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Archiv: Lambchop

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“We were going to make the record Marky (Mark Nevers, the producer; Anm. v. M.E.) and I wanted to make, the way we saw fit, taking it long as it took. I was, in essence, `going for broke´, because I was broken and saw this as a last chance to get myself right. This time it was personal.” (Kurt Wagner)

”Wine tastes like sunshine in the basement”. Was haben wir hier: eine psychedelische Sinatra-Variante? Neues aus dem Underground von Nashville? Wie immer man das locker-flockig umschreiben möchte: “Mr. M” brilliert (neben vielen anderen Dingen) auch mit dem aussergewöhnlichen Einsatz von Streichinstrumenten. Das ist kein Nachklapp zum Soul des Albums “Nixon”, keine Wiederholung der Rezepturen von “Is A Woman”: Violinen und Violas führen ein seltsames Eigenleben, das die schattigen Songwelten von Kurt Wagner in ganz spezielle Lichtverhältnisse taucht. Und was ich an den besten Lambchop-Platten bewundere, findet sich auch hier: doppelte Böden, Verstecke und vertrackt-fesselnde Lyrik – garantiert haltbar bis Ende 2099. Das Werk erscheint Ende Februar 2012.

(First Listen)

2012 14 Feb

Die wunderbaren Begrenzungen von Kurt Wagner (Lambchop)

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Vorbemerkung: Dies ist eine Einführung in die Musik von Lambchop. Ein schon etwas älterer Text. Da Mr. M bald erscheinen wird, ein Angebot für Interessierte, tiefer in das Schaffen des Kollektiefs aus Nashville einzudringen. Ich traf Kurt Wagner vor Monaten in Berlin, im Hauptquartier von City Slang, doch das Interview litt ein wenig unter seinen Kopfschmerzen. Wir sprachen über seine Texte, die, gelinde gesagt, seltsam sind. Sie mischen einfachste Beobachtungen der unmittelbaren Umgebung, mit Reflexionen, die nie nach dem Status von Weisheiten streben, sie lassen Gedanken strömen, und kommen dann doch, plötzlich, auf den Punkt: hier sind es Verlustgeschichten des alten Freundes Vic Chesnutt: das Kryptische der Lyrik kippt oft in eine ganz unmittelbare Klarheit. Ich habe derzeit, hier im Klinikum Nord, 6. Stock, mit Blick auf das U, den Fernsehturm und unser Stadion, zwei treue “Begleiter”, die Trost spenden und Lebensbatterien aufladen: Mr. M, sowie Michael Ondaatjes Roman “Katzentisch”.
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Ich habe mich schon einige Male gefragt, was dieser Mann für Bücher liest. Selten wird man von einem Sänger und seiner Band so unwiderstehlich zwischen Klarheit und Traum eingesponnen wie bei Lambchop. In dieser Musik gibt es eiskalte Winternächte, einen Schaukelstuhl und den Geruch amerikanischer Holzhäuser.  In seinen Texten könne man sich leicht verfangen, sagte ich vor Jahren dem freundlichen Fourtysomething mit Hornbrille ins offene Gesicht, und manchmal erscheine es mir, seine Songs seien eine seltsame Kreuzung zwischen dem skurrilen Humor eines Richard Brautigan und den hermetischen Kargheiten eines Raymond Carver. Da lacht der Mann aus Nashville, Tennessee, staccato, der mit seinem Musikerkollektiv Lambchop 2001 ein Meisterstück hinlegte.

“Is A Woman” war auch ein Traum von altem Jazz, von den Sphären, in denen Billy Strayhorn und Duke Ellington “Solitude” spielten. “Is a Woman” war ein Melancholikum ersten Grades, vom Licht alter Sommer erfüllt, von Spinnweben, von der Tragweite kleiner, unscheinbarer Momente. Kurt Wagner lockte uns mit “Lammkeule ist eine Frau” in einen keinesfalls aus der Mottenkiste stammenden Geschichtenzauber: der Pianist Tony Crow legte dabei Klangspuren, die bis in die Vierziger Jahre des alten Amerikas reichten, melodische Destillate, denen beboppige Sprünge fremd waren. All diese “alten Hüte” bringen erst dann etwas, wenn sie schief auf dem Kopf sitzen, und nicht formgerecht!

