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Archiv: Arve Henriksen

Das neue Werk von Arve Henriksen erscheint am 22.8.2014 bei Rune Grammofon – Streichinstrumente umgeben das Spiel des Trompeters und Multiinstrumentalisten. (Bin sehr gespannt, habe noch keinen Ton gehört.) Also kurz vor dem 10. Punktfestival in Kristiansand, und eine Woche nach meiner nächsten Radionacht “Klanghorizonte” am 16. August, wo ich die Platte vorstelle. NATURE OF CONNECTIONS. In einer Cafepause in Lugano (bei einer ganz anderen Produktion) sassen wir zusammen, und Arve sprach über die dünne Grenze zum Replikantentum. Wie leicht man, egal, wie eigen sich ein Ton anfühlt, im Trompetenraum eines anderen landen kann, sei es Davis, sei es Hassell.

Drum hat er ja auch jüngst ein Doppelalbum vorgelegt, das bewusst abseitige Pfade erforscht, und in elektronischen Sphären jenseits des Virtuos-Gehandhabten die Trompete nur ausgewählte Schattenstellen heimsucht. Ich nannte es spasseshalber sein “Sun Ra-Album”. Ulrich Kriest hat dem Opus in der Jazzthetik fünf Sterne gegeben, einen zuviel für mein Empfinden, aber dank des Antriebs der Grenzöffnung auch wiederum verdient.

Ein 5-Sterne-Album reinsten Wassers wird in unabsehbarer Zukunft (jede Wette, Frühjahr oder Herbst 2015) bei ECM erscheinen, das Debut des armenischen Pianisten Tigran Hamasyan, der bislang jazzspezifisch zu lange den Bebop-Fallen seines Lehrers erlegen war, und auch im Bereich der Multi-Kulti-Musik keine Bäume ausriss. An seiner Seite Jan Bang, Arve Henriksen, Eivind Aarset. Drei alte Freunde, die nie die Grenzfelder aus dem Sinn verlieren, das Duo Aarset-Bang schlägt mit “Dream Logic” (ECM) nach wie vor in Bann. NATURE OF CONNECTIONS. Und alle befinden sich im kreativen Höhenflug auf Jan Bangs fiebrig-leisen Meditationen, betitelt “Narratives from the Subtropics”, die jetzt auch offiziell den deutschen Handel erreicht haben.

Flashback: in Lugano war die Abmischung in den letzten Zügen. Das interessante Doppelmikrofon, vor dem Arve seine Trompete zum Einsatz brachte, ist auf dem Foto unten abgebildet. Manfred Eicher war hochkonzentriert, er wusste, dass da etwas letztlich Unplanbares Gestalt annahm, ein “Instant Classic”. Einmal eröffnete Arve eine Komposition mit einem Solo. Er selbst war schon auf dem Weg zum Flughafen, da meldete sich Jan Bang zu Wort, und befand, dass das Intro etwas zu lang sei, und einen Hauch zuviel von Jon Hassell verströme. Daraufhin liessen Manfred und der seelenruhig agierende Toningenieur das Solo einfach mal untertauchen in den ominösen Soundnebeln, die Eivind Aarset heraufbeschwor.

Die Trompete verlor so ganz und gar ihre Dominanz, glänzte lediglich durch Abwesenheit, bis sie sich langsam aus dem Nichts ans fahle Licht herantastete.

Die Wirkung war immens. Arve wird nicht böse sein, wenn er das hört. That’s what friends are for! NATURE OF CONNECTIONS. Noch eins: ich wünsche mir für Tigrans Cd oder Doppel-Cd ein vielfarbiges Cover, etwas, das auf Anhieb einen visuellen Sog entfaltet, wie einst die vier Luftballons auf Keith Jarretts Meilenstein “Belonging”. Bitte kein Dunkelblau mit einsamem Lichtrahl in der Nacht!

 
 
 

 

6903 Lugano Besso. Du kannst Magie nicht zwingen. Du kennst eine Unzahl von Tricks, du weisst, wie man Sackgassen entkommt, du weisst, wie man aus losen Enden geschlossene Gestalten formt, aber der magische Mehrwert bleibt unberechenbar. Widerspenstig. Es begann mit alten Banden zwischen Arve Henriksen (Trompete etc.), Jan Bang (Live-Sampling etc.) und Eivind Aarset (Gitarren etc.), es begann mit dem Punktfestival von Kristiansand anno 2005. Es begann mit Lieblingsplatten aus den frühen Jahren von ECM, die den armenischen Pianisten Tigran Hamasyan durch seine Teenagerjahre begleiteten. Es begann mit den weit zurückreichenden Erfahrungen des Produzenten Manfred Eicher mit armenischer Musik. Und es begann auch damit, dass Jan Bang mir für eine Ausgabe der JazzFacts (Deutschlandfunk) eine kleine Passage aus seinem Duo mit Tigran (Punkt 2013) schicken sollte: ein Kinderspiel für offene Ohren, hier, in furios inszenierten Dejavues und elektronischen Spiegelungen, den Basisstoff für eine zukünftige Unternehmung zu wittern! Ich tat das Nötige, damit Manfred diese paar Minuten zu hören bekam – und er hörte genug, um die Dinge in Gang zu bringen.

