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Archiv: ECM

2013 30 Jul

Another Pastime Paradise

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No prizes for guessing that a six-disc box-set in which Steve Reich, Jan Garbarek, CPE Bach, Norma Winstone, Arvo Pärt and dozens of others rub shoulders is an ECM production. This seven-hour compilation was made for a major Munich exhibition entitled ECM – A Cultural Archaeology, emphasising ECM music’s links with other arts. So there are big roles for Georgian film-composer Andrey Dergachev’s fusions of electronics, speech and whirring machinery, Greek theatre and film scorer Eleni Karaindrou’s romantic orchestral pieces (with Garbarek’s sax and Kim Kashkashian’s viola among the solo instruments), and many other absorbing crossovers. But at least 30% of the set has clear jazz roots – from clarinetist Jimmy Giuffre’s cool-bop Jesus Maria from 1962 with Paul Bley on piano, to John Surman and Barre Phillips’ ferocious, synth-thundering Mountainscapes V from the 1978, or the Old and New Dreams band’s blues-steeped rendition of Lonely Woman. Five stars for mostly reissued music might seem generous, but the way this set has been assembled creates transporting new narratives – or meditations – from sequences that were never meant to coexist. (John Fordham, The Guardian, on Selected Signs III – VIII)

“At Home”. Der Klavierspieler geht spät abends regelmässig ins Dachgeschoss, das Fenster geht zum Fjord. Da steht sein Flügel, das Nachtmöbelstück par excellence. Spärliches Licht. Es ist 1996 oder 1997, Jahreszahlen bedeuten wenig in diesen “blauen Stunden”. Mikhail Alperins radikalstes Werk! Die Kargheit dieses Solo-Piano-Albums ist kaum zu steigern, und dass den Stücken so viel Gesang innewohnt, ist das schöne Paradox! Alles, was Effekt ist, Ausschmückung, Triumph, ist verschwunden. in ihrer Reduziertheit, ihren aus wenigen Klängen entwickelten Essenzen führt die Musik jazznahe und jazzferne Traditionen fort; man kann At Home in einem Atemzug nennen mit dem Sparsamsten von Paul Bley (Open, to Love), dem Pausenreichsten von Erik Satie, dem Minimalsten von Dennis Johnson. Man kann dieses Werk der Stille in seiner Rigorosität mit Thelonious Monks Alone In San Francisco vergleichen, dieser weltverlorenen Träumerei in einem leeren Ballsaal, oder auch mit Keith Jarretts The Melody At Night With You, diesen Destillaten von Melodie und Atem. Wenn ich im September Jan Bangs so kompromisslos auf leisen Sohlen wanderndes Werk Narratives from the Subtropics in meiner Nachtsendung spiele, wird ein Stück aus At Home wie ein nahes, fernes Echo klingen. Leerstoff.

Lassen wir mal die üblichen ECM-Lobpreiser (John Kelman) und ECM-Verweigerer (Peter Brötzmann) beiseite, so findet sich in der Bewertung der Musik der griechischen Komponistin, seit ihrem Debüt, MUSIC FOR FILMS, ein gespaltenes Echo.

Für die einen ist es eine hypermelodische Kunstmusik, die, bei allem Eklektizismus, eine ureigene Art zeitgenössischer “mood music” geschaffen hat, und sich eine verblüffende Autonomie jenseits der Vertonung, etwa der Filme von Angelopoulos, bewahrt. Für die anderen ist es neoromantischer Edelkitsch, der seine spärlichen, folkloristisch und klassisch angehauchten, Motive ad infinitum ausreizt. Bedeutungsschwanger.

Ohne Polemik und Vollmundigkeit schlage ich mich bei ihrer Musik seit vielen Jahren mal auf die eine, mal auf die andere Seite der Kritik. Ein Beispiel für Ross und Reiter: MUSIC FOR FILMS ist ein opus magnum, ETERNITY AND A DAY eine Repertoirenummer. Der vielfach missbrauchte Ausdruck “Melancholie” darf bei der Griechin als durchgängiges Etikett verwendet werden, solange man den Begriff weit fasst und in ihm nichts Niederdrückendes ausmacht, vielmehr etwas Dunkel-Erhebendes.

