Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Tauchte Götz George nicht in den Sechzigern in Karl May-Verfilmungen auf, statt, seinem später sichtbar werdenden Können entsprechend, die „Neue Deutsche Welle“ zu bereichern? Wie hätten Wenders-Filme mit dem widerspenstigen George Jr. gewirkt? Dies ist kein Nachruf, dies ist eine Erinnerung an die Rolle, in welcher der Sohn des Übervaters Heinrich mir am meisten bedeutete: Schimanski. Da fand ich einen Wahlverwandten, der als Kind des Ruhrgebiets die Kneipen, die Huren, und den Wert guter Freunde kannte (unvergessen der grossartig-miesgrämige Eberhard Feik an seiner Seite, viel zu früh gestorben). Gestorben wird in diesem Jahr genug, und jetzt trifft es auch meinen liebsten Tatort-Kommissar. Was heute entweder so blöd ist, dass es wehtut (die Humorschleifen aus Münster), oder endlos betroffenheitsbemüht (Tatort als Sozialkundeunterricht), erlaubte damals, mit den Herren Kressin und Schimanski, noch dezente Fernsehanarchie. Wie selten sind Tatorte geworden wie der von Samuel Fuller gedrehte (oder sollte ich sagen: „geschossene“) „Tote Taube in der Beethovenstrasse“ (mit der fiebrigen Musik von Can), oder die pöbelnde, rumpelnde Schwarzweisswelt des von Hajo Gies eingefangenen Kohlenpotts? Die Stahlindustrie war im Niedergang begriffen, viele alte Brauereien verpassten den Sprung in die neue Zeit und verschwanden in der Abteilung Ruhr-Kultur. Und in diese grau gewordenen Welt, in der Knallchargen wie Duran Duran den Soundtrack des Zeitgeists lieferten, brachte Schimanski eine ungebrochene Vitalität, einen ganz und gar ungestylten Mix aus Aggressivität und Gerechtigkeitsliebe. Ich war in den unwilden Achtzigern (in den sich zuviele Hippies in Yuppies verwandelt hatten) mit  einer Prostituierten aus dem Dortmunder Milieu gut befreundet (ein kluges Wesen mit scharfer Menschenkenntnis, von der sich so  manche Öko-Tanten im Kreuzviertel ein paar Scheiben hätten abschneiden können), ich sah, kurz vor einem Konzert von Mal Waldron im Domicil, Pistolenschüsse im Norden der City aufblitzen, eine Abrechnung unter Gangstern, ich trank einen Abend lang unendlich viel Bier (bis zum ersten und einzigen Filmriss meines Lebens). Wenn ich zurückdenke, werde ich nicht von Nostalgie befallen, aber weh tut es dann doch, an einem Tag wie heute, die Bilder von Schimanskis grossem Abschied vor mir zu sehen (die Comebacks lassen wir mal aussen vor), als er über den Rhein segelte, frei schwebend durch die Lüfte, und alle Schwerkraft für Momente aufgehoben war. That’s the way life goes, that’s the way death works. 

Das Interview wurde von zwei Schülerinnen von Gregor übersetzt. Nicht vollständig, aber in grossen Zügen. Vielleicht reiche ich noch nach, was David Mitchell über den Talking Heads-Fan Holly noch so alles erzählt hat. 

Zudem habe ich den langen Schlussteil weitgehend weggelassen, da ging es u.a. um unsere ECM-Lieblingsplatten. David Mitchell bezeichnet sich als ECM-afficionado, und schwärmte von seinem Lieblingsdrummer Paul Motian – der andere ist ein gewisser Keith Moon von The Who. Eines seiner Alben für die einsame Insel: „Saltash Bells“ von John Surman. Und an der Art, wie Andras Schiff Bach spielt, kann er sich gar nicht satthören. 

DIE KNOCHENUHREN sind in diesem Frühjahr bei Rowohlt erschienen: das Leben folgt keinen vertrauten Mustern, das Phantastische kann jederzeit Einzug halten, und die Zeit ist ein unsteter Geselle, Sterblichkeit auch. Es wird wunderlich.  Sie verlassen alle Komfortzonen, werte Leser – im Falle dieses aussergewöhnlichen „Wälzers“ kann man dennoch von einem Schmöker reden! 

