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Archiv: Stephen Dobyns

2017 15 Jan

Bitter Wash Road

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In den letzten sechs Wochen habe ich zwei Kriminalschriftsteller entdeckt, die darüber hinaus, im einen Fall Lyrikbände, im anderen Fall Kinder- und Jugendbücher, verfassen – ganz und gar glückliche Entdeckungen! Stephen Dobyns ist Amerikaner, seine Thriller Das Fest der Schlangen und Is Fat Bob Dead Yet? sind kleine Meisterstücke mit einem ureigenen Sound aus „Noir“, Sprachwitz und Sprachverführung. Der bei den Manafonisten bislang noch nie aufgetauchte Gary Disher ist keinesfalls ein Unbekannter. 1949 wurde er im ländlichen Südaustralien geboren, und ich kann mir nicht vorstellen, dass Grant McLennan, einer, der in guten Büchern und Songs versinken konnte, nie das eine oder andere seiner Bücher gelesen hat. Bitter Wash Road, erschienen im Unionsverlag, ist der erste Roman, den ich von ihm in Händen halte. Eins dieser Bücher, die einen von der ersten Seite an gefangen nehmen, und in diesem Falle in die Outbacks führen, ins Fernab der grossen Städte, wo das Böse in hitzestarrender Luft noch gnadenloser erscheint. Aber hier gibt es auch die Bündnisse mit denen, die Opfer sind, Bedrohte, Ausgesetzte. Mark Twain hätte dieses exzellent übersetzte Werk genauso geschätzt wie Dashiell Hammett. Sollte dieser Kriminalroman je verfilmt werden, im Abspann könnte gut „Cattle and Cane“ zu hören sein, und jeder wird noch etwas tiefer in den Kinosessel rutschen.

 

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Aber bevor der Leser mehr über diesen wunderbaren Autisten (oder Alien?) erfährt, der eine ganz grosse Nummer im Schneeräumen ist, verliert Fat Bob seinen Kopf, als er in einen Laster rast. Bald stellt sich heraus, das Fat Bob, der wegen seines Motorrades so genannt wird, auf seiner Fat Bob gar nicht das Leben gelassen hat, weil er es einem Kumpel geliehen hat. Ein Unfall, ein Verbrechen, eine Verwechslung? Der schwedische Kommissar in den USA, der öfter auf seine berühmten schwedischen Kollegen angesprochen wird, versucht, zusammen mit seinem vom Leben grundsätzlich frustrierten Partner, dessen einzige Sinnzuflucht in seiner geliebten Heim-Karaoke besteht, Licht ins dunkle Treiben zu bringen, und stösst dabei auf eine Gruppe, die Spendengelder sammelt, um Beagles vor dem Nikotintod im Labor zu bewahren. Meine Lieblingsfigur ist Connor, der sich in die scheinbare Ehefrau eines im Zeugenschutzprogramm befindlichen Gangsters verknallt, und ihr schliesslich tatsächlich mit einem Messer ihr Nachtkleid sorgfältig aufschnipseln darf. Das erotische Initiationsritual mit seiner Traumfrau nimmt allerdings einen keineswegs erträumten Verlauf (wie das so oft ist mit Traumfrauen im realen Leben). Man kann sich stattdessen natürlich auch über den grossen Deutschlandroman von Peter Prange hermachen, aber die Alternative gefällt mir, in aller Unbescheidenheit, besser: besorgen Sie sich die Taschenbuchausgabe von Stephen Dobyns unglaublichem Kriminalroman „Is Fat Bob Dead Yet?“, und lassen Sie sich von einem Sprachkünstler und Geschichtenerzähler par excellence in eine bizarre Halb- und Unterwelt entführen, die einen, allen Absurditäten zum Trotz, bis zur letzten Seite fesselt. Ganz grosses Kino, sagen manche an dieser Stelle. Ich sag es mal so: ganz grosses Kino.

 

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Ich glaube, ich müsst bei Herrn Gregor noch etwas mehr Überzeugungsarbeit leisten, selbst wenn das Buch einmal übersetzt werden sollte (dann aber bitte kongenial!).

Tu ich jetzt mal: Stephen Dobyns ist auch ein ausgefuchster Lyriker, der die seltene Gabe besitzt, in jedem Genre, Witz und Tragik unserer endlos gezählten Tage (hach, was hat Lajla für wunderbare Gedichte ausgewählt!) zu kombinieren.

Das ist nicht einer dieser bloss grotesken Carlo Manzoni-Romane, die mancher mal gelesen haben wird, lang ist es her, im dtv-Taschenbuchformat.