“Ich habe ja so meine Begrenzungen, was die Sprache des Jazz angeht, aber Tony erlaubte mir, meine Vorstellungen weiter in die Richtung zu treiben, die mir im Kopf vorschwebte.”

 

http://www.youtube.com/watch?v=zoVB5yMlYh4&feature=related

Is a Woman

 

Das Sedierende (was manche als “Soft Rock” denunzieren) ist die größte Hinterlist des Mannes mit der Mütze. Dem großen und zugleich lässigen Wurf von ”Is A Woman” folgt eine Tour mit dem “Kurt Wagner Trio”, die alles Leise noch mehr auf die Spitze trieb. Mittlerweile mußte der Mann mit der sonoren Baritonstimme nicht mehr dem Job des Fliesenlegers nachgehen; “Nixon” (2000) war ein kommerziell erstaunlich erfolgreiches Album, die Palette der Klangfarben weiter gefächert, man zollte Curtis Mayfield Tribut und  blieb sich selber treu. Der Durchbruch (womit der Wechsel von nahezu leeren Clubs zu ausverkauften Häusern gemeint ist) gelang im Sommer 1998, als Lambchop, mindestens zwölfköpfig, mit den damals noch recht unbekannten Calexico und Vic Chesnutt durch Europa reisten. Ich sah diesen Dreierpack im “Electric Ballroom” im Camden Town, es war eines dieser Konzerte, bei denen sich die Holzmaserung der Ausschanktheke so sehr ins Gedächntnis schreibt wie die Augen der Frau an deiner Seite und das Hinausströmen der Scharen in die Nacht.

Lambchop rückwärts zu entdecken, ist eine ergiebige Sache, denn diese Band hat nur Gutes, sehr Gutes und  sehr, sehr Gutes geschaffen, “What Another Man Spills” (1998) gehörte in meiner Mitternachtssendung  genauso so zu den besten Produkten des Jahrgangs wie zuvor “How I Quit Smoking” (1996). David Byrne wurde damals Lambchop-Fan, erinnere ich mich. Für den nun erfolgenden Doppelschlag, die beiden Cds “Aw C´mon” und “No You C´mon”, nahm sich der Mann aus der Countrymetropole jede Menge Zeit, um seiner Kunst,  ziemlich gewitzt, auf die Sprünge zu helfen:

“Wenn ich früher Songs schrieb, dann konnte ich nie sagen, wann diese Lieder entstanden, es waren Glücksmomente. Nun aber wollte ich einmal nach klaren Kriterien arbeiten, und jeden Tag einen Song schreiben. Klar, gute Ideen kamen, schlechte Ideen kamen, aber ich bewertete nichts, ich war geradezu begierig darauf, Fehler zu machen. Es war wie ein Ritual, und es blieb mir kaum Zeit, lange über kreative Entscheidungen zu grübeln. Manchmal flog der Tag nur so dahin, manchmal blieb die Zeit auf der Stelle stehen. Aber es gab ja immer ein Morgen, immer einen neuen Nullpunkt.”

 

How I Quit Smoking

http://www.youtube.com/watch?v=r3dCGeuOfE0&feature=related  (Lambchop Original)

http://www.youtube.com/watch?v=4u_p0Kksc64&feature=related  (David Byrne-Cover)

 

Die Trennung von Spreu und Weizen überließ man einem späteren Zeitpunkt, Kurt Wagner verschwand zwischen Sommer und Winter 2002 in seiner Songschmiede. Das meiste war schon geschrieben, da flatterte das Anbgebot ins Haus, Murnaus melodramatischen Klassiker “Sunrise” neu zu vertonen.

“Ich wollte an diese Aufgabe so herangehen, wie es einige Filme in den Sechziger Jahren gemacht haben, etwa “The Graduate” (deutsch “Die Reifeprüfung”; mit Dustin Hoffman und den Liedern von Simon&Garfunkel – Menschen mt frotschrittlichen Musikgeschmäckern gaben damals ungern zu, wie sehr diese Songs sie ergriffen; Anm. d.A.) oder “Butch Cassidy and Sundance Kid”. Damals begann man damit, Popmusik in Filmkontexte zu transportieren, das war zuvor nicht so häufig der Fall. So wählte ich einige Songs aus, die bestimmte Passagen des Films auf ganz eigene Weise kommmentieren oder miterzählen sollten. Und ich schrieb einen beschwingten, leichten “Opener” wie ”Sunrise”, schließlich hatte der Film ein Happy End, und, trotz aller Liebeswirrungen, eine optimistische Kraft – das wollte ich schon in der ersten Sequenz andeuten!”

