Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Autoren-Archiv:

2015 25 Mrz

Aladins Wunderamp

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 4 Kommentare

Es war die Zeit vor dem Internet. Aladin pilgerte stets zu den Informationsquellen hin, denn sie kamen in der Regel nicht zu ihm ins Haus. Gerne hörte er auch Radio, da war die Welt am Draht, im Äther. Oftmals freute er sich schon auf einen vielversprechenden Sendetermin, lange im Vorraus. Er entwickelte Rituale, die gaben dem Tag Struktur, denn oftmals herrschte Langeweile. Es begann mit ausgedehntem Frühstück, hernach auf der Konzertgitarre einen Rhythmus finden, etwas Magisches, das weitertrug: zur Arbeit hin, in die Bibliothek, zu Freunden auch, in die Natur und in die Stadt. Anstatt zu gehen, pflügte man den Asphalt durch und flog. Am Bahnhof lockten Zeitschriften mit visuellen und geistigen Sinnesfreuden. Aladin kaufte die Lettre International, stöberte in Feuilletons herum – besonders aber interessierten ihn die Hifi-Zeitschriften, genau gesagt: die Plattenkritiken und Neuerscheinungen. Eines dieser Journale brachte es auf den Punkt, bewertete jeweils nach Musik und Klang.

Daran muss Aladin jetzt denken, wenn er seinen neuen Kopfhörerverstärker geniesst. Eine neue Lust am Klangbild. Der Mensch lebt vom Kontrast. Man kennt das noch aus früheren Tagen: jedes neue Hifiteil ein Schritt nach vorne – jede Revolution in der Kette fortschreitender Hörerfahrungen setzt im Nu den Wunsch frei, die ganze Plattensammlung durchzuforsten, denn alles klingt jetzt so viel besser. Das war auch so beim ersten Mofa, ersten Auto, ersten Crossbike: ein paar Extrarunden drehen, wie im Rausch. Den Headfone-Amp, den nennt er Epikur. Das steht für Lustgewinn und für Genuss. Im Manipura-Chakra knistert Feuer, im Muladhara-Chakra brummt der Bass. Intensiv das Beste hören, konzentriert, besonnen. An die Musik Fragen richtend. Und richtig: Sphinx, der zweite Name dieses Wunderamps. Das Rätselhafte. Und wie heissen die Wunderteile, die er hört? Sie heissen Gefion, Bird Calls, Lathe of Heaven; sie heissen Double Windsor, Break Stuff und Imaginary Cities.

2015 14 Feb

Appetites

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

Put on the headphones, take a red guitar or yellow keyboard and then the appetites will do the rest. It rises up from the cellular blueprint of your memories. What have you grown up with, what was the food for your soul? Switching through YouTube, having a look and a listen. An impressive amount of songs cumulated in the recent years in the personal jukebox, without a need for shelfing them, saved on the HD of the PC. Great joy it is: with a sense of surfing and a strong will of clearing up the mysteries of architecture in the chords, the melody-lines, the rhythm structures of music. The favorites are tagged as claims, you´ll treasure deconstructed stuff as trophies. Reclaiming a swamp while diving deeper. Sherlock in his home-studio tries to figure it out. Getting the codes, the hints, the traces. The thrill is: he won´t look at the readymade sheets or the lecture-clips that demonstrate. The autodidactic dilletante is covering and discovering it on his own, listening with the lust of conquering the unclear, unknown. Wether it´s Alanis Morisette (songs like “Hands Clean”, “Big Sur”, “You Learn” and “Ironic”), Fleetwood Mac or Steely Dan … even Toto, The Allman Brothers or Brazilian Music do it. Apropos: Steely comes from stolen and there is so much worth a robbery crime in this World of Pop.

2015 22 Jan

Hejira über die Jahre

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 4 Kommentare


 
 
 

Hits und Misses nannte Miss Joni Mitchell zwei Alben aus dem Jahre 1996, das eine ihre vermeintlichen Erfolge, das andere die sogenannten “Fehlschläge” kompilierend. Aber auch das “misslich” Genannte bot doch hörbare Reize. Auf ihrer jüngst veröffentlichten, vier CDs umfassenden Kompilation Love Has Many Faces kann man noch einmal Revue passieren lassen, was einst so wegweisend, inspirierend und erbaulich war. Mein Favorit hier: “Hejira”. Von grossem Orchester begleitet läuft die kalifornische Lady auf Peter Erskine´s entrolltem Rhythmusteppich zu saturierter Höchstform auf. Schon seit einigen Tagen spiele ich mich mit diesem Stück auf der Gitarre ins idiosynkratische Nirvana. Was sich über die Jahre hinweg immer als kaum fassbare, leicht dahinschwebende Klänge ihrer offen gestimmten Steelstrings offerierte, wird nun endlich funktionsharmonisch nachvollziehbar und bietet so dem analytisch veranlagten Gemüt Befriedigung. Coverversionen sind ja oft ermüdend und redundant – doch aus Vorlagen sich etwas “Eigenes” basteln, dabei auch an Derek Bailey denkend, das ist mehr als einen Asbach Uralt wert.

