Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2017 15 Nov

Manamory 2017/5

von | Kategorie: Blog | Keine Kommentare

 

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Über Hans-Joachim Roedelius muss man nichts mehr sagen. Hier spielt er Klavier, ausschließlich, aufgenommen in seiner Wohnung in Baden bei Wien. Man kennt die weitgehend improvisierten melodischen Girlanden und impressionistischen Akkorde eigentlich seit vielen Jahren, aber Roedelius erschafft sie in immer neuen Wendungen und Variationen, und kaum jemals werden sie langweilig. Arnold Kasar, mit elektronischen Mitteln, stellt sie in den 19 Tracks in immer neue, nie aufdringliche, aber stets präsente akustische Umgebungen. Mehr passiert im Grunde auf der ganzen CD nicht, außer dass die Intensität des Spiels im Laufe der Platte zunimmt. Aber das genügt schon, um die 76 Minuten Spieldauer ohne Durchhänger auszufüllen.

 

A great work from Herrn Roedelius, too. He doesn’t know what we recently did near Forst at the River Weser. We hang two loudspeakers into a tall tree and let them play „The Big River“ surrounded by tracks from „Einfluss“, after dark. The emotional impact was immense, the loudspeakers slightly damaged – that trip to the ancient places of Harmonia and Co. had been the most thrilling seminar I ever did. I’m still grateful for the wonderful people I met there.

 

Übrigens, in meinem Karteischrank, liegen so ca. 20 Kassetten mit Sendungen aus den Neunzigern von Dir, ich erinnere mich gern an die berühmten Engelbrecht-Autofahrten mit meiner damaligen Lebensgefährtin, da haben wir und doch hin und wieder spät abends ins Auto gesetzt und sind dann langsam mit irgendeiner Sendung von dir durch Berlin, speziell die nächtlich beleuchtete Ostberliner Karl Marx Allee runter, und wieder nach Hause gefahren, es war wunderbar!

 

Eine Reise zum Nonplusultra ist verlockend. Ich würde gerne den Rand des Universums besuchen. Aber vielleicht hat das Universum keinen Rand zum Nichts, vielleicht gibt es auch keine Grenze zwischen Schönheit und Hässlichkeit.

 
1
 
Die wunderschöne Mathematik hinter der hässlichsten Musik der Welt
 

Es kokettieren viele damit, schon in der Schule in Mathe schlecht gewesen zu sein. Ich habe noch nie jemand sagen hören, schon in der Schule schlecht Klavier gespielt zu haben.

 
2
 
Die meisten Musikwissenschaftler würden behaupten, Wiederholung sei ein wichtiger Aspekt von Schönheit.
 

Sie wissen, dass Schönberg sagte, alles sei Wiederholung – selbst die Variation. Andererseits können wir sagen, dass Wiederholung nicht existiert, dass sich an ein und derselben Pflanze keine zwei Blätter gleichen, sondern dass jedes Blatt einzigartig ist, oder dass in dem Gebäude gegenüber jeder Ziegelstein unterschiedlich ist. Und wenn wir die Steine genau untersuchen, so sehen wir, dass sie sich tatsächlich voneinander unterscheiden, und wenn der Unterschied nur darin besteht, wie das Licht auf sie fällt, weil sie an verschiedenen Stellen eingemauert sind.
 
 
 

 
 
 
Mit anderen Worten: Wiederholung hat damit zu tun, wie wir denken. Und wir können nicht gleichzeitig denken, dass sie sich wiederholen und dass sie sich nicht wiederholen. Wenn wir glauben, dass sie sich wiederholen, so liegt das im allgemeinen daran, dass wir nicht sämtliche Details beachten. Wenn wir aber allen Einzelheiten unsere Aufmerksamkeit widmen, als wenn wir sie durch ein Mikroskop sähen, erkennen wir, dass es so etwas wie Wiederholung nicht gibt.

 
3
 

Die Idee ist, dass ein musikalischer Gedanke wiederholt wird und so die Erwartung auf Wiederholung erzeugt wird. Diese Erwartung wird entweder erfüllt, oder die Wiederholung wird unterbrochen.

