Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2016 1 Aug

Wilder Engel

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Es war viel zu warm in dem Wartezimmer; draußen stand die Luft so still wie die Autos im Stau. Doch plötzlich flogen alle Fenster mit viel Lärm zu, und für eine kurze Weile heulte Wind ums Haus. Dann klingelte es, Mutter und Tochter kamen herein. Das Mädchen schlug sofort vor, ihren Erste-Klasse-Zeugnisspruch vorzulesen. Er lautete etwa so: „Wo ich gehe, wo ich stehe, stets weht mein Engel vor mir her.“ Die beiden passen gut zusammen. Hoffentlich bekommt der wilde Engel nie wegen Hyperaktivität Ritalin verschrieben. Abends habe ich nach Jahren Julee Cruise gehört; Musik: Angelo Badalamenti. Soviel zu den Engeln.

2016 28 Jun

Stolpern über CDs

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Es ist jedes Jahr dasselbe: soeben habe ich Version 8.5 meiner Lieblings-Musik-Software heruntergeladen, trotz aller guten Vorsätze, bis zur nächsten Musikmesse in Frankfurt auf Version 9.0 zu warten. Es ist noch lange bis Weihnachten oder Februar, und weil es sogar bis November so lang ist, erscheinen regelmäßig im Sommer die Manafonistas-CD-Halbjahres-Überblick-Listen – eine nie versiegende Quelle zuverlässiger Musiktips. Nun sortiert sich wahrscheinlich bei Michael alles bereits auf die nächsten Klanghorizonte hin; und bei einem verantwortungsbewußten Musikboxen-Vertreter wie Gregor erwartet man ohnehin eine von 1-100 durchnummerierte Ordnung im Basislager. Meine Liste dagegen entsteht beim Gang durch die Wohnung: von Küche bis Badezimmer suche ich aus Discmen, Computerschubladen, Wohnzimmeranlagen, Radioweckern und Ghettoblastern meine aktuellen CDs zusammen. Ich bin erstaunt, was ich alles gehört habe in den vergangenen Wochen. Bereits jetzt fest zu legen, welche CD Ende des Jahres auf welchen Platz kommen wird, erscheint mir schwierig. Deshalb bleibt meine sommerliche „toptwentyfive“-Liste unnummeriert:

CHARLES MINGUS: LIVE AT MONTREUX 1975, DVD (!): Sollte man mal vergessen, was Jazz ist, dann reicht es, dieses energiereiche Video einzulegen. (Es singt im Stil eines isländischen Fußballreporters: Saxophonist George Adams.)

Dagegen wirkt JOSÉ JAMES so smart, dass man ihm seine Behauptung nicht glaubt: YESTERDAY I HAD THE BLUES. Das ist bei fast allen Billie Holiday Tributes so.

Es gibt Holiday-Seelenverwandte, z.B. JEANNE LEE, deren 1961 erschienenes Album seinen Titel THE NEWEST SOUND AROUND zu Recht trägt; wegweisend auch Pianist Ran Blake.

Dagegen klingt WOLFGANG DAUNER auf der CD DAUNER & DAUNER mit seinen Stop and Go Kompositionen etwas kühl; vielleicht hätte er bei Sohn FLO und Fanta 4 mitspielen sollen.

Gefühlvoll KHATIA BUNIATISHVILI, piano solo – MOTHERLAND; doch Vorsicht: es gibt auch das Mutterland des 19.Nervenzusammenbruchs.

Auch YO-YO MA zieht es mutterwärts: SING ME HOME, vom SILK ROAD ENSEMBLE unaufdringlich begleitet auf der CD zum Film „The music of strangers“.

Ein Mixtape zum Thema WATER ist HÉLÈNE GRIMAUD gelungen; 8 Klavierstücke, romantisch bis zeitgenössisch, werden ergänzt durch musikalische Meditationen von NITIN SAWHNEY.

Schlicht SAXOPHONE heißt die CD von ASYA FATEYEVA, auf der sie wenig bekannte Saxophon-Kompositionen von F. Decruck, W. Albright, J.-D. Michat und J. Ibert vorstellt.

