Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Author Archive:

2016 27 Sep

Journal October

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | No Comments

Any proposals? Any preferences? Concerning our “album of next month”? There are so many great albums out now (or soon available) – by Nick Cave, Andrew Cyrille, Daniel Lanois, Linda Catlin Smith, Pye Corner Audio, Okervil River, Jenny Hval, Leonard Cohen, et al. It’s all in the mix – the unknown, the unexpected – and the big names with records turning into instant classics! Nearly as difficult this time as our “reissue section” – there are many good reasons to chose Neil Young’s black masterpiece Time Fades Away, or Steve Reich’s fabulous The ECM Recordings (strange enough, “Violin Phase” has always been my favourite Reich track!), but thinking of Hans-Dieter, our Kronach specialist for great old piano wizards, well, Ray Charles’ early years are a real treat, in glorious mono which really is, in this case, glorious mono. Brother Ray has never been one of my heroes, but knowing about his great contributions to 20th century music in the late 50’s, he always was a well respected man. I first heard him (on record) as a teenager, when he joined Aretha Franklin on stage. Now, listening to his formative years is a hell of a time travel. Because, digging deeper and deeper, you forget about this music as something historical, you forget about the blind man, the polished biopic – and nearly feel the music “in the moment”. And, to open up the horizon even more, just lose yourself in this month’s thriller – or that book of philosophy (with some well-dosed sex in it). I personally prefer Heinrich Steinfest. He. Blows. Me. Away. And, last, but not least, the title JOURNAL OCTOBER rings a bell? The first pure solo recording of David Darling, cello, voice and – bells …

 
 
image
 
 

Als Manfred Eicher im Herbst 2014 die Jazzfacts im Deutschlandfunk verfolgte, wurde er hellhörig: in einem Bericht über das Punkt-Festival in Kristiansand gab es eine kurze Sequenz aus dem Duo des armenischen Pianisten Tigran Hamasyan und des norwegischen Sample-Spezialisten Jan Bang. Rasch entschloss sich der Produzent, die hier aufscheinenden Qualitäten in ein neues Projekt münden zu lassen. Ergebnis ist die gerade erschienene Arbeit Atmosphères, auf der neben Tigran Hamasyan der “Live-Sampler” Jan Bang, der Trompeter Arve Henriksen und der Gitarrist Eivind Aarset mitwirken. Im Gespräch mit dem Produzenten Manfred Eicher wird die Entstehung eines ungewöhnlichen Doppelalbums aus diversen Perspektiven beleuchtet.

 
 
 

 
 

“Trois jours durant, grâce à la volonté toujours aussi affirmée du producteur Manfred Eicher de continuer à façonner ‘le plus beau son après le silence’, quatre improvisateurs hors-normes ont laissé la musique s’inventer sur l’instant. […] Autur du piano mineral de Tigran se love le chant hanté de la trompette cottoneuse d’ Arve Henriksen, l’un de plus singuliers stylistes de l’instrument apparus ces vingt deniers années, tandis qu’ Eivind Aarset laisse échapper de sa guitare des nuages de sons, textures translucides don’t l’apport est essentiel.”

(Noadya Arnoux, Jazz Magazine)

 

image

 
 
 

“I’m so sorry for the ghost that I made you be / Only one of us was real and it was me.”

(Leonard Cohen)

 
 

 
 

2016 10 Sep

Behind words

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Comment

I have been a bit reluctant to post the Kristiansand lecture here. But Erik Honore asked me for it – kindly :) – he himself couldn’t make it cause he had to prepare his David Sylvian essay (the English translation) finishing his labour in the last seconds of my “showdown”.

Though it is true that I’m working with hypnosis and hypnotherapy (the Milton Erickson school) I’m not doing any conventional trance induction during speeches. What I do take from that field is the repertoire of handling language (change of tempo, emphasis, silences, all the things you don’t get reading sober words).

So, for example, I do use a hinterland dialect when reading the two short stories of Darren Hayman, I do use a bit of “Laurie Anderson voice mode” when telling the woman’s dream at the end (“the showdown”). And everything had to be carefully mixed with the music, so that the “sound man” in the background will make a difference. Sometimes part of my talking has music playing underneath.