Hier auf Lanzarote, bei meinen Autofahrten durch Vulkanlandschaften, und vorbei an, von warmen Wüstenwinden heimgesuchten, Küstenstreifen, bin ich geradezu neugierig auf diese neue Aufnahme (was fast wie ein Widerspruch in sich erscheint). Wäre sie doch in all dieser Kargheit und fern der Touristenorte der ideale Soundtrack für gedehnte Blicke und Gedanken in “slow motion”.
 
 
 

 
 
 

Presseankündigung: Im November 2010, fünf Jahre nach jenem Konzert, dessen Mitschnitt unter dem Titel „Elegy Of The Uprooting“ veröffentlicht wurde, kehrte die griechische Komponistin mit einem neuen Programm und dem Camerata Orchestra unter Alexandros Myrat in den Athener Megaron-Konzertsaal zurück. Als Gastsolisten standen unter anderem Kim Kashkashian und Jan Garbarek mit auf der Bühne. Das Programm umfasste diesmal sowohl Werke für Theater und Film (von denen einige erstmals auf der Konzertbühne vorgestellt wurden) als auch Kompositionen, die eigens für die konzertante Aufführung geschrieben wurden.

 

2012 20 Okt

Nik Bärtsch´s Ronin – Live

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Wozu solche Musik gut sei, fragte mal einer hinsichtlich dessen, was oft als “Zen-Funk” tituliert wird und seinen Ursprung hat im Land, wo Präzisionsmechanik Grundlage ist für richtiges Timing: in der Schweiz.

“Ein gutes Kunstwerk will nichts!” wäre eine Antwort auf obige Frage. Musik wie diese behutsam ausgesuchte Zusammenstellung von Live-Mitschnitten der Gruppe Ronin um den Pianisten und Komponisten Nik Bärtsch lebt und atmet aus sich selbst heraus.

Der Covertext des Bandleaders besagt, Ronin habe sich immer, von Beginn an als eine Live-Band verstanden, auch wenn die ausgeklügelten Studioalben mit ihren als Module bezeichneten Songs etwas anderes vermuten liessen. Beim Genuß dieses vitalen Albums gerät man zunehmend in einen Sog – man möchte diese Musik immer wieder hören, denn sie wirkt als ein Appetizer, der angenehm unangestrengt daherkommt.

Auch als eine ECM-Produktion ist dies auf wohltuende Weise völlig melancholiefreie Musik – in der dafür die Zen-Funken nur so sprühen. Yin und Yang heisst hier: das Gefühlvolle trifft zuweilen auf recht rabiate Krach- und Kraftexplosionen – alles bleibt aber im Rahmen einer disziplinierten und konzentrierten Vorgehensweise. Ronin sind tüftelnde Teamworker und der Reiz ihrer Stücke besteht im Zusammenspiel vielfältiger perkussiver Elemente.

So ist dies Album rundum positiv zu bewerten – allerdings mit einer kleinen Ausnahme und darausfolgender Bitte an die Design-Abteilung einer Münchener Plattenfirma: man möge doch bitte Abstand nehmen von diesen schwarzmonochromen und meist reizlos monotonen Coverbildern. Es müssen ja nicht gleich wieder Sonnenuntergänge sein – aber zuviel corporate identity ist langweilig.

“Diese Musik ist wie ein Schlüssel!”, entgegnete ein musikverständiger Zeitgenosse, als unsereins einst überschwänglich Begeisterung für das Paris-Concert des Bandleaders und Saxofonisten Tim Berne zeigte. Den Bass auf dieser legendären Liveaufnahme spielte damals ein gewisser Michael Formanek. Der war mir vorher schon zu Ohren gekommen, auf Parias Pariah beispielsweise – im Quartett mit Gary Thomas, Greg Osby und John Arnold. Wuchtige polyrhythmisch-harmonische Strukturen legten dort den Grundstein für das abstrakt-kühle Spiel der Kompositionsarchitekten Osby und Thomas.

