Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2017 21 Feb

Palaver mit Otto

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„Nun liegt aber der wahre Zauber des Wanderns nicht im Laufen oder in der Landschaft, sondern im Reden. Das Laufen ist nur dazu da, für die Bewegungen der Zunge den Takt anzugeben …“

(Mark Twain: Unter Freunden – Der Lauf der Unterhaltung)

 

Otto ist ein bischen verrückt, aber man kann gut mit ihm plaudern, wenn man stundenlang am Fluss entlangläuft. Hat er erst einmal sein Thema gefunden, lässt er davon so schnell nicht ab, als gäbe es nichts Anderes. Mal war es eine aus ausgesuchten Einzelkomponenten zusammenkomponierte Hifi-Anlage, die das Zentrum seines Wollens in Beschlag nahm. Dann war er wiedermal verliebt. Einen gewissen Frauennamen hörte man nun öfter als den der derzeit medial gepuschten Frauke P. im Lauf der Unterhaltung. Diese Rangehensweise, als wäre es ein Prinzip der Medien selbst: die Langzeitarbeitslosen, Dauerthema einer Periode – Fachgesimpel über die Köpfe von „Häftlingen“ hinweg, bis der Wind doch wechselte. Dann waren es die „faulen Griechen“ – „Varoufakis, Varoufakis, Varoufakis“ krähte der Hahn dreimal: des morgens, mittags, abends. Fast eine Erlösung, wenn es auch mal die da ganz oben träfe – denn die im Dunkeln, sie versteckten sich in Steuerparadiesen, Transparenz gelte überwiegend für leichter Überprüfbare. Stichwort Martin Winterkorn, VW. Ein ganzer Konzern in der sozial-ökölogischen Hängepartie. Zwei Themen nun bestimmten jüngst Ottos Interesse: die Schere zwischen Arm und Reich, global und national gesehen. Und, ernsthaft: Vitamin K2. Er hatte nämlich rausgefunden, dass eine Vitamin D Substitution im Winter, die in unseren Breitengraden (Otto wohnt in Emden) durchaus Sinn mache, ohne gleichzeitige Gabe von K2 und Magnesium aber nicht funktioniere. Um so erstaunlicher, dass weder Ärzte noch Apotheker davon so richtig Bescheid wüssten: das Gesuchte sei doch nicht im Grünkohl oder in der Butter! Otto genervt: „Sie kennen den Unterschied nicht zwischen K1 und K2, wozu haben die denn studiert?“ Wir wechselten das Thema: Trump und die Plünderung der Rohstoff-Ressourcen durch westliche Wohlstandsstaaten war das Programm. Das Reden ist ein langer, unruhiger Fluss.

 

2017 29 Jan

Serienblinzeln

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„Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen. Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern? – so fragt der letzte Mensch und blinzelt.“

(F. Nietzsche)

 

