Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Autoren-Archiv:

2017 18 Okt

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Aufbruch ins Feuerland

 

2017 16 Okt

Schöne alte Welt

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Manchmal lebt es sich schwer im Menschenpark.

Man fühlt sich unter all den hereindonnernden Turbulenzen wie Tweek in Nordkorea. Um sich positiv zu halten, hört man gute Musik oder erheitert sich an philosophischen Themen.

So geschehen dieser Tage bei einem Vortrag eines Transhumanisten. Man weiss was Posthumanismus ist. Sven Helbig ist ein Beispiel für posthumanistische Musik (Autumn song!) Und der fluoreszierende Hase von dem brasilianischen Künstler Eduardo Kac ein anderes. Aber was ist Transhumanismus?

Den Begriff hat Julian Huxley bereits 1951 geprägt. Während es dem Bruder Aldous um Bewusstseinserweiterung unter LSD ging, versucht der Transhumanist eine Selbst-Bewusstseinserweiterung. Die Kant’sche Frage „Was ist der Mensch“ wird mit neuen Überlegungen erweitert:
 
 

Kann der Mensch digitalisiert werden?

Wie wird das funktionalistische Bild des Geistes aussehen?

Wie steht’s um die Moral? Wie werden digitale Geschöpfe bewertet?

Wird der in den weltweiten Verfassungen verankerte Begriff der „Würde“ entkrustet? Brauchen wir dann neue Grundlagen für moralische Einstufung? (Etwa, ganz gefährlich! auf der Grundlage: keiner soll leiden).

Was meinen Transhumanisten wie Ray Kurzweil (angestellt bei Google) mit ihren Zukunftsideen wie z.B. „mind uploading“?

 
 
Den smarten Professor Sorgner, mit dem es während seines Vortrags ein schönes Augenspiel gab, hätte ich gerne mal kurz gedrückt, um ihm mit loriotschem Schalk auf einen wichtigen Punkt aufmerksam zu machen: Das Gefühl, wo bleibt das Gefühl?

Wer sich trotzdem vertiefen will: Stefan Lorenz Sorgner – Transhumanismus, erschienen im Herder Verlag.

2017 3 Okt

Traveling Tom

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End of the line________________________________________________+
 
 

craziness is holy“
 

Stephan Plank hat einen Film über seinen berühmten Tonmeister-Vater gedreht. Er wurde heute in Anwesenheit des Produzenten in Düsseldorf gezeigt. Der Film beginnt mit einer Szene in einer Spielhalle in Tokio, im Hintergrund läuft Brian Enos Music For Airports, im Vordergrund steht Conny und sagt: „Alle Geräusche können in Musik verwandelt werden, wenn es gefällt, ist es gute Musik.“ Brian Eno war nie in seinem Studio nahe Köln, in Wolperath. Die beiden haben sich 1977 in New York getroffen. Eno gab dem Sohn ein langes Interview, das demnächst in dem Buch von Stephan Plank zu lesen ist. Conny und Brian sind Wesensverwandte: revolutionär, geistreich, regellos, der Suche nach neuen Klängen für die Welt verpflichtet.

Stephan machte sich auf eine lange Reise, um den Weggefährten seines Vaters Fragen zu stellen. Annette Humpe antwortet am einfühlsamsten. Der Vater sei eher abwesend gewesen, immer am Mischpult. Auch Gianni Nannini sagt, dass er sich wenig um seinen Sohn gekümmert hätte. Er sei wie sie ein Elefant gewesen, der immer auf der Suche nach dem richtigen Groove war. Alle Interviewten bewunderten Conny. Für seine perfekte Arbeit am Mischpult, für seine grandiosen Einfälle zu ihren Werken, ohne sich je einzumischen.

Conny Plank war für Kraftwerk auch als Produzent von entscheidender Bedeutung. (Wie nachlässig, nicht zur Premiere in der hometown aufzutauchen.) Conny ist es gerade mit ihnen – aber auch mit Neu, mit DAF, mit den Scorpions, mit Humpe und Humpe, Harmonia – gelungen, den Sound of Westdeutschland zu kreieren. Auch mit der wunderbaren Christa an seiner Seite. 1987 starb er mit nur 47 Jahren.

 
 

 

 

 
 
 
Skydeck, 19. Stock im Düsseldorfer Hafen. In einer Rechtsanwaltkanzlei. Was für ein F (f)all!

