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Archiv: Brasilien

2013 2 Feb

Calle 7

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“Calle 7, a standout track inspired by a walk down Seventh Avenue, is an irresistibly swinging song that manages to be both meditative and to capture the urgent streetlife. It’s a little classic.” (John Fordham, The Guardian)

Listening to Lagrimas Mexicanas one can imagine how a beautiful fusion of latin music and jazz sounds like on guitars. Often tried but mostly lost in trivial and pleasant candy-sweet-beauty, this collaboration of Bill Frisell and Vinicius Cantuária makes a difference and could be referential on that claim. Mister Frisell is a well-versed craftsman on his instrument, always setting contrapoints and avoiding to confirm cliches on his electric and acoustic guitars, also progamming loops here. Señor Cantuária is not famous for having a brilliant voice but his singing is a convenient companion while playing his percussion and acoustic guitars. Title song Lagrimas Mexicanas, furtheron Calle 7 and opener Mi Declaration were my favourite tunes of that album, often heard in 2011, the year of its release. (JS)

 
“Calle 7″ – LAGRIMAS MEXICANAS ©2011 Bill Frisell & Vinicius Cantuária
 

2013 30 Jan

Das Wetter und die Lücke, die der Teufel lässt

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Ein Blick aus dem Fenster in den regenverhangenen Himmel signalisiert: bleibe besser im Haus, setze dich hin … und schreibe eine Notiz zu Vinicius Cantuaria! Konzerte mit diesem Musiker, der aus Manaus stammt, in Rio aufwuchs und mittlerweile in der Musikerszene New Yorks seine zweite Heimat fand, waren immer eine Delikatesse gewesen. Als Sideman gab er der Performance jeweils die besondere Note. Musik und Rhythmus stecken ihm im Blut – auf subversiv anstachelnde und gleichsam melancholische Weise, wie das für brasilianische Klänge nicht ungewöhnlich ist: tristeza nao tem fin – die Traurigkeit nimmt kein Ende. Cantuaria gehört zu jenen, die aus dem Fundus der Vielfalt heimischer Traditionen greift, um sie zu veredeln. Sein Gitarrespiel ist sehr rhythmusbetont, seine Gestalt hat etwas Diabolisches dabei, wenn er spielt, singt oder trommelt – und er scheint dabei auf der Spur zu sein nach einer Lücke, die der Teufel lässt.

 
 
Vinicius Cantuaria: “Look the Sky” (from the album Horse and Fish ©2009)
 

 

 
 

Vinicius Cantuaria has always been going for low-key, and the art of suggestion. I saw him playing and singing in a band with violinist Jenny Scheinman at his side, and he was always arguing for doing less: less ornamentation, less improvisation, staying at the core of a song, for three minutes, forever. Should he want assistance, the Brazilian has a fine phonebook to flick through – Norah Jones and Ryuichi Sakamoto add piano (they are not doing anything wrong when they keep the saccharine factor low), long-time collaborator Bill Frisell provides guitar, and Jesse Harris sings, but this is primarily a solo project, with Cantuaria adding percussion (low key), keyboards (low key), and his own Caetano Velosoesque vocals (yes, low key, too). Then, in his role as co-producer, he turns the volume down as low as you can get without fading away completely and cutting out anything inessential to the point where the results weigh in at a shade under 30 minutes. As the names of his friends suggest, after more than a dozen albums in various guises, Cantuaria is an integral part of new York’ newest wave of Brazilian jazz, influenced by much more than samba rhythms. But this newest wave is always connected to the oldest wave, believe me! This is no Saturday night Big Apple rave-up, but more a luxurious Sunday morning pick-me-up.

2012 23 Jul

Upa!

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“Virge! Que coisa mais linda!” müssen die Passanten ausgerufen haben, als sie 1969 eine singende brasilianische Schönheit in ihrer Stadt erblickten. Elis Regina in London, was für eine schöne Sache. Noch schöner: ein Dokument dieser Begegnung ist jetzt bei Soul Jazz Records wiedererschienen – fully remastered, featuring complete original artwork.

In Brasilien werden Musiker wie NationalheldInnen gefeiert. Elis Regina ist eine von ihnen. Was ihren Mythos noch steigert, war ihr früher Tod. Mit sechsunddreissig Jahren wurde sie Opfer der Unverträglichkeit von Kokain, Alkohol und Benzodiazepam.

