Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2018 10 Apr

Mein Jahrbuch: 1966

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Es ist schön, ein Buch zuhause zu haben, auf das man sich jeden Monat freuen kann. Jon Savage hat mit viel Wissen und genauesten Kenntnissen der LP-Neuerscheinungen im Jahr 1966 The Year the Decade Exploded verfasst – ein dickes Werk, das er in Monatskapitel aufteilt. Ich lese im April 2018 über den April 1966, dem Monat, in dem LSD angesagt war. Bob Dylan warf es ein: „Take me for a trip upon your magic swirling ship …“. The Birds flogen „Eight Miles High“The Dovers sahen mit „The Third Eye“.

Meine LSD Erfahrung ist vergleichsweise bescheiden. Wir fuhren mit unserem Buckelvolvo hinaus in den Kaiserstuhl, lagen unter Kirschbäumen und zählten die Käfer auf der Wiese. Ich bekam ein großes Verlangen nach dem Müdigkeitsgefühl, das ich als angenehmeren Zustand herbeisehnte. Mit viel Bier kam ich wieder „runter“. Das war 1978.

In der Musik öffnete die bis dato erlaubte Droge LSD im April 1966 neue Pforten des Hörerlebnisses. Ravi Shankar, Coltrane und Albert Ayler mischten sich unter die Popmusik. „Freejazz and Indian classical music had been the period’s secret soundtrack  – the preserve of beats and hipsters – and „Eight Miles High“ brought them into the mainstream pop market …“ (S.123)

In dem neuen Buch Die Schönheit der Zukunft von von F.C. Delius ist sehr anschaulich beschrieben, wie Delius 1966 in einem New Yorker Club den Freejazz entdeckt. Er hatte das Glück, Albert Ayler auf der Bühne zu erleben.

Und – was ist das Thema vom Mai 1966?  „Walkin‘ My Cat Named Dog“ …

Ich freue mich drauf.

 

 
 

 
 

 

 
 
 

Hearst a nit wia die Zeit vergeht singen die Alpinkatzen.

 
 

Der G Punkt Gipfel ist längst vorbei, geblieben ist das seltsam solitäre Schloss in der Elmau. Man erreicht es von Garmisch-Partenkirchen aus mit einer viertelstündigen Regionalbahnfahrt und einer anschließenden eineinhalbstündigen Wanderung. An der angemessenen Auffahrt zum Schloss will man augenblicklich den Rückweg antreten, so ausladend sind die Schilder: „Eintritt in das Luxushotel nur für Hotelgäste.“

Ich habe mich selten von Sperrungen oder Verboten beeindrucken lassen. Wir leben in der Moderne, wo das Subjekt gelernt hat, in sich hineinzuhören! Ich betrete das 5-Sterne Retreat und gehe gelassen an den beiden Empfangsdesken vorbei, steuere auf eine Tür mit dem Namen Liperello zu, trete ein und setze mich an den noch einzigen freien Tisch. Aha, hier sind sie also, die „Unentbehrlichen“ (Ilija Trojanow).

Der livrierte Kellner bittet mich um meine Zimmernummer, ich bitte um einen Kaffee, der Trainierte fragt noch einmal, mein Blick fällt auf einen Herrn mir gegenüber, ja ist das nicht, doch doch, da sitzt Roland Spiegel, Jazz Redakteur beim BR, ich sage geistesgegenwärtig: „Ich wohne nicht in diesem Hotel. Ich habe hier eine Verabredung mit einem Herrn vom Deutschlandfunk.“ Der ausgezeichnete Schümli kostet 5 Euro inklusive Babygeschrei vom Nachbartisch. Hier wird Edutainment angeboten für die Kleinsten der Nichtüberflüssigen. Es findet ein Schachturnier für Sechsjährige statt. Kleine Mädchen schleppen Schachbretter wie Schutzschilde vor sich her.

