Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2017 26 Jun

OKNOTOKOK

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In den letzten Tagen kam ich, was ich nur zu gerne erlebe, aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wer die „Klanghorizonte“ seit 1990 hört, wird sich womöglich daran erinnern, dass Radiohead zum Stammpersonal der Sendung zählt. Meine Faszination begann allerdings erst mit ihrem vierten Album „Kid A“, „The Bends“ habe ich nie gehört, und als mir „OK Computer“ erstmals begegnete (in einem Umfeld sich überschlagender Begeisterung), liess es mich kalt. Beim zweiten Mal auch, seitdem ignorierte ich das Album zwei Jahrzehnte lang. In dieser Zeit erlebte ich die Band einmal, bei einem regnerischen Festival in Norddeutschland, es war ein Traum. Radiohead  hatte sich einen Platz in meiner Herzenliste der besten „westlichen“ Rock-„undweitdarüberhinaus“-Bands aller Zeiten gesichert, neben den Kinks, den Beatles, den Talking Heads, den Flaming Lips,  Wire (Früh- und Spätwerk), The Go-Betweens, King Crimson, Swans, The Mountain Goats, Can, den Young Marble Giants, Steely Dan, den späten Talk Talk, und einer Handvoll anderer. (Ich nenne hier  nur Bands, die mindestens einen Sänger hatten und keinen Eigennamen im „branding“ führten.) Aber erst vor zwei Wochen, als mir die Promo der „reissue“ von „OK Computer“ ins Haus flatterte, war ich bereit, mich noch einmal auf das  Album einzulassen. Und anders als im Regelfall, wenn das jüngere Ich treffsicher lebenslang geltende Urteile liefert, war ich sprachlos und im eingangs erwähnten Staunen angekommen. Ich schloss keine Scheissbildungslücke, ich öffnete einen Abenteuerspalt!

(This is an early morning version, meaning that some errors have been corrected, some lines changed, and some thoughts sharpened; m.e.) 

 

1 – Einstimmung. Nicht ganz ausgeschlossen, dass Sie der Thriller der Kanadierin oder einzelne Szenen der fantastischen dritten Staffel von Fargo (die eine eigenständige Story erzählt, und insofern nicht auf den vorigen Stoffen oder dem Film der Coen-Brüder aufbaut) in den Schlaf verfolgen, aber das werden Sie schon aushalten! „The haunting and fairy-tale-like“ – etwas Tief-Anrührendes und Märchenhaftes ist all diesen Büchern, Filmen und Alben zueigen, trotz all ihrer unterschiedlichen Ausprägungen von „noir“ und „nostalgic“, von „wahr“ und „erfunden“. Bei „haunting“ schwingt das Bedeutungsfeld weit aus, insofern rechne man nicht permanent mit Geistern.

 

2 – Musik und Bilderbuch. Also, legen wir los: es ist die die alte Lust an den wahren Geschichten, und wie schön, wenn eine Arbeit alles in sich vereint: Stories, Bilderbuch, Feld- und Wiesenaufnahmen, das Hinterland der britischen Ortschaften, in die alle in den Ersten Weltkrieg Aufgebrochenen heil, halbwegs heil, zurückkehrten. Darren Hayman schlägt manchmal den Ton von neuen Kinderliedern an, dann wieder sind es Gespenstergeschichten, oder heiter-verwunschene Choräle, aus dem Nichts klingt er einmal wie Ray Davies nach einem guten Jahr in der Village Green Preservation Society. „Thankful Villages, Vol. 2“ – Musik für Liegestühle, Nachthimmel und Dichterstuben. So abseitig, so gut.

 

3 – Ein Martini für Mancini. Als in der alten Bundesrepublik abends um sieben die Welt noch in Ordnung war, in trügerischer Ordnung natürlich, da einigten sich die Väter des Wirtschaftswunders, die Aufstrebenden, die Mittelklassebewohner, gerne auf Exotik-Urlaube  in Spanien, Italien oder Südfrankreich. Im Kino wurden parallel europäische Träumereien  angekurbelt, die, in den besseren Fällen, auch Raum liessen für Risse, Verwerfungen, Tumulte in Liebesdingen, selbst dann, wenn Hollywood die Himmelsgeigen zahlte. Stanley Donens „Two For The Road“ (1967, das Jahr von Sgt. Pepper, Audrey Hepburns Garderobe ähnlich farbenfroh wie das legendäre Cover!) war so eine Gewebe aus ultraleichten Schwingungen und Beziehungsdrama, kunstvoll begleitet von Henry Mancinis Soundtrack. Wie Nino Rota verstand es Mancini, in Evergreens kleine schwarze Löcher einzuflechten – alles Glück viel zu federleicht, um nicht im nächsten Moment ein Hauch von Nichts zurückzulassen.

