Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Eine Sturzfluggeschichte. Patient X: Fallträume, Serie: grauer Helikopter, hoher Lärmpegel, Fallschirmprüfung, X steigt aus, der Schirm öffnet sich nicht, schweissgebadetes Erwachen. Exploration: der Angstschweiss bricht schon aus, wenn er in das Fluggerät einsteigt. Im realen Leben: multiphobisch, intermittierende Attacken. Valium 50 mg, eine Assistenz an seiner Seite, dann pures „flooding“, Volles Kino, weite Plätze, auf den Fernsehsturm steigen – durch jede Angst durch. (H. scherzt: – Was beruhigt mehr als Sedativa? „Tatort“ gucken.) 15 Patienten im Modellversuch. Mittelfristig: Trauminkubation, Auflösung des Serienalpdrucks mit luzider Technik 22. Dieweil wir, die Betreuercrew, verteilt in der Forschungshöhle, minimalistische 2-Bett-Zimmer. 14 Tage, Fallberichte, das Honorar ist cool. Das ist so das Ambiente, um Philip K. Dick-Stories zu recyceln. Fast verwandle ich mich in ein geschlechtsloses Wesen. Fast. Die Assistentinnen spulen ihre Programme am Schnürchen ab, fast aseptisch, solche Wesen funktionieren nur in Steely Dan-Songs. Drei Euro in die Machokasse. Die eigene Traumerinnerung verstärkt sich: hier im Vollklimatisierten gibt es kein Heu, aber ich liege im Heu, vor mir die Nordsee. Die Sonne dampft auf meinen Rücken. Meine Lieblingsfigur aus TRANSPARENT verwickelt mich in ein Gespräch: sexueller Status, Top-5-Fantasien, Typologien des GV. Früheste Sexträume. Ich stammel mir einen ab. Dann Reaktionstest, Slip runter, ihr Zeigefinger rechts fährt über Unterlippe, Oberlippe, in den Mund (saugen!), Brustwarzen, Eichel – die Elektroden messen den Ausschlag. Ich soll die Ejakulationsmenge in ein Röhrchen füllen. Werde wach. Morgendämmer. Wollte ich nicht eigentlich mit den Ziegen durch die Pyrenäen ziehen? Nobody around. Nur die Schnarchnase neben mir. Ich schnappe den Walkman und laufe einmal um die Anlage, und noch einmal. Am Hyde Park ist es schöner. „Nerissimo“ läuft, das neue Teil von Blixa und Teardo. Zupfe mir Heu von meiner Traningsjacke. Ich glaube, ich träume.

 

 
 
 

