish / swedish) 
  14.  Master of None – Season One
  15.  Love – Season One
  16.  House – Season One and Two
  17.  Detectorists – Season One and Two
  18.  Rita – Season One (OV danish)

 
 

Listed as far as been received up to now – in the original version with german or english subtitles (in a rough but serious order of subjective value). Watching this way can be an easy going method of improving the language skills. Enjoying different dialects, for example: Have you ever heard Justified´s sound of the Kentucky slang? You´d wish to never ever leave Harlan again. Or Sons of Anarchy´s linguistic and musical turn from California into the irish spheres? … By the way, have to catch up on Sherlock, watched it merely synchronized. This was like throwing pearls to swine – and it deserves much better.

 
PS. I forgot to mention The Night Manager.

2016 14 Jul

Rock Bottom

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Wenn Clay und Gemma sich fetzen, wirkt selbst das Polizeirevier fragil wie eine Pusteblume. Dort nämlich begegnet sich das Ehepaar zufällig, unterschiedlicher Delikte wegen. Sie hatte gerade einer jungen Nebenbuhlerin mit einem Skateboard die Nase demoliert. Die Rockerlady kommt in die Menopause, spürt ihre Jahre und die Jüngere als schmerzliche, bedrängende Konkurrenz. Rührend, wie dann – beide wieder auf freiem Fuss – der mit allen Wassern gewaschene Bandenseniorchef (man kennt Schauspieler Ron Perlman als den Glöckner von Notredame und als ungestaltigen Mönch in Der Name der Rose) nach seinem Seitensprung mit dem Teenie seiner Frau Liebe und Reue schwört und beide frisch versöhnt auf der Harley abziehen. Überhaupt, das Powerpotential dieses Kultbikes ist hier Massstab aller Dinge und der grandiose Soundtrack trägt ein Übriges dazu bei. Allein der Themesong zu Beginn der abendlichen Episodendosis bestätigt einmal mehr, was man schon immer wusste, vielleicht vorrübergehend nur vergass: I love Rock. Und wer als eher Zartgebauter vor Zeiten einmal eine Honda Goldwing kurz spazierenführte, der weiss, was von Gewicht ist. Für manchen bleibt vielleicht das Crossbike noch Relikt für Männerfreiheit, Freiflug, kleine Fluchten – und als Metapher für den mystikschwarzen Gaul. So wie der Eine am Vergaser bastelt, so stellt der Andere Shimanokomponenten fein ein. Wie dem auch sei: in zahlreichen Serien, bei Sons of Anarchy aber besonders, wirken die Bilder für die Songs wie Geschmacksverstärker und umgekehrt. Dass hier demnächst auch der einst so geschätzte Paul Brady zu hören sein wird mit einem Stonescover, ist spätes Glück.


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