Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2017 31 Dez

Die Mana-Pause

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Meinen nächsten Eintrag gibt es am 6. Dezember 2018, if i‘m still kicking, well and alive. Es wird der Jahresrückblick 2018 sein, mit Gregs. Ausgewählte Radiosendungen werden ggf. eine Zeitlang gepostet, in Absprache mit Joey. Bitte hier keine öffentlichen Wetten auf die Haltbarkeit meiner Ankündigungen abschliessen, keine Danksagungen und Flüche! :) – auch b l e i b e ich Manafonist und betreue, mit eigenen und geborgten Texten, die Monatsauswahl der speziellen Empfehlungen. Ohne den üblichen, begleitenden „Mini-Essay“ allerdings. Wenn dieser Blog weiter lebendig bleibt, nur dann natürlich. Die „thriller of the month“-Sektion fällt weg (Lisa Sandlins Kriminalroman ist exzellent), die „time travel“-Kolumne ist sehr variabel auslegbar, gut so.

Die Gründe. Ich habe diverse Projekte laufen, die es unmöglich machen, hier in gewohnter Schlagzahl präsent zu sein. Dazu zählt eine neue Tätigkeit  als beratender Psychologe in einem mittelständischen Wirtschaftsunternehmen.

Da ich da diverse Verschwiegenheitsklauseln unterschreiben musste, kann ich nicht konkreter werden. Wer glaubt, dies sei eine typische Michael-Geschichte, irrt. Ausserdem werde ich in meinem alten Beruf als Dipl. Psychologe noch in anderen Feldern aktiv, und wieder Psychotherapien machen. Zudem leite ich ein neues kleines Team von luziden Träumern an.

Und da noch eine zeitintensive vierte Tätigkeit hinzukommt, die das S c h r e i b e n betrifft, ist der Entschluss naheliegend und konsequent. Keine Laune des Augenblicks. Ich bleibe dabei, und bin doch fort. Meine private Emailadresse ist die leichteste Art, mit mir in Kontakt zu treten. Gute Balance. Das Leben ist ein Abenteuer.

 

 

 
 
 

„Ich begann die Musik zu schreiben“, sagt Kit Downes, „mit der Vorstellung, diese Orgeln könnten miteinander in Kontakt treten, zueinander sprechen. Sie wurden zu verschiedenen Zeiten gebaut, mit jeweils anderen Sounds, es fühlte sich an wie eine Zeitreise, eine Suche nach Verbindungslinien.“

 
 

Nicht die Orgel hakte, die Kit Downes in der Union Chapel Church in London bespielte, sondern der CD-Player. Daher die Wiederholung eines angelaufenen Stückes. Die Zeit, die verloren ging, sollte mit einem wilderen Orgelsolo, nach TONITE von LCD Sounsystem, bereichert werden, das Stück des Bobo Stenson Trios war da nicht die perfekte Ablösung des Zorngesanges von James Murphy. Aber das Ohr rückt sich, mit der Psyche, manches zurecht, und so hatte das vielleicht auch seinen Reiz.

Ich hatte mir stets gewünscht, Brian Eno würde einmal die Nits produzieren. Als ich ihm einst in Bonn, vor fünfhundert Zuhörern, ein Stück vorspielte, teilte er meine Begeisterung leider nicht. Umso trefflicher nach meinem Empfinden das Zusammenspiel des fantastischen Nits-Albums ANGST mit FINDING SHORE von Rogerson / Eno zu Beginn und Ende der ersten Stunde der Radionacht Klanghorizonte.

Es wurden gleich zwei Manafonisten namentlich aufgerufen, was in beiden Fällen höchst angemessen war, bei Martina und Gregs. Schliesslich gab es u.a. eine verwilderte Seqenz aus der „Hörnumer Jukebox“ zu belauschen, in der ersten Zeitreise der Nacht. XTC, Holger Czukay, Hector Zazou, Underworld, Hector Zazou, Holger Czukay, XTC. Es gibt viele Menschen, die kennen BLACK SEA gar nicht, aber vielleicht muss man leicht anglophil sein, um dem Charme dieses furiosen Quartetts aus Swindon erlegen zu sein. (s.a. „reissue of the month“)