Gestern wäre der amerikanische Musiker, Komponist, Autor, Instrumentenbauer und Philosoph Moondog (= Louis Thomas Hardin) 100 Jahre alt geworden. Da ihm aber die Zahl 9 symbolisch von besonderer Bedeutung war, erschienen eine Festschrift und eine CD bereits vor einem Jahr zum 99.Geburtstag. Das Buch – herausgegeben von Arne Blum und Wolfgang Gnida (der auch die spannend informative Website „moondogscorner.com“ betreibt) – ist sehr schön aufgemacht mit vielen Fotos, Texten, Noten, einer Biographie, musiktheoretischen Beiträgen und persönlichen Erinnerungen. Moondog’s corner war lange Zeit die New Yorker Straßenkreuzung 6th Avenue und 52nd Street; dort stand er in einem Wikingerkostüm und verkaufte seine Musik, Lieder und Gedichte; wohl gab ihm als nach einem Lausbuben-Dynamit-Unfall Erblindeten die bekannte Gegend Sicherheit. Ein Fels in der Brandung, ein Riese mitten im New Yorker Verkehr, und mehrmals am Tag fährt Robert de Niro in seinem Taxi vorbei – so habe ich ihn mir vorgestellt, ohne YouTube, vielmehr wie immer gut versorgt mit (kurzen) Informationen von den Radiophon-istas um Achim Hebgen, Harry Lachner und Francis Gay. Die Sendung Radiophon gibt es schon ewig; es ist eine der seltenen am Mixtape-Prinzip orientierten, nicht spartengebundenen Sendungen – gewidmet, so der Untertitel, der Musik aus Klassik, Jazz, Rock und Grenzgebieten. Und in diesen Grenzgebieten bewegt sich die Musik von Moondog, unverwechselbar und immer auch etwas rätselhaft. Der Klassik entspricht das exakte Ausnotieren, das strikte Einhalten von Regeln (des Kontrapunktes, des Kanons, der Tonalität). Zur Improvisation erhält der ausführende Musiker keine Erlaubnis. An Jazz erinnert dagegen der oft akzentuierte Rhythmus, irgendwie swingend. Moondog beschäftigte sich auch mit der Musik der Indianer und baute Trommeln. Er war mit Musikern aller Genres befreundet. Auf Philipp Glass, Steve Reich und die minimal music hatte er wesentlichen Einfluss. Aber auch die Schattenseiten dieser Musik zeigten sich hier wie da: wird sie nicht abwechslungsreich dargeboten, wie dies auf der Jubiläums-CD gut gelungen ist, dann kann es auch mal langweilig oder gar nervtötend werden – wer einmal Michael Nymans Filmmusik ohne Film angehört hat, weiß was ich meine. Die vielen noch nicht aufgeführten Kompositionen warten nicht nur auf werktreue Aufführungen; man darf auf die Coverversionen gespannt sein, die entstehen werden. Das erste Moondog-Cover ist vermutlich „All is loneliness (before me)“ mit Janis Joplin und Big Brother and the Holding Company (unbedingt in der langen Version anhören). Mitten im Stück wandelte Janis Joplin den Text um: „No more loneliness before me“. Optimistisch. Moondog zeigte gemischte Gefühle: er ärgerte sich über nicht dem Original entsprechende Phrasierungen, zeigte sich aber über das Interesse des jungen Publikums an seiner Musik hoch erfreut. Bei moondogscorner.com gibt es ganz neu die Noten zur CD. Vielleicht ist Moodog mit 100 Jahren nicht mehr so streng – falls die Kompositionen das Klavier zum Swingen bringen.

2016 27 Mai

Ein Treffen mit Uta

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Sobald es um TV Serien geht, redet Uta wie ein Wasserfall. Treffe ich mich mit ihr, ist der Smalltalk, was sehenswerte Filme betrifft, stets kurzweilig und informativ. Sie arbeitet als Chefredakteurin eines Szenemagazins in unserer Stadt. Von diesen Produktionen aus Amerika beginnt sie zu schwärmen, sobald man ihr die Triggerfrage stellt: „Was schaust du denn gerade so?“ Gleich drei ihrer zuletzt favorisierten Serien spielten in Los Angeles und alle seien gut: Love, Bosch und Transparent. Erstgenannte sei die Geschichte eines akademischem Filmnerds und einer psychisch Angeknacksten – und weil Borderline im Spiel sei, seien auch Unliebesspiele nicht weit. Dann Bosch, der – wie Uta selbst auch – Jazzkenner sei. Vom guten alten Rollins ist die Rede, den der Held, der auch Hieronymos heisse, hier allerdings Cop sei und nicht Kunstmaler, liebevoll Sonny nenne, so als sei dies ein persönlicher Freund. Die Serie sei schon dieser Wohnung wegen sehenswert, in der er residiere. Wer sah, wie Bosch des Nachts im eigenen Hause Whiskey trinkend, melancholisch reflektierend, untermalt von feinem Jazz über L.A. geschwebt sei, wisse, woher die Engelsstadt den Namen habe.

