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2017 26 Jul

Trimpele, Trampele

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Noch mehr singende Tatort- und Polizeiruf 110-Kommissare und -Kommissarinnen
 
 
Es fing mit Paul Stöwer (Manfred Krug) und Brocki Brockmüller (Charles Brauer) an und wurde zum Massenphänomen: Tatort – Kommissare lieben es offensichtlich zu singen, entweder bei einer Fahndungspause im Film oder im anderen Leben auf der Bühne oder im Club. Meine nicht verifizierte These heißt: keine andere Berufsgruppe singt so viel wie die Tatort-Kommissare. Außer vielleicht Cowboys. Auf keinen Fall Serienärzte. Irgendwo in den Archiven der Manafonistas befindet sich eine Liste mit ca. 20 singenden Tatort-Kommissaren. Nun wird es Zeit für eine Ergänzung. Nebenbei: Polizeiruf 110 wird dem Tatort gleichgestellt.

Den kürzesten Beitrag zu dieser Sammlung hat das neue Dresdner Team (Lessing / Dorn) geleistet: das a capella vorgetragene Doldinger-Intro zum Tatort dauert nach kurzer Diskussion etwa 7 Sekunden. Da wird es noch hektischer als in echt, wenn der Flaschenöfffner noch gesucht werden muss oder jemand gerade jetzt die Diskussion anfängt: darf bei der derzeitigen Weltlage und bei diesem Wetter und überhaupt Tatort noch geguckt werden? Schnauze! Ja! Ruhe jetzt!

Nora Tschirner (Kira Dorn) hat Banderfahrung; von 2012-2015 war sie Mitglied der Gruppe „Prag“, die stilistisch an Element of Crime erinnert – und ohne die Strenge und Dominanz transportierende männliche Stimme vielleicht sogar an Julee Cruise. Mut und Eigenständigkeit wünscht man ihr auch im Tatort Weimar, dessen Debut ganz witzig war. Für das in Tübingen kursierende Gerücht, Nora Tschirner sei auch bei Konzerten der Randgruppen-Combo zur Erinnerung an den DDR-Liedermacher und Baggerführer Gundermann dabei gewesen, konnte ich keine Belege finden.

Carlo Menzinger (Michael Fitz) brauchte 17 Jahre und eine Erbschaft, um sich von den mobbenden Kollegen Ivo Batic (Miroslav Nehmet) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) zu befreien. Fitz und Nemec treten häufig als Sänger / Musiker auf, Wachtveitl durfte beim Presseball mal mitsingen.

Matthias Brandt (Hanns van Meuffels), der nur noch wenige Male im Polizeiruf 110 dabei sein wird, hat ein kleines Buch über seine Kindheitserinnerungen geschrieben: zurückhaltend, das politische Geschehen in Bonn aus Kindersicht schildernd, ironisch und mit Sinn für Magie, etwa wenn es darum geht, einen angezündelten Vorhang zu beschwören. Aber es geht ja um Musik: die liefert der Musiker Jens Thomas mit seinen ergänzenden Erinnerungen auf der CD „Memoryboy“. Bei 2 Liedern singt Matthias Brandt mit.

Die Berufung von Meret Becker zur Tatort-Kommissarin Nina Rubin in Berlin gehört sicher zu den besseren Personalentscheidungen der ARD, zumal Meret Becker den neuen Job ernst zu nehmen scheint und die in ihren früher eher hingehauchten Liedern präsentierte Kindlichkeit überwindet. Auch die Stimme ist größer und erwachsener geworden, wie etwa bei Leonhard Cohens Seniorenhymne Dance me to the end of love eindrücklich zu hören.

Das Video mit Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) ist höchst dramatisch – fast ein kleiner Tatort für sich. Bei einer Observation vertreiben sich die beiden die Zeit damit, ein Lied von den Sportfreunden Stiller zu singen, und zwar die Rap-Romanze „Es muss was Wunderbares sein, von mir geliebt zu werden“ (wobei die Sportfreunde, vom dir zu mir, einen wichtigen Konsonanten des Originals verändert haben.) Dann geht es actionmäßig wild zu im Weißen Rössl am Wolfgangsee; er liegt im Sterben, sie wird hysterisch, man weiß nicht, was schlimmer ist.