Abstandnahme ist eine Technik der Wahrnehmung. Nach meinem Eintritts-Debut in die Schöne Neue Fernsehwelt im vorletzten Herbst mit vier Staffeln Mad Men drehte ich der Madison Avenue den Rücken zu, um dann nach einem Jahr zurückzukehren. Wie vertraut mir die Charaktere doch geworden waren, wie angenehm und erbaulich auch dieses Werk zu schauen war. Was sich aber verändert hatte, war der inzwischen möglich gewordene Vergleich mit anderen Serien – man kommt halt viel rum. Gestern nun der Anfang der finalen Staffel von Sons of Anarchy, wiederum nach längerer Pause. Back to Charming. Ich war sofort drin, erkannte die unzweifelhafte Qualität in allen Dingen. Aber diese extremen Gewaltdarstellungen hatten mich doch unterschwellig immer sehr gestört, wie eine Gräte in vorgeblich filletiertem Fisch: es blieb einem oft im Halse stecken. Auch fehlte ja die Distanznahme mittels ironischer Überzeichnung ins Groteske und Absurde, wie beispielsweise in den Filmen Quentin Tarantinos. Nein, das ist schon Shakespeare-Kost hier: Macbeth at its best. Und wie diese Gemma im Namen ihres persönlichen Gottes, des bedingungslosen Familienzusammenhalts (eine Alternative zum Grundeinkommen), über Leichen geht, das lasse ich mir bis zum Ende nicht entgehen. Man möchte sie genüsslich durch den Fleischwolf drehen. Selbstverständlich wird dieser Staffellauf abgeschlossen, hinter der Ziellinie winkt auch schon Sneaky Pete, die Serie der Stunde. Ich sah kürzlich die erste Episode, was zur Folge hat, dass ich mich auf die nächsten neun freue. Vorfreude zählt ja bekanntlich zu den angenehmsten Prä-Emotionen in postfaktischen Zeiten. Man trifft hier Walter White wieder, jenen Drogenbastler aus Breaking Bad, der im richtigen Leben ja immer noch Bryan Cranston heisst und von Beruf Schauspieler ist. Doch Max Frisch lässt grüssen: solch eine Paraderolle wird man schwerlich los, sie haftet einem auf ewig an. Warum aber ist Sneaky Pete so gut? Weil man sofort drin ist und ab geht der fliegende Teppich. Die Handlung macht Spass, perlt leicht und augenzwinkernd dahin, ist zudem spannend, jedoch nicht allzu aufreibend. Die Schauspieler sind klasse und die Bilder erlesen. Das alles und noch viel mehr erinnert verdammt an Breaking Bad. Und sowenig wie man der Gewaltdarstellungen wegen auf die anarchischen Söhne verzichten wollte, fiele es einem im Traum ein, eine grandiose Serie einer personalen Antipathie wegen zu canceln. Wobei, Rosamunde Pilcher hatte ich ja dereinst auch verworfen, aber da handelte es sich ja um einen ganzen Clan voller Abneigungen – von den Brutalitäten verharmlosender Klischeewelten ganz zu schweigen.

2017 7 Jan

Erzählende Erinnerung

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Aus simplen Melodien und meist einfachen Akkordfolgen macht der Rockmusiker Steven Wilson etwas Unverwechselbares, Einprägsames – manchmal nahe am Kitsch, ohne jedoch hierin jemals abzudriften: zu deutlich sind die progressiven Elemente und die dunklen Untertöne. Das Nerdige stört keineswegs, ist sogar sympathisch, konsequent – und das Erdige der Rockmusik dient dabei stets als Fundament für seine fairy tales. Eigentlich mag ich progressive rock gar nicht so, mal abgesehen von Genesis. Doch was heisst „eigentlich“? „Eigentlich könnten wir uns freuen, denn eigentlich geht es uns gut“, sang vor Jahren Xavier Naidoo, dessen Musik ich eigentlich auch nicht mag, in einem guten Song.

The OA ist eine dieser Fernsehserien, bei denen unsereins zunächst geneigt ist, abzuschalten, aufzugeben. Drop that crap. Doch irgendetwas hält einen doch daran fest. Oft sind es nur Details, vielleicht das Charisma eines Schauspielers (hier Brit Marling) oder die Art der Fotografie und Bildschnitte. Fiebrig in den Reviews stöbernd (Mehrwert und sideeffect des Serienschauens ist ja das Kommunizieren und Reflektieren darüber) sucht man dann nach Gleichgesinnten, die Indizien liefern. The OA gehört vielleicht nicht in den Olymp der Sahneserien (the „Champions League“ of new TV), zu denen Werke wie Fargo, Mad Men oder True Detective zählen – und ist doch in Aspekten sehenswert.

Immer wieder kam mir beim Schauen von The OA und beim Zuhören der Erzählstimme (Brit Marling führt Regie und spielt die Hauptrolle) ein eindrucksvolles Musikvideo von Steven Wilson in den Sinn. Ähnlich rückwärtsgewand, wie ein gestürzter Engel, erzählt eine junge Frauenstimme von einem Anderswo, wie aus einem Traum kommend: eine von Patina überzogenen Erinnerung an eine andere Zeit. Sollte so nicht Schreiben sein? Mit der Selbstgewissheit dessen, der genau davon erzählt, was nur er oder sie berichten kann? Dann reihen sich die Evidenzen ganz selbstverständlich auf, purzeln wie Kohlen aus dem Keller, fliegen wie Tauben aus dem Verschlag ins Weite und von dort zurück.

