Manafonistas

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Jahrelang haben Björn Meyer, ein Vertreter des elektrischen Bassgitarrenspiels (man denke an seine Arbeiten mit Nik Bärtschs „Ronin“ oder Anouar Brahem) und der Instrumentenbauer Richard Rolf daran gearbeitet, eine akustische Bassgitarre zu entwickeln, die den Vorstellungen des Musikers entspricht. Auf der soben erschienen, fantastischen CD „Provenance“ (ECM) ist sie auf zwei Stücken zu hören.  Ich  fragte ihn, was genau er sich vorgestellt hatte, er könne es ruhig in analytischer Sprache formulieren, und dann habe ich sein charmantes Schweizerdeutsch (Björn ist gebürtiger Schwede) nur ganz dezent aufpoliert. (me) 

 

„Zuerst, nur dass es klar ist – die akustische Bassgitarre  kommt ja nur auf „Squizzle“ und „Garden of Silence“ vor, gell?

Also, zuerst physische Parameter: Mensur (leere-schwingende Saitenlänge) wie ein “normaler” E-Bass (ca.85 cm) – 6 Saiten, von tief bis hoch in etwa E-A-D-G (wie ein normaler Bass) dann C – F … mit der Möglichkeit, ein wenig herum zu experimentieren … ich  habe danach fast immer das E einen Ton tiefer gestimmt …  – Genügend Klang und Volumen, um unverstärkt mit z.b. Nyckelharpa und Geigen etc zu spielen, u.a. beim schwedischen Spielmannstreffen. Dabei will ich sowohl Bass als auch Malodie und Akkorde spielen können! – Wahrscheinlich eher Stahlsaiten …

Eher schwierige Parameter: “Wie eine sehr tief gestimmte stahlsaitige Gitarre klingen, aber mit ganz klar definierbarem Grundton! Bei Akkorden soll jeder Ton hörbar sein. Es soll „Attack“ haben wie z.b. Das gezupfte Cello, aber gleichzeitig lang klingen können, was natürlich mehr oder weniger unmöglich ist … – es soll dynamisch auf verschiedene Spielarten – Plektrum, Zupf, Slap, Flamencotremolos und Sonstiges sehr “organisch” reagieren können … nicht dass mit Plektrum gespielte Passagen unkontrollierbar stärker kommen als mit Finger gezupften …

Dann beim Saiten-Hersteller: Mehr Grundton als Marke X und mehr Obertöne / Brillianz als Marke Y … – Saitenzug möglichst wenig, so dass der Deckel möglichst frei schwingen kann, aber genügend,  um gute Volumen zu erhalten …

In etwa so ist es zu- und hergegangen … alles was mit Konstruktion und anderen Details zu tun hatte (Holz, Form, Grösse etc.) habe ich den Fachmännern überlassen!!

Was hört man wo ?

„Squizzle“:  Mensur länge wirkt hier fantastisch,  finde ich – der Klang der leeren Saiten in den melodiöseren Teilen – Auch dass jeder Ton heraushörbar ist, obwohl ich ziemlich wild herumschrumme – Attack und Dynamik bei verschiedenen Spielweisen erscheint mir  auch sehr gelungen.

„Garden of Silence“:  Es hat auch beim tiefsten Ton (D, den Grundpuls von Stück) genügend Klang, um das Auditorio Lugano zu füllen! – Der Deckel (Top) ist dünn genug um schwingen zu können aber stark genug um den gesammten Zug von 6 Saiten zu halten. Der Klang von diesen spezialgewickelten Stahlsaiten inpiriert mich sehr … Es wurden eben Stahlsaiten, aber mit ein wenig Nylon (im Dünnsten / Höchsten), um den Klang nicht ZU glitzerig zu machen …“

 

lashmusic.com / bright-phoebus-songs-by-lal-and-mike-waterson …

 

(to the friendly knowledge of Gregs and Michael at least, who are, among the Manas, his most regular listeners)

 

Es sind intuitive, oft auch gut begründbare Entscheidungen, die einem keine Wahl lassen, wenn man die Wahl hat. In der SZ entbrannte vor vielen Jahren eine streitlustige Diskussion, vielleicht sogar in der Form eines Briefwechsels – es ging, u.a. um das prinzipielle Qualitätsgefälle von Klassischer Musik und Popmusik.

 

Meine schlichte Antwort dazu: es gibt keins. Eine Qualität des „Un-Fass-Baren“ kann sich hier wie dort ereignen, sie ist nicht genreabhängig. Das sehen natürlich manche Zeitgenossen anders, besonders solche, die zuviel Weihrauch geschnüffelt haben und ihr Brett vor dem Kopf für eine heilige Tafel halten.

 

Der launige Diskurs fand zwischen Karl Bruckmaier und Helmut Krausser statt, der in jener Zeit einen historischen Roman über das Leben, Wirken und Leiden des Komponisten Gesualdo verfasst hatte, aus dem HBO leicht eine dreistaffelige Serie schöpfen könnte. So eine Art Phil Spector seiner Zeit, ein Wahnsinniger, ein Killer.

 

Eine damalige Bekannte schenkte mir diesen Roman, den ich nach fünfzig Seiten in die Tonne warf, weil ich ihn unendlich hölzern und bieder geschrieben fand. In dem angesprochenen „Briefwechsel“ gab Krausser sich als gönnerhafter Teilzeitliebhaber des Pop zu erkennen, vermerkte aber, in Bezug auf Bruckmaiers Wertschätzung der Go-Betweens, dass ja Gesualdo wohl ein anderes, grossartigeres, erhebenderes Kaliber sei. Uuuaaahhhh – eine Leuchtturm-Existenz!

