Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Sie lag auf den Holzdielen und zählte die Spinnen, die sie mit blossem Auge erkennen konnte.  7×8 sind 56 Augen, die sie anstarrten. Schauer lief ihr über die Haut, sie kratzte sich, schloss die Augen und stand auf. Nie wieder würde sie das sanfte Kuhauge in dem Film Ein andalusischer Hund sehen wollen.

 

Doctor, my eyes have seen the years
And the slow parade of fears of crying
How I want to understand

 

Was meinte Merleau-Ponty damit: Man sieht nur, was man betrachtet? Wie oft war sie im Louvre um die Monalisa geschlichen, um von ihr verfolgt zu werden. Wie gerne wäre sie Leuchtturmwärterin von dem RheinKomet gewesen. Sie hätte weit über ihre räumliche Umgebung hinausblicken können. Sie hätte sich eine Welt mit 8 Augen aufgebaut und wie die Spinnen vor Gefahren gewarnt. Wie kümmerlich erschien ihr der Besitz von nur 2.

 

Doctor, my eyes
Tell me what is wrong
Was I unwise to leave them open for so long

 

Er hatte sie mehrfach gebeten, die Augen beim Sex offen zu halten. Bei ihrem letzten Zusammensein hatte sie es versucht. In ihren Ohren dröhnte, wie als Strafe der sich widerstreitenden Sinnesorgane: Biko, oh Biko / And the eyes of the world are watching you. Sie wollte sich unsichtbar machen. Sie sah Bilder aus Aleppo, Vietnam und Biafra.

 

Doctor, my eyes
Tell me what you see
I hear their cries
Just say if it’s too late for me

 

Manchmal starrte sie in ihr Bierglas und fragte sich, warum die kleinen Fliegen so gerne Bier trinken. Sie schlug nach ihnen, aber alle entfleuchten. Sie haben 5 Augen, ich habe 2 und Geist. Sie fragte sich, wie viele Augen Markus Gabriel in seiner Welt, die es nicht gibt, bräuchte.

Am liebsten hätte sie ein 3. Auge. Damit könnte sie in Welten blicken, die ausserhalb ihrer physischen lägen. Wenn sie sicher wäre, dass ihre Zirbeldrüse keine Augenreduktion wäre, würde sie sich dieses Auge herausoperieren lassen.

 

Doctor, you must help me, if you can.

2016 30 Aug

still binge (watching)

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Zwischendurch gab es einzelne Episoden von TV Serien, die er sich zweimal anschaute. Diese visuellen Errungenschaften des digitalen Erzählzeitalters waren nämlich vielschichtig wie gute Musikalben und jede hatte ihre eigene sound signature – ob es sich dabei um Mad Men handelte, Justified, um SOA oder die von ihm geschätzte Serie Love. Eine Episode von Bloodline beispielsweise sah er zweimal und fiel aus allen Wolken. Hatte er geschlafen? Wirkten Huxleys „Doors“ hier wiedermal, weil er nur die Hälfte mitbekommen hatte? Die Ursache schien schlicht: nur in begrenztem Masse sei man fähig, Aufmerksamkeit zu fokussieren. Da war dieses ADHS Syndrom des ewigen Träumers: kleine Details lenkten flugs ab auf eine Nebenspur, und schnell war der hauptsächliche Handlungsstrang entschwunden. Er erinnerte sich an die Stopp- und Rückspultasten seines Diktiergerätes und des altvertrauten Kassettenrekorders. Man sollte vielleicht nicht zu schüchtern sein, sie auch für Visuelles zu verwenden. Sons of Anarchy (this boost of thymotic energy) beispielsweise: war man nicht froh, kurz mal durchzuschnaufen, emotional kolossale Momente wirken zu lassen, Atem zu holen zwischendurch oder ein Bier? Hilfreich war auch eine frei flottierende Aufmerksamkeit: man liess es laufen in dem Urvertrauen, dass sich das Ganze doch von selbst einpendelte und das Unbewußte letztlich am Rande alles mitbekam. Like a dog running across the fields, mostly finding the way back to its owner.

 

We knew it. Ian and I told it en detail writing about the record of 2016, Manafonistas-style. Mireia told it, from a point of view of the distant future. And this is a very early moment, a snippet, with an irresisitible smile. The Beatles have done it, 801 Live have done it, and now, he does it again, with guitar, a capella, heavily treated or to the bone. „Tomorrow Never Knows“.