Als Nachfolge des hochgelobten Formanek-Debüts The Rub and the Spare Change erschien nun Small Places. Von der Wucht des auch im echten Leben stabil gebauten Bassisten hört man viel und gerne. Und kein Eicher wäre im Spiel, käme nicht zu dieser Kraft auch Feingefühl und Atmosphäre. Man munkelte schon von “muskulösen Ostinati”, doch der Hörer sei besänftigt: diese Musik wurde nicht im Kraftraum eines sterilen Fitnesscenters ausgeschwitzt – sie entstand enspannt unter der federführenden Hand Formaneks und entfaltete sich dann weiter vor den Mikrofonen der New Yorker Avatar-Studios.

Als Einstieg empfielt sich das letzte Stück des Albums: der von dem Bordun-Ton einer Shruti-Box getragene Song “Soft Reality”. Hier hört man diese schnörkelig feinen Linien, diese hingehauchten Verspieltheiten des Tim Berne, wie er sie schon auf dem Paris-Konzert zelebrierte. Dann aber, im anfänglichen Titelstück “Small Places”, geht es zur Sache. Das ganze Album gewinnt seine Spannkraft durch den Gegensatz von kraftvollen, geradezu rockigen und dann den leiseren, lautmalerischen, tentativen Passagen. Was ist hier noch komponiert, was schon improvisiert?

Das Zusammenspiel Tim Bernes – dessen Ton immer auch etwas ungehobelt, raubeinig und organisch klingt – mit dem Pianisten Craig Taborn und seinen leichten, kühl-ätherischen Klangfarben ergänzt sich gut. Hört er den Letzteren spielen, fragt sich der Klassik-Laie einmal mehr: “Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen E-Musik und Jazz?” Ist das hier Ravel, Schönberg, Webern oder gar Strawinsky? Auch an den kaskadenhaften, klassisch angehauchten Spielwitz des Frank Zappa erinnert zuweilen die Musik auf Small Places.

Keith Jarrett und sein Trio spielen bekanntlich seit Jahren Standards auf hohem Niveau. Jazzstandards sind basis-komponiert im Gefüge von Funktionsharmonik oder Modalität. Darin ähneln sie dem Bossa Nova und den Songs von Steely Dan. Die Musik Formaneks, Bernes, Taborns funktioniert anders: es sind verschachtelte, rhythmische Melodielinien, frei von funktionsharmonischer Struktur – sie bieten Gerüst und Rahmen für die sich öffnenden Räume der Improvisation. Wäre dies Malerei, sie wäre teils abstrakt, teils gegenständlich.

Schlußendlich gehört Small Places zu jenen akustischen Schauplätzen, wo sich auf offener Bühne etwas vollzieht, das sowohl dem leidenschaftlichen Jazzliebhaber als auch dem selbst Musizierenden so manch inspirierenden Aha-Effekt verleiht; die Lust auf Musik macht und – um zappaesk zu schließen – einem die Einsicht vermittelt, der Jazz sei noch lange nicht dahingeschieden, vielmehr ein ewiger Phoenix, aus Asche entsprungen.
 
 
 

 

“Enoesque” doesn’t necessarily mean, that the artists do know Eno’s music very well, some do, some don’t. The word means that a certain record contains, consciously, unconsciously, or even by pure chance, elements that can be perceived as, well, Eno-related, in an obvious or hidden way. Strangeness is a rare thing. And, for sure, sometimes critics use the term for music they don’t understand at all :)

The word has become another word for “weird”, “exotic”, “melodic with a strange twist”, “minimal, but with emotional impact”, “uncommon”. And, yes, quite often, the word is linked to compositions of artists who may even have no idea who Eno really is, maybe, because they are too young, or too old, or simply not interested. So, read this with a smile, but be sure, some of these artists know his Ambient Music rather well, believe me! And that leaves traces. Moments. Ideas. Sounds. Sometimes sounds on the verge of falling apart. And sometimes, yeah, sometimes, nothing at all.