2 Violinen and all these loop tabs.

And there she is: Maarja Nuut. Sie ist jung, hübsch, sehr schlank, hat Birkenherbstblätter Haare und graublaue Ostseeaugen.

„UNE MEELES“ heisst ihre neue, zweite CD auf Estisch – und wie auf Deutsch? Auf Englisch klingt das nach luzider Traumerfahrung:“ In The Hold Of A Dream“ … In dieser Welt lebt sie im Norden von Estland. Was ist Ihr Geheimnis? Maarja steht -singt, geht-spielt, tanzt-erzählt auf der Bühne. Ihr Aschenputtel grauer Plisseerock wirft Wellen über ihren Goldschuhen. Ihre Stimme schaukelt wie eine rostige Barke. Wie macht sie das? Sie erzählt auf Englisch ein Märchen aus den Wäldern von Estland und verwandelt sich selbst dabei immermehr mit ihrem Violinspiel in Cindarella. Sie summt, sie dront, sie steppt und loopt sich selbst in die nächste, offensichtlich traurige Geschichte, mit einem Gesicht, das an Liv Ullman in „Die Stunde des Wolfs“ erinnert.

Maarja baut ihre Musik interessant zusammen. Sie schafft allein durch Hauchen ins Mikrofon einen Klang von leichter Brise, loopt ihn, zupft ihre Geige und spricht wie zu sich selbst, bevor sie mit ihrer betörenden Stimme anhebt. Ihr gelingt es mit minimalistischem Einsatz einen großräumigen Echosound herbeizuzaubern. Wer Maarja Nuut in der weiten Musiklandschaft entdeckt, sollte sich von ihr hypnotisieren lassen.
 
 
 

 

Hälfte des Lebens

 

Mit gelben Birnen hänget

Und voll mit wilden Rosen

Das Land in den See,

Ihr holden Schwäne,

Und trunken von Küssen

Tunkt ihr das Haupt

Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehme ich, wenn

Es Winter ist, Blumen, und wo

Den Sonnenschein,

Und Schatten der Erde?

Die Mauern stehn

Sprachlos und kalt, im Winde

Klirren die Fahnen.

 

(Friedrich Hölderlin)

 
 

Many Rivers to Cross

 

Many rivers to cross

But I can’t  seem to find my way over

Wandering I am lost as I travel along

The white cliffs of Dover

Many rivers to cross and it s only my will

That keeps me alive

I ve been licked, washed up for years and

I merely survive because of my pride.

 

(Jimmy Cliff)

 
 

Hilde Domin: Nicht müde werden sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten. 

 

Ich tauche heute den ganzen Nachmittag in das PLURIVERSUM von Alexander Kluge ein. Ihm zu Ehren wurde diese totale Ausstellung anlässlich seines 85. Geburtstages ausgerichtet. Kluge ist seit meiner Studentenzeit eine wichtige öffentliche Stimme für mich. Irgendwann konnte ich seinem Informationswasserfall nicht mehr gebührende Aufmerksamkeit schenken. Das versuche ich jetzt, nachzuholen.

Wenn Ihr aktuell Fragen zu seinem Leben oder Werk habt, versuche ich, Antworten vor Ort zu finden.

Der Katalog für 24 € ist empfehlenswert.

Die Ausstellung ist in 6 Themenräume eingeteilt. Als gebildeter :) Betrachter hat man die Möglichkeit, sich durch die sehr sinnlich konzipierte Bilder- und Filmfest zu bewegen. Alexander Kluge ist für mich am stärksten, wenn er in Dialogform arbeitet (RTL). Auch hier setzt er sich immer wieder mit Werken anderer Künstler auseinander und gibt so dem Betrachter das Gefühl, seine eigenen, inneren Bilder hinzuzufügen. Unter diesem Aspekt stelle ich die Ausstellung vor:

 
 
 

 

 


 
 
 

Die Ausstellung ist mäßig besucht. Es gibt ein Handout mit einigen Begriffen aus dem Kluge-Lexikon:

 

„Cross-Mapping“ beschreibt das Prinzip, „mit einer Straßenkarte von Grosslondon den Harz zu durchwandern“ (Kluge). Überlagerung von Bekanntem mit Unbekanntem …

 

„Eigensinn“ ist nicht als negativer konnotierter Begriff eines egoistisch handelnden Menschen zu verstehen. „Eigensinn entsteht aus bitterer Not.“ (Kluge) Er ist eine Kraft, die auch dann unbezwingbar bleibt, wenn ein Mensch alles sonst verloren hat.