Manchmal geschehen komische Dinge: Versprecher, Sinnestäuschungen, Einbildungen, aus denen sich ein ein neuer Zusammenhang entwickelt, der viel mehr über die Wirklichkeit aussagt. Wie einst bei Max Ernst, der sich selbst sah als ein Zauberer kaum spürbarer Verrückungen. Es sind die kleinen Fehler, weniger das Perfekte und Überbelichtete, die dem Leben Poesie beimischen – nicht nur damals zu der Zeit, als wir noch Surrealisten waren. Gerade lese ich im Onlinespiegel (Spiegel, Spiegel auf dem Desktop …): “Ich bin die dauerhafte Bundeskanzlerin der Deutschen. Das schliesst alle, die hier leben, mit ein …” Halt! Nochmal genauer hingeschaut: “Ich bin die Bundeskanzlerin aller Deutschen. Das schließt alle, die hier dauerhaft leben, mit ein, egal welchen Ursprungs und welcher Herkunft sie sind”, sagte Merkel. Gut gesprochen, Frau Kanzlerin! Und mit Geduld, Spucke und der Lücke, die der Teufel lässt – wirds auch noch was mit der Unsterblichkeit.

2015 10 Jan

Moment mal …

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Kommentare geschlossen

Es gibt Albummomente und Songmomente. Zu Ersteren gehört das Album Momentum von Joshua Redman, das sich auch als Begleitmusik für das Fitnesstraining eignet. Ins Deutsche übersetzt wird es deutlich: Schwung, Impuls, Drehmoment, Stoßkraft, in Fahrt kommen, … Brian Blade und Jeff Ballard spielen hier Schlagzeug. Zuweilen erinnert das Ganze an Weather Report. Und an die quirligen Ionen in der Quantendynamik. Auch anspruchsvolle Musik lässt sich also für Zwecke gebrauchen, die nicht immer in die hehren Höhen der Geisteswelt führen, sie klingt auch dort gut, wo der Körper ins Schwitzen gerät.

Beliebige Launen bestimmen jene Songmomente, die ein Lied kurzzeitig in den Fokus des Interesses rücken. Leider verfolgt einen das dann in der hässlichen Maske eines hartnäckigen Ohrwurmes. Wo Droge ist und Medizin, sind halt auch die Nebenwirkungen – in der Verpackungsbeilage meist kleingedruckt. Ein Gegengift bei allzu schöner Melodie heisst: Free Jazz oder all das, was man dafür halten könnte. Solche freieren Formen der Musik bilden den erlösenden Kontrapunkt. Momentan wurmt im Ohr: “Call It A Loan” von Jackson Browne. Moment mal eben, wo sind denn jetzt meine Tim Berne CDs hin!?

2014 30 Dez

Time Loves A Hero

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

Three versions cursed around the fact that a member of the Mothers of Invention was fired by chiefmaster Frank, while playing a new composition in a typical singersongwriter-manner. First, the man just seemed to be too talented for not having his own band. Second reason: he played a 15 minute solo on an acoustic guitar, without amplifier. And third, he had drug references (“weed, whites and wine”). So he came to his own band (“Willin’ to be movin’ …”) with a funny name having references to his small shoesize.

Years later Andrew and John, youngsters from Germany, were going on a tour to England – no rockets but fresh baken A-level examinations in their pockets and on the backseat of their olivegreen Peugot a bunny bunch of guitars, a mandolin and a bouzuki. In their mind was – beside girls – all that musical stuff from that time: James Taylor Songs, Joni Mitchell and John Martyn Tunes, the Jazzrock of Weather Report and a lot from the Folk Scene, including Steeleye Span and the Albion Dance Band.

They first rested in the Lowlands of Holland, near Zwolle, where folk singer Christin gave them the copy of a demo tape from an unknown band as a provision – containing a song, which later became famous and was titled “Sultans of Swing”. On the island, starting from Londontown, for six weeks they would have a gig nearly every night, mainly in English Folkpubs spread all over the country. They played in Exeter and the magic mushrooms, they received from a “Hippie”-Family in Falmouth, were tested later, back in Torquay.