 

1) Eivind Aarset w/ Jan Bang: Dream Logic

Eclecticism can be so inventive. Music to get lost in. Brian’s defintion of “Where am I-music” fully realized. And a brilliant extension of a lost classic of Ambient Music, Michael Brook’s “Infinite guitar”-playing on “Hybrid”. That milestone once was created in the famous Grant Avenue Studios in Hamilton, Ontario. The producers: Brian and Daniel. The golden years. And now this: “Dream Logic” is the kind of album critics will attest an “almost hallucinatoric” quality – and they are right! One of the best albums of 2012 recurring on traditions where many others only offer cheap pastiche!

 

2) Jon Hassell: Power Spot

The only ECM opus with the direct involvement of Brian Eno, Eno/Lanois create another masterpiece! Dreamscapes made of electronica, minimalism, Asian and African influences.

 

3) David Darling: Cello

I knew Brian would love this solo-cello work, when I send it to him in the  early Nineties. Slow Music with cellos overlapping and delayed sounds. Drifting  in circles – and moving skywards!
 
 
 

 
 
 
4) Steve Tibbetts – Marc Anderson: Northern Song

Produced by ECM – mastermind Manfred Eicher within two days in Oslo. Guitar and percussion and a lot of silences that never sound sacred  - but always arresting! Tibbetts’ fear: not enough notes. But then he remembered the  passion with which he has listened to Eno’s “Music for  Airports” – and knew everything was okay!

 

5) Eleni Karainrou: Music for Films

Manfred Eicher chose the title as hommage to Eno’s “Music For Films”. When hearing the record, Eno fell in love with the textures, the melodies, the recurrimg themes.

 

6) Jon Hassell: Last Night The Moon Came …

Okay, Eno’s old friend again, this  time without Brian. But with Eivind Aarset and Jan Bang among others. See: number one! Amazing and endlessly subtle. Will not be continued, the Norwegian connection. Sad ending. Pasttime paradise. 

 

7) Arvo Pärt: Alina

Pärt at his most minimal, and that is to say something. Compare the spacious piano notes of these pieces that can easily be linked to his “tintinnabuli” style, with those piano and keyboard figures Robert Wyatt plays on “Music for Airports”, or Roger Eno plays on “Thursday Afternoon”. ”Alina” is sparse, and some would even say simple, but it’s personal and human and at times nearly devastating.

 

8) Hans Otte: Buch der Klänge

The German composer of new classical piano music was tired of the loss of deep feeling in his scene. He changed that by creating this simple and profound music. Beautiful in a never-ending way!

 

9) Bill Connors: Swimming With A Hole In My Body

Lost gem of the late Seventies, solo guitar album with lots of space, and sounds floating; even the title and the cover are enoesque; Bill Connors was obviously tired of further following scientologist Chick Corea to the Seventh Galaxy!

 

10) Terje Rypdal: After The Rain

Very quiet solo work by Terje Rypdal. The guitarist even plays instruments he can not play very well – sounds like he used some “oblique strategies” from  Brian’s game: “Honour thy errors as hidden intentions”.

 

P.S.: It may not be fair to call Heiner Goebbels’ album “SHADOW / Landscape With Argonauts” enoesque in the first place (for that you should listen to “Stifter’s Dinge”), but it was probably the ECM album that had the biggest influence on Brian Eno himself, concerning the way Goebbels uses 100 voices from the streets of Boston to make the reading of the dark prose of E. A. Poe a new and thrilling experience. So there are, without doubt, connections between “SHADOW” and Eno’s exquisite work “Drums Between The Bells” (2011)

 
Preludes
 
 