Beim Schauen von Transparent habe Uta Lust verspürt, mal wieder Musik von John Zorn zu hören, weil dieses jüdische Milieu eine ähnlich spritzige Vitalität ausstrahle wie die Musik des quirligen Jazzsaxofonisten. Auch Transparent spiele in Los Angeles. Der Vater der Familie sei Politikwissenschaftsprofessor. Die älteste Tochter mache als verheiratete Frau mit Kindern nun Entdeckungen im Bereich der lesbischen Liebe und in Spielformen des Sadomaso. Der Sohn sei Musikmanager und, wie Uta meint, ein selbstbezogener, hohler Typ. Die jüngste Tochter sei auf ewigem Selbstfindungstrip, der sie nun endlich auch in lesbische Gefilde führe, nachdem sie erstaunliche Dinge mit schwarzen, hippen Fitnesstrainern ausprobierte. Der Clou aber: Daddy oute sich als jene Frau, die er immer schon sein wollte. Das habe Folgen. Im Vorspann, jenem Super-Acht-Bildflickern, das an Klassenfahrten, Feste und Fotoalben denken liesse und untermalt sei von Klängen, die an Erik Satie erinnerten, würde auch jene Zeit im Berlin des Nazideutschland angedeutet, in der Alles seinen Anfang nahm.

Es gibt ein neueres Wort, das Uta nicht gerne benutzt, weil es so hässlich klingt und dieses Wort besagt, dass Inhalte eines Filmes, Spannungsmomente der Handlung voreilig ausgeplaudert werden – und so verschweigt sie anstandshalber Vieles. Entscheidend sei, dass Serien Spass machten, lehrreich und unterhaltsam seien, Gesprächsstoff böten und in vielfach unbekannte Human-Biotope führten. Family, Beziehungskrisen, Sex seien stets dabei, mit oder ohne crime, in allen Formen und in Transparent besonders krass. Das werde aber unaufdringlich, warmherzig und liebevoll erzählt und so fühle man sich irgendwie mit allem empathisch verbunden. Der „transparente“ Vater entwickele eine unglaubliche Würde, ohne dabei in seinem Outing auch nur annähern heldenhaft dargestellt zu werden. Seine Irritationen blieben, etwa auf einem Sommer-Frauen-Camp. Hier nämlich zeige sich die Differenz: ob transitive Männer zuweilen neidisch seien auf „echte“ Frauen? Gebären könnten sie ja immerhin nicht. Hmm, möglich wär´s, entgegne ich und merke mir die Serien vor auf meiner virtuellen watchlist – und die Musik von John Zorn und Satie dazu.

2016 25 Mai

Zweitklassig

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Wenn ich an das 1. Manafonistas-Treffen auf Sylt vor ziemlich genau einem Jahr denke, dann fällt mir auch die Hotelbar mit Sky-Schild und den unbequemsten Hockern der Welt ein. Es war der letzte Tag der Bundesligasaison 2014/2015, an dem erst Minuten vor Schluss die Entscheidung über den Abstieg fiel. Wäre damals der VfB Stuttgart aus der 1. Liga geflogen, wäre meine Laune sicher das restliche Wochenende schwer erträglich gewesen. In diesem Jahr reichte eine Viertelstunde European Song Contest, um sicher zu sein: es gibt Schlimmeres als Fußball. Der Abstieg in die 2. Liga ließ mich kalt – abgesehen davon, dass das letzte entscheidende Spiel gegen die Mannschaft aus einer Stadt stattfand, in der höchstens drittklassige Autos gebaut werden – in Stuttgart ist bekanntlich alles erstklassig. So auch der Abgang; Stuttgart ist die bisher einzige Stadt mit 3 in 1 Saison abgestiegenen Profi-Fußballvereinen! Das konnte auch der grüne Oberbürgermeister mit seinem Dekret, der VfB müsse erstklassig bleiben, und seiner Analyse des Zusammenhanges zwischen Sport und Kaufkraft nicht verhindern. Immerhin trat der Präsident kurz entschlossen zurück; so bleibt es dem Verein erspart, den präsidialen Phantasien folgend eine Marke zu werden. Andere Nachrichten sind eher beunruhigend, legen sie doch nahe, dass alles beim Alten bleibt. Einer der ersten Beschlüsse nach dem Abschied aus der 1. Liga sicherte die Höhe der Managerbezüge auch für die 2. Liga. Sportlich wird der direkte Wiederaufstieg beschlossen. Dazu brauche man Trainer mit großer Bundesliga-Erfahrung. Ein Co-Trainer ist bereits gefunden: er hat die letzten 5 Jahre unter Berti Vogts in Aserbaidschan gearbeitet. Lajlas Worte für Hannover- und Stuttgart-Fans sind leider nicht angekommen. Ein schlechtes Zeichen? Ab morgen: mehr music, weniger beyond.

