Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Autoren-Archiv:

2016 23 Mai

Dreiundzwanzig Fuenf Sechzehn

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Und als ich wieder aufschaute waren vierzehn Tage vergangen. Ich blinzelte verbluefft. War das moeglich? Eben hatte ich doch noch im Schatten gesessen, einen Stapel Buecher neben mir. Dann schwang das Wetter um, „after the heat“. Und abends, alleine auf dem Zimmer, waren drei Alben bei mir: die neue CD von Brian Eno, „The Ship“, das dankenswerterweise neu aufgelegte „Cyborg“ Album von Klaus Schulze und „MG“ von Martin L. Gore. Ruhige Tage des Innehaltens waren es; die Musik dieser drei Alben lief ausschliesslich und trug mich mit sich: zu lang verschuetteten Erinnerungsfetzen, Begegnungen und neuen, diffusen Gedanken.

 
 
 

 

2016 28 Apr

Lesezeichen # 15

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Lese ich gerade. Hochinteressante Materie, von der man als Laie ja nur kleine Details versteht. Und ich bin auch etwas vorbelastet: Ein guter Freund von mir hatte einen Hirntumor; vor einigen Jahren war er fuer eine noch notwendige OP in Hannover in einer Spezialklinik, und ich habe ihn dort besucht. Und ein zweiter guter Freund starb vor einigen Jahren an einem Aneurysma … – so lernen wir alle frueher oder spaeter, wie zerbrechlich alles ist. Wie es ist, ein Hirnchirurg zu sein, von schwierigen Entscheidungen, die Risiken der OP, den Risiken des Verschiebens einer OP, von alldem erzaehlt dieses Buch in nuechternem, aber mitfuehlendem Ton.

2016 28 Apr

In High Esteem # 7

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Ein Film aus einer Zeit, als die Kinofilme noch in Technicolor waren; und die Kindheitserinnerungen gleich mit. Eine ferne und maerchenhafte Welt, aus tausendundeiner Nacht entstiegen, wurde hier praesentiert; die Guten und die Boesen klar verteilt, und auch ein Happy End war vorgesehen. Fuer die damalige Zeit recht eindrucksvolle Effekte und Trickdarstellungen (der Geist aus der Flasche!), die, so will mir scheinen, schoener als mancher technische gimmick aus der Neuzeit, in der Forrest Gump  Praesident Kennedy die Hand gibt, oder John Lennon begegnet. Ich habe diesen Film lange nicht mehr gesehen und vermutlich sollte es auch so bleiben; die Erinnerungen an frueher heissgeliebte Fernsehnachmittage – und das damit einhergehende Vermoegen zu staunen – sind zu oft schoener als die Wiederbegegnung mit den Augen des Erwachsenen.

2016 27 Apr

Siebenundzwanzig Vier Sechzehn

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Lieber Michael,

 

kurzzeitig aus meinem 9 to 5 auftauchend sehe ich, dass Du nach Lieblingsplatten des Reggae gefragt hast. Ich muss hier zugeben, dass es meine Plattensammlung nie ueber Exodous von Bob Marley & The Wailers, einer „Best of“ von eben diesem in Sachen Reggae hinausgewachsen ist.

Vermutlich waren die 1970iger, als all die Protagonisten wie Jimmy Cliff, Peter Tosh und auch Bob Marley ihre Fruehwerke vorlegten, die Bluetezeit – aber da sass ich auf einem kleinen Stuehlchen in der Schule und spaeter hat mich mein Interesse nicht mehr an Reggae herangefuehrt; von den ganzen Unterarten wie „Dub“ ganz zu schweigen. Alan Bangs hat in seinem BFBS Nightflight im Sommer (der idealen Sendezeit dafuer) viele Sendungen mit Reggae und Dub bestritten; aber diese Sendungen waren dann nicht so ganz meins.

Ich kann da also leider keine entlegene 7″ oder 12″ B-Seite nennen bei denen der Kenner dann heftig nickend Zustimmung signalisiert.

 

Etwas anders sieht es bei der World Music aus. Erinnere da einen ganz hervorragenden Auftritt von „King Sunny Ade and his African Beats“ im Rockpalast; vor ihm Kevin Rowland und Joe Jackson.

King Sunny Ade and his African Beats: das war in den 1980igern und dererlei Musik noch relativ selten im Fernsehen und Radio; das WOMAD Festival gab es noch nicht; und Charlie Gillett bei der BBC fuer mich nicht empfangbar.