Ich verlasse diese seltsame Lounge. Mein Ziel ist der renommierte Konzertsaal, wo schon so viele Götter und Göttchen gespielt haben. Im März erst trat Brad Mehldau dort auf. Der Konzertraum ist erstaunlich klein. Schwere dunkelrote Sessel stehen unter goldverkleideten Stehlampen in einem Halbrund zur Bühne. Auf einem Louis 14 Tischchen liegt ein Programm für 2018. Ich sehe unter „Jazz“ folgende Künstlernamen:

 
 

Nils Wülker

Jukka Perko (kenne und mag ich)

Sebastian Gürtler

Joo Kraus

Cleo

Trilok Guru (Neuentdeckung für mich, coole indische Rhythmen)

Kinga Glyk Trio (habe mir paar Stücke angehört, die polnische Bassistin gefällt mir)

Kristjan Randalu Trio (habe mir ABSENCE angehört, na, wenn das nichts für Michael ist)

 
 

Ansonsten kommt natürlich die Luxustruppe aus dem FAZ Feuilleton angereist: Felicitas von Lovenberg trifft auf Grütters. Wie cool wäre das denn, wenn sie mal ein bisschen Schwung in die lahme Runde brächten und den hyper zeitgenössischen Text von Mick Jagger diskutierten: „GIMME SHELTER“. Und dann muss ich doch schmunzeln. Heinz Bude darf vorlesen aus Adorno für Ruinenkinder. Herrlich, das passt. Gestern habe ich das Championspiel Bayern München gegen Sevilla in einem oberbayrischen Gasthof angesehen. Er war überfüllt bis auf einen freien Tisch, an dem ein Neger alleine saß. Ich bin ein Kind von Fassbinder (Angst essen Seele auf). Ich setzte mich zu ihm. Wir sprachen nicht miteinander.

Als ich heute auf der Zugspitze stand, fragte ich mich, was ich aus dieser schönen Welt mitnehmen würde in eine mir unbekannte. Neben mir stand Effi mit dem DFB Pokal in der Hand für Werbeaufnahmen. Stinkefinger würde ich nicht mitnehmen. Vielleicht etwas aus der Kunst?  Ja klar, eine TÜTE LUFT (Duchamp).

2018 22 Mrz

Mind the gap

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SAÂDANE AFIF ist ein zeitgenössischer, französischer Installationskünstler, der auf raffinierte Weise aus dem Betrachter einen Konzeptkünstler herauskitzeln will. Dass er das mit einem der trostlosesten Orte zwischen Köln und Paris versucht, ist erstaunlich. Immer bin ich froh, wenn der IC nach Liège keine Panne in Düren hat und  ich von der tristen Vorstellung, auf dem öden Bahnsteig auf den nächsten Erleichterungszug warten zu müssen, verschont bleibe.

Am Wochenende habe ich in Brüssel im Wiels Museum seine Klanginstallationen besichtigt und die meiste Zeit in dem Raum verbracht, wo der originale Laternenpfahl mit zwei Lautsprechern dem Bahnhofsschild DÜREN  steht. Man hört monotone Durchsagen: „Bitte hinter der Bahnsteigkante zurücktreten“ und sieht an den Wänden zwei große Papierposter hängen, die die Wörter  „Ici“ (hier in Düren) und Là-bas (dort) zeigen. Sie sollen den Betrachter stimulieren, seine Gedanken zu formulieren und aufzuschreiben. An den Wänden sind einige Gedichte und Songtexte angepinnt. Ich habe einige abfotografiert.
 
 
 


 
 
 
Hier meine kleine Inspirationseingabe :
 
 

„Meine Tasche mit dem weichen Badetuch wiegt nicht schwer.

Wenn er nicht mit dem nächsten Zug kommt, weigere ich mich, noch länger die monotonen Lautsprecherdurchsagen anzuhòren.

In die Carolus-Thermen werde ich mich begeben und ihn beim Spaziergang durch die orientalische Badewelt gegen neue Götter eintauschen.“

 
 
Möchte noch jemand texten?

2018 14 Mrz

Der Dichter am Mikrofon

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Ohne Gitarre
 
Ich spiele mit meinen Fingern

die Saiten an deinem Puls.

Die Schnecke aus deiner Hand.

Das ist der leiseste Blues.
 
(Von Arnfrid Astel 1933 – gestern)
 
 

Astel gehörte zu meinem saarländischen Innercircle. Wir trafen uns in den 70ern in der Kneipe Sogenanntes Theater, kurz „Sog“. Dort diskutierten wir aufgebracht über die fristlose Entlassung unseres Radiomachers. Unser Dichter war rausgeflogen, weil er politische Epigramme aus seiner Werkstatt über das Mikrofon des SR öffentlich werden ließ. Arnfrid war unser Sprachrohr im Südwesten, mit ihm hatten wir unseren „Allen Ginsberg“. Als er den Prozess gegen den saarländischen Rundfunk gewonnen hatte, feierten wir mit ihm im „Sog“. Er war ein Frauenheld, ähnlich charmant wie Peter Schneider. Das Vollweib Karin Struck setzte ihm in ihrem Roman Klassenliebe mit dem intellektuellen Protagonisten Z ein literarisches Denkmal.

