Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Autoren-Archiv:

2016 28 Mai

Kriminelle Zeiten

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

Morgen habe ich einen „lazy sunny afternoon“. Mit der Lady aus dem berühmten Lied von Derek & The Dominos verspeise ich Haselnusseis im „Möhrchen“, und am Abend steht eine meiner zwei deutschen Lieblingsfilmschauspielerinnen auf dem Programm, Claudia Michelsen, in „Polizeiruf 110“. Danach zeigt das ZDF um 22.00 Uhr die Verfilmung eines Peter Robinson-Romans, der weit zurückreicht in der Zeit, zu einem ungeklärten Mordfall auf einem Rockkonzert in der Blüte der Hippie-Ära. Wer das Gefühl hat, hier etwas aus dem Tagebuch eines Müssiggängers zu lesen – Sie liegen völlig falsch. Mein Leben ist derzeit so zeitsprunghaft, als würden morgen die Beatles in Essen spielen. Aber ich bin schon ein grosser Junge, und kein kreischender Fan. Das hat alles natürlich mit Psycho Fiction zu tun, mit Schirm, Charme und Melone. Hören Sie sich den Originalsoundtrack der alten TV-Serie „The Avengers“ an, mit Diana Rigg, und akzeptieren Sie einfach, wenn Sie halsüberkopf auf die andere Seite der Leinwand geraten.

Vielleicht haben einige der grossen Platten des Jahres 2016 etwas Niederreissendes und Prophetisches an sich, ansatzweise mystisch, oder ohne jeden Hauch davon, ein gross angelegtes Spiel, das sich nicht zuletzt speist aus umwerfenden Melodien, die fast durchweg an einen Rand und darüber hinaus getrieben werden, und jetzt ist, für mich jedenfalls, ein Album dazugekommen, nach The Ship und Blackstar, und ich erinnere mich, dass John Peel sie einst gar nicht mochte, und damit fast zwangsläufig ins Exil trieb, und es besteht kein Zweifel, dass das neue Werk bislang, ausser von einer kleinen Fangemeinde, kaum wahrgenommen wurde, und, würde man der eigenen Klangsprache der Band nicht grosses Unrecht damit tun, könnte man etwas hochstapeln, und behaupten, hier hätten sich Michael Gira,  Wayne Coyne, ein geheimnisvoller Bruder von Robert Wyatt, ein Krautrocker aus Düsseldorf, ein aus dem grab auferstandener Grateful Dead und John Cale in zwei Studios in den Niederlanden und England zusammengetan, um einen umwerfenden Irrsinn anzuzetteln, ohne Drogen und vollkommen psychedelisch, fuck, what a record: The Pages of Aquarius von The Legendary Pink Dots.  Ich traue meinen Ohren immer noch nicht so recht,  und bitte darum, diese Sätze mit einer Portion Skepsis im Raum stehen zu lassen, aber, verdammt, was für ein Hörerlebnis! The real, old, new underground.

Eine Sturzfluggeschichte. Patient X: Fallträume, Serie: grauer Helikopter, hoher Lärmpegel, Fallschirmprüfung, X steigt aus, der Schirm öffnet sich nicht, schweissgebadetes Erwachen. Exploration: der Angstschweiss bricht schon aus, wenn er in das Fluggerät einsteigt. Im realen Leben: multiphobisch, intermittierende Attacken. Valium 50 mg, eine Assistenz an seiner Seite, dann pures „flooding“, Volles Kino, weite Plätze, auf den Fernsehsturm steigen – durch jede Angst durch. (H. scherzt: – Was beruhigt mehr als Sedativa? „Tatort“ gucken.) 15 Patienten im Modellversuch. Mittelfristig: Trauminkubation, Auflösung des Serienalpdrucks mit luzider Technik 22. Dieweil wir, die Betreuercrew, verteilt in der Forschungshöhle, minimalistische 2-Bett-Zimmer. 14 Tage, Fallberichte, das Honorar ist cool. Das ist so das Ambiente, um Philip K. Dick-Stories zu recyceln. Fast verwandle ich mich in ein geschlechtsloses Wesen. Fast. Die Assistentinnen spulen ihre Programme am Schnürchen ab, fast aseptisch, solche Wesen funktionieren nur in Steely Dan-Songs. Drei Euro in die Machokasse. Die eigene Traumerinnerung verstärkt sich: hier im Vollklimatisierten gibt es kein Heu, aber ich liege im Heu, vor mir die Nordsee. Die Sonne dampft auf meinen Rücken. Meine Lieblingsfigur aus TRANSPARENT verwickelt mich in ein Gespräch: sexueller Status, Top-5-Fantasien, Typologien des GV. Früheste Sexträume. Ich stammel mir einen ab. Dann Reaktionstest, Slip runter, ihr Zeigefinger rechts fährt über Unterlippe, Oberlippe, in den Mund (saugen!), Brustwarzen, Eichel – die Elektroden messen den Ausschlag. Ich soll die Ejakulationsmenge in ein Röhrchen füllen. Werde wach. Morgendämmer. Wollte ich nicht eigentlich mit den Ziegen durch die Pyrenäen ziehen? Nobody around. Nur die Schnarchnase neben mir. Ich schnappe den Walkman und laufe einmal um die Anlage, und noch einmal. Am Hyde Park ist es schöner. „Nerissimo“ läuft, das neue Teil von Blixa und Teardo. Zupfe mir Heu von meiner Trainingsjacke. Ich glaube, ich träume.

