Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2017 17 Dez

Time capsule

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It was the time you were an older kid, not really a teenager yet, you´d never really kissed anyone, but you had a best friend who was a bit more than a best friend and you didn´t really know about this love thing and one day the two of you took a cassette player and just had a small conversation with each other and you took the cassette and some things that were important to you, just toys (a plasticky plane), in a box made of wood and you rode with your bikes around and in the middle of nowhere you spottet a large tree and you buried the box in a distance of six feet from the trunk. About twenty years later you drove there, you excavated the box, you put the cassette in the player, press „play“ and this is, what you hear:

 
 

[boy] Is it on? I don´t think it´s on.

[girl] It´s on.

[boy] Okay, uh, this is Kate Austen and Tom Brennan. And this is our dedication for our time capsule here on August 15th, 1989. Hey, give me that back.

[Kate] Why are you putting this stuid plane in there?

[Tom] Because it´s cool, Katie. I got it when I flew to Dallas by myself.

[Kate] Ooh, that is cool! It´s just like this time capsule.

[Tom] It´ll be totally cool when we dig it up in, like, 20 years.

[Kate] How do you know we´ll be together?

[Tom] Cos we´ll be married. You´ll be a mom – and we´ll have nine kids.

[Kate] I don´t think so. As soon as I get my licence, we should just get in a car and drive. Like, you know, run away.

[Tom] You always run away, Katie.

[Katie] Yeah. And you know why.

 

Lost, Season one, Episode 22

 

Friederike Mayröcker ist ein Morgenmensch. Sie steht zwischen halb vier und vier Uhr auf und arbeitet bis zum Mittag. Sie ist 1 bekennende Exzerpiererin. Jacques Derrida (Die Postkarte, Glas), Peter Waterhouse (Hopkins Journal, eine Übersetzung), Gertrude Stein, Jean Paul (Lebensberichte) usw. Es ist noch dunkel, pink moon, die lady liest, begeistert sich an dem, was in und unter der Struktur der Sprache liegt, sie macht Notizen, beschriftet 1 Blatt Papier und mehr, setzt sich an die Maschine, verwandelt ihr Material in Magie, montiert sie mit anderen, bereits vorhandenen Notizen, die in ihrer Wohnung in Wien in kleinen bunten Plastikkörben gesammelt sind, reihenweise, eine Fülle an Stoff, der sich ausdehnt, schon nach kurzer Zeit völlig verzettelt, Flucht vor die Wohnungstür, Weitertippen im Schneidersitz, von Büchern und Notizen umgeben, die sich ausbreiten,  Schutzwall, Sätze und Wörter aus Träumen, Tagebuch einer Diebin, über der die Sterne hängen, 1 Zeile wieder gelöscht, 1 Taumel, Taube, Pulsschlag, freak. „Dann hast du in meine Kapuze HINEINGEGUCKT und gerufen, wie lieb!: in meiner Kapuze war mein altes Gesicht (wie weggekauert) …“ unter einem Himmel aus Porzellan, aber alles Fiktion, bloß keine Erzählung [Trompetenbaum in der Vitrine] sobald sich ein Erzählstrom ergibt, reißt sie das Steuer herum, schneien Papierschnipsel, fluoreszierend.

Der Band „fleur“, 2016 bei Suhrkamp erschienen, enthält Gedichte, die zwischen dem 24.3.2014 und dem 31.5.2015 entstanden sind. Friederike Mayröcker war zu der Zeit 90 Jahre alt, sie wird im Dezember 93. Mille de fleurs pour la madame! „fleur“, der Text = 1 offenes Meer, ich bin in 1 Rausch geraten, Lampionblume, Jasmin, ha! ich bin kein groupie (Verschiebung einer Struktur), c´est Friederike Mayröcker at her best!

 

“ … and i stayed up late that night like a night owl workin´ like a worker bee then we made love and watched the marlon brando documentary and it´s 4:36 a.m. and the rain is pouring and tomorrow like always i´m gonna be recording and it´s 4:37 a.m. and the rain is pouring and tomorrow´s gonna be another fantastic voyage … „

(Sun Kil Moon: Philadelphia Cop, from my 2017 no. 1 album)

 

01 Sun Kil Moon: Common as Life and Love Are Red Valleys of Blood

02 Dictaphone: Apr 70

03 LCD Soundsystem: American Dream

04 David Toop: Dirty Songs Play Dirty Songs

05 Carlos Casas: Pyramids of Sculls

06 Six Organs of Admittance: Burning the Treshhold

07 Porter Ricks: Anguilla Electrica

08 The National: Sleep Well Beast

09 The Mountain Goats: Goths

10 Diagrams: Dorothy

11 Father John Misty: Pure Comedy

12 The Necks: Unfold

 

 

„Sludge days at work, these last few. I can´t get into it properly. I need someone like me to boss me about.

