Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Gitarre eingestöpselt, Aufnahmegerät zwischengeschaltet, nicht lang´ überlegt (beim Spielen allerdings an Misha Mengelberg, David Torn, Richard Sennett, Derek Bailey, Matthew Crawford, Jakob Bro denkend), so wie man vors Haus geht, eine Runde um den Block dreht, mit dem Fahrrad losfährt, den Schrank aufräumt, das Holzregal leinölfirnisst: genauso Musikmachen.

 
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2015 26 Mai

Das Jazzgeheimnis

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Was ist der Sinn des Lebens? Wo sind meine Haustürschlüssel? Was heißt Denken? … Zu den relevanten Fragen jenseits des höheren Blödsinns und diesseits intakter Synapsen könnte sich auch folgende gesellen: “Warum höre ich überhaupt Jazz?” Oft versteht man nämlich nicht, was genau dort vor sich geht und gespielt wird – zumindest die experimentellen Formen betreffend, bleibt es stellenweise undurchsichtig. Man würde gerne so manchen Jazzer fragen: Was sind die Tricks? Wo ist der letzte Grund in diesem sonderbaren Sansibar? Ist das jetzt noch notiert oder schon improvisiert? Hierzu ein Rückblick: An jenem Tag, als Abbey Road erscheint, wird irgendwo in Norddeutschland ein Elfjähriger nach zweimonatigem Krankenhausaufenthalt (geschienter Schiffbruch) aus der Klinik entlassen. Auf dem Rückweg in familiäre Gefilde kauft er diese heissbegehrte Scheibe. Sie euphorisiert ihn völlig und er betrachtet fortan vier Pilzköpfe, die einen Zebrastreifen überqueren, als sein Alter Ego, wenn nicht gar Höheres Selbst. Ein Nachbar tritt tagsdrauf an den Gartenzaun heran, Pfeife rauchend und vollbärtig: “Was hörst du so für Musik?” “Die Beatles!” ist die aus stolzer Brust tönende Antwort. “Charlie Parker musst du hören!” Das holt den Kleinen wieder auf den Teppich. Der Name sagt dem Jungen nichts, dennoch: er merkt ihn sich. Drei Jahre später bekommt er, inzwischen Mitglied einer Rockband, vom Schlagzeuger zum Geburtstag ein Album geschenkt: “Hier haste mal was Ordentliches!” Die Rückseite des Covers zeigt einen auf dem Hotelbettrand sitzenden schwarzen Musiker, der rehäugig schüchtern an der Kamera vorbei ins Leere blickt, auch dies ein Alter Ego. Nefertiti von Miles Davis ist fortan Kult in seiner schmalen Sammlung – allein: die Musik bleibt fremd und unzugänglich. Jetzt, Jahrzehnte später, lichtet sich das Dickicht, vieles ist vertraut und lässt sich kategorisieren. Insbesondere eine Antwort wurde gefunden auf die Frage, warum der “Jazz” bevorzugt wird, besonders in seiner explorativen, weniger traditionellen Form: es ist auch eine Befreiungskur; ein Gegenpol zu jenen Songwelten, die mehr das einfache Gefühl, den niederen Instinkt ansprechen. Man gönnt sich gerne auch mal Grönemeyer, denn im Verbund mit Coleman, Berne und Artgenossen lässt sogar “Bochum” sich ertragen.

2015 25 Mrz

Aladins Wunderamp

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Es war die Zeit vor dem Internet. Aladin pilgerte stets zu den Informationsquellen hin, denn sie kamen in der Regel nicht zu ihm ins Haus. Gerne hörte er auch Radio, da war die Welt am Draht, im Äther. Oftmals freute er sich schon auf einen vielversprechenden Sendetermin, lange im Vorraus. Er entwickelte Rituale, die gaben dem Tag Struktur, denn oftmals herrschte Langeweile. Es begann mit ausgedehntem Frühstück, hernach auf der Konzertgitarre einen Rhythmus finden, etwas Magisches, das weitertrug: zur Arbeit hin, in die Bibliothek, zu Freunden auch, in die Natur und in die Stadt. Anstatt zu gehen, pflügte man den Asphalt durch und flog. Am Bahnhof lockten Zeitschriften mit visuellen und geistigen Sinnesfreuden. Aladin kaufte die Lettre International, stöberte in Feuilletons herum – besonders aber interessierten ihn die Hifi-Zeitschriften, genau gesagt: die Plattenkritiken und Neuerscheinungen. Eines dieser Journale brachte es auf den Punkt, bewertete jeweils nach Musik und Klang.

