Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2017 7 Jan

Erzählende Erinnerung

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Aus simplen Melodien und meist einfachen Akkordfolgen macht der Rockmusiker Steven Wilson etwas Unverwechselbares, Einprägsames – manchmal nahe am Kitsch, ohne jedoch hierin jemals abzudriften: zu deutlich sind die progressiven Elemente und die dunklen Untertöne. Das Nerdige stört keineswegs, ist sogar sympathisch, konsequent – und das Erdige der Rockmusik dient dabei stets als Fundament für seine fairy tales. Eigentlich mag ich progressive rock gar nicht so, mal abgesehen von Genesis. Doch was heisst „eigentlich“? „Eigentlich könnten wir uns freuen, denn eigentlich geht es uns gut“, sang vor Jahren Xavier Naidoo, dessen Musik ich eigentlich auch nicht mag, in einem guten Song.

The OA ist eine dieser Fernsehserien, bei denen unsereins zunächst geneigt ist, abzuschalten, aufzugeben. Drop that crap. Doch irgendetwas hält einen doch daran fest. Oft sind es nur Details, vielleicht das Charisma eines Schauspielers (hier Brit Marling) oder die Art der Fotografie und Bildschnitte. Fiebrig in den Reviews stöbernd (Mehrwert und sideeffect des Serienschauens ist ja das Kommunizieren und Reflektieren darüber) sucht man dann nach Gleichgesinnten, die Indizien liefern. The OA gehört vielleicht nicht in den Olymp der Sahneserien (the „Champions League“ of new TV), zu denen Werke wie Fargo, Mad Men oder True Detective zählen – und ist doch in Aspekten sehenswert.

Immer wieder kam mir beim Schauen von The OA und beim Zuhören der Erzählstimme (Brit Marling führt Regie und spielt die Hauptrolle) ein eindrucksvolles Musikvideo von Steven Wilson in den Sinn. Ähnlich rückwärtsgewand, wie ein gestürzter Engel, erzählt eine junge Frauenstimme von einem Anderswo, wie aus einem Traum kommend: eine von Patina überzogenen Erinnerung an eine andere Zeit. Sollte so nicht Schreiben sein? Mit der Selbstgewissheit dessen, der genau davon erzählt, was nur er oder sie berichten kann? Dann reihen sich die Evidenzen ganz selbstverständlich auf, purzeln wie Kohlen aus dem Keller, fliegen wie Tauben aus dem Verschlag ins Weite und von dort zurück.

 
Steven Wilson – „Perfect Life“

2016 30 Dez

My Top TV Shows (update 23-1-17)

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  1. Mad Men 7
  2. Sons of Anarchy 6
  3. Fargo 2
  4. True Detective 1
  5. Bloodline 2
  6. Breaking Bad 6
  7. Goliath 1
  8. Ray Donovan 3
  9. Stranger Things 1
  10. Better Call Saul 2
  11. Transparent  2
  12. Justified 2
  13. Bosch 1
  14. The Night Manager 1
  15. The Bridge* 4
  16. Master of None 1
  17. Love 1
  18. House  2
  19. Easy 1
  20. Detectorists  2
  21. The OA 1

 

Listed in a moody, flexible and at the same time well-considered order – added with total numbers of seasons received. All episodes seen in the original version optionally with german or english subtitles. Watching this way can be a pleasureable method of improving your language skills. Many of those named series play in California: Transparent, Bosch, Love, Goliath and Ray Donovan play in L.A., Sons of Anarchy is placed in a fictional town called Charming. Breaking Bad and Better Call Saul play in Albuquerque, New Mexico and Bloodline in the Florida Keys. I enjoyed the virtual journeys to that „sun states“. Remaining in the Northern Europe wintertime it´s a vitamin D support: the special light there and the atmosphere, the vibes …

 

*danish: Broen; swedish: Bron

2016 22 Dez

Der P-Faktor

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„P stands for Paddy, I suppose …“

