Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Am frühen Sonntagmorgen, so gegen 6 Uhr, von einem lauten Knall aufgeschreckt zu werden, ist nicht gerade etwas, was man sich für den Beginn eines schwülwarmen Sommertag wünscht. Oder für irgendeinen anderen Tag, im Herbst, bei angenehmeren Temperaturen zum Beispiel. Aber gestern morgen war es dann bei mir so weit: dass sich schon seit einiger Zeit etwas vorneigende schwedische Bücher- und Schallplattenregal aus Holz (Holz arbeitet!!) ist vornüber gekippt. Glück im Unglück, dass eine Fensterbankkante das Regal vor dem kompletten Umfallen auf den Boden bewahrt hat! Oder ich gar davor gestanden hätte, mit der Option, blitzschnell zur Seite zu springen, bevor mich ein Bücher- und Schallplattenhagel bombadiert …

Weil ein Nagel fehlte, ging das Königreich verloren …

Festgestellt, dass sich das Regal nur wieder an die Wand stellen lässt, wenn es komplett leergeräumt ist: im Regal glücklicherweise verbliebene Bücher und Schallplatten wiegen zuviel, als dass es sich jetzt schon wieder in die Horizontale stemmen lässt. (Und hinter das Regal ist auch so einiges gefallen durch den Sturz, das behundert das Heranrücken dann auch.)

Nun denn, für die nächsten freien Arbeitstage und Sonntage ist dann also Sichtung und Sortieren angesagt. Und vermutlich auch Aussortieren, was eh nicht mehr gelesen wird; das habe ich lange genug vor mir hergeschoben!

2017 10 Mai

Zehn Fuenf Siebzehn

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Einen Teddybären, den man in Japan auf eine Sightseeing Tour schicken kann, den hatten wir hier schon vor einiger Zeit! Wie wäre es aber, man könnte in Bücher und deren Romanhandlung „einsteigen“? Zugegeben, sonderlich neu ist diese Idee nicht: Woody Allen hat in seiner Kurzgeschichte „Intermezzo mit Kugelmass“ eindrucksvoll vorgeführt, zu welchen ungeahnten Verwicklungen es kommen kann: verwirrte Studenten aller Herren Länder zum Beispiel, die das Buch im Studiengang lesen müssen und verwirrt eine neue, ihnen und den Universitätshonorationen bis dato völlig unbekannte Romanfigur Kugelmass im Buch entdecken. Und Kugelmass selbst hat auch seine Probleme: wie kann er es schaffen, bei jedem seiner Besuche im Buch aufzutauchen, bevor Madame Bovary Rodolphe Boulanger kennenlernt? Ein reizvolles Gedankenspiel bleibt es allemal, sicher auf der Couch sitzend. Zu wem und in welches Buch würde ich also reisen? Zu Gesine und D. E. in das New York des Jahres 1967? Oder mit Polly Hütchen den Mann mit dem steifen Hut durch Berlin verfolgen? Reizvolle Ideen hätte ich genug und ich wüsste auch schon, wohin meine erste Reise gehen würde.

 

2017 6 Feb

Sechs Zwei Siebzehn

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Die Shuffle-Funktion bei der Musikwiedergabe mag ich. Manchmal befördert der Speicher, wie ein Eimer, der rasselnd an einer Kette auf den Grund des Brunnens taucht, ein Musikstück zu Tage, dass man lange nicht mehr gehört hat, vergessen hat, dass es sich im Speicher befindet. – So auch bei mir letztens: „Love On The Air“ von David Gilmour, den Text hat Pete Townshend geschrieben.

Eine Unabhängigkeitserklärung wird in den lyrics formuliert, und als ich den Song hörte, an jenem Abend im Zug, da hätte ich diese sofort unterschrieben und einigen Mitmenschen gerne an die Haustür genagelt. Oder in den Briefkasten geworfen, aber – wie zumeist –  am Ende wurde eine Flaschenpost daraus, geworfen in den Fluss, den Wellen überantwortet.

2017 1 Feb

Eins Zwei Siebzehn

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Was man nicht tun sollte: an Orte zurückkehren, an denen man einmal glücklich war. Was man auf gar keinen Fall tun sollte: zu zweit, womöglich mit einer „anderen“ Person an Orte zurückkehren, an denen man einmal glücklich war.

Was man tun sollte: sich den Klängen von Charles Lloyd und auch Terje Rypdal’s „Odysee“ hingeben, im nur von Lichterketten beleuchteten Zimmer sitzen, Tee trinken. Aus dem Fenster schauen und überlegen ob die letzten Wochen und Tage auch eine eigene Odyssee durch den weihnachtlichen und nachweihnachtlichen Alltag gewesen sind.

Jakob ist immer quer über die Gleise gegangen und wenn alle Stricke reissen und alle Brünnlein fliessen, dann steigt man über den nicht sehr hohen Jägerzaun vor dem Haus und geht quer über die kleine Rasenfläche, um die rettende, schützende Haustür zu erreichen. Dem wartenden, helfenden Taxifahrer sei Dank.

 

2016 6 Dez

Favoriten 2016

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01 Brian Eno: The Ship
02 Vangelis: Rosetta
03 Tigran Hamasyan – Arve Henriksen – Eivind Aarset – Jan Bang: Atmosphères
04 Helene Grimaud: Water
05 Radiohead: A Moon Sharped Pool
06 Masabumi Kikuchi: Black Orpheus
07 Van Morrison: Keep Me Singing
08 Bosse: Engtanz
09 Martha Argerich · Daniel Barenboim – Live from Buenos Aires
10 Jon Balke: Warp

 

2016 16 Sep

Sechzehn Neun Sechzehn

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Musik ist vieles für viele Menschen, und vermutlich kann man ganze Regalwände mit Abhandlungen, die die Effekte von Musik auf den menschlichen Körper und Geist ausloten, füllen. Meine persönliche Hausapotheke wechselt; aktuell herrschen eher die besänftigenden, beruhigenden Töne vor. (Trifft „tröstende Töne“ es noch besser?)