Jedem gezielten und ungezielten Wohlklang widersetzt sich der isländische Komponist Johann Johannsson, als er die Filmmusik für Denis Villeneuves letzten und ruhig inszenierten Kinofilm „Sicario“ entwickelt hat: ein dunkles Erdbodenzittern, das mit der Dunkelwelt im Nirgendwo zwischen Arizona und Mexiko verschmelzt. In diesem Fall besteht die Qualität der Filmmusik darin, in keinem Moment nach Autonomie von den bewegten Bildern zu streben. Der Soundtrack allein bereitet wenig Freude. Aber für den Film ist er (wie der beteiligte Kameramann, ein As!) Gold wert. Es geht um den amerikanischen „War on Drugs“ und eine Reise ans Ende der Nacht. Einer der besten Filme des Jahres 2015. Dem Meisterwerk von Don Winslow ebenbürtig, „Tage der Toten“. Und nun zum guten alten „Downbeat-Rating“ (* – *****) eines kleinen Stapels neuer Platten. Bob Dylan hat schon früh seine Liebe zu Songschreibern der Tin Pan Alley entdeckt, und in Harold Arlens Liedern bluesige und folkige Wurzeln aufgespürt, denen er sich nah fühlte. Eine Art „Memory Memoir“. Aber machen wir es kurz. Bob Dylan – Fallen Angels: *** : for melancolic moods with a knack for the uplifting stoicism of longing (red wine music, maybe, soon, in the wee hours, I will add another half star) // Radiohead – A Moon Shaped Pool: *** – sometimes I get it, sometimes I don’t (first impressions) // Terry Reid – The Other Side Of The River: ***1/2 – very interesting discoveries from the legendary „The River“- sessions with a beautiful, earthbound flair of drifting // Beyonce – Lemonade – *** : great voice, great variety, great arrangements, kind of Madonna 3.0, but it leaves me quite cold; is it not a bit over the top, in its grandiosity? // Golfam Khayam & Mona Matbous Riahi – Narrante: **** – highly idiosyncratic (sorry for this word, please replace by „unique“) and (no paradox here) eclectic visions that leave me stunned, speechless, and using some cliched words for quick shots to mark the unmarkable // Wire – Nocturnal Koreans – *** – I love this band whenever they only slightly touch that magic area of their first three albums (long time ago), and here they do, okay, just a little bit, but with fervour and dignity! A propos Fieber  und Würde – und Würdelosigkeit und Abgründe und Dialoghärte: immer wieder fallen lassen kann ich mich in die Titelmelodie der TV-Serie „Transparent“ – das Schweben der Klaviertöne wirkt wie Version Nr. 187 von Erik Saties „Gymnopedies“, und ist von Dustin O’Halloran geschrieben worden. Man folgt dabei flirrenden Vorspannbildern, welche ins Irritationsfeld männlich-weiblicher Identitätsfindung locken, Biographien und Zeiträume mischen. Die Stories der zwei Staffeln widerstehen jedem pädagogischen Appeal – das ist kein Goodfeel-Streifen zur Einfühlung in transsexuelle Empfindungszonen – dem Reigen der Lüste, Sinnfindungen und Breakdowns wird ein freier, verstörender Lauf gegönnt.