 
 
 

 
 

 

Vor drei Jahren trafen Sie einen Lehrer in Stuttgart, Gregor Mundt. Er hat vor einiger Zeit ihr Buch „Der Wolkenatlas“ mit einer seiner Schulklassen behandelt, und nimmt jetzt an auch den neuen Roman „Die Knochenuhren“ mit seinen Schülern durch. 

 

Wow! Das ist eine Weltpremiere glaube ich! Eine Weltpremiere im Klassenzimmer für „Knochenuhren“!

 

Seine Schüler haben mir zwei Fragen  mitgegeben. Die erste: „Warum bringt er Fantasy-Stücke in sein Buch mit ein? Vielleicht, um der jungen Generation eine Geschichte der modernen Welt, mit all ihren Desastern, nahe zu bringen? Was war der Hintergedanke?“

 

Das war nicht die Idee dahinter. Ich habe mich gefragt, welchen Preis ich zu zahlen bereit wäre, um dem Alterungsprozess zu entkommen und unsterblich zu werden. Was wäre ich bereit zu opfern für diese Art eines faustischen Pakts? Für mich stellt der Roman meine eigene „Midlife-Crisis“-Literatur dar. Ich wollte ein Gedankenexperiment wagen: wie wäre es, wenn mein magisches Bankkonto der Lebenszeit nie erschöpft sein wüde.

Dafür brauchte ich unsterbliche Charaktere. Solche, die bereits einen solchen Pakt abgeschlossen oder ihn gar geerbt haben. Sie haben diese Unsterblichkeit, ob sie sie wollen oder nicht. Ich wollte den Tod aus der Sichtweise der Unsterblichen sehen. Da es keine Unsterblichen gibt, musste ich die Gattung des „Fantasy-Romans“ nutzen, jedoch wollte ich keinen reinen Fantasy Roman schreiben, sondern ein Buch das viele verschiedene Genres beinhaltet.

Das Buch sollte auch einen politischen Teil besitzen, dabei gibt es kaum Bücher, in denen Fantasy und Politik erfolgreich vereint wurden, eins davon zum Beispiel ist „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel Garcia Marquez, ein anderes „Mitternachtskinder“ von Salman Rushdie. Und das berühmte Werk von Mikail Bulgakow. Es ist also machbar, ich wollte herausfinden, ob auch ich Politik und Fantasy so vereinen könnte, dass kein Ungleichgewicht besteht.

Es war also nicht dazu gedacht, um junge Leser auf mein Buch aufmerksam zu machen; so schlau, geschickt und verschlagen bin ich nicht, aber ich habe gelernt darauf zu vertrauen, dass, Bücher die mir gefallen, oft  auch anderen Menschen gefallen.

 

Ich fand es interessant zu sehen, dass der Anteil an Fantasy Im Verlauf des Buches langsam, aber stetig, zunimmt. Sie mussten also den Aufbau geschickt planen.

 

Ja, ich brauchte guten Füllstoff, um die verschiedenen Kapitel miteinander zu verknüpfen, da sie in verschiedenen Gattungen geschrieben sind. Von sozialem Realismus über Politik bis hin zu Satire und Fantasy und Dystopie. Also beschloss ich, das Buch in verschiedene Teile zu teilen, um jedem Genre einen Abschnitt zu geben.

Ich wollte zudem das Fantastische dezent einführen. Deshalb musste Hollys übernatürliche Erfahrung am Anfang des Buches aus ihrer Erinnerung gelöscht werden – sonst hätte das einen zu großen Einfluss auf ihr Leben gehabt. Erst im fünften Teil bricht die „Fantasy“ vollends durch, explodiert. Ich glaube, dass ein Buch nur dann gut wird, wenn ich als Autor Angstschweiß und Herzblut investiere.

 

Nun kommen wir zu Holly Sykes. Ich könnte mir vorstellen, dass es gewisse Parallelen zwischen Ihrem und Hollys Leben gibt, vor allem, da das letzte Kapitel auch noch in Ihrem Wohnort spielt.