 

 
 
 

Bob Dylan ist mit Abstand der Kuenstler, der mich bereits ein Leben lang begleitet. Ich habe ihn auf sehr vielen Konzerten erlebt und leider waren da auch schlechte Auftritte dabei. Wie menschlich. „The superhuman crew“ nannte sich mal eine Ausstellung mit Bob Dylan und James Ensor. Ich wuensche Bobby auf diesem Weg Gesundheit und viel Glueck:

 

So if you find someone that gives you all of her love,
Take it to your heart, don’t let it stray …

 

… und an meine Dylan Sammlung gerichtet, sing ich weiter:

 

For one thing that’s certain,
You will surely be a hurtin‘,
If you throw it all away.

(I swear, I keep all my Dylan tapes).

Spannend wird es erst, wenn der Bewerber die Bühne verlässt, und die Jury zu diskutieren beginnt. Wie subjektiv sind die Maßstäbe der Jurymitglieder, welche Dynamik entsteht – durch Begeisterung, Ablehnung, Argumente? Drei Jahre hat der Dokumentarfilmer Till Harms gebraucht, bis er die Erlaubnis erhielt, an der Hochschule für Film, Theater und Medien in Hannover das zu drehen, was die Jury hinter geschlossenen Türen bespricht. Was sucht die Jury eigentlich? Wie zeigt sich Begabung, was ist ein no-go? Alle Bewerber werden zum Vorspielen eingeladen, im Jahr 2013, im Jahr der Dokumentation, waren es fast 700. Ausgewählt werden fünf Frauen und fünf Männer, jeder hat eine Chance. In der ersten Runde geht es darum, einen kurzen einstudierten Monolog zu spielen. Die Frauen sind besser, sagt einmal ein Jurymitglied, die Männer stellen einfach einen Stuhl hin und setzen sich irgendwie darauf, dann sehen wir nicht mehr, wie sie mit ihrem Körper verbunden sind. Natürlich geht es nicht um Perfektion, es geht um Entwicklungsfähigkeit. Emotionen transportieren können. Zeigen, wie sich Emotionen entwickeln, als Figur allein, und vor allem – schwieriger – im Dialog. Dabei aber nicht allzu sehr in sich verwickelt zu sein. Das erfordert eine Reife, die nicht jeder hat, mit Anfang, Mitte Zwanzig. Gelungenes Schauspiel entsteht aus einer selbstkontrollierten Fähigkeit zur Illusion und aus der Freude am Spiel. Das gilt für jede Kunst. Was Harms am meisten überrascht hat, war, dass die Jury jede Ablehnung begründet hat und dass es im Verlauf der Prüfung mehrere Chancen für Bewerber gab. Das geht dann zum Beispiel so: Okay, hier sitzt jetzt also der Vater am Tisch, und dann setzt sich ein Jurymitglied an den Tisch und wird gegenüber dem Prüfling autoritär. Hier ist dann Interaktion gefragt, und Spontaneität. Ob jemand eine Stimme schätzt oder eine bestimmte Rolle, das ist subjektiv, und natürlich geht es auch um Sympathie und um die Frage, ob man mit jemandem vier Jahre lang zusammenarbeiten will oder kann. Deshalb ist ein „Nein“ eines Jurymitglieds bei der abschließenden Frage, ob jemand aufgenommen werden soll, Anlass zu einer erneuten Diskussion. Nach dem Dokumentarfilm „Die Spielwütigen“ aus dem Jahr 2004 von Andreas Veiel, der vier Schauspielschüler vom Ausbildungsbeginn bis zum Berufsstart begleitet, ist „Die Prüfung“ von Till Harms ein weiterer unbedingt sehenswerter Film für alle, die sich für den Schauspielberuf interessieren. Für die Vorbereitung auf die Prüfung ist auch eine Wanderung im Wald zu empfehlen. Überqueren Sie einen Bach, springen Sie von Stein zu Stein, und verharren Sie dabei einen Moment. Sie werden diesen Augenblick in der Prüfung wiederfinden, in einer vorgerückten Runde.

