Manafonistas

on music beyond mainstream

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Ich hatte in den letzten zwölf Monaten eine gewisse Leidenschaft an den Tag gelegt, meine Musikanlage zu optimieren. In einem Fall habe ich extrem dumm gehandelt und ein Objekt zum Objekt meiner Begierde gemacht, das absolut lächerlich ist im Verhältnis von Preis und Resultat. Ein neuer Fall von “Des Kaisers neue Kleider” und “falscher Autosuggestion”. Im andern Fall, der weitaus komplexer ist, bin ich in eine endlose Schleife von Gerätestörungen, Defekten und Vertröstungen auf ein happy end geraten, das natürlich bis heute nicht eingetreten ist. “Warten auf Godot”. Dem bekannten Buch von der “Tücke des Objekts” könnte ich ein Kapitel hinzufügen. Es wäre aber langweilig. Der Kern der ganzen Geschichte liegt nämlich woanders: ich bin, ohne es zu wissen, in das Praxis-Seminar einer Volkshochschule geraten (ohne es zu merken, jemand muss die Gebühr heimlich für mich entrichtet haben): “Einführung in den Stoizismus”. Genau, die Spur führt zu den Vorsokratikern, mit denen ich mich schon zu Schulzeiten intensiv befasst habe (wir hatten einen guten Philosophielehrer). Und, ja, wie sagte mir doch jüngst ein Eingeweihter der “Freunde guter Musikanlagen”: “die besten Jahren der Hifi-Szene waren die Siebziger”. Mit den Zeitreisen ist das halt so eine Sache. Ein altes Transistorradio unter der Bettdecke, und die Kinks hören auf Radio Luxemburg.  Der ganze Zauber aus einer kleinen Kiste. Those were the days!

Anouar Brahem hat seine neue im November erscheinende Arbeit u.a. mit einem Streichensemble aufgenommen. Ich bin gespannt, ob die Violinen und Violas mehr europäisch oder nordafrikanisch klingen. Neil Young erfüllt sich einen Traum und veröffentlicht eine Platte mit grossem Orchester, und natürlich jeder Menge Streichern. Neils Musik war für mich in ihren vielen High- und wenigen Downlights lebensbegleitend. Aber ich fürchte, hier könnte der hemmungslose Kitsch die Oberhand behalten. Trotzdem kann ich mir vorstellen, die Musik zu mögen, womöglich als alternative Weihnachtsmusik oder Mini-Regressionstherapie. Am meisten bin ich gespannt auf Robert Wyatts Biographie. Karl Lippegaus wird sie in meiner Ausgabe der JazzFacts am 20. November vorstellen. Für Robert Wyatt-Einsteiger erscheint bei Domino Records – begleitend –  die feine Kompilation “Different Every Time” mit der Sternstunde “Moon in June”, der Fassung des Albums “Third” von Soft Machine. Es wird auch eine (Auto?-)Biographie von Herbie Hancock erscheinen, “Possibilities”. Eine Biographie von Keith Jarrett. Allerdings dauert es noch mit der Veröffentlichung. Wolfgang Sandner schreibt noch daran, Amazon et al dürfen die Veröffentlichung getrost auf unbekannt verschieben. Und eine Autobiographie von Marianne Faithfull. Ach, da fallen mir doch gleich die Streicher ein des wundertraurigsten Stückes ihres neuen Albums, “Late Victorian Holocaust”, den Nick Cave Marianne auf den Leib geschrieben hat. Und die filmische Dokumentation zum Leben von Nick Cave hat zweifelsfrei Klasse. Jetzt im Kino hierzulande. Dann aber auch “Frank” auf BluRay gucken – basiert auf der wahren Geschichte eines mittlerweile toten Musikers mit einer bipolaren Störung. Creepy. Thrilling.