 

Und Holly und ich haben dasselbe Geburtsdatum. Dass wir in der gleichen Ära aufgewachsen sind, erleichterte mir das Schreiben, da brauchte ich nicht viel recherchieren. Die Sechziger Jahre waren eine spannende Zeit, jene Generation ist wahrscheinlich die letzte, die sich noch an die Zeit ohne Internet erinnern kann. Hollys Charakter basiert auf einem Mädchen, das ich während meiner Schulzeit kennengelernt habe. Die Zeiten damals waren aufgrund vieler unterschiedlicher sozialer Schichten kompliziert. Durch diese Vielfältigkeit habe ich als Schriftsteller einen Vorteil gegenüber denen, die Privatschulen besuchten. In meiner Schulzeit bewunderte ich Mädchen wie Holly aus der Ferne. Holly sollte ursprünglich irischer sein, aber schlussendlich entschied ich mich doch dagegen. Der letzte Teil des Romans  spielt in der Zukunft und katapultiert den Leser in  eine komplett neue Umwelt.

 

Immer wieder geht es um Parallelwelten, Verstörungen des normalen Alltagsbewusstseins, bis hin zu sog. Psychosen. 

 

Ja, wir reden über Schizophrenie. Einer meiner Freunde leidet an Schizophrenie, er ist der Sohn meines Uni-Tutors, dem ich immer noch ziemlich nahe stehe.

 

Ich glaube, das war vor allem früher noch verbreiteter als heute, dass die Leute, die Stimmen im Kopf hören, einfach die Gegenmedikamente bekommen. Inzwischen gibt es andere Entwicklungen, wo man diese Personen ernst nimmt, ihnen zuhört und sich in sie einfühlt. Also gibt es inzwischen Brücken von einer Welt in die andere, es gibt nicht nur die getrennten Welten der Gesunden und der Kranken.

 

Amen, Hallelujah! Über dieses Thema könnten wir sehr lange reden. Meine Antwort, kurz gefasst, dass es ein nutzloses und reduzierendes System ist, in Gesunde und Kranke aufzuteilen. Aber wir dürfen auch nicht glorifizieren oder romantisieren, wie schwierig es ist, mit irgendeiner Form von Abnormalität zu leben. Mit Schizophrenie kann man nur sehr schwer leben, mit Autismus genauso … selbst in einer viel abgeschwächteren Form der Sprachfehler ist es nicht leicht, das kann ich Ihnen aus erster Hand sagen.

Allerdings bringt es auch nichts, in den Krieg gegen sein eigenes Gehirn zu treten, das macht es nur noch schwerer. Das erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich Fortschritte machte, die Auswirkungen meines Sprachfehlers, meines Stotterns, in meinem Leben zu reduzieren, war, als ich aufgehört habe, dagegen zu kämpfen, als ich aufhörte, an eine magisches Mittel zu glauben, das mich heilen könnte, als ich aufhörte, es als Krankheit zu sehen. Ich machte erst Fortschritte, als ich es als ein Teil von mir anerkannte, und lernte, dass es okay ist zu stottern. Und ich sah mein Stottern nicht mehr als Feind, sondern als etwas, was genauso das Recht hat zu existieren, dem ich Unterschlupf geben kann. Sobald ich anfing, es besser zu behandeln, behandelte es auch mich besser.

Aber im Vergleich zu Schizophrenie oder Autismus ist das nur eine kleine Sache, und ich will auch nicht so tun, als hätte ich die gleichen Hürden wie die Menschen mit Schizophrenie, also vielleicht sind es die gleichen, aber sie sind  viel kleiner.