Ihr Gesang hatte eine exzessive und später auch dunkle Note, und gab dem oftmals recht handzahmen Bossanova ein radikales Flair, das ich sehr, sehr schätzte, als mir 1986 erstmals ihre Musik offenbart wurde. Besonders in Erinnerung ist eine Aufnahme ihres furiosen Auftritts beim Montreux Jazz Festival, durch das sie wie ein Feuerwerk fegte.

Gut zwanzig Jahre lang prägte die Militärdiktatur das Land, von 1964 bis 1985. Natürlich war die Musica Popular Brasileira auch eine Bewegung gegen das Regime – zu ihnen gehörten Chico Buarque, Caetano Veloso, Gilberto Gil, Gal Costa … und Elis Regina. Trotz kritischer Worte (“ruled by gorillas”), das Gefängnis blieb ihr erspart: sie war zu populär.

Wer könnte dem auch widerstehen: “Patapa tri tri tri tri – tri Badabá!”

Upa Neginho – Elis Regina/ Komp. Edu Lobo

2012 7 Jul

Nana Caymmi

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A Film by Georges Gachot

Bereits in frühen Jahren wurde die brasilianische Sängerin Nana Caymmi mit der musikalischen Tradition ihres Landes vertraut. Eine Hommage an Brasiliens musikalische Ikone. Sie ist die Tochter des bekannten Komponisten Dorival Caymmi, war Kindheitsfreundin des Pianisten Nelson Freire und die Muse des Komponisten, Sängers und Instrumentalisten Milton Nascimento. Außerdem war sie mit dem Musiker und Politiker Gilberto Gil verheiratet. Doch die Sängerin hat das musikalische Erbe nicht nur angetreten, sondern führte es als eigenständige Musikerin fort. Sechs Jahre lang begleitete der Schweizer Filmemacher Georges Gachot die 1941 in Rio de Janeiro geborene Sängerin in ihrer Heimat Brasilien. Die Aufnahmen führen mit sehr persönlichen Begegnungen in die melancholische Welt Nana Caymmis. Gespräche mit brasilianischen Musikgrößen wie Maria Bethânia und João Donato erlauben eine weitere Annäherung an die Karriere und Kunst der Sängerin. Anhand von Archivaufnahmen erzählt der Film auch ein wichtiges Kapitel der Musikgeschichte Brasiliens. (3Sat)

www.gachot.ch

2012 6 Jun

Samba do Ceu

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Zu den Geheimnissen des Bienenstocks gehören die gespeicherten Musiktitel meines MP3-Players, der zu den nützlichsten Erfindungen des digitalen Zeitalters zählt. Er ist kleiner als eine Streichholzschachtel, schöner als eine Coladose und bei seinem Anblick möchte man schwarzafrikanisch und entzückt ausrufen: “My Baby does the Hanky Panky!” 

Neben Dateien, die Musik von Rudresh Mahanthappa, Sergio Mendes, Shearwater und Wadada Leo Smith enthalten, ist auch eine ganz besondere Droge mit von der Partie. Das Debütalbum CéU der brasilianischen Sängerin CéU – vielmehr eine Folge daraus erwählter Songs – weckt afrikanische Instinkte und setzt die Hüften in Bewegung.

“Rainha”, eine Reminiszenz an Fela Kuti; “Mais Um Lamento”; das katholische “Ave Cruz” ; “O Ronco Da Cuica”, selbst João Boscos Original noch übertreffend, und die “Samba Na Sola” – das sind Lieder voller intimer Magie. CéU ist das weitaus gelungenste Werk der jungen Musikerin: eine Mixtur aus Samba, Soul, Hip Hop, Afrobeat und Jazz.

Gefühlvoll und modern arrangierte Kompositionen; homogene Song- und Soundtexturen – nichts klingt gewollt, sondern locker geworfen, geworden, gewachsen. Das bleibt natürlich alles unter uns, denn was gehn andere die Bienen an, die in unserem MP3-Stock summen. Doch sollte sister CéU dies lesen, würde es mich himmlisch freuen. Ave Cruz!

2012 18 Mrz

João Bosco – ein Sänger aus Minas Gerais

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João Bosco hat über die Jahre hinweg auf einem spannenden Entwicklungsweg Verblüffendes hervorbracht. In einer Mischung aus afrikanischen, arabischen, fusion-jazzigen, stimm- und rhythmusakrobatischen Elementen – und der dazu gehörigen Portion Bossa Nova e Samba, zauberte er ein Gesamtwerk, das bei einer Konzertaufzeichnung in São Paulo im Jahre 2006 seinen reifen, meisterlichen Höhepunkt fand: “Obrigado, Gente!” – mit hervorragenden Begleit- und Gastmusikern an seiner Seite.

