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Kategorie: Musik aus 2013

So listen to the silence. Once all other external sounds cut out, there´s no more escaping from yourself. The late John Cage put it like this: “ … sounds (which are called silence only because they do not form part of a musical intention) may be depended upon to exist. The world teems with them, and is, in fact, at no point free of them. He who has entered an anechoic chamber, a room made as silent as technologically possible, has heard these two sounds, one high, one low – the high the listener´s nervous system in operation, the low his blood in circulation. There are, demonstrably, sounds to be heard and forwever, given ears to hear.“

Silence marks the escape route through the self into a infinity of sounds. And this infinity finds its echo in what Gaston Bachelard, author of The Poetics of Space, discribed as the „intimate immensity“ that lies just beyond the immediate world. „Immensnsity is within ourselves“, he wrote. Ìt is attached to a sort of expansion of being that life curbs and caution arrests, but which starts again when we are alone. As soon as we become motionless, we are elsewhere: we are dreaming in a world that is immense. Indeed, immensity is the movement of motionless man … Always elsewhere. Driftworks resonates such inimate immensity.

 

(Zitiert nach den Liner Notes aus der CD-Box Driftworks)

 
 

 
 
 

Nun ist endlich auch klar, welch grandioses Werk heute aus meinem Plattenschrank endlich einmal wieder ans Tageslicht geholt wird. Es ist fast genau 20 Jahre her, ja es war 1997, da brachte Big Cats Records eine Vier-CD-Box heraus. Je eine CD des in Australien geborenen Paul Schütze, stateless, eine zweite nahm der Dortmunder Thomas Köner auf, Nuuk, die dritte kommt aus Japan, Nijiumu, der Komponist: Keiji Haino. Bleibt noch die vierte zu erwähnen: Pauline Oliveros & Randy Raine-Reusch, der Titel der Platte In The Shadow of the Phoenix. Von Pauline Oliveros, die eine US-amerikanische Komponistin und Akkordeonistin war und im November letzten Jahres starb, ging es ja erst kürzlich in dem Beitrag von Uli Koch zu Insect Music.

Diese einmalige CD-Box, die hoffentlich eines Tages wiederveröffentlicht wird – im Moment ist sie nur für einen riesigen Batzen Geld zu haben – trägt einen buchstäblich fort, man driftet ins Ungewisse, lässt sich irgendwohin treiben, ins Offene, eine musikalische Reise ohne Geländer.

 
 
 

 

Jason Williamson hat die Schnauze voll. Kann man mit so einer Wut, und den Mund voller Wörter, grossartige Lieder machen? Ja, kann man. Sogar fettarme Lieder. In dem Song „Fizzy“ schnappt er sich einfach dieses Wort, „Fizzy“, zerbeisst es, zerkaut es, zerlegt es. Und dann, am Ende, haut er noch ein unübersetzbares letztes verächtliches Stöhnen raus, pure unheitere Emotion. (An dieser Stelle gilt es, kurz Einhalt zu gebieten. Leute, die meinen Musikgeschmack nur relativ oberflächlich kennen, würden nie denken, dass ich ein Loblied auf solche Songs singen würde. Sich von meiner Begeisterung anstecken zu lassen, geschieht also auf eigene Gefahr. Ausserdem sample ich hier viele Stellen einer Rezension aus dem Netz, deren Lesen und teilweises Übersetzen mir so viel Spass bereiteten wie das Schreiben für sich allein.) Geräuschmusik, Noise, ist das nicht. Wieso erscheint es also auf einem Label, „Harbinger Sound“, in dem Lärm, zerbrechendes Glas, und rabiates Feedbackgedröhne zum guten Ton zählen?! Weil „noise“ Interferenz ist, und „noise“ eine Kraft darstellt, die existierende Systeme aufbrechen und Erwartungen verstören kann. in dieser Hinsicht ist das erbarmungslose Duo aus Nottingham eben auch geräuschig. Jason Williamson wurde in Grantham geboren, und auch ohne Reiseführer zu befragen, gilt dieses Städtchen als die langweiligste Stadt Englands. Die sogenannte „eiserne Lady“, Maggy Thatcher, kam auch dort auf die Welt, auch das noch! Jahrelang hat sich der junge Jason in Bands getummelt, ohne seinen Ton zu finden. Dann, irgendwann, in einem „fucking studio“ in Nottingham, hat er seine Sprechwutgesänge über einen Metalltrack gelegt. Mit diesem schmutzigen Dialekt, mit lauter seltsamen Wörtern und Codes, die einem Outsider noch fremder vorkommen müssten als der abgedrehteste Graffiti in einer leblosen Industrieanlage. Zynismus, Verachtung, Verzweiflung brechen sich Bahn in seinen Liedern. Warum sollte man sich das antun? Weil der Humor so gut ist! Nach einer Weile gesellte sich Andrew Fearn zu diesen gesammelten schwarzhumorigen Wutattacken und half, den Songs einen feinen groben Schliff zu verpassen: minimale Elektronik, eine Extraidee für jeden Song, zweite Gesangsspur, und andere Details. „Austerity Dogs“ ist eine unglaubliche Schallplatte. Die Stücke gehen in einander über ohne die kürzeste Atempause, die Lieder sind so hart und schmucklos wie „Pink Flag“ von Wire, so trockenbassorientiert wie „Bass Culture“ von Linton Kwesi Johnson, die Atmosphäre ist so dicht, das sich Bass und Tamburin wie der bedrohlichste Klang auf Erden anhören. „I worked my dreams off for two bits of ravioli and a warm bottle of Smirnoff under a manager that doesn’t have a fucking clue.” Wäre „Sozialer Realismus“ nicht so ein abgefackelter Ausdruck, man könnte ihn hier bestens verwenden. Aber das lässt man besser. „Austerity Dogs“ ist ein Meisterwerk aus den dunklen Winkeln Englands. Fizzzzzzyyyyy. Fizyyyyyy. Fizzzzyyyyy.

