Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Autoren-Archiv:

Uli’s TOP 30
 

  1. Ryuichi Sakamoto: async
  2. Björk: Utopia
  3. Joachim Roedelius & Arnold Kasar: Einfluss
  4. Hauschka: What if
  5. Brian Eno: Sisters (!)
  6. Markus Stockhausen: Far Into The Stars
  7. Biosphere: The Petrified Forest
  8. Tom Rogerson with Brian Eno: Finding Shore
  9. Brooklyn Raga Massive: Terry Riley In C
  10. Richard Barbieri: Planets & Persona
  11. Arve Henriksen: Towards Language
  12. Eraldo Bernocchi & Netherworld: Himuro
  13. Tricky: Ununiform
  14. Erik Honoré: Unrest
  15. Jon Balke – Siwan: Nahnou Houm
  16. Andi Otto: Via
  17. Sylvain Chaveau: Echoes of Harmony – Early Music reworked
  18. Penguin Cafe: The Imperfect Sea
  19. Sevdaliza: Ison
  20. The Necks: Unfold
  21. Tamaru & Chihei Hatakeyama: Lunar Eclipse
  22. Cummi Flu + Raz O’Hara: Y
  23. Johnny Nash & Suzanne Kraft: Passive Agressive
  24. Lali Puna: Two Windows
  25. Juana Molina: Halo
  26. Four Tet: New Energy
  27. Michael Pisaro: Asleep, Street, Pipe, Tones
  28. Danish String Quartet: Last Leaf
  29. Diagrams: Dorothy
  30. Valentin Silvestrov: Hieroglyphen der Nacht

 
 
Special Choice:
 
Brian Eno: Reflection als App (erreichte die höchste Laufzeit dieses Jahr und bietet erst das Vollerlebnis generativer Musik mit enoesker Optik)

 

Jedesmal finde ich die  Bestenlisten von euch allen interessanter als meine eigene, nicht, weil mir die Musik darauf nicht bestens gefiele, sondern, weil ich sie schon kenne, schon öfters gehört habe, in unterschiedlichen Atmosphären „getestet“. Bei den anderen Listen gibt es immer etwas zu entdecken, etwas das mich neugierig macht, zum Hören anregt. Diesesmal sind es wirklich 30 Alben geworden und es gibt noch etlich gute und welche auf denen zumindest sehr gute Stücke drauf sind, die es nur nicht auf die Liste geschafft haben. Die Möglichkeit im Netz Musik zu hören verändert auch die Art Musik wahrzunehmen, z.B. über Sets bei Autofahren oder nebenbei bei Aktivitäten im Haus oder einfach YouTube-Compilations, wo sich manches Juwel und mancher originelle Remix (vielleicht gibt es dazu bald einmal einen kleinen Extrapost) verstecken. Nun aber freue ich mich erst einmal auf die vielen Anregungen, die noch kommen mögen.

2017 26 Nov

Into Utopia

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split into many parts

splattered light beams into prisms

that will reunite
 
 

Elektronische venezolanische Vögel eröffnen einen Mahlstrom des Atopischen, der sich erst langsam zum Utopischen hin entfalten und öffnen wird. Schicht um Schicht lagern sich an- und übereinander, kein musikalischer Wegweiser, keine vorab erkennbare Richtung und doch wirkt alles schlüssig, folgt einander organisch.

 
 
am i keen or not keen

to be seen or not seen
 
 

Ist das noch Musik, wie wir sie kennen? Komplexe Strukturen, die die überbordenden Ideen Joanna Newsoms weit hinter sich lassen, Klänge und Rhythmen, die mehr präsent und letztendlich dennoch noch mehr abstrakt sind als David Sylvians Versuche Horizonte des Songwritings zu dehnen.

 
 
it defines us

how we overcome it

recover repair from loss

freedom aphrodisiac
 
 

Field recordings by Chris Watson, sourcing and sample clearing by David Toop and Stephen O’Malley, L’Oiseaux du Venezuela by Jean C. Roché, electronics and beats by Arca and this still incredible voice, not really singing, not really speaking. And flutes plain, sampled and distorted, magic flutes. Backward driving rehabilitation of recorders. Some sound sources of undefinable spices grown far beyond all fields and woods i’ve ever crossed before.