Ebenfalls selten zu hören sind die Cembalo-Konzerte von Gorecki und Geminiani. Höhepunkt von TIME PRESENT AND TIME PAST“ ist die Steve-Reich-Interpretation von MAHAN ESFAHANI: über 16 Minuten die Wiederholung einer einzigen Phrase. Das erfordert starke Nerven.

An Reich, Glass, Riley erinnert die Musik von MOONDOG, der Jahrzehnte lang in Wikinger-Kleidern an einer New Yorker Kreuzung stand und seine streng komponierten Musikstücke anbot.

Eine andere Großstadt, gleich dreimal vertreten: durch CHRISTIAN JOST mit seiner BERLINSYMPHONY, die sehr ruhig beginnt: um 4 Uhr in der Frühe…

… durch das Indie-Duo ME AND MY DRUMMER: LOVE IS A FRIDGE (zumindest ist das 1 Aspekt). Zur Musik kann man tanzen. Ich glaube, dass ich die erste CD des Duos noch mehr mag; …

… und durch WALLIS BIRD, in Berlin lebende irische Sängerin, deren CD YEAH einen Überblick über 7 Jahre Live-Dream-Pop gibt. Anspieltip: „Hardly Hardly“.

Die CD BRUTE von FATIMA AL QADIRI enthält auch tanzbare, eingängliche Musik; es bricht aber immer wieder eine gewalttätige Realität ein, etwa durch „a few troublemakers“ mit Pfefferspray und Dienstmarke.

KLANK bezeichnet sich als MusikAktionsEnsemble. Jeder der 4 Bremer Musiker spielt außer einem Instrument „Sachen“ – nicht leicht anzuhören, aber anregend und interessant.

Endlich mal wieder ein infomationshaltiges CD-Booklet. Alle Tracks von JOHANNES MOTSCHMANN’s CD ELECTRIC/FIELDS werden mit ihrem Entstehungsprozess vorgestellt

Der Grund des Erscheinens dieser CD auf der Sommerliste liegt darin, dass AKI RISSANEN sein Album AMORANDOM in Järvenpää / Finnland abgemischt hat. Es klingt nach Järvenpää – ich weiß es, denn ich war mal dort. PS: Der Flügel wurde von Juha Huotari gestimmt. Gut, dass jetzt auch die Klavierstimmer auf der Hülle auftauchen.

Bevor er so schöne elektronische Popmusik machte, war JAAKKO EINO KALEVI (dto. CD-Titel) Straßenbahnfahrer; gut vorstellbar, dass ihm die flaniertauglichen Melodien auf den Tramschienen Helsinkis eingefallen sind.

Meine Piano-CD des Jahres: BEAUTY & TRUTH, JOACHIM KÜHN NEW TRIO. Besonders überraschend Tracks 2 und 8 mit den Doors-Titeln „The End“ und „Riders on the Storm“.

Orgelstücke von Bach als Electronic-CD of the year; das weckt Erinnerungen an Wendy/Walter Carlos‘. 50 Jahre später hat sich der amerikanische Organist CAMERON CARPENTER eine Orgel mit allen ihm wichtigen weltweit gesampelten Sounds bauen lassen; erstmals zu hören auf ALL YOU NEED IS BACH. Natürlich ist es für den Musiker so bequem; aber ist es für den Hörer ein Gewinn, wenn die Originalinstrumente nicht mehr gespielt werden?

Beste Meditationsmusik: WHAT WAS SAID von TORD GUSTAVSEN, JARLE VESPESTAD und der deutsch-afghanischen Sängerin SIMIN TANDER, die Jazz mit Orientalischer Musik und etwas Meredith Monk verbindet.

Die Sparte „TomWaitsiana 2016“ bleibt noch unbesetzt. Es liegt mir einzig und allein die THEATERMUSIK von KANTE IN DER ZUCKERFABRIK vor; darin: The Black Rider.

Immerhin hat mich die Suche nach Tom Waits covers zu ANGELA MCCLUSKEY (CURIO) geführt; sie steht schon lange im Plattenschrank (1994). In ihrer Stimme ist etwas Billie Holiday dabei.