 

 

4 – Cardiff 1980, Meilenstein. A touch of nothingness? Fitting the black, the noir, the empty spaces, here we are: the first book ever that moves around the gist of one of my all-time-favourite albums, „Colossal Youth“ by Young Marble Giants! Modt of the time I’ve been flying through the pages of the book by Michael Blair and Joe Bucciero. The stories  of the teio are at times more interesting than some of the commonplace references to  „Vexations“, Cage’s „4’34“, or Eno’s eternally quoted story about his key experience to make Ambient Music happen. The revealing and more stunning pages are still holding majority, and you will love sinking  into the music even more after reading the little book. When I was speaking to Alison Statton and Philip Moxham some years ago, I asked them at one point – because their record was so anti-punk and different to the fashions of that era – what they had been listening to in the time of the creation of their masterpiece, and they answered, nearly unisono, that they were listening a lot to Brian Eno’s „Another Green World“. With their kind of minimalism, they created more of „Another Bleak World“, though the vibes of childhood, old hymns, nursery rhymes and merry-go-rounds were never that far away.

 

5 – Into the black. Andrée A. Michaud ist der „slow burner“ dieser Sammlung. Es ist auch eine coming-of-age-Geschichte über das Ankommen im Erwachsenensein, das Herantasten an eine Welt voller Verantwortungen, in der man möglichst viel von der „alten“ Lebendigkeit und Neugier erhalten möchte. Umso schwerer, wenn ein furchtbares Verbrechen aus leider nicht uralter Zeit ganz reale Ängste befeuert. Ein stilles, trauriges, ergreifendes Buch, ein Anti-Thriller nahezu, der einfach deshalb nicht in reinem horror vacui erstarrt, weil er so gut geschrieben ist, keine „patterns“ abarbeitet, und mehr als einen Hauch von magischem Realismus verströmt.

 

6 – Der bislang letzte grosse Coup von Noah Hawley. Und jetzt, fast paradox, Noah Hawleys dritte Staffel von „Fargo“ bedient sich etlicher „Muster“/“patterns“, die vom Kinoklassiker bis zur nunmehr finalen „season“ durchgespielt werden, nur selten bestätigt eine Ausnahme die Regel: ein oft winterliches Minnesota, gewalttätige Irre, gepeinigte Charaktere, ein hochintelligenter, gebildeter „alpha-Psycho“ als Personifizierung des Bösen, trottelige Polizisten, und jeweils eine starke Frauenfigur als Ermittlerin, die sich gegen alle Wirrnis durchschlagen muss. In diesem Fall ist es Corrie Coon, die wohl zu meiner neuen Lieblingsschauspielerin avanciert (oder sind es ihre Figuren in „Fargo 3“ und den bislang zwei überragenden Staffeln von „The Leftovers“, die es mir so angetan haben?!). Noah Hawley erweitert das vertraute Feld, neben der Groteske schleichen sich Elemente von Horror und Mystery und „fairytale“ ein, Dialogschärfe a la Elmore Leonard. Ganz en passant klingen  „Twin Peaks“ und „Lost“ und „The Big Lebowski“ an. Die Kunst ist, der Bogen wird nie überspannt. Da geht es nicht um ausgefuchste Referenzen. Die Musik, die Kameraführung. das Drehbuch, nahe an der Perfektion. Wie in alten Zeiten, habe ich immer eine Woche auf die nächste Folge („Netflix“) warten müssen – eine der angenehmeren Fieberkurven. Unbedingt im Original sehen! Übrigens hat Noah Hawley für seinen Roman „Vor dem Fall“ jüngst den „Edgar“ erhalten.

Stephen: I’ve always been chanting „Michelle“ with wrong words, never been keen on getting the French and English right. All I needed to know it’s that love song with this floating melody …

(noises on the tape, a kind of xylophone in the background, a hole of six minutes)

Anne: Sam Genders‘ voice is strongly rooted in a long and winding and very English road of delivering vocals – slim, clear, small brush, kind of. Most of the words I got from first hearing, though my Kentucky accent is slightly different.