2016 21 Mai

Narrante

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

 

 
 
 

Es entsteht hoffentlich nicht, über die Jahre, der Eindruck, aus meinem Autoradio käme immerzu Musik. Ich habe in den letzten sechs Tagen 1478 km zurückgelegt, und dabei stets auf die Momente gewartet, in denen die Lust auf eine der mitgenommenen Compact Discs besonders gross war. Und so kamen diesmal, zwischen dem Rheinland, Strasbourg und Auxerre, meistens nur einmal, dafür immer in voller Länge, folgende Alben in meiner fahrenden (und oft keinen Laut von sich gebenden) Jukebox zum Einsatz: The Traveling Wilburys (sowieso ideale Autobahnurlaubsmusik), Damon Albarn (Everyday Robots, für mich eines der wundervollsten Songalben der letzten Jahre), Carla Bley (Andando el Tiempo), Culture (Two Sevens Clash, ein guter Grund, eine dezente Roots-Reggae-Obsession zu entwickeln!), The Beatles (Revolver). Letzteres lief dann doch drei, viermal am Stück. Und dann – es musste dunkel werden am Himmel, um dafür in die rechte Stimmung zu kommen – ein Album, das kaum einer der ersten hundert Leser dieses Textes kennt (offiziell ist es gestern erschienen), und mich schon am Abend vor der Abreise beim ersten Hören faszinierte. Über „Narrante“, gespielt von den zwei gebürtigen Teheranerinnen Golfam Khayam (Gitarre) und Mona Matbou Riahi (Klarinette), wird noch zu reden sein. Nein, keine iranische Folklore, nein, kein Irano-Jazz, nein, keine Zeitgenössische Klassik. Alle Etiketten schwindeln hier. Im Zwischenwo zuhause. Gehört auf einem Rastplatz. Nieselregen, der Himmel begann fünfzehn Meter über der Erde. Der Wasserfall begann vierzig Meter über mir. Ein paar Tage zuvor. Zeitsprung: am rechten Ortsausgang von Vauchignon findet sich eine steinige Strasse, die zu einem Wanderweg ums Ende der Welt führt („au bout du monde“). Dort entdecke ich den lang ersehnten Wasserfall, reisse mir die Klamotten vom Leib (nur die Sonne ist Zeuge), und stelle mich unter die wilde Dusche. Ein famoses Einstürzen, die Sinne werden durchlüftet. Bei 15 Grad Lufttemperatur bleibt das Wasser unerschütterlich kalt, die Haut rötet sich an den Schultern, und hellwach setze ich die Reise fort. Wasserfallmusik.

2016 21 Mai

Pagnol

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Kaum war ich im Burgund angekommen, rief das Flair der Landschaft etwas im Grunde Verschollenes in mir wach. Wie rasch, dachte ich im Zuge dieses Erinnerungsspiels, entgleiten uns Geschichten, selbst wenn die jeweiligen Bücher in bester, wenngleich extrem lückenhafter Erinnerung geblieben sind!? Ich weiss ziemlich genau, dass ich vor langer, langer Zeit ein Buch von Marcel Pagnol gelesen habe, das fernab der Städte spielte, „sur la campagne“, und mich mit seinen Figuren, Stories und Dörfern bezauberte. Ich glaube, es war „Das Wasser der Hügel“ (bei Wikipedia nachgeschlagen), aber sicher bin ich nicht. Die Figuren und die Orte (eher die Provence als das Burgund, aber es gibt, über den Zungenschlag hinaus, Verwandtschaften) sind mir allesamt entfallen, die Erinnerung ist vage und bestimmt zugleich: unstrittig verbrachte ich eine erfüllte Zeit mit dem Buch.