  1. Dronemusik hören von Lumen Drones  (7.30 – Weckruf des weissen Hundes)
  2. Selbsterteilte Lizenzen
  3. Staunen über den Stil des Romans “Lebt”: fast unterkühlt und doch wahrlich bewegend
  4. Regenspaziergang über zwei Hügel (der versprochene Sturm blieb leider aus)
  5. The Beatles: White Album, Seite 1, aus der Mono-Vinyl-Edition (ich bin wieder 15 Jahre alt)
  6. Ein sexueller Tagtraum
  7. Der hochdotierte, selbsterteilte Auftrag, eine ganz bestimmte CD ohne Fachtermini in geschliffenem Englisch mit kleinen Fehlern zu posten (und von einem Hörer hören, der sie sich dann besorgt)
  8. flashback: “she’s not a girl who misses much”
  9. Die von einem Schmunzeln begleitete Erinnerung, dass der erste Kinks-Fanclub auf Amrum gegründet wurde
  10. liegt in der Luft
  11. flashback from yesterday: the tablas on “Within You, Without You” sound like hailstones on the mono-version (i’ve never heard it that way)
  12. liegt immer noch in der Luft

Es gibt kein gutes “deutsches” Wort für “Drone”. Ausser “Drone”. Rein musikalisch gesehen. Entweder man spricht von “Bordun”, was erklärungsbedürftig ist, vom “Orgelpunkt”, was an der Sache der “drone music” auch ein wenig vorbeigeht. Das Wort “Dauerton” ist hierzulande weitgehend negativ besetzt und lässt weitaus häufiger an akustische Umweltverschmutzung und Tinnitus denken als an musikwissenschaftliche Seminare zum Thema “Bordun”. Also bleiben lautmalerische, umschreibende, vereinfachende Ausdrücke wie “Rauschen”, “Dröhnen” – “Brummklang” brummt zu niedlich. Es bleibt Raum für Umkreisungen. Man holt weit aus und bringt die Didgeridoos ins Spiel, oder die Tambouras der indischen Musik. Oder Sie gehen in England in ein Spezialgeschäft, und erwerben ein “drone”. “Good morning, Sir. I want to buy a drone” “A rare request. Wait a minute, I will look if I can sell you one.” Und nach einer Weile kommt der Händler aus einem Hinterzimmer, und legt ein “drone” auf den Tisch. Speziell In Schottland wird man fündig. Es handelt sich dabei um eine Basspfeife. Aber hilft das weiter? Gibt es “Basspfeifen-Drone-Musik”, also “Drone-Drone-Musik”. Wenn nicht, dann wird es höchste Zeit. Aber wer kennt schon Basspfeifenvirtuosen?

2014 20 Okt

Flesh And Machine

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Another drone world. In parts. Daniel Lanois goes wild. With the volume turned low. Is “Drone Music” a new, rediscovered, or “never-really-off-the-scene”-topic of some creative upheaval anno 2014? Think of Scott Walker, Swans, “Lumen Drones” – and (in historic perspective) the reissue of “The Church of Anthrax”, this “hard-core-primitive-minimalism” of John Cale and Terry Riley (1971). The man from Ontario is diving deep into his non-Canadian roots and textures – on a work without songs and singing. And now the next surprise: this record is not really a close relative to the “golden age” of Mr. Lanois’ “ambient classics” he had created with Brian Eno in the Grand Avenue Studios in his old home in Hamilton (a long, long time ago). Only the track “Space Love” may draw some parallels to the “Apollo” dreamsphere with his pedal steel guitar singing softly, the instrument he loves to call “the church in my suitcase”. And if there is one other track that might be a heartfelt greeting to his old “compadre of strangeness”, it’s the haunted softness of “Iceland”. On nearly all the other compositions we seem to drift into a strange territory in the back of the artist’s mind. It may all appear like the ideal soundtrack for a town called Lonesome, where the streets have no names. The man who has produced U2, Peter Gabriel and other candidates for this nostalgia-driven “hall of fame”, keeps his most rewarding things for himself – and for the happy few who keep company. “Flesh & Machine” is quite an unsafe journey. Do yourself a favour and don’t believe in campfires anymore! P.S.: did you ever realize that there’s no good German word for “drones”!?

