Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Wäre ich ein hohe Miete zahlender Rentner in München, würde ich mich schleunigst nach einem Häuschen oder einer Wohnung in Helmbrechts umsehen. Die Preise für Immobilien liegen dort weit unter Münchner Niveau, es schwebt weniger Feinstaub in der Luft, die Landschaft ist unspektakulär schön – das Fichtelgebirge in Sichtweite, zum Frankenwald sind es ein paar Schritte.

Ich würde keineswegs in einer Kleinststadt wohnen, wo nix los ist. Im Gegenteil. Die nicht weit entfernten Städte Hof, Bayreuth, Coburg, Bamberg, auch der Raum Nürnberg/Erlangen dürften kaum das Kulturangebot zu Helmbrechts übertreffen – sieht man davon ab, dass in all diesen Städten Theater- und Opernhäuser, sinfonische Orchester oder gar Festspiele zu Hause sind. Die Kulturwelten Helmbrechts präsentieren nun wieder zwischen September und Januar rund 40 Veranstaltungen von hohem und höchstem Niveau.
 
 
Omer Klein Trio – 07. Oktober 2017
 
 
   extremely brillant
   extremely sophisticated
   extremely entertaining
 
 
BEOGA – 11. Oktober 2017
 

BEOGA kannte ich nicht als ich die Tickets kaufte. Angekündigt als ‘Irish Folk’, als eine Band, die schon zusammen mit Ed Sheeran aufgetreten ist, ging ich auf den Vorschlag meines Mädels ein, die jenen Ed Sheeran kannte (ich jedoch genausowenig wie BEOGA).

Irish Folk mag ich schon, vor allem Planxty. Ich höre solche Musik aber selten und hatte noch nie ein derartiges Konzert besucht. Im Jahre 1971 war ich mit dem Fahrrad in Éire unterwegs. Das hat mich bewogen, Irish Folk näher kennenzulernen nach den urigen Eindrücken in entlegenen Dorf-Pubs. Von den Fotos dieser Reise sind nur wenige erhalten. Dieses mag ich besonders gern.
 
 
 

 
 
 

Ich war gespannt – und dann hingerissen wie im letzten Jahr bei Friend ’n Fellow. Die Rahmentrommel Bodhrán kannte ich nur vom Hören, von Aufnahmen des fantastischen Perkussionisten Glen Velez. Jetzt kenne ich sie vom Hören & Sehen. Beim Spiel von Mr. Eamon Murray kann einem Hören & Sehen vergehen.
 

Gewiß hängt swing mit dem afrikanischen Rhythmusgefühl zusammen. Aber trotzdem – Marshall W. Stearns hat darauf hingewiesen – gibt es in Afrika keinen swing. Swing entstand, wo das afrikanische Rhythmusgefühl auf das gleichmäßige Takt-Metrum der europäischen Musik ‘angewandt’ wurde.

(J.E. Berendt, Das Jazzbuch, Frankfurt/Main 1968, Seite 144)

 

Jetzt aber weiß ich, wo der rhythmische swing des Jazz seinen Ursprung hat: bei den Irish Jigs mit ihren treibenden 6/8- bzw. 9/8-Rhythmen – sicher eine musikwissenschaftlich unhaltbare Theorie, aber seit 2 Tagen meine Wahrheit. Ich bin überzeugt, dass der Fiddler Solomon Northup (Twelve Years a Slave) schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Jigs & Reels im Repertoire hatte.
 
BEOGA
 
   extremely brillant
   extremely funny
   extremely entertaining
 
Ach ja, da war auch die schöne Niamh Dunne, die mit betörender Stimme die herrlichen Old and New Irish Melodies sang und blitzsauber auf der Violine fiddelte.
 
   extremely beguiling …

 

Es gibt nicht wenige Beiträge von Uli, die sind – wie sag ich’s nur möglichst treffend? – interessant. Interesse bedeutet ja dabei sein, und The world’s ugliest music ist eines von Ulis Fundstücken, das mich noch nicht losgelassen hat, ich werde noch lange dabei sein. Wie in einer Matrjoschka sind viele reizvolle Anregungen, Fragen und Assoziationen darin verborgen, die sich nach und nach enthüllen. Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es um Costas-Arrays, wohl eine knifflige Sache. Die akustisch sinnliche Präsentation eines erkennbare Wiederholung vermeidenden Arrays am Klavier, verbunden mit dem Nachdenken über das Schöne und Hässliche macht die Talkshow wirklich, ähm, interessant.