 

Als ich mir nur 3 Schallplatten pro Jahr leisten konnte bekam ich vom »Ring der Musikfreunde (Köln) – da war ich Club-Mitglied – eine Werbeplatte zugeschickt. Die Scheibe war klein, von Rand zu Rand 17 cm, und konnte nur Appetithäppchen verteilen. Eines hat mir wahnsinnig geschmeckt. Zu hören war nur der Anfang mit dieser verführerisch melancholischen Melodie. Ich kaufte die teure LP, Rachmaninoffs Klavierkonzert No. 3 mit Emil Gilels.
 
 
 

 
 
 
Rachmaninoff, der viel geschmähte – vor allem Anhänger und Verteidiger der »Schönberg-Schule«, allen voran Theodor W. Adorno, haben seine Musik einer oft vernichtenden Kritik unterzogen – hat mich auf den Weg zur Musik des 20. Jahrhunderts geführt. Als ich die Aufnahme zum ersten Mal abspielte, war ich ernüchtert. Da war so viel Unbegreifliches zu hören. Aber immer wieder tauchten Inseln von jener Schönheit, wie ich sie mochte, auf. Es war jedesmal ein Warten und Erwarten bis ich dort landete. Bei jedem Hören wurden die Inseln größer, zuerst unmerklich. Sie sind längst zum Festland zusammen gewachsen. Rach 3 gehört zu meinen viel gehörten Musikstücken.

 
4
 

Wiederholung und Schemata bilden den Schlüssel zu Schönheit. Denken wir an eines der schönsten Musikstücke überhaupt, Beethovens Fünfte Sinfonie und das berühmte »da na na na« Motiv. Dieses Motiv kommt mehrere hundert Mal in der Sinfonie vor.

 

In Beethovens Musik ist ein bestimmtes gestalterisches, kompositorisches, ästhetisches Prinzip erkennbar: Streben nach Zusammenhang, Entsprechungen und formaler Geschlossenheit, Streben nach dem also, was die »Einheit« der Musik nach heutigem Verständnis ausmacht. Das ist John Cage fremd, das war auch dem 15. / 16. Jahrhundert fremd.
 
 
 

 
 
 
Johannes Tinctoris (um 1435-1511) lehrte »in omni contrapuncto varietas accuratissime exquirenda est« und meinte damit, dass in der melodischen und rhythmischen Erfindung – vor allem geistlicher Musik – das Streben nach Vielfalt und Abwechslung oberstes Gebot sei. Das Prinzip »varietas« war in der Musik der Renaissance ein Kriterium höheren Stils.

Wie zu allen Zeiten ist auch im 16. Jahrhundert die meist improvisierte ’niedere‘ Musik der Spielleute und Bauern stark vom Prinzip der Wiederholung geprägt, während die ästhetisch höchstrangige, die sakrale Musik, das Moment der Wiederholung weitestgehend vermied. Monteverdi, der Modernist, scheute nicht zurück vor »Wiederholung«. Wie kann man Monteverdi und den Jazz näher zusammen rücken?
 
Hier steht’s.

 

5
 

Kann man ein Musikstück komponieren, das überhaupt keine Wiederholung enthält? Tatsächlich ist das eine interessante mathematische Frage. Es stellt sich heraus, dass es sehr schwer ist, ein Musikstück ohne Wiederholung zu erschaffen, und es geht überhaupt nur wegen eines Mannes, der U-Boote verfolgte. Jemand, der versuchte, den perfekten Sonar-Ping zu entwerfen.

 

Was für eine Wendung! Ein brillanter rhetorischer Kunstgriff! Von »Schönheit« zum »Sonar Ping« ! Hey, wach auf, guck mal, wo wir jetzt auf einmal sind!
 
 
 

 
 
 
Jetzt aber nimmt die Zahl der Fragen zu. Nicht nur mathematisches Kopfzerbrechen über »Schönheit« steht an. Auch dem »perfekten Sonar-Ping« komme ich nicht auf die Schliche. Was kann es? Ist es fähig zu unterscheiden, ob ein Schellfisch oder eine Scholle, ob ein russisches oder chinesisches U-Boot angepingt werden?