David: „Dorothy“ is quite an addictive experience. He really put the poems of Dorothy Trogden into motion opening up quite different landscapes, soundwise…

Anne: Ha, yep, I think hearing these poems from a classically trained female soprano voice adding a string quartet with a knack for the Second School of Vienna, oh me, there would be no shivers down the spine …

David: This pair is a perfect match. Allow me to recite this one, called „Everything“ – „Only connect, Forster said, and I remember moments under an umbrella on a wet city sidewalk, my arm locked in another’s, our steps in sync. I lived for that even as I knew its passage. Everything is on its way to being something else, beginning or undoing, brighter than it was, or darker.“

Anne: Beautiful in its simplicity. And now really becoming something else, transported to a kind of folk idiom, neither traditional nor weird. You are literally drawn onto these these „wet city sidewalks“, everyday motives with a twist, seductive in a silent way.

Stephen: From the point of view of one of my current favorite song albums, Sam’s songs have a tiny little bit in common with Grandaddy’s recent album, that „mellow yellow“ vibe, sun-drenched, loving to let the lyrics dissolve in whispered melodies …

Anne: Hush, hush! Is it on „Winter River“ where the musicians move, for a short passage of time, into Ennio’s wide prairie territory? There are small surprises everywhere.

Stephen: There are only 50 seconds I don’t like too much, with that electric guitar at the end of one track. But, ha, even on „Sgt. Pepper’s“ there’s one whole song I don’t like, the one with the chickens in the morning.

Anne: Hopefully it will work on the new stereo mix, Stephen, You really are a Beatles maniac. „Dorothy“ feels, in moments, like stepping its toes in early English folk moods from the late 60’s. More breezy and rolling than rocking. Remember the pilgrimage of Vashti Bunyon.

David: At least that’s what they do have in common, a journey!

Anne: By the way, what are we looking at here? In this old exhibition?

Stephen: I’m not too sure. They have no guide here in the morning. It’s a stunning view, isn’t it? Mrs. Trogdon’s lines come to mind: „So just let me watch the cinema of my perceptions, let me
 catch them and let them go.“

k

– excerpts from a tape recording at Morrison Planetarium, San Francisco. Morrison Planetarium shows are fueled by cutting-edge scientific data, resulting in stunning visualizations of the latest findings, discoveries, and theories about our Universe. Every star or galaxy a viewer encounters in the planetarium precisely mirrors a real-world counterpart, and when this virtual cosmos is projected onto Morrison’s 75-foot-diameter screen, the dome itself seems to disappear, resulting in a uniquely immersive experience. You might have similar sensations listening to Diagrams‘ „Dorothy“.

Keine Frage, Patti Smith, die berühmteste Bingewatcherin englischer Kriminalserien jenseits des Atlantiks, hätte mitgefiebert in der dritten und finalen Staffel von „Broadchurch“. Das Ermittler-Duo Hardy (David Tennant) and Miller (Olivia Colman) gehört zu den gemischtgeschlechtlichen „Klassikern“ der jüngeren und älteren TV-Geschichte, und dürfte im „all-time-ranking“ einen Platz sicher haben knapp hinter Emma Peel und John Steed. Was einst makaber und surreal und exzentrisch war (und eine unschlagbare Titelmelodie hatte), schlägt in „Broadchurch“ ganz andere Tonarten an: zerrüttete Beziehungen, Gier, Kälte, und der unendliche Blues der Hinterbliebenen. Das pittoreske Dorset ist weitaus mehr geeeignet für das Zeug, aus dem die Träume von Rosamunde Pilcher sind, doch belegen Regie und Kameraführung stets aufs Neue, dass es nicht den ewigen Regen von Wales oder die karge Tristesse der Shetlands braucht, um der Nichtfarbe „noir“ neue, ungewohnte Schattierungen zu verleihen.

Jene britischen „crime series“, die sich fernab der grossen Städte abspielen, nutzen allesamt das Potential des Hinterlandes und seiner geographischen Verwitterungen, ob „Happy Valley“, „Shetland“ oder „Hinterland“ – letztere nicht nur ganz oben auf der Liste von Mrs. Smith, sondern auch Beleg dafür, dass sowohl die britische, wie natürlich auch die skandinavische Fernsehkultur, deutschem Serienstumpfsinn weit überlegen sind. Ich habe schon lange aufgehört, mich über das Münsteraner Idiotenduo amüsieren zu können, und selbst, wenn man mal „hard core“ versucht, wie beim Dortmunder „Tatort“, wiederholen sich einzelne Szenen und Muster, als wären die Drehbücher am Reissbrett entworfen worden. All diese biederen oder sozial furchbar betroffenenen „Tatorte“ werden in Punkto Dämlichkeit und/oder Sozialrealismus für Doofe nur noch von „Sylt-Krimis“ übertroffen.