 
 
 

 
 

(Im letzten Jahr war ich schon sehr angetan von diesem Duo, das so jenseits meiner vertrauten Vorlieben die Säge auspackte und blanken Sarkasmus verströmte. Jetzt, in der Juni-Ausgabe von MOJO, ist ihr neues Werk, eher eine Compilation älterer Tracks, zur Platte des Monats gekürt worden. Aber wirklich doof, dass ich nicht mitgekriegt habe, dass sie einen Tag vor unserem „legendären“ Stuttgarter Klassentreffen im Aachener Musikbunker auftraten, wo ich zuletzt Lamchop sah. Ich hätte sie so gerne gesehen. Fu**!)

Genau. These New Puritans zetteln eine bislang so noch nicht gehörte Musik an, die sich aus unzähligen Quellen der Klassik- und Popkultur speist, und dabei all jene Lügen straft, die Erneuerungen im weiten Feld des Art-Rock nur noch in Nuancen für möglich halten. Gerne wird für dieses an Traumszenarien erinnernde Werk Laughing Spirit und Spirit Of Eden als Inspiration angeführt. Das stimmt gewiss nicht, was den Sound betrifft, wohl aber, was die Radikalität der Mittel, und diese durchweg unwirklichen Stimmungen angeht, die alle Lieder auszeichnen. Natürlich nutzen TNP auch Strömungen der klassischen Avantgarde (und eine Prise Tubular Bells), und mit Henry Lowther wirkt ein Jazztrompeter mit, den einst auch Mark Hollis ins Studio lud. Doch damit hat es sich. Es braucht Zeit und Einfühlung, sich in diese Klangräume einzufinden, seltsam disparat wirken einzelne Elemente (ein fragmentierter Chor, ein verloren wirkendes Vibraphon, leise Murmelgesänge), doch dann geht irgendwann ein Licht auf, und der Hörer geht auf Erkundungsreise. Dabei handelt Field Of Reeds nicht von abstrakten Dingen, mit denen kühle Klangtheoretiker ihren Elfenbeinturm ausstaffieren, sondern um lauter existenzielle Angelegenheiten. Die hochgradig originäre Musiksprache verhindert jedoch, dass man auf den uralten Stoff (Liebe, Tod, Hoffnung, und all diese Habseligkeiten unseres Lebens) mit den üblichen popmusikalischen Konditionierungen oberflächlicher Anteilnahme reagiert. Hier werden neue Blickwinkel erprobt, alte Rezepturen ratzfatz abgeschafft. Der harte Schnitt. Zudem bewegt sich diese in jeder Hinsicht einmalige Musik in einem weitgehend melodiösen Raum, Dissonanzen sind nur spärlich, dann aber umso effektiver, eingestreut. Aber Vorsicht: anfängliche Befremdnis ist unvermeidlich! Unwiderstehlich geht anders, These New Puritans entziehen sich jedem geübten Zugriff.