 

6
 

Für die Creation solcher Schemata, bei denen nichts je wiederholt wird ist die Mathematik des Evariste Galois nötig. Nicht nur seine Mathematik, auch seine Todesart machte Evariste Galois berühmt. Es heißt, er trat für die Ehre einer jungen Frau ein, er wurde zu einem Duell herausgefordert, er nahm an, er wurde erschossen, er starb mit 20 Jahren anno domini 1832.

 
 
 


 
 
 
Was für eine Geschichte! Viel herzzerreißender ist sie, als die kurze sachliche Formulierung des Hauptsatzes der Galoistheorie. Wenn L eine endliche Galoiserweiterung des Körpers K ist, und Gal(L/K) die zugehörige Galoisgruppe, dann ist L galoissch über jedem Zwischenkörper Z und es existiert eine inklusionsumkehrende Bijektion.

 

7
 

Sie sehen aus wie zufällige Punktmuster, aber das sind sie nicht. Wenn Sie genau hinschauen, fällt Ihnen vielleicht auf, dass das Verhältnis zwischen jedem Punktpaar verschieden ist.

 

Die Zeit zum genauen Hinschauen wird nicht gewährt. Genau hinschauen kann ich nur, wenn ich selbst ein Costas-Array bastle. Leider ist auf meinem Blatt nur Platz für eine 30 x 30 Matrix – also an die Arbeit …
 
 
 

 
 
 
Eine solche Matrix zu erstellen, ist leicht, denn „sie wird auf einfache Weise erzeugt. Grundschulmathematik reicht, um dieses Problem zu lösen. Man multipliziert immer wieder mit 3 [1, 3, 9, 27, 81 …]. Wenn man über 31 hinauskommt, was eine Primzahl ist, dann zieht man immer 31 ab bis man wieder darunter liegt.“ Versucht man nach diesem Algorithmus eine 12 x 12 Costas-Array zu bilden, dann gelingt das nicht.
1, 3, 9, (27-13-13 = 1) 1, 3, 9, 1, 3, 9, 1, 3, 9
Ich habe ein toy piano mit 12 Tasten und würde so gerne die Tasten 2,4,5,6,7,8,10,11,12 drücken …

 

8
 

Schönbergs Ziel war es, Musik zu komponieren, die völlig strukturlos ist. Er nannte das die Emanzipation der Dissonanz.

 

Schon wieder Schönberg. Jetzt ist es aber genug. Nur so viel noch: dass Schönberg strukturlose Musik zu komponieren die Absicht gehabt haben soll, halte ich für Käse.

From the ECM website:

 

Over the past week we have begun the process of entering the world of streaming, and from November 17, the full ECM catalogue will be available to subscribers to services including Apple Music, Amazon, Spotify, Deezer, Tidal, Qobuz and Idagio. This simultaneous launch across the platforms – facilitated by a new digital distribution agreement with Universal Music – invites listeners to explore the wide range of music recorded by our artists in the course of nearly five decades of independent production.

Although ECM’s preferred mediums remain the CD and LP, the first priority is that the music should be heard. The physical catalogue and the original authorship are the crucial references for us: the complete ECM album with its artistic signature, best possible sound quality, sequence and dramaturgy intact, telling its story from beginning to end.

In recent years, ECM and the musicians have had to face unauthorized streaming of recordings via video web-sharing sites, plus piracy, bootlegs, and a proliferation of illegal download sites. It was important to make the catalogue accessible within a framework where copyrights are respected.

ECM Press Office
Munich, November 14, 2017

 

I have many thoughts about this and have expressed them on the FB ECM listener page, a passionate group that posts music and has lively discussions of all things ECM. This is a very divisive subject and a heated discussion is going on there right now. Here are a couple things I wrote:

 

I doubt the artists will see much in the way of revenues. I suppose they will be told it’s good exposure and I guess it could be argued that this venture will attract a wider audience. But I doubt most of these new listeners will buy anything if they can stream it. For most listeners today, streaming quality is acceptable to them: i.e. this IS the way they listen to music. For me however, I will get to audition things before I buy, by which I will be able to make more informed choices. I will still buy hard copies.

I was staying at an Airbnb not long ago and and my 30 something host listened to music on his iPhone. He placed it in a plastic coffee mug for what he considered to be „high fidelity“ sound. Either that or listened over his laptop speakers. He is not poor – it’s a choice. This is how many millennials listen to music.