 
 

… but as well for practise if not for purgatory. Denn Musik ist ein verrücktes Pflaster, man kriegt sie nie zu fassen: dämonisches Gebiet, ewige Durchgangszone. Der Maler hat irgendwann ein fertiges Bild vor sich. Er kann es dann aufhängen, einpacken, verkaufen – es ist ein abgeschlossenes Ding. Musik bleibt fluktuierend. Was meinen Zugang zu Songs betrifft: die Neugier ist wichtig. Von einem Lied für eine Weile affiziert zu sein: es sich einverleiben wollen. Die perfekte Welle nutzen, denn sie währt nur für begrenzte Zeit.

Da habe ich mir etwas eingebrockt, die irischen Wurzeln aufzuarbeiten. Nein, nicht der Grossvater und auch kein Urahne. Und doch, als ich einst nach Irland reiste, die Musik der Moving Hearts, Clannads, Paul Bradys, der Bothy Band und eben auch von Planxty im mentalen Gepäck, da kamen mir die Iren wie die meinen vor. Ich schätzte deren Gesprächigkeit, Gastfreundschaft, die Lust zum Wortemachen. Nun entdecke ich gerade Vieles wieder und der oben präsentierte Song gehörte zu den Lieblingsliedern.

Hilfreich ist Best Practice. Ein Softwaretool, mit dem man den Kammerton A justieren kann, der sich ja im Laufe der Jahre verändert hat. Somit lassen sich ältere Aufnahmen abhören, ohne das Instrument umstimmen zu müssen. Ferner lässt sich die Abspielgeschwindigkeit verändern, die Tonhöhe bleibt dabei konstant. Das ist nicht nur für jene ultraschnellen irischen Jigs hilfreich, denen unsereins ja gewöhnlich hinterherhechelte wie die lahme Ente dem flinken Hasen. Nun legt man sie unter das Elektronenrastermikroskop und schaut sie sich von Nahem an. Auch loops kann man erzeugen zum Einüben ausgewählter Passagen.

„A painter is a painter and he paints it – thats it“, once Joni Mitchell said. Und wer täglich mehr als eine Stunde übe, der sei ein Gitarrist, fügte Robert Fripp hinzu. Nun denn, ich ändere mein Leben: die Kunst zu covern, darin liegt das Glück – Stück für Stück.

 

 
 
 

01 Bon Iver – 22, A Million
02 David Bowie – Blackstar
03 Michael Formanek & Ensemble Kolossus – The Distance
04 Michel Benita & Ethics – River Silver
05 Ben Monder – Amorphae
06 Cuong Vu & Pat Metheny – Cuong Vu Trio Meets Pat Metheny
07 Vijay Iyer & Wadada Leo Smith – A Cosmic Rhythm With Each Stroke
08 Wolfgang Muthspiel – Rising Grace
09 Masabumi Kikuchi – Black Orpheus
10 Jack De Johnette – In Movement
11 Sarah Jarosz – Undercurrent

 
 

Auch in diesem Jahr lag der Fokus eher auf einzelnen Songs, die mein Interesse weckten, als auf ganzen Alben. Und doch waren einige bemerkenswerte dabei: mein grösster Respekt gilt David Bowies Abschiedswerk. Gesangskünstler und Songwriter, die sich selbst offenbaren, erhalten gegenüber Intrumentalisten tendenziell den Vorzug. Das gilt auch für Bon Iver, dessen 22, A Million mir vor allem im Verbund mit den dazugehörigen Videos so gut gefällt. Wolfgang Muthspiel hatte ich eher als gefälligen Schönspieler in Erinnerung, aber nein, Rising Grace ist spannend, zudem klanglich rund und reizvoll. Noch zwei Gitarristen sind bemerkenswert: auf Michael Formaneks Album The Distance setzt Mary Halvorson kleine feine Akzente. Und Eivind Aarsets „Hintergrundgenialität“ verblüffte schon im letzten Jahr auf Andy Sheppards Surrounded by Sea, nun ganz ähnlich auch auf Michel Benitas River Silver. Eine Empfehlung hatte ich im Gedächtnis behalten und so schneiten denn endlich mit dem Frost noch via Download spät das Cuong Vu Trio mitsamt Pat Metheny hinein. Eine positive Überraschung! Und Sarah Jarosz erfüllt nicht nur die Frauenquote hier: von ihr und ihren KollegenInnen (Aoife O´Donovan, Sara Watkins, Chris Thile etc) habe ich sehr schöne Songs entdeckt. Die diesjährige Devise lautete denn auch: Never deny your folk & country roots! Viel Vielversprechendes blieb bislang ungehört, ich hoffe das beizeiten nachzuholen, darunter etwa das Mary Halvorson Octet, das Jakob Bro Trio und die ungarische Konzertgitarristin Zsófia Boros.