Heute ist Thelonious Monks Geburtstag. Das 100-jährige Schlitzohr hat eine wunderbar paradoxe Antwort auf diese Frage erfunden.

 

Thelonious Monk, Ugly Beauty

 

Claudio Monteverdi wurde am 15. Mai getauft, ein Datum, das zu merken mir leicht fällt. Im Jahr 1567 war das. Sein Geburtsdatum ist unbekannt. In diesem Jahr gedenkt man des 450. Tauftages dieses Komponisten. Es ist noch keine 100 Jahre her, dass man sich an diesen Großen der abendländischen Musik erinnert und seine Musik auch wieder aufführt. Carl Orff bearbeitete um 1923 Monteverdis Favola in Musica L’Orfeo. Nur wenige mehr machten sich ebenfalls verdient um Monteverdi. Erst mit Nikolaus Harnoncourts Schallplattenaufnahme des L’Orfeo aus dem Jahr 1969 begann die wahre Renaissance des Claudio Monteverdi.

 

Monteverdi und Jazz? Jazz vor 400 Jahren? It don’t mean a thing (if it ain’t got that swing). Also durchgefallen (schon deswegen). Musikalische Gegenfrage:

 

 

Ist das Jazz? Ist das Klaviermusik des 20. Jahrhunderts in freier Atonalität? Ist das auskomponierte oder spontan improvisierte Musik? Letzteres müsste man wissen, denn man hört es der Musik nicht an. Jazz & Improvisation gelten als untrennbar. Im Großen und Ganzen stimmt das, wobei verschiedene Methoden des Improvisierens erkannt werden können: die freie Fantasie ohne Vorlage (Jarretts Solokonzerte), das Orientieren an einer Akkordfolge (Blues-Schema, Rhythm Changes, Harmonien eines Songs), in der Frühzeit des Jazz das Ausschmücken und Verzieren der Melodie.

 

I was embellishing around the melody. At that time (Anm.: vor 1920) I wouldn’t have known what they meant by improvisation. But embellishment was a phrase I understood.

Buster Bailey (1902-1967)

 

Zu Monteverdis Zeiten pflegten die Sänger diese Form der improvisierten Variation, ja man erwartete, dass sie diese als Diminution bezeichnete Technik vollendet beherrschten. Besucht man in unseren Zeiten Konzerte mit Sinfonischer Musik, mit Kammermusik oder Klavierabende, wo vorwiegend Werke der Klassik, Romantik und der gemäßigten Moderne aufgeführt werden, gewinnt man den Eindruck, dass Klassische Musik und Improvisation nicht zusammen gehören. Abgesehen vom singulären Fall der Pianistin Gabriela Montero scheint Improvisation im Konzertleben, das am klassisch-romantischen Repertoire ausgerichtet ist, ausgestorben zu sein. Wagt es ein Künstler, aus diesem Werkkanon auszubrechen, muss mit einem Eklat gerechnet werden.

Man darf jedoch nicht vergessen, dass Bach, Mozart, Beethoven großartige Improvisatoren waren, nicht die einzigen in ihrer Zeit. Im Solokonzert (für ein Soloinstrument und Orchester) gab es in der sog. Kadenz für den Solisten die Möglichkeit, neben seiner Virtuosität auch die Fähigkeit über das thematische Material des Satzes zu fantasieren, vorzuführen. Doch schon Beethoven schränkt ab seinem 4. Klavierkonzert diesen Freiraum ein.

Wie kann man Monteverdi und den Jazz näher zusammen rücken? Dem Madrigal Zefiro torna aus der Sammlung Scherzi Musicali liegt ein ostinater Bass zugrunde, die Ciaccona. Es gibt zahlreiche solcher Bassformeln in jener Zeit. Sie heißen Passamezzo, Romanesca oder Folia. Letztere ist hochberühmt und wurde von Vangelis in der Filmmusik zu Conquest Of Paradise aufgegriffen. Diese ostinaten Bässe entstammen vielfach der volkstümlichen Tanzmusik jener Zeit und sind die Grundlage für Improvisationen in einer schriftlosen Musizierpraxis.

Im folgenden ist eine Introduction zu Monteverdis Zefiro torna zu hören, die nicht im Notentext steht, sondern vom ausführenden Ensemble als (vermutlich vorbereitete) Improvisation gestaltet ist.

