Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Ganz früh versenkte er sich in die Musik der Shadows, später in  Gitarrensounds von Jimi Henrix und John McLaughlin. Die Sechziger Jahre waren vorüber. Er studierte bei George Russell, und entwickelte einen ureigenen Sound, zu einer Zeit, in der manche vielleicht nur grosses Nachahmen für möglich hielten. Es war ein Sound, der wohl nur in Norwegen entstehen konnte. Und dieser Sound war voller Verzweigungen, das Sphärische, das Muskuläre, Neoromantik ohne Frack, Neorock ohne Posen. Das Quantum Jazz brachten vor allem seine Mitstreiter ins Spiel. Genre? „Sky Music“! Vor wenigen Tagen schickte mir Rune Kristoffersen eine sehr spannende Arbeit, eine Hommage an Terje Rypdal zum siebzigsten Geburtstag des Gitarristen. Alles andere als eine erinnerungsselige Veranstaltung, was da Henry Kaiser, David Torn, Bill Frisell, Nels Cline, Jim O’Rourke und etliche Norweger anstellen. Gemütlich geht anders. Wenngleich Bill Frisells Darbietung bei aller Finesse den guten Terje mal en passant ins Hinterland von Kentucky zu transportieren scheint. SKY MUSIC erscheint am 25. August, kann auch direkt bei Rune Grammofon bestellt werden. In der Radionacht Klanghorizonte spiele ich zwei Stücke aus dem Werk, und, zum Ende der Nacht, ein „Original“. Hier die Liste meiner zehn all time favourites, die sich über drei Jahrzehnte erstrecken. Das allererste Mal  hörte ich ihn auf der zweiten Schallplatte von Jan Garbarek für ECM, „Sart“. Das war die Platte, mit der meine ganz persönliche ECM-Geschichte losging.

 
 

1. Whenever I Seem to be Far Away (ECM 1045) 1974
2. What Comes After (ECM 1031) 1974
3. Odyssey (ECM 1067/8) 1975
4. If Mountains Could Sing (ECM 1554) 1995
5. Waves (ECM 1110) 1978
6. After the Rain (ECM 1083) 1976
7. Skywards (ECM 1608) 1997
8. Descendre (ECM 1144) 1980
9. Terje Rypdal (ECM 1016) 1971
10. Undisonus (ECM 1389) 1990

 

„It’s a strange thing for anyone to say, but from a renowned composer it’s especially baffling. „I’m not much of a music fan,“ says Harold Budd towards the end of a warm, engaging if occasionally mystifying conversation. „I just don’t listen to music – at all!“ Even more surprising, perhaps, is the fact that the 77-year-old doesn’t even own his favoured instrument: a piano. „I think they’re ugly things,“ he chuckles. „Architecturally speaking, and in other ways. So to actually live with a piano? Well, that would really insult my aesthetic sense.“

(from an interview, some years old)

 
 
Hans Otte / Herbert Henck: Buch der Klänge

Roger Eno: 18 Keyboard Studies By Hans Friedrich Micheelsen

Matthew Bourne: Moogmemory

Harold Budd & Brian Eno: The Plateaux of Mirror

Nils Frahm: Solo Remains

Walter Carlos: Switched-on Bach

Roedelius: Selbstportrait Vol. II

Peter Broderick: Partners

Dennis Johnson: November

John Cage / Herbert Henck: Eary Piano Works

L’aggiunta:

Pascal Comelade: Haikus de Piano
 

 

 

 

