Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Du durchsuchst gerade das Archiv der Kategorie ‘Blog’.

Kategorie: Blog

2015 30 Aug

From the diary

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

„Walked out alone into the fields, sat on the stoop of an old caravan & got quiet. Birdsong, rabbit hop, pigeon swoop. The world is crazy busy underneath a sky of languid clouds that have no time for frenzy. I’m somewhere in the middle, feeling the pull of ‘many-things’ calling me to jump in & jiggle. At the same time what I need is clarity & that only comes when I pull back, sit quite & listen.“ (Karl Hyde)

 

Dave Rawlings Machine: Nashville Obsolete (18. Sepzember) // Tigran Hamasyan & Yerevan State Chamber Choir: Luys I Luso (4.September) // Arvo Pärt: Musica Selecta – A Sequence By Manfred Eicher (11. September) // Robert Forster: Songs To Play (18. September) // Mercury Rev: The Light In You (ups, 2. Oktober) //  Low: Ones and Sixes (11. September)  // King Midas Sound & Fennesz: Edition 1 (Ninja Tune, 18. September) // Richard Hawley: Hollow Meadows (11. September)  // Max Richter: from SLEEP (4. September) – „wanna add something?“

 

 

 
 
 

Wenn sie nur den geringste Schimmer hätte, was sie in der Hütte erwartet? Claire Fuller hat ein faszinierendes Debut veröffentlicht, Our Endless Numbered Days. Wieso hat ihr Vater Peggy, gerade mal acht Jahre jung, tief in europäische Wälder geführt? Entführt? Um sie herum ein Klavier, das keinen Laut von sich gibt, die schockierte Mutter im fernen England. Neun Jahre später taucht sie wieder auf. Raffiniert entwickelter Plot, feine Sprache. Tiefe Wälder sind auch dort nah, wo der armenische Pianist Tigran Hamasyan sein Album für Piano und Chor aufgenommen hat. Basierend auf „heiliger Musik“ zwischen Urzeit und nicht wirklich moderner Moderne, entsteht pure Magie, selbst wenn einem alles Orthodoxe fremd ist. Existenzialismus nach armenischer Art. Tiefe Ergriffenheit, kein Hauch von schwelgerischen Klagen, Spuren von Jazz so naheliegend wie ungewohnt. All das 100 Jahre nach dem Genozid. Vom Produzent Manfred Eicher stammt auch Musica Selecta – A Sequence, ein neuer Blickwinkel auf alte Klangstoffe von Arvo Pärt. Erscheint Am 11. September, das Werk des Armeniers eine Woche früher. Und das Philosophiebuch des Monats, ein gewiss seltsames, Things That Are, von Amy Leach. „From the tiniest Earth dwellers to far-flung celestial bodies – considering everything from the similarity of gods to donkeys, to exploding stars and exploding sea cucumbers, the author rekindles our communion with the world.“ Fängt nicht alles mit dem Staunen an? Hier, bei diesen vier Empfehlungen, ist das Staunen Programm.

2015 29 Aug

Turn me on!

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

 
 

 
 

Im Dezember 1964 erschien eine Auskopplung aus dem Beatles-Album „For Sale“, ein Cover des Chuck Berry-Stückes „Rock And Roll Music“. Die historischen Bezüge waren mir natürlich fremd, abér diese Single, die erste meines Lebens, war die Eintrittskarte in ein neues musikalisches Universum. Ich  konnte mich seit meinem zarten achten Lebensjahr daran nie satthören. Bis dahin sass ich, schon im Vorschulalter, morgens neben dem Kohleofen auf einem grossen roten Kissen,  und hörte die Musik des Westdeutschen Rundfunks. Später hätte ich sagen können: Nachkriegswirtschaftswunderbiedermeier.  Ich konnte meist  schnell mein Gefühlsurteil fällen (fucking frühreif). In jungen  Jahren war man natürlich noch besonders verführbar für allerlei Süssholzraspelei von Caterina Valente bis Frieddie Quinn, aber auch grossformatige Tanzorchester betraten die heimische Bühne. Als Kind mochte ich keine Bläsersätze, Duke Ellington war damals auf Japanreise, und ich sollte ihn erst viel später kennenlernen, in einem  abgelegenen Traumhotel auf Mallorca. Und dann eben die Single, die mein Leben über Nacht veränderte. „The basic track was recorded with drums and bass on track one, two guitars on the second, and Lennon’s vocals on track three. Afterwards Lennon, McCartney and George Martin all overdubbed a piano part on a Steinway together.“ In dieser Zeit waren meine Leibgerichte (ich weiss, das ist von brennendem Interesse, denn Musik geschieht nie in einem Vakuum) Apfelpfannekuchen, Waldbeerpfannekuchen, Nudeln mit Ketchup, Himmel und Erde, Nudeln mit Zucker (ist mir gerade noch eingefallen), Haferflockensuppe und Brandtzwiebäcken, und Pfefferpotthast. Es geht ja nicht immer nur um Seelennahrung. Aber was für eine Zeit: nachts, in einem meiner Serienträume, besuchte  mich eine indianisch aussehende Amazone, die mich am ganzen Körper  massierte. ich konnte das nicht einordnen. Morgens dann Schule: „Gebrüder Grimm“ hiess der alte Bau, ich schoss Tore auf dem Schulhof, ich rieche heute noch das Leder meines Schulranzens. Einmal starb über Nacht der Vater eines Schulkameraden, der Helge hiess. Zuhause legte ich die magische Single auf, und die Welt fing sich an zu drehen, wenn ich meinen Hüpftanz dazu aufführte. Ohne Hüftschwung, Elvis blieb mir ohnehin fremd, ausser wenn ihm jemand im Hotel das Herz brach. Und seinen  schrägen Lachanfall auf einer Live-Platte mochte ich auch gern. Gabi war acht Jahre alt, wie ich, sie schlief ein Stockwerk, also allenfalls drei Meter unter mir. Ich wäre so gern in ihr Bett gekrochen. Ich weiss nicht genau, was ich dann getan hätte, aber ich hatte schon Küsse im Fernsehen gesehen, ich hatte eine nächtliche Liebeslehrerin, wahrscheinlich hätte ich geschnurrt wie eine Katze und endlos ihre Lippen geleckt. Rock And Roll Music. Viele Jahre später schlief ich mit einer der schönsten Frauen Dortmunds (diese Umschreibung ist ein „running gag“ bei mir, aber nichtsdestoweniger wahr, aller Relativität der Ästhetik zum Trotze, ja, alle konventionellen Lehren vom Schönen ausser Kraft setzend, atemlos, atemlos), und sie war tatsächlich 1966 bei den Beatles in Essen. Nein, erzählte sie mir, sie gehörte nicht zu den Teenagern, die kreischten und reihenweise in Ohnmacht fielen. Und dann nahm sie mich noch einmal.