Da ist „Broadchurch“, auch in der finalen Staffel, ein anderes Kaliber und vollkommen abnutzungsfrei. Und die Qualität gerät nicht einmal dadurch ins Wanken, dass wir es hier einmal mehr mit einem klassischen „whodunnit“ zu tun haben, mit gefühlten 175 Verdächtigen, und noch mehr falschen Fährten, die zwar selten der Wahrheit nahekommen, dafür aber einen Abgrund nach dem andern freilegen. Die Dialogschärfe, die Fähigkeit der Kamera, sich all Zeit der Welt für erstarrte und entgleitende Gesichtszüge zu nehmen, der homöopathisch dosierte Humor der trockenen Sorte: es gäbe einiges aufzulisten, was „Broadchurch“ ein besonderes Gütesiegel sichert.

Ohne Schwächen ist dieser finale Zehnteiler nicht, ich nenne es das „Lost-Syndrom“. Diese falschen Versöhnungsarien am Ende grosser Staffeln. Da kamen sie nun auch wieder in einer Kirche zusammen, um sich auf eine grosse Predigt einzulassen: cinematographischer Schmalz, der dann doch einmal einen Pilcher’schen Nachgeschmack hinterlässt, und der Klasse des Dramas in drei Staffeln unwürdig ist. Aber wer in Dorset lebt, ist wohl leichter für die Bergpredigt empfänglich. Sie vergeben etwas zu leicht, die Frauen von Broadchurch. Und sonst: die Abspannmelodie mag psychohygienisch ihre gute elegische Arbeit verrichten, sie ist allerdings auf Dauer allzu einlullend und sentimental. Das sind aber nur Kleinigkeiten, die von unserem gebannten Eintauchen in diese kleine Welt an der Südküste spielend absorbiert werden.

Noch ein paar Empfehlungen: lassen Sie sich, wenn möglich, auf die englische Originalfassung ein, die drei Staffeln gibt es seit kurzem in einer Box. Und geniessen Sie, bei Bedarf, die begleitenden Texte in „The Guardian“ (Google-Eingabe: z.B. Broadchurch, season 3, episode 1, recap, The Guardian). „It makes home cinema a less solitary experience. You’ll never watch alone!“ Und, wenn Sie Patti Smith irgendwo treffen, bestellen Sie ihr einen schönen Gruss und sagen sie ihr, sie möge sich rasch die gesammelten vier Hammer-Staffeln von „Line Of Duty“ besorgen. Da geht es dann allerdings ab in die Grosstadt!

First Hour 

K

Diagrams: Under The graphite sky, from DOROTHY (spoken word version) / Ryuichi Sakamoto: Walker, from ASYNC / The Inward Circles: The Soul Subsisting, from AND RIGHT LINES LIMIT AND CLOSE ALL BODIES / Diagrams: Under the graphite sky, from DOROTHY / Michael Pisaro: V, from ASLEEP, STREET, PIPES, TONES / Diagrams: It’s only light, from DOROTHY / Arve Henriksen: Groundswell, from TOWARDS LANGUAGE / Ensemble Economique: Gonna get right with god, after the next cigarette, aus IN SILHOUETTE / Arve Henriksen: Realign, from TOWARDS LANGUAGE / Diagrams: Winter River, from DOROTHY  / Gas: Narkopop 10, from NARKOPOP („Cavernous reverb is a constant, and the tracks are layered with the kind of hiss and electronic noise that bring to mind the frighteningly high noise floor of a massive sound system waiting to explode“, from the „Pitchfork“ Gas-review)

 
 

 

Second Hour

 

Schneider & Kaczirek: Duett, from RADIUS WALK / The Mountain Goats: Shelved, from GOTHS / Crescent: i’m not awake, from RESIN POCKETS / Ryuichi Sakamoto: Zure, from ASYNC / Stephan Micus: For Shirin and Kosru, from INLAND SEA / Colin Stetson: Between Water and Wind, from ALL THIS I DO FOR GLORY („His new opus sees  a return to the unabashed singularity of his earlier work that also embraces a renewed percussive vigour. As ever with the mercurial, this is ‘jazz’ reverberating through the prisms of glitchy electronica and Steve Reich/Philip Glass-like minimalism rather than wading through the concert hall or conservatoire terrain of flowing be-bop or incendiary free jazz“, from an American review of Colin Stetson’s solo album) / Phonophani: Firmamental, from ANIMAL IMAGINATION / Brutter: Your House, from REVEAL AND RISE 