2013 1 Mai

Radiohoerers CD Tipp

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CD des Monats: Aki Takase “My Ellington”. Mit der Post gekommen ( das Cd Abo bei Intakt Records !!!), läuft diese CD quasi “in der Rotation”.

Es ist einfach wunderbar zu hören, wie sich Aki Takase die Musik Duke Ellingtons zueigen gemacht hat. Das ist kein spielen der Standards, wie es üblicher Weise ist. Hier geht Aki in die Welt der Kompositionen von Duke hinein. Sie forschte wie sie funktionieren und was sie eigentlich ausmachen. Das besondere eben, wie es nur der Duke machte.

Sie setzte sich auch damit auseinander, wie der Duke selber am Klavier spielte, sein Reichtum an Varianten, Nuancen und seine unvergleichliche Eleganz. “Was nicht oft genug betont werden kann, ist Takases tiefes Gefühl auf My Ellington“, schreibt der amerikanische Journalist Bill Shoemaker in den Linernotes zur CD.

Seit ihren Duo-Arbeiten gefällt mir das Spiel von Aki Takase immer besser. Ihr Witz und ihre Spielfreude machen mir riesigen Spass. Auch der “New Blues” mit Eugene Chadbourne, Nils Wogram, Rudi Mahall und Paul Lovens ist eine reine Freude. Und nicht zu vergessen das fantastische Duo mit Han Bennink: “Two for Two”.

Also, entdeckt diese Pianistin für euch, es lohnt sich. Vergesst die Alten Meister nicht. Wo wäre der Jazz heute, ohne die Welt Duke Ellingtons!?

Wo sind wir, wenn wir gute Musik hören – Musik, die uns zwar nicht bekifft jedoch betrifft, vertritt? Mittendrin in der Materie. Ein erstes aufmerksames Hören: Silverdays or Love, der Titel schon Genuß. Da geht es los mit losen Schlagzeugbecken, dazu dann schwebende Pianoklänge eingestreut, der Bass zirpt erstmal in den oberen Regionen rum. Der Eindruck: Denn sie wissen, was sie tun. Will man das Gehörte nachahmen, weiss man, was man will. Die Kraft entsteht aus dem Gestaltungswillen, in der Balance zwischen Abstraktion und Formlust: der schmale Grad des Weder-Noch. Der Bass des Thomas Morgan singt und spricht exakt, mit Pizzicato-Witz in punktueller Präsenz. Kein Jazzbass wie man Jazzbass spielt, weils andere schon so taten, nein: vielmehr vorbildfrei. Triomusik wie diese ortet sich diesseits der Klassik und des Jazz. Wo seicht Ravel, Debussy, Bartok anklingen, schwingt handfest stets solider Jazzrock mit. Die Eigenart des Instruments Klavier erlaubt es, zeitweise schwere Soundcluster vor sich herzuschieben, die sich dann auflösen wie Wolkenformationen. Das macht Klaviertrios so hörenswert: Variierenkönnen zwischen leichtem, fragmentarischem Spiel und voluminöser Wucht. Cracking Hearts beginnt so frei, wie man es auch von Kikuchi kennt – doch dann die Rückkehr in das Spieluhrartige; das kühle und sphärische Spiel. Was unterscheidet ein hochklassiges Jazztrio von den eher Mittelmässigen? Wir sind, wenn wir es hören, mittendrin in der Musik.