Debussy is closer to the expressionism of Schoenberg than to the chiselled sonorities of a Chopin or the extravagant virtuosity of a Liszt, even if his refined art can still be seen in the line of tradition of 19th-century music. This is frequently forgotten in the interpretation as well as the assessment of his oeuvre. Debussy himself decried the concept of musical impressionism because he feared, rightly, that superficial refinement would degenerate into musical mist, concealing the subtleties of a new musical idiom and its structural logic. Thus, for example, instead of heading his 24 “Préludes” in two books with programmatic titles in his autograph score, he appended them at the bottom of the individual pieces. Perhaps, even though their popularity makes it almost impossible, we ought simply to forget about the titles when playing or listening to these pieces and recall something else that Debussy once said: “Music is a free art gushing forth, an open-air art boundless as the elements, the wind, the sky, the sea.” It is in this manner – sans rigeur, as Debussy repeatedly marked his music – that Alexei Lubimov plays the “Préludes”. The recording also contains the “Trois Nocturnes” in Maurice Ravel’s two-piano transcription as well as a two-piano arrangement of Debussy’s seminal orchestral masterpiece, the “Prélude à l’après-midi d’un faune”.

2012 12 Mrz

Eine fesselnde Lateinstunde mit Anders Jormin

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Die Konversation,  die der schwedische Bassist Anders Jormin gleich erwähnt, liegt schon eine kleine Ewigkeit zurück. Es war die Zeit, als er mit Bobo Stenson und Jon Christensen einen Meilenstein der Piano-Trio-Musik fabrizierte, an einem abgelegenen Ort in Schweden. “Serenity” heisst die Doppel-CD. Damals schickte mir Anders die Antworten auf einer DAT-Kassette. Tragischerweise überspielte ich einen Teil der Kassette, was zwar nicht seine Antworten löschte, dafür ein unveröffentlichtes Stück der “Serenity-Sessions”, das mich ob seiner Einfachheit total faszinierte. Plötzlich aber wurde die Musik vom “record button” in die ewigen Jagdgründe befördert.

Jetzt erscheint, am Freitag, das traumhafte  Album “Ad Lucem”. Die Texte  für die Stimmen von Mariam Wallentim und Erika Angell hat Jormin weitgehend in gutem altem Latein verfasst. Da schwant einem erst mal nichts Gutes: droht hier bildungsbürgerlich veredelter Kitsch, mit Donnerhall ausgestattete,  sakrale Musik, oder Epigonales, den Zeitreisen Jan Garbareks mit dem Hilliard Ensemble in lang vergangene Jahrhunderte nachempfunden? Nichts von alledem: mit einer verblüffenden Leichtigkeit entwickelt die lateinische Sprache eine Anmut, ein Flair, das anfängliche Skepsis in der Luft dieser so feinsinnigen wie spannungsgeladenen Jazzkammermusik auflöst.

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Hi, Mikael- I remember our conversation! I am very happy you like my music and I will try to answer your questions below. I also send you texts about the group and the fundamental thoughts around it… The Cd has was released in Sweden a few weeks ago -and we got some enormously warm reviews and comments already. Now, you are the first one to contact me from abroad!

I read you have written  most of the lyrics in Latin! Though the pieces have titles that refer somehow to sacral traditions, the music seems to be free of a very strong bond with liturgies and catholic ceremonies. Did you want to liberate the music a bit from typical “latin associations”? Making more use of the “aura of that language”?

Anders: The lyrics, short poems or haiku-like reflections, I wrote directly in latin. Remembering old studies, using a classical latin dictionary , using time and a true personal fascination. As you point out yourself, I really do look upon the music as being free of liturgies and catholic ceremonies, it is contemporary music -even though gregorian chant and the sacred atmosphere we can find in a quiet church full of lit candles has been present in my mind while composing. When composing, I always listen inside of myself to find a sound relevant for my hart and emotional aspiration. I also very often compose specially and directly for the carefully choosen artists being part of the music- so whatever comes out is a result of my hopes and thoughts concerning the ensemble chemistry- as well as of my inner voice. The choice of latin was the choice of an eternally international language, understood -and yet not understood- by so many. A language we intuitively associate with afterthought and reflection as well as a carrier of light and of something essential to convey.(I can add that ECM at an early stage suggested me to have the lyrics written in the inner sleeve. My reaction was not to reveal all depths and layers at once… Having already had so many questions about the words, I realise I maybe should have thought that over again…)