Und so entstand und entsteht in diesen Tagen in Lugano, im „Studio Grosso“ des RSI, eine Produktion mit vier Musikern, einem Produzenten und einem Toningenieur, von der man vieles erhoffen durfte und darf, aber nicht unbedingt solch eine konzentrierte, entfesselte Energie, solch einen Ideenfluss (voller Finessen und Widerständigkeiten)! Wer in naher Zukunft die beteiligten Personen auf diese Tage im Tessin anspricht, wird auf Blicke treffen, die Bände sprechen, auf Sätze, die mal holprig, mal elegant, das So-Nicht-Vorhersehbare ins Spiel bringen, einen Glücksfall. Als Zeuge (Ohren und Augen) atmete ich die Musik ein, hellwach verfolgte ich das Abhören, das Abmischen, die minimalen Korrekturen, die im grossen Saal (ohne Trennwände, ohne Kopfhörer) eingespielten drei, vier Takes einer alten Komitas-Komposition, die eine oder andere tänzelnde Bewegung des Produzenten, die kurzen Dialoge, das Spiel der Gesten und Mienen (für stille Freude gibt es eine ganze Palette) – und einmal, in einer Kaffeepause, blieb ich einfach sitzen vor der menschenleeren Bühne. 

 
 
 

 

 
Wenn Rune Kristoffersen Ende der Neunziger nicht einfach angefangen und losgelegt hätte …

Wenn Rune Kristoffersen nicht weitergemacht hätte …

Wenn Rune Kristoffersen nicht auf Kim Hiorthøy gestossen wäre …

Wenn Rune Kristoffersen und Kim Hiorthøy sich nicht zusammengetan hätten …

Wenn Kim Hiorthøy nicht all die verrückten Grafiken zu Album-Covers gemacht hätte, ….
 
 
Was hätten wir heute nicht? Gar nicht oder anders? Mein erstes Rune-Album war, glaube ich, Nils Økland. Das war einfach was ganz anderes, eigenes. Ein neues Gefühl, mysteriös und sehr greifbar zugleich war Rune. Wie frische Spuren im Schnee. Opsvik&Jennings, dann natürlich Arve Henriksen und Supersilent. Dieser Umgang mit Farben auf den Covern. Die Mikro-Typographie und die namenlosen CD-Scheiben, nur farblich auseinanderzuhalten. Wie Holzhäuser ohne Nummer und Namensschild.
 
 
Ett hundre og femti album. Hundertundfünfzig Alben (weiter sind wir). Es gibt noch was zu tun.
 
 
Diese gut gestaltete Vinyl-Schachtel auf den Schlitten! SAILING TO BYZANTIUM. Eine Schachtel mit 4 verschieden- farbigen 10 Inch Vinylscheiben in tollen bedruckten Papphüllen, einem Faltblatt mit ausgesprochen lesenswertem ausgiebigen Gespräch zwischen Rob Young, Rune Kristoffersen und Kim Hiorthøy und einem wunderbaren Poster. Einmalige Auflage von 500 Stück!
 
 
 

 
 
 
Auf den Hüllen und der Schachtel Bildelemente von Hiorthøy: es sind Objekte und keine Objekte, es sind Photographien von Objekten und keine Photographien, sie ähneln Exotika-Bildkunst, sind aber ganz und gar keine Exotica. Es sind menschliche Gestalten, und auch wieder keine. Es sind Szenen und keine. Anklänge an Art Brute, aber aus Papier oder Wolle. Where is the way out? Do we need a way out? Die Schachtel, sie ist auch ein Spielzeugkasten wie früher.
 
Tracks
 Hedvig Mollestad Trio – Sing, Goddess
 – Bushman´s Revenge – As We Used To Sing (Live) – 
Scorch Trio – Kjøle Høle
 – Motorpsycho – Year Zero (A Damage Report)
- FIRE! – Your Silhouette On Each (Without Noticing) – 
Elephant9 – Hardcore Orientale
 – Phaedra – Honeydewed Autumn – 
Jenny Hval – Blood Flight
 – The Last Hurrah!! – The Lonely Whistle Call – 
Hilde Marie Kjersem – That Day In The Shower
 – Tove Nilsen – Jordan
 – Sidsel Endresen & Stian Westerhus – Drawing An Arc
 – Maja Ratkje – Intro – 
Alog – Baklandet
 – Espen Eriksen Trio – In The Woods – 
Nils Økland – Blond Blå
 – Arve Henriksen – Silver Box


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