Wer noch nie einen Text von Arnfrid Astel gelesen hat – unbedingt nachholen.

2018 8 Mrz

Von freien Frauen

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Auf dem heurigen Wiener Opernball war eine Besucherin in einem Flöge Kleid zu bewundern. Ich war begeistert. Emilie Flöge (1874-1952) war die erste Modemacherin in Europa. Sie führte mit ihren Schwestern einen Nähsalon, in dem betuchte Frauen wie Alma Mahler und die Wittgensteins zur erlesenen Kundschaft gehörten. Ich hatte Emilie Flöge im Zuge meines Interesses für Stoffe entdeckt. Von jeder Reise bringe ich mir ein edles Tuch mit, entwerfe selbst gerne Muster. Michael hatte schon mal eine Kostprobe geschätzt. Frau Flöge reiste zweimal im Jahr nach London und Paris, um neuestes Design nach Wien zu ordern. Sie revolutionierte die Mode insofern, als dass sie das enge Korsettgeschnüre abschaffte und durch lange, elegante und weich fallende Kleider ersetzte. Gustav Klimt fotografierte ihre Entwüri81fe, wir kennen die geschmeidige Ornamentik von ihm und seine zum Übergreifen einladenden offenen Frauengemälde. Das Erstaunliche an Emilie war, dass sie bis zu Gustavs Tod seine Urvertraute war, aber aufgrund ihrer Freiheitsliebe nie eine Liaison mit ihm eingegangen war.

Wenn es in der öffentlichen Meinung um Frauenthemen geht, schaue ich gern bei Camille Paglia nach. Sie ist seit den frühen 90er Jahren die wichtigste Frauenstimme für mich. Als wir Susan Sontag verloren hatten und mit der Diskussion um die „Männerphantasien“ von Theweleit durchwaren, horchte ich auf, als uns plötzlich eine Frau die Kulturgeschichte erklärte. Paglia denkt meist in Vergleichen, ist ziemlich provokant und angstfrei in der Argumentation. Herrlich, wie sie die bescheidene, auf Hobbys wertlegende Merkel auf die Glamour und Geld liebende Hillary ansetzte.

In der #metoo Debatte stellt sie die Arbeiterin, die ihren Chef nicht so einfach nach Belästigung anprangern kann, weil sie von ihrem Job abhängig ist, die gebildete middle-class woman gegenüber, die es nicht scheut, ihre Würde und ihren Selbstrespekt unter ihre Sucht nach Karriere zu stellen.

Um einen sinnlichen Bogen zu Jochens Brasilianerinnen zu ziehen, möchte ich einladen zu „À primeira Vista“ auf YouTube, um Daniela Mercury bei ihren freien Tanzbewegungen und ihrem Song „Nobre Vagabundo“ zuzusehen. Sie ist die angesagte Sängerin von Camille Paglia. Sie ist gut.

2018 1 Mrz

Die ewige Wiederkehr

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„Geht ein Zwerg durch die Lüneburger Heide …“ – Wie, Ihnen ist nicht nach Witzen?

Ok, vielleicht erzähle ich Ihnen dann von dem Zwerg im Zarathustra. Nein? Ist auch nicht gewünscht? Ja, Sie haben Recht, die Gedanken sind zu schwer. Dann versuche ich´s einmal mit Berichten über Filme, über solche, die im hohen Norden gedreht wurden. Zum Beispiel auf Utoyo. Warum der Regisseur Erik Poppe sich ausgerechnet mit diesem schweren Stoff beschäftigte, erschließt sich mir nicht ganz. Ein Drama über solch ein unvergessliches Ereignis zu drehen, muss einen Sinn machen. Wissen Sie vielleicht welchen? Der Regisseur will der OPFER gedenken. Niemand soll sie vergessen. Ich meine, dass jeder, der ein Opfer zu beklagen hatte, sein Leben lang diesen Schmerz mit sich herumtragen wird.