Kinostart war am 19. Mai.

 

 

 

 

 
 
 

Zuordnungsgedicht oder Wunschkonzert

 

Hey you flying burrito in the desert

You don’t remember your name

Even if a steamhammer reflects you

Or a gorilla stroke you

Com‘ on you with the pride of a man

Do it just

Just for love

You with your image

Imagine Red White &Blues

What a day, Oh Yeah

Tomorrow on

Grand Funk Railroad

again with

Four days in Rain

Brown Eyed Girl beside you

 

Und als ich wieder aufschaute waren vierzehn Tage vergangen. Ich blinzelte verbluefft. War das moeglich? Eben hatte ich doch noch im Schatten gesessen, einen Stapel Buecher neben mir. Dann schwang das Wetter um, „after the heat“. Und abends, alleine auf dem Zimmer, waren drei Alben bei mir: die neue CD von Brian Eno, „The Ship“, das dankenswerterweise neu aufgelegte „Cyborg“ Album von Klaus Schulze und „MG“ von Martin L. Gore. Ruhige Tage des Innehaltens waren es; die Musik dieser drei Alben lief ausschliesslich und trug mich mit sich: zu lang verschuetteten Erinnerungsfetzen, Begegnungen und neuen, diffusen Gedanken.

 
 
 

 

Jedem gezielten und ungezielten Wohlklang widersetzt sich der isländische Komponist Johann Johannsson, als er die Filmmusik für Denis Villeneuves letzten und ruhig inszenierten Kinofilm „Sicario“ entwickelt hat: ein dunkles Erdbodenzittern, das mit der Dunkelwelt im Nirgendwo zwischen Arizona und Mexiko verschmelzt. In diesem Fall besteht die Qualität der Filmmusik darin, in keinem Moment nach Autonomie von den bewegten Bildern zu streben. Der Soundtrack allein bereitet wenig Freude. Aber für den Film ist er (wie der beteiligte Kameramann, ein As!) Gold wert. Es geht um den amerikanischen „War on Drugs“ und eine Reise ans Ende der Nacht. Einer der besten Filme des Jahres 2015. Dem Meisterwerk von Don Winslow ebenbürtig, „Tage der Toten“. Und nun zum guten alten „Downbeat-Rating“ (* – *****) eines kleinen Stapels neuer Platten. Bob Dylan hat schon früh seine Liebe zu Songschreibern der Tin Pan Alley entdeckt, und in Harold Arlens Liedern bluesige und folkige Wurzeln aufgespürt, denen er sich nah fühlte. Eine Art „Memory Memoir“. Aber machen wir es kurz. Bob Dylan – Fallen Angels: *** : for melancolic moods with a knack for the uplifting stoicism of longing (red wine music, maybe, soon, in the wee hours, I will add another half star) // Radiohead – A Moon Shaped Pool: *** – sometimes I get it, sometimes I don’t (first impressions) // Terry Reid – The Other Side Of The River: ***1/2 – very interesting discoveries from the legendary „The River“- sessions with a beautiful, earthbound flair of drifting // Beyonce – Lemonade – *** : great voice, great variety, great arrangements, kind of Madonna 3.0, but it leaves me quite cold; is it not a bit over the top, in its grandiosity? // Golfam Khayam & Mona Matbous Riahi – Narrante: **** – highly idiosyncratic (sorry for this word, please replace by „unique“) and (no paradox here) eclectic visions that leave me stunned, speechless, and using some cliched words for quick shots to mark the unmarkable // Wire – Nocturnal Koreans – *** – I love this band whenever they only slightly touch that magic area of their first three albums (long time ago), and here they do, okay, just a little bit, but with fervour and dignity! A propos Fieber  und Würde – und Würdelosigkeit und Abgründe und Dialoghärte: immer wieder fallen lassen kann ich mich in die Titelmelodie der TV-Serie „Transparent“ – das Schweben der Klaviertöne wirkt wie Version Nr. 187 von Erik Saties „Gymnopedies“, und ist von Dustin O’Halloran geschrieben worden. Man folgt dabei flirrenden Vorspannbildern, welche ins Irritationsfeld männlich-weiblicher Identitätsfindung locken, Biographien und Zeiträume mischen. Die Stories der zwei Staffeln widerstehen jedem pädagogischen Appeal – das ist kein Goodfeel-Streifen zur Einfühlung in transsexuelle Empfindungszonen – dem Reigen der Lüste, Sinnfindungen und Breakdowns wird ein freier, verstörender Lauf gegönnt.

