Manafonistas

on music beyond mainstream

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Zumindest Stefan Schneider ist ja Altdüsseldorfer und kennt die Stadt und ihre Musikgeschichte bestens, auch als Teil von To Rococo Rot. Nun erscheint im Januar 2015 bei “bureau b” ein Duo-Album von Stefan Schneider mit dem Perkussionisten und Multiinstrumentalisten Sven Kacirek, und es ist mehr als ein Nachspiel alter Düsseldorfer Zeiten, ihre spezielle Verarbeitung kenianischer Rhythmuswelten. Dass auf einem Stück noch ein Musiker mitwirkt, der einst in den 80ern bei Fela Kuti mitwirkte, ist eine zusätzliche kleine Freude. Das Hauptquartier von Bureau B formuliert es so (als gewisse Abgrenzung vom “alten Stoff”) – und, ja, das Album Shadow Documents machte mir beim ersten Hören grosse Freude:

“The duo’s modus operandi differs from that of renowned Krautrock pairings such as Dieter Moebius/Mani Neumeier or Michael Rother/Klaus Dinger (= NEU!), where the drum kit plays a dominant role as the driving force. With Schneider and Kacirek, drums mutate into a sort of synthesizer instrument, almost subliminally melting into the sound of other instruments as a virtual observer, adding a certain nuance here and there, rather than performing a more catalytic function. Synthesizers, meanwhile, assume many of the percussive duties.”

 

 

 
 
 
NEULAND / ZEITREISE / NAHAUFNAHME
 

Kammerflimmer Kollektief / Arve Henriksen & Terje Isungset / Thomas Köner / Sidsel Endresen & Stian Westerhus / Daniel Lanois / The Hilliard Ensemble / Daniel Lanois / Sidsel Endresen & Stian Westerhus / Anouar Brahem / Robin Williamson / Nils Okland, Per Steinar Lie, Orjan Haaland / The Beatles / Jon Hassell & Brian Eno / Sun Ra / John Coltrane / Robert Wyatt / Björk & Robert Wyatt / John Cage (on Obscure Records) / Brian Eno / Brian Eno / Thomas Köner / (Christian) Fennesz / Thomas Köner / David Sylvian with Fennesz / Thomas Köner / Fennesz / Thomas Köner / Fennesz

 

- Seems to be “old school”-“Klanghorizonte” with the usual suspects.

- Yes. Sort of. And, yet, there are surprises, believe me, twists and turns, and a kind of wilderness that will make this a journey full of erosion, falling apart, and moments of unflinched yearning.

- Campfires, too?

- If you believe in campfires, make one for yourself, take your long black coat (your famous blue raincoat would work fine, too), and put your old transistor radio besides the fire. That will do the trick!

 

 
 
 
“Hey now now, hey now now
Blocking out my anger
Finding my religion
I might be a Pagan”

(Neil Young, Driftin’ Back)

Vor Jahr und Tag gab es eine öffentliche Diskussion mit unserm Präsidenten Watzke und Trainer Klopp. Dass Jürgen hier nie entlassen würde, und das Ende seiner Dortmunder Zeit selbst bestimmen werde, verkündete der Sauerländer (ein exzellenter Chef) kurz und trocken. Aber wenn sie mal Tabellenletzter seien, entgegnete unser Trainer, das solle er, Aki, sich dann nicht antun. Doch, auch dann, keine Frage. Der Trainer steht tatsächlich nicht zur Diskussion und wird hundertprozentig nicht gefeuert.

Am Ende dieser Woche könnte der BVB zum dritten Mal in dieser Saison den letzten Platz einnehmen, vor der Winterpause. Harte Zeiten. Der Abstiegskampf wird dauern, womöglich bis zum 34. Spieltag. Wie konnte das passieren? Kein Mensch hat mit so einem Absturz gerechnet. Das sprengte tatsächlich die Kaffeesatzleserei der dunkelsten Schwarzseher.

Nach der WM kamen unsere “Weltmeister” verspätet zurück, mit einer gewissen Leere, mit Trainingsrückstand, und, im Falle von Hummels, verletzungsanfällig. Nach seinem Kreuzbandriss fand auch der ursympathische Subotic nicht zu alter Klasse, Ginter, der 10-Millionen-Mann aus Freiburg, ist nervlich überfordert, wohl auch überschätzt, produziert Fehler fürs Skurrilitätenkabinett. Torgarant und Genius Reus fällt permanent verletzt aus, Gündogan braucht viel Zeit, um seine alte Stärke auf den Platz zu bringen.