„The river is a synthesizer“ ist der heimliche Leitspruch dieser fünf Stunden gewesen, eine Zeile aus einem Song des Nits-Albums. Und der erste Song der Nacht, der vom Blumenladen um die Ecke, nahe „Penny Lane“ und „Dead End Street“, war der Schlüsselsong. Das „Album des Monats“ ist bereits am 17. September erschienen, schön, dass ich das auch noch mitbekam, kurz vor Weihnachten. Eine diskreten Podcast der Sendung gibt es hier dieses Mal nicht, dafür aber den Hinweis, dass am dritten Samstag im Februar die nächsten Klanghorizonte sind, und dann jenes allerfeinste Album einen Auftritt haben wird, das heute Nacht der zwingenden Traumlogik des „sequencing“ weichen musste, APR 70 von Dictaphone. Ein deutsches Trio, das verliebt ist in den Brüsseler Avant-Pop der 80er Jahre, und herrlich zeitgenössische Musik schöpft. More rain may fall, the river is a synthesizer.

 

1) Robert Forster: Grant & I (Grant und ich – Die Geschichte einer aussergewöhnlichen Freundschaft) 

2) Rob Sheffield: Dreaming The Beatles (The Love Story Of One Band And The Whole World)

3) Colossal Youth, by Michael Blair & Joe Bucciero
 
 
 


 
 

„I was so pleased to see this album had been tackled in the 33 1/3 series, and even more so when I read the book which is a cover-to-cover delight. I find the 33 1/3 series a bit hit and miss, but this is one of the best I have read. More than just a historical retelling (although that is also done very well) the author includes connections to the wider musical and literary world which is fascinating to read.“

(Wayne Davidson)

 

Ich bin mir nicht sicher, ob man Rob Sheffield zum Kumpel haben möchte. Wenn man mit ihm in einen Pub geht, könnte es sein, dass er auspackt, und einem unendliche Stories von den „Fab Four“ auftischt. Natürlich hätte er in mir einen aufmerksamen Hörer, zumindest anfangs, aber es bestünde die Gefahr, er würde sich in einen Bewusstseinsstromrausch reden, ohne Punkt und Komma, ohne Zwischenräume für ein kleines Echo des Gegenübers. Wahrscheinlich müsste ich dann auch zu dem einen und andern Redeschwall ansetzen, um eine gewisse Balance aufrechtzuhalten. Liest man aber sein Buch Dreaming The Beatles – The Love Story Of One Band And The Whole World, so kann man die Lektüre nach eigener Lust dosieren, die Kapitel sind von überschaubarer Länge, und die Substanz erstklassig. Da bietet er, in munterem Parlando, (verblüffende) Fakten, Zusammenhänge, Essays, Exkursionen, Analysen, Erinnerungen, Ahaerlebnisse, und alles fliesst ineinander, dass es eine helle Freude ist. Für ihn sind Revolver und Rubber Soul die besten Beatles-Alben, für mich Sgt. Pepper und das White Album. Wir kommen ins Gespräch. Das Buch ist ein Fest für Menschen, die nach wie vor zur Musik der Beatles zurückkehren.

 

Anfang und Ende der ersten Stunde und zweiten Stunde markieren Räume und Zeiten. Ein fast übersehener (und überragender) Songzyklus aus dem Herbst, Räume der Kindheit und Jugend in East Anglia, und nicht die schlechteste Lektüre dazu: W. G. Sebalds „Ringe des Saturn“. Ein kleiner Stapel von Januar-Neuerscheinungen aus dem Hause ECM, und kurze Reminiszenzen an Horizonte, in einer Sendung, welche nicht zufällig heisst wie sie heisst. Hier ist so einer.

 
 
 

 
 
 

Die dritte Stunde, die NAHAUFNAHME, ist eine Einladung, sich auf die Musik von Laraaji einzulassen, einen Afroamerikaner mit einem Faible für Oscar Peterson und Erroll Garner, der musikalisch ganz andere Sphären ins Visier nimmt. Die zwei letzten Stunden enthalten ausgiebige Zeitreisen, zur „Jukebox von Hörnum“ (Arbeitstitel), und dann kommt Santana. Aber das ist dann noch nicht das Finale. Ich erinnere an den einzigen Studiogast der Klanghorizonte seit 1990, und setze ein Stundenglas in Bewegung. Goodnight, and good luck.