In „Die Knochenuhren“ war bei Holly die erste Reaktion auf die Stimmen in ihrem Kopf, dass es Schizophrenie sein müsse. Es muss irgendein neurologischer Fehler sein, ein extremes  Merkmal, und ich hätte mit Sicherheit das Gleiche gedacht, wäre es mir passiert. Aber im fünften Teil des Romans wird gezeigt, dass diese Stimmen, unabhängig von einem Krankheitswert, Realität sind und wirklich existieren! Also ist dieser Teil vielleicht eine Art Hoffnung für Menschen mit Schizophrenie, demnach die Realität eben ein Spektrum von Graustufen ist, nicht von Schwarz und Weiß, wie es die traditionellen Modelle Hinstellen. Ich weiß, meine Antwort dreht sich ein wenig um sich selbst, aber …

 

Nein, nein, so kommt etwas Licht in die Sache. Ich glaube auch nicht an diesen Kontrast zwischen erfundener und realistischer Welt. Alles ist immer nur eine Version, alle erzählen Geschichten, ob das jetzt der Irak ist oder jemand mit einer psychischen Krankheit, das ist immer nur eine Version, eine Geschichte, die erzählt wird. Und mit jedem Erzählen wiederholt man nur, was man beim ersten Mal erzählt hat, man legt sich die Wahrheit zurecht, und entfernt sich leicht von der ursprünglichen Erfahrung. Und es gibt andere Realitäten als die, in der wir uns common sense-mässig befinden. Das ist meiner Meinung nach auch eines der größten Vorteile von Fantasy-Lektüre: sie öffnet Türen der Wahrnehmung. Ich meine nicht Leute auf einer Drogenreise, es ist schlicht hilfreich, offen zu sein für die „Andersheit“ der Dinge. Wenn ich als Psychotherapeut arbeite, ändere ich die Geschichten, die Wahrheit ist, überspitzt gesagt, sekundär, immer nur eine Annäherung, und meistens ein Mythos. 

 

Ganz gewiss, und das haben Sie spannend auf den Punkt gebracht. Was, wenn Fantasy gar keine Fantasie ist? Sondern einfach nur eine andere Realität, die wir bis jetzt noch nicht getroffen haben. Überhaupt, was meinen wir eigentlich mit Realität? Ich habe ein iPhone, das vor 200 Jahren, ganz zu schweigen von der Zeit vor 800 Jahren, wie reine Magie ausgesehen hätte. Selbst die vernünftigste Antwort darauf, wie ich mit meinem iPhone einfach mit Menschen auf der anderen Seite der Welt reden kann, wäre nicht Wissenschaft, es wäre Magie gewesen für die Leute damals. Also scheint es mir unvernünftig, in unserer digitalisierten Welt eine so klare Linie zwischen Realität und Fantasie zu ziehen.

 

Insofern geht es in den „Knochenuhren“ auch nicht um Wahn und Wirklichkeit, sondern zm einen Pool von Realitäten. Das kann Menschen Angst machen. A propos Furcht und Erschauern: „Fear of Music“ von den Talking Heads kommt eine spezielle Bedeutung zu in dem Roman. Ein fantastisches  Album, von Jonathan Lethem in einem brillianten Buch gewürdigt, als junger Mann bewohnte er diese Songs geradezu, über einen langen Zeitraum. Eines der grossen drei Talking Heads-Alben. Holly liebt es, und Sie bestimmt auch …

 

Ja, „Fear of Music“ ist wahnsinnig gut. Es klingt heute, 2016, fast noch besser als damals, als es herauskam. Ich habe das Album in Japan entdeckt, als ich so 26, 27 Jahre alt war. Die Musik klirrt und funkelt. David Byrnes Gitarre ist nicht schön, das versucht er auch gar nicht, sie verströmt einen sehr industriellen Klang. Aber, mein Gott – trotzdem schön!

(übersetzt von Michelle Mages & Mitra Estiry, beide Theodor-Heuss Schule Reutlingen).

 
 

 
 

1. Brian Eno: The Ship
2. David Bowie: Blackstar
3. Vijay Iyer & Wadada Leo Smith: A Cosmic Rhythm With Each Stroke
4. Jon Balke: Warp
5. Matmos: Ultimate Care II
6. Naqsh Duo: Narrante
7. Van Morrison: It’s Too Late To Stop Now, Vol. II, III & IV
8. Paul Simon: Stranger To Stranger
9. Sturgill Simpson: A Sailor’s Guide To Earth
10. Tindersticks: The Waiting Room
11. Thomas Köner: Tiento de la Luz
12. P. J. Harvey: The Hope Six Demolition Project
13. Darren Hayman: Thankful Villages Vol. 1
14. Jack DeJohnette, Ravi Coltrane, Matthew Garrison: In Movement
15. Glenn Jones: Fleeting*
 
 
*  … this will be one of my all time favourite guitar solo albums!