 

 

Von Gianluigi Trovesi erschien 2007 bei ECM das wunderbare Album Vaghissimo Ritratto, auf dem unter anderem auch Werke aus der Renaissance in „sehr vagen Bildnissen“ dargeboten werden. Und hier improvisiert der italienische Jazzmusiker über ebendiese Ciaccona. Das Beispiel ist einem anderen Album entnommen.

 

 

Improvisieren über einer ostinaten Formel könnte ein Grundprinzip vielerlei irdischen Musizierens sein.

 

 
 
 

       

 
 
 

Im April 2017 erschien bei ACT Music Monteverdi in the Spirit of Jazz, ein Album, das mehrere Tracks von Richie Beirachs bereits 2003 veröffentlichem Album Round About Monteverdi enthält.

Am 30. Juli morgens um 7:20 Uhr startet die Maschine von Keflavík nach München. Kurz vor Mitternacht ins Zelt kriechen, um gegen 2 Uhr morgens wieder aufzustehen, packen, mit dem Flybus um 4 Uhr von Reykjavík zum Flughafen fahren, wäre ein schnöder Abgang aus Ísland. Also lieber durchmachen. Philip kennt sich gut aus in der isländischen Musikszene, besucht seit Jahren das Airwaves Festival und vor seiner Trekking-Tour diesen Jahres im Juli war er beim Metal Festival Eistnaflug in Neskaupstaður. Mit Freunden schreibt er an einem Blog über isländische Musik. Da entgeht ihm zwar manches, aber nicht, wer am Vorabend des Heimflugs im Hard Rock Café in der Lækjargata auftritt.

 
 
 

 
 
 
Josef Bulva sagt:
 

Jedes Urteil, jede Meinung ist nur so gut wie das Wissen über diesen Gegenstand. Das ist ein Axiom, dem man nicht entrinnen kann. Musik ist dazu da, bei den Menschen bestimmte Emotionen zu wecken und deren Reflexion. Es ist ihr gutes Recht, wenn Menschen, die in der Musik illiterat sind, Wagner als bedrohenden Krach empfinden. Für mich dagegen ist Discomusik störend. Jeder muss das Recht haben, seine Musik zu genießen. Der Spruch, es gäbe nur zwei Arten von Musik, gute und schlechte, ist Unfug. Mein großes Hobby ist die Astrophysik, und überall lesen Sie heute Horoskope – etwas Dümmeres können Sie kaum finden, vielleicht Religion, das ist dasselbe. Aber wenn jemand liest, heute wird alles gut laufen, und es hilft ihm durch den Tag, dann ist doch alles gut – auch wenn das aus unserer Sicht etwas naiv ist.

 

Ísland ist teuer, ein Stück Torte im Restaurant am Gullfoss kostet um die 10 € – so wurde mir kolportiert. Der Eintrittspreis im Hard Rock Café ist in Ordnung, Pepsi Cola mit Eis kann man nachfüllen lassen. Der Himmel im geräumigen Souterrain: Flying Cymbals.

 
 
 

 
 
 

Im düster bunten Ambiente sind edle Gitarren hinter Glas ausgestellt, über mehrere Screens wird Mainstream Rock verteilt, für mich so flach wie die Bildschirme. Es ist mein gutes Recht, Bon Jovi als öde zu empfinden. Ich kenne fast keine isländische A-bis-Z-Musik und bin gespannt. Es dauert bis 22 Uhr, dann beginnt One Week Wonder, 2 Keyboarder, einer der beiden ist lead vocalist mit schöner vibratolos-cooler Stimme, eine Vokalistin, ein Gitarrist mit jazz feeling und drums – ich genieße die lässig groovenden, in Moll verliebten Songs, ihre frischen Melodien und ausgesuchten Harmonien. Gutes muss nicht berühmt und Berühmtes nicht gut sein.

Es gibt viele Bands in Ísland, wo nur wenig mehr als 340.000 Menschen leben. Kein Wunder, dass dann alle Musiker von One Week Wonder, in Teitur Magnússons Band weiterspielen, ausgelassen, witzig. Zum Schluss ein feines Solo des Gitarristen.

