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Archiv: David Bowie

 

 
 
 

ONE The Beatles: Sgt.Pepper’s Lonely Hearts Club Band (double cd oder, auch wenn das immer doof klingt, die „super deluxe edition“) – die Herstellung einer wundervollen Stereobalance beweist, dass die Jungs damals wirklich mono bevorzugten, die Transparenz ist atemraubend, der Bass druckvoll. Wer stets gern zu der Garagenband aus Liverpool zurückkehrt, lese das Buch „Dreaming The Beatles“.

 

TWO Brian Eno: Taking Tiger Mountain (By Strategy) (double vinyl) – die „vier half-speed masters“ von Enosvier Songalben aus den Siebzigern sind jeden Cent wert, obwohl die erhältlichen CD-Masters von 2004 auch keine Wünsche übriglassen. Ich schätze tatsächlich alle vier Alben gleichermassen, Favoriten wechseln mit den Jahreszeiten.

 

THREE Brian Eno: Here Come The Warm Jets (double vinyl) – das wildeste Songalbum ist alles, Protopunk vor Punk, wundervoller Pop, extravaganter Melodienrausch, das englische Wort „overflowing“ findet hier seine vollendete Entsprechung. Aus so einem Reigen  könnten andere Künstler ganze Karrieren schöpfen, Eno gönnt es sich nur einmal.

 

FOUR Brian Eno: Another Green World (double vinyl) – man garantiere mir 25.000 Euro, und ich schreibe ein 120 Seiten umfassendes Prosalanggedicht zu diesem sicher einflussreichsten der vier Alben, ohne ein pathetisches oder schwärmerisches Wort. Am 16. Oktober geht es um diese „big four“ in der „Nahaufnahme“ der Klanghorizonte im Deutschlandfunk. 

 

FIVE Brian Eno: Before And After Science (double vinyl) – ein Kieferklapptrunter-Erlebnis unter guten Kopfhörern, ich höre nie auf, das Album zu entdecken, und hatte in diesem Jahr gar einen luziden Traum, in dem ich einen perfekten neuen Enosong hörte, der nur auf dieses Album gepasst hätte. Echtes Copyright-Problem. Die englische Kurzgeschichte (non-fiction) dazu wird mit Ian McCartney verfasst. Kein Witz. 

 

SIX Radiohead: OK Computer NOTOK 1997 2017 – ehrlich gesagt, habe ich erst in diese Jahr einen Narren gefressen an diesem Album, besser spät als nie. Unfassbar „zeitgenössisches“ Werk, um diesem altbackenen Ausdruck mal etwas Feuer zu geben.

 

SEVEN Bark Psychosis: Hex – kaum einer kennt diese Musik, die ähnlich verstörend ist wie spätes Zeug von Talk Talk – noch heute absoluter „underground“ für die Psyche und nächtliches Lauschen!  „Sheer beauty. Knife-slit tension“. 

 

EIGHT Arthur Russell: Instrumentals (double vinyl) – es ist tottraurig, dass der singende Cellist, Tanzbodenforscher und Verhallungskünstler zu Lebzeiten nie das ernten durfte, was ihm posthum an Lobgesängen zugetragen wird, dieses Werk darf man auch unter „new exotica“ katalogisieren, aber es steht immer noch recht einsam da, wartet auf jeden Zuhörer. Und die kleine neue Vinyledition ist schon wieder vergriffen.

 

NINE Midori Takada: Through The Looking Glass (double vinyl) – japanischer Minimalismus, und so viel mehr. Ein Traum von Henri Rousseau, lauter „twilight zones“, ein einsam und allein eingespieltes Kunststück in arg begrenzter Studiozeit. „Beauty hurts, darkness works as medicine“.

 

TEN Pep Llopis: Poiemusia La Nau Dels Argonautes (vinyl)- die mediterrane, tiefentspannte Variante der Minimalisten & Argonauten, in der alles aquamarin funkelt, und jede Oberfläche eine eigene Tiefenströmung produziert. Ibiza ist nicht so weit von Valencia entfernt. Es ist das Jahr 1983.

 

ELEVEN Barney Wilen: Moshi (double vinyl) – eine schillernde Collage, die keine Verschmelzung der Welten vorgaukelt. Man spielt mit Einheimischen, schliesst Freundschaften, studiert neue Perkussionsinstrumente, singt alte und neue Hymnen. Die Musiker aus Frankreich lassen sich mit Haut und Haar auf die Fremde ein, lernen die blauen Menschen kennen – psychedelischer Jazz, erotischer Taumel, surreale Maskenbälle!

