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Robert Forster: Grant & Ich (The Go-Betweens und die Geschichte einer aussergewöhnlichen Freundschaft)

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„Robert Forster writes the moving, definitive portrait the Go-Betweens deserve“

(the guardian.com)
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Ein Interview zu Robert Forsters vorletztem Album THE EVANGELIST

Michael Engelbrecht: Ihr alter Weggefährte bei den Go-Betweens, Grant McLennan, war ja noch an drei Songs mitbeteiligt. Gab es da nur Melodien – und Sie schrieben die Lyrik!? Was machten Sie mit diesem Material?

Robert Forster: Alles, was seinen Anteil an diesen drei Liedern betrifft, habe ich im dem beiligenden Textheft genau notiert. Bei dem Song „Demon Days“ stammen die ersten fünf Zeilen von ihm, ich habe den Text weiter geschrieben. Wenn Grant in den letzten Jahren an Songs arbeitete, schrieb er die Texte immer am Ende. Er liebte Refrains und Melodien – dieser Rohstoff beflügelte seine Arbeit an den Texten. Nach seinem Tod stieß ich auf sein Notizbuch es fanden sich keine Texte darin, ausser diesen fünf Zeilen von „Demon Days“.

Gerade in diesem Song ist Ihr Gesang so sanft, wie ich ihn in der Form noch nicht gehört habe bei Ihnen. Im ersten moment hatte ich eine Assoziation an die Art, wie Neil Young auf „On The Beach“ singt, einem seiner Klassiker aus den 70er Jahren. Das Album handelte ja auch u.a. von der Einsamkeit nach dem Tod guter Freunde.

Das ist ein großes Kompliment, weil „On The Beach“ mein Lieblingsalbum von Neil Young ist. Tatsächlich hörte ich mir Seite zwei des Albums noch vor einer Woche an. Ich habe wohl bislang kaum in dieser Art gesungen, weil die Melodie nicht von mir stammt. Grants Melodie hat meine Stimme verändert. Und natürlich etablierten seine Zeilen eine Grundstimmung, der ich zu folgen hatte.

Das Album beginnt mit einem sehr leisen langgezogen Sound, und es dauert eine ganze Weile, bis die ersten Worte fallen in dem Song „If It Rains“. Ich empfinde das als eine exzellenten Anfang, diese Meditation über den Regen.

Meditation ist ein gutes Wort. Und da spielt etwas hinein, was Brian Eno einmal sagte. Sein Gedanke ging in die Richtung, daß auf bestimmte Weise ein Album in das nächste übergeht. Da war das Ende des allerletzten Liedes der Go-Betweens auf „Oceans Apart“; und dann passierte das Schreckliche: Grant starb. Ich wollte, das der erste Song von „The Evangelist“ eine Art Meditation sei sollte. Das Album durfte nicht normal beginnen. Ich wollte nicht mit einem Song beginnen, sondern mit einem Sound, der übrigens von einem alten Casio-Keyboard stammt. Ich wollte daß Menschen, die diese neue Cd hören und wissen, was in der Zwischenzeit passiert war, diesen Nullpunkt hören, dieses Fast-Nichts, dieses „Shhhhhhh“. Dann erst beginnen sich die Dinge zu entwickeln. Es wäre falsch gewesen, hier mit einem netten Pop-Song zu starten a la „da da bam bam ba“. Die CD musste einfach ganz langsam beginnen!

Lieder wie „Pandanus“ oder „A Place To Hide Away“ scheinen eine Sehnsucht zu beschrieben nach stillen Plätzen, wo man Ruhe finden kann. Eine Vorliebe für späte Nachmittage am Meer, und andere einsame Orte. Ich glaube , diese Songs sind autobiographisch, und Sie als Sänger sind hier eins mit der Figur der Songs…

Das hat wohl mit dem Älterwerden zu tun. Auch damit, Kinder zu haben in einer verrückten, einer wahnsinnigen Welt. Ich träume öfter von solchen Rückzugsorten. In Italien finde ich solche Gegenden, und einen ganz traumhaft abgelegenen Ort haben meine Familie und ich einen Monat vor dem Beginn der Londoner Aufnahmen im Bayersichen Wald aufgesucht. Zwei Wochen verbrachten wir da ein er einer kleinen Hütte. Wir waren in einem kleinen Ort namens Brennberg, nahe Wörth a. d. Donau, und kurz vor Falkenstein. Es ist wohl ganz am Anfang des Bayerischen Waldes – für mich öffnet sich da eine ganz andere Welt!

Viele Songs von „The Evangelist“ sind sehr akustisch, sehr nackt. Aber in einigen Stücken gibt es fast so einen Phil Spector-artigen „wall of sound“, sehr untypisch für Ihre Soloalaben oder die Go-Betweens. Warum haben Sie sich da für solche fast monumentale Momente entschieden?

Das kam von dem Produzenten Marc Wallis. Ich hatte bei dieser Arbeit eine sehr klare Vorstellung von dem Sound des Ganzen. Ich sprach mit Marc mehr als ich je zuvor mit ihm gesprochen habe. Ich wollte dieses Nackte und Karge! Marc liebt es, mit einer ganzen Menge von Sounds umzugehen. Ich wollte aber einfache akustische Gitarren, Gitarren mit Nylon-Saiten, einen Kontrabass, ganz natürliche Klavierklänge, eine Orgel – und viel Gesang. Bei Songs wie „The Evangelist“ oder “Don´t Touch Anything“ kam der Input von Marc – er hatte da eine Phantasie von ganz dichten Sounds. Und das gefiel mir. Er nahm sich eigentlich total zurück; die Musik wurde insgesamt sparsam inszeniert, aber in bestimmten Momenten wollte er speziellen Klangideen folgen. Für mich entstand da ein interessanter Kontrast!

Dieser von Ihnen und Grant entwickelte Song „It Ain´t Easy“ kommt wie ein Porträt daher. Grant McLennans Liebe für Filme, für Melodien taucht da auf. Und trotzdem ist da auch, unter dieser beschwingten Leichtigkeit eine Spur Melancholie heraushören.

Ganz sicher, aber ich wollte diesen melancholischen Unterton gegen die Melodie ausspielen. Von allen Songs war dieser Text – neben „Ghost Town“ – am schwierigsten zu schreiben. Einige Texte enstanden übrigens in dieser Hütte im Bayerischen Wald. Es war der letzte Song von Grant, an den ich mich heranmachte. Da gibt es diesen Refrain „It ain´t easy when your love is blue“ und all das. Die Frage war: wo sollte das hinführen? Die Melodie von „It Ain´t Easy“ ist ja treibend und schwebend. ich mochte dieses unbeschwerte Qualität. Anstatt eine tottraurige Hommage zu entwickeln, warf ich all diese Worte und Bilder, die mir zu ihm einfielen, in einen schnellen Song hinein. Grant liebte diese Art von Pop – zugleich ist es ein Porträt!

Und letztlich führt alles zu dem Song „Ghost Town“, so bewegend und dunkel wie „Demon Days“, ein Schattenreich. Vielen Dank für das Gespräch!


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