And there was a silent movie running (with good reasons) all along the lecture: “From The Sea To The Land Beyond”, 100 years of coastal history in Brittania. The room was quite dark, and fifteen minutes before the first words were spoken, an atmosphere had been established, with an album that of course was part of the story, Bo Hansson’s “Lord of the Rings” (1970). Who says, time wouldn’t fade away?

To make a long thing short, this kind of lecture could be a model for music festivals and other cultural events with a vision, because it simply offers extension of knowledge, prepares the ground for other happenings, and supports any kind of thinking out of the box. Because readers (here) might know some of it, I put the lecture (it really was a lecture in the literal sense!) back on the day it has been performed. Just click h e r e – and you can read it, at least the sober words.

2016 8 Sep

Besenkammermusik

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: , | 19 Comments

Der einzige Traumrest war ein lindgrünes Stofftaschentuch, aus der Zeit, als solche Dinge noch als vornehm galten. Ich schaute das offensichtlich frisch gewaschene Teil etwas ratlos an, als ein kleiner Papierfetzen sich löste und auf den Boden segelte. In blauer Tinte stand dort nur die Jahreszahl 1967, und erinnerte mich erst in zweiter Linie an die frühe Hochzeit der Kinks (“All day and all of the night”), zuallererst fielen mir, seltsam genug, alte Schulhefte ein, und wie brav ich dort immer, in einer Zeit, in der es für Schönschrift noch Noten gab, rechts oder links an den Rand (blütenweiss) den jeweiligen Tag notiert hatte. Also: 7. 2. 1967 – oder 8. 2. 1967. Die Jahreszahlen schienen unbewegbar zu sein wie geschützte Denkmäler, in den Boden gerammte Pfähle. Die Illusion von Zeitstillständen wurde also auch durch schulische Rituale bekräftigt, nicht nur durch den Luxus der Langeweile der “Babyboomer”, oder das trügerische Gefühl von Ewigkeit, das selbst einem sonnigen Spätsommertag anhaftete. 8. 9. 1967. Es gab in meinem Leben damals, in dem Jahr als die Zeit wieder mal stillstand, neben musikalischen Schlüsselerlebnissen (“You Really Got Me”), kriminalistischen Entdeckungen (Sir Arthur Conan Doyle, alle Sherlock Holmes-Geschichten!) auch eine erotisch gefärbte Sehnsucht nach einer längst vergangenen, frühen Kindheit. Denn viele Jahre zuvor hatte mich Nacht für Nacht, in meinen Träumen, eine exotische Frau besucht, der ich einen Namen gab, und die mich, nackt am Rand eines Swimmingpools, massierte. Sie war eine Slawin, sie war eine Indianerin, sie war eine Zigeunerin, sie war ein Serientraum. Als meine Nase plötzlich lief, schneuzte ich in das Stofftaschentuch, legte mich auf eine violette Chaiselongue (mir war immer noch nicht klar, dass ich weiterhin träumte), und unterhielt mich eine Weile mit Will Sheff. Will erzählte mir von dem Drogentod der Sängerin Judee Sill in einem Wohnwagenpark, vom tristen Leben des Tim Hardin, vom Tod seines geliebten Grossvaters in einem Hospiz, und von dem Requiem, das er für das Ende seiner Band geschrieben hatte. Ich erzählte ihm von meiner “Farbenfrau”, von einem Himmel schwarzer Vögel, und wie die Kindheit – die seltsamsten Formen annehmend – durch unser Erwachsenendasein geistert. Wir sprachen über die Jahreszahlen der frühen Jahre, in denen die Zeit sich keinen müden Meter mehr zu bewegen schien, und wie wir damals die Angehimmelten in Zeitlupe einatmeten (in endlos gedehnten Blicken).