Ach ja, und letztens habe ich mir eine DCD mit einer sehr guten Zusammenstellung von Fela Kuti gekauft und bin da sehr sehr fasziniert. (Brian Eno hat uebrigens von Fela Kuti eine Vinylbox kuratiert ueber die mir viel Gutes berichtet wurde; aber die kennst Du sicherlich!)

Soviel fuer jetzt. Lass Dich bei deinen Spaziergaengen mit Hund nicht allzu nass regnen !

 

Bis die Tage,

Uwe

Was ich zunehmend als Phantasielosigkeit empfinde: dass nun jede, aber auch wirklich jede Lebensgeschichte eines prominenten Menschen verfilmt werden muss! Michael Douglas ist dann Liberace, Daniel Bruehl ist dann z.B. Niki Lauda, und Jamie Foxx ist Ray Charles. Niki Lauda lebt noch, gottseidank, aber es faellt schon auf, dass zumeist nicht mehr lebende Prominente ausgesucht werden; die koennen dann auch wenig Einspruch gegen eine Verfilmung geltend machen.

Demnaechst erwartet uns die Verfilmung, wie Miles Davis (der Ende Mai 2016 neunzig Jahre alt geworden waere) in den 1970iger Jahren „so war“. Selbstredend war niemand, der das Drehbuch geschrieben hat, seinerzeit mit dabei und berichtet somit aus erster Hand; man kann da nur hoffen, dass vielleicht etwaige Interviewsegmente im Film dann etwas erhellender sind als die hinlaenglich bekannten, dem flow des Films Rechnung tragende, mit erfundenen Dialogen angereicherten, Spielszenen, in denen entsprechend optisch zurechtgemachte Schauspieler prominente Musiker darstellen.

Das zum Film erscheinende Soundtrackalbum heisst dann auch „Everything’s Beautiful“ (oh irony!) und die Amazonen verkuenden dazu, dass „verschiedene von Miles inspirierte Künstler dessen Tracks interpretieren, in ihren eigenen einzigartigen Versionen, unter anderem Erykah Badu, Stevie Wonder, Hiatus Kaiyote, Laura Mvula, Bilal, Phonte, Ledisi, John Scofield“. Und diese neuen Versionen braucht „man“ natuerlich, unbedingt, verstehe.

Mir scheint, um Miles Davis zu feiern, wird es (immer, nicht nur an runden Geburtstagen!) reichen, seine Alben zu hoeren, seine eigene Biographie – die ja auch etwas geschoent war – zu lesen. Immerhin vermittelt diese eher ein nachzulesenden Bild, wie er sich und seine Zeit sah.

2016 29 Mrz

Lesezeichen # 14

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Ueber die Ostertage die drei Alben von CORONA angehoert. Eine ganz eigene Art von Weltmusik als  dieses Schlagwort, dass dann bald kommerziell (aus)genutzt wurde, noch nicht so geläufig war. Mir faellt immer wieder auf, wie zeitlos doch viele (alle?) ECM Produktionen klingen. – Und gelesen, das neue Buch von Patti Smith, „M Train“ und das kleine „Die Traumsammlerin“.

Sehr beeindruckend, wie Patti Smith nachvollziehbar macht, dass ganz alltaegliche Situationen (Kaffee trinken in ihrem favourite coffee shop) ausreichen, um durch Gedankengaenge aus dem Hier und Jetzt „herauszusteigen“, die sie und den Leser zu laengst vergangenen Erlebnissen weit, weit weg tragen. Die Verstorbenen sind immer noch bei ihr: sei es ihr verstorbener Ehemann Fred, ihr verstorbener Sohn, und auch ihre literarischen Helden wie Jean Genet, Arthur Rimbaud, Silvia Plath.

Zwei troestliche Buecher, um sie, wie gestern am Ostermontag, auch immer wieder aus der Hand zu legen und seinen eigenen Erinnerungen nachzuhaengen; waehrend draussen allen Spaziergaengern ein Gewitter und reichlich Regenguss den Himmel verdunkelte.

2016 22 Feb

Zweiundzwanzig Zwei Sechzehn

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Morgen findet in Hamburg die Trauerfeier fuer Roger Willemsen statt. Alle Nachrufe, die ich gelesen habe, wuerdigten ausreichend sein Schaffen als Journalist, Moderator und Buchautor; dem ist nichts hinzuzufuegen. Und selbst DER SPIEGEL schaffte es, nachdem er Willemsen Mitte der 1990iger Jahre mit Haeme uebergossen hatte, nun einen fuer SPIEGEL Verhaeltnisse sehr milden Nachruf zu schreiben.