Ernst Bienzle (Dietz-Werner Steck) gehört zu den Schwaben, die zum Lachen in den Keller gehen und dann Ärger mit dem Hausbesitzer bekommen wegen der Treppenabnutzung (Original-Tatort-Thema). Umso mehr ist man überrascht, wenn Bienzle in der Stuttgarter Markthalle plötzlich zu singen beginnt:
 

„Solang ich leb auf Erden,
sollst du mein Trimpele-Trampele sein,
und wenn ich einst gestorben bin,
dann trampelst hinterdrein.
Fiderullarulla rulla la la la.“

(5.Strophe des Liedes „Wohlan, die Zeit ist kommen“; aus: Des Knaben Wunderhorn)

 
Auch wenn der Zusammenhang mit der Festnahme eines offensichtlich behinderten jungen Mannes seltsam anmutet, so ist und bleibt das Lied ein Kleinödle deutscher Dichtkunst.

Mehr lieben wir freilich Ringelnatz – nur nicht, wenn jemand seine Gedichte so distanziert, fast gelangweilt vorträgt wie Devid Striesow (Jens Stellbrink) dasjenige mit dem Titel „Der Briefmark“:
 

„Ein männlicher Briefmark erlebte
Was Schönes, bevor er klebte … .“

Ringelnatz wäre dagegen was für Marie Gruber (Rosamunde Weigand, Kriminaltechnikerin), die seit einigen Jahren im Ensemble „Bukowski Waits For You“ mitwirkt und auf Berlinerisch Texte dieser beiden und von Knef, Lindenberg u.a. vorträgt.

Wer nach all den prominenten singenden Kommissaren des gehobenen Dienstes zwei uniformierte singende Streifenpolizisten begleiten möchte, der ist mit diesem Video gut bedient: „Atemlos durch die Nacht“ aus dem Polizeifunk.

Das ist auch die Überleitung zum letzten Tip: im Til-Schweiger-(Nick Tschiller-)Tatort „Der große Schmerz“ wechselt Helene Fischer die Genres andersrum vom Gesang zur Schauspielerei. Dunkel gekleidet und mit schwarzen Haaren ist sie nicht gleich zu erkennen: sie entführt Frau und Tochter von Nick Tschiller, darf sich dabei ein bißchen prügeln und gehört eindeutig zu den Bösen – oder nicht?
 
Ein kleiner Nachtrag: nicht alle musikalischen Kommissare singen. Maximilian Brückner (Franz Kappl) spielt Tuba.

Auch wenn die Zeitung noch täglich auf der Türschwelle liegt, so erreichen einen die schlechten Nachrichten meist übers Internet, zum Beispiel über die aufdringlichen Startseiten der Browser, derer man sich kaum erwehren kann. Man liest viel Unnötiges, müllt sich das Kurzreitgedächtnis mit Belanglosem zu, und dann fällt dir eine Überschrift wie diese auf – und dein Leben hat sich verändert.

Am 21. Juli 2017 hieß eine solche Meldung: „Sängerin stirbt während ihres Konzertes.“ Todesursache: Herzstillstand, wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem elektrischen Stromschlag, vielleicht wegen der Gewitter in der Gegend, die an diesem Abend mehrfach zu Problemen mit der Stromversorgung führten; vielleicht kam noch dazu, dass die Sängerin barfuß auf ein defektes Kabel trat.

Barbara Weldens aus dem Herault wurde nur 35 Jahre alt. Ihre Karriere als Musikerin hatte erst vor einem Jahr so richtig begonnen, verlief dann aber rasant: sie bekam mehrere bedeutende Chanson-Preise verliehen, veröffentlichte ihre erste und einzige CD „Le grand H de l’homme“ im Februar 2017 und hatte eine große Sommertournee durch Frankreich vor sich.