Wenn Kurt Wagner mal kurzweilig mit Walt Disney-Stimmungen spielt, wenn alte Anleihen beim Seventies-Philly-Soul (der berühmte seidige Streicherglanz!) genauso zum Tragen kommen wie versprengte “blue notes”, amorphe “ambient drones”, eine Prise Rumpelrock, ein Abreissen der Kehlkopfstimme in bester (ja, auch der Mann hat mal tolle Songs geschrieben!) Cat Stevens-Manier; wenn darüber hinaus leicht mysteriöse Stories und Wortspiele selbst Dylanologen zur Verzweiflung treiben könnten, dann liegt die Vermutung nahe, daß es sich bei beiden neuen Arbeiten um einen recht bunten Gemischtwarenladen handelt. Und genau an diesem Punkt (wo manchem der Spruch vom “Weniger wäre mehr” auf der Zunge liegt) lässt sich das schöne Gelingen von “Aw C´mon” und “No You C´mon” festmachen: statt die leisen Intensitäten von “Is A Woman” fortzuschreiben, erlaubt man sich gleichermassen Exerimente und alte Lieben. Dabei setzen Kurt Wagner und Co. einen Trick ein: etliche Songs legen in den ersten Sekunden eine falsche Fährte, holen Luft, und schlagen unversehens eine gänzlich andere Richtung ein. Und sie sind kürzer geworden: das Extra an stilistischer Breite und die fallweise epische Pinselführung werden ausbalanciert von einer Verdichtung der Komposition. So wird, anders als bei vielen Retrobands im Retrorausch, die Lambchopsignatur noch ins offenhörbarste Zitat eingewoben. Und hier kommt die herzlich begrenzte Stimme des Herzerweichers und Crooners entscheidend ins Spiel, eine Stimme, welcher geschätzte Attribute wie elegante Geschmeidigkeit, oktavenumspannendes Spektrum und lautmalerische Prägnanz weitestgehend abgehen.

“Bei mir geht es immer um den Song, den ich gerade singe. Bei manchen Liedern ist ein leiserer Ansatz erforderlich, und jede Art von Aus-Sich-Herausgehen wäre falsch. Manchmal denke ich, klappt das sehr gut, und die Stimme findet den Ort, an den sie innerhalb eines Liedes Wahrscheinlich verlangt jeder Song, daß ich ihn auf bestimmte Weise singe. Und das ist gut, weil auf diese Weise eine ganz persönliche Aussage entsteht. Zugleich erhält das Lied dadurch eine Einschränkung. Daß es vielleicht kein anderer singen kann (lacht). Und das ist nicht mein Ziel. Es wäre ein Erfolg, wenn ich jemanden finden würde, der sich einer meiner Songs annehmen könnte!”

Sogenannte “begnadete” Stimmen hören sich anders an, erliegen dann aber auch um so öfter dem eigenen Reiz und landen, statt in der Kunst, im Gewerbe. Wer aber so rigoros wie Kurt Wagner durch die Worte haucht,  einzelne Silben liebend gerne verschluckt und mit einem dunkel dröhnenden “rrrrr” Marke Tennessee umliegende Vokale massiv in ihrer Existenz bedroht, der ist entweder von allen guten Geistern verlassen oder damit befasst, den vielzitierten und viel seltener realisierten “eigenen Sound” zu entwickeln! Und, um die Abweichungen vom guten Ton – imitten all dieser verdammt tollen (85 % melodischen) Töne – komplett zu machen, hat ein Refrain bei Lambchop schlicht Seltenheitswert, und kryptische Bilder schlingern von Zeile zu Zeile:

“She loved the spare texture / of his difficult, and sad books, / and felt she was exceptionally equipped with Stanley Wilson´s distractions.”

