Manafonistas

on music beyond mainstream

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You can go into the details, and if you’ve followed Leonard’s way, you’ll do it anyway. 80 years old, the man from Canada is about to release a very good album. Three “killers”, no fillers. Decent songs, the other ones, at least. The titles of the outstanding tracks: “Almost Like The Blues”, “The Street”, and, best if all, brilliantly set in scene, “Nevermind”.   Excerpt of  “Nevermind’s” lyrics: “Your victory was so complete / Some among you thought to keep / A record of our little lives / The clothes we wore, our spoons, our knives / The games of luck our soldiers played / The stones we cut / The songs we made / Our law of peace, which understands / A husband leads, a wife commands … / Names so deep and names so true / They’re blood to me and dust to you.” You will go into the details, angels and demons included. 

Unfassbar: heute in der SZ ein Artikel im Sportteil der Süddeutschen Zeitung. Von wem sonst als dem Sportjournalisten Thomas Kistner, dessen Bücher allesamt das Prädikat “besonders entlarvend” verdienen. Der Artikel findet sich auf Seite 32 unten rechts, und wird hier, sobald er als “link” verfügbar ist, angegeben. “Ganz unten in der Tüte. Eine neue Affäre im  Reich der Fifa: diesmal geht es um Luxusuhren für alle ihre Vorständler”. Szenenwechsel. Als BVB-Fan war für mich natürlich das geglückte Comeback von Shinji Kagawa die reine Freude. Jochens und Gregors Hannover 96 hat sich erstmal auf Platz 3 eingenistet, Gladbach hat mit durchaus begrenzeten Möglichkeiten eine grossartige Mannschaft zusammengestellt, Paderborn und Köln schlagen sich wacker. Es gibt also noch gute Nachrichten und Überraschungen in diesem universalen Fussballgebilde, das nach wie vor, wie der Fisch, am Kopf am meisten stinkt.

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Wie etwa GRAVITY, ist LOCKE ein Raumfilm, wenn man so will, eine Art “space movie”, obwohl der Raum in Ivan Lockes Welt (Tom Hardy legte sich für den Film einen walisischen Akzent zu, der allein in mehrfacher Hinsicht dieses Drama bereichert) ein sehr begrenzter ist. Er fährt mit seinem Auto von Birmingham nach London, durch die Nacht. Und wie ALL IS LOST, handelt der Film von einem Mann allein, der ums Überleben kämpft, zumindest um das Überleben seiner privaten und sozialen Welt. Und es geht um Würde, ein fürchterlich altbackenes Wort, aber so ist es, es geht um die Erfüllung einer Verpflichtung. “I’ve made a decision”, ist ein Kernsatz. An einer Stelle formuliert Tom Hardy, der diese Rolle mit allen Nuancen ausreizt, ohne je eine Spur zu dick aufzutragen, all seine Vorhaben wie eine Shakespeare’sche Figur in einem Monolog, in grosser, zugeich, an den Rändern der Stimme, zitternden Ruhe, und beendet seine Affirmationen mit dem Satz “… and this is my prayer.” Gänsehaut pur. Mit Religion hat der Film rein gar nichts am Hut. Anders als Robert Redford in ALL IS LOST, kämpft Ivan Locke nicht mit Naturgewalten, sondern mit den gewaltigen Kräften der menschlichen Natur, und diese können brutal sein, in all ihrem Beharren, Sehnen, und Zerbrechen.

 

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Tom Hardys Darbietung ist ja nicht das einzige Highlight des Meisterwerkes “Locke”. Ich habe den Film jetzt zum zweiten Mal gesehen, ohne dass er an Intensität eingebüsst hat. Bei Filmen achte ich stets auf die Musik, und ich habe meine Zweifel, ob der mittlerweile downloadbare Soundtrack auch autonom funktioniert. Und das ist beileibe keine Kritik an der Instrumentalmusik von Dickon Hinchcliffe. Bei einem anderen exzellenten Thriller der letzten Jahre, “Prisoners”, war die Musik des Isländers Johan Johansson eine subtile Bereicherung der erzählten Geschichte, aber als eigenständige Musik schlicht langweilig. Nun arbeitet Dickon Hinchcliffe in “Locke” weitaus mehr mit rhythmischen Elementen als der Isländer im besagtem Film von Regisseur Dennis Villeneuve (dessen danach fabriziertes Machwerk übrigens vollkommener, postkafkaesker Unsinn war). Hinchcliffes Musik sorgt weitgehend für Atempausen, für akustische Zwischenspiele, in diesem gnadenlosen, Kilometer fressenden, Adrenalinrausch. Hinchcliffe gelingt es, Momente der Entspannung und des – kontrapunktisch – “sanften” Schreckens so feinnervig zu verweben, dass der Zuschauer sich, in all diesen Interludien, in denen kein Handy klingelt, keine Menschen durchdrehen, keine Lebensentwürfe kollabieren, einfach mal in die Musik fallen lassen kann.

