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Archiv: David Torn

Ich mag keine Erinnerungsgegenstände. Es ist auch kein Erinnerungsgegenstand. Ich kann mich an kein Gespräch mit V erinnern. Vielleicht habe ich ihn einmal darum gebeten, mir die Teedose vom obersten Regal zu reichen, denn alle in dieser WG waren größer als einsfünfundachtzig. S hatte zwei kleine Zimmer, die miteinander verbunden waren, ein düsteres nur mit einer winzigen Luke an der Decke, durch die wir nicht hinausschauen konnten, und eins mit Blick auf eine stark befahrene Straße. J war der Linguist, er fing beim Frühstück damit an, über seine aktuellen Forschungen zu reden und fragte uns, wie wir dies oder jenes grammatikalisch korrekt ausdrücken würden. V stand frühestens gegen Mittag auf. Er studierte etwas Unverbindliches, wahrscheinlich Soziologie, aber eigentlich saß er mit seiner Freundin in seinem Zimmer, rauchte dope und sie hörten die ganze Zeit Musik. Er hatte dunkelgrün gestrichene IVAR-Regale, mit vielen Schallplatten und wenigen Büchern, und die Blätter, die gelb von seinem Ficus Benjamini fielen, hob er nie auf, so dass sich um den Baum ein Kreis herabgefallener Blätter bildete. V hatte immer körperlich anstrengende Jobs, er war sich für nichts zu schade und schien vor nichts Angst zu haben, nicht einmal vor der Zukunft. S und ich hörten Pink Floyd und Velvet Underground, während V eine Richtung einschlug, die ich schwieriger, interessanter fand. Ich bat S darum, mir etwas zu überspielen, was charakteristisch für V´s Musikgeschmack war. So kam ich an diese 90er Audiokassette. A-Seite: Us3 – Hand on the Torch, B-Seite: Sonic Youth – Go. Ich brauche eine bestimmte Stimmung, das zu hören, eine bestimmte Kraft, denn es ist anstrengender als beispielsweise Only Sky, für mich jedenfalls. Und natürlich verändert es, immer, uns. Wolf Kampmann schreibt in der Jazzthetik 1994 über die Magie der Kunst (und das gilt nicht nur für die Musik), die Gesetze, denen man folgen will, selbst aufzustellen, und er zitiert Thurston Moore, der Tape-Aufnahmen mag und sagt: „Je zufälliger ein Album klingt, desto besser.“ Das letzte Stück aus dem Album Washing Machine heißt „Diamond Sea“, ich habe es eben zum ersten Mal gehört, leider nur sehr leise. Zwanzig Minuten lang nicht fassbare Rätsel und Verbindungen. Time takes ist crazy toll.

2015 6 Dez

Only Sky: My Favourite Records in 2015 and some old stuff

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01 David Torn: only sky
02 Food: This Is Not A Miracle
03 Blur: The Magic Whip
04 Gary Peakock Trio: Now This
05 Fogh Depot
06 Flying Saucer Attack: Instrumentals 2015
07 Kurt Vile: b´lieve i´m going down
08 The Go-Betweens: Spring Hill Fair
09 The Go-Betweens: liberty belle and the black diamond express
10 Wire: Chairs Missing
11 Brian Eno: Here Come The Warm Jets
12 Jackson Brown: Running On Empty
13 Fennesz: Venice
14 Godspeed You Black Emperor! Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven
 
 
 

 

2015 17 Nov

Only Sky (reminder)

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„Cast alone with just his guitars and effects rig for company, in this stunning if somewhat unsettling set of soundscapes David Torn has produced perhaps his most direct and unfiltered work to date. […] It’s a truly fascinating glimpse into the mind of one of the great creative forces of our time and each successive listen should reveal fresh new dimensions for many years to come.“

 

2015 23 Jul

David Torn besprochen: Only Sky

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Only Sky ist eine ultime Form von kosmischem Blues. Torn halluziniert vorwärts in den aktuellen physischen Raum, in dem sich die gespielte Musik vollzieht, ereignet, und rückwärts in den Raum musikalischer Vergangenheiten. Magisch ist die Weise, wie hier uralte Themen und Stilelemente aus seinem Soundscaping hervortreten, Form annehmen, ohne darin festgelegt zu werden. Im Umspielen, mit Ellipsen und Fragmenten bleibt das Ganze in offener Bewegung wobei sich sehr wohl Konturen scharf abzeichnen.

