Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Autoren-Archiv:

 
 

 
 

Die Sprache reicht zur Verständigung nicht aus.

Maria Callas höre ich gerne an verregneten Sonntagmorgen, wenn die Sternstunde der Philosophie wegen der Themenwoche ins Wasser fällt. DIE Callas verspricht Drama und Tragödie, sie ist die von Richard Wagner modellierte Sãngerin für seine Opern. Ihr Stimme ist hart wie Hera, Maria mochte sie selber nicht besonders. Mit ähnlich faszinierendem, antiwarmem Timbre sang Maria Farantouri, als ich vor ein paar Jahren in ihrem Konzert in Athen war. Diese beiden Divas sind von einer unnahbaren Entrücktheit, die bei mir Ehrfurcht auslöst.

Hier in Paphos erlebe ich in den lokalen Clubs meist sehr talentierte Bouzouki Spieler, die meist Sängerinnen im Rembetiko style begleiten. Auf die Dauer wirkt diese Musik auf mich etwas eintönig, vergleichbar einfallslos wie das Essen hier.

Gestern Abend war allerdings ein hoch diffiziles, dramatisches Tanzgeschehen auf dem Town Hall Square. Zu allen möglichen Musikgenres wurden exzellente Tänze aufgeführt. Ich konnte mit mehreren Zyprioten ins Gespräch kommen. Und alle antworteten auf meine Frage, wer ihr Lieblingssänger sei mit: Pantelis Pantelidis. Ich hörte mir auf youtube das Stück „Ginete“ an. In der Pubertät wäre ich ihm verfallen und hätte tief geschluchzt. Er ist mit nur 32 Jahren vor einem Jahr bei einem Autocrash ums Leben gekommen. Einige nannten Remos Antonio und Chatrigianis. Ich habe diese beiden Musiker nicht im Netz gesucht, aber eine zypriotische Sängerin, die in Paris lebt und hier als Gast auftreten wird. Ihre Stimme ist sensual wie velvet, ihre Feelings weich wie Feigen. Sie heisst Vakia Stavrou. Für mich ist sie eine schöne Entdeckung.

Natürlich muss hier Eleni Karaindrou genannt werden. Meist lief auf meinem Tablet ihr für den Film Ulysses Gaze komponierter Soundtrack: Ulysses. Ein klarer Klang wie die Luft im Trodoosgebirge.

Ein Jungferngrauenerlebnis hatte ich in einer englischen Bar mit Karaoke. Die Engländer besetzen die Küstenstreifen immer noch und liefern sich an den noch kühlen Abenden diese Singerwettstreits. Deep Purple, U2 und Dannyboy waren die Hits. Als ich aufgefordert wurde, auch mal zu singen, winkte ich scheu ab. Später dachte ich nach, was ich gesungen hätte:
 
Day in my life / Beatles

Don’t forget to dance / Kinks

Und Ihr?

 

Aphrodite’s bath


 
 

Er lag mit seinem Adoniskörper in der Badewanne und hörte Scott Walker. Plötzlich riss sie die Tür auf und schrie: „Das tönt ja schlimmer als die Sirenen!“ Sofort tauchte er weg zu verlockenderen Stimmen. Er stellte sich vor, wie Aphrodite gerade ihre Scham mit Feigen bedeckte. Er würde seiner Haussirene bald die Flügel stutzen. Er sah den Erotikengel vorbeischweben und sah zu, wie Aphrodite ihre Sirenen in Vögel mit hübschen Köpfen verwandelte. Wie betörend ihr sanfter Gesang! Er tauchte kurz auf, um Luft zu holen. Da stand seine Nixe in ophiolith-grüner Haut und dunklen peridotiten Flecken im Gesicht. Schnell griff er nach dem Wachs und stopfte es in seine Ohren. Er sah noch, wie sich ihr Mund in tektonischen Rhythmen bewegte, Lava schien auf das Kissen des Badehockers zu fließen. Dann tauchte er schnell in seine sedimentale Tiefsee, um sich von seinen Sirenen verführen zu lassen. Welch Schreck ereilte ihn, als seine Vögel mit Bart und leierndem Gesang erschienen. Als er auftauchte war sie weg. Er fühlte sich wie Odysseus. Sie würde für immer an ihm gescheitert sein. Er genoss die Stille, in die Scott Walker das Ende von „RUN“ sang.


 
 

„Mir ist das Sein das allen Gemeinsame.

Von wo ich auch beginne, immer wieder komme ich darauf zurück.“

(aus dem Lehrgedicht von Parmenides)

 
Ich schlendere durch die geradlinige Fußgängerzone wie zum Highnoon, die Büchse fest verschlossen. Die Designer Stücke blenden, die Euros klirren. Griechischer Kaffee verströmt keinen einladenden Duft unter den patriarchalisch besetzten Cafés. Zwei Frauen sitzen im Starbucks. „Lajla, here is your Americano, Lajla, here is your Croissant.“ I smile.

„Mustafa, here is your Latte, here your Muffin.“ Mustafa doesn’t smile.