Daran muss Aladin jetzt denken, wenn er seinen neuen Kopfhörerverstärker geniesst. Eine neue Lust am Klangbild. Der Mensch lebt vom Kontrast. Man kennt das noch aus früheren Tagen: jedes neue Hifiteil ein Schritt nach vorne – jede Revolution in der Kette fortschreitender Hörerfahrungen setzt im Nu den Wunsch frei, die ganze Plattensammlung durchzuforsten, denn alles klingt jetzt so viel besser. Das war auch so beim ersten Mofa, ersten Auto, ersten Crossbike: ein paar Extrarunden drehen, wie im Rausch. Den Headfone-Amp, den nennt er Epikur. Das steht für Lustgewinn und für Genuss. Im Manipura-Chakra knistert Feuer, im Muladhara-Chakra brummt der Bass. Intensiv das Beste hören, konzentriert, besonnen. An die Musik Fragen richtend. Und richtig: Sphinx, der zweite Name dieses Wunderamps. Das Rätselhafte. Und wie heissen die Wunderteile, die er hört? Sie heissen Gefion, Bird Calls, Lathe of Heaven; sie heissen Double Windsor, Break Stuff und Imaginary Cities.

2015 14 Feb

Appetites

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Put on the headphones, take a red guitar or yellow keyboard and then the appetites will do the rest. It rises up from the cellular blueprint of your memories. What have you grown up with, what was the food for your soul? Switching through YouTube, having a look and a listen. An impressive amount of songs cumulated in the recent years in the personal jukebox, without a need for shelfing them, saved on the HD of the PC. Great joy it is: with a sense of surfing and a strong will of clearing up the mysteries of architecture in the chords, the melody-lines, the rhythm structures of music. The favorites are tagged as claims, you´ll treasure deconstructed stuff as trophies. Reclaiming a swamp while diving deeper. Sherlock in his home-studio tries to figure it out. Getting the codes, the hints, the traces. The thrill is: he won´t look at the readymade sheets or the lecture-clips that demonstrate. The autodidactic dilletante is covering and discovering it on his own, listening with the lust of conquering the unclear, unknown. Wether it´s Alanis Morisette (songs like “Hands Clean”, “Big Sur”, “You Learn” and “Ironic”), Fleetwood Mac or Steely Dan … even Toto, The Allman Brothers or Brazilian Music do it. Apropos: Steely comes from stolen and there is so much worth a robbery crime in this World of Pop.

2015 22 Jan

Hejira über die Jahre

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Hits und Misses nannte Miss Joni Mitchell zwei Alben aus dem Jahre 1996, das eine ihre vermeintlichen Erfolge, das andere die sogenannten “Fehlschläge” kompilierend. Aber auch das “misslich” Genannte bot doch hörbare Reize. Auf ihrer jüngst veröffentlichten, vier CDs umfassenden Kompilation Love Has Many Faces kann man noch einmal Revue passieren lassen, was einst so wegweisend, inspirierend und erbaulich war. Mein Favorit hier: “Hejira”. Von grossem Orchester begleitet läuft die kalifornische Lady auf Peter Erskine´s entrolltem Rhythmusteppich zu saturierter Höchstform auf. Schon seit einigen Tagen spiele ich mich mit diesem Stück auf der Gitarre ins idiosynkratische Nirvana. Was sich über die Jahre hinweg immer als kaum fassbare, leicht dahinschwebende Klänge ihrer offen gestimmten Steelstrings offerierte, wird nun endlich funktionsharmonisch nachvollziehbar und bietet so dem analytisch veranlagten Gemüt Befriedigung. Coverversionen sind ja oft ermüdend und redundant – doch aus Vorlagen sich etwas “Eigenes” basteln, dabei auch an Derek Bailey denkend, das ist mehr als einen Asbach Uralt wert.