Singen Sie das mal, lieber Leser! Oder rezitieren Sie es, ohne daß es an allen Ecken hakt! Und wer ist dieser Stanley Wilson?! Man muß ja schon schmunzeln, wenn ein  Reim aufaucht! Und beginnt ein scheinbar simpler Lovesong mit folgenden Worten, wittert man gleich ein ganz ausgekochtes Manöver: “And I hate candy / But I like rain / And I like substance / To tickle my brain (…)” Was der Liebhaber des Regens und Lambchop hier, zwei Alben lang, anzetteln, hat Witz und Tiefgang.

http://www.youtube.com/watch?v=QEGGC55FK5k

“Steve McQueen ist ein Song über das Sterbenmüssen”, erzählt der Ein-Song-Pro-Tag-Experte, “es geht um die Annahme der eigenen Sterblichkeit. Steve McQueen war einer dieser Berühmtheiten der 70er Jahre, eine Filmikone, schon früh eine Kinderstar, alle Kids hatten ein Poster von ihm an der Wand, wie er mit dem Motorrad über einen Zaun  sprang, ich glaube, in The Great Escape. Und er war die erste Berühmtheit meiner Jugend, an die ich mich erinnere, die an Krebs starb. Dieses Ereignis nahm in der Öffentlichkeit der USA einen großen Raum ein, und wirkte auch bei mir nach.”

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Nixon

http://www.youtube.com/watch?v=pbNVx9Y28rk

 

Wer über solche kulturellen Prägungen hinaus in der Zuckerbäckerei der amerikanischen Volksmusik  aufwächst – schauen Sie sich mal Robert Altmans dokumentarischen Spielfilm ”Nashville” aus den Siebziger Jahren  an, um sich ein Bild von diesem leicht deprimierenden Milieu zu machen - der muß unbedingt einen klaren Kopf bewahren, vor allem, wenn die  eigene sentimentale Ader gar nicht zu leugnen ist. Dezente  Country-Spuren finden sich bei Lambchop im Gebrauch der pedal-steel-Gitarre, die  Daniel Lanois so vollkomen transparent auf seinen Arbeiten zum Einsatz bringt. Er nennt das Instrument “the church in my suitcase”.

“Es war für Daniel Lanois sicherlich hilfreich, nicht in Nashville groß geworden zu ein. Er lässt das Instrument mit einer eigenen Stimme singen. Und dieses “Singen” beschreibt den Klang des Instruments am besten. Es ähnelt so sehr der menschlichen Stimme. Du kannst da einiges erfahren über das Gleiten eines Klanges! Unser Gitarrist spielt eine Vielzahl von Gitarren und benutzt das Instrument ganz sicher auch außerhalb des typischen Lehrplans alter Nashville-Schulen.”

http://countrymusichalloffame.org/  (ein Power Spot für Herrn Wagner)

Als Teenager hatte Kurt Wagner einen ersten großen Angriff auf die eigenen Wurzeln unternommen. Einer seine besten Kumpel war ein Chemikalien-Freak, bastelte gerne kleine Rauchbomben und wohnte gegenüber von Ned Pierce, einem großen Star, desses Swimmingpools die Illusion vermitteln sollten, im Korpus einer Gitarre schwimmen zu können.

“Das Unglück war, es waren verdammt große Rauchbomben, und als wir sie um einen seiner gitarrenförmigen Pools aufgestellt und angezündet hatten, verwandelten sie die ganze Umgebung in riesige Rauchschwaden, und ein großes Aufgebot an Polizei und Feuerwehr rückte an. Wir schlugen uns in die Büsche, wir waren halt  kleine Teufel!”

Es gab auch einen Underground in Nashville, aber diese Geschichte solle ein anderes Mal erzählt werden, und Kurt wagner kennt sie gut. Kurt Wagner und sein wandlungsförmiges Ensemble können mit allen möglichen Szenarien spielen, ein Streichquartett genauso ins eigene Repertoire integrieren wie die Soundpalette einer Big Band. Man kann Lambchop-Songs lieben, ohne ein Wort zu verstehen, und vielleicht ist das ja auch der Kunstgriff dieser halbverschlossenen Lyrik: einzelne Worte bleiben haften, werden zu Bildern oder reiner Klang – und das Lied zieht weiter seine eigenen  Kreise ums Unerhörte herum! Lambchop ist wohl eines der wenigen Exemplare (und hier holen wir ein ganz altes Wort aus dem Schrank) einer “progressiven” Band, die sich, analytisch betrachtet, eine “Regression im Dienste des Ichs” nach der anderen leistet, ohne in prätentiösen Wallungen zu stranden.