2017 23 Dez

Eastend

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I will never forget the books that floored me down, kept me in deep trance, made me, in this case, time traveling to old München in the 70‘s. Oh, I have been there in old Schwabing days, seeing American movies, Nashville for example, or forgotten German films with a special amount of weirdness, Die Hamburger Krankheit for example. I had been in Erding and Pasing, visiting the old ECM and jazz store at Gleichmannstraße 10. And I talked with Rolf Dieter Brinkmann, by chance, on a rainy summer day. Days gone by. And I had been following writer Almund Grau on his strange trip through loss, psychotherapy and London, yes, Eastend! And it all comes back in circles when reading one of my greatest German novels of that decade. Surrender! Ernst Augustin is a master.

 

„I was dancing / When I was twelve“. Als ich ein Teenager war, bekam ich eine Platte in die Finger, die mich nie mehr losliess. Ich hörte sie erst heute wieder, ich mochte den Sänger sowieso und kannte ihn schon von einem früheren Album, das sehr folkig, sehr psychedelisch, sehr abgedreht, und voller irrwitzig schöner Melodien war. Wenn ich schön schreibe, schreibe ich nicht das Wort schön, das Deutschlehrer gerne rot ankreuzen, ich schreibe das Wort schön bei klarem Bewusstsein seiner unspezfischen Aussagearmut, dicht an der letztlich ins Visier genommenen Sprachlosigkeit. Dann kam ELECTRIC WARRIOR von T REX, und das schlug bei mir so ein wie, vorher wie nachher, diverse Alben, die das Innerste nach aussen kehren, und wieder zurück. Marc Bolan starb hundert Jahre zu früh.

In dem Jahr, als ELEKTRISCHER KRIEGER erschien, stellte ich wohl meinen privaten Masturbationsweltrekord auf, indem ich sechsmal Hand an mich legte. Mindestens dreimal dachte ich dabei an eine evangelische Pfarrerstochter, bei der ich keine Schnitte bekam, was sehr schade war, da ich reines Herzens war und für sie sogar ein paar Pferde von der Ponderosa gestohlen hätte. In jenen Jahren der sogenannten Pubertät, die eigentlich ELEKTRISCHES KRIEGERLAND heissen müsste, als die Musik, mehr noch als in der frühen Kindheit, Seelennahrung wurde, waren diese auserwählten Schallplatten Schutzschild, Kampfzone und Sehnsuchtsstoff zugleich.

Und jetzt kommt die Pointe: als ich die Platte nun wieder hörte, von Anfang bis Ende, und noch einmal, gab es keinerlei Erinnerungstaumel, ich setzte meine Rüstung auf, schwang mich aufs Pferd, und machte mich auf den Weg zur schönsten Frau der Welt. Und mithin ist das letzte Bild dieser Geschichte eine Staubwolke ohne jede symbolische Bedeutung. Ausser vielleicht, ich gestehe es in aller Unbescheidenheit, weil mich die dummen Bemerkungen von anderen schon lange nicht mehr berühren, ich bin nun mal schneller als der Wind. Daher die Staubwolke. Und wenn sie nun meinen, das sei alles erfunden und vollkommener Stuss, dann irren Sie sich gewaltig. „You‘re dirty and sweet, clad in black / Don’t look back, and I love you.“

 

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Michael’s choice. Here they are, the awesome dozen of the year. England‘s masterclass LINE OF DUTY (4) is one of them, for sure (photo). Do yourself a favour, and go for the whole series. TATORT, in comparison, is like „Bauernschwank with Sozialkunde“. We are no completists, so some possible contenders for the year’s final flashback cannot be seen and evaluated in time (Twin Peaks 3, Detectorists 3, Game of Thrones 7). Nevertheless, you‘ll be stunned. Stand-alones (meaning shows that can be seen without starting with the first season) are marked. FARGO 3 is a case in point, LINE OF DUTY 4 definitely not. Apart from the usual suspects there are some discoveries that have been sailing too long under the radar and no finally go front page on  Manafonistas. Good news for friends of ghost towns, broken dreams and lonesome figures with a gun – one show is coming  from the old „western“-genre, bleak and black as the night can be – GODLESS is its name. Letting oneself be immersed by GODLESS, some of us will meet a good old aquaintance. Of course, you might want to add, contradict, join sides!