Ab und an schrieben wir uns Mails; keine grosse Sache – aber so war er: immer aufmerksam, immer von ansteckender Begeisterung. Irgendwann hatte er anfangen, mich in seinen Mails als „D e r Uwe Meilchen“ anzusprechen; das mochte ich. Zeigte er doch so: ich kenne Dich, ich erinnere mich an Dich.

In den Nachrufen war auch davon die Rede, dass wir nun nicht mehr viele haben, die zu gesellschaftlichen, politischen Themen ihre Stimme erheben. „Das Leben kann man nicht verlängern, aber wir können es verdichten“, sagte Willemsen oft. Diesen Satz werde ich mitnehmen, in Erinnerung an ihn und als Mahnung fuer meine eigenen Tage und Jahre, die noch kommen.

2016 20 Feb

Lesezeichen # 13

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Jeder hat ja so seine persoenliche Blogroll; Internetseiten, die er regelmaessig besucht. Jeden Montag, schon seit vielen vielen Jahren gehe ich auf die Seite des Observer; denn dann ist die Sonntagsausgabe mit den neuesten Rezepten von Nigel Slater nachzulesen. Wobei ich sagen muss: Ich koche tatsaechlich viel zu wenig; abends reicht es dann, wenn man ermattet durch die Wohungstuer faellt zumeist nur noch fuer eine Portion Nudeln mit kleingeschnittenen, in Oel eingelegten Tomaten oder aehnlichem. Oder eine Bulgurreispfanne! Aber Nigel Slaters Rezepte „haben fuer mich etwas“, sind weitaus mehr sophisticated als die in den Grosskettenbuchhandlungen ausliegenden Grillbibeln oder aber Rezepte von zum Beispiel Johann Lafer – oder Jamie Oliver, um noch einen britischen Koch zu nennen. Ueber die Jahre sind schon einige Buecher von Nigel Slater erschienen; und Anfang Dezember 2015 erschien The Kitchen Diaries 3 – und da ein Anbieter in GB auch eine in Leinen gebundene (!), signierte (!) Ausgabe anbot, habe ich mir das Buch zu Weihnachten geschenkt. Das Kochbuch ist, wie der Titel schon sagt, dem Jahresverlauf angeglichen; d.h. es beginnt mit dem Neujahrsmorgen und geht weiter durch das Jahr bis wieder Weihnachten vor der Tür steht. Saisonale Produkte, die in den jeweiligen Monaten von der heimischen Scholle der Bauern auf die Wochenmaerkte kommen werden ebenso beruecksichtigt wie etwaige Abweichungen zu den Rezepten. Viele gute Anregungen fuer schmackhafte Mahlzeiten!

 

2016 20 Feb

Lesezeichen # 12

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Einen realistischen Eindruck in die Arbeitswelt der Fahrradkuriere bietet Wolf Schmid – der selbst in einem Fahrunternehmen gearbeitet hat – in seinem Buch „Pedalpilot Doppelzwo“. Mit viel Witz, Lokalkolorit (Hamburg und seine urtypischen Einwohner, Johannes‘ Arbeitskollegen!) gibt das Buch rund um den Fahrer Johannes und dessen Vater Walter all‘ das, was das Berufsleben so ausmacht: Rivalitaeten mit anderen Fahrunternehmen und Unfaelle „im Dienst“ und Fahrten im stroemenden Regen inclusive. Ein Anhang mit Bezug auf der im Buch vorkommenden Plaetze der Hansestadt sowie eine kleine Landkarte vervollstaendigen das lesenswerte Buch. War fuer mich ein echter pageturner!

 

Nicht alle Tage gelingen in den Augen des jeweiligen Betrachters. Diese Feststellung ist auch schon in Liedform festgehalten worden; ich erinnere einen Countrysong, der die Binse festhielt, dass manche Tage Diamanten, manche Tage aber Steine waeren. Und was hilft uns in solchen Momenten, wenn wir feststellen, dass „man“ (wer?) uns einen gebrauchten Tag verkauft hat? Ich fuer meinen Fall habe festgestellt, dass Liedtexte, denen man in der Vergangenheit fast gar keine Beachtung geschenkt hat, manchmal etwas Troestliches haben. Zumal wenn man diese lyrics als Zeichen der Anteilnahme mitgeteilt, sozusagen von aussen herangereicht bekommt. Per Mail zum Beispiel. Die Songtexte sind die Texte zu den beiden Teilen von „Pigs On The Wing“ von PINK FLOYD vom Album Animals. Und was soll ich sagen: die Texte passen.


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