Eine Station – die ungeahnt letzte – war das mittelalterliche südfranzösische Städtchen Gourdon-en-Quercy, wo jedes Jahr das Festival Léo Ferré in der gotischen Église des Cordeliers stattfindet. Es ist ein ruhiger Ort, der den 100-jährigen Krieg ebenso wie den Einmarsch der deutschen Wehrmacht überstanden hat, auf einem Hügel gebaut, mit weitem Blick in das Land, mit engen Gassen und vielen Kirchen. Ein Ort zum Sterben? Inmitten von Musik? Schnell, ohne nachdenken zu können oder zu müssen, und ohne zu leiden? Und gleich das nächste Klischee: was für eine Verschwendung von Talent und Kreativität! Wie viele glückliche Momente hätte sie ihren Fans, ihren Freunden noch geben können!

Der innige Kontakt zum Publikum ist selbst auf den kleinformatigen YouTube Videos zu spüren. Barbara Weldens war in einem Wanderzirkus groß geworden, jonglierte und arbeitete am Trapez. Später gründete sie mit ein paar Freunden den Circo Solo, den man in einer Besetzung von 1-4 Artisten und 1-3 Hunden für Straßenfeste und Kindergeburtstage engagieren konnte.

Anders als der meist stille Léo Ferré zeigte sich Barbara Weldens extravertiert, emotional offen, lebhaft, extrem ausdrucksfähig, mal leise, mal laut, beheimatet in der Tradition des französischen Chansons und „beyond“, mit einer wandlungsfähigen Stimme und einer Mimik und Gestik, die an Jacques Brel erinnert. Die erwähnte CD ist gelungen; man kann sie ergänzen durch ein paar technisch professionelle Video-Clips.

2 Tage lang lief hier Barbara Weldens Musik. Ich habe meine Zweifel, ob sie wirklich tot ist.
 
 

Barbara Weldens – „Purple Room“

 

Nun hat also auch für den schwarzgelben Fan unter und in uns die Fußballsaison noch happy geendet, nachdem bereits letzte Woche Hannover auf-, Stuttgart glanzvoll auf-, Düsseldorf nicht abgestiegen sind. Aber wieso wurde Helene Fischer in der Halbzeitpause in Berlin ausgepfiffen? Ich dachte eher, dass es gemeinsame Schnittmengen o.ä. bei den Fanclubs gibt. Freddy Bobic, früher Stuttgart, jetzt Frankfurt, immer gern mehr Äffle als Pferdle, hatte eine Erklärung parat: „Weil wir Fußball spielen und die wahren Fans des Fußballs haben da in der Halbzeitpause keine Lust drauf.“ Geht es also um ein Stück Leitkultur: wir singen, wenn wir gefragt sind (gell, Herr Özil? Und laut wie Buffon)!“ Auch Anastacia bekam den Unmut der „Fans des Fussballs“ zu spüren, als sie zum Ende der Saison im Münchner Stadion in der Halbzeit nicht zu leise, aber zu lang sang; das Spiel wurde mit einer Viertelstunde Verspätung wieder angepfiffen. In Stuttgart ist für Verspätungen kein Star zuständig, sondern der Stadionwirt. Der ist bei jedem Heimspiel aufs Neue überrascht, dass nach 45 Minuten Pause ist, und beginnt, die Würste auf den Grill zu legen … Wahrscheinlich hängt eh alles mit den Würstchen zusammen: wer kann schon mit einer Wurst in der einen, einem vollen Pappbecher in der anderen Hand auf die Eins klatschen? Da hatten es die Stuttgarter mit ihren Aufstiegspartygästen DIE FANTASTISCHEN VIER besser: die Fäuste kann man auch mit Roter Wurst und Bier in die Luft strecken, vorausgesetzt, man hält die Wurst ganz fest und den Pappbecher eher weniger fest umklammert.