Lewandowski wird nicht ansatzweise ersetzt durch die wankelmütigen Formschwankungen von Immobile und Ramos. Auf einmal tauchen in scheinbar automatisierten Abläufen Spieler wie Fremdkörper auf. Aubameyang hat den beiden Neuen bislang den Rang abgelaufen, einer der wenigen Lichtblicke, neben einigen ordentlichen Spielen, neben mitunter soliden Darbietungen auf der Doppel-Sechs. Da sind eigentlich (EIGENTLICH!) mit Bender, Gündogan, Sahin, Kehl und Kirch potentiell allerbeste Leute im Team. Aber auch da fehlt die Konstanz. Und die Rückkehrer Kagawa und Sahin haben nie an die Brillianz ihrer Meisterjahre anknüpfen können. Warum, ist rätselhaft.

So wird jede Menge Durchschnitt produziert, in die Abwärtsspirale mischt sich Versagensangst, bisher haben Klopp und Co. da keine erfolgversprechende Strategie entwickelt (gibt es keine zwei, drei Sport-Psychologen, die man im Winter engagieren könnte, aus meiner Sicht fast ein zwingende Option) – bei dem 0:1 in Berlin spielte die Mannschaft wie ein Team, das völlig zurecht da unten steht, ohne Esprit, ohne Abgebrühtheit, ohne mentale Stärke. Auch ein beeindruckender Leader wie Sebastian Kehl kann nur punktuell das Wir-Gefühl stärken.

Manchmal blitzt vertraute Klasse auf, aber diese “highlights” wirken wie kurze “Ausreisser nach oben”. Mittwoch kommt Wolfsburg, Samstag geht es zum Kellerduell nach Bremen. Ich glaube nicht mehr an ein “happy end”. Ich glaube an ein Drama, an den rigorosen Einbruch des Irrationalen in einer nur scheinbar programmierbaren Erfolgsgeschichte. Reus wird am Saisonende gehen, das ist für mich ausser Frage, Gündogan wird nur zu halten sein, wenn seine Formkurve nicht steil nach oben geht. Auflösungserscheinungen bahnen sich an. Schon länger übrigens.

Der erste Vereinsangestellte, der sagen wird, dass die Hoffnung zuletzt stirbt, hat, im speziellen Falle von Dortmund, die tiefer gelegte Bedeutung gleich mitgeliefert: es gibt keine Hoffnung mehr. Ich hoffe, so weit wird es nicht kommen, dieser Spruch wäre das Ende. Die Phrase eines Fiaskos. Auf Dauer sind Verluste von Spitzenspielern nicht mehr kompensierbar. Der Weggang von Mario Götze war ein Schlag ins Kontor, da ging einer, der das Fussballspielen in Dortmund lernte. Es könnte nun ähnlich wie vor Jahren in Bremen zugehen. Was man nicht zusammenhalten kann, bricht irgendwann auseinander. Klopp ist wie geschaffen für solche Extreme. Er könnte jetzt seine Grenzen kennenlernen. Aber auch dem Weg dorthin (die Gegend heisst Abgrund, man kennt solche Fallhöhen aus griechischen Tragödien) geht man in Dortmund – da schafft sich Fussballromantik noch einen letzten Raum, auf den Spuren der  Liverpooler  Hymne – nicht allein.

“He raised the stake
And broke the soil
And phrased the stroke
That takes the oil
And stoked, erased and foiled the lake
And smoked and boiled the grazing snake
The roil, the choke, the cakes of praise
The spoils that break now cloak the days
That wake the coil of blazing coke
The flaking glaze of Royalty broke
He raises, stakes, admires, stokes
The flowery blaze, the fiery pokes”

 
 

E. E. Cummings would have loved these verses. Time travel activities: four Eno albums (from the 90’s) have now been be re-released as “expanded” editions that really deserve that word. Anyone out there who loves surreal heartfelt experimental rhythmical wild music from the outer fields of so-called electronic multicoloured post-fusion anti-math-rock who has never heard NERVE NET? Among its admirers Heiner Goebbels and Eivind Aarset. Call yourself happy! You are about to discover something!

Get your hands on NERVE NET and MY SQUELCHY LIFE on one double cd. A “double killer” of sorts,  with Eno often working in expressionist mode. Might kick a hole in the cosmos for you, these expeditions with all their connections to ancient cave painting, atheist space prayers, fractal zooms and profound post-dadaism.

Imagine sitting in the “Jardin du Luxembourg” in Paris on a cold December day  listening to these two albums: strange faces around you, lonesome benches. Early winter euphoria. Snow falling. And for ambient music lovers: NEROLI and THE SHUTOV ASSEMBLY will do the trick and spread their wings around you. Mhm, this sounds too poetic, but it’s not easy to avoid the thing with the “immersive experience” here.