The music seems totally organic which surprises concerning the fact that one song is sung in English, one in Danish, and two in worldless “language”… in fact the latin language appears like a living thing. Was it a basic idea to make this old language sounding so natural? By the way, listenin to the music (and I had my latin hours at school) makes you more listen to the sound than to the words…

Anders: It is always my absolute aim to find an organic structure and development in my music. Thank you! Even though also english and danish/swedish is used besides the latin, the meaning of and the reflections in the poems sung, organically approach the same territories of life, death and love. Of light and darkness. Latin IS a very musical language, I agree. Not, maybe ,as intimate as portugese (which most vocalists love), but with an extremely dignified aura and humanistic character. As a composer, I will never know if the listener hears and experiences only the sound of syllables and lets her own hart interpret the music- or if he/she directly understands every single word. There is so many ways of listening…

Was it new territory for the two singers, too. I have no idea where their stylistic roots are. Was this moving between stilistic boundaries another idea during the writing of these pieces?

Anders: Composing for a certain ensemble for me means both imagining what each artists contributions could be- and how I as a composerat the same time can challenge them.Erika and Mariam are both ”originally” working with electronics and with a multi-instrumental approach, with free improvisation pointing towards contemporary creative pop- and they both lead groups and compose with strong integrity. It was for them totally new territory, yes. They have worked hard, I know, to find a way of singing together. Finding a mutual character they found relevant for the material and, at the same time, still being able to stay personal and intuitive. This, they have very much achieved working together only the two of them- once I had choosen and asked them, my trust was complete. The same goes for Jon and Fredrik.

The piece ”Clamor”, is it totally ”wordless”? Fredrik´s playing works fine in this old, contemporary music. He seems somehow to move, not through centuries, but through different eras of jazz, from a touch of Sidney Bechet to free playing?

Anders: Clamor (Call/Scream) starts without words, but when bass enters (and during sax solo) the vocalists sing, like an invocation: ”Mare vastum, scopulosum. Mare caeruleum. Mare infimum”. (Infinite sea. Frightening sea. Ocean of blue. Waters of eternity) And, well, Fredrik is a true improviser with an ear, instrumental knowledge and a sensitive focus of exceptional level. For me he is unique, totally Fredrik- but I understand your thought: from Bechet to contemporary music. Tradition, love, respect- and true revolutionary personality in one.I really want to point out that this my deep admiration and gratitude goes to all my four artistic contributors on Ad Lucem!

2012 2 Mrz

Tim Berne – Snakeoil

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Seit den Fractured Fairy Tales aus dem Jahre 1989 ist Tim Berne seiner Linie treu geblieben – und bruchstückhafte, fragmentierte Erzählungen bekommt man auch auf Snakeoil, dem jetzt bei ECM erschienenen Werk dieses Musikers, zu hören. Und um es gleich zu sagen: Snakeoil ist ein grosser Wurf.

Vom Maler Max Ernst hieß es, er sei ein Zauberer kaum spürbarer Verrückungen gewesen. Gleiches gilt auch für den Saxofonisten Tim Berne, denn seine Musik entfaltet eine ganz spezielle Wirkung. Er schafft es nämlich, in seinen sich entwickelnden Kompositionen von bis zu einer Stunde Dauer, Überraschung-Effekte entstehen zu lassen – und man fragt verblüfft: “Wie macht der das?”

Nicht so einfach: asymetrische, verschrobene Melodielinien – dazu vertrackte Rhythmen und Metren; eine vorgegebene Komposition und der festgelegte Gesamtablauf bilden das Gerüst, mal im Akkordschema sich bewegend, aber meistens frei davon. Hinzu kommt jede Menge Freiraum für Improvisation und Mitgestaltung der Musiker. Das ist der Trick – und das macht Spass, weils keine öde Skalenreiterei ist. Obwohl Komposition, ist doch alles offen. Nichts für Klassikpuristen.