Ich muss auf ältere Aufnahmen ausweichen – die Plattenfirmen schicken immer noch keine Probe-Päckchen. Mein Sommerhit stammt aus dem Jahr 1998: 1,2,3 SOLEILS von TAHA, KHALED & FAUDEL. Seitenscheiben runter, Lautstärke voll auf, mit überwachten 30 km/h die Theo-Heuss (Stuttgarter „Party-Meile“) rauf und runter cruisen, wenn nicht gerade EM-Autocorso-Zeit ist (das wäre dann der Test für Katar).

Meine aktuelle No.1, erstmals mit einer Sopranistin: SIMONE KERMES – LOVE. Skurille Texte, eine unaufdringliche Stimme, Musik aus dem 16./17. Jahrhundert – einfach hinreissend schön. Wie wäre es damit mal auf der Theo-Heuss?

 

 
 
 

Gestern wäre der amerikanische Musiker, Komponist, Autor, Instrumentenbauer und Philosoph Moondog (= Louis Thomas Hardin) 100 Jahre alt geworden. Da ihm aber die Zahl 9 symbolisch von besonderer Bedeutung war, erschienen eine Festschrift und eine CD bereits vor einem Jahr zum 99. Geburtstag. Das Buch – herausgegeben von Arne Blum und Wolfgang Gnida (der auch die spannend informative Website „moondogscorner.de“ betreibt) – ist sehr schön aufgemacht mit vielen Fotos, Texten, Noten, einer Biographie, musiktheoretischen Beiträgen und persönlichen Erinnerungen. Moondog’s corner war lange Zeit die New Yorker Straßenkreuzung 6th Avenue und 52nd Street; dort stand er in einem Wikingerkostüm und verkaufte seine Musik, Lieder und Gedichte; wohl gab ihm als nach einem Lausbuben-Dynamit-Unfall Erblindeten die bekannte Gegend Sicherheit. Ein Fels in der Brandung, ein Riese mitten im New Yorker Verkehr, und mehrmals am Tag fährt Robert de Niro in seinem Taxi vorbei – so habe ich ihn mir vorgestellt, ohne YouTube, vielmehr wie immer gut versorgt mit (kurzen) Informationen von den Radiophon-istas um Achim Hebgen, Harry Lachner und Francis Gay. Die Sendung Radiophon gibt es schon ewig; es ist eine der seltenen am Mixtape-Prinzip orientierten, nicht spartengebundenen Sendungen – gewidmet, so der Untertitel, der Musik aus Klassik, Jazz, Rock und Grenzgebieten. Und in diesen Grenzgebieten bewegt sich die Musik von Moondog, unverwechselbar und immer auch etwas rätselhaft. Der Klassik entspricht das exakte Ausnotieren, das strikte Einhalten von Regeln (des Kontrapunktes, des Kanons, der Tonalität). Zur Improvisation erhält der ausführende Musiker keine Erlaubnis. An Jazz erinnert dagegen der oft akzentuierte Rhythmus, irgendwie swingend. Moondog beschäftigte sich auch mit der Musik der Indianer und baute Trommeln. Er war mit Musikern aller Genres befreundet. Auf Philipp Glass, Steve Reich und die minimal music hatte er wesentlichen Einfluss. Aber auch die Schattenseiten dieser Musik zeigten sich hier wie da: wird sie nicht abwechslungsreich dargeboten, wie dies auf der Jubiläums-CD gut gelungen ist, dann kann es auch mal langweilig oder gar nervtötend werden – wer einmal Michael Nymans Filmmusik ohne Film angehört hat, weiß was ich meine. Die vielen noch nicht aufgeführten Kompositionen warten nicht nur auf werktreue Aufführungen; man darf auf die Coverversionen gespannt sein, die entstehen werden. Das erste Moondog-Cover ist vermutlich „All is loneliness (before me)“ mit Janis Joplin und Big Brother and the Holding Company (unbedingt in der langen Version anhören). Mitten im Stück wandelte Janis Joplin den Text um: „No more loneliness before me“. Optimistisch. Moondog zeigte gemischte Gefühle: er ärgerte sich über nicht dem Original entsprechende Phrasierungen, zeigte sich aber über das Interesse des jungen Publikums an seiner Musik hoch erfreut. Bei moondogscorner.de gibt es ganz neu die Noten zur CD. Vielleicht ist Moodog mit 100 Jahren nicht mehr so streng – falls die Kompositionen das Klavier zum Swingen bringen.