Um es Ihnen in dieser scheusslichen Welt einen Augenlick angenehmer werden zu lassen, empfehle ich Ihnen, der klaren Stimme einer schwedischen Kulning-Sängerin zuzuhören. Mit dieser freundlichen Gesangstechnik geht Andrej Tarkovsky in seinem Film OPFER sehr einsatzbewusst um. Dieser Film wurde 1986 auf Gotland gedreht. Es war leider sein letzter Film. Welch grosses Nachdenken über die Welt wie sie ist, was sie ist, verbunden mit Zuversicht (Am Ende sagt der kleine Junge: „Am Anfang war das Wort. Papa, warum?“). Diese grossen Fragen sind nicht in dem mit dem Goldenen Bären 2018 ausgezeichneten Film Touch me not enthalten. Wen interessiert das Sexualverhalten irgendwelcher Protagonisten? Wenn Tom Twyker meint, dass hier die Zukunft bewertet wurde, dann lege ich ihm nahe, bei Sloterdijk nachzulesen, was dieser kurz und bündig auf die Frage nach seinem Sexualverhalten geantwortet hat: „Ich bevorzuge die Missionarsstellung.“

Halten Sie es auch für bedauernswert, dass die deutschen Filmkünstler ziemlich stiefmütterlich abgetan wurden? In den Gängen von Thomas Stuber, oder der beeindruckende Schauspieler Rogowski, oder meinetwegen der Gabelstapler hätten honoriert werden müssen. Aber so ist das mit der Salonpersonnage, Preise für Müllart allüberall.

Nun komme ich zu dem Teil der Kunst, der Ihnen als angenehm erscheinen dürfte. Lehnen Sie sich nach Brecht Geheiss zurück und pflegen Sie deep listening mit Werken aus hochbegabten Schöpfertagen:
 
 

Reflection Steamhammer
Red White Blues Image
On time Grand Funk Railroad
T.B. Sheets Van Morrison
Just for love Quicksilver
Pickin‘ up the pieces Poco
The Flying Burrito Bros

AND DON’T FORGET THE BLUES
Jimmy Reed Shame
Jimmy Page Shake
T- Bone Walker Stormy Monday

 
 
Zarathustra: „Was that life? Well, then once again!“

 

Well I rang up Pantucci

Spoke to Luchi

I gave them all

 

Zuerst wollte ich als Fat Lady of Limbourg gehen, dann entschied ich mich doch für das Sprachkostüm. Da ich mich auf dem ultrasnobbistischen Festival in Sanremo bewege, trage ich die Cat-Eye gegen die südliche Sonne und ein schwarzes Midlength dress, natürlich alles Gucci. Ich wollte James Taylor wiedersehen, my sweet baby James, young as 68, what the hell is he doing here? We were so young, when he sounded already so old. He was 20 then … So many drugs, so many chicks … In Sanremo he performs with Giorgia, la star italiana. Sie ist so jung wie das Lied von Carol King, 1971 geboren.

 

Quando sei triste, preoccupato, dice il testo,

Quando hai bisognio di una mano et niente va il verso giusto

Chiudi gli occhi e pensami, lo arrivero, correndo

 

YOU’VE GOT A FRIEND

James Taylor und Giorgia in duetto, bellissima!

 

Ich ziehe mein Kostüm noch nicht aus. Es muss mich noch durch die ersten Höllenkreise von Dante begleiten. Nächstes Jahr gehe ich als Beatrice, certo!

 

Das ist der Tag. Am Anfang / ist das Wort, es sitzt am Tisch, hinterm Fenster / und wartet/ auf eine freundliche Nacht.

Johannes Schenk: „Segeltuch“.

 

Mein neuer Drucker führte mich in die Versuchung, alle meine Posts seit 2014 zu materialisieren. Jetzt liegen 4 gebundene Teile meiner Schaffensschreiberei auf dem Tisch. Mein Schöpfernarzissmus ist zweifelsfrei befriedigt. Bei so manchem Beitrag wäre ich auch froh, er wäre nicht von mir. Trotzallem ist die Relektüre ein fröhlicher Genuss, auch wenn er nichts mit dieser Wissenschaft zu tun hat :) Dieses Gefühl beim Lesen der Texte im Netz ist längst nicht so sinnlich und vergnüglich. Mein Lesergehorsam ist in dem Gebundenen nicht vorhanden. Die Schwellen: Öffnen des Tablets, Passwort, Ladegerät sind nicht zu nehmen.

 
 
 

 
 
 

Here come The Mountain Goats  –  Going to Detroit

watch the T shirt of that spaceguy, he shows you the future.