 

… and this:

 

Maybe this is just succumbing to the inevitable; ECM was one of the last holdouts.

I do think we’re reaching the end of an era and it concerns me for several reasons. The irony is, while there’s never been an easier time for a middle-income person to own an audiophile (or at least near-audiophile system) most folks settle for way worse sound quality through compressed files and listening thru earbuds or shitty laptop speakers etc. Some of this is due to being low income (which is perfectly understandable), some ignorance, some convenience, and some of it is just simply being of a mindset of simply not caring.

That being said, most people, when given the opportunity to hear quality recordings over a decent system usually have a positive reaction, and are amazed to discover what they’ve been missing.

I do have a concern that eventually CDs will go out of production completely or will become such a niche thing that they will become cost prohibitive. There will of course be HD downloads, but as many passionate collectors know, downloads have zero collectible value, nor do they have any appeal as the „magical objects“ that CDs and LPs, with the artwork and the booklets, possess. I have dabbled in downloading hi def music, but the majority of my purchases are still CDs. As CDs go out of print, there will be a collectors market that will drive the price of out of print CDs even higher than it already is.

Of course there is the whole issue of artists getting paid for their work. As far as I’m concerned the $0.006 to $0.0084 cents an artist gets paid per stream is a total joke. I have friends, such as composer / performance artist Amy X Neuberg who actually get respectable plays, but even after some 43,000 plays she received a check for $1.27 or something like that (she posted the stats on FB). Yes, it’s all about touring these days, but setting up a tour is expensive and here in the states we only get to see most European artists once a decade, if we’re lucky.

Of course, it is better to post say, Spotify links, where the artist gets „something“ instead of YouTube links where the artist isn’t compensated, not even minutely. And there is also the revenue an artist gets when someone actually attends a concert by an artist they were exposed to on a streaming site. So there’s that …

 

I would love to hear any thoughts my fellow Manafonistas have on this controversial subject.

2017 14 Nov

Manamory 2017/4

von | Kategorie: Blog | Keine Kommentare

 

Was man tun könnte: sich den Klängen von Charles Lloyd und auch Terje Rypdal’s „Odysee“ hingeben, im nur von Lichterketten beleuchteten Zimmer sitzen, Tee trinken. Aus dem Fenster schauen und überlegen ob die letzten Wochen und Tage auch eine eigene Odyssee durch den weihnachtlichen und nachweihnachtlichen Alltag gewesen sind. Jakob ist immer quer über die Gleise gegangen und wenn alle Stricke reissen und alle Brünnlein fliessen, dann steigt man über den nicht sehr hohen Jägerzaun vor dem Haus und geht quer über die kleine Rasenfläche, um die rettende, schützende Haustür zu erreichen. Dem wartenden, helfenden Taxifahrer sei Dank.

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Apropos Film: Wunderbare Musik zum Fahren hier ist die Soundtrack-CD Hell or High Water, dem starken Film von Taylor Sheridan, der schon das Sicario-Drehbuch geschrieben hat (das ja ebenfalls weitgehend in West-Texas, sowie in El Paso und Juarez spielt). Auch ohne Kenntnis des Films ein sehr empfehlenswertes Album! Taylor Sheridans Regiedebüt (spielt diesmal in Wyoming), für das er in Cannes den Regiepreis bekam, muss ich nachdrücklich empfehlen, Wind River, mit einer großartigen Musik von Nick Cave und Warren Ellis. Mein „Lieblingsfilm“ in Cannes in diesem Jahr. Sehr bewegend.

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Jedes Jahr kurz nach den Sommerferien Mitte September beginnt die Weihnachtszeit. Das habe ich von einem meiner Klavierschüler, die meine Musikinstrumente finanzierten, gelernt. Für ihn war es wichtig, der Erste zu sein, der Lebkuchen und Schokonikoläuse mitbrachte und damit den Unterricht sabotierte. Wir aßen alles auf, unterbrochen nur von seiner eindeutig gespielten Entrüstung, es sei doch noch nicht einmal Advent. War es aber doch irgendwie, denn es wurde höchste Zeit, mit dem Einüben von Weihnachtsliedern zu beginnen, die an Heiligabend zu präsentieren waren.

