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Archiv: Roger Willemsen

The first album of the British new wave expressionists of Magazine: wasn’t it called REAL LIFE? It was, wasn’t it? This is no quiz, so don’t bother, don’t look. The explosion of punk and post-punk (first wave of post-punk) was about a certain vision of „real life“, and, get used to it, real life is about the everyday, the lust, the burden, the thrill, the boredom, the fake, the excellence, it’s the agenda of living in wartimes and in protected areas. Have a look at outer space! It’s not funny. Fucking black holes. It’s real. Even here. Like the people you know so well via radio or TV, Roger Willemsen for example, he just died, aged 60. It’s like he went downstairs for a whisky and never came back. He loved jazz. There are no jazz bands in heaven. No cappuccino up there, too. I liked the way he created a sense of wonder. So he’s just another fine guy in a line of fine guys who shared their thoughts, travelled, loved, looked, thought, died. Here we are, in our real lifes left with what is left: a story of long goodbyes, great evenings, vanishing in never ending books, ashes to ashes, ready for love, through with love, listening to Blackstar or Astral Weeks or Taking Tiger Mountain (By Startegy), in Pittsburgh, Glasgow, Hannover, Frankfurt, Düsseldorf, Aachen, Schwerte, Stuttgart, Kronach, Leinfelden. Tutti forgetti? Entropy. Memories. Howard Devoto. Ghosts.

 

Mulder: I’m thinking maybe it’s time to put away childish things. The sasquatches, the mothmen, the jackalopes. I thought it’s be great to get back to work. But is this really how I want to spend the rest of my days? Chasing after monsters?

Scully: We’ve been given another case, Mulder. It has a monster in it.

2013 6 Feb

Big Bang

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Die mit dem Älterwerden verbundenen Unannehmlichkeiten würde man allzu gerne in einer Fußnote abhandeln oder frühmorgens auf einer To-Do-Liste streichen, um den restlichen Anforderungen des Tages dann mit flexiblem Tai Chi zu begegnen. Wo die Gefahr wächst, da wüchse das Rettende ja auch, tröstete Philosoph Heidegger und wir wollen es gerne glauben. Zuspruch und Zeugenschaft findet man bei so manchem Zeitgenossen. David Bowie etwa fragte gerade altersweise: „Where are we now?“ – und auf sein neues Album, das am elften März erscheint, darf man sich freuen, auch weil dort Gitarrist David Torn seine Finger im Spiel hat. David Sylvian sang auf Manafon die Zeilen: „Its not just the boredom, its something endemic – its the fear of disorder, stretched to its limits.“ Wo Utopia war, wird Entropia? Schöne Aussichten! Zur bevorzugten Literatur dieses Themas zählen Jean Amerys Über das Altern – Revolte und Resignation, ferner Der Knacks von Roger Willemsen und Silvia Bovenschens Älterwerden. Soeben von einem Zahnarzt kommend, der mir langfristig keine guten Aussichten prognostiziert, halte ich in der linken Hand deren Buch, in der Rechten ein Kühlpack, und lese:

„Jetzt, 2005, habe ich die Vorstufe zu Big Bang erreicht. Ich bin permanent beim Zahnarzt. Auf dem zurückgekippten Stuhl (…) denke ich an eine Geschichte, die mir meine Freundin (…) vor Jahren erzählte. Sie handelte von einem Mann, der sich erschiessen wollte, weil ihn die tägliche Zahnputzprozedur so langweilte. Das hatte mir sofort eingeleuchtet. Daher komme ich jetzt zu dem absurd tröstlichen Schluß: Je weniger echte Zähne du haben wirst, desto kürzer wird diese Prozedur dauern. Dann aber fällt mir ein, dass für Jean Amery, in seinen angenehm unbeschwichtigenden Ausführungen zum Älterwerden, allein die Aussicht auf einen partiellen Zahnersatz die Altersniederlage einläutete.“

2012 9 Okt

Knacks! Und weiter gehts …

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„Mit Ihnen ist das Leben interessanter!“ Dieser an FBI-Agent Starling adressierte Gruß des Hannibal Lector im Film Das Schweigen der Lämmer liesse sich passenderweise auch dem Autoren und Fernsehmenschen Roger Willemsen übermitteln, der mit seinem Redefluß und umstrittenem Schreibstil zwar zuweilen nervt, insgesamt jedoch sehr unterhaltsam ist.

Speziell sein Essay Der Knacks war überhaupt das erste Buch, das unsereins gleich am Erscheinungstag aus der Buchhandlung holte und – zeitweilig untermalt von den Sylvian-Songs des Albums Snow Borne Sorrow – genüsslich rezipierte. Als es zu Ende war, las man es gleich nochmal von vorne. „There´s comfort in entropy“ – selbst dem Verfall lässt sich Positives abzugewinnen, zumindest als beschauliches Studienobjekt.

Der Knacks sei der Übergang vom Werden zum Vergehen, schrieb ein Rezensent treffend. Vom Trauma unterschieden verläuft er als subtiler Wandel, ist eher physiologischer denn psychologischer Natur – so wie sich im zerbrochnen Krug schon vorher feine Risse bildeten: die berüchtigten Sollbruchstellen. Man hört´s dann am Klang: es schwingt nicht mehr, wird störrisch, spröde. Dieses Phänomen, das in Literatur und Musik sein Echo findet, wirkt in jeder alternden Kreatur.

Wo Entropie ist, ist auch Evolution. Ein Mangel des Menschen ist es, das wissen die Buddhisten: er nimmt sich viel zu wichtig. Dem Diktum, er sei die Krone der Schöpfung, setzt man, grad angeknackst und auf den Gipfeln der Verzweiflung, gerne mal entgegen, die Schöpfung sei verfehlt. Doch von solchen Höhen folgt stets der Abstieg und auf jene unerträgliche Schwere folgt eine neue Leichtigkeit: a breeze, a change, a shift.

2011 3 Nov

I Do Nothing

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Eines meiner Lieblingsbücher ist Roger Willemsen´s „Der Knacks“. Daran musste ich denken, als ich gestern bei einer Radtour lange an einer Stelle verweilte, weil sie zu meinen Lieblingsplätzen gehört (a healing place of magic). Dort beobachtete ich lange und genau das geschäftige Treiben ringsum. Rehe waren zwar nicht zu sichten, aber ich fühlte mich sichtbar wohl – fühlte die subtilen Energien fliessen, die aus dem Stillsein erwachsen. Doch ein leichtes Hintergrundgrummeln des internalisierten Geschäftigkeitszwanges wollte nicht ganz weichen. Hier die betreffende Textstelle aus Willemsen´s Buch, an die ich dachte:

 

Ein Mann stellt sich in einen Winkel zwischen zwei Wohnblocks. Er steht regungslos. Niemand sieht, wohin er blickt, aber er ist anwesend. Wo vorher Bewußtlosigkeit war, ist jetzt eine Situation, weil er da ist. Er ist Zeuge, bevor es etwas zu bezeugen gibt. Das stört. Zieht der Zeuge Geschehnisse an? Eine Frau nähert sich …

„Warten Sie?“
„Nein.“
„Was wollen Sie dann?“
„Nichts.“
„Muss das hier sein?“

Als er nichts erwidert, überlegt sie, ob das erlaubt ist: Nichts zu wollen.

 


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