Einen unbestrittenenen Verfechter der Jazzfotografie hatten wir hier schon, der in nicht zu zähmender Hartnäckigkeit Saxofonisten, Pianisten, Schlagwerker etc. in allen Posen der Exstase und des Innehaltens ablichtete. Auch mitunter in recht verdrehten Körperhaltungen, die einem die Qualität moderner Chiropraktik in Erinnerung rief. Das kam nicht ganz ran an die stilistische Brillianz der Klassiker des Genres, half aber, die Wertigkeit der eigenen Gedanken auch visuell zu dokumentieren, und eine gewisse Allgegenwärtigkeit. Ein Bild erzählt mehr als tausend Worte, diesen alten Spruch schien der knipsende Holländer allerdings widerlegen zu wollen, denn alle Geheimnisse waren aus den Bildern verschwunden, was blieb, falls es nicht ohnehin drunterstand, war munteres Musikerraten. Seither suche ich nach ähnlichen Serienmotiven, die allerdings, gegenüber dem abgegrasten Feld der Jazzfotografie mit ihren ewig wiederkehrenden Mustern, purer Erinnerungswertigkeit, etwas Geheimnisvolles für sich behalten, einen atmosphärischen Mehrwert. Fündig geworden bin ich beim Topos Strandkorb. Genosse Henry kann in solchen Aussichtsposten der Freizeitgesellschaft sicher ein gutes Buch lesen. „Der Butt“, von Grass. Allerdings kommen mir keine Menschen in die Körbe hinein. So bleibt alles ein wenig surreal, und ein leichtes Schwanken des Wirklichkeitssinnes macht offen für neue Erfahrungen, an scheinbar trivialsten Orten. Jedes Idyll ist trügerisch, und so kann heute jeder Strandkorbbewohner, zwischen Ostfriesland und Blackpool, folgende Zeilen in der Zeitung seines Vertauens lesen: “This situation is beginning to develop into this generation’s Cuban missile crisis moment,” ING’s chief Asia economist Robert Carnell said of the Trump-Kim spat in a research note. „While the US president insists on ramping up the war of words, there is a decreasing chance of any diplomatic solution.“  

 
 

 
 

2017 9 Aug

Der vierte Streich

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An einem sommerlichen Morgen hatte ich in Dortmund, auf dem britischen Soldatensender BFBS, den Song „Here He Comes“ erstmals gehört, aber es dauerte Wochen, bis ich, zurück in Würzburg, genauer gesagt, in Gerbrunn, Paul Ehrlich-Strasse 14 (seltsam, dass man manche Adressen im Kopf behält, die nur von kurzer Verweildauer waren), vom Paketboten aus dem Bett geklingelt wurde, und die Erste Edition von „Before and After Science“ in Händen hielt: diese wahrlich limitierte Auflage enthielt vier Lithographien von Peter Schmidt, einem guten Freund Brians, dessen früher Tod ihn tief traf. Ich weiss nicht, ob ich jemals einer Platte (das Paket kam aus Unterlüß, Leser der Zeitschrift „Sounds“ erinnern sich) mit solcher Vorfreude entgegengefiebert habe, ausser vielleicht „Blue“ und „Sgt. Pepper“. Und „Dondestan“. Es waren einfache Motive, eine Treppe, ein Blick aus dem Fenster, Marginales, alles in unaufdringlicher Farbgebung – diese „paintings“ empfand Eno als zusätzliche „tracks“, nicht erst in seinen späteren Installationen suchte er nach einer Verschmelzung von flüchtigen Klängen und flüchtigen Bildern: die vier Bilder schliessen nahtlos an die ambienten Sphären der Seite Zwei der Schallplatte an, und transportieren das dort vermittelte Gefühl der Ferne, des Treibens im Irgendwo, des stillgestellten Radios, in ein surreales Flair von Alltag, von Tagen im All, von scheinbar vertrauten Räumlichkeiten (die Songs hörte ich heute morgen, sehr früh, am noch unbevölkerten Badestrand Schillig im Wangerland („a thousand miles away …“) – und diese vier Bilder finden sich zum Glück wieder, wenngleich nicht als Einzeldrucke, auf der neuen „half-speed“-Ausgabe seines vierten Songalbums der Siebziger und seines letzten für viel zu lange Zeit. Diese vier gesangshaltigen Alben, die schon seinerzeit so viel Zukunft in sich trugen, und heute wahlweise zeitlos oder zeitgenössisch klingen, sind nach wie vor grosse Abenteuer. Am besten funktionieren diese gesammelten Unerschöpflichkeiten, wenn die eigenen Wissens- und Nostalgiespeicher nur leise im Hintergrund rumpeln.