2016 25 Mai

Zweitklassig

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Wenn ich an das 1. Manafonistas-Treffen auf Sylt vor ziemlich genau einem Jahr denke, dann fällt mir auch die Hotelbar mit Sky-Schild und den unbequemsten Hockern der Welt ein. Es war der letzte Tag der Bundesligasaison 2014/2015, an dem erst Minuten vor Schluss die Entscheidung über den Abstieg fiel. Wäre damals der VfB Stuttgart aus der 1. Liga geflogen, wäre meine Laune sicher das restliche Wochenende schwer erträglich gewesen. In diesem Jahr reichte eine Viertelstunde European Song Contest, um sicher zu sein: es gibt Schlimmeres als Fußball. Der Abstieg in die 2. Liga ließ mich kalt – abgesehen davon, dass das letzte entscheidende Spiel gegen die Mannschaft aus einer Stadt stattfand, in der höchstens drittklassige Autos gebaut werden – in Stuttgart ist bekanntlich alles erstklassig. So auch der Abgang; Stuttgart ist die bisher einzige Stadt mit 3 in 1 Saison abgestiegenen Profi-Fußballvereinen! Das konnte auch der grüne Oberbürgermeister mit seinem Dekret, der VfB müsse erstklassig bleiben, und seiner Analyse des Zusammenhanges zwischen Sport und Kaufkraft nicht verhindern. Immerhin trat der Präsident kurz entschlossen zurück; so bleibt es dem Verein erspart, den präsidialen Phantasien folgend eine Marke zu werden. Andere Nachrichten sind eher beunruhigend, legen sie doch nahe, dass alles beim Alten bleibt. Einer der ersten Beschlüsse nach dem Abschied aus der 1. Liga sicherte die Höhe der Managerbezüge auch für die 2. Liga. Sportlich wird der direkte Wiederaufstieg beschlossen. Dazu brauche man Trainer mit großer Bundesliga-Erfahrung. Ein Co-Trainer ist bereits gefunden: er hat die letzten 5 Jahre unter Berti Vogts in Aserbaidschan gearbeitet. Lajlas Worte für Hannover- und Stuttgart-Fans sind leider nicht angekommen. Ein schlechtes Zeichen? Ab morgen: mehr music, weniger beyond.

2015 12 Dez

Da rosa Mond

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Die Post von Andreas Bankhofer kam als Kommentar zu mundartlichen Tom Waits – Covers, die ich anlässlich des Erscheinens der ersten schwäbischen Variante im Vorabend-TV aus dem Plattenregal geholt hatte. Das war am 25.September; ich musste eine Pause einlegen, bin aber wieder da, während der singende Privatdetktiv Huck nach nur 8 Folgen (und die waren schon zu viel) wohl nie wieder in Erscheinung treten wird. Jetzt hoffe ich, dass der nachbarschaftliche Austausch mit den Hunden im Regen wieder in Gang kommt und zu Auftritten führt. Im Stuttgarter Laboratorium zum Beispiel, wo schon die Schweizer Waits-Szene auftrat (Claudia Benaglio, Die Kummerbuben), oder im Merlin (Rüdiger Frank), oder im etwas entfernten Nepomuk (Bukowski Waits For You). Wer weiß noch eine Lokalität, wo sich der doppelte Charme des Waitsschen Wiener Liedes entfalten kann? Um am 25.September anzuknüpfen, erlaube ich mir, Andreas Bankhofers Post (mitsamt der kongenialen Übersetzung von Grapefruit Moon* sowie dem Sound-Cloud-Link zu den hundimregen) aus dem Halbdunkel der Kommentare ans Licht zu schieben.