 

2016 29 Aug

Listen, please

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In meinem Bemühen, die Welt ordnend zu verstehen, oder bescheidener, zu überschauen, erwiesen sich Listen oft als hilfreich. Auch bei den Manafonistas erscheinen regelmäßig Listen; allein heute morgen habe ich mehrere entdeckt: Michael erwähnt eine kleine Liste von Sologitarrenalben; Martinas „saucerful“ ist eine schöne Mengenangabe für eine Liste „of poems with a deliberately chosen chaotic structure“; Ian enthüllt eine Tafel mit der Liste der in Berlin entstandenen Alben David Bowies; Manafonistas zitiert Raylan Givens: „I once met a man who made model reconstructions of famous aviation disasters“, eine Liste im Maßstab 1:50 o.ä.; Lajla verrät, wo sie gern Leuchtturmwärterin wäre (zugegebenermaßen eine sehr kurze Liste, aber mathematisch gesehen ok); Ian ist zeitig dran mit dem Listenklassiker „Best of the Year“; und ich habe immerhin ein T-Shirt an mit dem Aufdruck „1982 Mixtape Championship“ – ist ein Mixtape doch nichts anderes als eine Cassette gewordene Liste zur Dokumentation der eigenen musikalischen Kompetenz, in der spontanen öffentlichen Wirksamkeit allerdings übertroffen von Gregors Jukeboxen, wo die Verortung auf der Liste der zu drückenden Titel vor Publikum stattfindet. Rolf Miller würde über die Liste vermutlich sagen: „ist immer“, und ein kurzer Blick in die Zeitung bestätigt dies: man erfährt, dass „Desert Islands Discs“ seit 40 Jahren einer der beliebtesten BBC-Sendungen ist, dass Peter Handke „11. Gebote“ sammelt, und dass ein paar Balken auf die Survival List eines Preppers (von „be prepared“) gehören. Dagegen ist meine heutige Einkaufsliste harmlos – auch wenn Handke den Tag ganz ohne Fernsehen und Geldausgeben lobt – und kaum der Veröffentlichung wert. Es bleibt offen, welche die erste der „Liste der Listen“ wird. Die Katastrophen- und Kriegsprepper haben gute Chancen. Oder ich vertraue „Duck and Cover“, der Atomschutzkampagne der 50er-Jahre in den USA, und stelle Günter Freunds „Schlagerskala“ vor. Weil sie so spät lief, habe ich sie heimlich unter der Bettdecke gehört.

 

It’s an old saying that music is sending you places, great music to very special ones. We’re all time travellers when it comes to deeper listening. Nevertheless dejavues and old ways are all around us. Call it postmodernism. Distant decades even ring a bell when you’re listening to the most recent hot or cool stuff. But if we do follow our desire lines, we’re not trapped in the advertising of the extraordinary and canonical – we’re back on „boogie street“ (from downtown to the wilderness). Our memory may easily skip from nostalgia to disturbance, from telling old stories to simply changing the stories. What has all been fixed in history books (or the comfort zones of your mind), is losing its power, becomes purely academical. In this slightly hypnotic lecture (beware of a trained psychologist and music journalist in a rather dark room!), a genre-defying collection of broadly Norwegian and British music spanning several decades will be placed in different settings and tales, from desolate areas at the Northern coast of Scotland to the fully air-conditioned studios at the RSI, Lugano (the play- and booklist can be found here, on Sept. 3rd). 

 

 

 
 
 
Da wäre ich gerne Leuchtturmwärterin …
 

Einen Logenplatz bei den volkstümelnden „Schmallenberger Tagen“ konnte ich noch gerade verhindern, also trieb ich mich in den bunt geschmückten Gassen um, und nahm mir das landschaftliche Umfeld vor. Hier begegnet man, wie in Schulbüchern alter Zeit, noch strammen Wandersleuten, deren Hunde Bello und Vincent heissen. In meinem e-book steckt seit zwei Tagen ein Werk ansteckender Heiterkeit.