 
 

 

Third Hour

 

CLOSE UP (today: CONVERSATIONS – DUETS OF SAX AND PIANO, incl. milestones and discoveries)

 

The playlist of intimate conversations: Anthony Braxton & Richard Muhal Abrahams (DUETS, 1975) Dave Brubeck and Paul Desmond (The Duets, 1975) Stan Getz and Kenny Barron (People Time, 1991) Art Lande and Jan Garbarek (Red Lanta, 1974) Trygve Sein and Andreas Utnem (Purcor, 2010) Tommy Smith and Brian Kellock (Whispering of the Stars, 2014) David Liebman and Richard Beirach (Forgotten Fantasies, 1975) Juhani Aaltonen and Heikki Samanto (Conversations, 2014)

 
 

 

Fourth Hour

 

TIME TRAVEL (1) – ROBERT FRIPP, MIDORI TAKADA, ALICE COLTRANE, THE BEATLES

 
 
 

 
 
 

Fifth Hour

 

TIME TRAVEL (2) – OREGON: OUT OF THE WOODS / ROOTS IN THE SKY

TIME TRAVEL (3) – JORDAN DE LA SIERRA: GYMNOSPHERE – SONG OF THE ROSE

K

2017 13 Jun

Forgotten Fantasies

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Ich bin erst seit einiger Zeit bei DISCOGS unterwegs, und konnte so einige Vinyl-Schätze neu erwerben, die lang verloren gegangen waren. Platten, denen in der Erinnerung ein besonderer Zauber zueigen ist, und die oft genug auch in der Gegenwart hielten, was das Gedächtnis jungbrunnenhaft versprach. Und so steht nun in der dritten Nachtwache der „Klanghorizonte“ im Deutschlandfunk am 17. Juni eine Stunde voller Konversationen an, zwischen Saxofon und Piano. Wie Sand am Meer gibt es diese Duette nicht, ich glaube, Manfred Eicher hat in all den Jahrzehnten von ECM (ein Crack, was kühne, intime Klangkombinationen angeht!) nur drei Piano-Saxofon-Alben produziert (gerne würde ich mich irren, mindestens zwei der drei kommen in die Sendung). Bald war eine Liste meiner Favoriten erstellt (ich habe ein Faible für Saxofon-Piano-Duette). Ganz weit im Hinterkopf tauchte dann noch eine Erinnerung auf an ein Album, von dem ich nicht mal weiss, ob ich es besass oder nur flüchtig kannte, ich schätzte allerdings Michael Cuscunas Label HORIZON sehr, und kurzerhand bestellte ich das Teil gestern bei DISCOGS. Wer weiss, ob es zeitig aus Dänemark eintrifft, wer weiss, ob mich die Musik packt, aber womöglich findet FORGOTTEN FANTASIES von David Liebman und Richard Beirach dann noch einen Platz in der Mitte der Nacht. In verdammt guter Umgebung.

 

2017 12 Jun

Der grosse Fluss

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Nicht unter dreissig Seiten, so eine Nacherzählung. Und dann müsste alles fiktionalisiert werden, die Namen zumindest, und in kleinen Episoden, sollte es gut gemacht sein, ein Nachhall geschaffen werden. Tatsächlich ist die Weser kein gemächlicher Fluss, und es bedurfte schon kundiger Hilfe, die guten windgeschützten Orte für das Baden und die Boxen zu finden. Nirgends tauchen in Forst museale Zonen auf, von den Relikten aus alter Zeit ganz zu schweigen. Keine berühmten Sonnenschirme, nicht mal die Bäume vom Cover von „Sowiesoso“. Wir wären ja auch verrückt gewesen, Bäume zu suchen. Auch von dem berühmten Bordell im Wald, ein Edelkurtisanenbetrieb alter Schule, mit Stil, Klasse und exotischen Schönheiten, war Dorfältesten nicht mal ein „Es war einmal“ zu entlocken. Das halbe Dutzend der Einheimischen hatte die 80 satt überschritten, und war mehr im Vergessen als Erinnern angekommen. In einem anderen Dorf gab es eine gesicherte Feuerstelle, die keinen offenen Brand zuliess, und wir karrten die Scheite zusammen, stöpselten die Boxen ein, holten den Strom aus einem still gelegten Wirtshaus, und liessen uns von den beiden Harmonia-Platten umrauschen. Der Wein ging rum, das Haschisch, und alle schliefen im Umkreis von zwei Kilometern. Zuvor aber hielten uns das Feuer und die Dämmerung und die Musik gefangen, und jeder erzählte eine Geschichte.