 
 
i draw laser lines through lake

to take physicality

inhale

i inhale this physicality

this forest in me
 
 

Archaische Stimmen, sich durcheinanderschichtende Songideen, ein futuristischer Urwald, eine schamanistische Trance, ein ritueller Tanz aus einer Parallelwelt, kryptische Klangfetzen aus der Schmerzverarbeitung der verwundeten Heilerin, eine organische Dunkelkammer der Seele, ein Ruhelager mit bizarren Federwollobjekten, neben dem artifizielle Kräuter einen hypnotischen Duft verströmen, die die Aussenwelt bedeutungslos werden lassen und Inneres sanft verwirbelnd nach außen kehren.

 
 
so i reserve my intimacies

i bundle them up in packages

my rawward longing far too visceral

did i just fall in love with love?
 
 

Da ist er wieder, der Strom von Schauern, den ich auch beim Hören von Homogenic empfunden habe, dessen Geschichte ganz aktuell von Emily Mackay bei 33 1/3 ganz wunderbar erzählt wird. Wie ich als Kind an Winterabenden im Garten meiner Eltern stand und in die Unendlichkeit des klaren Sternenhimmels schaute und Sternschnuppen zählte, so klingen hier die Nordlicht durchwebten Nächte Islands aus einer ganz anderen Zeit wieder und die Sternenschauer umfließen meine Wirbelsäule.

 
 
music heals too

i’m here to defend it
 
 

Hören, nochmal hören. Eine abschüssige Eisfläche, die sich ganz warm anfühlt. Ein Tsunami an Ideen, die die immensen 72 Minuten einfach fluten, wegspülen, erneut vorgeben nur die Spitze eines Eisberges zu sein, angedeutete Rhythmen die jedes Zeitgefühl schreddern und so die Morgenröte nach dem polaren Winter aufleuchten lassen. „Papa, was hörst du denn da schon wieder?“ – „Das ist ja – vielleicht der heißeste Anwärter auf das Album des Jahres!“

 
 
 

 
 
 

utopia it’s not elsewhere

it’s here,
 

… but are we already here, too?

Smalltalk. Wir fahren zum Vergnügen. Lass es krachen. Einfach genial. Die Welt wartet schon. Mach, was wirklich zählt. Egal was Du tust: Zeit sparen! It’s ok – Leistungsschub für Körper und Geist. In the box! Was Sie über die Soforthilfe bei Verstorbenen wissen sollten. Beiss mich mal, ich glaub ich träume. Do bigger things. We go beyond so you can go too. Alle 11 Minuten … Bernd, du bist’s? Wir bringen Dich ans Ziel. Gesund aussehen – auch am Morgen danach. Small Talk.

 
 
 

 
 
 

Das Wesen des Menschen kann ohne den Wahnsinn

nicht nur nicht verstanden werden, sondern

es wäre gar nicht das Wesen des Menschen,

wenn es nicht den Wahnsinn als Grenze seiner

Freiheit in sich trüge.

(Anonymus)

 

2017 16 Nov

Patterns of Consciousness

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„A pattern creates a certain state of consciousness. Once it is created, the pattern stands as an object exactly like the sound waves which generate it. We are at the same time inside and outside of the object. While being it, we observe it. Over time we become familiar with the inner structure of the pattern. We decode its gravitational centres, where our psycho-motor attention is attracted, where everything seems to be drawn. When a change in the pattern occurs it causes a perturbation of the previously established field of forces. This causes consciousness to fracture, potentially unfolding layers of perceptions we weren’t aware of or simply suggesting that we access only a fraction of our psychic potential. The layered nature of consciousness and the relativity of perception are some of the biggest secrets we can experience through sound.“

CB

 
 
 

 
 
 

Patterns of Consciousness: Caterina Barbieri

 

2017 1 Okt

The world’s ugliest music?