We are going to listen to music under water, not the robots will push the bottoms,

the fish will tenderly serve us.

 
 
 

 
 

Eine Abschlussarbeit von dem Rundgang 2018

 

2018 30 Jan

Friesen Akt H21

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„Es war am Wochenende unseres Jahrhunderts, als ich bei starkem Unwetter auf einem westfriesischen Deich entlangging. Zur Linken hatte ich schon seit über einer Stunde die öde, bereits von allem Vieh geleerte Marsch, zur Rechten, und zwar in unbehaglichster Nähe, das Wattenmeer der Nordsee. Ich leugne nicht, ich wünschte mich mitunter in sicheres Quartier.“
 
(aus dem etwas veränderten Schimmelreiter von Theodor Storm)

 

Ich fand eine gemütliche Unterkunft in Leeuwarden. Ganz in der Nähe befand sich der schiefe Turm von Pisa, so wurde die alte Kirche genannt. Ein turmhohes Klanggebäude war daneben aufgebaut, verhängt mit durchsichtigen, „den heulenden Böen“ standhaltenden Planen. Pünktlich zu dem Jahrhundertereignis sah man nur schattenhaft das niederländische Königspaar die Kulturhauptstadt von Europa 2018 einläuten:
 
 

LEEUWARDEN UND  FRIESLÂN.
 

Kom dyn nêst ut jonge

Li nêst waarm fan feline

Skuor iepen de gerdinen

Spring derút de dei is Nu

Hearst de klokken
 

(aus dem Eröffnungslied: Seis oere thus)

 
 

Alle Glocken in Friesland läuteten um 22:15 am Samstagabend. Ich stellte mir die Bauern der Einödhöfe oder der Warftanwesen vor, wie sie stolz unter ihrer Glocke standen. Oder wie der Deichgraf seinen Schimmel zur Rückkehr lenkt, um dem vertrauten Geläut die Ehre zu geben.

Mir gefällt die provinzielle Choreographie ausgesprochen  gut. Hier hat ein Organisationsteam für die Kulturhauptstadt 2018 seine Umgebung betrachtet und dann geplant. Drei Kulturprojekte, in denen sich die friesische Provinz widerspiegelt, seien hier vorgestellt.
 
 

1. POETIC POTATOES
 

Kleine Kartoffelsäcke, an denen Gedichte befestigt sind, sollen per Schiff nach Valetta (die andere Kulturhauptstadt2018) gebracht werden. Von dort sollen Gedichte und Kartoffeln zurückgesendet werden.
 
 

2. In dem Song „Genius“ besingt Warren Zevon das „meisje“ aus Leeuwarden.
 
 

„Mata Hari had a house in France

Where she worked on all her secret plans

Men were falling for her sight unseen

She was a genius“
 
 

Das FriesMuseum widmet seine schönsten Räume seiner schönsten Einwohnerin Margareta Zelle, später dann MATA HARI.
 
 
 

 
 
 
Es sind nun 100 Jahre her, dass sie von 12 Fusilisten erschossen wurde. Ein Schuss traf ihr Herz. Da war sie 41 Jahre alt. Der meist begehrte Körper dieser außergewöhnlichen Frau wurde in ein Pariser Krankenhaus zu Studienzwecken gebracht. Ihr hübscher Kopf wurde entwendet und ist bis heute nicht auffindbar. Aktuell sitzen französische Juristen über der Akte von Agentin H21, um herauszufinden, ob Mata Hari wirklich auch für die Deutschen spioniert hatte. Bereits zweimal haben die Stadtväter von Leeuwarden nach Paris geschrieben und darum gebeten, ihr Meisje von aller Verratsschuld freizusprechen. Zweimal wurde dies abgelehnt. Man darf auf das Ergebnis der Aktenuntersuchung gespannt sein.
 
 
3. PASSAGE DE LA BALEINE 2015
 
Ich gehe durch die Gasse im kleinen Leeuwarden und denke an das große Passagenwerk von Paris. Dieses riesige Walskelett über mir ist jetzt echt eine Herausforderung. Wie bekomme ich es an meine Leine? Dieser Auftritt würde doch die frühere Eleganz der ausgeführten Schildkröten toppen, oder?

„Es ist meine letzte Momentaufnahme der europäischen Intelligenz.“
 
(Walter Benjamin)

 
Sjoddy = See you
 
 
 

 


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