“Ich versuche, den Liedern auf eine indirekte,  nicht philosophische Art, Tiefe zu verleihen, welche die Erfahrung des Hörens mitformt”, merkt der einstige Fliesenleger zu dem Phänomen an, daß man seine Lieder  sowohl vordergründig wie hintergründig hören kann. ”Die  Songs von Lambchop   haben ganz sicher eine Art von Ambiente und Umgebungsqualität, andere Leute nennen das “cinematisch” oder “atmosphärisch” – das alles weist auf ähnliche Phänomene.”

Stimmt. Und auf dem kurzen Weg zwischen Schallquelle und einem Paar Ohren öffnen sich eben unerwartet Räume (der Schaukelstuhl und die amerikanischen Holzhäuser entpuppen sich als reines Bühnenbild), da kann auch schon mal, en passant und völlig unpathetisch, der Atem stocken! Und was liest dieser Kurt Wagner nun wirklich, der ein lautes Lachen parat hielt (wieder stataccato), als ich den Verfasser von “Forellenfischen in Amerika” ins Feld führte (der sich in Kalifornien mit einem Gewehr das Hirn aus dem Kopf geschossen hat, in diesen goldigen Hippiezeiten!) als mögliche literarische Parallelwelt der “Lammkeulenmusik”.

“Ich weiß nicht, ob es grosse Literatur ist, aber zuletzt las ich Dan Browns “Da Vinci Code”, es geht da um verschwörerische Machenschaften innerhalb des Vatikans. Ich habe den Roman sehr schnell gelesen, wie ein Drehbuch, du willst das Buch nicht aus der Hand legen, wenn du ein Kapitel beendet hast. Das visuelle Element, die bildhafte Konstruktion faszinierte mich mehr als der Inhalt. Der nicht uninteressant ist.  Und dann lese ich, ganz anders, und seit Jahren Don DeLillos “Unterwelt”: ich beginne den Roman, komme eine bestimmte Strecke durch, und dann ist es erst mal gut. Und irgendwann fange ich wieder von vorn an, und diesmal schaffe ich mehr. Aber ich komme  wieder nicht durch. Und das Seltsame ist, ich fange immer wieder von vorne an, und lese es immer wieder sehr gerne. Das ewige Buch!”

 

Damaged
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In der Zeit, als der folgende Song entstand, hinterliess Curtis Mayfield einige Spuren in der Musik von “Lambchop”. Mayfield war ein Meister der Schwarzen Musik, der auch mit androgyner Fistelstimme exzellente Songs am Fliessband schrieb, und das klassische Stereotyp der vollmundigen schwarzen Stimme durchbrach. Wie man aus stimmlichen Limitierungen eine ganz besondere Stärke machen kann, muss heutzutage nicht mehr bewiesen werden. Kurt Wagner, der Lambchop-Leader, deckt mit seinem enorm variablen Murmelgesang eine grössere Gefühlspalette ab als so manche hochgezüchtete Oktavenspringerin. Der Mann aus Nashville bewegt sich seit langem - wenngleich er zu bescheiden ist, um solche Vergleiche auch nur flüchtig zu ziehen – in der ersten Riege der grandiosen “Crooner” (Herzschmelzsänger) unseres Planeten. “Give me your love” stammt aus dem Album “What Another Man Spills” von 1998. Eher eine Fingerübung, etwas Lässiges, eine dezente Hommage.  Wenn Sie dabei tanzen, schwappt das Glas Merlot in Ihrer Hand über. Auch von seiner Stimme bekommt man hier wenig mit. Kurt macht den Curtis. Und dennoch: der Mann überlegt sich, welche Songs er covert, wenn er einen covert. Wunderbar auch seine Darbietung von Cohens “Chelsea Hotel”. Sie wollen bei Lambchop einsteigen? Dann ist dieser Song nicht der ideale zum Kennenlernen.  Hier meine Empfehlungen: IS A WOMAN, NIXON, DAMAGES, HOW I QUIT SMOKING. Es gibt nur gute Musik von Lambchop, und die genannten Werke sind die überragenden. Ende Februar kommt ein weiteres 5-Sterne-Album hinzu: Mr. M.