Dean Burnetts „Idiot Brain“ entführt uns auf spannende Pfade zur Erkundung neuronaler Fehlschaltungen: unser Gehirn setzt sich ja nun aus recht konträr gestalteten Arealen zusammen, die keineswegs bestens harmonieren. Anders als im Skurillitätenkabinett von Oliver Sacks geht hier um „cerebrale Missgeschicke“ des Alltagslebens, von blinder Verliebtheit bis zur Seekrankheit. Burnett ist ein grossartiger Humorist, und gerne fasse ich mich, zwischen diversen Lachattacken, an den eigenen Kopf.

Es gibt eine kleine Liste von Sologitarrenalben, die bei mir einen besonderen Platz einnehmen. In diesem Jahr ist das Album von Glenn Jones hinzugekommen, der auch mal mit Jack Rose gespielt hat. Und von eben dem, mit 39 tragisch früh aus dem Leben geschieden, erscheinen in der letzten Septemberwoche, die ersten sechs Alben seiner Solokarriere, auf Vinyl. Ein Highlight habe ich rausgepickt für unsere Monatsauslese. From raga to ragtime, no circus involved.

Wer Borderline-Persönlichkeiten studieren will, ist bei den jüngsten Thrillern von Elizabeth Hand bestens aufgehoben. Cassandra Neary ist genau das, ein drop-out, eine Hobbyfotografin, aus den frühen Zeiten des New Yorker CBGB’s, die Jahrzehnte später in diverse Schattenwelten gelockt wird. Ihre Romane sind extrem ruhig erzählt, beiläufig schleicht sich der Schrecken ein.

Bleibt das lang erwartete Doppelalbum von Tigran Hamasyan – das Quartett mit Arve, Eivind und Jan spielt, einen Tag nach der Veröffentlichung des Werkes, beim Punktfestival in Kristiansand – dort, wo alles angefangen hat vor zwei Jahren, mit einem Duo des Pianisten und des Live-Samplers Jan Bang.

Laurie Anderson bringt am Tag des release-Konzerts ihren Hund zur Welt (in dem abgründigen Opus „Heart of a Dog“) – zudem interviewt Henning Bolte Manfred Eicher, und ich bereite eine Vorlesung (mit Musik) vor, bei der sich vieles um Küstenzonen, Jukeboxen und „Drifters“ (Wanderer, Herumtreiber) dreht: da tragen die Hunde aber andere Namen als im Sauerland – einer heisst „Brian Wilson“.

I always wished to sit on one of those window sills, just watching the sun on its way, the architecture (it´s NY City, man!) and things outside happen or not, wouldn´t care. A window is a strongly symbolic place. Doesn´t it represent the transition between the conscious and the unconscious? I remember stepping to a window in a dream in a time of decision and I spotted the sight of my children´s room and knew I would be wrong at that place I considered to go. Everyone can feel a window´s glass and its coldness. You even needn´t to touch it. You might feel free and protected, a window is a comfortable place, just for a moment you touch the sky. There was no traffic anywhere, no one knocked on the door, but the sound of the wind. You were the only one to hear it.

 
 
 

 

Roger: Every copywriter thinks they´re Shakespeare.

Don: It´s something to aspire to.

Roger: I always envied that. The way you´re always reaching.

Don: I always envied you didn´t have to.
 
(season 7, episode 11)

2016 25 Aug

Jack Rose

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„i believe jack rose felt the duty of preservation but was by no means bound by it. with his virtuoso fingerstyle technique and restless guitar explorations–modal epics, bottleneck laments, uptempo rags–it’s easy to hear a connection to tradition and at the same time a pulsing modernism: “ancient to the future” in the words of chicago’s association for the advancement of creative musicians. ultimately, it’s no use attempting to explain the unexplainable (natural disasters, god, art, death). as the air gets heavy before a thunderstorm, jack rose’s vivid guitar picking awakes in us a peculiar awareness, something ancient and american. jack rose’s work exists along the established continuum of american vernacular music: gospel, early jazz, folk, country blues and up through the post-1960s “american primitive” family tree from john fahey and robbie basho and outward to other idiosyncratic american musicians like albert ayler, the no-neck blues band, captain beefheart and cecil taylor. his process can best be heard as an evolution; renditions of songs would transform over time, worked out live, with changes in duration, tempo or attack, in the search for a song’s essence.“

(Three Lobed Recordings MHQ)


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