2016 29 Nov

Der Song des Tages

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Sting – „Consider Me Gone“ (live)

Simple but good. They all play in time and they swing, da braucht keinem Jazztrainer das Blech wegzufliegen. If anyone – Manafonista or a dear reader – likes to present his song of the day here as well, just sent a link in the commentary, maybe with a short note. But it has to be true, from the bottom of the soul. Dann darf auch Grönemeier hier erscheinen oder Dieter Bohlen … – okay, der jetzt nicht.  –JS

 

2016 21 Nov

Der Blow Up Effekt

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Armour let it through,
borne the arboretic truth
you kept posing

Sat down in the suit,
fixed on up it wasn’t you
by finished closing

Ramble in the roots,
had the marvel, moved the proof
be kneeled fine’s glowing

Storing up the clues,
it had it’s sullen blue
bruised through by showing

Settle past a patience
where wishes and your will
are spilling pictures

Water’s running through
in the valley where we grew
to write this scripture …
 
(Bon Iver, „Minnesota“)

 
 

Es sind nicht immer ganze Alben, oft nur einzelne Songs und hier wiederum kurze Passagen, die besonders zünden. Auf der Kunsthochschule gab es einen Professor, der mich unter seine Fittiche nahm, als ich am Tag der Aufnahmeprüfung nicht in Form war: „Ich sehe da viel Einfluss von Max Ernst in ihrer Mappe – das wird schon werden.“ Er malte gerne kleine Ausschnitte alter Meister in ganz gross, wie ein blow up Effekt. Oft denke ich daran, wenn ich in diesen Tagen besonders prägnante Ausschnitte feiner Songs zu covern trachte. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich die obenstehende Song-Passage in petto habe. Da solcherlei englischsprachige Lyrik zudem zungenbrecherisch ist wie „Fischers Fritze“, böte sich wiedermal eine Fender-Instrumentalversion an. Eh schon terminlich ausgelastet, erhielt mein Detektivbüro heute aber einen vorrangig wichtigen Auftrag: „Finden sie den Jochen Siemer, der die 56 Millionen im Jackpot knackte! Hinweise dazu gibt es in einem Manafonistas-Post von Brian Whistler.“

2016 18 Nov

Zwei Filme

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Whiplash verstört, wühlt auf. Einem sadistischen Musiklehrer mit Charaktermerkmalen eines cholerischen KZ-Aufsehers bei der Arbeit zuzusehen, ist wahrlich kein Vergnügen. Oder war es deshalb keines, weil Humor hier völlig fehlte? Erinnerungen wurden wach an Volker Schlöndorffs Verfilmung von Margaret Atwoods bleischwerem Stoff „Die Geschichte der Dienerin“ (The Handmaid’s Tale), der mir einst sauer aufstiess.