Gleich zu Beginn, in „At least there was nothing“, jagen Klangfetzen durch einen vibrierenden, anschwellenden Raum, der musikalische Urformen birgt, die der nordamerikanischen Landschaft entspringen und diese nachhallen lassen. Geradezu frappierend ist, wie dann aus dem Sturm die Klänge von Torns elektrischer Ûd aufsteigen und der Zuhörerassoziation kräftig zusetzen. „Spoke with folks“, das zweite Stück, ist eine verlangsamte, nackte Form von Urrock, die sich irgendwo zwischen Howlin’ Wolf, John Lee Hooker, Vanilla Fudge und Steve Reich bewegt – mit entfernten Echos von Pionieren des Blue Grass. „Ok, Shorty“ ist ‘a beauty of a song’ und „Was a cave, There …“ ist schlicht ein Meisterwerk auf einsamer Höhe.

Man kann den leeren Konzertraum des EMPAC in Troy, Upstate New York, mit seinem enorm langen Nachhall heraushören. Aus den Anfangsklängen steigt Konzertantes auf, das den Eindruck eines Gemisches aus Jimi-Hendrix, Arditti String Quartet, Metropolis-Filmmusik und Industrial Sound hervorruft. „Only Sky“ ist eine subtile himmlische Ballade. „So Much What“ arbeitet mit Gongeffekten und ruft entfernt Assoziationen mit Verdis Gefangenenchor aus „Nabucco“ hervor. Das Schlussstück schliesslich gleitet in einen „Shenandoa“-Archetypus.

Torn hat eine anwesende Nichtanwesenheit (und umgekehrt), die seiner Musik eine besondere Qualität verleiht. Er ist der schalkhafte Magier, immer für Überraschungen gut, sowohl was das Sanfte wie das Extreme, Bizarre betrifft. Was Torn spielt, liegt nicht auf der Hand, ist aber stets von grosser Klarheit.

 

Only Sky ist bei ECM herausgekommen. Die Rezension ist eher auch im Printmagazin Jazzthetik erschienen.

Seit ein paar Tagen wird bei der Post nicht mehr gestreikt und so erreichten mich einige Gegenstände, die sich seit mehreren Wochen auf dem Weg zu mir befanden. (Andere sind wohl in der Loopschleife verloren gegangen.) Da ist das Album „Now This“ des Gary Peacock Trio. Es ist klasse. Michael sagte in seiner Sendung, er hätte den Inhaber eines Cafés in New York oder Boston dazu bewegt, ein Album einfach mal durchlaufen zu lassen. Ich kann mich nicht daran erinnern, ob es dieses Album war, aber es könne es gewesen sein. Das ist eine CD, die ich auflegen könnte, wenn ich Besuch habe, dessen Musikgeschmack ich nicht kenne. Ich könnte sagen, es ist Jazz, aber es ist okay und es wird euch gefallen. Man kann zuhören, man kann aber auch reden. Keine Platte, über die man in Streit geraten wird. (Manche werden sich an die Aufgaben des musikwissenschaftlichen Seminars in Würzburg erinnern, bei der es darum ging, Musiktitel zusammenzustellen, die man auf einer kleinen Feier auflegen kann.) Etwas anders ist es bei David Torns Album „Only Sky“. Michael hatte in seiner Sendung das erste Stück aufgelegt, und dies ist bestimmt eine gute Einführung in diese Arbeit, aber es war die Art, wie Michael über die Platte sprach, was mich dazu bewog, sie zu kaufen. Allein schon die Namen der Titel. Ich weiß nicht, wie oft ich diese Musik in den vergangenen Tagen schon gehört habe. Es fing beim zweiten Stück an, dass ich völlig in den Bann gezogen wurde und es allmählich kaum fassen konnte. Diese Platte ist sicherlich völlig ungeeignet für ein gewöhnliches Café, denn man muss sie auf jeden Fall allein hören. Es ist eine Musik, in die David Torn alles hineingelegt hat, seine Lebenshaltung, die ganze Lässigkeit, (der man nicht anmerkt, wie hart sie erarbeitet wurde, falls sie überhaupt hart erarbeitet wurde), es ist eine Musik, die schwebt, in Traumstrukturen, die aber doch nie völlig den Boden verliert. In den neun Stücken wird einiges ausprobiert, die ganz großen Stimmungswechsel bleiben aber aus, eine gewisse Ruhe bleibt immer, auch in verzweifelten Phasen. Da gibt es manchmal kleine Überlagerungen und ich überlegte, ob mein CD Spieler defekt ist, aber nein, das ist so gewollt und erinnert in der Technik ein bisschen an Christian Fennesz´ Bécs. He is a looper, too. Die Musik ist einsam, aber sie genügt sich selbst und erwartet längst nichts mehr von außen. I´m through, I can´t get any worse, I´m happy. “Only Sky” ist unfassbar schön. Ich bin absolut überwältigt.

