Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2016 28 Jul

Lichtblick

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Es gibt diese Anekdote über einen Cellisten, der immer nur denselben Ton spielt, tagaus, tagein. Als seine Frau ihm von einem Konzertbesuch vorschwärmt und einem Orchester, das vielfältige Melodien erklingen ließ, entgegnet er trocken, die würden alle noch suchen, er aber habe den richtigen Ton bereits gefunden. Der Gedanke daran kam, als ich gestern zufällig einen Song anklickte auf dem MP3 Player, der einen leichten Anflug klimatisch bedingter Misslaunigkeit im Nu in Heiterkeit umstimmte: „So May It Secretly Begin“. Als Ton wäre er der eine Richtige, hörte ich ihn doch so oft wie keinen zweiten. Manche Lieder sind wie Lebensabschnittsgefährten, das hier wäre als eine Langzeitbeziehung zu nennen – und dann das Album mit dem wundersamen Titel Still Life (Talking) erst, aus dem es stammt: da sind auch andere Perlen darauf zu finden. Hört man Kumpel Pats Gitarrensolo im Stück „Third Wind“ etwa, ahnt man, was es heisst, mittels des Gitarrenspiels zu fliegen. Der Gesamtsound klingt wie ein feingliedriges, osmotisches Uhrwerk. Schlagzeuger Paul Wertico und der brasilianische Perkussionist Armando Marçal bilden die Rhythmusgruppe. High End Präzision und organische Lebensfreude. Sons of Pioneers. Live-Konzerte dieser Band waren immer Highlights. In my childhood dreams I was a Redskin: Sioux, Apache or Cheyenne. Der Pat Metheny Group hier widme ich das höchste Prädikat: Indianermusik.

2016 14 Jul

Rock Bottom

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Wenn Clay und Gemma sich fetzen, wirkt selbst das Polizeirevier fragil wie eine Pusteblume. Dort nämlich begegnet sich das Ehepaar zufällig, unterschiedlicher Delikte wegen. Sie hatte gerade einer jungen Nebenbuhlerin mit einem Skateboard die Nase demoliert. Die Rockerlady kommt in die Menopause, spürt ihre Jahre und die Jüngere als schmerzliche, bedrängende Konkurrenz. Rührend, wie dann – beide wieder auf freiem Fuss – der mit allen Wassern gewaschene Bandenseniorchef (man kennt Schauspieler Ron Perlman als den Glöckner von Notredame und als ungestaltigen Mönch in Der Name der Rose) nach seinem Seitensprung mit dem Teenie seiner Frau Liebe und Reue schwört und beide frisch versöhnt auf der Harley abziehen. Überhaupt, das Powerpotential dieses Kultbikes ist hier Massstab aller Dinge und der grandiose Soundtrack trägt ein Übriges dazu bei. Allein der Themesong zu Beginn der abendlichen Episodendosis bestätigt einmal mehr, was man schon immer wusste, vielleicht vorrübergehend nur vergass: I love Rock. Und wer als eher Zartgebauter vor Zeiten einmal eine Honda Goldwing kurz spazierenführte, der weiss, was von Gewicht ist. Für manchen bleibt vielleicht das Crossbike noch Relikt für Männerfreiheit, Freiflug, kleine Fluchten – und als Metapher für den mystikschwarzen Gaul. So wie der Eine am Vergaser bastelt, so stellt der Andere Shimanokomponenten fein ein. Wie dem auch sei: in zahlreichen Serien, bei Sons of Anarchy aber besonders, wirken die Bilder für die Songs wie Geschmacksverstärker und umgekehrt. Dass hier demnächst auch der einst so geschätzte Paul Brady zu hören sein wird mit einem Stonescover, ist spätes Glück.

2016 3 Jul

Mikado (2)

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2016 25 Jun

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Eine kleine Auswahl von Alben aus der ersten Jahreshälfte Zweitausendsechzehn, die ich teilweise – und sei es hier nur ein einzelner Song oder ein spirit gewesen, der mir besonders zusagte – oder als Ganzes mit Interesse und/oder Vergnügen gehört habe:

 
 
Ben Monder – Amorphae
Masabumi Kikuchi – Black Orpheus
Sarah Jarosz – Undercurrent
Michel Benita & Ethics – River Silver
Jack DeJohnette – In Movement
David Bowie – Blackstar
 

Als Arthur Dent, jene literarische Figur aus The Hitchhiker´s Guide Through Galaxy, sich des Morgens vor dem Spiegel seine Zähne putzte, fragte er sich, was das bedeute: „Bulldozer, gelb“. Er gab dem Leser eine Botschaft auf den Weg – so jedenfalls habe ich das interpretiert, als ich einst bei Regenwetter an der Nordküste Donegals in meinem Minizelt Douglas Adams Kultbuch las: Achte auf das Randgeschehen!

