Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2017 21 Jul

Monofisismo

von | Kategorie: Blog | 1 Kommentar

 

„When you walk through an urban environment, you take the strangeness of the architecture for granted.“

 

“Ecrivez vite sans sujet préconçu, assez vite pour ne pas retenir et ne pas être tenté de vous relire.”

 

„New York was built at about the same time as Manchester and Liverpool, and they all share the same materials and evolution of architectural style, as if they are all a single city. I feel as though I spend my life walking between them, and at points they all dissolve into each other. Add Paris, Berlin and London as suburbs of that city, as well.“

 

„But gradually our address was completed, it came, with allotted voices: ‚West,‘ ‚Didsbury,‘ ‚Manchester‘ ‚England.‘ The last word was mine, I wouldn’t give it up, I added ‚Europe.'“

 

„The lights are coming on in Summer Hill, the railway yard, the flour mills / Walk along familiar streets to put you back together piece by piece“

 

„Suddenly he couldn’t think what time of year it was. What’s the difference, said the traffic sounds, the sky, the footsteps on the pavement. Winter is always either just ahead or just behind.“

 

„I was twenty-two, just made Second Navigator. She was twenty-eight, a stage designer. On my next downtime in London we hoppered up to Dundee, got a surface hirecar permit, and drove up through Recreation Reserve 7 to the Moray Firth.“

 

„I felt feeling a half Scotch and pottage like roung my middle ageing like Bewley in the baste so that I indicate out to myself and I swear my gots how that I’m not meself at all, no jolly fear, when I realise bimiselves how becomingly I to be going to become.“

 

„Ikkyu held up the pieces of the broken cup, and said: “It was time for your cup to die.”“

 

„What is this. This is what what is.“

 

„Everything is repairable. Everything is broken.“

 

well touch
 

Im Zuge der Nostalgiewelle auf Arte, kramte ich in meinem Piratenschatz und stieß auf die OUTSIDERS. Diese tolle, holländische Band hielt mich nicht nur 1966 fest in ihren Tauen, die Stimme von Wally Tax ließ mich geradezu seekrank werden. Ich war im schönsten Seejungfraualter und Schüchternheit hatte erotische Meerestiefenwirkung:

 

“ Yeah I touched your hand
By accident
So touch
I didn’t understand to touch you“

 

Die Outsiders schrien ihre Songs in den Sturm, bei ruhigerem Seegang versanken ihre Stimmen unter der stillen Wasseroberfläche. Ich mochte dieses Hin- und Hergeschaukele sehr. „Lying all the time“ war so ein Wellenbrecher, dem selbst offshore Freaks am Dam in Amsterdam gut Matrosenchören standgehalten hätten.

Warum nannten sie sich „Outsiders“? Was sind Outsiders? Welche Outsiders kennen wir in der Musik? Captain Beefheart, Scott Walker, Bob Dylan. Aus der Literatur fällt mir spontan Thoreau („Walden“) ein, könnte man sicher endlos verlängern. Aus der Philosophie nenne ich mal Nietzsche, der erkenntnisreiche Wege ging, bezahlte aber mit dem Sold der sozialen Isolation.

 
Folks, wir sind mitten im Sommer:
 

„Summer is here
There is no need to worry
No need to hesitate
We’re so much alike“

2017 21 Jul

Heute vor zwei Jahren …

von | Kategorie: Blog | Keine Kommentare

… starb Dieter Moebius. Nun werden pünktlich zu seinem Todestag seine letzten beiden Soloalben wiederveröffentlicht. Ding war nie so mein Ding, zu düster, zu technoid. Dafür bleibt Kram einer meiner All-Time-Favorites. Buntes Plastikspielzeug ziert das Cover und genauso bunt und verspielt ist die Musik. Da gibt es viel Rhythmus und viele Billigsounds, die in den sehr eigenwillig komponierten, eher skizzenhaft wirkenden Stücken auf einmal ganz reif und natürlich wirken. Da ist das konsequente Ignorieren dessen, was sonst so in der Welt der elektronischen Musik gemacht wird und ein unbändiger Spieltrieb, der diesem Opus eine fast unbefangene Leichtigkeit gibt. Und eine Menschlichkeit, eine instantane Gegenwärtigkeit, wie sie sich sonst in elektronischer Musik nur selten findet, was sich auch sehr plakativ in den Titeln ausdrückt:

 

Start
Kommt
Womit
Dauert
Steigert
Lauert
Rennt
Rast
Schwitzt
Markt

 
 

 

2017 21 Jul

Carlos Goes Wild

von | Kategorie: Blog | 2 Kommentare

Mr. Santana plays Coltrane runs and anti-nostalgic ray guns, it’s all abstract, metallic, sensual, and this is a „super-group“ deserving the name. Why? Because it risks everything, simple as that. Even „Black Magic Woman“ gets the honky-tonk-fire-treatment. (M.E.)

 

„Lotus“ has always been the Holy Grail for the hardcore Santana fan, and this super-deluxe version is definitely that, but it’s also a document of a creative peak most bands never get near. (Philip Greeman, Wire)

 
 

Als Teenager gab es für mich vier beeindruckende Santana-Alben, und 1974 hatte Carlos in meinem Leben genug Spuren hinterlassen. Irgendwann, denke ich,  ist der Deal beendet, die Begeisterung verflogen. Der Rest ist Nostalgiezirkus. Tatsächlich bin ich in den vielen nachfolgenden Jahren nicht mal den alten Faszinationen nachgekommen: das erste Album mit dem schwarzweissen Cover, „Abraxas“ mit Mati Klarweins unvergesslicher Coverkunst, „Caravanserai“ und  „Welcome“ blieben wohlbehütet in ihrem Wilde-Zeiten-Schlummer, ich kann mich nicht mal an ein Girl erinnern, mit dem ich zu „Samba Pa Ti“ rumgeknutscht habe. Tatsächlich habe ich nurmehr einen verschlafenen Samstagnachmittag bei Freunden vor Augen, bei denen  Mati Klarweins Bild wie ein Joint herumgereicht wurde, und dabei den gleichen magischen Realismus verströmte wie die Lieder ringsum. Mehr durch Zufall las ich vor kurzem einen Lobgesang im „Wire“ auf die Wiederveröffentlichung eines Live-Opus von 1973, also aus der Zeit, als der Zauber noch funktionierte, und, abracabraxas, kam das japanische, opulent aufgemachte Opus in mein Heim gerauscht.

 
 
 

 
 
 

Die leicht ergrauten Erinnerungen wandeln sich nach guter Pop-Art-Sitte in ein knallbuntes Farbenmeer. Der Raum ist abgedunkelt, Santana in der Form seines Lebens, einige Lektionen hat  er von Coltrane und dem elektrischen Miles gelernt, um sie in eine überraschend gnadenlose, latineske Parallelwelt zu transportieren. Ich kenne LOTUS überhaupt nicht, und frage mich, ob eine sich um stilistische Grenzen keinen Deut scherende „Rockmusik“ (ist das schon „metal abstract fusion with a bang“?) mehr als ein Dutzend solcher Live-Dokumente abgeliefert hat. Wohl kaum. Schön, dass ich das jetzt auch mitkriege. P.S.: Die Raumakustik ist im Surroundmix eimgefangen, so dass man auf der richtigen Seite des Applauses sitzt, und das Stereobild an Tiefe gewinnt. Also kein klassischer Quad-Sound.

 

 
 
 
1) natürliche Akustik
 

ansonsten verträgt so ein Garten am ehesten eine dezent im Hintergrund ablaufende Musik, ganze Alben, kein Mix. Es gibt ein knallrotes Schwimmkissen, in das man sich bequem fallen lassen kann. Ohne jeden elektrischen Antrieb entsteht eine ganz leichte Bewegung, der Blick geht himmelwärts, die Baumspitzen treiben in extremer Zeitlupe am sonnenbrillenverdunkelten Blick vorbei. Pures Driften, wozu noch in einen John Lilly-Wassertank steigen. Ein kleine Einbuchtung im „Drifter“ erlaubt das bequeme Abstellen eines eisgekühlten Pils. Wir empfehlen Brinkhoff’s No. 1.