* Meine Lieblingszeile des Grapefruit Rosé Mondes ist diese:

„spiast net wos i gspia?“

 

 
Andreas Bankhofer, Sonntag, 27. September 2015 um 22:25

 

Lieber Wolfram,
 
das ist aber nett, dass du uns erwähnt hast – d Hund im Regn – und positiv auch noch … Die angekündigte Platte ist leider wirklich noch nie ofiziell rausgekommen – hab alle Aufnahmen fertig – wollt aber dass ein Management das raus bringt – hab das Studio eh schon selber bezahlt – na ja… Wer die Aufnahmen hören will –> https://soundcloud.com/hundimregen/sets/waits-fia-wean
Ich hab mich bemüht aus den Songs vom Herrn Waits Wienerlieder zu machen – und das funktioniert erstaunlich gut … Soll ma mal bei euch in Deutschland spielen? Wenn du denkst das tät wo passen … Gib mir einen Tip – wir sind zu jeder Schandtat bereit – wir täten uns freun … Schau ma mal … Wenn jemand eine (Vorab)CD haben will – Gern –> über –> andychow.eu
 
Alles Liebe für dich und den Rest unserer Nachbarn – Andreas

 

Weilst kein Textbeispiel hast – schick ich dir eins (gleich mit Übersetzung):
 
Da rosa Mond
(Grapefruit moon)

Da rosa Mond, a Sterndal blinslt,
(Der rosa Mond, ein Sternchen blinselt)
blinslt hea zua mia
(Es blinselt zu mir)

I hear des Liad do, I heu und I winsl,
(Ich höre dieses Lied, ich weine und winsle)
spiast net wos i gspia?
(Spürst du nicht was ich spüre?)

Weu imma wonn is hea des Liadl
(Denn immer wenn ich dieses Lied höre)
Bricht in mia wos zom
(Bricht in mir etwas zusammen)

Da rosa Mond, des Sterndal blinslt,
(Der rosa Mond, das Sternchen blinselt)
mea ois I vagroftn ko
(Mehr als ich verkraften kann)

I woa danebn, hob net gwusst wos longgeht,
(Ich war neben der Spur, habe nicht gewusst wie es weiter geht)
hob nix checkt, hob ois vasamt
(Habe nichts verstanden, habe alles versäumt)

Oba donn bist du kumman, und host ma ois sche grodgricht,
(Aber dann kamst du, und hast mir alles geradegerichtet)
Nua wos des kost hod, echt, vadommt
(Nur was das kostete, wirklich, verdammt)

Und imma wonn is hea des Liadl
(Und immer wenn ich dieses Lied höre)
Bricht in mia wos zom
(Bricht in mir etwas zusammen)

Da rosa Mond, des Sterndal blinslt,
(Der rosa Mond, das Sternchen blinselt)
mea ois I bockn ko
(Mehr als ich tragen kann)

A Viadl rot, 2 weiße Spritza,
(1/4 Rotwein, 2 Weiswein mit Soda)
I suach was fia mei Gspia
(Ich suche etwas für mein Gespür)

Oba mir gehts ois wia an Stean im Wödoi,
(Aber mir geht es wie einen Stern im Weltall)
mi straats, i kolapia
(Ich falle, und kolapiere)

Wö imma wonn is hea des Liadl
(Denn immer wenn ich dieses Lied höre)
Hauts mi in d’ Breduin
(Bringt es mich in eine Bredouille)

da rosa Mond, des Sterndal blinslt,
(Der rosa Mond, das Sternchen blinselt)
Ois ondre is faluan
(Alles andere ist verloren)

Ein wunderschönes Liebeslied – …
 
Alles Liebe – Andreas

2015 9 Dez

Best Friends 2015

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… viel Piano:
 
Thomas Enhco – Feathers
Iiro Rantala – My Working Class Hero
Michael Wollny – Nachtfahrten
Enrico Pieranunzi – Tales From the Unexpected
Yaron Herman – Everyday
Robert Glasper – Covered
Patrick Bebelaar – Reflection In Your Eyes
Julia Hülsmann Quartett – A Clear Midnight
Tigran Hamasyan – Luys i Luso
Philip Glass – The Complete Piano Etudes
Glenn Gould – Remastered Columbia Records
 
 
… und Anderes:
 
Doran, Stucky, Studer, Tacuma – Call Me Helium
Matana Roberts – Coin Coin Chapter Three
Hommage À Eberhard Weber
Marcus Miller – Afrodeezia
Erkki-Sven Tüür u.a. – Gesualdo
John Zorn – The Song Project
Monoswezi – Monoswezi Yanga
Bob Dylan – Shadows in the Night
Grand Corps Malade – Il nous restera ca
 