 

 
 
 

Anyone remembering the album, and the long „killer track“ from John Surman’s first or second  album for ECM? „The Amazing Adventures of Simon Simon“. Mr. Surman had been assisted by Jack DeJohnette whose latest solo album with the sons of Garrison and Coltrane is utterley inventive jazz. Joey is dying for it, and you could have heard it in my night show. The man on the cover reveals a sense of humour not typical for the ascetism of classic ECM covers. And he is definitely bearing no resemblance with my outer appearance. For god’s sake, I’m blessed with a good sense of humour. I have quite long hair and a rediscovered longing for the wilderness. My trip to the Highlands has only been the beginning. During the last weeks my life changed into a surreal mix of the inside of a washing mashine in full working mode (listen to the thrilling new Matmos record to get the point of being inside such a household treasure) and a Nouvelle Vague movie (with much more action involved than in that usual Eric Rohmer „ennui“). So, the end of the year might mark the end of my radio days. No sentimental feelings required. Too much horizons still opened (even if the sky will come tumbling down). I own a small appartment in Bochum that would offer shelter forever. On the other hand, my love for the wild side of life will never stop, and I’ve always known how to steal horses and apples, how to find good mushrooms, and how to beat up trolls and evil-minded lorry drivers (if necessary). And, change of scenery, I do have a favourite land: Great Britain. Brexit, or no Brexit. I’m speaking about the landscapes and two friends over there. I will walk the Coastal Path in Cornwall, I do know the „Road To St. Ives“ only too well. And you remember the other John Surman solo album with the same name? Great. Circles closing. Spaces opening. Good night, and good riddance!

Nein, bitte keine Aktionen. Wenn man sich nicht arbeitsrechtlich auskennt, oder, schlicht gesagt, die eigene Rechtssituation so einschätzt, dass es nicht unbedingt zum Vorteil gereicht (diese umständliche Ausdrucksweise ist beabsichtigt), kann man leicht seinen Status als „Fester Freier“ bzw. gewisse damit verbundene Sicherheiten (z.B. die rechtmässige Einforderung einer jährlichen Auszahlung bis zum 67. Lebensjahr, die einem hohen Prozentsatz des jeweils als relevant ermittelten Jahreseinkommen entspricht, f a l l s die selbstgestalteten Sendungen wegfallen) gefährden. Nachdem ich mir vor Jahren sicher war, über 50 zu sein – :) – bzw. so und soviele Jahre Urlaubsgeld in Folge bezogen zu haben (ich glaube, darum ging es, kann mich aber täuschen), war mir klar: Sicherungsstatus erreicht. Dann aber wurde mir einmal wegen eines rel. geringen Honorarstatus, einhergehend mit einer angeblich zu geringen Zahl an Arbeitstagen für die Sendeanstalt in einem bestimmten Zeitraum (z. B. die letzten drei oder sechs Monate, die Daten stammen aus meiner Erinnerung) das Urlaubsgeld verweigert. Ich schrieb an die entsprechende Stelle, ich hätte durchaus genügend Stunden im angegebenen Zeitraum verbracht, und listete dies im einzelnen auf – wiederum wurde das Urlaubsgeld verweigert. Ich erkannte nicht den Ernst der Situation, und verfolgte es nicht weiter. Nun aber habe ich mich über die potentiellen Folgen eines mittlerweile zweimal nicht erteilten Urlaubsgeldes informiert (potentieller oder realer Statusverlust), werde zwei Tarifverträge aus der Webseite von Verdi kopieren (somit den Empfehlungen seitens des Personalrats resp. einer mit dem Personalrat kooperierenden Person folgen) – und einem Anwalt mein Anliegen zur Prüfung vorlegen. Hat mir der Sender zu Unrecht das Urlaubsgeld verweigert? Möglich, dass ich dadurch, dass ich mir meine Rechte nicht genommen habe, den Kürzeren ziehe, und Tiefenentspannung üben darf. Auch eine Entscheidung zu meinen Gunsten ist denkbar. Über die Wahrscheinlichkeiten der einen wie anderen Option habe ich wenig Illusionen. Nun geht es mir finanziell mittelfristig weitaus besser als Kollegen, die von solchen Entwicklungen knallhart getroffen werden könnten. Insofern gehe ich  mit dieser Sache schon ziemlich cool, aber auch zielführend, um. Vielleicht zu spät, vielleicht auch nicht. Mein wunderbarer Redakteur und Mentor, Harald Rehmann, zieht sich im Herbst aus der redaktionellen Arbeit zurück, die Fortführung seiner Arbeit ist momentan genauso ungeklärt wie der Fortbestand der Klanghorizonte. Jede Mail in dieser Angelegenheit an verantwortliche Personen ist kontraproduktiv! Die Siebziger Jahre sind vorbei. Und ich kann eins gut – loslassen. „Doof loslassen“ ist aber auch nicht meins, deshalb kümmere ich mich kurzfristig um einen Fachmann für Arbeitsrecht.