Man hat ja in diesen Zeiten auferstandener faschistischer Archetypen viel auszuhalten an Tagesschaubildern, einschlägigen Talkshows und anschließenden aufgeregten Diskussionen vor dem Fernseher. Sogar die Holländer bekamen den Nazi-Vorwurf angehängt, obwohl sie eigentlich Opfer und Gegner der Nazis waren. So nahm ich es als glücklich spät Geborener auch stellvertretend hin, wenn einem in den Siebzigern trotz Rudi Carrell in Amsterdam irgendwas mit Nazi hinterher gerufen wurde. Den Schweizern der 80er Jahre sah ich das nicht nach; ich war sehr irritiert, ausgerechnet von 2 jugendbewegten Züricher Punks als Deutscher und Nazi beschimpft zu werden. Mein Kriegsverbrechen: ich hatte keine Zigaretten dabei. Überhaupt war ich bei diesem Zürichaufenthalt mehr und mehr Mark Twains Meinung, die Schweizer seien ein kleines zänkisches Bergvolk. Unvergessen, wie mich der Führer eines öffentlichen Linienbootes auf einer einsamen Insel im Zürichsee aussetzte, nur weil ich darauf bestanden hatte, eine am Ufer erstandene Schüblig-Bratwurst an Bord in Ruhe aufzuessen statt sie in meine Hosentasche zu schieben. Wer ist hier Nazi, wer Opfer, wer Antifa? Eine Pegida-Demo kann ich auch bei ausgeschaltetem Ton von einer Kundgebung arbeitsloser spanischer Jugendlicher unterscheiden. Fußballfans machen mir keine Angst; als aber einem 12-Jährigen, der zu Besuch in Stuttgart weilt, wegen seines falschen Schals „Dich zünd’ ich an!“ hinterhergeschrien wird, fällt mir Wilhelm Reichs Buch „Die Massenpsychologie deś Faschismus“ ein. Die Masse macht Angst; die Masse gibt Geborgenheit. Sie macht Angst, weil sie Geborgenheit gibt, völlig unabhängig von den Inhalten. Ob ich bei Helene Fischer auf die 1 klatsche oder bei den Bots (grüne Landsleute von Heintje) auf die 2 aufspringe und in lustigem Dialekt „Upstan!“ gröle, bedeutet beides die Aufgabe der eigene Persönlichkeit. C.G. Jung, wohnhaft am o.g. Zürichsee, war von der Masse fasziniert, wie Luis Trenker oder Leni Riefenstahl. Und an dieser Stelle der Diskussion bringe ich stets Alphonse Mouzon ein. Das verwundert, aber ich kann mich auf Joachim Ernst Berendt berufen, und damals waren Päpste noch unfehlbar. Nur Freund Dr. Music widersprach. Das könne nie und nimmer sein, dass Berendt diesen sensiblen, seine Burg aus Schlagwerk so individuell bedienenden Musiker des Faschismus’ bezichtigt habe. Ich bin durch Dr. Music sonst leicht zu verunsichern, besonders wenn er sein Tablet aus der Jackentasche zieht. Aber diesmal war ich mit dem Original-Buch „Ein Fenster aus Jazz“ schneller: auf Seite 272 findet man ohne Angaben zur Erstveröffentlichung den Artikel „Die neue Faschistoidität in Rock, Jazz und überall“. Überall – das ist da, wo sich das Schöne, Starke, Gesunde, Mächtige über das Andere erhebt und dieses zu vernichten trachtet. Dies aber Musikern wie Jan Garbarek, John McLaughlin oderr Keith Jarrett zu unterstellen, nur weil sie „schön“ spielen, ist nicht angebracht; Dr. Music wunderte sich kurz und bestand darauf, nun die Stelle mit Mouzon präsentiert zu bekommen. Doch der war in dem ganzen Aufsatz nicht zu finden. Seither bin ich auf der Suche – rechts oben auf einer ungeraden Seite war ein Foto von Mouzon abgedruckt. Erinnert sich jemand daran oder an die Debatte, die damals sicherlich stattfand? „Joker“!