Manchmal geschehen komische Dinge: Versprecher, Sinnestäuschungen, Einbildungen, aus denen sich ein ein neuer Zusammenhang entwickelt, der viel mehr über die Wirklichkeit aussagt. Wie einst bei Max Ernst, der sich selbst sah als ein Zauberer kaum spürbarer Verrückungen. Es sind die kleinen Fehler, weniger das Perfekte und Überbelichtete, die dem Leben Poesie beimischen – nicht nur damals zu der Zeit, als wir noch Surrealisten waren. Gerade lese ich im Onlinespiegel (Spiegel, Spiegel auf dem Desktop …): “Ich bin die dauerhafte Bundeskanzlerin der Deutschen. Das schliesst alle, die hier leben, mit ein …” Halt! Nochmal genauer hingeschaut: “Ich bin die Bundeskanzlerin aller Deutschen. Das schließt alle, die hier dauerhaft leben, mit ein, egal welchen Ursprungs und welcher Herkunft sie sind”, sagte Merkel. Gut gesprochen, Frau Kanzlerin! Und mit Geduld, Spucke und der Lücke, die der Teufel lässt – wirds auch noch was mit der Unsterblichkeit.

2015 10 Jan

Moment mal …

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Es gibt Albummomente und Songmomente. Zu Ersteren gehört das Album Momentum von Joshua Redman, das sich auch als Begleitmusik für das Fitnesstraining eignet. Ins Deutsche übersetzt wird es deutlich: Schwung, Impuls, Drehmoment, Stoßkraft, in Fahrt kommen, … Brian Blade und Jeff Ballard spielen hier Schlagzeug. Zuweilen erinnert das Ganze an Weather Report. Und an die quirligen Ionen in der Quantendynamik. Auch anspruchsvolle Musik lässt sich also für Zwecke gebrauchen, die nicht immer in die hehren Höhen der Geisteswelt führen, sie klingt auch dort gut, wo der Körper ins Schwitzen gerät.

Beliebige Launen bestimmen jene Songmomente, die ein Lied kurzzeitig in den Fokus des Interesses rücken. Leider verfolgt einen das dann in der hässlichen Maske eines hartnäckigen Ohrwurmes. Wo Droge ist und Medizin, sind halt auch die Nebenwirkungen – in der Verpackungsbeilage meist kleingedruckt. Ein Gegengift bei allzu schöner Melodie heisst: Free Jazz oder all das, was man dafür halten könnte. Solche freieren Formen der Musik bilden den erlösenden Kontrapunkt. Momentan wurmt im Ohr: “Call It A Loan” von Jackson Browne. Moment mal eben, wo sind denn jetzt meine Tim Berne CDs hin!?

2014 30 Dez

Time Loves A Hero

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Three versions cursed around the fact that a member of the Mothers of Invention was fired by chiefmaster Frank, while playing a new composition in a typical singersongwriter-manner. First, the man just seemed to be too talented for not having his own band. Second reason: he played a 15 minute solo on an acoustic guitar, without amplifier. And third, he had drug references (“weed, whites and wine”). So he came to his own band (“Willin’ to be movin’ …”) with a funny name having references to his small shoesize.

Years later Andrew and John, youngsters from Germany, were going on a tour to England – no rockets but fresh baken A-level examinations in their pockets and on the backseat of their olivegreen Peugot a bunny bunch of guitars, a mandolin and a bouzuki. In their mind was – beside girls – all that musical stuff from that time: James Taylor Songs, Joni Mitchell and John Martyn Tunes, the Jazzrock of Weather Report and a lot from the Folk Scene, including Steeleye Span and the Albion Dance Band.