Jenes kleine, nebensächliche, luziferische Detail, dem oftmals Bedeutendes innewohnt. Beim Frühstück setzte es sich fort. Der flüchtige Blick aus dem Küchenfenster, als Dent seinen Kaffee trank. Der erhellende und ernüchternde Schritt vor die Haustür mit der Erkenntnis harter Fakten: eine Phalanx arbeitswilliger Bagger, die sein Haus wegräumen wollten, aus Gründen, die durchaus in kosmischem Kontext zu betrachten waren.

Nun bezweifle ich, dass ferne Galaxien und deren Herrscher jüngst Einfluss nehmen wollten auf das Vermögen meines Laptops, ein Upgrade auf Windows Zehn zu vollziehen. Doch weiss man´s? Nach gefühlten hundert Stunden, in denen selbst empathisches Zureden nichts half („Komm, ein Versuch noch!“) dann der Gang zum Techniker und ein fairer Kostenvoranschlag. Tagsdrauf der Anruf, explizit machend, was eine innere Stimme seit den Tagen der Inbesitznahme des Gerätes am Rande wahrgenommen hatte: „Lüfter, heiss.“

Updates würden temperaturbedingt abstürzen, erklärte der PC-Fachmann. Nun habe ich das Gerät, dem der Gang zum Schrottplatz nahegelegt wurde, wieder in Obhut genommen und auf eigene Recherche hin eine Software installiert, die den Lüfter regelt. Mein Fazit: Techniker wissen Vieles mehr als der gemeine Durchschnitts-User, doch nicht Alles. Und von den kosmischen Zusammenhängen zufälliger Problemlösungen ahnen sie gerademal soviel wie ein Vogonen-Kommandant von erträglicher Dichtkunst.

2016 12 Jun

Die Spur des freien Kindes

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In seinen Tagebuchnotizen wies Peter Sloterdijk an einer Stelle darauf hin, wie wichtig es sei, den Modus des Konsums zu meiden. Erich Fromm schrieb dazu psychologisch Epochales. Die Kunst des Liebens und Haben oder Sein: Sozialisationsstoff einer ganzen Generation – eine Art Hermann Hesse der Psychologie. Haben oder Sein beschrieb die Dichotomie zweier grundsätzlich unterschiedlicher Intentionen und war durchaus lohnenswerter Lesestoff. Trotzdem begleitete die Fromm-Lektüre stets ein Gefühl des Unbehagens. War es ein subtiler moralischer Zeigefinger, der da störte? In dem Film Alphabet – Liebe oder Angst ist ein anderer Gegensatz das Thema: Drill oder Spiel. Erzählt wird von den schädlichen Folgen leistungsorientierter, fordernder Erziehung und den Segnungen des Spielens. Einige aussergewöhnliche Menschen zeigen, wie sie diese Erfahrung in ihrem Leben beherzigen. Da ist beispielsweise der Pädagoge Arno Stern, in Kassel geboren, in der Nazizeit nach Frankreich geflohen, der in Paris einen Malort für Kinder gründete; da ist sein Sohn Andre, der nie eine Schule besuchte, ein namhafter Musiker und Gitarrenbauer ist und weltweit Vorträge hält über die Vorzüge eines schulfreien Lebens. Da ist sein kleiner Sohn Antonin. Dann ist da der sympathische Pablo Pineda Ferrer, der wohl erste Universitätsabsolvent mit Downsyndrom, ein diplomierter Psychologe und Pädagoge. Sein Motto: entweder ein Leben in Liebe oder in Angst, man hat die Wahl. Die Betrachtung dieses Filmes hatte etwas Befreiendes. Ich träumte in der folgenden Nacht von einem Baby, mit dem ich innig kommunizierte.