Das neue Nick Cave Album Skeleton Tree wird, glaube ich, aktuell für länger in meinem CD Player eine Heimat finden; ich habe es in den letzten Tagen fast ausschließlich gehört: sehr gut! (Mit Caves Texten zum neuen Album werde ich mich noch etwas beschäftigen.)

Und gleichzeitig ist mir danach, eine akustische Mauer hochzuziehen – im Rahmen der Zimmerlautstärke, versteht sich. Dann greife ich zu dem gerade erschienenen neuen Livealbum  Earth von Neil Young und bin beim Anhören dann ganz in seiner wall of Sound, die diesmal, angereichert mit Tierstimmen zwischen den Stücken, dafür sorgt, dass mich Telefonklingeln, der Anrufbeantworter, und ähnliche Störungen der Außenwelt,  nicht erreichen.

Ich erinnere eine Episode mit dem Zeichentrickheld meiner Kindheit, dem Paulchen Panther, in der er von einer kleinen, grauen Wolke verfolgt wurde, die immer nur auf ihn und sonst niemanden hernieder regnete. There’ll be days like this … – und man fällt auf sich selbst zurück.

2016 14 Sep

Vierzehn Neun Sechzehn

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Jetzt, wo die Dornröschenranken um das Schloss durchschnitten sind, und uns die angekündigten Gewitterwolken in dieser Woche einen von mir lang ersehnten Temperatursturz bescheren werden, wird deutlich: der Herbst ist da.

Noch ist nicht die Zeit, wie Herr Geiser (in „Der Mensch erscheint im Holozän“ von Max Frisch) schreibend gegen den Verlust der eigenen Welt mit Schreiben und Erinnern anzukämpfen. (Von dieser Geschichte gibt es übrigens eine sehr gute Verfilmung unter der Regie von Manfred Eicher mit Erland Josephson in der Hauptrolle.) Was im Herbst bleibt, sind die Erinnerungen an (vermeintlich?) bessere, schöne Tage, an summer wine etwa, und eine leichte Melancholie stellt sich ein.

Da kommt mir die Doppel-CD „Classics And Collectables“ von Scott Walker gerade recht. Zugegeben: mit seiner Gesangstimme im Spätwerk, also allem, was nach „Climate Of Hunter“ kam, konnte ich mich nie so recht anfreunden; aber hier sind alle Perlen aus seinen früheren Soloalben versammelt, zum Schwelgen und Versunkensein. And all I’ve said was just instead / of coming back to you.

2016 8 Aug

Acht Acht Sechzehn

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Die Tage werden wieder kürzer, und abends um Viertel nach 9 Uhr grüsst die Nacht schon von Nahem. Da erinnern wir uns gerne an sonnige Sommertage, auch wenn man diese nicht in ausländischen Gefilden verbracht hat. Wie die Pusteblume, die Stefano Bollani als Coverbild für sein neues Album „Napoli Trip“ gewählt hat, wehen vertraute und auch unvertraute Klänge herüber und zeichnen uns sein Bild, seine Assoziationen von Neapel. Und es ist interessant festzustellen, wie alles zusammenpasst: italienische Folkloreklänge, electronics und his kind of jazz, natürlich. Manu Katche ist mit dabei; aber auch Jan Bang (mit einem im Punkt Studio in Kristiansand aufgenommenen Stück) und Arve Henriksen. So dauert das summer feeling noch ein bißchen an.

2016 4 Jun

Vier Sechs Sechzehn

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Was Empfehlungen angeht: sehr empfehlenswert ist die „All Things Must Pass“ Dokumentation ueber die TOWER RECORDS Kette, deren Aufstieg und Fall von den 1970iger Jahren bis in die Gegenwart. Viele Zeitzeugen kommen neben den Angestellten und Konzernoberen zu Wort, Musikbusinessmenschen wie David Geffen zum Beispiel und später selbst Musikschaffende wie David Grohl, Bruce Springsteen und Elton John, fuer den TOWER RECORDS dann ab und an auch schon einmal früher öffnete. Ausserdem das „Cuong Vu Trio Meets Pat Metheny“ Album, das den für seine ECM Veröffentlichungen auch hier gemochten Gitarristen soeben in einer frischen Produktion als sideman zeigt, weitab von seinem vielfach zelebrierten Säuselton. Bitte unbedingt einmal hineinhören – und das zeitgleich veröffentlichte „The Unity Sessions“ verschmähen, weil: auf diesem Album gibt es dann wieder die altbekannten Ideen in keineswegs frischen Variationen.

 
 
 


 

2016 23 Mai

Dreiundzwanzig Fuenf Sechzehn

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Und als ich wieder aufschaute waren vierzehn Tage vergangen. Ich blinzelte verbluefft. War das moeglich? Eben hatte ich doch noch im Schatten gesessen, einen Stapel Buecher neben mir. Dann schwang das Wetter um, „after the heat“. Und abends, alleine auf dem Zimmer, waren drei Alben bei mir: die neue CD von Brian Eno, „The Ship“, das dankenswerterweise neu aufgelegte „Cyborg“ Album von Klaus Schulze und „MG“ von Martin L. Gore. Ruhige Tage des Innehaltens waren es; die Musik dieser drei Alben lief ausschliesslich und trug mich mit sich: zu lang verschuetteten Erinnerungsfetzen, Begegnungen und neuen, diffusen Gedanken.

 
 
 

 


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