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One – The Leftovers 3
Two – Halt and Catch Fire 4
Three – Godless (standalone) – Netflix
Four – Line of Duty 4
Five – Stranger Things 2 – Netflix
Six – Fargo 3 (standalone) – Netflix
Seven – The Deuce (standalone)
Eight – Vikings 4
Nine – The Punisher (standalone) – Netflix
Ten – Glow 1 
Eleven – Mindhunter (standalone) – Netflix
Twelve – Ozark (standalone) – Netflix

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Damon Lindelof and Tom Perrotta’s post-Rapture drama LEFTOVERS 3 finished its three-year run with eight episodes of alternately wrenching, surreal, and bleakly funny storytelling about the psychological aftermath of loss and the quest to superimpose narrative on a seemingly chaotic world. I should admit this pick comes with an asterisk: Lindelof told me that certain themes and images, and the totality of episode five, were inspired by my personal writing about the death of my first wife. I loved the season before I knew that, so I’m leaving The Leftovers where I think it would’ve gone otherwise; however, if you consider the personal aspect disqualifying, go ahead and bump The Leftovers off the list and move everything up a notch.“ (Matt Zoller Seitz‘s no. 1, on vulture) 

 

 

 
 
 

Es gibt zahllose Passagen in der ersten Staffel der Marvel-Serie „The Punisher“ (auf Netflix), die das ganze Spektrum von unüberbrückbarer Nähe und schmerzhaftem Verlust einfangen. Frank Castle hat alles verloren, seine Familie wurde ermordet, er gilt als tot und lebt wie ein Geist im Verborgenen. Wir sind hier in New York City, und die Stadt ist ein Labyrinth. Sein anfänglicher Gegenspieler, Micro, musste ebenfalls ins Reich der Als-Tot-Geltenden abtauchen, um seine Familie zu schützen – über diverse Kameras folgt er dem häuslichen, traumatisierten Alltag  seiner Frau und seiner beiden Kinder, da tut jeder Blick weh. Alles hängt zusammen mit dem Afghanistan-Krieg, mit dem verdecktem Heroinschmuggel korrupter Militärkreise. Frank Castle ist „The Punisher“, und er will Rache. Das ist der alte „Ein Mann sieht rot“-Topos, den man spätestens seit Charles Bronson in Erinnerung hat, und der nicht nur simple Strickmuster im Schlepptau führt, sondern auch Meisterwerke wie Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ (wieder mit Charles Bronson, und einem der grossartigsten Soundtracks der Westernhistorie).

Ich schreibe diesen Artikel aus einem guten Grund. Meiner unbescheidenen Ansicht nach ist diese Serie tief beeindruckend, psychologisch fundiert und fesselnd, klug inszeniert, toll gespielt, und erhält, freundlich ausgedrückt, sehr gemischte Kritiken. Sie wird weit unter Wert abgehandelt, und das ist sehr schade. Zum Glück gibt es auch ein paar erhellende Besprechungen, die genau meine Eindrücke teilen, also bin ich kein einsamer Rufer in der „home cinema“-Wüste. Meine Warnung ist diese: etliche Gewaltszenen sind von brutalem Realismus, und, wer da nicht hinsehen mag, schliesse kurzzeitig, na gut, mitunter minutenlang, die Augen (mache ich auch bisweilen). Auf der anderen Seite ist „The Punisher“ herausragendes Fernseh-Kino, in welchem das reichhaltig gebrochene Seelenleben der Protagonisten in bestens austariertem Verhältnis steht zu fulminanten Action-Sequenzen. Ein Witz, dass manche Kritiker den 13 Folgen ein oft zu langsames Tempo vorhalten. Wer es lieber gediegen will, lese den letzten, vielgerühmten und mich nur ermüdenden Roman von John Le Carré.

 

 

 
 
 

Today TWIN PEAKS „3“ will arrive in my yellow mailbox, and I did everything not to know anything about pot lines, ha ha, plot lines, or reviewers‘ spoiler-rich writings, except that two American friends normally sharing my tastes were totally enthusiastic about the new Lynch-fuelled drama from the mythical place of Twin Peaks that once set the standards for radically disturbing TV series. But what I heard again and again (by silent whispers): after Angelo Badalamenti‘s magic soundtrack of the first two seasons, this time around, the music would succeed again, and may put one spell and another on spectators in deep-watching mode. The most stunning four series I saw this year, were THE LEFTOVERS (1, 2, 3), HALT AND CATCH FIRE (1, 2, 3, 4), FARGO 3, and STRANGER THINGS 2. But now, the really big question is: will our hero still eat Donuts?

 


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