Die Songs des Sängers stehen auch in der Tradition versierter brasilianischer Gitarrenkunst (Baden Powell, Gilberto Gil). Sie sind grossenteils in Zusammenarbeit mit dem Dichter und Psychiater Aldir Blanc entstanden. Märchenhafte und tiefenpsychologische Bilder verbinden sich mit Alltagsgeschichten, eine üppige Sprache verwebt sich mit Strassen-Slangs

In Boscos Heimat Minas Gerais, dort wo man Edelsteine (pedras preciosas) findet und verkauft; in den Gassen Ouro Pretos mit barocken Kirchen, Häuserprachten; in einer atemberaubenden bergigen Landschaft; wo die Mittagshitze brennt wie in einem Western on high noon – dort träumt man gerne auch mal vor sich hin.

Ein Lied aus João Boscos aktuellem Album ist das meditativ-minimalistische und afrikanisch akzentuierte “Tanajura”, im Sieben-Achtel-Takt, mit wunderbar dezenter Perkussion. Der Titel der CD verkündet: Não Vou Pro Céu, Mas Já Não Vivo No Chão – “Im Himmel bin ich noch nicht angelangt, doch aus der Gosse bin ich raus”. Das ist wohl weniger biografisch als vielmehr humorvoll und emphatisch gemeint. Doch es stimmt: so manche Vergangenheit sollte man besser hinter sich lassen. Der Himmel hingegen kann warten. 

 

João Bosco: ”Tanajura”

Ich bin nun wirklich kein Spezialist für brasilianische Musik, und die Begeisterung, mit der einige Freunde und alte Bekannte (Theo, Manafonista Jochen u.v.a.) über Jahre hinweg und unentwegt, mit glänzenden Augen, Bossa Nova, Samba und den Zauberzucker der brasilianischen Sprache anhimmelten, ließ mich zwar nicht gänzlich kalt, doch nur selten konnte ich mich für diese Musik erwärmen: zwischendurch fand ich Songs, deren Melodien mich gefangen nahmen, zuweilen auf Kompilationen, welche den Aufruhr von Tropicalia dokumentierten (eine Ära, in der sich unter einer Diktatur ein „Untergrund“ formiert, ist per se interessant!), aber selten war eine Stimme so wirkungsvoll, dass ich gross auf Plattensuche ging.

Sobald die Stimmen zu geölt waren, schien mir alles Revolutionäre in selbst angefertigten Süssstoffen zu ertrinken. Der Stimme von Caetano Veloso konnte ich allerdings nicht widerstehen, doch seine schönsten Alben (neben „Tierra“) sind für mich die, bei denen Arto Lindsay (bekennender Bossa-Fan und No-Wave-Wilder der ersten Stunde) die Lieder mit dezenten Subversionen vor einem historisch abgesicherten Dornröschenschlaf bewahrte, so zumindest empfand ich es. (Tom Ze lernte ich erst später kennen, durch David Byrne, und Ze war wohl von Anfang an ein Klangradikaler, eine ungeheure Wucht!) Doch selbst Lindsay mutiert zum kleinen Jungen, wenn er von seinen Initiationen erzählt, zu denen gewiss die ersten Platten von Joao Gilberto zählen, Klassiker allemal – aber was ficht mich ein Klassiker, wenn mir die Musik nicht unter die Haut kriecht?!

Nun bekam ich per Post das erste Album von Edu Lobo zugeschickt, ein Name, den ich kannte, aber keine Stimme, mit der ich bislang etwas verband. „A Musica De Edu Lobo Par Edu Lobo“ erschien 1965, und wurde soeben bei Soul Jazz Records (als LP und CD) neu herausgebracht. Die Magie dieser alten Musik wirkte von Anfang an, die Stimme berührte mich unmittelbar, und ich habe keine Ahnung warum. Doch – Ahnungen habe ich, aber die brauche ich hier nicht auszubreiten. Ich bin ja nun wirklich kein Spezialist für brasilianische Musik.