 
 
 

 
 
 

Seine Stillstandsjahre waren in den Achtzigern aufzufinden, in einem Amerika der herausgeputzten Vorstadthäuser. Will nahm seine Brille vom Gesicht und putzte sie. Ich nahm das grüne Taschentuch und gab ein kräftiges Niessen von mir. Will nannte sein neues Album eine “Todesgeschichte”, und er meinte damit wohl Tod, Verwandlung, Neuaufbruch. Mein Blick fiel auf eine Tarotkarte aus alter Zeit, und ich sah Don Draper aus einem hochgelegenen Stockwerk stürzen. Irgendwas stimmte an dieser Begegnung nicht. Ich hörte das gleichsam indische Sirren der Gitarren auf “See My Friends” (ein Foto von Ray Davies stand auf dem Schreibtisch). Auf dem Tisch lag auch das Album von Wills neuer Platte. Ich konnte mich gar nicht satt sehen an dem Cover, das all die Sphären seiner sepiagrauen Gesänge mit kaleidoskopisch wirbelnden Kindheitsfarben mischte. Man hört der Platte von Okkervil  River nicht gerade an, dass sie in New York entstanden ist. Der Song “Days Spent Floating (In The Halfbetween)” ist ein Finale besonderer Art, zusammengereimt aus lauter ersten Sätzen des morgendlichen Erwachens. Selten, dass ich auf einer Liederplatte nur Lieblingslieder habe. “Away” ist ganz grosses Kino alter Schule. Orchestrale Besenkammermusik mit Ausblick!

 

01) Brian Eno: The Ship
02) David Bowie: Blackstar
03) Nick Cave: Skeleton Tree
04) Ian William Craig: Centers
05) Frank Ocean: Blond
06) P. J. Harvey: The Hope Six Demolition Project
07) Darren Hayman: Pleasant Villages Vol. 1
08) Okkervil River: Away
09) Tindersticks: The Waiting Room
10) Paul Simon: Stranger To Stranger
11) Sinikka Langeland: The Magical Forest
12) Wilco: Schmilco 
13) King Creosote: Astronaut Meets Appleman


 

 

Die Anzahl exzellenter Songalben (resp. songorientierter Alben) ist in diesem Jahr enorm. Meine ersten drei Alben gehören allesamt in die Kategorie “noir”, und wann sich jemand auf Nick Caves Trauerarbeit einlässt, hängt von Stimmung, Stunde, und dem Stand der persönlichen Dinge ab. Der Tod ist auf etlichen dieser 13 Alben gegenwärtig. Auf Dauer konnte ich mich nicht mit Ahnonis sicher grossartig inszenierter Protestmusik anfreunden, und der vielgelobte junge Brite mit seinen Vokalkunststücken (wie schön, dass mir  der Name nur auf der Zunge liegt, nein, bitte keine Gedächtnishilfe!) geht mir mittlerweile auf die Nerven, so penetrant und nicht wirklich eindrucksvoll ist seine recht tumbe Liebeslyrik.  Ich weiss gar nicht, was in diesem Jahr noch in meine Reihe der vorwiegend dunklen Liederwaren eindringen könnte, Lambchop, ja, das ist gut möglich, Jenny Hval vielleicht, und die alten Gentlemen Van Morrison und Leonard Cohen sind auch noch ans Mikrofon getreten. Aber im Grunde ist das Jahrespaket schon weitgehend geschnürt. Keine Liste ist perfekt, die Legendary Pink Dots hätten noch dazugehört, und all das Unerhörte, das nie zu mir vorgedrungen ist, Beyoncé aber brauche ich nicht, sie ist für mich Madonna 3.0 – wie schön, was einen an aufgedonnerten Songs alles restlos kaltlassen kann. Frank Ocean aber hat mich (aus der Riege der grossen Stars der Gegenwart) erst mal in Ungläubigkeit, und dann in reines Staunen versetzt. 

 

 

“Something went completely wrong.”