Stephen Dobyns Roman hat unterschwellig (gar nicht so unterschwellig) eine existenzielle Dimension, im Sinne von: my god, what is this fuckin‘ life all about? Es erzählt vom Staunen und Wundern, von der Macht der Obsessionen und der Banalität des Bösen, von den kleinen Wundern und der Macht der Fantasie.

Es ist nicht ganz verkehrt, vor und nach den Abenden mit diesem Buch, die „wonder world“ von Sun Ra und seinen frisch ausgegrabenen SINGLES auf sich wirken zu lassen.

Ein Rezensent der SZ (nein, wir müssen jetzt nicht alles verlinken), der wohl zuviel Manafonistas liest, vermutet, man habe Sun Ras Gehirn immer wieder mal an eine JUKEBOX angeschlossen, und er hätte daraufhin, über Jahre hinweg, die wunderlichsten Skurrilitäten aus Funk und Jazz, aus Alien Exotica und Bebop-Pop aufs gute alte Single-Format pressen lassen. Die Auflagen waren gering.

Egal, egal! Wer Erich Kästner liebt, könnte Stephen Dobyns sehr, sehr schätzen lernen! Die Waisen aus dem Weltall greifen sowieso sofort zu!

For Love Can Turn Us Still (FLOTUS) – the wonderful new album of Lambchop is on par with their classics – the subtle electronic innovations intensify their palette instead of reaching for a bigger audience. The album of December. The album for the subversive christmas tree. The album for friends of Frank O’Hara poems. The album for people who love albums they can listen to forever. In one way, and this is no joke, it even supasses SGT. PEPPER. Not one weak track! Or will anybody tell me that „Good Morning Good Morning“ is not rather crappy?!

Going back in time: some of you may have a decent memory about the second Jethro Tull album, the one with the stand-up cover. STAND UP now got THE ELEVATED EDITION, with lots of footage, films and, excellence as usual, Steven Wilson‘ stereo and surround remixes. Even Ian Anderson’s Bach-Bourée can still create a shiver in this new ambience. And the elevated edition is a book, too, full of stunning episodes. 1968, 1969 revisited. Brian Whistler’s tales of the SACD of Weather Report’s TALE SPINNIN‘ would be perfect, too, here (I got it, I heard it, I love it – a rediscovery!), but the comments there have an extra-value, so we leave it in the blog diary for its own good.

And a small change in our third column of monthly appraisals: the term „philosophica“ can from now turn into „psychologica“, „artistica“, „graphica“ etc., dependant on the object of desire. Anybody who has something in mind? Mail your proposal of a review to manafonistas@gmx! The first idea is often the best and will be taken! That is, by the way, the address of the real Manafonista headquarter, 500 miles away from my living place. Otherwise (a quiet bravo for my understatement, please!) my enthusiastic review of the wonderful #42 of MONO.KULTUR incl. the adventurous, spellbinding talk with thrill-seeking SOPHIE CALLE, mastress of Houdini-esque ego-dissolution, will find its place there. (A day later: oh, wonderful, from the backyard of the MHQ, someone went enthusiastic about a book that has a very special, vague, nearly ungraspable topic: MOOD.)

 
 
 

 
 
 

The MANA THRILL PRIZE FACTORY 2016 is offering a fine collection of new thrillers and crime novels beyond mainstream, and Stephen Dobyn’s eccentric, funny, dark, hilarious „IS FAT BOB DEAD YET?“ is such a wonderful book with a beating heart, in spite of all its obliqueness. A thriller that evokes Elmore Leonard and Donald E. Westlake at their best, but adds several layers of absurdity and a narrative voice that suggests metafiction meets a Greek chorus meets Jane Austen …

In our BINGEWATCH TRANCE DECEMBER corner, two series of 2016 take center stage: as different as they are, these legal dramas offer rather dark tales: GOLIATH (season 1), a fresh take on the old John-Grisham school (it’s not written by Grisham though) with fabulous Billy Bob Thornton, and THE NIGHT OF (one season only!), mirroring the neo-realistic grittiness of the „noir“- underworlds of „The Wire“ or „True Detective“, in this case with fabulous John Turturro.

 

P.S. January 2017 will be the month of promising new works by Brian Eno (purely ambient this time, and, nevertheless, another landscape, another thinking space for sure), Tinariwen, The Necks (on Mego now), Ralph Towner (guitar solo, recorded in Lugano,  release date: February (!) 3rd), and „the fearless freaks“ (watch the documentary!) of The Flaming Lips.

 


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