„History and myth are also two forms of context Morrison is determined to combine in his music. His sets in 1973 juxtaposed original material from throughout his career with established soul and blues songs by Ray Charles and Sam Cooke, Willie Dixon and Sonny Boy Williamson. His own songs are composites themselves: blues, jazz, folk, and rock forms all appear in his music, sometimes at once, collapsing into a slipstream of associations. This feeling of endlessness, of the language of a genre losing its shape and blending with others, gives even his straightest R&B numbers the shape of a whirlpool.“

(Brad Nelson, pitchfork)

 

Last night I read a a passage in my show from Barbara Ehrenreich’s book „Dancing In The Streets – The History of Collective Joy“. The new edition of unreleased concerts of Van Morrison with his Caledonia Soul Orchestra surprises me in many ways. Listening  to these performances of exuberant  elan vital and joie de vivre, I’M THERE! And sitting on my petrol green sofa, slightly deprived of sleep, with  a glass of red wine, I’m joining the crowd of another era – pure joy floating through my body – I would call it „solitary, collective joy“!

 

 
 
 

NEULAND“ (die ersten zwei Stunden) – 1) Anohni: HOPELESSNESS // 2) Masabumi Kikuchi: BLACK ORPHEUS // 3) Teho Teardo & Blixa Bargeld: NERISSIMO // 4) Brian Eno: THE SHIP // 5) Naqsh Duo: NARRANTE // 6) Carla Bley: ANDANDO IL TIEMPO //// 7) William Tyler: MODERN COUNTRY // 8) Piano Interrupted: LANDSCAPES OF THE UNFINISHED // 9) Legendary Pink Dots: PAGES OF AQUARIUS // 10) Paul Simon: STRANGER TO STRANGER // 11) Jack DeJohnette / Ravi Coltrane / Matthew Garrison: IN MOVEMENT // 12) Fripp & Eno: THE EQUATORIAL STARS

 
Teil 1
 

 
Teil 2
 

 

 

NAHAUFNAHME: THE BRIAN ENO SURRENDER MIXTAPE

 

Harold Budd / Brian Eno: Still Return, aus: THE PEARL /Brian Eno: Just Another Day, aus ANOTHER DAY ON EARTH / Brian Eno: The Big Ship, aus ANOTHER GREEN WORLD / Brian Eno: I’m Set Free, aus THE SHIP Brian Eno: THURSDAY AFTERNOON (accompanied by some thoughts and stories about childhood, surrender, and the sea) /  Brian Eno: Fractal Zoom, aus NERVE NET / Brian Eno: Lizard Point, aus ON LAND / Brian Eno: Back in Judy’s Jungle, aus TAKING TIGER MOUNTAIN (BY STRATEGY)  / Brian Eno: NEROLI

 
The book with the „carneval scenery“: Barbara Ehrenreich’s „Dancing in the Streets – A History of Collective Joy“
 
 

 

 
ZEITREISE (1) 
 