Not running on empty nor running blind, on the bright side of life and the left side of the road – and no blizzard was down in Britain in Seventyeight. A great time, garnished by those brilliant lines of golden september tree crowns that contrasted the clearblue sky like in a painting of Max Ernst. Young Andrew mostly wrote love letters and Johnboy read the Glasperlenspiel by Hermann Hesse, preferably relaxing in English Landscape Gardens. They were forecasted to have a worldcareer, which was not proven true.

Decades later – meanwhile he got used to analyze popsongs of his pasttime paradises – Captain Senior John is listening to that special Album and Song, which gave the main soundtrack for their ´78 Roadmovie: Lowell George sings and plays “Time loves a Hero” - on Waiting for Columbus, with his band Little Feet. John, now with his headfones on, the Strat at his knees, thin hair on his forehead, tries to work out what it means, when they said: the words were not build on the song as usual but the harmonic and rhythmic changes were build on the lyrics, meandering like roaming taoistic rills and snuggling skills.

2014 5 Dez

Favoriten aus 2014

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 5 Kommentare

 

 
 
 

Meine diesjährige Album-Bestenliste steht unter dem Motto des Jahres Weniger ist mehr (ein alter Buchtitel des Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer) – dicht gefolgt von Carpe Diem (nur augenscheinlich ein alter, vermottoter Hut) und Bewege dich, so wirst du schön – ein alter Buchtitel des Ethnologen Hans-Jürgen Heinrichs … Doch nun zur Musik: Mary Halvorsons Gitarrenspiel ist eine Neuentdeckung – knorrig, vertrackt, witzig, versiert. James Farm ist das Quartett des Saxofonisten Joshua Redman, dessen vitale und klar nuancierte Art zu spielen mir gefällt. David Sylvians neues Werk ist beeindruckend, hätte aber auch den Namen von Franz Wright im Titel verdient, da dessen Dichtung und Stimme das Album prägen. Marcin Wasilewskis Pianospiel gefällt mir so gut, dass meine diesjährige Wunschliste lauthals und vermessen fordert: “Ein Klavier, ein Klavier!”

 
 

Stefano Bollani – Joy in Spite of Everything (ECM)

James Farm – City Folk (Nonesuch Records)

David Virelles – Mbókò (ECM)

Sylvie Courvoisier – Mark Feldman Quartet – Birdies for Lulu (Intakt Records)

Marcin Wasilewski Trio & Joakim Milder – Spark Of Life (ECM)

Aki Takase La Planète – Flying Soul (Intakt Records)

Anja Lechner & François Couturier – Moderato Cantabile (ECM)

David Sylvian – There’s A Light That Enters Houses … (SamadhiSound)

Alexander Hawkins Ensemble – Step Wide, Step Deep (Babel Label)

Mary Halvorson, Michael Formanek, Tomas Fujiwara – Thumbscrew (Cuneiform Records)

Mary Halvorson – Reverse Blue (Relative Pitch Records)

Tord Gustavsen Quartet – Extended Circle (ECM)

Screaming Headless Torsos - Code Red (RDS/rough trade)
 

2014 29 Nov

David Virelles – Mbókò

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Kommentare geschlossen

 

 
 
 

Once again it was the body more than the mind listening to a piece of music like a leaf that is whirling in the wind slighty falling towards earth and then again uprising, surprised by a deja-vu kind of evidence reliving – and by chance relieved to have one more album released in 2014 to put on a best-of-list. The deja-vu came from the remembrance (a long term retention) of two wonderful ecm-published Jack DeJohnette records: Oneness on the one hand and on the other Dancing With The Nature Spirits. So now again, while listening with body (and soul) to a song called “Transmission” I feel that Mbókò by David Virelles one by one unfolds its power.

2014 27 Okt

Marcin Wasilewski Trio & Joakim Milder – Spark Of Life

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Kommentare geschlossen

 

 
 
 

In aller Regel, stets durch Ausnahmen bestätigt, geht es sehr schnell, passiert im Nu: man vernimmt die ersten Klänge einer neuen Musik oder sieht die erste Sequenz eines Filmes und ahnt sogleich, ob der Funke überspringen wird. Lebenszeit ist kostbar und mit falschem Füllstoff möchte man sich ungern nur belasten.