 
Steven Wilson – „Perfect Life“

2016 30 Dez

My Top TV Shows (update 2 / 17)

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  1. Mad Men 7
  2. Sons of Anarchy 7
  3. Fargo 2
  4. True Detective 1
  5. Bloodline 2
  6. Breaking Bad 6
  7. Goliath 1
  8. Ray Donovan 3
  9. Stranger Things 1
  10. Better Call Saul 2
  11. Transparent 3
  12. Justified 2
  13. Bosch 1
  14. The Night Manager 1
  15. The Bridge* 4
  16. Master of None 1
  17. Love 1
  18. House  2
  19. Easy 1
  20. Detectorists  2
  21. The OA 1

 

Listed in a moody, flexible and at the same time well-considered order – added with total numbers of seasons received. All episodes seen in the original version optionally with german or english subtitles. Watching this way can be a pleasureable method of improving your language skills. Many of those named series play in California: Transparent, Bosch, Love, Goliath and Ray Donovan play in L.A., Sons of Anarchy is placed in a fictional town called Charming. Breaking Bad and Better Call Saul play in Albuquerque, New Mexico and Bloodline in the Florida Keys. I enjoyed the virtual journeys to that „sun states“. Remaining in the Northern Europe wintertime, it´s a vitamin D support: the special light there and the atmosphere, the vibes …

 

*danish: Broen; swedish: Bron

2016 22 Dez

Der P-Faktor

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„P stands for Paddy, I suppose …“

 
 

… but as well for practise if not for purgatory. Denn Musik ist ein verrücktes Pflaster, man kriegt sie nie zu fassen: dämonisches Gebiet, ewige Durchgangszone. Der Maler hat irgendwann ein fertiges Bild vor sich. Er kann es dann aufhängen, einpacken, verkaufen – es ist ein abgeschlossenes Ding. Musik bleibt fluktuierend. Was meinen Zugang zu Songs betrifft: die Neugier ist wichtig. Von einem Lied für eine Weile affiziert zu sein: es sich einverleiben wollen. Die perfekte Welle nutzen, denn sie währt nur für begrenzte Zeit.

Da habe ich mir etwas eingebrockt, die irischen Wurzeln aufzuarbeiten. Nein, nicht der Grossvater und auch kein Urahne. Und doch, als ich einst nach Irland reiste, die Musik der Moving Hearts, Clannads, Paul Bradys, der Bothy Band und eben auch von Planxty im mentalen Gepäck, da kamen mir die Iren wie die meinen vor. Ich schätzte deren Gesprächigkeit, Gastfreundschaft, die Lust zum Wortemachen. Nun entdecke ich gerade Vieles wieder und der oben präsentierte Song gehörte zu den Lieblingsliedern.

Hilfreich ist Best Practice. Ein Softwaretool, mit dem man den Kammerton A justieren kann, der sich ja im Laufe der Jahre verändert hat. Somit lassen sich ältere Aufnahmen abhören, ohne das Instrument umstimmen zu müssen. Ferner lässt sich die Abspielgeschwindigkeit verändern, die Tonhöhe bleibt dabei konstant. Das ist nicht nur für jene ultraschnellen irischen Jigs hilfreich, denen unsereins ja gewöhnlich hinterherhechelte wie die lahme Ente dem flinken Hasen. Nun legt man sie unter das Elektronenrastermikroskop und schaut sie sich von Nahem an. Auch loops kann man erzeugen zum Einüben ausgewählter Passagen.

„A painter is a painter and he paints it – thats it“, once Joni Mitchell said. Und wer täglich mehr als eine Stunde übe, der sei ein Gitarrist, fügte Robert Fripp hinzu. Nun denn, ich ändere mein Leben: die Kunst zu covern, darin liegt das Glück – Stück für Stück.

 

 
 
 

01 Bon Iver – 22, A Million
02 David Bowie – Blackstar
03 Michael Formanek & Ensemble Kolossus – The Distance
04 Michel Benita & Ethics – River Silver
05 Ben Monder – Amorphae
06 Cuong Vu & Pat Metheny – Cuong Vu Trio Meets Pat Metheny
07 Vijay Iyer & Wadada Leo Smith – A Cosmic Rhythm With Each Stroke
08 Wolfgang Muthspiel – Rising Grace
09 Masabumi Kikuchi – Black Orpheus
10 Jack De Johnette – In Movement
11 Sarah Jarosz – Undercurrent

 
 