Hello Brian,

here’s a „gospelmate“ of yours:

 

„The Great Debate“ is an eight-minute mini-musical that pits science against religion to determine, once and for all, who is right when it comes to humanity and existence. Though you are an atheist, in the song, the religious side comes out on top, largely thanks to the power of gospel music.

Randy Newman: Faith wins because it’s got Dorothy Love Coates, the Golden Gate Quartet, Bach, Beethoven, Mozart, Brahms, everybody. I don’t know whether I am a music lover, strictly – it’s hard to say how I feel about it – but I love good gospel music. No doubt. My side, the agnostic, atheist side, has got nothing like that. There’s no great song that’s like, “Let’s all not believe and play our agnostic hymnals!” They got everything: the high ceilings, the confessions – man what a hit idea.

(from a new Pitchfork interview)

 

P.S. Though you’ve never been too much interested in your historical ego, it’s great to see how these four classics from the 70’s receive a lot of interesting thoughts and appraisals, funny enough, nearly no one has been diving deeper into the special sound quality of the new „half-speed masters“. And there should be an improvement – standing up three times to get the full experience, makes a difference to old time vinyl experiences :) – I’m prepared for some comparative listening soon … best, Michael

 
 
 

 
 
 

Thanks Micha,

I’m just reading Anthony Heilbutt’s book THE GOSPEL SOUND which has a lot about Dorothy Love Coates in it … I’m still in love with her.

Yes, the old albums have had a good reception. I should listen to them again myself 😉. Last time I listened to any of them I found myself thinking „Who was that person?“. Releasing little time-capsules called „albums“ certainly gives you some surprises later in life: surprises about how much you change over a lifetime, and about which bits don’t change.

And I see Randy Newman has a new record out too. I look forward to that – always admired him enormously as a songwriter (GOOD OLE BOYS one of my alltime favourite albums).

XXB

2017 31 Jul

p5 (revisited)

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Der Deal: du verzichtest auf fünf sterbliche Gedichte,
die in hundert Jahren von fremden Augen heimgesucht,
ferngefunden werden, schulbuchdingfest –
und hast diesen einen Wunsch frei, der natürlich nur
ein lustvolles Verschwinden sein kann, wir verhandeln
keine Ewigkeiten. Ja, dann bleibt nur eins: ich gehe
(Schlussblende, rund) auf diesem Feldweg, wie einst
Chaplin, Staub und Staub und „Moon River“ im Ohr!

 

 

Ö

ö

„The day the music died.“ Ein Versehen, ein nicht ganz so kurzer Moment der Abwesenheit, und eine dummerweise automatisierte Reaktion des Oppo, führten zu einer Schredderung zumindest der Mittel- und Hochtonareale meiner Aktivlautsprecher, weitere kollaterale Schäden denkbar. Ich übe tiefes Durchatmen, lege Gary Peacocks neue CD ein, der Kontrabass kommt satt mit Holz, das Piano ein elendes Krächzen. Over and out. Das „electric cinema“ ist auf unabsehbare Zeiten geschlossen. Bitte keine Anteilnahme ausdrücken, der Kopfhörer funktioniert noch (glaube ich zumindest). Jetzt muss erst mal Schadensdiagnostik betrieben werden, dann (wenn das ganze nicht jeden Kostenrahmen sprengt), fahre ich die c1-Monitore nach Mellrichstadt. Manger Audio baut fantastische Lautsprecher, ich bin neugierig, ob & wie ich aus der Nummer rauskomme. Freunde, die hier waren, ahnen, wie Alexei Lubimovs Tangentenklavier  klingt, wenn er ein Rondo von CPE Bach spielt – fast hyperreal! Es war einmal, fürs erste.

 


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