„Halt and Catch Fire is the kind of show that doesn’t shy away from dealing with the complexities of relationships — the selfishness, the connections, the petty bitterness, the support — and the many iterations such relationships can take. These characters have deeply hurt one another, but they’ve also been uniquely understood. In setting the season during the advent of the Internet, there are connections to be made between the simultaneous excitement of being part of a world-changing technology, the cutthroat scramble to get there first, and how these characters relate to one another in such an environment“

– Juan M. Suarez, Popmatters

 
 

„This series at first seemed to be too clever for its own good, but improved in all ways possible, from episode to episode, ending up, from the last third of season one onwards, as one of the most nuanced character dramas of recent TV-history. Even the soundtrack choices quickly grew from smart ass to wise, subtle, and knowing. When, in the last season, sadness nearly became unbearable in episode 8, we can hear, on an old record player, a song by Dire Straits, from an album I personally never liked, Brothers in Arms, and it fucking worked – here – in more ways than the obvious references of the lyrics may suggest.“

– m.e.

 

THIS NEW SERIES WITH 24 EPISODES (!) ENDS AT CHRISTMAS. IT CONTAINS SNIPPETS OF TEXTS MANAS HAVE WRITTEN DURING THIS YEAR. AND SMALL SEGMENTS OF COMMENTS, INTERVIEWS, EVEN LYRICS TAKEN FROM SONGS. SOME OF THE TEXTS ARE AUTOMATICALLY GENERATED. OTHER ONES CHOSEN WITH CARE. NO NAMES REQUIRED. IT MAY BE REGARDED, HOPEFULLY WITH A SENSE OF WONDER, AS A RELIGIOUS-FREE HYPER TEXT ADVENT CALENDAR. EVERYBODY IS CREDITED AS COMPOSER IN THIS MANAMORY GAME, AND CAN CONTRIBUTE, OR FEEL COMFORTABLE IN THE ROLE OF A PASSIVE OBSERVER. THREE QUOTES ARE THE LIMIT. ZERO OR ONE (NEW!) PICTURE. SWEEPING ECLECTICISM. JULIO CORTAZAR WOULD LOVE THIS. THE JUKEBOX PLAYS THE PENGUIN CAFE ORCHESTRA. THE FIRST SEQUENCE OF NINE EPISODES ENDS SOON, WITH EVERYBODY HAVING HER / HIS STAGE TIME. INCLUDING SPECIAL GUESTS. WHAT COMES AFTER, DEPENDS ON YOUR PUZZLING IDEAS. THE LAST EPISODE WILL BE PRODUCED BY MHQ AND POSTED ON DECEMBER 24.

 

 

Wer dieser Tage bei Gregor über die grosse Leiter ins Labor der Radios und Jukeboxen einsteigt, hat  natürlich zuvor die Lage gesichtet, und sicher gestellt, dass niemand zuhause ist – kleine Beutestücke, Singles, LP’s, Tonabnehmer, Erstauflagen der 68er-Klassiker, könnten in Windeseile den Besitzer wechseln, und später, als Hehlerware, verschachert werden. Umso verwirrter wird der mutmassliche Eindringling dreinschauen, wenn er sich plötzlich alles andere als allein wähnt und sein alter ego, sein weibliches Pendant, vorfindet, nämlich eine „Obstdiebin“, die schon Äpfel umd Birnen von prall gefüllten Tellern eingesammelt hat. Fassungslos ergreift unser Tagedieb die Flucht.

 