Es beginnt meist mit leisen, improvisierten, stimmungsvollen Passagen: eine einsame, suchende Bläserstimme etwa, von einer zweiten dann umspielt, quasi bezirzt. Gekratze auf dem Kontrabass, perkussives Zirbeln und Geraschel. Still und heimlich schiebt sich da ein Blues-Groove drunter, massvoll in vertracktem Taktmass erst, der das Ganze treibt, langsam aber sicher hin zum explosiven Schlusspunkt. Darüber haben sich inzwischen längst diese bernesteinfarbenen Melodielinien gelegt: fein auskomponiert, organisiert – als Themen und Schemen mit Wiedererkennungswert – aber frei von Sentimentalem.

Das Gesamtwerk Bernes ist ein Perpetuum Mobile, eine sich ewig fortsetzende, spannungsreiche, klangfarbenfrohe Prozession in dieser eigenartigen Polarität aus Stille und Aufruhr. Fractured Fairy Tales – um diesen Titel nochmals aufzugreifen, bezeichnet zum einen die erzählerische Komponente in Bernes Musik, mit splitterhaften Melodielinien, aber auch ruhigen, friedlichen Momenten der Besinnung und des Vorantastens.

Zum anderen bezeichnet er ihren hohen Assoziationsgehalt. Denn wie ein gut organisierter, durchdachter und drapierter Scherbenhaufen spiegeln die Berneschen Kompositionen fast die gesamte Musikgeschichte.

Durch die Nähe zu allen möglichen Genres wirkt diese Musik wie ein eröffnender Schlüssel: da sind die Blues-Roots (der Einfluss seines Lehrers Julius Hemphill?), dann Folk, Klassik, Neue Musik. Es spiegelt sich darin vor allem aber der Geist des melodiös-romantischen Jazz, wie ihn vormals Oregon spielte oder das “American Quartett” des Keith Jarrett (mit Paul Motian, Dewey Redman und Charlie Haden) – auf der Survivors Suite oder auf Fort Yawuh.

Welch ein Glücksfall ist es nun, dass diese Musik jetzt auch bei ECM seine Wirkung zeigt – in einem ausgeprägt kammermusikalischen Tonfall. Nicht nur die dem Label eigene Ästhetik, auch die Mitmusiker dieser Produktion tragen ein Übriges dazu bei:

Ches Smith mit seiner ganz eigenen Kunst der Perkussion, Oscar Noriega mit virtuosem, geerdetem Klarinetten- und Bassklarinettenspiel, und einem Matt Mitchell, der versiert und modern wie Berne-Companion Craig Taborn spielt – auch er ein Crack an den Tasten, sehr gelassen und mit fast klassischem Anschlag.

Nehmen Sie sich Zeit.

(von J. Siemer und M. Engelbrecht)

 
 

 
 
 
Der erste Eindruck täuscht selten. Das gilt für Dinge, Menschen, Situationen, Atmosphären – und Musik. Als ich vor einiger Zeit ein paar Takte des Colin Vallon Trios wahrnahm – es wurde wohl in Deutschlandfunks´ Jazzfacts oder den Klanghorizonten gespielt, vielleicht sogar im Kontext von Klaviertrioformationen – da fand ich es gleich gut.

Jetzt höre ich genauer hin und stelle fest: es hebt sich ab von Anderem. Als wenns nichts weiter wollte als Musik sein, klingt es einerseits recht simpel, andererseits nach ECM-Jazz par excellence. Wichtig ist der Impuls, den die Musik beim individuellen Zuhören subjektiv bewirkt. Hier unterscheidet unsereins gottseidank noch zwischen all dem Info-Inflationären, das einem täglich so um die Ohren flattert und dem, wovon Bauch, Herz und Sinne sagen: dies ist eindeutig meins.

Dann will man natürlich mehr wissen über Künstler, die man noch nicht kennt – denn Kunst kommt von Kennen – und so googelt man sich langsam ran an die Materie: schaut auf die Homepage; liest, was in Amazon-Rezensionen und Magazinen so geschrieben steht – und bekommt hier bei den Manafonistas schonmal vorab eine warmherzige Scheibe …

Wärmstens Empfohlen!


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