2016 14 Mai

Der Wind aus Afrika

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 3 Kommentare

In meinem Leben brauche ich Kendrick Lamar nicht. Egal, wie fantasiereich der eine Hip, der andere Hop daherkommen, mir geht dieses Testosteron im „Gerappe(l)“ auf die Nerven. Beeindruckend, das Selbstbewusstsein, gut, die sozialpolitische Schärfe, fein, die klanglichen Zugewinne, aber ich laufe ja auch bei Cecilia Bartoli weg. Oder bei Gregory Porter und seinem Kuschelsoul. Es gilt, die Stimmen zu finden, die das Wundern wachhalten, da findet jeder sein eigenes Namensverzeichnis. Manche dieser Stimmen wohnen garin einem einzigen Jahrzehnt, weil sie später keine Alben mehr gemacht haben, die mich gefesselt haben: Joni Mitchell etwa. Oder Van Morrison. Da halfen auch die Gesangeskünste nicht mehr. Beide leben in meiner „desert island collection“, voller Ernnerungen, und geben, wenn ich sie auflege, Laut von einer anderen Zeit und Zeitlosigkeit: „The wind is in from Africa / Last night I couldn’t sleep“. Nach wie vor wundert mich die Geschichte, die Brian Eno vor Wochen erzählte, wie sehr ihn damals, ganz untypisch für seine nicht gerade enormen Sympathien für „confessional somgwriting“, Jonis „Court and Spark“ in den Bann gezogen habe, und dass ihm da klar geworden sei, im Hinblick auf sein anstehendes Projekt, „Another Green World“, ein wenig anders an die Texte heranzugehen. Liest man die „lyrics“ beider Alben, stellt man fest, dass der Einfluss extrem subtil gewesen sein muss, und sich womöglich in reiner Klanglichkeit aufgelöst hat. Der Wind aus Afrika stammt ja aus „Blue“ (da fällt die Zawinul-Connection schon mal flach), und Joni flaniert auf „Court and Spark“ mehr in Paris und Los Angeles als unter Vulkanen oder auf exotischen Inseln. Eine kleine Spur ist vielleicht der erste Abschnitt dieser Strophe: „His eyes were the color of the sand / And the sea  / And the more he talked to me  / The more he reached me / But I couldn’t let go of L.A. / City of the fallen angels“.

Eine Zufallszusammenstellung. Da fiel mein Blick drauf, letzte Woche, ich fotografierte den Blick (sorry, nicht ganz scharf!), nichts war arrangiert, der Schnappschuss hat was zu erzählen. Fragt man mich, was ich an der Welt des Reggae so mag – lassen Sie den Blick kurz auf dem Cover von Bobby Kalphats Album „Zion Hill“ ruhen (das mit der roten Flasche!)  – , ist es wohl auch „the living with holes“, die Aussetzer im Rhythmus, als würde fortlaufend etwas stolpern und fliessen, stolpern und fliessen in einem Atemzug: das Stolpern und der „flow“ s i n d eins.

Die wenigsten kennen Bobby Kalphat, und diese auf zwei Platten verteilte Edition des „Berges von Zion“. Bobby Kalphat spielt gerne Melodika, ist aber, obgleich einst ein gefragter Sessionmann, lang nicht so bekannt wie Augustus Pablo. Er spielt auch Keyboards – und einen Moog, der leicht zu handeln ist und schöne Brummgeräusche macht. Die Melodika ist durchaus nicht das tragende, markante Instrument. Alles auf „Zion Hill“ ist aus einem Guss – „trippin‘ through the Jamaican Book of Standards“ – Bobby Kalphat nimmt sich einen Haufen von Lieblngsliedern vor, die gebucht sind für fast jede jamaikanische Jukebox.

 
 
 

 
 
 

Mein Gott Jah! Der satte Sound mit konturierten Drums und knochentrockenen Bässen ist hinreissend. Man befindet sich im „goldenen Zeitalter“, Lee Perry winkt die ganze Bande herein. Man geht von Studio zu Studio, und am Ende hat man von jedem Raum, jedem „Medizinmann“, einen besonderem Abdruck eingefangen, eine Handschrift, ein Riddim, einen Toast, haltbar bis zum „Armageddon“.

Fast so perfekt wie Donald Fagens digitale „Nachtfliege“, aber klangwärmer, mit verschmitzt aus der Reihe tanzenden Tönen. „Zion Hill“ ist ein gut gehüteter Schatz, von einem dieser Unterschätzten, die in ihrer frühen Zeit eminent wichtig waren für die Verwandlung von Rocksteady in Reggae. Und für Insider den Status der Granate Jackie Mitoo hatten.

1977 erblickte „Zion Hill“ kurz das Licht der Welt, verschwand umso schneller und tauchte vor Jahr uns Tag in dieser Hammervinylversion auf. Ein „Showcase“ für Bobbys Talente – und soviel mehr! Wird man hier nach dem Lieblingsstück gefragt, nennt jeder ein anderes, und ich „Collie Collie“, eine Version von Al Campbells „All These Shackles“. Alles „Versionen“ hier, klar. Sogar eine von „Take Five“. Cooking.