 

 

 
 
 

Bevor in Kürze meine „harmonianischen“ und „clusterigen“ Tage an der Weser anbrechen, hier der kurze Hinweis, dass in der nachfolgenden Radionacht Klanghorizonte, am 17. Juni, aus keinem Reiseabenteuertagebuch vorgelesen wird, nach viereinhalb Stunden vielmehr ein akustischer John Lilly-Wassertank-Soundtrack aktiviert wird, welcher, soviel sei zur Zeitreise nach Forst schon verraten, vor Ort aus acht robusten Boxen ertönt oder erdröhnt, während alle Teilnehmer, heiteren Mutes und bei jedem Wetter, in den grossen Fluss springen. Musik von einem anderen grünen, kalifornischen Ende der Welt. Terry Riley würde sie mögen.

 

 

 
 
 

Grandaddy: Last Place / Diagrams: Dorothy / Crescent: Resin Pockets / Darren Hayman: Thankful Villages, Vol. 2 / Ray Davies: Americana / The Mountain Goats: Goths / Tinariwen: Elwan / Six Organs of Admittance: Burning The Threshold / Father John Misty: Pure Comedy / Sun Kil Moon: Common As Light And Love Are Valleys Of Blood / Trio Mediaeval and Arve Henriksen: Rimur / Richard Dawson: Peasant 

 

Let’s start low key, THE LEFTOVERS is one of the best things you can let yourself be immersed by on TV. Yesterday I saw the final episode of the second season, and it left me stunned – thank you, unconscious, for reminding me to breathe again! I won’t give anything away here (my new talent), except that THE LEFTOVERS (that will end with season 3) might be for everyone who is interested in the things that matter beyond the mainstream of life’s decent tricks to fool you into an eternal comfort zone – especially, ha, when, from one moment to another, two percent of the world’s population has simply vanished.

Don’t start raising eyebrows now – thank you! – life is full of unsolved riddles, questions left unanswered, and the best sci-fi-mystery-stuff quite often approaches the darker sides at the bottom of the probability scale. It’s always the question how to handle it, and THE LEFTOVERS succeeds on every level. Deeply existenzial.

Now, the story I want to tell is a song: yesterday I discovered one of my secret favourite songs that I might have stored in some distant part of my limbic system, in a fucking defunct jukebox, or in the memory department of a long gone love affair that went completely wrong. Taking a short sidestep here, it is simply awesome to see Ray Donovan (in RAY DONOVAN, season 4) perform an old Bob Seger song in a karaoke show (moving from amateurish to fully being there, so to speak).

The way Kevin Garvey performs one of my secret, nearly forgotten favourite songs, is nothing less than overwhelming. He performs every line of that song as if his heart is broken in thousand pieces. There is no move from a shy start to a fully blossoming finale, he is in desparation mode, close to losing his breath, nearly passing out and dying a last time. Now here are the verses of that song, and, if you have a pale or coloured memory, just give it a try. No one gives a shit when you miss a note or invent a new song. Just give it meaning / sensuality. It’s your karaoke show, and, surprise, it’s your life.

 
 

I’m sitting in the railway station. / Got a ticket for my destination. / On a tour of one-night stands /my suitcase and guitar in hand. / And every stop is neatly planned / for a poet and a one-man band. / Homeward bound, I wish I was homeward bound, / Home where my thought’s escaping, / Home where my music’s playing, / Home where my love lies waiting silently for me. / Every day’s an endless stream / Of cigarettes and magazines. / And each town looks the same to me, / the movies and the factories / And every stranger’s face I see / reminds me that I long to be, / Homeward bound, / I wish I was homeward bound, / Home where my thought’s escaping, / Home where my music’s playing, / Home where my love lies waiting silently for me. / Tonight I’ll sing my songs again, / I’ll play the game and pretend. / But all my words come back to me / in shades of mediocrity / Like emptiness in harmony / I need someone to comfort me. / Homeward bound, / I wish I was homeward bound, / Home where my thought’s escaping, / Home where my music’s playingm / Home where my love lies waiting silently for me. / Silently for me.

 


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