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Ein treibender Rhythmus reißt die Tür auf ins Iron Paradise, wo die vom Mond Besessenen (so der ursprünglich geplante Titel des Albums) seit Ende der 80er Jahre warten mussten bis ihre archaische, ungefesselte Energie wiederveröffentlicht wurde. Ein Gemeinschaftsprojekt von Midori Takada, die uns dieses Jahr bereits ein Reissue des Monats lieferte, und Masahiko Satoh, die Lunar Cruise nach einer intensiven Auseinandersetzung mit afrikanischer, arabischer und traditioneller asiatischer Musik nach einer Tournee durch Afrika, den arabischen Raum und Europa im Studio einspielten. Ganz organisch verschmelzen hier Stammesrhythmen mit asiatischen Melodien, Jazzelementen und einem sehr eigenwilligen Synthesizerspiel zu einer Weltmusik, die an subtiler Programmatik und Kompositionsfertigkeit ein würdiges Pendant zu Jon Hassells gerade erst reflektierten Schaffens darstellt.

Während wir bei Through the Looking Glass noch in einem Sushirestaurant weilten, sitzen wir nun im Weltcafé Nahm, einem Ancient Palace, in dem die bunten verzierten Bodenfliesen einen Rhythmus vorgeben, der beim näheren Hinschauen in A Vanished Illusion übergeht, zu dem eine bizarre Jazz-Tahine serviert wird. Jyomuran transferiert einen afrikanischen Puls in den japanischen Winter (hierzu wird ein traditioneller japanischer Cocktail serviert, in dem kleine lebende Quallen mit einem Schuss Alkohol zum Leuchten gebracht werden) und Monody liefert einen verhuschten Stammesbolero hinterher. In „D“ wird Terry Riley zitiert, um dann schrittweise zerfallen zu dürfen und in Madorone im Nebel eines nur scheinbar süßlichen Shisharauches auf der abgenutzten Ottomane abzudriften. Die Faszination des Reduktionistischen beginnt in Chang-Dra auf einem Blech zu tanzen, durchläuft wellenförmige Eskalationen gleich einem uralten Drachenritual, zu dem vermeintliche Gewissheiten ins Opferfeuer geworfen werden. Nun sind wir bereit zum finalen Lunar Cruise, der letzten Reise der Mondsüchtigen, die mit kristallinen Jazz-Pianoklängen, Marimbatremolos und unirdisch leisen Halbgesängen verklingt. Stille ist es jetzt, nur der Mond leuchtet, halb wolkenverhangen, Spuren noch wie ein vergessener Wegweiser in mein Schreibzimmer …

 
 
 

 

2017 24 Sep

Addiction. What addiction?

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2017 23 Sep

Japanese Jewels (4): Lisa

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Diesmal möchte ich von einem Album berichten, von dem ich rückblickend nicht mehr die geringste Ahnung habe, wie es in mein Leben kam. Manche Dinge stranden halt einfach irgendwo, treten in Erscheinung und bleiben. Bleiben, weil sie sich einfach als unerwartet und schön herausstellen. Wobei „schön“ hier keine aalglatte, sentimentale Grösse darstellt, sondern eine Art musikalisches Vexierspiel mit hohem ästhetischem Reiz. Da holt sich ein japanischer Rockmusiker, Masahide Sakuma, einen japanischen Viola da Gamba-Spieler und einen japanischen Blockflötisten und spielt Kammermusikstückchen, die irgendwo zwischen mittelalterlicher Musik aus streng japanischer Perspektive, experimenteller Elektronik, meditativen Drones und einer grandiosen Interpretation der Titelmelodie des Dritten Mannes (in Moll!) zu verorten ist und trotz der vielen subtilen Ecken und Kanten eine ungemein friedliche Atmosphäre hervorbringt, die nur in einer bislang unentdeckten musikalischen Parallelwelt angesiedelt ist. Produziert hat das Seigen Ono, von dessen eigenen Alben noch ein andermal zu berichten sein wird. Kleine, raffinierte Miniaturen, die über 30 Jahre nach ihrem Erscheinen und nach unzähligem Hören nichts von ihrem Reiz eingebüßt haben und ich zudem bei jedem weiteren Hören noch etwas entdecke, das mir bisher verborgen blieb, so als ob sich diese Musik über die Zeit ganz langsam verändert haben könnte und sich subtil an meinen Klangerfahrungen vorbeischleicht, um beim nächsten mal zwischen den Noten die Frage zu stellen, ob ich wirklich glaube es jemals kennen zu können …

 
 
 

 

2017 8 Sep

Holger (Reprise – RIP)

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„Der Griff ins Plattenregal, zu den Lieblingsplatten von Can und Holger Czukay, das ist dann auch eine Art, Abschied zu nehmen“ schrieb Micha vor ein paar Tagen nach der traurigen Nachricht von Tode, oder seltsamer: „aufgefunden werden“ von Holger Czukay. „On The Way To The Peak Of Normal“ war auch für mich eines seiner beeindruckendsten Werke, allein schon wegen des Titels, der ein Feuerwerk intrinsischer und extrinsischer Widersprüche darstellt wäre er schon ein Highlight, aber die Musik ist einfach exzellent.