 
2) Neil Young: Comes A  Time
 
3) Michael Brook w/ Brian Eno and Daniel Lanois: Hybrid
 
4) Nick Drake: Pink Moon
 
5) Arve Henriksen: Towards Language

2017 20 Jul

Madness first

von | Kategorie: Blog | Keine Kommentare

What means solid, traveller? Madness first. Among other things this musical action could be construed as a threaded mosaic of funny – not „ha, ha“ but touched, refracted, burst and demented – perspectives upon the blues. (D. Torn)

 

For years now while watching films in television but especially nowadays while recepting those new high quality TV Series I always play guitar asides to accompany and analize the given soundtrack. This makes me feel like beeing right in the middle of things. Many marvellous songs and sounds suddenly flashed up from time to time – no matter if it was with Mad Men, Bloodline, Justified or Sons of Anarchy. You doubt if it´s worth watching Hap & Leonard? Wait until that lively Mississippi-Banjo-Country-Rhythm rises up in the middle of nowhere and you know you are on the right trip. Especially while accompaning those countrysongs and -sounds, sometimes playing improvised lines above it, I often had David Torn in my mind – at least since Only Sky, his solo-masterpiece. A nirvana without coffee is a no-go, a friend of rumanian philosopher Emile Cioran once acclaimed. According to that I would like to suggest: playing guitar without being in tune and torned up makes no sense.

 

 

„Grant & Ich“ ist die Geschichte der außergewöhnlichen Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Grant McLennan und Robert Forster, die mit The Go-Betweens etliche, exzellente Platten produzierten. Von zahlreichen Kritikern wurden die Go-Betweens als großartigstes Songwriter-Team des Indie-Pop in der Tradition von Lennon / McCartney gefeiert; Jonathan Franzen ist erklärter Fan, und regelmäßig tauchen ihre Alben bei den Listen der besten Platten aller Zeiten auf.

Robert und Grant waren Kunststudenten an der Universität in Brisbane, als sie sich über ihre Passion für Literatur und Film kennenlernten und schließlich gemeinsam Musik machten. Robert Forster erzählt von den Bandanfängen und davon, wie die Go-Betweens in England zur Kultband avanciert, dorthin übersiedelt und viele Aufs und Abs erlebt.

 
(leicht veränderter Pressetext, das Buch erscheint im Heyne-Verlag am 2. Oktober)

 

2017 20 Jul

Insect Music

von | Kategorie: Blog | 10 Kommentare

Die Grillen zirpen 24/7 und der Sommerwind trägt Bougainvilliablütenblätter durch die offene Tür. Es ist nunmehr auf den Tag genau 5 Jahre her, dass Gregor über die Grillen in der Musik schrieb. Seitdem öffnete er 120 mal seinen Plattenschrank, also durchschnittlich 24 mal im Jahr.

Während Gregor damals Musik vorstellte, in der der Sound der Grillen vorkam oder eine Rolle spielte, möchte ich heute zwei Alben vorstellen, in denen dieser wunderbare Insektenklang, der laut Murray Schafer von den meisten Menschen als angenehm und entspannend erlebt wird, im Mittelpunkt steht und Hauptklangquelle ist.

Vor vielen Jahren als Student arbeitete ich als Konzertkartenverkäufer im Saturn Frankfurt, was auch die Platteneinkäufe günstiger machte. Eines Tages bat ich meinen Chef mir doch Graeme Revells The Insect Musicians mitzubringen. Als er damit zurück kam hatte er sich bereits das Backcover durchgelesen und schaute mich besorgt an und legte dann ein freundliches „Geht’s dir gut?“ nach.