2015 28 Mai

ECM 2433

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I even like the track titles. Maybe David Torn found them according to an old formula: first thought, best thought. „i could almost see the room“. „a goddamn specific unbalance“. „at least there was nothing“. Or the title track: „only sky“.  I imagine when all had been played and done (mixed), David listened to it all (the final sequence) under very good headphones – and called it a night. Me oh my, an electric guitar. Tons of history. Cutting through styles, fragments, loops –  leaving it all behind, even the circles (in a silent way). Dream logic rules. Keep the threat imminent. Peace, brother, like a long look up into air. Be aware of silent explosions. Describable, but undescribable. If you don’t think „Kenny Burrell“-style, well, then, you’ll even find grooves, pulses. No great gestures. One „whenever i seem to be far away“-moment. A short passage of „Terje Rypdal Blue“. No congas required. No strings. Only once, an electric oud, it (simply) happens. Eivind Aarset will love it. How this all works, beyond cliche and pastiche, I have no idea. It’s much more than a textural thing. A hard rain’s a gonna fall.

 

 
 

 
 
 
HE, did it: ONLY SKY, masterpiece
 
 
writteninmusic.com/david-torn-only-sky …
 
 
hyperbole is normal nowadays BUT a real masterpiece is a masterpiece:
out may 15th (NACH (!) Himmelfahrt)
 

2015 3 Mai

Mr. Torn’s Surreal Hour

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Ever-intrepid guitarist, producer, improviser, film composer and soundscape artist, David Torn, returns with „only sky“, an album that explores the sonic edges of what one man and a guitar can create, a solo recording of almost orchestral atmosphere. It is Torn’s first ECM release since 2007’s acclaimed „prezens“, a full-band project, with Tim Berne, Craig Taborn and Tom Rainey, that Jazzwise described as “a vibrating collage full of shimmering sonic shapes, a dark, urban electronic soundscape – a potent mix of jazz, free-form rock and technology that is both demanding and rewarding.” The same descriptors apply to „only sky“, with its hovering ambient shadows and vaulting flashes of light, its channeling of deep country/blues memories and Burroughsian dreams of North Africa. Recorded in the acoustically apt hall of the Experimental Media and Performing Arts Center in upstate New York (and then sorted and mixed in Torn’s own mad-scientist lair), „only sky“ is an album to get lost in, over and again.

The tracks are simply signposted by „parts2, nine in all, the shortest running to just under seven minutes; the longest, „Part VI“, from Orchard Hall, Tokyo, at just under nine-and-a-half. Austerely presented with a dark cover featuring an abstract painting by Eberhard Ross, a faintly discernible woven texture with slim green and white horizontal flecks, there is a communion of sorts invoked in the atmosphere of each piece, few fireworks in the first two pieces (actually few overall in terms of bravura grandstanding), more the atmosphere of nocturnes, deeply passionate … (Stephen Graham, Marlbank)

 

One solo album done with piano, one with guitar(s) and electric oud. Two instruments with tons of cultural baggage. Keith Jarrett and the big word „Creation“, David Torn and the airy title „Only Sky“. Two covers to look at, two hours to get lost in. I think that the magic decade of Mr. Jarrett were (roughly speakin‘) the 70’s, but, particularly in his solo piano performances, time spans can luckily  be denied, and there have been some dark and shining hours long after the „Köln Concert“ turned into a worldwide „vibe“. „Creation“ is a work of class that doesn’t require the big word on the cover, the texture of the cover painting is more telling.

 

As is the figure in the landscape of „Only Sky“. An impressive variation of a well-known ECM -„signifier“. David Torn once played in a band that accompanied Lou Reed. David Torn reached for the sky (only sky!) several times, since he lost the panoramic scale of listening after a brain surgery – deaf on one ear. I once talked with him on a long evening, one of the unforgettable interviews. He released, for example, the enigmatic magic of „Prezens“. He never really lost the panoramic scale of listening. „Only Sky“ is worth every second. Mr. Torn takes his time. No doubt this belongs to most rewarding guitar albums of recent years, along with Daniel Lanois‘ „Flesh & Machine“ (2014) and Eivind Aarset’s „Dream Logic“ (2012) .

 

Solo recordings are always a dicey proposition; naked, with nobody to hide behind, the artist’s work is laid bare for all to hear. But given that only sky is, according to Torn, „the closest to capturing what I do alone with a guitar at home“, it most accurately approaches who Torn is when he’s unbound by the constraints that most projects, if even inadvertently, impose. The result is a record that is his most idiomatic and individualized. Sonically it’s an expansive record that’s the antithesis of the traditional solo guitar record – (…) everything from harsh angularity to unabashed beauty can be found on only sky … (John Kelman, allaboutjazz)


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