Ich liebe Lambchop. Dies sind die Lambchop-Tage bei den Manafonistas. Aus keinen besonderen aktuellen Anlass. Das folgende Gespräch fand in Köln statt, im Chelsea Hotel.

Ich hatte begonnen, ein paar Songzeilen zu schreiben, da rief mich meine Frau an, und sagte daß heute der National Talk Like A Pirate Day sei, eine verrückte Sache in den USA, aber einem Tag  des Jahres dürfen alle in ihren Büros und Läden wie Piraten sprechen und sich maskieren. Nach  dem Telefonat fiel mein Blick auf ein altes Bild  meiner Frau als junges Mädchen, sie ist in ihren Pyjamas zu sehen, da ist ein alter Plattenspieler und das Hockeyspiel auf dem Tisch. Ich beschrieb das Photo und fügte Dinge aus der realen Zeit hinzu. Es sollte nur ein kleiner Folksong werden…

 In diesem Song gibt es auch ein Zitat des Schriftstellers Robert Louis Stevenson: “Ihr Gesang war ihre Zuflucht von unbehaglichen Gedanken” Nun, Stevenson hat auch Piraten- und Südseegeschichten geschrieben, aber dieser Satz könnte ja auch auf was sehr Privates weisen..

 Mhmm… Ich bekam von meinen Eltern mal so ein ganz dickes zweibändiges Wörterbuch. Neben den Wörtern finden sich darin auch Sprüche, in denen diese Wörter benützt werden, aus der großen Literatur, aber auch Trash, da gibt es alles möglichen Quellen von dem  leider viel zu unbekannten Songwriter Terry Reid bis zu Zitaten aus dem New Musical Express und dem Literaturfeuilleton der New York Times. Das war alles sehr unverbunden. Aber so lassen sich in  einem kleinen Up-Tempo-Song Fragmente aus vielen Gedankenwelten hineinarbeiten, und plötzlich spürt man verrückte Zusammenhänge. Ich mochte genau das, solche  eigentlich  unvereinbaren Dinge  in den einen oder anderen Song einzuflechten. 

 Wenn man sich das Cover Ihres neuen Albums ansieht, da sieht man im Vordergrund das nackte Liebespaar, vielleicht ist es  unglücklich, etwas müde, während die Welt sich draussen vor dem Fenster abspielt, Das Bild hat etwas von der Atmosphäre eines Edward Hopper-Gemäldes. 

 Da spielt sich für mich  was Interessantes ab, wenn man das Bild beim ersten Mal wahrnimmt. Ich mag daran, dass zuerst das Paar auffällt, ihre Umarmung, ihre Nacktheit, das wirkt tatsächlich wie ein eingefrorener Augenblick, eine Art erstarrter Melancholie, aber hinter ihnen ist ein Fenster, und draussen  spielen sich schreckliche Dinge ab: Polizisten verprügeln einen Mann, eine Menschenmenge schaut zu und wird von anderen Uniformierten  zurückgedrängt. Da geschieht  also mehr, als man beim ersten Moment wahrnimmt. Wie in guten Songs existieren da verschiedene Ebenen, die erst klarer werden, wenn man sich etwas mehr auf sie einlässt.

 Manchmal geht es sehr befremdlich und rätselhaft zu in Ihren Texten, zum Beispiel die ersten Zeilen des  Songs “Popeye”. Da heisst es: “Traurigerweise ist unsere ganze Beschäftigung die Beschäftigung mit unserem Sterben hier bei und zuhause, und für den Augenblick klingt das doch ganz gut”. Mhm, also, das klingt doch auch sehr seltsam.