Im Gegensatz dazu geht die Masse geradezu irrwitziger Gewaltszenen, wie sie die Qualitätsserien Fargo, Breaking Bad, Sons of Anarchy oder Justified zeigen, immer auch mit distanzschaffenden Portionen von Humor, Spielwitz und erzählerischer Leichtigkeit einher. Zudem ist die Darstellung subtil psychischer Gewalt, vor allem unter dem Deckmantel der „Erziehungsberechtigung“, oft schwerer zu ertragen wie die körperliche.

Jazzkenner und Musiker, die sich unter dem Sammelbegriff Insider auf höheren Ebenen treffen, mögen ferner einwenden, es sei ja gar kein Jazz, der da gespielt werde. Anyway, die interessante Frage stellt sich stets erneut, welche Merkmale es denn sind, die einen guten Musiker ausmachen. Gerne bemerke ich zuweilen, dass ein Jazzmusiker – vom Format eines Chris Potter beispielsweise – intellektuelle und technische Fertigkeiten besitzt, die denen eines Flugzeugpiloten oder Herzchirurgen in nichts nachstehen.

 

In eben dieser Sphäre von Exzellenz bewegt sich auch der Maler Wolfgang Beltracchi, von dem der Dokumentarfilm Beltracchi – Die Kunst der Fälschung Zeugnis abliefert. Ähnlich wie ihn Breaking Bad erzählt, wäre in diesem Lebenslauf einmal mehr reichhaltiger Serienstoff zu finden, in dem ein intelligenter, überdurchschnittlich Begabter zunächst erfolgreich, aber letztlich scheiternd Grenzüberschreitungen in kriminelle Bereiche wagt.

Delikat wird es, wenn der dann unter Mithilfe seiner Frau ein Max Ernst Gemälde in Frottagetechnik herstellt, es einer kunsthistorischen Koryphäe wie Werner Spies (der Max Ernst Kenner schlechthin) präsentiert und es kurzerhand als unbekanntes Werk des surrealistischen Meisters durchgewinkt wird. Tragisch und komisch, wie Vieles in diesem spannendem und intime Einblicke gestattendem Filmporträt, das Lust auf mehr macht.

2016 10 Nov

Hochfrequenzen

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Gute Musik, Bücher, Filme und TV-Serien, ebenso attraktive LiebhaberInnen, Kunst und Lieblingsplätze, aber auch spannende Spiele oder Fahrradrouten – sie alle haben eines gemeinsam: gerne kehrt man dorthin zurück, ohne dass auch nur ein Funken Langeweile aufkäme. Die Fernsehserie Mad Men beispielsweise, gäbe es nicht so viele andere, die mich lockten, sähe ich beizeiten gerne nochmals. Einige Bücher von Peter Sloterdijk las ich mehrmals und Krishnamurtis Einbruch in die Freiheit, diese antireligiöse neuro-science Fiktion, ist zerfleddert bis zum geht nicht mehr. Als ich nun neulich Rising Grace hörte und bald immer tiefer in einen Strudel wohlklingender Klang-Faszinationen geriet, war mir klar: diesem Album wirst du mehrmals lauschen. Welche fantastisch klingende akustische Gitarre das wohl sei, die Wolfgang Muthspiel dort neben der elektrischen zu Gehör brachte, fragte ich mich. „Rhapsody“ enthielt die Antwort, auch sie auf YouTube mehrfach frequentiert. Man möchte sich mit ECM verbinden lassen und sotto voce fordern: „Termin mit Muthspiel machen zwecks Aufnahme einer Soloplatte nur mit Konzertgitarre!“ Als Appetizer für das aktuelle Album Rising Grace sei noch erwähnt: zum versierten Gitarristen aus der Steiermark gesellen sich noch andere Virtuosen vom Fach. Pianist Brad Mehldau, Bassist Larry Grenadier, Drummer Brian Blade und Trompeter Ambrose Akinmusire garantieren im Zusammenspiel weit mehr als schlichten Wohlklang.