2016 21 Mai

Narrante

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Es entsteht hoffentlich nicht, über die Jahre, der Eindruck, aus meinem Autoradio käme immerzu Musik. Ich habe in den letzten sechs Tagen 1478 km zurückgelegt, und dabei stets auf die Momente gewartet, in denen die Lust auf eine der mitgenommenen Compact Discs besonders gross war. Und so kamen diesmal, zwischen dem Rheinland, Strasbourg und Auxerre, meistens nur einmal, dafür immer in voller Länge, folgende Alben in meiner fahrenden (und oft keinen Laut von sich gebenden) Jukebox zum Einsatz: The Traveling Wilburys (sowieso ideale Autobahnurlaubsmusik), Damon Albarn (Everyday Robots, für mich eines der wundervollsten Songalben der letzten Jahre), Carla Bley (Andando el Tiempo), Culture (Two Sevens Clash, ein guter Grund, eine dezente Roots-Reggae-Obsession zu entwickeln!), The Beatles (Revolver). Letzteres lief dann doch drei, viermal am Stück. Und dann – es musste dunkel werden am Himmel, um dafür in die rechte Stimmung zu kommen – ein Album, das kaum einer der ersten hundert Leser dieses Textes kennt (offiziell ist es gestern erschienen), und mich schon am Abend vor der Abreise beim ersten Hören faszinierte. Über „Narrante“, gespielt von den zwei gebürtigen Teheranerinnen Golfam Khayam (Gitarre) und Mona Matbou Riahi (Klarinette), wird noch zu reden sein. Nein, keine iranische Folklore, nein, kein Irano-Jazz, nein, keine Zeitgenössische Klassik. Alle Etiketten schwindeln hier. Im Zwischenwo zuhause. Gehört auf einem Rastplatz. Nieselregen, der Himmel begann fünfzehn Meter über der Erde. Der Wasserfall begann vierzig Meter über mir. Ein paar Tage zuvor. Zeitsprung: am rechten Ortsausgang von Vauchignon findet sich eine steinige Strasse, die zu einem Wanderweg ums Ende der Welt führt („au bout du monde“). Dort entdecke ich den lang ersehnten Wasserfall, reisse mir die Klamotten vom Leib (nur die Sonne ist Zeuge), und stelle mich unter die wilde Dusche. Ein famoses Einstürzen, die Sinne werden durchlüftet. Bei 15 Grad Lufttemperatur bleibt das Wasser unerschütterlich kalt, die Haut rötet sich an den Schultern, und hellwach setze ich die Reise fort. Wasserfallmusik.


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