2015 25 Sep

Die Schterndrln blinken

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Die Besprechung der ersten ins Schwäbische übersetzten Cover-Versionen von Tom-Waits-Songs, auch vorgetragen von Patrick von Blume aus Ravensburg/Oberschwaben, kam daher wie eine Cover-Version des Marketing-Spruchs fürs Ländle: statt „Mir könnet älles außer Schwäbisch“ „Mir könnet älles außer Tom Waits.“ Der gab sich gelassen und erteilte prompt das copyright; wahrscheinlich ist er des Schwäbischen nicht mächtig, oder das Album „Mit Herz und Fauschd“ gefiel ihm wirklich – z.B. die Kaltblütigkeit, mit der Patrick von Blume die 16 Silben „Die Kerle send beim VfB em Gottlieb-Daimler-Stadion“ in einer Liedzeile unterbringt, für die Tom Waits nur 9 Silben vorgesehen hat.

Ansonsten ist es wie mit allen Coversongs: ist was Eigenes dabei? Wird was Neues darin entdeckt? Oder ist es nur eine Anpassung an den kollektiven Musik-und Muzak-Geschmack? Tom Waits gehört wahrscheinlich mit zu den meistgecoverten Musikern, und die qualitative Bandbreite ist entsprechend groß, zumal in besonderer Weise die Gefahr besteht, vom Interpreten zum Imitator zu werden. Die zweite Falle lauert in der Einfachheit der Waits-Kompositionen: gelingt es nicht, etwas Kreatives hinzu zu fügen, dann können sie auch quälend langweilig sein.

Eine Möglichkeit, was Eigenes zu den Originalsongs beizutragen, ist die Übersetzung der Texte. Auch das kann schief gehen (besonders wenn Waits-Klischees verdoppelt werden); aber es gibt doch eine Reihe intelligenter und witziger und damit geglückter Versuche in mehreren Sprachen: italienisch, schwedisch, norwegisch, holländisch, spanisch, polnisch, russisch, hebräisch – dazu demnächst mehr. Heute ein paar TW-Cover-Versionen in österreichisch und kölsch.

DIE Kölner Waits-Cover-Band um den Sänger Gerd Köster (der auch alle Lieder übersetzt hat) entlieh sich den Waits-Titel „The piano has been drinking“ als Bandnamen und sang das Lied auf Kölsch: „Dat Klavier, dat hät jesoffe“. Es gibt 2 CDs, eine mit Studio- und ein paar Live-Aufnahmen, die andere vollständig live, beide randvoll mit Waits-Titeln. Die Band swingt ausgesprochen locker, und Kösters Stimmlage ist so weit von der des Meisters entfernt, dass man es nicht unangenehm als Nachmachen empfindet, auch wenn man sich vorstellen kann, wie Köster vor dem Plattenspieler seinen Waits gelernt hat. Den Kölschen Dialekt, bekannt für seine gute Singbarkeit, zu verstehen, ist eine Herausforderung; ein paar Liedtitel (deren Original zu erraten den Waits-Fans keine Schwierigkeiten machen dürfte):

Wärm Bier & köhl Wiever, Weihnachtskaat vunnem Flittche vum Eijelstein, Do kanns nix dofür wenn do dräums, Kei Minsch, Anfürsich es et Blues …

Die Weihnachtsgrüße, diesmal von aner Hur aus Floridsdorf, finden sich auch auf der CD „Ambros singt Waits“ – eine der ersten ausschließlich mit Waits-Songs. Das Österreichisch versteht man problemlos – vielleicht ist das ein Beleg dafür, dass mainstreamartig produziert wurde. Wolfgang Ambros singt brav, die Begleitmusiker sind langweilig; Waits-Stimmung bleibt aus.

Langgezogenes, geslidetes, richtig fieses Österreichisch kann man bei einer Band hören, die sich auch nach einem Titel von Waits („Rain Dogs“) benannte: „Wia d Hund im Regn“.