The plan is to start here, on Manafonistas, just before Christmas, by the time you might already have seen the movie “Paddington”, a collection of 12 short short stories about a Canadian black bear who loves music by “early” Jan Garbarek and some electronic stuff, too – and he has a knack for good thrillers. Each story will be accompanied by a drawing. As it is with all intelligent living organisms, Steve has his very special angels and demons to cope with. It’s the only black bear I ever got to know (near Yellowknife),  and I feel obliged to tell his stories. Not really campfire stories, but hinterland stories, often coming to an end without a punchline. One more spoiler: not a single story is related to the ups and downs of falling in and out of love. Though laughing out loud at certain moments is permitted, it’s serious matter. The publication of these true stories might lead to legal pursuits, i’m well aware of that fact. But I need a man or woman who can make beautiful drawings. This alone will make it happen in the end. 

2014 13 Sep

Maps To The Stars

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Ein weiterer grossartiger Film des Jahres 2014, den viele ganz und gar widerlich  finden werden, zum Davonlaufen, wer mag schon ein Feelterrible-Movie!? Ich habe   “Landkarten zu den Sternen”  von David Cronenberg gestern im Kino gesehen. Er ist, bei ihm nicht anders zu erwarten, erschütternd und verstörend, also nichts für die berüchtigten “schwachen Nerven”. Ich empfehle, mit dieser Vorwarnung, diesen Film ganz und gar, trotz der vielen  Psycho-Zombies  und ihrer grausamen  Totentänze und Fieberträume!

“Von der Psyche Hollywoods”

Ich werde das Wort, das ich heute gelernt habe, in einer meiner nächsten Ausgaben der Klanghorizonte benutzen. Ich werde hier nicht erzählen, wie ich auf das Wort gestossen bin, nicht, weil ich es künstlich spannend machen will, sondern weil ich hier bestimmte Dinge, die privater Natur sind, aus Emails anderer Menschen,  etc., nicht öffentlich mache. (Es sei denn, ich werde persönlich angegriffen.)  Das Wort, das ich, jedenfalls bewusst, noch nie gehört habe (vielleicht habe ich es mal gelesen in einer Informationsbroschüre über Dampflokomotiven oder Heizungsinstallationen, aber das ist unwahrscheinlich; vielleicht hat es Konrad Heidkamp einmal in einer seiner wunderbaren Musikbesprechungen benutzt, aber dann wäre es bei mir haften geblieben), heisst “Nachbrennkraft”. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Ich glaube, mit diesem  Satz endete mal nahezu jede Story eines Geschichtenbandes des von mir einst verehrten Helmut Heißenbüttel (der auch ein grosser Freund der Kriminalliteratur war). Aber vielleicht täusche ich mich da, und der Geschichtenband stammte von jemand anderem.

 

 
 
 

 
 
 

 

Liest man die Rezensionen zum letzten  Scott Walker-Album, fällt auf, dass es gewisse Reaktionstypen gibt: zum einen geben die besten Besprechungen dem Hörer Möglichkeiten an die Hand, den rätselhaften Song-, Sound- und Textgebilden nah zu kommen, ja, sich gar auf sie einzulassen, und alle nicht restlos geklärten Wenns und Abers mal ruhen zu lassen. Hervorragend etwa die lange Coverstory von Mike Barnes im WIRE, der manches Element dieser vermeintlch hermetischen Lyrik entschlüsselt. Auch die Rezensionen in Tiny Mix Tapes, bei Consequence of Sound und im Guardian sind angenehm erhellend.

Demgegenüber produzieren etliche andere Rezensenten typische Verhaltensmuster bei der Begegnung mit dem Total-Befremdlichen. Gut zu beobachten ist diese pseudo-intelligente Art von Abwehrreaktion in Trash-Movies aus den Fünfziger Jahren, wenn nichtsahnende Menschen plötzlich Riesenspinnen und Aliens begegnen: wer dem “common sense” abschwört, wird leicht als “Feind” klassifiziert, als “krank”, oder “Autist”. Kein Wunder also, dass man Scott Walkers Kunst in dieser Lesart als “dummen Umfug” abkanzelt, als “pathologischen Stoff”, den allenfalls David Bowie verstehen könnte (warum ausgerechnet der?), ja, es wird gar bestritten, dass es sich hier überhaupt um Musik handle. Bish Bosch kann wahlweise Fluchtreflexe (bei James Blunt-Fans, z.B.) spontane Indifferenz, oder interessierte Annäherung in Gang setzen (bei Faszinierten).