 

Ich sehe mir jetzt seinen ersten Film „Brutalität in Stein“ an. Er handelt von einem Gärtner auf dem Reichstagsgelände. 1945. Heute Nacht ist der Sohn von Albert Speer gestorben. Er hieß genauso.

 

 

 
 
 

Diese beiden Beistelltische habe ich auf einer Messe gesehen. Die Designerin heisst Paula Ellert. Ich möchte sie nachbauen, weiss aber nicht, welche meiner Singles und LPs „geopfert“ werden sollen.

Was meint Ihr?

 
Singles:
 

Christopher Cross: „Words of Wisdom“

Rod Stewart: „Ready Now“

The Regente Stars: „Lugano“

Frank Zappa: „Stick It Out“

 
 
LPs:

Audience: Nostalgie

The Dogs: Dogs‘ Life

Erich Ponto liest Wilhelm Busch

Tom Waits: Bounced Checks

 

2017 12 Sep

Barbara 1930 – 1997

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„Ihr Ungeheuer mit Namen Hans.“
 
„Ils savent mieux que nous, je pense, l’historie de nos rois de France.

Herman, Peter, Helga et Hans. À Göttingen“

 
Ganz und gar ohne „klammheimliche Freude“ für Henning und Gregor aus Göttingen.
 
Seit 20 Jahren ist sie verstummt. Die französischsprachigen Länder erinnern, sie verehrend, mit einem neuen Film und 4 Neuerscheinungen. In dem aktuellen Film von Mathieu Amalric, versucht seine Ex, Jeanne Balibar, die einzigartige französische Chansonsängerin Barbara, zu spielen – très difficile.  Ich habe den Film auf Französisch angesehen, so gut wie nichts verstanden, aber einige Zitate aus den Chansons von Jacques Brel waren erkennbar und gut in ihre Erinnerungsfotos, -auftritte, -gesten einzuordnen.

In ihrer Biografie erzählt Barbara kleine Geschichten von Begegnungen, Ereignissen, immer detailliert, sinnlich und taktvoll. In ihren sehr persönlichen Chansons erfährt man nur bedingt von schmerzlichen Beziehungen, wie zu ihrem Vater, der sie missbraucht, als sie 10 Jahre alt war, den sie deswegen hasst, aber trotzdem zu seiner Beerdigung nach Nantes fährt.
 
„Il pleut sur Nantes

Donne-moi la main

Le ciel de Nantes

Rend mon coeur chagrin“
 
Bei der eher depressiven  Lucinda Williams löst der Tod des Vaters Todessehnsucht aus. Als sie das Lied ankündigt, das sie für ihren toten Vater geschrieben hat, ist es totenstill im Konzertsaal. Sie singt es mit desolater Stimme:
 
„Open up the doors of heaven, let me in

I think I’m finally tired of living, let me in.“
 
Barbara dagegen schreibt in ihren Memoiren: „J’étais une femme heureuse.“ Ihr Wille zur Freiheit ist bewundernswert. Als ihr eifersüchtiger Partner von ihr die Aufgabe ihrer Musik verlangt, entscheidet sie sich für ihr schwarzes Klavier. Ihr Piano ist ihr lebenswichtig. Als in Göttingen das falsche auf der Bühne steht, müssen einige Studenten für ein anderes sorgen. Im Publikum saß damals Altbundeskanzler Gerhard Schröder, später zitierte er gern aus À Göttingen.
 
„Oh faites que jamais ne revienne

Le temps du sang et de la haine

Car il y a des gens que j’aime

A Göttingen,  à Göttingen“
 
Vor Kurzem hat ihr enger Freund Gérard Depardieu aus ihrer „Lily-Passion“ im Theater vorgetragen. Barbara’s Texte erscheinen zunächst einfach. Beim Singen gewinnen sie eine ungeheure Intensität. Ich kenne keine Chansonsängerin, die mich mit ihrer erzählenden Stimme, ihren mystischen Blicken, ihrem Wesen („La liberté est possible“), ihrer Zugewandtheit so erfasst wie Barbara.
 
„Dis, quand reviendras-tu?“

2017 25 Aug

Self-Tracking in Berlin

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„You see dear diary,

Fate will have an easy time with me, for

I prescribe everything for him.“
 
(Karen Horney 1885-1952)

 
 
21.8.
 