 

Beim Entschlüsseln der Struktur von „Magie“ zählen nun, wenn man nicht gerade der Riege der Weihrauchschnüffler angehört, die Parameter des Bahnbrechenden und Innovativen allein ganz und gar nicht (den Satz erst mal setzen lassen)! Lieder wie „Spring Rain“ oder „Cattle and Cane“ (von den Go-Betweens), ach, ganze Platten dieser Band aus Brisbane, können, auf einer feinstofflichen – und keinesfalls esoterischen – Ebene der ihnen innewohnenden Eigenheiten soviel „Mikromagie“ (all das, was durch die Raster akademischer Analyse fällt) verströmen wie irgendein alter ehrwürdiger Liederstoff aus fernen Jahrhunderten. Bingo.

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K

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Das Beste zum Schluss: ich fliege derzeit durch Robert Forsters Buch „Grant & Ich – The Go-Betweens und die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft“, das am 2. Oktober bei „Heyne Encore“ in der vorzüglichen Übersetzung von Maik Brüggemeyer erscheinen wird. Und was stellt sich bei dieser bewegenden Lektüre heraus: Robert Forster ist diesem gesualdoanischen Anhängers einer Wertehierarchie aus der Mottenkiste an schriftstellerischem „élan vital“ weit überlegen, und da muss man nicht einmal die Ebene der „Mikromagie“ bemühen. Genie, oder kein Genie, das ist nicht die Frage. Das, was Seelennahrung ausmacht, entscheidet zum Glück jeder für sich, es sei denn, lieber Leser, Sie lassen sich etwas vom Pferd erzählen.

 

P.S.: ich kann dieses Buch gar nicht distanziert beurteilen, ich war zufällig zur ungefähr gleichen Zeit in London, Paris und Regensburg, als die Go-Betweens bzw. einzelne „Botengänger“ dort weilten. Synchronizitäten. In London hätten sie mir 1982 oft über den Weg laufen können, im Rough Trade Shop war ich oft, eine Platte von Aztec Camera hing einmal an der Wand. Ich habe oft die gleichen Platten wie die Drei gehört (beim Lesen permanentes Verblüfftsein), war von „Send Me A Lullaby“ an dabei, habe keine Band öfter in meinem Leben live erlebt, und einmal in Köln (ich könnte das genaue Datum auf der Erinnerungsseite der Band nachschlagen) habe ich mit der vor Vitalität sprühenden Drummerin im Luxor getanzt, ohne mich zu trauen, sie zu einem Drink einzuladen. Eine Viertelstunde lang war ich zu verliebt, um einen klaren Gedanken oder einen Plan zu entwickeln.

2017 18 Sep

Kronos goes Mali again

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2017 31 Aug

„Family Affair“

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(Listening to „Einfluss“ under headphones)
 
 
 

I don’t believe in music as simple or clever entertainment. Sometimes music is a soft emotional ambush, it has endless ways of transcending the everyday, opening gates or slipping into nothingness. Stardust memories, dust to dust, chose your favourite exit signs! And, as a good journalist, you have to be prepared for surprises outside your usual playgrounds (that awesome old instrument Mr. Alexei Lubimov is playing) – or play the old games well!

I have been looking for some music that has not yet appeared, at least in the first two hours devoted to new records and and the very fine red lines that can link the most disparate material. Though I knew their music from the beginning (I was a studio witness, so to speak), I have been rather surprised about the fucking brilliance of Porter Ricks‘ return. David Torn will deliver a very special performance, promise! Not to speak of Matthew Bourne and his climate studies at  home, rainy home Yorkshire… 

A great late work from Herrn Roedelius, too. He doesn’t know what we recently did near Forst at the River Weser. We hang two loudspeakers into a tall tree and let them play „The Big River“ surrounded by tracks from „Einfluss“, after dark. The emotional impact was immense, the loudspeakers slightly damaged – that trip to the ancient places of Harmonia and Co. had been the most thrilling seminar I ever did. I’m still grateful for the wonderful people I met there.

As time moves, during the „close-up“ and „time-travel“-zones of my next radio night, the dfferent geographic climates, between Asian mountain regions, African Zanzibar dreams, Balearic Sea Music and Mediaeval dances, will trigger a ritualistic atmosphere: a dream zone for the clear mind. Coming back to music as a soft ambush, I will surely play this wonderful little song by Sam Beam aka Iron & Wine (and, maybe, you want to sing along when time comes). – m.e.

 

songbirds in the morning had my head
lost in the tall trees i knew well
well i would say
dreaming my dry weeds
stray life finds its way to all of us
say something green it comes back sun
light on my lips
let them kiss dark leaves

let the hands of the wrong prophets
heal me all they should
let the wine of the poison jesuses taste good

when all those trees lay down
if you were a bird and fell into my arms
if i wrote your song in stone
if i wore your wings back home
would the dreams in the backwater
drown us far from harm

give this to the gray it comes back gold
birds of the morning they may know
no more than us
giving their hymns for life
let the waves on the wrong water
say what they will say
while the wind in the broken branches
blows me away

all tall trees lay down
if you were the bird who fell into my arms
i could write your song in stone
i could wear your wings back home
where the dreams in the backwater
drown us far from harm


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