2015 28 Aug

glatt – rau

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 4 Kommentare

jetzt im Sommer liefert der Garten reichlich Gurken, Tomaten, Brombeeren …

In einer Schale auf dem Arbeitstisch in der Küche liegen sie, die grünen und roten Früchte und ich habe richtig Appetit auf einen frischen Salat. Ich ergreife die krumme, dicke Gurke, die oben liegt und hätte besser Handschuhe getragen, so stachelig war sie. Der Salat schmeckte köstlich. Süße Tomaten, geschmackvolle Gurkenscheiben, mit leichtem Bitteraroma. Das mag ich, und nicht diese glatten, geraden, grünen Schläuche aus dem Supermarkt.

Beim langsamen Kauen schweifen die Gedanken ab. Ich erinnere mich an die Gurkensalate meiner Kindheit. Die Großmutter hat immer die Enden abgeschnitten und die kleinen Stücklein einer Geschmacksprobe unterzogen: wo war das bittere Ende? Man musste in der richtigen Richtung schälen, um die Bitterstoffe nicht über das Gemüse zu verteilen.

Ach ja, die (wider)borstige, bittere Gurke … Das ist jetzt zwei Wochen her. Inzwischen bin ich aufgeklärt. Bitteres kann gefährlich sein.

Ach ja, die (wider)borstige, bittere Gurke … Über den letzten Bissen überfallen mich Assoziationen wie Stechmücken. Ich mag schwarzen Kaffee ohne Zucker, Schokolade mit hohem Kakaoanteil. An Musik muss ich auch denken. Es hätte Janis Joplin oder Tom Waits sein können, war es aber nicht, sondern jene CD die Prison Work Songs vorrätig hält, aufgenommen und herausgegeben von Alan Lomax. Namenlose KÜNSTLER, perfekt! Musik mit Schwielen an den Händen und nach Schweiß riechend, rau eben.

glatt, rau, bitter, süß – ambivalente Angelegenheiten.
 
(dedicated to L.N.)

2015 28 Aug

Turn on your turntable

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 9 Kommentare

 

 
 
 

Jeden Tag gehe ich an einem Ort der Begehrlichkeiten vorbei. Ich sehe kurz durch die Scheibe, um einen Blick auf das Ding meiner Begierde zu werfen. Der blaue Plattenspieler war heute aus meinen ästhetischen Betrachtungen gestohlen worden. Er ist verkauft. Ich muss diese Dinge nicht besitzen, aber ich möchte sie anschauen können. Der blaue war besonders glatt. Byung-Chul Han schreibt, dass heute schön ist, was glatt ist. Nicht nur heute. Vor vielen Jahren erwarb ich den Mont Blanc Füller für Damen. Wie glatt er ist. Auch mein schon altes iPhone ist von geschmeidiger Oberfläche. „Wer aber will sagen, was Schõnheit wirklich ist?“ Marcel Breuer, Bauhausarchitekt, um akademisch korrekt zu sein, stellte diese Frage. Ich stelle mir vor, dass ich auf den roten Plattenspieler eine wilde, eckige, rauhe, schlampige, Janis Joplin like kaputte LP auflege von BETH HART: LEAVE THE LIGHT ON. Mit Jeff Beck.

2015 28 Aug

Spesenritter

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

Real assholes. Man findet sie auf allen Musikfestivals. Kritiker, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, die äusserst limitiert über Konzertereignisse berichten, in keinem Verhältnis zum Luxus, mit dem sie in den Hotels dieser Welt durchgefüttert werden. Eine grosse Fresse, ein IQ, der mit Mühe die einhundert knackt, und sich durchmampfen an grossen Buffets, das ist ihre besondere Qualität. Auf der anderen Seite gibt es die gefriergetrockneten Intellektuellen, die sich Musikern bauernschlau und chronisch fasziniert andienen. Manche von ihnen sind etwas fotobesessen, und es wachsen ihnen kleine Hörner, wenn man mal etwas Diskutables vom Stapel lässt. Dann öffnen sie ihre akademische Gehirntruhe, schlaumeiern von oben herab. Diesem Typus ist am besten ein guter Fick in einem lokalen Bordell anzuraten. Das ist kein Scherz unter der Gürtellinie. Es wurde aus dem Fernen Osten schon von Erleuchtungen beim Geschlechtsverkehr mit kompetenten Geishas berichtet.


Manafonistas | Impressum | Kontakt
Wordpress 4.2.4 Design basiert auf Gabis Wordpress-Templates
61 Verweise - 3,211 Sekunden.