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Archiv: Film

Ich bin nicht chronologlisch vorgegangen bei der Beschäftigung mit dem Werk von Alejandro González Iñárritu. Es ist sein vierter Film und der dritte von ihm, den ich gesehen habe, nach „21 Gramm“ und „Babel“. „Biutiful“ ist insofern anders strukturiert, als der Film hauptsächlich an einem Ort spielt, nämlich in Barcelona, und im Zentrum nur eine Hauptfigur steht. Es ist Javier Bardem, der in „21 Gramm“ einen Familienvater spielt, der nach einem langen Gefängnisaufenthalt im religiösen Glauben Halt sucht. In „Biutiful“ spielt er Uxbal, der, wie man vielleicht dezent sagen könnte, Geschäfte macht. Weil seine Frau eine bipolare Störung hat, hat er das alleinige Sorgerecht für seine beiden Kinder, ein Mädchen, vielleicht 12, und einen Jungen, vielleicht 7 Jahre alt. Die Spannung liegt weniger im Plot, eher in der Erzählweise und in der Auswahl der Bilder, im Schnitt. Es wird viel oder ausschließlich mit der Handkamera gearbeitet, was teilweise eine enorme Unruhe erzeugt. Trotz der existenziellen Belastung, der Uxbal ausgesetzt ist, und obwohl ihm die Handlungsfäden aus den Händen gleiten, versucht er, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Die sozialen Verflechtungen seines Lebens sind vielfältig, was der Figur viele Möglichkeit zur Interaktion und viel Tiefe gibt. Die Frau, die Kinder, die widersprüchlich erscheinenden Jobs. Mit seinem Bruder, der einen Stripclub führt, verbindet ihn nur ein Rechtsproblem um das Grab des Vaters. Auf dem Kühlschrank stehen Fotografien aus glücklichen Zeiten, und es gibt Bilder, Blicke auf Barcelona, die nur einen Bruchteil einer Sekunde eingeblendet werden und die umso stärker wirken, weil man sie festhalten möchte. Uxbal scheint zudem eine besondere metaphysische Gabe zu haben, die ihn mit einer Frau verbindet, die er aufsucht, wenn er verzweifelt ist und Rat sucht. Das Zentrum seines Lebens aber sind seine Kinder, für die er eine Bedeutung haben will und die er zu anständigen Menschen erziehen möchte. „Papa, wie schreibt man `beautiful´?“ – „So, wie man es spricht.“ Mit den Kindern raus, in die Pyrenäen, damit sie den Schnee sehen. Wussten Sie, dass Eulen, bevor sie sterben, ein kleines Haarbüschel aus ihrem Schnabel verlieren?

 

 
 
 
Ein Schatz der jüngeren englischen Filmgeschichte. Leider weitgehend in Vergessenheit geraten. Hier die ersten 8 Minuten einer Doku über Christopher Petit:
 
Scene From The Other Side
 

2011 2 Jul

72 Stunden / Der Mandant

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Zwei Spannungsfilme aus Hollywood, die in der deutschen Filmkritik ein geteiltes Echo fanden. Ich schlage mich auf die Seite der Befürworter.  Gekonnt inszenierte Thriller sind das, die jedem Detail,  jeder Szene, Aufmerksamkeit schenken. So gelingt es in beiden Fällen, den Raum unter der Oberfläche des Atemlosen zu öffnen: die Vereinbarkeit von Charakterstudie und vorwärtstreibender Handlung ist ihr Gütesiegel. In beiden Fällen entwickeln sich die männlichen Protagonisten: der Rechtsanwalt erscheint anfangs als kalter Zyniker (mit einem Muskelbody, der ihn eigentlich zum idealen Nachfolger trashiger Steve Segal-Filme macht), und erhält im Lauf des Films immer mehr Sympathiepunkte und Brüche. Man kann hier einer Fassade beim Bröckeln zuschauen.  Der Lehrer ist der klassische normale Bürger, der in der Not über sich hinauswächst. Die Qualität der beiden Thriller wird noch gesteigert von der Musik, von durchweg hervorrragenden Darstellern. In DER MANDANT sind der Fahrer des Anwalts und der befreunde Privatdetektiv eine Nummer für sich, in 72 STUNDEN die weibliche Hauptdarstellerin. Der eine ist ein Remake (was seiner Qualität keinen Abbruch tut), der andere  die Verfilmung eines gut recherchierten Romans von Michael Connelly.  Clint Eastwood ist es vor Jahren sogar mal gelungen, einen weitaus weniger überzeugenden Connelly-Roman in einen guten Film zu verwandeln. 72 Stunden gibt es schon als DVD und BluRay, Der Mandant läuft derzeit in den Kinos. Die Schauplätze beider Filme sind aus unzähligen  Filmen vertraut.  Dennoch wirken sie nicht wie eine sterile Bühne, allem kalten Licht, allen abgenutzten Dejavues zum Trotz.


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