2016 6 Dez

Top Twenty 2016

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01 Lucinda Williams – The Ghosts of Highway 20 (Thirty Tigers)
02 Hannah Epperson – Upsweep (listenrecords)
03 Hélène Grimaud – Water (Deutsche Grammophon)
04 Glauco Venier – Miniatures (ECM)
05 Brian Eno – The Ship (Warp Records)
06 Joachim Kühn New Trio – Beauty & Truth (ACT)
07 Michael Wollny Trio in Concert – Klangspuren (ACT)
08 Tord Gustavsen – What was said (ECM)
09 Asya Fateyeva – Saxophone (Deutschlandradio u.a.)
10 Robert Glasper & Miles Davis – Everything is beautiful (Sony)
11 Johannes Motschmann – Electric Fields (Neue Meister)
12 Wolfgang Rihm – Two Other Movements (SWRmusic)
13 Christian Jost – Berlinsymphonie (Neue Meister)
14 Meredith Monk – On Behalf of Nature (ECM)
15 Pelle Gudmundsen-Holmgreen – Green Ground (Dacapo)
16 Roisin Murphy – Take her up to Monto! (Play It Again Sam)
17 Me And My Drummer – Love is a Fridge (Sinnbus Bln)
18 Fatima Al Qadiri – Brute (Hyperdub)
19 The Tiger Liliies & Cole Porter – Love for Sale (opera north
20 Masabumi Kikuchi – In Concert (ECM)

 

zu 01 – Bill Frisell, g
zu 08 – mit Simin Tander und Jarle Vespestad
zu 15 – Kronos Quartett, Theatre of Voices, Paul Hillier in Concert

 

Bis vor Kurzem musste man mich überreden, in eine Country-CD auch nur reinzuhören – das Lucinda Williams-Doppelalbum lief dann bis zum Schluss mit gemischten intensiven Gefühlen durch (einen ähnlichen Effekt hatte der Film „Winter’s Bone“, der zwei Seiten der „ländlichen Gebiete“ der USA zeigt). Auf Platz 1 hätten die Nummern 2-7 genausogut stehen können, z.B. die Loop-Artistin Hannah Epperson. Ansonsten viel Piano-Musik, eher ruhig. Black music fehlt fast völlig, ganz anders als ich es selbst eingeschätzt hätte; da muss ich ich bei den anderen Manas mal umschauen. Auch kein Tom Waits, obwohl der Tip „Vert – The Days Within“ gut war (aber leider von 2015, Michael hätte das gemerkt).

2016 4 Dez

Song of the day

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The Brodsky Quartet & Elvis Costello – „My Mood Swings“

 

Es gibt Tage, die sind so grau, dass man mittags nicht mit Sicherheit sagen könnte, ob man die Rollläden schon hochgezogen hat oder nicht. Das sind die Tage, an denen einem Lieder wie dieses begegnen, glückliche Tage …

 

A
 
John Cage – Waltz
The Beasts of Bourbon – Flat Hat
Joni Mitchell – Lakota
William Borroughs / Oregon – Playground in Nuclear Winter
Billie Holiday – Moonlight in Vermont
Filmmusik aus „Mississippi Burning“
Quincy Jones – Back on the Block
Dexter Gordon in „Round Midnight“
Ralph Moore – My One and Only Love
Hal Wilmer’s Disney Project
Filmmusik aus „Sea of Love“
Kurt Weill / Tom Waits – What keeps mankind alive
The Klezmatics – Bei mir bist du schön
Isabella Rosselini – Blue Velvet
Robert de Niro in „Taxi Driver“
Prince – Joy in Repetition
Arthur Honegger – Union Pacific
Janis Joplin – Mercedes Benz
Moondog – Loneliness before me
Steve Reich – Different Trains
 