Enrolled at health club.“

 

Brian Eno: A Year with Swollen Appendices. Brian Eno´s Diary

 

Eine der grundlegenden Aufgaben für die künstlerische Entwicklung, die die Kreativitäts- und Spiritualitätslehrerin Julia Cameron in ihren Büchern stellt, besteht darin, die eigene Lebenserzählung zu schreiben, in einem Umfang von 10.000 bis 25.000 Wörtern. Julia Cameron schlägt vor, dabei in Fünfjahresschritten vorzugehen, und sich wichtige Ereignisse und Gefühle zu vergegenwärtigen. Ab wann setzt die eigene Erinnerung ein, wie grenzt sie sich ab gegen die Erzählungen anderer? Otto ist ein Performancekünstler, der mit Spiegeln auftritt, doch auf dem Höhepunkt seiner Karriere stürzt er in eine Lebenskrise, er steht auf dem Dach eines Hotels, neben einem Pool und künstlichen Palmen, und sieht sich vor dem Nichts. Kurz darauf erfährt er vom Tod seiner Eltern, mit denen er viele Jahre lang keinen Kontakt mehr hatte. Er erbt ein kleines Haus, und der Notar spricht von einer Truhe auf dem Dachboden, die die Eltern in ihrem Testament erwähnt haben. Otto erfährt, dass seine Eltern an einer vom I.F.P.S. organisierten wissenschaftlichen Studie teilgenommen haben, deren Ziel es ist, die ersten Lebensjahre eines Menschen so lückenlos und objektiv wie möglich festzuhalten. Ottos Eltern hatten die ersten sieben Lebensjahre von Otto in Notizen, Zeichnungen, Fotografien, Audio- und Filmdokumenten festgehalten, nichts als die Wirklichkeit. Die Aufzeichnungen wurden jedoch nie wissenschaftlich ausgewertet, weil sich das I.F.P.S. aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten auflöste. Sämtliche Unterlagen befinden sich in der Truhe. Otto selbst hat keinerlei Erinnerung an die Zeit vor seinem 7. Geburtstag. Er mietet sich ein großes Loft am Rand einer abgelegenen Stadt und öffnet die Blackbox. Wer Gaston Bachelards „Poetik des Raums“ gelesen hat, weiß, dass komplizierte Möbelstücke ein Zeichen für das Bedürfnis nach Geheimnissen sind. Eine Truhe hat oft einen doppelten Boden, Geheimfächer sind eine Handwerkskunst. Ein einfaches Gesicht, von Kinderhand in eine Baumrinde geritzt, ist gewachsen. Der Inhalt der Truhe ist streng chronologisch sortiert, Otto arbeitet sich von seinem 7. Geburtstag an in die Zeit vor seiner Geburt zurück. Die ersten Aufzeichnungen, die er liest, beschreiben detailliert sein Verhalten auf einem Spielplatz, Gespräche beim Abendessen. Bis dahin habe ich die Graphic Novel „Otto“ von Marc-Antoine Mathieu gelesen, erschienen in diesem Jahr bei Reprodukt.

 
 
 

 

2017 4 Nov

Campfire Story

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„It was 1878, in Quincy, Illinois, when 16-year-old Charles Ashmore went to the well to fetch a bucket of water. When he didn´t return, his father and sisters set out to look for him. All they found were clear footprints in the snow that stopped abruptly. There was no sign of a struggle. Just footprints that ended on the way to the well. He was simply gone.“

The Leftovers, Making of

 

 
 
 

The Munich literary periodical außer.dem publishes poems and short prose beyond usual patterns. No. 24 contains texts – in German – by Henrik Achten + Andreas Altmann + Anja Bayer + Jürgen Bulla + Petra Dahlemann + Lydia Royen Damhave + Katia Ditzler + Alex Dreppec + Happy Freistil + Thomas Glatz + Alexander Graeff + Caroline Hartge + Jonis Hartmann + Hendrik Jackson + Anja Kampmann + Sawsan Khalaf + Timo Krstin + Augusta Laar + Hele Lehmann + Rupprecht Mayer + Jörg Neugebauer + Nils Neuhaus + José F. A. Oliver + Arne Rautenberg + Ewart Reder + Dorothea Reinecke + Stephan Roiss + SAID + Katja Schraml + Johanna Schwedes + Mikael Vogel + Martina Weber.