 

TWELVE Lal and Mike Waterson: Bright Phoebus – „Get past a couple of hokey moments to be transported back, first to the communal hopes of the ’70s, and thence into the country lanes of centuries passed“ (Jim Irvin, Mojo)

 

 

P.S.: I’m only refering to reissues that got a special treatment by excellent remastering techniques (that surpass the quality of other available editions), or by extended and highly valuable extensions, or by brilliant design matching the brilliance of the music, or, simply being gems being saved from forgetting and ridiculously high prices at Discogs. David Bowie‘ s Berlin days  will join the circle later on. No, I’m not a Prince fan. And if  the number would be twenty, Deathprod, Oregon, Weather Report, and Ray Charles in mono would have got their songs of praise. The one who knows the writer who coined the title phrase on „darkness & beauty“, will get a free copy of the next Eno album in 2018, MHQ promises. The four prints that accompanied Before and After Science’s first edition in 1977 (double click on the pictures) are beautifully reproduced in the reissue’s design. 

2017 9 Jan

No Plan

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Sommer 76, habe gerade meinen Urlaub halb gegen meinen Willen mit meinen Eltern in einem abgelegenen Bergdorf in den Cevennen verbracht, damals noch ohne geeignete Möglichkeiten Musikkonserven mit auf die Reise zu nehmen. Definitiv die letzte Unternehmung dieser Art. Freute mich also auf meine frisch erstandene Musikanlage zu hause und die Möglichkeit einfach wieder in Klang(t)räumen abtauchen zu können. Damals lief Tangerine Dreams „Zeit“ in Trance heiß, fast eine Vorwegnahme der Ambient Music, nichts woran ich mich wirklich festhalten konnte, ein Fluss, ein Eintauchen in den Augenblick. Just there I am, no plan….

Sommer 76, ich kam in die 9. Klasse – was da lief, war gründlich nachgeordnet – und David Bowie (der mir erst etwas später von unserem kulturell vielseitig interessierten Dorfpostboten vorgestellt werden sollte) kam nach Berlin. Zu Edgar Froese. Vielleicht haben sie sich ja gegenseitig etwas inspiriert, Bowie in seinem Berliner Sound und Froese hat später einmal sogar einen Sänger zu Tangerine Dream geholt, was er alsbald, gut nachvollziehbar, als Fehler einstufte. Nun noch einmal die letzten Songs von Bowie, ein Video im Regen und die beiden Herrn sind fort. Aber hoffentlich nicht in der Ödnis, wo die Zeilen von „No Plan“ uns hin mitnehmen wollen, but here I am …. this is not quite yet.
 
 

Here there’s no music here
I’m lost in streams of sound
Here am I nowhere now?
No plan

Wherever I may go
Just where
Just there
I am

All of the things that are my life
My desires
My beliefs
My moods
Here is my place without a plan

Here
Second Avenue
Just out of view
Here
Is no traffic here?
No plan

All the things that are my life
My moods
My beliefs
My desires
Me alone
Nothing to regret
This is no place, but here I am
This is not quite yet

2016 23 Aug

Heute in Berlin

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Die Tafel hängt jetzt am Haus Schöneberger Hauptstraße 155.
 

1. Brian Eno: The Ship
2. David Bowie: Blackstar
3. Vijay Iyer & Wadada Leo Smith: A Cosmic Rhythm With Each Stroke
4. Jon Balke: Warp
5. Matmos: Ultimate Care II
6. Naqsh Duo: Narrante
7. Van Morrison: It’s Too Late To Stop Now, Vol. II, III & IV
8. Paul Simon: Stranger To Stranger
9. Sturgill Simpson: A Sailor’s Guide To Earth
10. Tindersticks: The Waiting Room
11. Thomas Köner: Tiento de la Luz
12. P. J. Harvey: The Hope Six Demolition Project
13. Darren Hayman: Thankful Villages Vol. 1
14. Jack DeJohnette, Ravi Coltrane, Matthew Garrison: In Movement
15. Glenn Jones: Fleeting*
 
 
*  … this will be one of my all time favourite guitar solo albums!