2016 11 Jun

Drei Mikados

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Eine Spur vorweggespielt, eine zweite dann direkt dazu, das ist das „Prinzip Mikado“. Überraschungsmomente durch sofortiges Reagieren ohne Planung. Vor Längerem entstand „Silver Wheels“ (dedicated to a new bike – wheelset). Die wage Idee: folkiges Fingerpicking als Grundlage, darüber ein poprockiges Overdub. Darauf folgte „Root Blues“, inpiriert vom trockenen fuzzy-sound einer zufälligen Amp-Einstellung. Kürzlich dann „Wild Card“. Immer wieder die Lust, ganz frei zu spielen, sowie man auch entspannt zeichnen würde oder kritzeln auf Papier. 

2016 4 Jun

Brasch bräsig

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In den Film Und Kim Novak badete nie im See Genezareth zappte ich spätnachts vor Jahren hinein, ähnlich ergings mir auch mit Schnee, der auf Zedern fällt: ein „Wow!“ flackerte auf, doch schnell fielen die Augen übermüdet zu. Die Titel blieben als etwas Lohnenswertes haften, den erstgenannten konnte ich nun kürzlich sehen – und nichtmal Claudia Michelsens zeitgleicher Polizeiruf hielt mich davon ab. Der hilfreiche Tatortcheck eines Onlinemagazins tat sein Übriges, in dem besagtes Ereignis mit vier von zehn Punkten bewertet wurde und ich erinnerte mich daran, dass schon Michelsens Ex-Partner Silvester Groth aus Drehbuchgründen unlängst seinen Job hinschmiss. Schade, denn einer der besten Dialoge ever spielte sich in jenem Magdeburger TV-Dienstmilieu ab. Michelsen alias Kommissarin Doreen Brasch, nachdem sie zwecks Verbrecherjagens mit dem Motorrad die Steinstufen der Stadtmauer rauf- und runtergebrettert war, trifft bräsig im Revier ein, passiert den Schreibtisch des kauzigen Kollegen Groth alias Jochen Drexler.

Der Bürokrat par excellence mümmelte soeben Grünzeugs aus der Brotschatulle zum Frühstück, die Aktentasche akurat neben sich abgelegt und die Miesepetermiene aufgesetzt. Michelsens Morgengruß: „Salat macht impotent!“ Groth retour: „Impotenz macht frei!“ Ich lachte laut. Sind es nicht solche shortcuts, die so manches laue Drehbuch flugs vergessen lassen und sich für alle Zeit in das Gedächtnis schreiben – wie eben jenes eingangs erwähnte kurze „Wow!“? Der oben genannte Film mit sonderbarem Badetitel basierte auf einem Roman von Hakan Nesser, dem damit wohl einst der Durchbruch gelang. Er zeigte, hierin einer Serie wie Breaking Bad ähnlich, was Qualität ist: langsame Einstellungen und aufflackernde Momente; Dinge, Antlitze, Situationen, die aus sich selbst heraus wirken; jene Stille, die spricht und ferner dieser feine switch, wenn fotorealistische Wirklichkeit und harte Fakten ins Märchenhafte, Surreale, Humoreske hinübergleiten.

2016 27 Mai

Ein Treffen mit Uta

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Sobald es um TV Serien geht, redet Uta wie ein Wasserfall. Treffe ich mich mit ihr, ist der Smalltalk, was sehenswerte Filme betrifft, stets kurzweilig und informativ. Sie arbeitet als Chefredakteurin eines Szenemagazins in unserer Stadt. Von diesen Produktionen aus Amerika beginnt sie zu schwärmen, sobald man ihr die Triggerfrage stellt: „Was schaust du denn gerade so?“ Gleich drei ihrer zuletzt favorisierten Serien spielten in Los Angeles und alle seien gut: Love, Bosch und Transparent. Erstgenannte sei die Geschichte eines akademischem Filmnerds und einer psychisch Angeknacksten – und weil Borderline im Spiel sei, seien auch Unliebesspiele nicht weit. Dann Bosch, der – wie Uta selbst auch – Jazzkenner sei. Vom guten alten Rollins ist die Rede, den der Held, der auch Hieronymos heisse, hier allerdings Cop sei und nicht Kunstmaler, liebevoll Sonny nenne, so als sei dies ein persönlicher Freund. Die Serie sei schon dieser Wohnung wegen sehenswert, in der er residiere. Wer sah, wie Bosch des Nachts im eigenen Hause Whiskey trinkend, melancholisch reflektierend, untermalt von feinem Jazz über L.A. geschwebt sei, wisse, woher die Engelsstadt den Namen habe.