 
 
 

 
 
 

“Eno described parts of Nerve Net as “a new kind of dissonant dance music”, but stated in a 1990 interview with Michael Engelbrecht that some of it (for instance the track Juju Space Jazz) was inspired by and expressed a similar sort of feeling to The Shutov Assembly: The Shutov Assembly reflected “the out-of-town version of it, the outside-the-city-limits version of danger” while the other conveyed the “in-the-city-kind of feeling, but also not sweet and not reassuring” (excerpt of Hans Rollman’s review of the whole re-release package in “popmatters”) P.S. “Nerve Net”  and “The Shutov Assembly” will be part of the “Radionacht Klanghorizonte” on Dec. 20th at the Deutschlandfunk (www.dradio.de for live stream desires).

Some more background stories: MY SQUELCHY LIFE should have been released in the late summer/early autumn of 1992 (or 91). I remember Brian phoning me one summer day and playing a track to me regretting I might not get the bass line because of the frequency range of telephones. But it was fun to listen to a new Eno piece on an old phone.

Not much later he wrote me a quite long letter about Warner postponing the release because of a Prince or some other superstar record. Or some other things being part of major company politics. He was so upset about this that he withdrew the album, and part of the anger influenced the “trash jazz” elements of NERVE NET. I remember inviting myself to a Warner Hamburg listening session before Brian said “no” to the release.

I was the only person in the office and had a great time listening to one of my favourite singers. The Wire even published a review of My Squelchy Life, written by Mike Fish. When it became clear the record would not see the light of day I wrote a letter to Mike Fish, and, o wonder, really nice guy, he sent me his original promo copy of the record. At that time I regarded this old C-90 cassette as one of the biggest buried treasures in my archive. Apart from a signed vinyl version of the first edition of Bo Hansson’s “Lord of the Rings” (original Swedish release).

Am Ende dieses Nachmittages gab es die endgültige Gewissheit, dass auch nach der Winterpause bei Borussia Dortmund der Abstiegskampf eine grössere Bedeutung haben wird als die Champions League. Mittlerweile spielen sie auch wie Abstiegskandidaten, der Alptraum geht weiter. Dabei hat mein entspannter Nachmittag früh und gut begonnen, mit einem kleinen 3-Kilometer-Waldlauf im 120er-Puls-Tempo, gefolgt von “Vasco Da Gama und anderen Mexikanern”. So heisst eine Folge aus der vorletzten Staffel von Mad Men – der Stoff, den sich da Don Draper anno 1972 an der West Coast reinzog, bescherte ihm keine besonders erfreulichen Halluzinationen, während im Fernsehen die Polizei auf die gegen Vietnam demonstrierenden Studenten einknüppelte. Ich bekam ein Foto geschickt, das ausssah wie aus einem Cafe in San Francisco, dabei war es nur einen Katzensprung entfernt. Ich bin wohl zu oft auf Zeitreisen. Mein Kommentar zu der Wiederveröffentlichung von Annette Peacocks erstem Album bescherte mir zwei erheiternde Mails von Freunden, und ich las ein paar Kapitel in “Iron Lake” von William Kent Krueger. Die einzige Musik, die ich heute hörte, lief in meinem Toyota, dessen Motor derzeit Benzin frisst, als hätte er permanent Durst: “Lumen Drones”, Nils Oklands Violinen in psychedelischen “drone”-Gefilden. Mit “psychedelisch” asssoziert man ja bevorzugt Drogen, aber ich verstehe es eher als ein Spiel mit Klangfarben. Die einzige Droge dieses Tages wartet noch auf mich, ein Nero d’Avola, ein guter Rotwein aus Sizilien. Und gegen Leonard Cohen und “Popular Problems” ist dazu die ideale Tafelmusik bereits ausgewählt. Klaus und Babsi, unseren Kanada-Heimkehrern, habe ich vor Tagen die Cohen-Dokumentation “Bird on a Wire” als DVD geschenkt, ein gelungenes Porträt seiner Europatour anno (ups, da schliesst sich wieder ein Kreis) 1972. Sehr dicht an dem Troubadour dran, dessen Lieblingsdroge damals Prozac war. Wenn man die Sache mit Annette einbezieht, ein Foto von Charlotte Little, das Psychedelische und die Psycho-Substanzen, wirkt dieser Blogeintrag wie typischer Jungsstoff aus der Abteilung “Sex and Drugs and Rock’n’Roll”, aber da überliest man leicht das Ausgeruhte, Meditative. Und den Fussball-Blues.