 


 
 
 
Berlin, Hauptstr. 155
 

The first album of the British new wave expressionists of Magazine: wasn’t it called REAL LIFE? It was, wasn’t it? This is no quiz, so don’t bother, don’t look. The explosion of punk and post-punk (first wave of post-punk) was about a certain vision of „real life“, and, get used to it, real life is about the everyday, the lust, the burden, the thrill, the boredom, the fake, the excellence, it’s the agenda of living in wartimes and in protected areas. Have a look at outer space! It’s not funny. Fucking black holes. It’s real. Even here. Like the people you know so well via radio or TV, Roger Willemsen for example, he just died, aged 60. It’s like he went downstairs for a whisky and never came back. He loved jazz. There are no jazz bands in heaven. No cappuccino up there, too. I liked the way he created a sense of wonder. So he’s just another fine guy in a line of fine guys who shared their thoughts, travelled, loved, looked, thought, died. Here we are, in our real lifes left with what is left: a story of long goodbyes, great evenings, vanishing in never ending books, ashes to ashes, ready for love, through with love, listening to Blackstar or Astral Weeks or Taking Tiger Mountain (By Startegy), in Pittsburgh, Glasgow, Hannover, Frankfurt, Düsseldorf, Aachen, Schwerte, Stuttgart, Kronach, Leinfelden. Tutti forgetti? Entropy. Memories. Howard Devoto. Ghosts.

 

Mulder: I’m thinking maybe it’s time to put away childish things. The sasquatches, the mothmen, the jackalopes. I thought it’s be great to get back to work. But is this really how I want to spend the rest of my days? Chasing after monsters?

Scully: We’ve been given another case, Mulder. It has a monster in it.

2016 31 Jan

Das Album des Jahres 2016

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Was anderes als Blackstar von David Bowie erscheint kaum möglich. Natürlich spielt der Faktor des Abschiednehmens eine Rolle, wie sonst könnte ein Album, das mit seinen alles andere als gemässigten Jazztexturen (und seiner auch sonstigen Radikalität im Ausdruck) die Billboard-Charts stürmen? Und sich wohl anfangs in ähnlichen Verkaufsregionen bewegen wie sein kommerziellstes, von Nile Rodgers, produziertes Werk? Natürlich ist es nur ein Zufall, dass ich an dem Tag, der nun als sein Todestag gilt, mich hinsetzte und meine Begeisterung in Worte fasste sowie die paar Bowie-Alben Revue passieren liess, die mir am meisten bedeuteten, ein Quartett nun, Low, Heroes, Scary Monsters, und Blackstar. Interessant, im Rückblick von Ian, von frühen Songs zu hören, die mir völlig unbekannt waren. Interessant, in Mojo und Uncut über die „Berliner Jahre“ zu lesen, über die Entstehung der „Scary Monsters“. Bei Bowie ging es ja stets um ein Spiel mit Maskeraden und Identitäten. Dabei ein wie immer geartetes „Ich“ nicht ganz den Fliehkräften auszusetzen, war auch eine Kunst. Und die versammelten Stilelemente:  Bowie wurde u.a. im Soul fündig, in der Ambient Music, im Discosound, und nun auch im Jazz. Nicht der gepflegte, gediegene Jazz, den manche nutzen, um etwas Eleganz und Glanz zu produzieren. Der, der Pforten öffnet. Wie das früher Robert Wyatt gelang (Rock Bottom), Tim Buckley (Starsailor) oder, einmal, Van Morrison (Astral Weeks). Diesen drei Titeln (im nachhinein sprechen sie Bände) kann man nun Blackstar hinzufügen, und wieder ergbt sich ein besonderes Quartett.

2016 10 Jan

26 years later …

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Short interruption of my one-month break. I’m a looper. And I’m looping in. Two days ago something happened. And that cannot wait to be told. Though it’s personal. Some Bowie albums were great company for me, and had their great days and weeks – and hours of return. All the first encounters happened in the golden era of vinyl between 1977 and 1980. In an old Germany. For reasons I don’t know Ziggy Stardust never crossed my way deep enough to say anything about it. Heathen (high expectations I had, David Torn was part of the play) disappeared (dunno why) within one week from my ears. So it happened with Diamond Dogs. Pale memories.

There were only a few Bowie albums that really soundtracked passages of my life. Low has been the first one, Heroes the second. Bowie with Tony Visconti, Brian Eno, Robert Fripp – and an awesome melange of masterfully executed songs and „Berlin ambient noir“ (Loop 1). The music was part of my life with my fiancee Christiana in Würzburg. Then I listened for the first time to Station To Station, an album of earlier times in his career. Brilliant. In fact I was a single then and saw Bowie playing „Warszawa“ in the Gruga-Halle, Essen. There he also performed the best version I ever heared from that „Alabama/Whisky Bar Song“-evergreen. There I saw an attractive woman and thought of sex as a cure for lost love. I got her adress. And was beaten up by her boyfriend. Then, some years later, the year of wine, roses and no happy ending – Scary Monsters, another stunner, great riffage. The songs all soundtracked love and sex with Hannah in the Bavarian Woods (Loop 2).