2016 4 Nov

Über Wolf Biermann

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Du, lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit – unvergessliche Verszeile des Barden Biermann, dem unsereins einst mit gemischten Gefühlen begegnete, jedoch auch Positives abgewinnen konnte. Anders als etwa der Frankfurter Schriftsteller Wilhelm Genazino, der gerne auf leisen Sohlen umherflaniert in seiner „Schule der Besänftigung“, kam der Wolf stets laut daher und erntete dafür Applaus: Gut gebrüllt, Löwe! Wo sind denn heute jene, die dem System so klar die Pranke zeigen?

Erste Eindrücke kamen von einem Schulfreund, der Konkret lesend, Ente fahrend, Gauloises rauchend, eben auch Besitzer aller Biermann-Alben war. Zwar nicht wirklich meine Musik, doch dessen Persona im Spannungsgefüge des geteilten Deutschland, stimmungsmässig in den Nachwehen des Nazireiches verhangen, hatte Charisma. Auch einer obrigkeitskritischen Haltung, mit Revoluzzerromantik gewürzt, kann man in Zeiten gnadenloser Globalisierung, in denen Dichotomien wie „links und rechts“, „gut und böse“ so simpel nicht mehr greifen, noch etwas abgewinnen. Es bleibt Fakt: die Kluft zwischen Armen und Reichen alleine schon treibt jedem Anständigen unter uns die Schamesröte ins Gesicht, mehr als je zuvor. Und die im Dunklen sieht man nicht: das Kapital mit seinen Fluchten und Verflüchtigungen.

Ein Livekonzert des DDR-Barden, damals mit der Aura des frisch Ausgebürgerten umgeben, blieb im Gedächtnis hängen: neben unzweifelhaften Entertainerqualitäten, zudem als ein Kronzeuge des Zeitgeistes auftretend, fiel mir vor allem auch seine Art des Gitarrenspiels auf. Diese Raubeinigkeit gefiel mir: wie ein Baselitz an den Saiten ging er zuwerke, abrupt oft und doch sensibel. Wenn ich Monk zuweilen höre oder Derek Bailey, denke ich stets an dieses klasse Klampfenspiel im biermannesken Klassenkampf zurück.

2016 22 Okt

Voodookind

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John erinnerte sich an das Candomblé-Fest in Salvador. Grit war vor dem Tempel stehengeblieben, nicht aus mangelndem Mut, sondern aus Respekt vor den Ritualen dieser afro-brasilianischen Religion – einer weissmagischen, christlich gefärbten Variante des Umbanda-Kultes, dem Voodoo verwandt. Man hörte dort Musik, die er nie vergessen würde: eine kleine Band, nur aus Perkussion und Bläsersatz bestehend, spielte mit geradezu animalischer Power. Ein bisschen mulmig war ihm schon zumute gewesen, als er inmitten der Teilnehmer Platz genommen hatte und bald darauf der erste Eingeweihte aus dem Tanzkreis in eine Trance verfiel und herausgetragen wurde. John fühlte sich zunächst sicher, bis dann aber die kleine Tochter eines amerikanischen Touristenpaares, das am Rande des Geschehens, im Eingang des Tempels stand (der Vater im Hawaiihemd und mit der Weitwinkelkamera vor dem Wohlstandsbauch), in wilde Zuckungen geriet. Und noch etwas geschah: der neben John sitzende schwarze, junge Brasilianer – wie alle anderen einheimischen Gemeindegäste feierlich in Weiss gekleidet – rutschte von seinem Sitz und ein schwarzes Loch, wie ein unendlich tiefer Brunnen, der mit seinem Sog ins Jenseits lockte, tat sich stattdessen auf. John hielt sich am Stuhl fest, konzentrierte sich auf die Kräfte des Guten, während Grit, von draussen durch ein Fenster in den terreiro blickend, nur verständnislos den Kopf schüttelte: Wie kannst du nur da drinnen bleiben! Es war wohl die Nähe zum Ungeheuren gewesen und ein Urvertrauen, das ihn begleiten würde durch diesen fremden Kontinent.


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