 
 
präsentation von heft 24:

samstag, 04. november 2017, 19:30 uhr
lyrik kabinett, amalienstraße 83a, münchen

 

2017 30 Okt

Rotes Moor in schwarzweiß

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„Unmöglich, jemals über die Gegenwart hinauszugelangen …“ – das schrieb Daniel Mylow als Widmung in seinen außergewöhnlich poetisch geschriebenen Thriller Rotes Moor, als er mir das Buch im Juni überreichte und von seinen unaufdringlichen Recherchen in der Rhön erzählte, seinen Besuchen in Cafés. Ich wollte dieses Rote Moor sehen, das stand fest, aber die Kulisse musste stimmen. Es würde Herbst sein, und kühl, der Himmel würde bedeckt sein, die Blätter der Bäume wären größtenteils heruntergefallen, kein Sonnenstrahl würde auf die blassgewordenen Flechten und rätselhaften Gestalten fallen, die man hier beim genauen Hinsehen überall entdecken würde, ich würde ein Paar feste Schuhe aus dem Keller holen, mich über nichts informieren und einfach nur nur die Koordinaten ins Navigationsgerät eintippen: 50° 28′ 0″ N, 9° 58′ 50″ E. Und bevor die Gegenwart sich ändert, ist die Vergangenheit immer schon da, ich sitze im Wohnzimmer meiner Eltern auf dem Teppich, und die Filme, in denen ein Moor vorkam, waren immer schwarzweiß und es war sechs Grad kälter und der Holzsteg war an einigen Stellen morsch und er war so schmal, dass wir hintereinander gehen mussten. Die Batterien des Walkman waren aufgebraucht, lief nicht eben noch „Sparkle“, von Taub, aus den Bedtime Stories, „Dolores“ von Bohren & the Club or Gore? Permafrost, es knackte im Unterholz und zwischen den kalkweißen Stämmen der Birken blenden aus einem vergessenen Garten Scheinwerfer auf.

 
 
 

 

Do you ever think about the 14th of October? The Great Vanishing? The Sudden Departure? The clusterfuck of the modern era?

 

„The Leftovers“ beginnt mit einer Science-Fiction-Szenerie in Mapleton, New York, und gelegentlich wird ihr Datum erwähnt: es ist der 14. Oktober eines nicht genannten Jahres. Auf einen Schlag verschwinden zwei Prozent der Weltbevölkerung. Ein Baby-Boy, der auf dem Autorücksitz ohne Unterbrechung schrie, löst sich in Luft auf. Ein Einkaufswagen rollt ins Leere, weil der Mann, der ihn geschoben hat, nicht mehr da ist. Nach diesen Eingangsszenen gibt es einen Zeitsprung von drei Jahren. Drei Jahre, das  ist, so heißt es, die Zeitspanne für die seelische Bewältigung eines einschneidenden Ereignisses. Immer noch wird von behördlicher Seite versucht, das rätselhafte Ereignis zu klären. Detaillierte Fragebögen sollen dabei helfen, möglichen Mustern in der Persönlichkeitsstruktur der Verschwundenen auf die Spur zu kommen. Es gibt die Moonies, weiß gekleidete lebende Metaphern. Und das Rätsel um die Hunde, die ihr Gezähmtsein vergessen haben.

 

2017 11 Okt

4.1, D 18

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Poetenladen Verlag, Frankfurt Book Fair, Oct. 11th to 15th. With: Picknick, POET & POETIN, Akrobat, Jump´n run. panik blüten. Ich sehe alles. Die Umschreibung des Flusses. erinnerungen an einen rohstoff. Apfel und Amsel. Mikadogeäst. Windei in der Wasserhose der Eisheiligen. Die dörfer unter wasser sind in deinem kopf beredt. Fossile Infanten. Ansicht der leuchtenden Wurzeln von unten. – Come and visit us. I´ll be there.

 
 
 

 


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