Spätestens nachdem zu Hause die ersten Töne aus meiner Anlage erklangen, wusste ich: es geht mir gut! Die Faszination einer durcharrangierten Musik, deren Quellen ausschließlich aus von Insekten, vornehmlich verschiedener Zikadenarten, stammte, erfasste mich sofort und trug mich fort in bizarre insektoide Welten, wo völlig andere Regeln der musikalischen Kommunikation galten. Revell sammelte die Ausgangsklänge rund um den Globus und veränderte sie dann elektronisch, indem er sie streckte bis sie perkussiv wurden, loopte oder tonal ausbalancierte. Das Ergebnis reicht von völlig eigenwilligen ambienthaften Stücken bis hin zu der eigenartig schönsten Variation über ein japanisches Volkslied. Ein Kleinod, das, desto länger man es hört anfängt unter die Haut zu gehen und bald dort beginnt ein fast unheimliches Kribbeln zu verbreiten.

 
 
 


 
 
 

Ganz anders dagen das Vorgehen des Jazzmusikers, Philosophieprofessors und Insektenforschers David Rothenberg auf Bug music, der zu den nur wenig manipulierten Klängen einer nur alle 17 Jahre auftretenden Zikadenart Bassklarinette spielt und sich teilweise die (entbehrliche) Unterstützung des Gitarristen Robert Jürjendal dafür holt. Dabei entstehen magische Liveduette zwischen ihm und den Insekten und faszinierend perkussive Stücke: Insect drummers I-III. Am verständlichsten wird sein ungewöhnliches Vorgehen in der Kommunikation mit den Insekten in diesem Video, die durchaus nicht für jeden zu bewältigenden Schwierigkeiten hingegen zeigen sich in diesem kurzen Clip.

 

„I love Brian Eno, but I picked this specifically because it’s one of those albums that if you’re up at six in the morning, stressed out wondering why you were up all night, I can just put this on and everything feels OK. It’s almost superficial because it’s so sweet and ambient, but I respect it a lot because it always piques my interest. I know he wrote some of the songs with Robert Wyatt from Soft Machine, and Robert Wyatt has this delicate, fragile sort of energy, I feel like that’s there.

An old friend of mine, Yuka Honda from Cibo Matto, the first band I was in, first played this to me on vinyl in the mid-90s. I was smoking a lot of pot in those days. I’ve read that Eno made it with the intention of actually playing it in airports. For fun I have put it on [in an airport] and there is something quite airporty about it… something machine-like about the melody. It reminds me of the architecture of an airport, it’s not bustling or busy, it’s like an airport when no one’s there. I think it’s the number one album I’d recommend for taking a bath to.“

(Sean Lennon, thequietus)

 

Der Komponist BJ Nilsen ist ein Wiederkehrender in den  „Klanghorizonten“. Die Klänge der Natur sind für ihn ein zentrales Thema, und dass er sie vorwiegend nicht in beschaulicher Distanz aufzeichnet und verarbeitet, belegt seine Langspielplatte „Massif Trophies“, die am 26. August erscheint. Ich habe mit dem Musiker Kontakt aufgenommen, und wenn die Platte rechtzeitg das Presswerk verlässt, wird er mir für die „Weltpremiere“ in der Nacht des 19. Augusts ein Exemplar aus den Niederlanden zukommen lassen. Derzeit weilt er noch im Urlaub in den Dolomiten, aus denen er mir beiligenden Schnappschuss schickte.

 
 
 

 
 
 

„Celebrating 27 years as a recording artist, Massif Trophies is his first solo release for Editions Mego. In 2015, he set off on a month-long hiking trip in Gran Paradiso to explore the acoustic environments in the alpine landscape. Drawn to the monotonous and physical effort that mountains and high altitudes contribute, this became one of the main inspirations for Massif Trophies, reflecting upon the perception of the landscape during several hours of physical difficulty, let alone rapid weather changes, horizontal thunderstorms, and rock avalanches. Massif Trophies is also about the scope of details and perception of the path and the myth of the mountain as the accursed or sacred place. The five pieces contain narratives based on experiences and recordings from the trip.“


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