I cross the border, whistling the tune from „Sultan’s Picnic“ (Rabih Abou-Khalil).
 

Polis said: show me your passport

Polis said: stay alow one day

Polis said: no pictures

Polis said: you can pass

 
Auf kurvigen, schmalen Wegen hängt, liegt, steht handgemachte Ware. Aus einem alten Ferguson Plattenspieler schallt arabische Musik. Es riecht nach Mint and Bazil. Wo gibt es den besten Safran? In Nikosia greek or Nikosia turkish?

David Bowie, wake up and do it again: We can be heroes, just for one day.

 


 
 

Hello all women, womanizer and womenliker. Even for Aphrodite, the goddess of love and laughter it was not quite sure, if she was a woman or a man. She was a fighter as well. I doubt that she met Adonis in that  water bath, too cold for a goddess, for the mother of the gods and „the otherness“. Bobby Brown would have been here on Cyprus very happy to reveal his true self: Oh God I am the American dream. Frank Zappa first.

Paphos ist die diesjährige halbe europäische Kulturhauptstadt. Die andere Hälfte geht an Aarhus, wo es vermutlich geordneter zugeht. Wahrscheinlich haben sich die Organisatoren im Datum geirrt, vielleicht bin ich 10 Jahre zu früh hier? Der Markt von Paphos ein Schutthaufen, die Straßen mit gefährlichen gaps. Die Einheimischen sind relaxed. „We are in construction.“ Es ist beste Stimmung unter der großen Sonne.

Ich mag es, wenn in der Kunst ein Thema bearbeitet wird, das dem Künstler wichtig ist. Hier stehen kunstvolle Weinfässer auf dem halbfertigen Platz und laden zum Verweilen ein. Worauf deutet noch mal das Weinfass im Traum?

Und die Musik?

Ich werde drei Konzerte besuchen, heute spielt das Cyprus Symphony Orchester ein „tribute to MIKIS Theodorakis – „Where shall I find my soul?“ MIKIS Theodorakis war in Studentenzeiten einer meiner Heiligen. Alice Zawadzki + Band spielen Jazz und Songs of the great American songbook. Am 21.3. dann ein Bach-Konzert. Happy  birthday, Bach, only 332 years ago.

 

 
 
 
Get close to the sinners trying hard to repent
Get close to the homeless wasters and the innocent
Get close to the souls ignored and forgotten by the establishment

 
(The Kinks)
 
 
Hier sind einige gewichtige Stimmen aus dem Äther genannt worden. Georg Stefan Troller ist mein Journalistenglück. Sein wienerischer Klang verrät die Herkunft. Seine herbe, mannsstarke Stimme aber nicht, dass er als GI bei den Amerikanern gekämpft hat. Sein Cartier-Bressonscher Fotoblick für Amourszenen könnte ihn in Paris ansiedeln. Alle Vermutungen stimmen.

Troller lebt noch heute in Paris, er stammt aus Wien und verbrachte die Kriegsjahre auf der Seite des Feindes. Seine Stimme hörte man im Rias, WDR und ZDF. Er war wirklich ein Meister der Interviews und Portraits. 70 Folgen von „Personenbeschreibungen“ und 150 Dokumentarfilme hat dieser faszinierende Vielbegabte produziert. Könnte er heute noch einen Film drehen, Troller ist jetzt 95 Jahre alt – würde er die israelischen Ärzte filmen, die heimlich im Gazastreifen operieren.

Für seinen Mut und seinen Witz, für seine ungeheuren kulturpolitischen Kenntnisse und sein sozialpsychologisches Engagement verehre ich ihn sehr. Das zuletzt erschienene Buch, mit dem der Alte noch auf Lesereisen geht, heisst: „UNTERWEGS auf vielen Strassen“. Es ist auch eine schöne Zeitreise in die damalige Aufnahmetechnik. Zunächst schleppte er sich an einem 25 kg schweren Arriphon ab, später bekommt er ein Uher Gerät.

Seinen Fehlern bei Interviews widmet er ein eigenes Kapitel. Herrlich ist folgende Reportage während des Krönungszugs von Queen Elizabeth: “ … und da ist der kleine Prinz Charles in einem hellblauen Sommerkleidchen … , äh, ich meine natürlich die Prinzessin Anne in einem schicken Matrosenanzug. Nein, was ich sagen will, ist, der Prinz trägt diesen Anzug, während die Prinzessin dieses blaue, dieses hellblaue, nein eher scheint es mir himmelblau … .“ Längst war der Zug schon vorbeigezogen und Troller stotterte immer noch an diesen Kostümen herum.

Ich empfehle sehr seinen Dokumentarfilm „Deutschland in den 70er Jahren.“ Immer wieder ist es ein jung machender, witzig gedrehter Film über meine besten Jahre. Ich mag das Interview, das er mit Gisele Freund gemacht hat, besonders. Mit welch herbem Charme die Fotografin ganz einfache Fragen von Troller wie z. B. „Konnten sie als Kleinkind aus dem Fenster gucken?“ mit enormer Aussagekraft beantwortet. Sie kannte ja ebenfalls Gott und die gesamte damalige Kulturwelt.
 