Heute waren wir zum High-Tea im Adlon. Der Elefantenbrunnen ist so prächtig. Man hört das Plätschern des Brunnenwassers, das sich mit den Piano Klängen aus der oberen Etage vermischt. Marie spielte die ganze Zeit mit ihrem Smartphone. Als ich sie fragte, ob sie Lust hätte zu der neuen angesagten Location von radioeins zu fahren, antwortete sie, dass sie heute schon 11.724 Schritte gelaufen sei. Ich schlug vor, mit der U-Bahn nach Charlottenburg zu fahren. Nach kurzem Blick auf ihr Teil meinte sie, wir brauchen 27 Minuten inklusive Umsteigezeit von 6 Minuten. Als sie von mir erfuhr, dass die neue Lounge im 14. Stock sei, sagte sie, no problem, sie dürfe nur nicht auf 180 kommen, um ihre Herzfrequenz stünde es nicht so gut. Ich freute mich auf den Besuch von etwas Unbekanntem. Ich dachte, ob Marie sich überhaupt noch ein Leben ohne Zahlen vorstellen könnte.
 
 
radioeins
 
Seit Juli 2017 gibt es eine Bar im RRB-Gebäude. Wie gesagt im 14. Stock: draussen und umsonst. Man kann bei Wein und Snacks den Hörfunk live miterleben oder einfach draussen stehen und sich dem Himmel über Berlin näher fühlen.
 
 
22.8.
 
Heute war ich in der Banksy Ausstellung. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich einige seiner Antithemen ansehen konnte. Marie war nicht mitgekommen, weil die App Affectiva ihr zu negative Emotionen zeigte. Sie führte das auf den gestrigen Besuch in der Lounge von radioeins zurück. Alle ihre Selfies zeigten ein frustriertes Gesicht. Zudem wären die 500g Reis plus Hähnchenspiess für ihre Vitalwerte verheerend gewesen. Ihre FitBit hätte rot angezeigt. Seltsam, dass sich Marie körperlich so vermessen lässt.
 
 
The Art of Banksy
 
Das ist eine Ausstellung, die in der Behrenstr. 72, hinter dem Adlon gezeigt wird. Die Eintrittspreise sind hoch, Banksy soll nicht damit einverstanden gewesen sein. Wer ist Banksy? Er spricht nie im Radio, man sieht ihn auch nicht im TV. Wir wissen, dass er ein Streetart-Künstler ist und die bleiben bekanntlich im Dunkeln. „I don’t know why people are so keen to put the details of their life in public. They forget that invisibility is a superpower“. Banksy kann schocken, aber den Kontext kann man immer verstehen. „The Bomb Hugger“ drückt unsere Angst vor dem Atomkrieg aus. „Guantanamo Bay“ ist so heftig, dass ich mehrmals zu dem Bild lief. Wir wissen, dass Guantanamo in einer Sehnsuchtslandschaft liegt. Mir haben alle Werke kritisch, anarchistisch und gewagt den Blick auf die Welt werfen lassen.
 
 
23.8.
 
Heute besuchte ich das Pop-Kultur Festival in der Kulturbrauerei (Eberswalderstrasse). Marie blieb im Hotel. Sie war verärgert, weil ihre App Sleep Cycle Alarm Clock sie nicht geweckt hatte. Zudem seien ihre Schlafphasen falsch berechnet worden. Sie wollte den Abend nutzen, eine neue Schlaf-App zu finden und zu installieren. Ich hatte sie mit meiner Vorfreude auf eine von mir seit langem geschätzte Musikerin nicht anstecken können. Mein Gott dachte ich, sie verpasst das Leben.
 
 
Pop-Kultur Festival
 
Dieses Festival findet drei Tage statt. Ich wollte nur einen Abend dorthin, um Shirley Collins zu treffen. Auf Drängen von Patty Smith ist die 80 jährige angereist. Shirley erzählte, dass sie 30 Jahre nicht mehr singen konnte. In dieser Zeit hätte sie angefangen, Songs zu sammeln. Im 19. Jahrhundert nannte man England „the land with no music.“ Sie ging von Tür zu Tür und foderte die Landbevölkerung auf: „Sing!“ Ihre field-Arbeit nennt sie „Archäologie der Musik“. Es wurden Ausschnitte von dem neuen Film „The Ballad of Shirley Collins“ gezeigt. Danach sang sie lange Balladen. Touchy.
 
 
 


 
 
… wurde Shirley nicht erwähnt. So what, Mme Grütters.
 


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