Beim Schauen von Transparent habe Uta Lust verspürt, mal wieder Musik von John Zorn zu hören, weil dieses jüdische Milieu eine ähnlich spritzige Vitalität ausstrahle wie der Sound des quirligen Jazzsaxofonisten. Auch Transparent spiele in Los Angeles. Der Vater der Familie sei Politikwissenschaftsprofessor. Die älteste Tochter mache als verheiratete Frau mit Kindern nun Entdeckungen im Bereich der lesbischen Liebe und in Spielformen des Sadomaso. Der Sohn sei Musikmanager und, wie Uta meint, ein selbstbezogener, hohler Typ. Die jüngste Tochter sei auf ewigem Selbstfindungstrip, der sie nun endlich auch in lesbische Gefilde führe, nachdem sie erstaunliche Dinge mit schwarzen, hippen Fitnesstrainern ausprobierte. Der Clou aber: Daddy oute sich als jene Frau, die er immer schon sein wollte. Das habe Folgen. Im Vorspann, jenem Super-Acht-Bildflickern, das an Klassenfahrten, Feste und Fotoalben denken liesse und untermalt sei von Klängen, die an Erik Satie erinnerten, würde auch jene Zeit im Berlin des Nazideutschland angedeutet, in der Alles seinen Anfang nahm.

Es gibt ein neueres Wort, das Uta nicht gerne benutzt, weil es so hässlich klingt und dieses Wort besagt, dass Inhalte eines Filmes, Spannungsmomente der Handlung voreilig ausgeplaudert werden – und so verschweigt sie anstandshalber Vieles. Entscheidend sei, dass Serien Spass machten, lehrreich und unterhaltsam seien, Gesprächsstoff böten und in vielfach unbekannte Human-Biotope führten. Family, Beziehungskrisen, Sex seien stets dabei, mit oder ohne crime, in allen Formen und in Transparent besonders krass. Das werde aber unaufdringlich, warmherzig und liebevoll erzählt und so fühle man sich irgendwie mit allem empathisch verbunden. Der „transparente“ Vater entwickele eine unglaubliche Würde, ohne dabei in seinem Outing auch nur annähern heldenhaft dargestellt zu werden. Seine Irritationen blieben, etwa auf einem Sommer-Frauen-Camp. Hier nämlich zeige sich die Differenz: ob transitive Männer zuweilen neidisch seien auf „echte“ Frauen? Gebären könnten sie ja immerhin nicht. Hmm, möglich wär´s, entgegne ich und merke mir die Serien vor auf meiner virtuellen watchlist – und die Musik von John Zorn und Satie dazu.

2016 19 Mai

In a cavern in a canyon

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Doctor Miriam Jocovic raised her eyebrow.

„Are you kidding – you stepped into that cavern to cover a song?“

„That´s exactly what happened“, her patient Karl Wagner replied.

„I came from Pacific Palisades way up to Mulholland. Found the quiet and inspiring place in that area long time ago, it allows high concentration needed for the book project I´m working on. But it is narrow and stony. Climbing down with a guitar and a notebook as baggage is tricky: you have to wind like a snake same as you wind into the objects of your study – a process of imitation, mimikry.“

„And now you pay the bill for your regression in the service of discovering. This will require a surgery of your wounded knee! But I can´t deny sympathies for your project. I also play some guitar if time allows, you know, the Joni Mitchell style. So, no regrets, coyote!“ The doctor smirked. „Was it a song by Grateful Death you were working on that fateful day?“

„No, it was a tune from the John Renbourn Group called „Maid In Bedlam“ that challenged me by chance. The album A Maid In Bedlam, with guitarist Bert Jantsch, singer Jaqui McShee, american fiddler Sue Draheim, tabla player Keshav Sathe, John Roberts on flute and all on vocals was once an impressive mix of different styles.“

„Did you at least figure out the harmonics?“

Karl reached her a piece of paper with pencilled letters and the tiny fragment of a verse.

 

aG ae aG – a/ e/ aG ae – a/ e/ D/ e/ – eD e/ a/ G/ – a/ eD aG –

aG ae aG – a/ e/ aG ae – etc …
 
Abroad as I was walking one evening in the spring
I heard a maid in Bedlam so sweetly for to sing.
Her chain she rattled with her hands and thus replied she:
„I love my love because I know my love loves me“.

 

Miriam Jocovic had a look at it. „I guess, the capitals are major chords, the lowercases minor ones and one sign stands for two beats of a common time.“ She took her Takamine and immediatly began to play. In doing so she was as beautiful a woman in L.A. can be, with her white overall on and a stethoscope around her sun-kissed neck.


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