 Jaja, das ist ja auch kein besonders hübscher Gedanke.  Ich habe den Text zu dem Song  “Popeye” zweimal geschrieben, die erste,  nicht gesungene Fassung wirft sicher einen filmischen Schatten auf den jetzt existierenden Song, sonst blieb nur der Titel “Popeye”. Ursprünglich ging es um die Erfahrung, die jeder kennt, Du siehst im Film Orte,  an denen du wirklich einmal warst.  Einmal sah ich den Film “The French Connection”. Gene Hackman spielt die Hauptfigur namens Popeye Doyle, und er versteckte sich im Flur eines Hotels, in den ich ein paar Wochen vorher eine Nacht verbrachte hatte. Aus bestimmten Gründen änderte ich bis auf den Titel alle Wörter. In dem jetzigen Lied geht es um das Älterwerden einer Familie, eines Paares, den Tod der Eltern.  Auf  etwas andere Art wie in dem Film mit Gene Hackman, der sich ja auch durch ein dunkles Schattenreich bewegt, schwebte mit ein Charakter vor wie in einem Roman, der in lose verknüpften Szenen alle möglichen Sterblichkeiten durchspielte. Es waren einafch Projektionen, wie das alles sein würde, und so beschrieb ich all diese eher imaginären Momente.

http://www.youtube.com/watch?v=426lLd40VvE

 Bei dem Song “Close Up” gibt e es ja auch visuelle Elemente.  Was spielt sich da in Ihrem Hinterkopf ab?

 Gerade dieser Song ging einfach beschreibend mit einer Erfahrung um, die ich gemacht habe. Da habe ich die Bilder geradezu vor mir, ein paar sehr schmerzhafte   tauchten auch auf, aber wenn man beginnt, mit Worten zu malen, kann man eine neue Gelassenheit entwickeln. Singenderweise kann man ein wenig aus seiner eigenen Existenz heraustreten –  und in einem guten Moment wieder in sie hineinschlüpfen!   Alle sechs Monate gehe ich zum meinem Arzt und mache einen Bluttest, um zu sehen, ob ich frei von Krebs bin. Nach meiner Erkrankung muss ich das nun meinen Leben lang machen. Aber ich komme damit jetzt klar, es ist gut, und ich ebreit für meine meine kleine Begegenung mit Gott, falls es dazu mal kommen sollte! 

 Können sie sich an einen besonderen Moment erinnern, in denen Ihnen eine Melodie des Albums plötzlich durch den Kopf schoss. Man kann ja dafür alles Mögliche tun, am Klavier ein paar Noten spielen, in der Dusche einfach drauflos singen und auf diesen Moment warten…

 Das ist seltsam: ich kann mich  an das Zimmer  erinnern, in dem ich saß, oder an den Stuhl, in dem ich es mir bequem gemacht hatte, aber aus irgendeinem Grund kann ich nie diesen Augenblick dingfest machen, indem ein paar Töne zueinander finden, irgendwie genau richtig  klingen und mich verblüfft denken lassen: o, das ist gut. Das ist wohl so ein “schwarzes Loch” im Bewußtsein, allerdings  ein gutes “schwarzes Loch”. Die Situationen  sind mir gegenwärtig, aber ich kann mich nicht errinnern, was da exakt vor sich ging. Woran liegt das?

Oh (Ohio),Ltd.Edt.

2011 11 Jul

Lambchop, Paperback Bible & Radio Days

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I’d like to buy a good
Used paperbacked living bible
And I’ve got some things
That I’d like to put on out there
Like a pony cart and an old bird bath
A kitchen sink and a rocking chair
You can turn me on
Almost any day at noonHey I’d like to put on
A four month old rat terrier pup
I think he’s a male
And he’s marked up pretty and
everything
This woman’s got some goats
But his feets never been on the ground
You can just buy one
Or you can have the whole heardYeah I’d like to find
A twenty seven inch color TV
Has to be non working
An RCA cause I need the parts
And daily there’s an old drive shaft
And the same Berkeline recliner
It’s green and it’s cloth
And it’s been used very little.Then there’s a Reba designs
Size eight, prom pageant dress
It’s icy blue
With sequins worn just once
There are others that are strapless
But this one’s slit above the knee
If you’re looking for
Something perfect for that studentI have always thought
That hand guns were made for shooting people
Rather than for sport
Why not use a rifle in most other applications
You might find a riffle or a musket
But you’ll never hear a pistol
There may always be
Someone looking for or finding someGuess I’d like to sell
A good used paperbacked living bible

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