Auch in diesem Jahr lag der Fokus eher auf einzelnen Songs, die mein Interesse weckten, als auf ganzen Alben. Und doch waren einige bemerkenswerte dabei: mein grösster Respekt gilt David Bowies Abschiedswerk. Gesangskünstler und Songwriter, die sich selbst offenbaren, erhalten gegenüber Intrumentalisten tendenziell den Vorzug. Das gilt auch für Bon Iver, dessen 22, A Million mir vor allem im Verbund mit den dazugehörigen Videos so gut gefällt. Wolfgang Muthspiel hatte ich eher als gefälligen Schönspieler in Erinnerung, aber nein, Rising Grace ist spannend, zudem klanglich rund und reizvoll. Noch zwei Gitarristen sind bemerkenswert: auf Michael Formaneks Album The Distance setzt Mary Halvorson kleine feine Akzente. Und Eivind Aarsets „Hintergrundgenialität“ verblüffte schon im letzten Jahr auf Andy Sheppards Surrounded by Sea, nun ganz ähnlich auch auf Michel Benitas River Silver. Eine Empfehlung hatte ich im Gedächtnis behalten und so schneiten denn endlich mit dem Frost noch via Download spät das Cuong Vu Trio mitsamt Pat Metheny hinein. Eine positive Überraschung! Und Sarah Jarosz erfüllt nicht nur die Frauenquote hier: von ihr und ihren KollegenInnen (Aoife O´Donovan, Sara Watkins, Chris Thile etc) habe ich sehr schöne Songs entdeckt. Die diesjährige Devise lautete denn auch: Never deny your folk & country roots! Viel Vielversprechendes blieb bislang ungehört, ich hoffe das beizeiten nachzuholen, darunter etwa das Mary Halvorson Octet, das Jakob Bro Trio und die ungarische Konzertgitarristin Zsófia Boros.

2016 29 Nov

Der Song des Tages

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Sting – „Consider Me Gone“ (live)

Simple but good. They all play in time and they swing, da braucht keinem Jazztrainer das Blech wegzufliegen. If anyone – Manafonista or a dear reader – likes to present his song of the day here as well, just sent a link in the commentary, maybe with a short note. But it has to be true, from the bottom of the soul. Dann darf auch Grönemeier hier erscheinen oder Dieter Bohlen … – okay, der jetzt nicht.  –JS

 

2016 21 Nov

Der Blow Up Effekt

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Armour let it through,
borne the arboretic truth
you kept posing

Sat down in the suit,
fixed on up it wasn’t you
by finished closing

Ramble in the roots,
had the marvel, moved the proof
be kneeled fine’s glowing

Storing up the clues,
it had it’s sullen blue
bruised through by showing

Settle past a patience
where wishes and your will
are spilling pictures

Water’s running through
in the valley where we grew
to write this scripture …
 
(Bon Iver, „Minnesota“)

 
 

Es sind nicht immer ganze Alben, oft nur einzelne Songs und hier wiederum kurze Passagen, die besonders zünden. Auf der Kunsthochschule gab es einen Professor, der mich unter seine Fittiche nahm, als ich am Tag der Aufnahmeprüfung nicht in Form war: „Ich sehe da viel Einfluss von Max Ernst in ihrer Mappe – das wird schon werden.“ Er malte gerne kleine Ausschnitte alter Meister in ganz gross, wie ein blow up Effekt. Oft denke ich daran, wenn ich in diesen Tagen besonders prägnante Ausschnitte feiner Songs zu covern trachte. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich die obenstehende Song-Passage in petto habe. Da solcherlei englischsprachige Lyrik zudem zungenbrecherisch ist wie „Fischers Fritze“, böte sich wiedermal eine Fender-Instrumentalversion an. Eh schon terminlich ausgelastet, erhielt mein Detektivbüro heute aber einen vorrangig wichtigen Auftrag: „Finden sie den Jochen Siemer, der die 56 Millionen im Jackpot knackte! Hinweise dazu gibt es in einem Manafonistas-Post von Brian Whistler.“

2016 18 Nov

Zwei Filme

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Whiplash verstört, wühlt auf. Einem sadistischen Musiklehrer mit Charaktermerkmalen eines cholerischen KZ-Aufsehers bei der Arbeit zuzusehen, ist wahrlich kein Vergnügen. Oder war es deshalb keines, weil Humor hier völlig fehlte? Erinnerungen wurden wach an Volker Schlöndorffs Verfilmung von Margaret Atwoods bleischwerem Stoff „Die Geschichte der Dienerin“ (The Handmaid’s Tale), der mir einst sauer aufstiess.