 

 
 
 

“This album was recorded a long time ago. I think I just wanted to be first. I wanted to make my first record and take music into the future. I think I was probably moving really fast because I thought someone was going to do it before me. HA! I had to wait so long before that even began to happen, but when you’re young you have this perception of time moving so much faster than it actually is. But that’s youth, it gives you the confidence that you can actually do it and that you have something to say that people will actually want to hear. All of those kinds of things.” (Annette Peacock)

Um es kurz zu machen mit der Ewigkeit: Ja, für mich hatte das Stück so etwas, das allen Zeitläuften und Strömungen widersteht, und ich hätte es gern auch in meinem übernächsten Leben, sagen wir mal 2213, gehört. Von mir aus auch in Niederösterreich. Da wird nun nichts raus. Eines der wunderbarsten Piano-Bass-Schlagzeug-Werke der jüngeren Zeit entstand in einem grossen Haus in einem schwedischen Wald.

Es heisst SERENITY (1999), ein opus magnum des Bobo Stenson Trios, mit dem Bassisten Anders Jormin und dem Schlagzeuger Jon Christensen. Kein Wunder, dass Manfred Eicher die Gunst der Stunden nutzte und gleich ein Doppelalbum daraus formte. Die drei Musiker sind ja eher ruhige Zeitgenossen, die keine grossen Worte schwingen – aber, meine Güte, da war gewiss etwas Elektrisierendes im Raum (man hätte auch das Klischee von den “sprühenden Funken” hemmungslos in den Mund nehmen können, vor Ort).

Ich erinnere mich, wie ich mit Konrad Heidkamp am Telefon über SERENITY sprach, und wie wir selbst erstaunt waren, was da, verdammt noch mal, immer noch ging, immer wieder mal, in diesem betagten Format. Konrad schrieb seine schöne Rezension für “Die Zeit”, und ich interviewte den Bassisten Anders Jormin, zu seiner Zeit mit Charles Lloyd, diversen Trioaktiviäten, ersten Soloalben etc. Natürlich sprachen wir auch über SERENITY. (“We lived in an isolated house”, an den Satz erinnere ich mich, und dass es dort gutes Essen gegeben habe.) Ich hatte ihm meine Fragen gemailt, und er schickte mir eine DAT-Kassette mit seinen Antworten. Daraus wurde ein 45-minütiges Porträt im Deutschlandfunk, dessen Skript leider verloren ging.

Während ich seine Antworten bearbeitete, entdeckte ich, dass da noch etwas war auf der Kassette, nämlich eine kleine Pause, gefolgt von einem kurzen skandinavischen Dialog, und einem mich vom ersten Ton an faszinierenden Stück aus der Session im schwedischen Wald. Ich liebte es, und plante, es in meiner Nachtsendung einmal zu spielen, mit der Genehmigung von Anders und allen Beteiligten.

Dann unterlief mir ein technischer Fehler, ein fahrlässiger Knopfdruck, ein kleiner Blackout – und das Stück war Geschichte. Gelöscht. Over and out. Die Komposition oder Improvisation lebte von steten Wiederholungen, umkreiste ein kinderliedartig einfaches Motiv, schlicht und ergreifend. Als hätten The Necks an einem Balladenalbum für ECM gearbeitet. Vielleicht fiel es etwas aus dem Rahmen, und fand darum nicht seinen Weg ins Werk. Ich erzählte Anders am Telefon die traurige Angelegenheit, und er musste auch einmal tief durchatmen.

2014 10 Dez

Iron Lake

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Tony Hillerman, Craig Johnson und William Kent Krueger geben in vielen ihrer Romane, die manche auch “Thriller” nennen, den Indianern eine Stimme, ihrem Leben in den Reservaten, ihrer Mythologie. So lese ich gerade, als Einstimmung auf unser “zweites spannende Parallellesen” des jüngsten, preisgekrönten Romans ORDINARY GRACE von W. K. Krueger, seinen ersten Roman mit der vielschichtgen Figur Corcoran O’Connor, der halb irischer, halb indianischer Abstammung ist, und seinen Lebensmittelpunkt im oft gruselig kalten Minnesota hat. Sein neues Buch ist ein “stand alone”, und erzählt eine ganz eigene Geschichte ohne vertraute Figuren. Ich habe bei diesem mir bislang unbekannten Autor ein gutes Gefühl. Denn ich erlebe hier bislang (page 145) einen überzeugenden psychologischen Realismus, ein feines Gespür für “mystery” (ohne krause Überdrehtheiten), und eine Lust, Geschichten in aller Ruhe (dabei frei von jeder Langatmigkeit) zu entwickeln, und ohne von “cliffhanger” zu “cliffhanger” zu eilen.

http://www.popmatters.com/review/188472-brian-eno-nerve-net-shutov-assembly-neroli-the-drop-reissues/


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