Get close to the refugees and to the Lost
Get close to the brave doctors on the Gaza coast

 

James Ensor Karneval in Ostende, 1933

 

Im Fockemuseum in Bremen läuft zur Zeit eine Ausstellung  Oh yeah! Popmusik in Deutschland. Wolfgang Rumpf ist seit 30 Jahren in der Bremer Radiolandschaft zuhause. und hat beratend an dieser tollen Ausstellung mitgearbeitet. Das Konzept ist gelungen. Man kann sich entweder nur in der Sound Lounge aufhalten, wo man nur Popmusik hören kann. Oder man kann in einen Raum gehen, wo alle Beat Club Ausgaben auf der nachgebauten Beat Club Bühne über die Leinwand flimmern (great!!!) und man kann chronologisch durch die Sonderausstellung gehen. Von den 20 er Jahren bis in die Nazizeit, die Elvisjahre, die Beat Club Zeit, die 70er und 80 er mit Kraftwerk, die 90er mit der Loveparade und die 2000er mit der Soundcloud. Es gibt überraschend viele Informationen über die Musikszene in der DDR, deren Punkzeit und sonstigen Unterhaltungskultur. Überall kann man sich einstöpseln und Radiosendungen und Lieblingsstimmen von Musikjournalisten nachhören. Wunderbar. Das kommt jedenfalls auf Michael zu.

 
 


 

 
 

Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Juli 2017 zu sehen.

2017 14 Feb

Funny Contest

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 18 Kommentare

 

 
 
 

I saw this painting yesterday in the open Art Academy in Düsseldorf.
Please find a caption for it. The winner will receive a free bikeride in Münster.

 

 

 
 
 

Lajla: Eigentlich fühle ich mich hier wie eine der EASTBOURNE LADIES. „Eastborne Ladies with your hair done up so nice, Eastbourne Ladies with your tea and your lemon ice … .“ Kennst du den Song? Der ist von Kevin Coyne. Ich habe Kevin in den 70er Jahren zweimal im Audimax der Uni Freiburg gesehen. Ich engagierte mich damals in der Drogenarbeit, mit Junkies in einem LKH. Coyne war der Musiker, der ebenfalls socialworker war, seine Musik und Texte kamen sehr authentisch rüber. Er sprang in seiner Latzhose auf die Bühne, startete sofort und schwitzte in seinem Cocker und Donovan Verschnitt Gesicht. Er war sehr intensiv. Wir lasen damals die Schriften von David Cooper und Franco Basaglia, sympathisierten mit dem sozialistischen Patientenkollektiv in Heidelberg. „Aus der Krankheit eine Waffe machen“ war damals das Motto und dazu Kevin, der mit seiner Gitarre und seinen Texten kämpfte. Grossartiger Typ. BLAME IT ON THE NIGHT, noch so ein verzweifelter Song von ihm. Erinnert mich an „Do not go gentle into that good night“, ja Dylan Thomas. Ja, John Cale singt seine Texte: „Too late in the wrong rain“. John Cale sah ich vor etwa 10 Jahren auf irgendeinem Ruhrfestspiel. Wie er da sass, so allein an dem Piano mit all dem Industrie Accessoire um sich herum. Wie Wotan. Neben Lou Reed wirkte er nie so. Mich interessiert wirklich, was Laurie Anderson zu deren Verhältnis zu sagen wüsste.

 

Martina: Ja, das wäre spannend. Ich fand ihren Film Heart of a Dog sehr gut. Ihre Stücke gefallen mir auch, ich darf sie nur nicht zu lange hören, dann verfällt ihre Wirkung. Bei dem John Cale Konzert wäre ich auch gern anwesend gewesen. Möglichst mit einer super Digi Kamera mit mehreren Möglichkeiten für Schwarzweissaufnahmen, die die Fotografien grobkörnig oder verwischt aussehen lassen.

 

L.: Hast du jetzt eine Kamera dabei? Was hast du alles in deinem grossen Rucksack?

 

M. (lacht): Ich habe mehrere Bücher dabei. Ich lese immer in verschiedenen Büchern.

 

L.: Zeig her. Ah, sehr schön. Die Gedichte von Jürgen Becker. Und hier, ähem, surprise: Das Handbuch für Guerrillakommunikation. Why this one?

 

M.: Ich bin ja auch Juristin. Mich interessiert das Thema „Faking“. Vielleicht schreibe ich etwas darüber.

 

L.: Viel Erfolg bei der Recherche. Vielleicht fängst du mit dem Filtern schon mal auf unserem Blog an.
 
M.: Lieber nicht. Lassen wir’s bei dem Reiz des Erfundenen.
 
L.: Ja, Fantasie an die Macht :). Ciao, see you in Münster.


Manafonistas | Impressum | Kontakt
Wordpress 4.7.2 Design basiert auf Gabis Wordpress-Templates
72 Verweise - 0,228 Sekunden.