Am Anfang also war der erste Eindruck – und der täuscht selten. Man vernimmt es gleich: es geht ins Offene hinaus – soll´n doch die Anderen steckenbleiben im angestrengt beflissenen Kulturgenuss. Das Cover zeigt eine Vogelflugformation, wahrscheinlich nach Süden ziehend, in dieses Offene hinein. Leichtigkeit stellt sich ein. Die Flucht vor dem Winter vielleicht, die himmlische Weite. Die Musiker sind einem schon vertraut – und ihrer Linie treu geblieben. Man hört jedoch den Fortgang, die Fortsetzungsordnung, die Weiterentwicklung. Das versierte Pianospiel voll der erhabenen Läufe. Schöne Melodien – nicht am Rande von Kitsch und Klischee, vielmehr an der Klippe zur Coolness.

Inspirierend ist, was man sogleich nachahmen möchte. Ja, wäre Marcin Wasilewski Gitarrist wie unsereins, man würde ihn sofort kopieren wollen – ach wär´ der Wunsch mehr als nur Vater des Gedankens! Er aber sitzt am Piano, umso besser. Flügelflug in vertrauter Trioformation mit einem Gast, der sich nahtlos einfügt. Feine Explosionen finden statt, Aufwinde aus dem Untergrund. Alles ist leicht und trotzdem kräftig. Boddhisattva satt, Litania statt Litanei. Wäre Musik wie Windsurfen, sie klänge wie Spark of Life.

2014 1 Okt

Norbert Bolz – Wer nicht spielt, ist krank

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Kommentare geschlossen

Ein Buch von Norbert Bolz zu lesen, war stets mit Spass verbunden, seit unsereins in einem Akt der Abkehr von allen halbwissenschaftlichen, esoteriknahen Selbsterfahrungstheorien Mitte der Neunziger Jahre zu einem Umgang mit mehr spielerischen Sprachsstilen fand: Farewell to Psychology – Willkommen in der Philosophie!

Der Autor zählte nämlich auch zu jenen, die einem das Lesen philosophischer Texte schmackhaft machten durch seine sprachwitzige, kontrastreiche, anglophile und reizvoll provokante Art: sie weckte den Appetit auf die reichen Inhalte und Verzweigungen im interdisziplinär-hybriden Feld geisteswissenschaftlicher Geschichte(n) und Fragestellungen.

Eine Möglichkeit, sich Überblick zu schaffen über das Terrain des Lesestoffes: man schlage ein Buch am Ende auf und studiere das Quellenverzeichnis! Illustre Namen und Stichworte wecken die Neugier – auch in Wer nicht spielt, ist krank gibt es diese Appetizer: Wittgenstein, Winnicott, Max Weber werden da genannt. Mit Tolkien, Spielverderber, Luhmann, Löw, Lacan, mit David Fincher und Flipperautomaten geht es fröhlich weiter.

Bevor wir auf den Bolzplatz gehen, sollten wir nun zum Bolz-Buch greifen, um zu erfahren, was es auf sich habe mit der Lust zu Spielen – und warum Fussball, Glücksspiel und Social Games lebenswichtig für uns sind. Auch die Literaturhinweise sind vom Feinsten, im zehnten und letzten Kapitel stellt der Autor einige Standardwerke zum Thema Spiele vor und im Neunten warnt er vor all dem, was wir getrost vergessen können.

Ähnlich wie das Spiel Regeln hat, so hat auch die Lektüre welche – und eine davon lautet: Am Besten fange vorne an zu lesen! Der erste Satz des Vorworts klingt schon gar nicht mehr so krank: “Wer nicht spielt, lebt nicht.” Erzählt wird im Folgenden vom Homo Ludens, von der kulturbildenden Kraft der Spiele, ihrem entlastenden Charakter, ihrem Reichtum.

Einblicke in die Welt eines dominanten Fussballclubs (“Bayern München kann selbst nicht wünschen, jedes Jahr Deutscher Meister zu werden!”) und den Rest der Liga gewährt uns der Medienwissenschaftler Norbert Bolz als waschechter Fussballfan. Seine Thesen zum Sozialstaat sind allerdings diskussionswürdig – enthalten aber einen wahren Kern.

An einer Stelle wird´s besonders spannend: es geht um die Frage, ob es eine goldene Mitte geben kann zwischen der Herrenmoral der Zyniker und der Sklavenmoral der Gutmenschen. Wie sie spielerisch gelöst wird, auch davon berichtet dieses Buch.
 
 
 

 


Manafonistas | Impressum | Kontakt
Wordpress 4.1.1 Design basiert auf Gabis Wordpress-Templates
48 Verweise - 0,536 Sekunden.