Zwar nicht direkt, dafür indirekt umso direkter erklärt Rezensent Dirk Otto Pilz seine Hochachtung für Peter Handke und sein neues Epos, indem er sich in seiner poetisch tönenden Rezension Handkes herrlich „himmelhebende“ Sprache anzuverwandeln scheint, und das ganz mehrdeutig, denn um Verwandlung geht es dem gestandenen Autor unter anderem und einmal mehr in der Geschichte seines Ich-Erzählers, der sich schon zu Anfang ohne Umschweife als Autoren-Ich offenbart und sich zu späterem Zeitpunkt mit einer zweiten Figur, einer „idealischen“ und selbstkritisch witzigen, zusammentut, als Ehepaar, als Geschwisterpaar, als zwei in eines verwandeln sie sich ineinander und auseinander, recht verwirrend für den Leser der Rezension, sich „verirren“ bedeutet aber schließlich bei Handke die Verwandlung und das Verirren bedeutet erleben, also leben, lesen wir. Es ist jedoch die Art, wie Verwandlung hier thematisiert wird, die Meister Pilz besonders interessiert, denn sie unterscheidet sich von früheren Arbeiten Handkes. Zunehmend erscheint das sich Verwandeln und das Schreiben selbst als eine Hinauf- und Hinaus-Bewegung aus der Welt, als „Weltflucht“, ein Begriff, der für den Rezensenten jedoch, wir ahnen es, in diesem Fall nicht unbedingt negativ besetzt ist. So scheint aus einer „einfachen Fahrt ins Landesinnere“ geradezu eine „Himmelfahrt“ zu werden. Ein Element von „mystery“ ist dem umfangreichen Erzählwerk durchaus zueigen, obwohl sich Handke den meisten  landläufigen Topoi des Genres verweigert.

2017 13 Nov

Dreizehn Elf Siebzehn

von | Kategorie: Blog | 1 Kommentar

Einen anstrengenden Tag am Abend, weil man noch etwas vorhat, für sich selbst zu drehen und positiv zu machen – das geht, aber es kostet Kraft. Bei dieser Veranstaltung dann zu hören, wieviel Kraft andere in ihrem Alltag aufbringen müssen, die weitaus mehr betroffen sind als man selbst, gab mir Kraft. Dazu kam eine persönliche Begegnung: man (= ich) konnte endlich gelesene Blogbeiträge mit einem Gesicht, einem Menschen und einer Stimme verbinden.

Aus dem Abend anders hinausgehen, als ich hereingegangen bin. Das kann Kunst, und Zeit zum Zuhören, zum Reden; fernab von all den Oberflächlichkeiten des Alltags.

Und den Schub, den dieser Freitagabend, diese Begegnung mir gegeben hat, den habe ich mitgenommen und hüte ihn wie einen Schatz. Möge er lange vorhalten. #notsad

One week ago, a friend asked me about the best-sounding jazz album ever. What a question, I answered. I don‘t know anything about „ever“, but ask me about a certain time. Then he asked me about the best-sounding jazz album of my teenager years, and the best-sounding album „before my time“. Okay, choices made instantly. I said, „Dis“ with Jan Garbarek, Ralph Towner, and the short appearances of a wind harp. And thinking of the times before my time, I said, „Way Out West“. It was made in the middle of the night on March 7, 1957, in the shipping room of a small Los Angeles record company, with an underpaid engineer recording a trio playing cowboy songs on a first-generation stereo Ampex tape deck through a homemade mixing console. It seems an unlikely setting for one of the greatest jazz recordings of all time, musically and sonically. But the players were Sonny Rollins and Ray Brown and Shelly Manne, and, on that night, they were cookin’. What seems like strange duo of vinyl albums, makes some extra sense when realizing a strong bond between them: deep relaxation, high intensity, breathing space. Real favourites.

2017 13 Nov

Manamory 2017/3

von | Kategorie: Blog | Keine Kommentare

 

„Jetzt weiß ich, warum du so schreibst, wie du schreibst“, sagte N, als ich sie in meine Wohnung einlud und sie aus dem Fenster blickte. Was hatte sie nur gesehen? Gerade Linien, sagte sie. Ich hatte jahrelang in die Wolken geschaut, und die Farben um sie herum. Das Sichtfeld auf Autos abgeklebt, da blieb das Dach des ältesten Hauses der Straße.

 

Vorgestern habe ich – wie Ian auch – Brian Enos Reflection wiedergehört. Es ist ein wunderbares Stück, das ich am liebsten hören würde in einem lichtlosen Raum, wo die Klangfarben aus allen Richtungen tönen, voll frischer kühler Luft, an einem See aus Klang.

 

Hätte der Traum nur ein gemächlicheres Tempo angeschlagen, ich wäre mit dem Bus gefahren, hätte die Strasse mit dem seltsamen Namen gefunden, die Sommerwinde eingeatmet, sie hätte ihre Lieblingsplatte von Al Stewart aufgelegt und die grosse Badewanne vorbereitet, die gut auch in einen Chabrol-Film der frühen Siebziger Jahre gepasst hätte.

 


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