Decades later. No Bowie album after 1980 could stand the test of my merciless, treasure-hunting, deceivable ears. Good songs here and there, but nothing that stayed with me as something complete. Konrad Heidkamp (have always loved his writing in „Die Zeit“) was singing his praise about Thursday Child – I only discovered one good song there. And someone more lasting on the island of Borkum by the time it saw the light of day. December Days. Outside (again with Eno) was nearly pure disappointment (minus two wonderful songs that weren’t killed by the mix). Got bored with Bowie, only took mild notice of his unexpected return after years of silence, in 2013. God, only one good song there – over.

I thought I could close the case with my handful of ancient gems, and then, without any warning, I got an email from a friend: LISTEN, he wrote, LISTEN! And I answered – yep, I owe you at least one favor, but then, dude, you’ll get an opinion (adding a smile). I didn’t read anything about this new work except some short lines of Jan here on the blog. Didn’t even have a look at the video. Started listening to Blackstar in my Toyota Yaris Cool Plus, and was immediately hooked, spellbound, transported, floored, overwhelmed, sucked in – from the first note till the last.

There it was, a new record for my „shelfie“, the best Bowie since 1980. I said, it’s personal. Scary, isn’t it! And what a monster. So dark, so full of joy. „Into the impossible“ (B. E., Oblique Strategies). Two small observations: 1) When I heared track no. 5, I was reminded of the wonderful ways Ian Dury had been bending words and sometimes spitting them out. Bleak and funny. 2) The mixing and layering of saxophones inside some of the songs immediately rang a beautiful bell: Robert Wyatt’s Rock Bottom (Loop 3). In many ways, and in spite of several unique elements of Blackstar, the music is crossing decades.

Well, well, well. Imagine Norwegian jazz legend Jan Garbarek would do one other five-star-album in his lifetime (instead of never leaving the train of nostalgia, the formula of old days‘ glory), after All Those Born With Wings (1986) and Officium (1993, already a collaborative effort): that would be a similar surprise out of nowhere! This year will be exciting. Radiohead and Brian Eno are preparing their next releases. And Scott Walker? He is is still a restless and hungry mind, and will hold Blackstar in high regard, I’d bet on it.

(Days later: purely by accident, I wrote this on the day he died. I wouldn’t have written it this way if I had heared about it. News came the other day.)  

2015 4 Dez

Betrachtungen zu David Bowie

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ZiggyStardust
 
 
 

My Mama said: „To get things done, you’d better not mess with Major Tom.“

(DB, „Ashes to Ashes“)

 

Die persona eines Musikers, sein Werk, ein spezielles Album, ein einzelner Song oder eine einzige Strophe daraus, ja selbst das Fragment eines seltsamen Akkordwechsels – das alles kann lohnenswerter Gegenstand des Interesses sein. Wo die Liebe hinfällt und vor allem: wann. In diesen genannten Teilaspekten gibt David Bowie sehr viel her – auch wenn meine Haltung zu seiner Musik genau von jener fremdartigen, kühlen Distanz geprägt ist, die ja gerade sein Oevre auszeichnen. Eins ist gewiss: wer über die engen Tellerränder von Klassik oder Volksmusik hinausblickt, kommt an Erscheinungen dieses Karats nicht vorbei. Zu allen Zeiten haben Künstler der modernen westlichen Welt, die wir in diesen islamistisch-verhangenen Tagen erst recht zu schätzen wissen, neue Horizonte erschlossen.

Ihre Kreativität, die performative Kraft, ihr Mut wirkten sich befreiend auf gesellschaftliche Entwicklungen aus – sie waren role models, Vorbilder, zuweilen mit Kultstatus. Deshalb fällt einem zu Bowie auch gleich etwas ein. Zu Beginn dieses neuen Jahrtausend nun, so etwa um das Jahr 2002, gab es ein Livekonzert, das mich aufhören liess – mit einer phantastischen Band, einem gereiften und doch juvenilem Bowie, einer charismatischen Bassistin (sie spielte barfuss auf der Bühne) und einem abgeklärten, professionellen, homogenen Gesamtsound. Lag es daran, dass da Jemand zu jener Zeit ganz schwer verliebt war („I´m deranged“) und vom Lebensgefühl her Paris von der Seine in eine niedersächsische Landeshauptstadt an der Leine verfrachtete und auch sonst den Wind der zweiten Jugend erfuhr? Man sagt ja, die Vierziger seien die besten Jahre.