 
B
 
Samuel Barber – Adagio for Strings
Albert Collins – Iceman
„Min singt seine Sehnsucht“ (Vietnamesisches Kinderlied)
Arrested Development – Man’s Final Frontier
Miles Davis – Duke Booty
Kronos Quartett – Purple Haze
Laurie Anderson – O Superman (Live in Stuttgart)
Antonin Dvorak – Aus der Neuen Welt
Chris Isaac, aus „Wild at Heart“
The Eagles – Hotel California
Johnn Phillip Sousa – Wave the Flag
Gil Evans – What a Show!
Napalm Death – You suffer
George Crumb – Music for a Summer
Flaming LIps – What a Wonderful World
Fania Allstars – Salsa
Dreamwarriors Album
 

2016 29 Aug

Listen, please

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In meinem Bemühen, die Welt ordnend zu verstehen, oder bescheidener, zu überschauen, erwiesen sich Listen oft als hilfreich. Auch bei den Manafonistas erscheinen regelmäßig Listen; allein heute morgen habe ich mehrere entdeckt: Michael erwähnt eine kleine Liste von Sologitarrenalben; Martinas „saucerful“ ist eine schöne Mengenangabe für eine Liste „of poems with a deliberately chosen chaotic structure“; Ian enthüllt eine Tafel mit der Liste der in Berlin entstandenen Alben David Bowies; Manafonistas zitiert Raylan Givens: „I once met a man who made model reconstructions of famous aviation disasters“, eine Liste im Maßstab 1:50 o.ä.; Lajla verrät, wo sie gern Leuchtturmwärterin wäre (zugegebenermaßen eine sehr kurze Liste, aber mathematisch gesehen ok); Ian ist zeitig dran mit dem Listenklassiker „Best of the Year“; und ich habe immerhin ein T-Shirt an mit dem Aufdruck „1982 Mixtape Championship“ – ist ein Mixtape doch nichts anderes als eine Cassette gewordene Liste zur Dokumentation der eigenen musikalischen Kompetenz, in der spontanen öffentlichen Wirksamkeit allerdings übertroffen von Gregors Jukeboxen, wo die Verortung auf der Liste der zu drückenden Titel vor Publikum stattfindet. Rolf Miller würde über die Liste vermutlich sagen: „ist immer“, und ein kurzer Blick in die Zeitung bestätigt dies: man erfährt, dass „Desert Islands Discs“ seit 40 Jahren einer der beliebtesten BBC-Sendungen ist, dass Peter Handke „11. Gebote“ sammelt, und dass ein paar Balken auf die Survival List eines Preppers (von „be prepared“) gehören. Dagegen ist meine heutige Einkaufsliste harmlos – auch wenn Handke den Tag ganz ohne Fernsehen und Geldausgeben lobt – und kaum der Veröffentlichung wert. Es bleibt offen, welche die erste der „Liste der Listen“ wird. Die Katastrophen- und Kriegsprepper haben gute Chancen. Oder ich vertraue „Duck and Cover“, der Atomschutzkampagne der 50er-Jahre in den USA, und stelle Günter Freunds „Schlagerskala“ vor. Weil sie so spät lief, habe ich sie heimlich unter der Bettdecke gehört.

2016 1 Aug

Wilder Engel

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Es war viel zu warm in dem Wartezimmer; draußen stand die Luft so still wie die Autos im Stau. Doch plötzlich flogen alle Fenster mit viel Lärm zu, und für eine kurze Weile heulte Wind ums Haus. Dann klingelte es, Mutter und Tochter kamen herein. Das Mädchen schlug sofort vor, ihren Erste-Klasse-Zeugnisspruch vorzulesen. Er lautete etwa so: „Wo ich gehe, wo ich stehe, stets weht mein Engel vor mir her.“ Die beiden passen gut zusammen. Hoffentlich bekommt der wilde Engel nie wegen Hyperaktivität Ritalin verschrieben. Abends habe ich nach Jahren Julee Cruise gehört; Musik: Angelo Badalamenti. Soviel zu den Engeln.