The engineer said, “I don’t have to listen to this. I’ll put it in Record, and then I’m leaving. When you’re done, come get me.

This is what Lou Reed remembered about the long improvisation of “Sister Ray”. A kind of music where a lot of people rather quickly seemed to look for an “escape route”. Nowadays it is regarded as a classic in the field of “psycedelic drone music”, a tradition that the three Norwegians of “Lumen Drones” pick up on their first official release on ECM (to be released next Monday). Nils Okland plays fiddles (acoustic, pure, electrified, distorted). Per Steinar Lie plays guitars, and Orjan Haaland drums. Their pieces grow out of free improvisations, and some conceptual approach to analysing rhythms. Part of the work must have been to distill the treasures, to find a structure for tracks that reveal a strong affinity to the middle of nowhere – a clearly defined geography is not a reliable companion here. These fields of energy are sequenced in the most effective way so that every listener with a knack for richly textured sounds and airy soundscapes probably likes to follow the paths they create. It’s pure joy to hear the Hardanger fiddle in such vibrant and rough surroundings Echoes ring a distant bell from time to time: the ritual drumming of “Faust”, John Cale’s viola and guitar improvisations with Terry Riley, ancient Nordic folk, hinterland wilderness. The territory of huskies (look at the cover!). A truely fresh-sounding power trio that knows how to let all power fall – and thereby guarantees an immersive experience of the deeper kind! And the engineer, Kjetil Ulland, surely didn’t miss a second!

“Some roads you shouldn’t go down because maps used to say there’d be dragons there. Now they don’t, but that don’t mean the dragons aren’t there.”
(From: Fargo)

 
Orkun Ertener: Lebt

Fargo -Season One

Nils Okland – Per Steinar Lie – Orjan Haaland: Lumen Drones
 
 

Nur erste Eindrücke, nach 79 Seiten, einer gesehenen Folge, und vier gehörten Tracks: aber, wenn mich nicht alles täuscht, ist Ortun Ertener, dem Mann, der einige der wenigen Klassekriminalserien der jüngeren deutschen Fernsehgeschichte entwickelte – KDD Kriminaldauerdienst – ein grosser spannender Roman geglückt. Fargo hatte ich lang im Verdacht, ein Abklatsch des film noir der Coen-Brüder zu sein, bis ich in diese Serie einstieg, und was eine “psycedelic drone band” aus Norwegen zuwege bringen kann, scheint diese in einer Woche bei ECM erscheinende CD deutlich zu machen: weder hard core noch Kammertöne, eher ein dunkles Dazwischen. Darüber wird wohl noch zu reden sein. Ausserdem ist das Cover scharf (ich liebe den Blick dieses Tieres, und assoziiere dazu die konzentrierte Wildheit der Klänge). Was sind “Lumen Drones”? P.S. Als Freund guter Thriller hier noch eine Minderheitenmeinung: den vielgelobten Roman “Gone Girl” habe ich vor Monaten nach ca. 80  Seiten in die Tonne gehauen, weil mich die Gespreiztheit, die kokette Intellektualität der Sprache nervten, und mir beide Protagonisten herzlich unsympathisch waren. Dann, in London, habe ich mir die nicht minder gerühmte Verfilmung angesehen. Und wusste anschliessend endgültig, wieso mir solche hypermanierierten “Dornenkriege” von Eheleuten nur das grossse  Gähnen entlocken. Trotz aller Drastik fand ich die ganze Story verklemmt und pseudogeistreich. Die “letzten Eindrücke” der obigen drei Empfehlungen (ohne Gewähr bis jetzt, und später natürlich auch!) folgen beizeiten.

