Manafonistas

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Björn Meyer: Provenance

 

„Lieber Michael,

hier die Antwort von Mayo Bucher:

Das Bild heisst eigentlich „December Walk“. Was es genau darstellt, bleibt der Fantasie überlassen. Nur so viel: Ich habe das Foto 2010 auf dem Flugplatz Dübendorf (wo sich auch mein Atelier befand) im Nebel geschossen, und der Boden war voller Raureif- so dass das gefrorene Gras beim Laufen geknistert hat. Die Schwarz-Weiss Fotografie wurde mit Pigmentdruck auf Malerei auf Holz übertragen. Matt und Glanz spielen im Original auch eine wichtige Rolle.

Das finde ich sehr passend! Vielschichtig, knisternd, glitzernd, aber gleichzeitig etwas Weiches – tief, aber sanft etc.

Liebe Grüsse, Björn“

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The immensity and the intimate. Just an electric bass guitar, on two tracks an acoustic bass guitar. A big room, a vibrant space. East of the talkative market place of exotica. Breathing, seductive, no fear of darker shades, down to earth and skywards. This is a short review. And  this is a radio story:

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NIGHT TALE WITH STORMY WEATHER

In der Nacht von Freitag auf Samstag, am 19. August, tobte ein heftiges Unwetter über dem Münchner Raum. Bäume fielen auf Straßen, Bäume und Äste auf Gehwege, es gab vollgelaufene Keller, Pkws steckten in überschwemmten Straßenunterführungen – das sind nur einige der Einsatzstichworte für die Kräfte der Feuerwehr. Niemand nahm körperlich Schaden. Im ganzen Stadtgebiet waren die Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr unterwegs. Durch die Integrierte Leitstelle München wurden zusätzlich zu den Einsätzen im Stadtgebiet noch etwa 80 Einsätze für den Landkreis München disponiert. Das Unwetter beschädigte zudem eine Engelsfigur in Haidhausen. Die Feuerwehr sicherte die Figur auf dem 45-Meter hohen Kirchturm und seilte sie ab. In seinem Auto musste auch der Produzent Manfred Eicher ausharren, die Wassermassen zwangen ihn dazu, mehr als eine Stunde auf den Rettungsdienst zu warten. Immerhin funktionierte das Autoradio noch, und so schaltete er gegen 1.15 Uhr den Deutschlandfunk ein. Und so misslich seine Lage war, er musste wohl innerlich schmunzeln, als er rasch eine vertraute Radiostimme erkannte, und nur wenige Minuten vergingen, bis er, in den „Klanghorizonten“, der kleinen Premiere eines Musikstückes aus Björn Meyers „Provenance“ lauschte, aus der von ihm in Lugano produzierten Aufnahme.

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Es ist ja nicht so, dass Soloalben für elektrische Bassgitarren eine lange Geschichte hätten. Wer Björn Meyer von seiner Zusammenarbeit mit Nik Bärtschs Ronin oder Anouar Brahem kennt, wird keinerlei Zweifel an seiner Spielkunst haben, die ausgereift, einfallsreich, und auf hellwache Kommunikation ausgerichtet ist.

Die Frage ist nur, ob er ein ganzes Album lang (zwei Stück werden auf akustischer Bassgitarre vorgetragen) die Aufmerksamkeit fesseln kann. Er kann! Und dabei greift er nicht auf die handelsübliche Trickkiste zurück, die alle möglichen Kabinettstückchen vorführt, um mal gleich jeden Zweifel mit technischer Perfektion zu beseitigen. Im Mittelpunkt steht immerzu die Arbeit an der jeweiligen Textur und Atmosphäre – hier werden feinste Stimmungen ausgelotet, ausgeweitet. Die emotionale Palette ist sehr weit gefasst, von folkloristischen Anklängen bis hin zu einer Variante von „ambient jazz“ (hören Sie „Aldebaran“, und vergleichen es mit einem Stück der kleinen Sternmusik „The Equatorial Stars“ von Fripp & Eno – in beiden Fällen wirkt die Musik raumgreifend und entmaterialisiert). Dann wieder ist man ganz dicht an einzelnen, fester umrissen Sounds dran, der Korpus des Instruments so real und greifbar wie der grosse Radiosaal in Lugano.

(Michael Engelbrecht)

 

 

„Zuerst, Michael, nur dass es klar ist – die akustische Bassgitarre kommt ja nur auf „Squizzle“ und „Garden of Silence“ vor, gell?

Also, zuerst physische Parameter: Mensur (leere-schwingende Saitenlänge) wie ein “normaler” E-Bass (ca.85 cm) – 6 Saiten, von tief bis hoch in etwa E-A-D-G (wie ein normaler Bass) dann C – F … mit der Möglichkeit, ein wenig herum zu experimentieren … ich habe danach fast immer das E einen Ton tiefer gestimmt … – Genügend Klang und Volumen, um unverstärkt mit z.b. Nyckelharpa und Geigen etc zu spielen, u.a. beim schwedischen Spielmannstreffen. Dabei will ich sowohl Bass als auch Malodie und Akkorde spielen können! – Wahrscheinlich eher Stahlsaiten …

Eher schwierige Parameter: “Wie eine sehr tief gestimmte stahlsaitige Gitarre klingen, aber mit ganz klar definierbarem Grundton! Bei Akkorden soll jeder Ton hörbar sein. Es soll „Attack“ haben wie z.b. Das gezupfte Cello, aber gleichzeitig lang klingen können, was natürlich mehr oder weniger unmöglich ist … – es soll dynamisch auf verschiedene Spielarten – Plektrum, Zupf, Slap, Flamencotremolos und Sonstiges sehr “organisch” reagieren können … nicht dass mit Plektrum gespielte Passagen unkontrollierbar stärker kommen als mit Finger gezupften …

Dann beim Saiten-Hersteller: Mehr Grundton als Marke X und mehr Obertöne / Brillianz als Marke Y … – Saitenzug möglichst wenig, so dass der Deckel möglichst frei schwingen kann, aber genügend, um gute Volumen zu erhalten …

In etwa so ist es zu- und hergegangen … alles was mit Konstruktion und anderen Details zu tun hatte (Holz, Form, Grösse etc.) habe ich den Fachmännern überlassen!!

Was hört man wo ?

„Squizzle“: Mensur länge wirkt hier fantastisch, finde ich – der Klang der leeren Saiten in den melodiöseren Teilen – Auch dass jeder Ton heraushörbar ist, obwohl ich ziemlich wild herumschrumme – Attack und Dynamik bei verschiedenen Spielweisen erscheint mir auch sehr gelungen.

„Garden of Silence“: Es hat auch beim tiefsten Ton (D, den Grundpuls von Stück) genügend Klang, um das Auditorio Lugano zu füllen! – Der Deckel (Top) ist dünn genug um schwingen zu können aber stark genug um den gesammten Zug von 6 Saiten zu halten. Der Klang von diesen spezialgewickelten Stahlsaiten inpiriert mich sehr … Es wurden eben Stahlsaiten, aber mit ein wenig Nylon (im Dünnsten / Höchsten), um den Klang nicht ZU glitzerig zu machen …“ (Mail von B.M.)


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