Im Gegensatz dazu geht die Masse geradezu irrwitziger Gewaltszenen, wie sie die Qualitätsserien Fargo, Breaking Bad, Sons of Anarchy oder Justified zeigen, immer auch mit distanzschaffenden Portionen von Humor, Spielwitz und erzählerischer Leichtigkeit einher. Zudem ist die Darstellung subtil psychischer Gewalt, vor allem unter dem Deckmantel der „Erziehungsberechtigung“, oft schwerer zu ertragen wie die körperliche.

Jazzkenner und Musiker, die sich unter dem Sammelbegriff Insider auf höheren Ebenen treffen, mögen ferner einwenden, es sei ja gar kein Jazz, der da gespielt werde. Anyway, die interessante Frage stellt sich stets erneut, welche Merkmale es denn sind, die einen guten Musiker ausmachen. Gerne bemerke ich zuweilen, dass ein Jazzmusiker – vom Format eines Chris Potter beispielsweise – intellektuelle und technische Fertigkeiten besitzt, die denen eines Flugzeugpiloten oder Herzchirurgen in nichts nachstehen.

 

In eben dieser Sphäre von Exzellenz bewegt sich auch der Maler Wolfgang Beltracchi, von dem der Dokumentarfilm Beltracchi – Die Kunst der Fälschung Zeugnis abliefert. Ähnlich wie ihn Breaking Bad erzählt, wäre in diesem Lebenslauf einmal mehr reichhaltiger Serienstoff zu finden, in dem ein intelligenter, überdurchschnittlich Begabter zunächst erfolgreich, aber letztlich scheiternd Grenzüberschreitungen in kriminelle Bereiche wagt.

Delikat wird es, wenn der dann unter Mithilfe seiner Frau ein Max Ernst Gemälde in Frottagetechnik herstellt, es einer kunsthistorischen Koryphäe wie Werner Spies (der Max Ernst Kenner schlechthin) präsentiert und es kurzerhand als unbekanntes Werk des surrealistischen Meisters durchgewinkt wird. Tragisch und komisch, wie Vieles in diesem spannendem und intime Einblicke gestattendem Filmporträt, das Lust auf mehr macht.

2016 10 Nov

Hochfrequenzen

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Gute Musik, Bücher, Filme und TV-Serien, ebenso attraktive LiebhaberInnen, Kunst und Lieblingsplätze, aber auch spannende Spiele oder Fahrradrouten – sie alle haben eines gemeinsam: gerne kehrt man dorthin zurück, ohne dass auch nur ein Funken Langeweile aufkäme. Die Fernsehserie Mad Men beispielsweise, gäbe es nicht so viele andere, die mich lockten, sähe ich beizeiten gerne nochmals. Einige Bücher von Peter Sloterdijk las ich mehrmals und Krishnamurtis Einbruch in die Freiheit, diese antireligiöse neuro-science Fiktion, ist zerfleddert bis zum geht nicht mehr. Als ich nun neulich Rising Grace hörte und bald immer tiefer in einen Strudel wohlklingender Klang-Faszinationen geriet, war mir klar: diesem Album wirst du mehrmals lauschen. Welche fantastisch klingende akustische Gitarre das wohl sei, die Wolfgang Muthspiel dort neben der elektrischen zu Gehör brachte, fragte ich mich. „Rhapsody“ enthielt die Antwort, auch sie auf YouTube mehrfach frequentiert. Man möchte sich mit ECM verbinden lassen und sotto voce fordern: „Termin mit Muthspiel machen zwecks Aufnahme einer Soloplatte nur mit Konzertgitarre!“ Als Appetizer für das aktuelle Album Rising Grace sei noch erwähnt: zum versierten Gitarristen aus der Steiermark gesellen sich noch andere Virtuosen vom Fach. Pianist Brad Mehldau, Bassist Larry Grenadier, Drummer Brian Blade und Trompeter Ambrose Akinmusire garantieren im Zusammenspiel weit mehr als schlichten Wohlklang.


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