1) Rolf Lislevand: LA MASQUERADE
2) Fennesz: MAHLER REMIX
3) SWANS: THE GLOWING MAN
4) Dexys: DEXYS DO IRISH AND COUNTRY SOUL
5) Swans: THE GLOWING MAN
6) Fennesz MAHLER REMIX

 
 

 

 
 

ZEITREISE (2) – Tony Conrad with Faust: From the side of man and womankind, aus OUTSIDE THE DREAM SYNDICATE

 

“ … Jean-Herve amd Zappi stand in front of the curtain, ready to take on the audience. The roar is incredible, from the stage and from the audibly diagruntled audience. (Sorry, English audiences, you get the „award“ for that.) The soundman is going for the board, threatening to shut it down, while Jeff Hunt is physically preventing him. Jean-Herve is bleeding on bis bass. Zapppi is relentless. I am both in awe and in pain. Standing a few feet in front of me, in duplicate: Tony Conrad, his body sweeping wide shapes thelugh the space, yet his fingers moving with the most elegant precision. … “ (Jim O’Rourke in seinen liner notes zur exzellent gemachten Vinyl-Wiederveröffentlichung des Klassikers von 1973)

 

 

ZEITREISE (3) –  Mabrak: Jigsaw (several tracks of side two (in a row) of the vinyl reissue of that buried treasure of Reggae history, department of musical hypnotism)

 

„Experiments in percussion, in the middle of the night at Harry J’s. Funky versions of rhythms like Curly Locks and Too Late To Turn Back Now, led by talking drums. Blaxploitation is in the air… the Staples… even a blast of Barry White. Beautifully mixed by King Tubby, who couldn’t believe his ears. Originally released in 1976, in paper inners only. Smartly sleeved in quintessential Dug Out style this time around — with an insert, including a recent interview with Mabrak.

Some of you might hear from Mabrak for the first time now. Be careful: once tuned in, it might easily turn into addictive listening. The talking drum as a lead instrument was a kind of „deeply rootded novelty sound“ – the ascetic outfit of the band must have been a dream come true for King Tubby’s mixing desk. Or is this whole story just made up? Fooling you into a short chapter of the long history of great unmade albums? No. it really exists.“

 
 

 

 

A list of 20 and more irresistible, mindblowing Reggae- and Dub-Classics, cherished, buried, whatever

 

1) Dadawah: Peace and Love / 2) Bob Marley and the Wailers: Catch A Fire / 3) Congos: Heart of the Congos / 4) Lee Perry: Super Ape & Arkology /5) Cedric Im Brook: The King of Saba / 6) Burning Spear: Marcus Garvey & Garvey’s Ghost / 7) Linton Kwesi Johnson: Bass Culture / 8) Mabrak: Jigsaw / 9) Culture: Two Seventh Clash /10) Bim Sherman: Across The Red Sea / 11) Count Ossie and The Mystic Revelation of Rastafari: Tales of Mozambique / 12) Rhythm & Sound w/ Tikiman: Showcase / 13) The Abyssinians: Satta Massagana / 14) Bob Marley: Exodus / 15) Joe Higgs: Life of Contradiction / 16) Bobby Kalphat: Zion Hill / 17) Jimmy Cliff: The Harder They Come  / 18) V.A.: Trojan Nyabhingi Box Set / 19) V.A.: 100 % Dynamite (Studio One)  / 20) Peter Tosh: Equal Rights

 

 
 
 