They first rested in the Lowlands of Holland, near Zwolle, where folk singer Christin gave them the copy of a demo tape from an unknown band as a provision – containing a song, which later became famous and was titled “Sultans of Swing”. On the island, starting from Londontown, for six weeks they would have a gig nearly every night, mainly in English Folkpubs spread all over the country. They played in Exeter and the magic mushrooms, they received from a “Hippie”-Family in Falmouth, were tested later, back in Torquay.

Not running on empty nor running blind, on the bright side of life and the left side of the road – and no blizzard was down in Britain in Seventyeight. A great time, garnished by those brilliant lines of golden september tree crowns that contrasted the clearblue sky like in a painting of Max Ernst. Young Andrew mostly wrote love letters and Johnboy read the Glasperlenspiel by Hermann Hesse, preferably relaxing in English Landscape Gardens. They were forecasted to have a worldcareer, which was not proven true.

Decades later – meanwhile he got used to analyze popsongs of his pasttime paradises – Captain Senior John is listening to that special Album and Song, which gave the main soundtrack for their ´78 Roadmovie: Lowell George sings and plays Time loves a Hero” – on Waiting for Columbus, with his band Little Feet. John, now with his headfones on, the Strat at his knees, thin hair on his forehead, tries to work out what it means, when they said: the words were not build on the song as usual but the harmonic and rhythmic changes were build on the lyrics, meandering like roaming taoistic rills and snuggling skills.

2014 5 Dez

Favoriten aus 2014

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Meine diesjährige Album-Bestenliste steht unter dem Motto des Jahres Weniger ist mehr (ein alter Buchtitel des Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer) – dicht gefolgt von Carpe Diem (nur augenscheinlich ein alter, vermottoter Hut) und Bewege dich, so wirst du schön – ein alter Buchtitel des Ethnologen Hans-Jürgen Heinrichs … Doch nun zur Musik: Mary Halvorsons Gitarrenspiel ist eine Neuentdeckung – knorrig, vertrackt, witzig, versiert. James Farm ist das Quartett des Saxofonisten Joshua Redman, dessen vitale und klar nuancierte Art zu spielen mir gefällt. David Sylvians neues Werk ist beeindruckend, hätte aber auch den Namen von Franz Wright im Titel verdient, da dessen Dichtung und Stimme das Album prägen. Marcin Wasilewskis Pianospiel gefällt mir so gut, dass meine diesjährige Wunschliste lauthals und vermessen fordert: “Ein Klavier, ein Klavier!”

 
 

Stefano Bollani – Joy in Spite of Everything (ECM)

James Farm – City Folk (Nonesuch Records)

David Virelles – Mbókò (ECM)

Sylvie Courvoisier – Mark Feldman Quartet – Birdies for Lulu (Intakt Records)

Marcin Wasilewski Trio & Joakim Milder – Spark Of Life (ECM)

Aki Takase La Planète – Flying Soul (Intakt Records)

Anja Lechner & François Couturier – Moderato Cantabile (ECM)

David Sylvian – There’s A Light That Enters Houses … (SamadhiSound)

Alexander Hawkins Ensemble – Step Wide, Step Deep (Babel Label)

Mary Halvorson, Michael Formanek, Tomas Fujiwara – Thumbscrew (Cuneiform Records)

Mary Halvorson – Reverse Blue (Relative Pitch Records)

Tord Gustavsen Quartet – Extended Circle (ECM)

Screaming Headless Torsos – Code Red (RDS/rough trade)
 

2014 29 Nov

David Virelles – Mbókò

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Once again it was the body more than the mind listening to a piece of music like a leaf that is whirling in the wind slighty falling towards earth and then again uprising, surprised by a deja-vu kind of evidence reliving – and by chance relieved to have one more album released in 2014 to put on a best-of-list. The deja-vu came from the remembrance (a long term retention) of two wonderful ecm-published Jack DeJohnette records: Oneness on the one hand and on the other Dancing With The Nature Spirits. So now again, while listening with body (and soul) to a song called “Transmission” I feel that Mbókò by David Virelles one by one unfolds its power.


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