Die 4 Musiker stellen die These auf, Tom Waits habe seine Lieder in Wien geschrieben und später ins Englische übersetzt … wie dem auch sei: Wia d Hund im Regn sind zugleich am eigenständigsten von den vorgestellten Musikern und Waits am nächsten. Die angekündigte CD ist wohl nie erschienen; bei Myspace findet man aber einige Titel. Leider kann ich keine Textbeispiele anfügen – ich verstehe die Sprache nicht; außerdem bräuchte man an der Computertastatur ein Modulationsrad. Doch, jetzt habe ich was verstanden: „Die Schterndrln blinken“.

Irgendwann hot s sai missa; ond jetzt hot s halt no Platz ghet uff dera CD „Mit Herz und Fauschd“ zur Promoschion von r neia „Vorabendserie“ em Erschta: HUCK. Der isch Privatdetektiv in Bad Cannschtatt ond soll a bissle gscheitert aussäha, ganz was Neis fir an Privatdetektiv, ond do solls in Ermangelong von m au bloß oinigermaßa gscheita Drehbuach halt Tom Waits richta. Was drbei rauskomma isch? D Fernsähr auslassa om die Zeit, ond d cd-bleier auf die Titl 2 (Hechschde Zeit) und 10 (Gräpfruht Mond) programmiera. Älles andre isch zom drvohlaufa. Aber des lange iiiii in Zeiiiiit, des hot äbbes, do klengt r audentisch, dr Patrik von Blume aus Ravensburg, Oberschwoba.

Gesundheitlich kann einen ja immer wieder was Neues erwischen, man mag gar nicht in den Pschyrembel mit seinen morbiden Bildern schauen. Diesmal bestätigte sich, dass kein Alkohol auch keine Lösung ist, d.h., ich sah auch ohne Getränke am Computerbildschirm oder im Fernsehen alles doppelt. Beim Tatort ist das nicht weiter schlimm; aus dem Mord wird halt ein Doppelmord, und da sind wir anderes gewohnt. Richtig lästig ist es bei Fußballübertragungen, wenn sich plötzlich 44 Spieler und 8 Schiedsrichter und 2 Bälle auf dem Platz bzw. dem Bildschirm tummeln.

Das Schreiben mit 20 Fingern mit verdoppelten Tasten macht die Arbeit am Computer fast unmöglich. In Krisenzeiten tendiere ich zu Rückzug, um mich auf das Lebensnotwendige zu konzentrieren. Inzwischen geht’s mit dem Sehen besser, durch Augentraining und Schonung (ins Grüne schauen); auch die Stimmung ist bereits gestiegen. Also gibt’s demnächst wieder Beiträge von mir.
 
 
PS 1. Vielleicht einen (oder zwei) zur Überwindung des Monotheismus? Zwei x Gott, zwei x Papst, „Two Bourbon two Scotch two Beer“ (John Lee Hooker).

PS 2. Gerade lese ich in der Zeitung: Papst Franziskus und Papst Benedikt planen einen gemeinsamen Single-Urlaub.

PS 3. Was für Päpste und Fussbälle gilt, gilt auch für Buchprojekte: zwei sind besser als eines, denn wird das eine gestorben, dann ist immer noch das andere da.

PS 4. Was antwortete doch Jürgen von Manger zu seinem Fahrlehrer, als der ihn fragte, was bei zwei nachts entgegenkommenden Lichtern zu tun sei: „Dat sinn zwei Motorräder, da fahr ich am besten zwischen dorch, woll?“

PS 5. Es passt nicht ganz zur Jahreszeit, aber umso besser zum Thema, und stammt sinngemäß aus der wirklich witzigen Psychoanalytikerkomödie „Was ist mit Bob?“:
 
 
Frühlingsgedicht eines Schizophrenen
 
Es blühen die Tulpen,
es blühet der Lauch.
Ich bin glücklich –
und ich bin es auch.

„Das Hip Hip Hip Geklapper der Schreibmaschine könnte auch eine Musik-Kassette sein. Die Töne des Herzens wachsen aus diesen Büchern dunkel und tief. Die Schwingungen der Zeit reißen an den Nervenenden. Jedes Wort ein Laut. Jeder Laut ein Schrei. Und ein großes Lachen.“ (Heidi und Peter, in: Geniale Dilletanten, Merve Verlag, 1982, S.127)

 

Die Diskussion um das Manafonistas-Buchprojekt geht weiter.

 
siehe: Room 105, 3.Juni 2015, Kommentare


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