Der italienische Wein war zu 90% ein Tempranillo, mit kleinen Beigaben von Cabernet Sauvignon und Merlot. In den Wildnissen, in denen ich mich rumtreibe, habe ich den Wein leichtfertig mitgehen lassen. Es war aber auch ein Fest, die „50th Anniversary Edition“ von „Pet Sounds“ in Händen zu halten, und sofort die BluRay anzusteuern, und sich einem der zauberhaftesten Werke der 60er (und der Beach Boys) in einem exzellent aufbereitenen Surround-Sound hinzugeben. Als am gleichen Abend auch noch die bislang nie erschienenen Live-Aufnahmen Van Morrisons aus dem Jahre 1973 ihren Einsatz forderten, war es endgültig um meine Ruhe geschehen. War der Klassiker „It’s Too Late To Stop Now“ schon Jahrzehnte lang fahrlässig an mir vorbeigegangen (ein Fehler, den ich jüngst korrigieren konnte), hinken die nun nachgelegten Konzertaufnahmen von Van Morrison mit seinem Caledonia Soul Orchestra dem Vorgänger in nichts nach, und bieten eine komplett andere Tracklist. Und: so grossartig hat auch (dank sachgerechten Remasterings) das alte Doppelalbum noch nie geklungen, das wohl vollkommen zurecht zu den grössten Live-Alben der Rockgeschichte gezählt wird, neben den Allman Brothers „Live At Fillmore East“ (meine ganz persönliche Urmusik!) und, ähem, wieso fällt mir da als nächstes, etwas genrefern, Sam Cooke in Harlem ein, 1963.

 

 
 
 

Ja, Sie kennen den Spruch vom Loben, vom Tag, und vom Abend, aber reine Freude (reiner als das reinste Opium) schiesst nun mal gerade durch die Decke, und dies ist einer der glücklichsten Tage meines Lebens. Ein Abenteuerspielplatz, ein Lagerfeuer, und den Soundtrack dazu liefern, vor allem, frei Haus & frei Himmel, John Fogerty und seine alte Band: Susie Q („O Suzie Q, I love you!“). I Put A Spell On You. Proud Mary. Bad Moon Rising (Bad moon? Give a fuck on „bad moon“). Green River. Commotion. Down On the Corner. Fortunate Son. In der Psychopathologie werden gewisse irrationale Zustände von Euphorie als krankhaft erachtet, aus der Sicht östlicher Mystik können solche Glücksräusche auch Teil einer Erleuchtung sein („Mini-Sartori“ für mitteleuropäische Sinnsucher). Nun bin ich weder seelisch erkrankt (dem einmaligen Einwurf eines Stuttgarter Kulturarbeiters zum Trotz, der mir hier, in typisch Eier einklemmender Sitzhaltung, seine Diagnose verkündete, und zurecht noch auf eine westfälische Tracht Trollprügel wartet), noch ein, im buddhistischen Sinne, auch nur ansatzweise erleuchtetes Wesen, aber Fakt ist, und Fakt bleibt, dass ich heute teilweise mit jenem breiten Grinsen durch eine letztlich wenig Trost spendende Welt laufe, welches, von aussen betrachtet, durchaus grenzdebil wirken könnte. Um den Ernüchterten unter Ihnen (Calvinisten, Kantianer, etc.) eine halbwegs taugliche Vorstellung davon zu vermitteln: es fühlt sich derzeit in meiner Psychosomatik so an, als würde mein werter Ballspielverein Borussia Dortmund (der jetzt nach Hummels, Gündogan auch noch Mikhitaryan zu verlieren droht – die nächste Saison wird eine des Umbruchs sein, ohne grosse Feste, ich kann also noch klar denken!) fast im Minutentakt ein Zaubertor nach dem andern schiessen (gegen Barcelona, nicht gegen Barfuss Kairo) – kurz und gut, hin und wieder eine kleine Atemübung aus dem Hatha Yoga („der sitzende Storch“), und ich knalle nicht vollends durch. Treffender wäre nur noch der Vergleich, ich wäre zeitweiliger Bewohner des Liedes „Penny Lane“ von den Beatles (das als Endorphinstimulanz eingängig bekannt sein dürfte): in meinen Augenlidern sammeln sich mitunter kleine feuchte Biotope, die jederzeit als stille „Glückstränen“ über die Ufer treten könnten. Ich bin 13 Jahre alt, und nächste Woche erscheint ein neues Beatles-Album. Das Leben schiesst schlicht und einfach durch die Decke, wie eine Zeitwirbelmaschine im Schleudergang. Travelin‘ Band. Who’ll Stop The Rain. Up Around The Bend. Run Through The Jungle. Lookin‘ Out My Back Door. Long As I Can See The Light. Have You Ever Seen The Rain? Hey Tonight. („Rock’n’Roll with no excuses given, no questions asked.“ – Greil Marcus).


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