2016 28 Jun

Stolpern über CDs

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Es ist jedes Jahr dasselbe: soeben habe ich Version 8.5 meiner Lieblings-Musik-Software heruntergeladen, trotz aller guten Vorsätze, bis zur nächsten Musikmesse in Frankfurt auf Version 9.0 zu warten. Es ist noch lange bis Weihnachten oder Februar, und weil es sogar bis November so lang ist, erscheinen regelmäßig im Sommer die Manafonistas-CD-Halbjahres-Überblick-Listen – eine nie versiegende Quelle zuverlässiger Musiktips. Nun sortiert sich wahrscheinlich bei Michael alles bereits auf die nächsten Klanghorizonte hin; und bei einem verantwortungsbewußten Musikboxen-Vertreter wie Gregor erwartet man ohnehin eine von 1-100 durchnummerierte Ordnung im Basislager. Meine Liste dagegen entsteht beim Gang durch die Wohnung: von Küche bis Badezimmer suche ich aus Discmen, Computerschubladen, Wohnzimmeranlagen, Radioweckern und Ghettoblastern meine aktuellen CDs zusammen. Ich bin erstaunt, was ich alles gehört habe in den vergangenen Wochen. Bereits jetzt fest zu legen, welche CD Ende des Jahres auf welchen Platz kommen wird, erscheint mir schwierig. Deshalb bleibt meine sommerliche „toptwentyfive“-Liste unnummeriert:

CHARLES MINGUS: LIVE AT MONTREUX 1975, DVD (!): Sollte man mal vergessen, was Jazz ist, dann reicht es, dieses energiereiche Video einzulegen. (Es singt im Stil eines isländischen Fußballreporters: Saxophonist George Adams.)

Dagegen wirkt JOSÉ JAMES so smart, dass man ihm seine Behauptung nicht glaubt: YESTERDAY I HAD THE BLUES. Das ist bei fast allen Billie Holiday Tributes so.

Es gibt Holiday-Seelenverwandte, z.B. JEANNE LEE, deren 1961 erschienenes Album seinen Titel THE NEWEST SOUND AROUND zu Recht trägt; wegweisend auch Pianist Ran Blake.

Dagegen klingt WOLFGANG DAUNER auf der CD DAUNER & DAUNER mit seinen Stop and Go Kompositionen etwas kühl; vielleicht hätte er bei Sohn FLO und Fanta 4 mitspielen sollen.

Gefühlvoll KHATIA BUNIATISHVILI, piano solo – MOTHERLAND; doch Vorsicht: es gibt auch das Mutterland des 19.Nervenzusammenbruchs.

Auch YO-YO MA zieht es mutterwärts: SING ME HOME, vom SILK ROAD ENSEMBLE unaufdringlich begleitet auf der CD zum Film „The music of strangers“.

Ein Mixtape zum Thema WATER ist HÉLÈNE GRIMAUD gelungen; 8 Klavierstücke, romantisch bis zeitgenössisch, werden ergänzt durch musikalische Meditationen von NITIN SAWHNEY.

Schlicht SAXOPHONE heißt die CD von ASYA FATEYEVA, auf der sie wenig bekannte Saxophon-Kompositionen von F. Decruck, W. Albright, J.-D. Michat und J. Ibert vorstellt.

Ebenfalls selten zu hören sind die Cembalo-Konzerte von Gorecki und Geminiani. Höhepunkt von TIME PRESENT AND TIME PAST“ ist die Steve-Reich-Interpretation von MAHAN ESFAHANI: über 16 Minuten die Wiederholung einer einzigen Phrase. Das erfordert starke Nerven.

An Reich, Glass, Riley erinnert die Musik von MOONDOG, der Jahrzehnte lang in Wikinger-Kleidern an einer New Yorker Kreuzung stand und seine streng komponierten Musikstücke anbot.

Eine andere Großstadt, gleich dreimal vertreten: durch CHRISTIAN JOST mit seiner BERLINSYMPHONY, die sehr ruhig beginnt: um 4 Uhr in der Frühe…

… durch das Indie-Duo ME AND MY DRUMMER: LOVE IS A FRIDGE (zumindest ist das 1 Aspekt). Zur Musik kann man tanzen. Ich glaube, dass ich die erste CD des Duos noch mehr mag; …

… und durch WALLIS BIRD, in Berlin lebende irische Sängerin, deren CD YEAH einen Überblick über 7 Jahre Live-Dream-Pop gibt. Anspieltip: „Hardly Hardly“.