Dennoch gab es von ihm ein Album, dass ich noch mehr liebte. Einfach weil es allegorisch fast alles vorwegnahm, was Holger Czukay später an Experimentellem, mit ungewöhnlichsten Klängen und Samples, an Rhythmischem und Ambientem entwickeln und ausreizen würde, aber auch seiner Zeit extrem weit voraus war und,  dann wie so oft, kaum Beachtung fand. Er nahm es 1968 kurz nach der Gründung von Can im Inner Space Studio auf und selbst fast 50 Jahre später hört es noch frisch und unverbraucht an: Canaxis. Archaisch und zugleich immer noch weit in der Zukunft. Rituell, komplex und voller Erfahrungen aus Stockhausens Studio für elektronische Musik. Ein Vorausgänger seiner Zeit und nun ist uns Holger Czukay erneut vorausgegangen und während ich den wunderbaren Boat-woman-song höre, sehe ich die schlichten vietnamesischen Sängerinnen im Morgengrauen seine Asche in einen Nebenfluss des Mekong streuen …

 
 
 

 

Der Synthesizer als Instrument übte schon seitdem ich einen Schallplattenspieler besaß und mir selber Platten kaufte eine unglaubliche Faszination auf mich aus. Sonst hat ein Instrument seinen Klang und ein guter Instrumentalist kann diesen etwas erweitern, beugen, hart oder sanft hervorlocken, aber es bleibt immer der Klang dieses einen Instrumentes. Beim Synthesizer ist alles anders: da wird der Ton je nach Modell durch unterschiedliche Algorithmen erzeugt und es gibt jede Menge Einflussmöglichkeiten ihn zu verändern, modulieren, ihn groß und weich oder scharf und hart zu machen und insbesondere so zu gestalten, dass da etwas herauskommt, was einfach so noch nie zu hören war. Genau das hat in der Anfangszeit, in der Synthesizer für den normalen Musiker erschwinglich wurden, auch die Art des Musikmachens stark geprägt. Nun gab es endlich die Möglichkeit etwas zu machen, was richtig neu war, die Hörgewohnheiten völlig auf den Kopf stellte. Und das halt nicht nur wie in dem Studio für elektronische Musik in Köln, das zwar einige der späteren Protagonisten stark beeinflusste, sondern im eigenen Proberaum. Und was in den 60er und 70er-Jahren noch einige experimentierfreudige Geister auf den Plan rief, ist heute aus der Musik kaum noch wegzudenken und hat fast alle Genres infiziert.

Good Vibration ist dieses mal nicht der Titel eines Albums der Beach Boys, die zu mögen ich stets gerne anderen überlassen habe, sondern der Titel einer im August zu Ende gegangenen Ausstellung im Musikinstrumenten-Museum in Berlin über die Geschichte der elektronischen Musikinstrumente. Und die beginnt weit vor der Synthesizer-Ära mit wunderbaren Instrumenten wie dem Theremin, dem Ondes-Martenot und dem Mixturtrautonium, auf dem Oskar Sala nicht nur bizarrste Suiten, sondern auch den Soundtrack zu Hitchcocks Die Vögel komponierte. Neben begleitenden Texten, die verschiedene Aspekte elektronischer Musik beleuchten, werden dann natürlich auch die ganzen Synthesizerlegenden vorgestellt bis hin zu den aktuellen Möglichkeiten das, was früher ganze LKW’s gefüllt hätte elegant in einem iPad unterzubringen – ein synthetisches Taschenuniversum ungeahnter Möglichkeiten, das mich auf eine Zeitreise zurück zu den ersten Momenten, wo ich als Jugendlicher endlich selber die Tasten berühren und an den Knöpfen drehen durfte und mangels passabler Anleitung schrittweise herausfinden musste, welche Auswirkungen jeder Poti, jeder Regler und jeder Schalter so hatte.