Thomas Vinterberg hat einige beachtliche Filme gemacht, allen voran das fiebrige Psychodrama „Das Fest“, auch die traditionell gehaltene Verfilmung eines alten Schmökers von Thomas Hardy „Am Rand der grünen Welt“ hatte Qualität.

Jetzt nahm er sich die Wohngemeinschaftsszene im Schweden der Siebziger Jahre vor, hatte exzellente Schauspieler zur Hand, und liefert einen unendlich bescheidenen, totlangweiligen, in jeder Hinsicht vorhersehbaren, Film ab. Ein bisschen „Das Fest“ (weichgespült),  ein bisschen „Szenen einer Ehe“ (gähn!).  Nach 30 Minuten wollte ich erstmals das Kino verlassen  (draussen lockte Sommerabendstimmmung, ein Caipirinha, das Leben mit all seinen Überraschungen), aber ich war dumm genug, auf eine Wende, einen Dreh zu hoffen. Vergeblich.

Vorhersehbare Dramen haben etwas Ermüdendes an sich; selbst das grosse Können der Schauspieler hängt an den Strippen eines extrem uninspirierten Drehbuchs, das kein Klischee auslässt. Und natürlich so gut wie jedem Typus von WG-Bewohner alter Zeiten gerecht werden will (ich erspare mir die ermüdende Auflistung). Ach, wie gut gefällt mir Ulrich Thomsen in den drei Staffeln von „Banshee“, eine Art „Tarantino hoch zwei“, allerdings ohne ausufernde Dialogarien! Ach, wie wenig kann selbst Trine Dyrholm mit ihrer Rolle einer aus allem Ehe- und Karriereglück hinauskatapultierten Frau diesen miserablen Post-Dogma-Film retten, auch wenn die Juroren des Berliner Filmfests ihr einen „Silbernen Bären“ überreicht haben. Dem Zuschauer wird hier ein ganz und gar waschechter Bär aufgebunden.

 

P.S. Ich habe selbst im Ausklang der Siebziger in einer WG gewohnt. Eines Tages kam eine junge Brünette aus Bochum zu uns, eine Bekannte von jemandem, der sich,  gern auch öffentlich, einer Fusspilzbehandlung unterzog. Sie hiess Susanne, hatte eine herzenswarme Ausstrahlung,  und brachte ihm zwei Lehrbücher vorbei. Nett, freundlich, zugewandt. Nett war aber hier nicht die Schwester von langweilig.

Während des Kaffeetrinkens wurde mit bewusst, dass diese Studentin einen  fabelhaften Zauber auf mich ausübte. Braungebrannte Haut, rehbraune Augen, langes schwarzes Haar, und irgendein Parfum, das ganze Arbeit leistete. Entscheidend waren die Augen, ihre französisch anmutende Erscheinung, und zwei ihrer Blicke, die mich mit einer  im Sekundentakt anschwellenden Erektion beglückten. Bevor sie ihr erste Tasse Kaffee getrunken hatte, musste ich kurz in mein Zimmer huschen und mir Erleichterung verschaffen.

Es war leicht, ihre Adresse zu bekommen. Am Tag darauf  stürzten  wir uns aufeinander, bevor ich die  erste und einzig gute Platte von „Dire Straits“ auflegen konnte. Sie sagte mir, ihr sei es ähnlich gegangen in der Küche der WG, sie sei selbst ganz feucht geworden. Es habe „geknistert“. Schöner Studentensex. Liebe wurde nicht daraus. Das habe ich dem Film von Vinterberg zu verdanken, dass mir diese Erinnerung hochkam. Schade, das es kein Pornokino war. 

2016 7 Mai

Grant 10

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Gestern jährte sich der zehnte Todestag von Grant McLennan, und ich liess im Auto auf dem Weg zum Rhein BEFORE HOLLYWOOD laufen, das ganze Album mit dem magischen Song „Cattle and Cane“. Und diese Zeilen verweilten: „The railroad takes him home/ Through fields of cattle / Through fields of cane.“ Ich wäre jetzt gerne in Brisbane und würde über die Go-Betweens-Bridge laufen.


Manafonistas | Impressum | Kontakt
Wordpress 4.5.2 Design basiert auf Gabis Wordpress-Templates
63 Verweise - 0,168 Sekunden.