(B.E., “Everybody’s Mother” from My Squelchy Life)

 
 

Auf dem Weg nach Westfeld zu einer exotischen Kleinbäckerei merkte ich, wie Zunge und Gaumen anfingen zu jucken. Ich hätte mich nicht leichtfertig so weit (und einmal mehr unerlaubt) vom Klinikgelände entfernen sollen … Schliesslich bin ich in die klösterliche Abgeschiedenheit gereist, um meine ASS-Unverträglichkeit (Salicylsäure ist mein natürlicher Feind) in langsam steigenden Dosen zu deaktivieren. Das weite Land ringsum war also nicht mehr dazu da, den Blick in aller Langsamkeit schweifen zu lassen, sondern nur noch Hintergrund für meinen Staubwolken aufwirbelnden Toyota Yaris Cool Plus, der auf einer traurigen Liste der ungeschütztesten Autos (“for the driver”) ziemlich weit oben platziert ist. Ich nahm meinen persönlichen Geschwindigkeitsrekord für Landstrassen in Angriff (nur Rehwild, das die Strasse passierte, war in realer Gefahr). Die Kühe mussten tatsächlich zur Seite springen, als ich den letzten Weg über eine Weide einschlug. Kurze Momente der Hyperventilation. Statt aber nun mit akuter Luftnot in der Intensivstation zu landen (der Gefässzugang für hochdosiertes Kortison war gelegt), hatte ich in den folgenden Stunden “nur” massives Nasenjucken, Nasenlaufen, Zungenbrennen – und an die zweihundert (!) Niessvorgänge zu verzeichnen. Speziell letzteres ist erschöpfend, und kann, bei entsprechender Disposition, zu dezenten Kreislaufattacken führen. Jetzt, nach 30 Tropfen Fenistil, kehrt langsam Ruhe ein, das Therapieziel ist in weite Ferne gerückt. Auf der Gewinnerseite nur mein Resthumor, zumindest, wenn mein linkes Ohr wieder “aufgehen” sollte. Ich möchte Nick Cave am Freitag nämlich in Stereo, und nicht “wie in der Bahnhofshalle” hören. (Mittlerweile ist das linke Augenlid so dick geschwollen, als hätte mir ein Boxer draufgehauen; die Nachtschwester verabreicht mir weitere 30 Tropfen Fenistil und ist guter Dinge: “Was meinen Sie, was man auf einer allergischen Station alles zu sehen bekommt!?” Na dann. It’s not really funny! (Das ist das Ende der Schmallenberger Notizen.)

Heute Vormittag ein erster, von der Allergologie keineswegs erlaubter, Spaziergang um die Klosteranlage. Was mein humorvoller und aufmerksamer Zimmergenosse C. täglich an Schonkost verabreicht bekommt, möchte ich nicht mal an die Teichenten verfüttern. Landschaftlich ist das hier eine Schau, und wenn mein Körper mir weiter gute Signale sendet, werde ich mir den Sonnenuntergang im weitläufigen Tal nicht entgehen lassen. “We all love our sundowners, don’t we!?” – eine Zeile meines Vortrags in Kristiansand. In der Schlussepisode meiner Lesung kam viele Menschen (am Strand von Rantum) zusammen, um sich an der Musik aus einer riesigen Jukebox, und ihrem “Sonnensenker” zu erfreuen. Aus der Menge trat eine Frau heraus und erzählte den Menschen eine kleine Story über das Hören von Lieblingsliedern. Dabei hielt sie dezente Schocks parat, und eine Desillusionierung des nostalgischen Zaubers eines alten Liedes der Kinks. Natürlich dachte ich bei der Erzählerin an Laurie Anderson, ohne ihre Sprachmelodie allzu sehr zu imitieren. Gestern Abend sah ich eine Nonne in schwarz, die aussah wie ein Mann, und mir freundlich die Richtung wies. Heute sah ich eine Nonne in weiss, wie eine Erscheinung. Vom Messdiener der frühen Jahre bin ich eindeutig zum Pfadfinder mutiert – nur mit dem Knowhow aus dieser Ecke der Schnitzeljagden und Versteckspiele finde ich in der Dämmerung, kurz bevor die Füchse aus den Löchern kommen, meinen “Absacker” für das Reich der Träume, in einem Kühlbeutel kurz vor dem wilden Wald, einen schlichten, aber umwerfenden Caipirinha. Im Kopfhörer “If I Ever Was A Child” aus dem neuen Wilco-Album.


Manafonistas | Impressum | Kontakt
Wordpress 4.6.1 Design basiert auf Gabis Wordpress-Templates
68 queries - 0.158 seconds.