 

 
 
 

Heute Nacht, in den “Klanghorizonten”, war meine Nase eine ziemlich geschlossene Veranstaltung. Ist es dem Londoner Dauerregen geschuldet? Meiner Lust, touristisch hochfrequenzierte Orte zu untouristischen Zeiten aufzusuchen? So hielt mich auch der Wolkenbruch am Mittwoch nicht davon ab, in aller Herrgottsfrüh, bevor die Japaner und andere Nostalgiewandler sich auf den Weg machten, nur Minuten von meinem Hotel entfernt, den berühmtesten Zebrastreifen der Welt zu überqueren. Und das war, im Morgendämmer, ein angenehm geisterhaftes Erlebnis. Ich machte kein Bild, der dezente “power spot” schien sich selbst und seiner reinen Nutzfunktion überlassen: es stand auch kein Volkswagen am Strassenrand. Sie kennen den Ort ja schon so lang, werte Leser, auf dem sich die Beatles für das Cover von “Abbey Road” ablichten liessen. Paul ist da, glaube ich, barfuss unterwegs gewesen, oder spielt die Erinnerung mir einen Streich? Der Zebrastreifen ist immer an diesem Platz geblieben, er wurde nie verlegt, und auch nie an eine Ausstellung in eine andere grosse Stadt verliehen. Eigentlich erstaunlich.

 

 

 

Zatter – Julian Sartorius plays music of the alps  green fields, and some really unknown areas, with a touch of humour and playful intensity,  all solo 

Cease To Matter - Burnt Friedman and Daniel Dodd-Ellis create a deceptively simple spoken-world electronica album with a strange seductive quality 

Heliographs - Erik Honore’s may have addictive qualities, for those at least who believe in the uninhibited power of fragility 

Give My Love To London – Marianne Faithful masters the disparity of her new songs with her voice and intensity – a great mix of chasing shadows, adressing enemies and embracing life’s last offers 

Moderato Cantabile – violoncello and grand piano, Anja Lechner and Francois Couturier follow the tracks of Komitas, Mompou and Gurdjieff (i just forgot it at home, otherwise i’d given this album to Scott Walker, he would surely love the crisp sound, the unforced laments, the en passant sadness of the music

Supersilent 12 – this album is really creepy, unheimliche Musik, it’s not to blame on the mausoleum alone. There is nothing uplifting here, it’s blue music for thinking and deep listening (your choice) 

Outland – Jokleba will not be the cup of tea for those who think jazz should be fucking groovy. Can you stand anger, eruption, strangeness? To get it, one has to get inside the sound (explosives should be handled with care!) Damn rich music! 

Soused - “Drone is everywhere”, Scott Waker said to me yesterday, “you find it even in Beethoven’s music!” – and when he had come to the studio where his collaborators of Sunn O))) already had turned everythng on, on, on, it was like entering a furnace.

Sirene – Robert Curvengen’s drone music fills the Cornish coasts with big pipe organs, and soznds s that turn you on like crushing waves 

Live in Paris 1975 - Restored with painful concentration – the only live-document of the only Fripp/Eno journey through Europe that was hugely controversial and highly rewarding, because their drones and textures and ambiences and expressionism were anything else but a rip-off from Amercan minimalists. Truely original. 

Revolver – Always regarded as an all time-classic, only some of the songs blew me away, but, I have to concede, far, far away. Oh, so far away! 

Atomos - i always doubted that Dustin O’Halloran would ever leave the nice area of Erik Satie’s romantic side, but he did it, with one guy of Stars of the Lid. Post-ambient-chamber music full of dark undercurrents. And a guitar-drone is also present in the right moments. Discovery! 

Climate of Hunter – Scott Walker never left, from this time onwards (1984), the climate of hunter 

Tilt - I asked Scott Walker what the meaning of the number “21” was in “Farmer in the City”, a song about the killing of film maker Pasolini. He thougt about it, but he couldn’t remember. When the record saw the twilight of day, in 1984, i was overwhelmed. I understood the music without understanding it. 

The Drift - Another masterpiece of decay and things falling apart, bodies, attitudes, buildings, another journey to the end of the night. 

Bish Bosch - Scott’s next chapter of blackness, an absurdist take on things between post-colonialist horror, collapsing twin towers and ancient, but never heared rituals – by the way, a compelling memory that rock music once started (after Elvis, the Pelvis) to expand our consciousness. 


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