Die CD BRUTE von FATIMA AL QADIRI enthält auch tanzbare, eingängliche Musik; es bricht aber immer wieder eine gewalttätige Realität ein, etwa durch „a few troublemakers“ mit Pfefferspray und Dienstmarke.

KLANK bezeichnet sich als MusikAktionsEnsemble. Jeder der 4 Bremer Musiker spielt außer einem Instrument „Sachen“ – nicht leicht anzuhören, aber anregend und interessant.

Endlich mal wieder ein infomationshaltiges CD-Booklet. Alle Tracks von JOHANNES MOTSCHMANN’s CD ELECTRIC/FIELDS werden mit ihrem Entstehungsprozess vorgestellt

Der Grund des Erscheinens dieser CD auf der Sommerliste liegt darin, dass AKI RISSANEN sein Album AMORANDOM in Järvenpää / Finnland abgemischt hat. Es klingt nach Järvenpää – ich weiß es, denn ich war mal dort. PS: Der Flügel wurde von Juha Huotari gestimmt. Gut, dass jetzt auch die Klavierstimmer auf der Hülle auftauchen.

Bevor er so schöne elektronische Popmusik machte, war JAAKKO EINO KALEVI (dto. CD-Titel) Straßenbahnfahrer; gut vorstellbar, dass ihm die flaniertauglichen Melodien auf den Tramschienen Helsinkis eingefallen sind.

Meine Piano-CD des Jahres: BEAUTY & TRUTH, JOACHIM KÜHN NEW TRIO. Besonders überraschend Tracks 2 und 8 mit den Doors-Titeln „The End“ und „Riders on the Storm“.

Orgelstücke von Bach als Electronic-CD of the year; das weckt Erinnerungen an Wendy/Walter Carlos‘. 50 Jahre später hat sich der amerikanische Organist CAMERON CARPENTER eine Orgel mit allen ihm wichtigen weltweit gesampelten Sounds bauen lassen; erstmals zu hören auf ALL YOU NEED IS BACH. Natürlich ist es für den Musiker so bequem; aber ist es für den Hörer ein Gewinn, wenn die Originalinstrumente nicht mehr gespielt werden?

Beste Meditationsmusik: WHAT WAS SAID von TORD GUSTAVSEN, JARLE VESPESTAD und der deutsch-afghanischen Sängerin SIMIN TANDER, die Jazz mit Orientalischer Musik und etwas Meredith Monk verbindet.

Die Sparte „TomWaitsiana 2016“ bleibt noch unbesetzt. Es liegt mir einzig und allein die THEATERMUSIK von KANTE IN DER ZUCKERFABRIK vor; darin: The Black Rider.

Immerhin hat mich die Suche nach Tom Waits covers zu ANGELA MCCLUSKEY (CURIO) geführt; sie steht schon lange im Plattenschrank (1994). In ihrer Stimme ist etwas Billie Holiday dabei.

Ich muss auf ältere Aufnahmen ausweichen – die Plattenfirmen schicken immer noch keine Probe-Päckchen. Mein Sommerhit stammt aus dem Jahr 1998: 1,2,3 SOLEILS von TAHA, KHALED & FAUDEL. Seitenscheiben runter, Lautstärke voll auf, mit überwachten 30 km/h die Theo-Heuss (Stuttgarter „Party-Meile“) rauf und runter cruisen, wenn nicht gerade EM-Autocorso-Zeit ist (das wäre dann der Test für Katar).

Meine aktuelle No.1, erstmals mit einer Sopranistin: SIMONE KERMES – LOVE. Skurille Texte, eine unaufdringliche Stimme, Musik aus dem 16./17. Jahrhundert – einfach hinreissend schön. Wie wäre es damit mal auf der Theo-Heuss?


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