Die Welt von Bish Bosch ist nicht verstörender und unzugänglcher als diverse radikale Meisterwerke der Filmgeschichte wie Wenn die Gondeln Trauer tragen, Cache, Mulholland Drive, Stalker oder späte Filme von Bresson. Wenn die Grenzen des Mainstreams einfach mal grundlegend aus den Angeln gehoben werden, kommt gerne auf Kritikerseite der sog. gesunde Menschenverstand zu Wort. Zum Gähnen: schon Oscar Wilde wusste, dass der gute Geschmack mitunter der Feind der Kunst ist. Aber noch mal ganz klar, damit ich nicht für einen Avantgarde-Fuzzi gehalten werde: es gibt Musik, die noch so grandios sein kann, die einen einfach ungerührt lässt. Jeder findet die Musik, die ihm oder ihr die beste Seelennahrung liefert. Nur gilt es, Polemik durchaus kiloweise auszuschütten, wo jemand aus völliger Borniertheit heraus etwas niedermacht, was er überhaupt nicht versteht. Und dann noch den Künstler persönlich angreift: selbstgefällige Krämerseelen.

Da wäre dann Schweigen besser. Und klüger. Ich würde mir nie erlauben, eine Polemik zu Olivier Messiaen zu verfassen, nur, weil mich die Musik schlichtweg nicht berührt. Wenn im Oktober ein neues Album von und mit Scott Walker erscheint (eine Kollaboration), wird sich das Spiel wiederholen.  Mike Barnes (s.o.) hat das neue Werk schon gehört und ist tief beeindruckt, wie er mir mailte.

2014 10 Sep

Being John Kelman

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Nachdem er gestern, trotz klarer Ansagen, den zweiten Vorschlag zur Güte ignoriert hat, und mich mit einer weiteren, auf den einzigen flüchtigen Blick, wieder ellenlangen Email belästigt hat, fand ich die Lösung des Problems (da fällt mir doch “Lösungen” von Paul Watzlawick ein, erhellendes Buch damals!) – ich las nur zwei Zeilen (repetitiv, redundant), und stoppte sofort die Lektüre: wer schmeisst schon freiwillig Zeit weg?! Ich schrieb ihm ihm kurz, sinngemäss, einen Einzeiler: “Only reading two lines. Over”.  Dann aktivierte ich den Spamfolder, wo er jetzt herumgeistern darf neben Namen, die Sarah Jane heissen, Sex in the Dark, und (so nennt sich da wirklich einer) Autofellatio. Das meint keinen blow job im Auto, sondern, wenn einer sich selbst einen bläst. Manche sollen das angeblich können. Beste Grüsse an Mr. Kelmans deutschen Übersetzer, dieser Text ist einfacher und weniger leicht misszuverstehen. Ich schloss dann die heitere Diskussionsrunde mit einem Songtext der Kinks ab, denn es ist immer gut, eine verknotete Situation mit einem ganz anderen Thema abzuschliessen, das Endlosschleifen beseitigt: ein Loblied auf das 50. Dienstjahr der Kinks. Ich war stets ein Anhänger der alten Pfadfindertugend: jeden Tag eine gute Tat. P.S. Und nun tauchte er dann wieder auf, diesmal mit seinem zweiten oder ersten Namen, D.B, wieder wurde der Spamfolder aktiviert. Demnächst kommt er vielleicht als Donald_Duck101 daher. Da es aber besser ist, einen Abschied mit einer Spur von Dankbarkeit anzubieten, ersetzte ich einen bitteren Song der Kinks (der wieder missverstanden wurde, das hatte gar nichts mit dir zu tun, John, die Welt dreht sich nicht um dich und mich, der Song schon gar nicht) durch einen traurigen, wunderschönen Song von Ray Davies, der daran erinnert, was für grossartige Tage wir einst hatten, voller prächtiger Gespräche. God bless you, John! But let’s stop our relationship now, forever and a day, even the one in the net, you’re such a fabulous guy, and, much more than I have ever been, “everybody’s darling”. And, well, never forget comment no. 12! Von jetzt an wird jeder deiner Kommentare schnellstmöglich gelöscht (oder “is waiting for moderation”). We’re done, didn’t i say this before? Freu dich auf das nächste Album von Spyro Gyra!

2014 9 Sep

Too much talking

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A good friend has asked me days ago what’s this thing with people talking too much. How I would see it as a psychologist? Well, you can never say something without knowing the person and his history. But, generally speaking, it’s dysfunctional social behaviour. If someone talks too much, it can produce severe forms of headaches, even migraines. If someone talks too much, without interruption, without dots and commas, it produces varying brain wave-patterns of high activity in certain parts of the neocortex and older systems of the brain. This all can lead to an overload of the central nervous system including a broad palette of stress symptoms, high blood pressure, tics, psychosomatic symptoms, etc. It is important for hyperactive people to get to know the power of breaks, of quietness, of patiently listening to the person in front of you so that the relationship of the talking time is 50:50 meaning every person of the dialogue occupies quite the same amount of time speaking and listening. If someone talks too much, it can even produce severe forms of headache and migraines within the person who is listening and listening and listening and listening for a long span of time before becoming an active part of the “conversation” again. Meditation is helpful (stay away from TM!), autogenic training, muscle relaxation a la Jacobsen. Even deep listening to ambient music a la Eno or Budd. It can all be part of a much more complex thing that requires psychotherapy. Now, this friend of mine couldn’t tell me a lot of details about the other person’s story or history (i didn’t know him at all, i even never saw him), so I could only make general suggestions.


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