 
 
 

 
 
 

Wo damals ein Synthesizer war, war aber auch der Laser nicht weit. Das, was man heute als Taschenlaser zum gefahrlosen Herumleuchten oder als Pointer billig erstehen kann, war damals deutlich größer, hatte die Tendenz mitunter ziemlich heiß zu werden und hatte noch den Mythos des Gefährlichen, vom Preis ganz zu schweigen. Ein alter Schulfreund von mir aber hatte einen Laser und so probierten wir aus, was wir damit so anstellen konnten. Beispielsweise mit einer kleinen Ablenkeinheit, wo auf mehreren Elektromotoren aus Carrera-Autos, die wir individuell in der Geschwindigkeit regeln konnten Spielgelchen mit einer leichten Neigung aufgeklebt waren und die so entstehende Figur dann auf den nächsten rotierenden Spiegel warfen, so dass es möglich wurde phantastische Figuren damit zu zeichnen. Z.B. auf der uns sehr geeignet erscheinenden Hauswand des benachbarten Hochhauses, um unseren Freunden zu signalisieren, wo die Party gerade steigt. Der Effekt war grandios, nur leider fühlten sich die Nachbarn von dem neuartigen, „gefährlichen Laserstrahl“ etwas bedroht.

Der französische Elektroniker Tim Blake war einer der ersten, der sich mit einer Lasershow zu der Musik seines Projektes Crystal Machine auf die Bühne begab und nun ist dieses Frühjahr sein erstes Studioalbum Blake’s New Jerusalem mit einigen Bonustracks wiederveröffentlicht worden. Hier finden sich ohrwurmartige Songs in denen ein kleines Synthesizerarsenal die Hauptrolle spielt und die doch eine ganz eigene, originäre Färbung haben. Insbesondere der lange Titelsong entwickelt einen fast hypnotischen Sog und zapft Ebenen des Bewusstseins an, die zuvor verschlossen blieben. Einige der Songs haben dann später Eingang in das Oeuvre von Hawkwind bekommen, deren Mitglied er lange Jahre war. Sonst wirkte er noch einige Zeit bei der wundersamst anarchischen Band Gong mit und begleitete einige Projekte des französischen Komponisten Cyrille Verdoux.

 
 
 

 
 
 

Der zweite Reissue betrifft einen Meilenstein der elektronischen Musik: Klaus Schulzes Mirage. Er arbeitete an diesem Album als sein Bruder im Sterben lag und erklärt sich so rückblickend, dass dies vielleicht sein dunkelstes und kältestes Album geworden sei. Eine elektronische Winterlandschaft, kristallin, frostig, eisklar. Und auch nach 40 Jahren immer noch ein perfektes Album. Man sagte damals, dass weltweit eigentlich nur drei Musiker wirklich Synthesizer spielen könnten und Klaus Schulze war der erste, der dann dazugezählt wurde.
Mirage war seit Erscheinen ein Monolith für mich mit seinen beiden ruhigen, halbstündigen Stücken. Wenn mich auch heute noch jemand fragen würde, welches Stück Synthesizermusik man unbedingt gehört haben müsste, würde ich stets und ohne zu zögern Crystal Lake antworten, das in seiner kalten Eleganz und seiner hypnotisch dichten Atmosphäre ein zeitloses Highlight elektronischer Musik bleibt. Klebt man einen kleinen Spiegel auf den Basslautsprecher und lenkt dann einen Laser darüber auf eine Leinwand während Musik läuft, ist dies eine wunderbare Möglichkeit der Visualisierung. Vieles aber wird dann leider recht unansehnlich, wohingegen Crystal Lake wundervolle Figuren und Muster mit unzweifelhaft psychotropen Qualitäten zu erzeugen vermag.

Das Album wurde sensibel gemastert, was der Transparenz noch etwas mehr Tiefe gegeben hat und mit einem aus der Entstehungszeit stammenden Stückchen Filmmusik In cosa crede, chi non crede? das durchaus hörenswert ist, ergänzt. This Anniversary induces a massive time travel. A shift where the direction is not clear and I’m afraid it does not only lead to the future from the point I listened to it the very first time. Perhaps that’s the real meaning of Mirage.

 
 
 

 


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