A Musica de Edu Lobo Por Edu Lobo

2011 22 Dez

Lost and Found – Seu Jorge

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Eines Sommers hörte ich ein Stück im Radio: aus dem Wohnzimmer in die Küche drang der Klang von sophisticated samba – schwebend leichter Rhythmus, Sommerbrise. “Ah, das können nur die Brasilianer!” Ich sprang im Hechtsprung vor das Radio, um mir den Namen des Interpreten zu merken – zu spät. Etwas wie “Jorge Ben” blieb hängen, die Stimme klang entspannt, ein bischen traurig und in den letzten Takten wie McFerrin.

Kennen Sie das: eine kurze Begegnung nur – dann unwideruflich verloren? Ein Reisender steht an einer Bushaltestelle in Salvador do Bahia, sieht die Frau seines Lebens – und sie steigt in einen anderen Bus und der Bus fährt ab. Nicht umsonst wurden Orpheus und Eurydike einst filmisch in den brasilianischen Karneval verlegt (Orfeu Negro).

Es war in Brasilien, bei meinem Gastgeber, einem Cartoonzeichner aus Brasilia, und es lief eine wunderbare, driftende Musik: ein Schwarzer, aus Angola stammend, spielte lauter Berimbaus und Geigen – eine Sinfonie, die Platte hieß Agua. Irgendwas wie “Fernando Brant” (Milton Nascimentos Hauskomponist), “Fernando” oder “Brant”, blieb in Erinnerung. Nie fand ich diese Platte wieder: found and lost again – tristeza não tem fim.

Bei Jorge Ben hatte ich mehr Glück. “Kennst du schon Seu Jorge? Momentan das Beste, was es aus Brasilien gibt. Seu Jorge & Almaz, musst du unbedingt hören!” Jorge? – da war doch was! Als ich die Songtitel dieses angepriesenen Interpreten durchsah, die imposante Sammlung des bewanderten Musikkenners im Rücken, sprang es mir direkt ins Auge:

Bem Querer hieß der gesuchte Song, der daherkam wie eine Sommerbrise – Sie ahnen es schon: zum Ende hin klang´s wie McFerrin. Felizidade? Sim!

Ein Sänger, Gitarrist und Songschreiber aus Rio de Janeiro also … er wuchs in den Favelas auf und wurde auch als Schauspieler bekannt: mit dem faszinierenden Film City Of God, der in eben diesen Slums von Rio spielt. Mittlerweile habe ich schon so Einiges gehört und gesehen von diesem charismatischen Künstler mit dem traurigen Unterton in der Stimme – auch war er Gast bei One Shot Not des Senders Arte.

Auf Seu Jorge & Almaz coverte er Kraftwerks “The Model” und im Film “Die Tiefseetaucher” (The Life Aquatic) gab er eine Version von Life On Mars zum Besten. David Bowie hatte es gefallen – so ist´s überliefert.

2011 17 Mai

21th Century Dreamings

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The following music of the last few years tangled and unravelled my mind (loved it
with my “Head And Heart”
)
:

OCTOBER ROAD by James Taylor; TWO AGAINST NATURE by Steely Dan;
SNOW BORNE SORROW by Nine Horses (and then there were three); BLEMISH from David Sylvian; TILL WE HAVE FACES by Gary Thomas (ts,fl) with Pat Metheny (g) and Terri Lyne Carrington (dr); several stuff by and with Uri Caine, Bedrock for example; the records of polish trumpet player Tomasz Stanko; the stirring and moving music of the brazilian singer, songwriter and percussionist Carlinhos Brown. But above all
Joao Bosco´s lifework and masterpiece OBRIGADO GENTE!

In recent years (since MANAFON) it was MANAFON; the music of Joanna Newsom;
with reserve some stuff of Dhafer Youssef; much in the horizon of Samadhisound
(Arve Hendriksen, Jan Bang …); for personal reasons JASMINE from Jarrett/Haden;
music and persona of outstanding guitarist Ben Monder; the idiosyncratic songs of CocoRosie; my very late discovery of guitarist Kurt Rosenwinkel (DEEP SONG);
again the music of Tomasz Stanko; … these were about the things, that impressed me
the most. But, shure: a lot is missing.

And me, “I´m smarter than that” (“Big Time” in these days is never “Gig Time”) …
As a more song&design- than albumoriented man, i know about the huge sky of brilliant tunes, with their brilliant melodies; harmonies (ebony and ivory); rhythms and stories
to tell. And i like it to (dis-)cover them.

“And where are the stars? Didn´t she promise us stars?”, once David Sylvian asked.
Well, there are billions. But be careful! Cause it´s also true, what Courtney Tidwell sang:
“Don´t Let The Stars Keep Us Tangled Up” – in 21th century dreamings.  


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