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Welch eine Szenerie: Auf einer Anhöhe eines Berges stehen die Musiker von Jokleba. Das Publikum sitzt im tiefen Schnee, schaut auf die Band – und in die Luft. Hangglider, Paraglider und Parashooter ziehen ihre Kreise zu den Klängen von Jon Balke, Per Jorgensen und Audun Kleive. Bisweilen schwer auszumachen, ob Hall und Echo künstlich sind – oder ein Produkt des Tals und der gegenüberliegenden Bergen…

„Culture in Europe developed very much in larger cities…whereas in Norway the thing you do is to go out! (lacht)… Nature is just next door to almost anybody… And I think that that is also a kind of very heavy imprint on our mentality!“ (Jon Balke, Jokleba)

Karsten war im norwegischen Hinterland unterwegs und besuchte das diesmal herrlich skurrile Jazzfestival in Voss. Karl stellt ein neues Buch zur englischen Jazzhistorie der Jahre 1960 bis 1975 vor, von Duncan Heining: „Trad Dads, Dirty Boppers and Free Fusioneers“. Dazu gibt es neue Aufnahmen mit June Tabor & Ian Bellamy (Quercus), dem radio.string.quartet.vienna sowie Splashgirl und dem Mats Eilertsen Trio, dessen neues Album mit seinem Titel den Klimaforschungen dieser Dreiviertelstunde nur zu gerecht wird: „Sails Set“…

 

 
 

Eigentlich nur ein Trio. Drei junge Norweger: SPLASHGIRL. Keyboards, Piano; Bass; Schlagwerk. Das letzte Werk „Pressure“ war radikale Kost, vertrauter Jazz meilenweit entfernt, das Pianotrio wirft kulturelles Gepäck ab. Die Drei hören nicht so sehr Monk oder Jarrett, lieber Paul Bleys Synthesizer Show und experimentelle Metal-Music a la Sunn O))). Wohl auch Bohren und den Club of Gore, diese Hypno-Schleicher, gebürtig aus der westfälischen Provinz. Grosse Töne spucken Splashgirl nicht. Sie tuen es vorzugsweise leise.

Zwei Gäste liefern zusätzliche Ideen, Eivynd Kang an der Bratsche, Timothy Mason am Modular-Synthesizer. Alles passiert in slow motion, manchmal in slow, slow motion, manchmal sogar in slow, slow, slow motion. Eine Klangspur aus dem Orient, ein weiches Rauschen aus dem Dream House von La Monte Young. Irgendwas Klassisch Getöntes. Ein Hauch Chopin? Oder doch ein Drehleiermotiv, aufgeschnappt auf einem Marktplatz im winterlichen Oslo?

Der Produzent Randall Dunn (Akron, Mountain a.o.) erinnert sie daran, dass sie doch auch eine Jazzband sind. Sie vergessen das gerne, haben aber nun doch (so rate ich mal) alten raumöffnenden Pianojazz im Ohr. Etwa Paul Bleys „Open, To Love“. Ein Meilenstein. Bley nimmt das Ausschwingen der Töne ernst. Es erinnert ihn an die Hüllkurven seines alten monophonen Synthesizers. Mit diesen Klangmaschinen konnte man noch lamgsamer in der Stille verschwinden als mit getretenem Pedal auf einem Flügel. Jede Nummer bei diesen „Freizeitritualen“ eine andere Ruhe. Eine dezent aufrührerische, eine feinnervige, eine gespannte. Raffiniert an der Idylle vorbeigespielt. Immer für ein Aufhochen gut, auch wenn nicht viel passiert, an der Oberfläche, in diesem Ambient-Hypno-Post-Jazz. Splashgirl-Musik eben.

 

2013 27 Feb

Battaglia bitte!

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Beim ersten Hören von Songways überlegte ich, Formationen dieser Konstellation fortan zu boykottieren, dachte sogar an einen Sticker mit der Aufschrift Klaviertrios Nein Danke! Dieses scheinbar elegische Geklimper an der Grenze zur Claydermanie, und schon der Titel „Songwege“ – Pathways war wohl schon vergriffen?! Als logische Fortsetzung der Ostfriesen- und Blondinenwitze lag die Kategorie Klaviertriowitze nahe („Gestern waren wir Pilze sammeln im Wald, fanden keinen einzigen. Aber überall schossen diese verrückten Trios aus dem Boden.“) Doch wiedermal war ich nicht Herr meiner eigenen Meinung: denn wer weniger mit dem urteilenden Verstand als vielmehr mit dem Körper zuhört, etwa im Modus von Yoga, Antizipation und Ahmung in Schwingung versetzt wird, dem entfaltet sich die Musik des Stefano Battaglia Trios plötzlich ganz wunderbar.

