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Archiv: Adrian Tomine

 

 
 
 

Nach den herausragenden Graphic Novel Bänden „Sleepwalk and other stories“, „Summer Blonde“ und „Shortcomings“ hat in New York lebende Comiczeichner Adrian Tomine, Jahrgang 1974, eine neue Sammlung von Geschichten unter dem Titel „Killing And Dying“ veröffentlicht. Diese Stories unterscheiden sich insofern von den bisherigen, als sie nicht mehr hauptsächlich in Adrian Tomines Generation spielen, sondern sehr verschiedene Settings, verschiedene Figuren und auch eine größere Bandbreite an Zeichenstilen präsentieren. Sie zeigen einen großen künstlerischen Entwicklungssprung, eine Reife in der Wahrnehmung und Erzähltechnik. Alle Geschichten sind – wie die früheren Arbeiten Tomines auch – vom Grundton her melancholisch, sie haben aber auch witzige Elemente, und sie bewahren ihr Geheimnis. Immer gibt es Leerstellen. Niemals werden Figuren bloßgestellt.

A Brief History of the Art Form Known as „Hortisculpture“: Ein Gärtner macht eine Erfindung, es ist eine Kombination aus Skulptur und Pflanzung. Er kämpft um Anerkennung.

Amber Sweet: Eine Studentin hat große Ähnlichkeit mit einer bekannten Internet-Erotiklady. Sie kommt damit nicht zurecht, ändert ihr Leben und irgendwann trifft sie zufällig die Frau aus dem Netz.

Go Owls: Auf einer kleineren Versammlung oder Selbsthilfegruppe lernen ein Mann und eine Frau mittleren Alters einander kennen, sie landen ziemlich schnell im Bett, die Frau zieht bei dem Mann ins Haus ein. Doch da ist etwas an ihm, was ihr nicht gefällt, er will sie kontrollieren.

Translated, from the Japanese: Die Icherzählerin reist mit ihrer kleinen Tochter im Flugzeug von einem Besuch bei ihren Eltern in Japan zurück nach Kalifornien. Es ist die einzige Geschichte, bei der wir die Hauptfiguren nicht sehen.

Killling And Dying: Eine Teenagerin, die stottert, macht einen Kurs als Stand-up-Comedian. Ihre Mutter unterstützt sie, ihr Vater ist skeptisch.

Intruders: Ein Mann mittleren Alters, der nichts Besonderes zu tun zu haben scheint, erhält von einer früheren Untermieterin jetzt erst den Wohnungsschlüssel für eine Wohnung zurück, in der er früher mit seiner Freundin lebte. Der Mann wird Stammgast eines Cafés direkt gegenüber der Wohnung und dringt tagsüber, wenn der neue Mieter arbeitet, mit dem Schlüssel in seine frühere Wohnung ein.

I am not really a comic reader – or maybe better: viewer. But this one is something else. I promise. Adrian Tomine (born in 1974) is one of the most successful comicwriters of the young generation. His comics mostly are portraits of the persons of his age and close to the so called real life. You could imagine them also as short stories.

Seine Themen sind existenziell. Fast immer geht es um die Einsamkeit des Menschen, gerade innerhalb menschlicher Beziehungen. In der Titelgeschichte des Storybandes „Sleepwalk“ (1997) verbringt ein junger Mann seinen Geburtstag mit seiner Exfreundin. In „Dylan & Donovan“ aus dem gleichen Band geht es um zwei vielleicht 15-jährige Mädchen, die mit ihrem Hippyvater ein Comicfestival besuchen. Doch die Stimmung ist miserabel. Den Grund dafür findet die eine der Schwestern im Tagebuch der anderen.

Shortcomings / Halbe Wahrheiten, in den USA im Jahr 2007 erschienen, ist die erste ein Buch füllende Graphic Novel von Adrian Tomine. Im Mittelpunkt steht der 30-jährige Ben, unzufriedener Manager des Universitätskinos in Berkley. Ben ist, wie seine Freundin Miko, asiatischer Herkunft, fühlt sich jedoch deshalb minderwertig, was er sich nicht eingesteht, und hätte lieber eine „Weiße“ als Freundin. Die Beziehung zu Miko ist angespannt, zumal Ben Mikos Arbeit nicht ernst nimmt. Miko arbeitet ebenfalls in der Kinobranche, sie beschäftigt sich im Unterschied zu Ben dabei jedoch mit ihrer asiatischen Herkunft. Plötzlich kündigt Miko an, wegen eines Stipendiums für ein paar Monate nach New York ziehen zu wollen.
 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 
Ben aber kann nicht loslassen. Er versucht erst einmal, ein paar Frauen in Berkley kennenzulernen, was kläglich scheitert. Schließlich reist er Miko nach.

Ben ist zwar kein Sympathieträger und er ist ein Besserwisser, dennoch ist die Geschichte nicht nur spannend, sondern auch in hervorragenden Bildern erzählt. Witzig und entspannt ist Ben nur, wenn er seine beste Freundin trifft, die lesbische Alice, deren Studium sich in die Länge zieht, weil sie immer auf der Suche nach der nächsten Frau ist. Die Dramaturgie dieser vielseitigen Geschichte ist überzeugend, auch der Schluss.

Einen Konzertbesuch gibt es auch. Die Praktikantin in Bens Kino arbeitet nicht nur als Performancekünstlerin (mit gewagten Objekten), sondern sie singt in einer bemerkenswerten Punkband. Wer die Pannels anschaut, hört die Musik.


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