Ein Stück von Bowie nicht nur funktionsharmonisch zu verstehen, sondern auch irgendwie präsentationsfähig auf die Gitarre zu übertragen, hat seine Tücken, zumindest for a simple guy like me, der niemals Partituren lesen konnte und für den die Notenschrift eine permanente, mühsame Herausforderung ist: Arbeit am Widerstand, dem Studium eines sperrigen Computerprogramms oder dem Lesen einer komplizierten Gebrauchsanweisung eines technischen Gerätes durchaus vergleichbar. Und doch: Musik notieren, in Form zu bringen, festzuhalten, das ist lohnenswert und wenn man konstatierte, nur notierte Musik sei ernst zu nehmen: in a way that would make sense to me.

And so we take this as a playground – ein ewiges Übungsfeld. Never I had been a Bowie fan nor one of Dylan – oder der anderer in Stein gemeisselter grosser Namen der Pophistorie. Aber wenn ich erstmal von einer Fassung affiziert bin, dann höre ich ein Stück gut und gerne bis zu hundertmal hintereinander weg. Es ist ein Sog, der darin besteht, die Essenz eines solchen Songs mir selbst anzueignen. Wer da an Patrick Süsskinds Roman Das Parfüm denkt, in dem der Protagonist betörende Düfte aus einbalsamierten Jungfrauen kreiert, um sie sich einzuverleiben, liegt nicht ganz falsch.

An die erste Begegnung mit dem androgynen Gesangs- und Performancehalbgott erinnere ich mich noch genau. Es war auf der Konfirmandenfreizeit in Südtirol, ein wunderbarer Ort, die Pension lag direkt an der Strasse, mit Swimmingpool. Dort gegenüber ein Fussballplatz, der an einen Wildbach mit grossem Kieselbett angrenzte, an Baden war nicht zu denken, denn trotz Bullenhitze: das Wasser war gefühlte zwei Grad über Null kalt. Mit dabei waren zwei Amerikaner, Austauschschüler, one was a blond and tought countryboy, always jogging straight ahead the crests. The other one was David, a jewish guy from Brooklyn, some years older than me, but we soon became friends. Schwarze lange Locken, feine Manieren, immer leicht ironisch. Er nannte mich Robbie, angeblich sähe ich einem gewissen Redfort aus jungen Jahren ähnlich.

David sang merkwürdige Songs mit komischen Melodien und gepresster Stimme, „Spiders from Mars“ kam drin vor und „Major Tom“. Wer das sei? Nun hör mal, David Bowie kennst du nicht! Unser tranceartiges gemeinsames Projekt bestand neben meiner Neugier an Stories aus Amerika darin, dass wir auf den Fussballplatz gingen, ein Tor von etwa sieben, manchmal fünf Metern absteckten und er dann vom Siebenmeterpunkt schoss. Er wartete immer, bis ich mich bewegte und schoss dann in die andere Ecke. Im Laufe der gemeinsamen drei Wochen hielt ich nicht einen einzigen Ball. Und da man selbst ja nicht nur Songs in jeder Körperzelle abgespeichert lebenslänglich in sich trägt, sondern in diesen Songs auch eigene Geschichten abgespeichert sind wie ein Fossil in einem Bernstein, muss ich also nun beim Üben eines Bowiesongs und beim Recherchieren über diesen Künstler ständig an diesen heissen Sommer in jenem norditalienischen Alpental denken.

Der Film The Man Who Fell To Earth kann als eine gnostische Parabel gelten und zeigt Bowie mit beeinduckender schauspielerischer Leistung in der Rolle eines von seiner Familie Getrennten und auf die Erde Gefallenen, der dort das dringend benötigte Wasser des Lebens (whiskey) sucht, um es in seine Heimat zu bringen. Er verfällt aber nicht nur der Liebe auf diesem Planeten Erde, sondern auch den kapitalistischen, gierdynamischen Trieben, die ihm eine Rückkehr nach Hause unmöglich machen. Bowies Musik lebt von Sprüngen, die sich auf dreierlei Weise bemerkbar machen: da ist das kaleidoskopische Vexierspiel mit den Gender-Rollen, da ist die grosse Vielfalt an Stilmitteln und Genrekategorien und da ist eine merkwürdig zerklüftete Akkordlandschaft in den Songs zu finden – als interessantes Forschungsobjekt für einen notentechnisch Unvollkommenen.

2015 20 Nov

Der Bowie mal wieder

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Hier ist das Video zu „Blackstar“.
 

Überzeugt mich leider ebensowenig wie das Musikstück selbst. Der Rest wird hoffentlich besser sein.
 


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