Dann nämlich klingt sie stellenweise wie ein afrikanisierter Erik Satie, mit perkussivem Groove und Kontrabass, geht weiter in die Sphären der Stille – begleitet von Windharfe-artigem Geraune – und will nichts weiter als unangestrengt und sehr entspannt sein. Eine generelle Stärke dieser in Verruf geratenen Trioformationen ist die Fähigkeit, Klänge zu modellieren und Tempi zu variieren. Es entstehen organische Gebilde abseits digital-rhythmisierter Zwangsneurose und technophiler Studiotüftelei. Der Geist eines frühen Paul Motian Trios erscheint: Le Voyage. Als Kontrapunkt kann man danach ja bei Bedarf Scott Walker hören, den zornigen John auch, wandermüde Elektronik-Klänge oder pottersche Sirenen-Walgesänge. Boykottiert wird aber gewiß das Songways-Cover. Denn es ist, wenn auch korporativ identisch in ECM-gemäßer Strenge, gänzlich unfotogen.

Wayne Shorter Quartet: Without A Net **** – ohne Netz, aber mit doppelten Böden, ungebändigter Jazz, destilliert aus einer Europatournee und einem grossen Auftritt mit dem Imani Wind-Ensemble, das kühnes Komponsieren und alten Pioniergeist eins werden lässt BLUE NOTE

Arve Henriksen: Solidification **** – grossartige Solo-Werkschau des norwegischen Trompeters und Multiinstrumentalisten auf 7 Schallplatten. Klangreisen zwischen japanischen Zen-Gärten und abgeschiedenen Kindheitsräumen, dazu ein Besuch im Klanglabor des Herrn Henriksen RUNE GRAMMOFON

Fire! Orchestra: Exit! **** – Mats Gustafsson inszeniert ein furioses Gebräu aus Free Jazz und Krautrockmotorik RUNE GRAMMOFON

Stefano Battaglia Trio: Songways – *** – fein schattierte Empfindungswelt, meditativ, unkitschig, mir persönlich dennoch eine Spurt zu weihevoll ECM

Charles Lloyd – Jason Moran: Hagar’s Song **** – Bewegende Hommage an die Ururgrossmutter und ihre mit Würde ertragene, tragische Vita, und lauter Evergreens, die verblüffend tief gehen, allerbeste Hausmusik aus Kalifornien! ECM

Tomasz Stanko & New York Quartet: Wislawa **** – ein Fuchs, der Pole in New York: erst denkt man das alles schon zu kennen, diese immer wiederkehrenden Balladen, dann aber greift der „flow“ auf den Hörer über, mit heiseren Sounds und wilden Tönen zwischendurch ECM

2013 31 Jan

Ted Sheldrake (2)

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Damals, als W. G. Sebald das Hinterland von Suffolk durchwanderte, um sich von Steinen, Gebäuden und Menschen lang vergangene Historie erzählen zu lassen, hätte er gut auch Ted Sheldrake über den Weg laufen können, diesem Urgestein aus East Anglia. Nun sind beide tot, und Roger Eno erzählt in einem fein gesponnenen Reigen aus Folk, Pub-Atmosphäre und Feldaufnahmen Stationen und Stories aus Teds Leben. Man hört das krächzige Original, aber auch Lieder seines Kumpels Arthur „Stumpy“ Willis, welche die ländliche Welt des Ted Sheldrake wachrufen – übrigens mit einer Stimme, die mitunter ganz herzerweichend an Robert Wyatts Gesangsorgan erinnert. Ted erlebte den Wandel, wie fünfzig Erntearbeiter durch zwei Traktoren ersetzt wurden, und die Geräuschmusik der Dampflokomotiven aus der weiten Ebene verschwand. Roger Eno kreiert in diesem Bilderbogen einer fernen Zeit wohltuende Melancholie mit Klavier und Elektronik. Manchmal gesellen sich Vögel, ein Akkordeon und ein weiter Blick übers graue Meer dazu. Da sind wir dann wieder bei W.G.Sebald und seinen „Ringen des Saturn“.

 
 
 

 
 
 
„Ted Sheldrake (1921-2012) was proud to say that heʼd never, in all of his 91 years, set foot outside of East Anglia.“
 


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