 
Josef Bulva hat noch mehr zu sagen:
 

Problematisch wird es, wenn man etwas professionell macht: Die ‚Mondscheinsonate‘ hat ihren Namen 27 Jahre nach Beethovens Tod erhalten, aber, da nehme ich die Naiven in Schutz, er passt, und man kann sich, wenn man die Musik als Berieselung nimmt, sehr gut in eine Mondscheinstimmung träumen. Wenn es aber ein Profimusiker so spielt, ist es eine Sünde – eine Todsünde. Der erste Satz ist eine große dreistimmige Invention, das war eine Provokation gegen die Sonatenform. Beethoven ersetzt das eröffnende Allegro durch einen erweiterten langsamen Satz – genial. Und das ist so aufgebaut, dass es wie ein Motor durchlaufen muss, nur dann spüren Sie die Spannung.

2017 2 Aug

beyond the heat

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65.162 N       16.207 W         64.695 N       17.930 W         65.165 N       16.205 W
 
 

 

 
 
 

Orwell went travelling to Marrakesh. „As the corpse went past the flies left the restaurant table in a cloud and rushed after it, but they came back a few minutes later.“

For a modern-day Orwell travelling to Iceland, what would the equivalent be? There are generally no corpses in the streets, and since the locals are more hygienic than they used to be, the flies are unlikely to follow them as they would walk past. In any case, a local person walking past is not a common occurrence. Reykjavík is mostly populated by tourists.

There is a North African connection to the Icelandic tourist boom. In 2010 Eyjafjallajökull exploded and left international travelers stranded. We had managed to draw attention to ourselves. But tourism in Iceland started taking off when the Arab Spring swept across North Africa in 2011, making travel to the region unsafe. Iceland is about the same distance from many European airports as is northern Africa and like northern Africa it is sufficiently different from much of Europe to make it feel exotic. Iceland makes you feel like you have reached the outer edges of the civilized world. You can sense danger lurking underneath the surface and that’s what makes it exciting. One wrong turn while hiking as the weather changes for the worse, and your life is in peril. If there weren’t the volunteer rescue squads around the country we would lose many more tourists than we do. Not a week goes by without someone being rescued from a tight spot.

The number of tourists in Iceland has increased in a rapid rate over the last few years. In 2010 we had 488.000 visitors. The year 2016 we are expecting 2 million people. This is not a high number as such, but the increase is sudden, and it has important implications, both economic and social.

 

Excerpt from „Dystopian Vision“
written by Halldór Lárusson, published in ICELAND REVIEW 04.16
Halldór Lárusson is an entrepreneur, He has degrees in
Economics, Philosophy and History of Science

2017 15 Jun

μουσική

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in der griechischen Antike eine Einheit von Poesie, Melos, Rhythmus, Tanz, so wie hier
 
dazu kann ich nichts sagen, es spricht für sich.
 

Mars Is No Fun
 

You can’t go to the beach
not enough water
you can’t open the window
there’s no air outside the bungalow
they didn’t mention it
on the brochure
got trapped here when I moved
five years ago
 
Mars is no fun
 
they said „Everything is pure out there
you’ll be the first human
beings to show the world
there‘ s life outside of Earth“
but the Greens don’t like us
they want us to leave the place
will you get my postcard
before Christmas?
 
Mars is no fun
 
I want to go back on Earth
and live with you
in our social housing
and wander all afternoon
in the shopping mall
of Milton Keynes
 
Mars is no fun
 
you can’t really move here
the law of gravity
is much much stronger
it’s like a tragedy
you’re grounded on the ground
if you kiss it’s forever
and if you do it on a bed … do you get the picture?
 
Mars is no fun

 
vor Jahren hörte ich diesen Song im Autoradio, zufällig
 
nur deswegen kommt Camille hier vorbei
 
vor wenigen Tagen ist ihr neues Album erschienen

2017 20 Mrz

Was??

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1

Vorgestern habe ich – wie Ian auch – Brian Enos Reflection wiedergehört. Es ist ein wunderbares Stück, das ich am liebsten hören würde in einem lichtlosen Raum, wo die Klangfarben aus allen Richtungen tönen, voll frischer kühler Luft, an einem See aus Klang.
 
2

Für Reflection würde ich in unseren Zeiten nicht meilenweit gehen. Vor 50 Jahren hätte ich es getan. Da wäre es ein unerhörtes, nahezu innovatives Stück gewesen.
 
3

Reflection habe ich gehört im Anschluss an eine LP, für die ich vor fast 50 Jahren – um im Bild zu bleiben – meilenweit gegangen bin. Ich habe sie wohl im Radio gehört und mich auf die Suche begeben.
 
 
 

 
 
 
FOLKE RABE, Was??
 
Musik ohne Rhythmus, ohne Melodie und Harmonik
Klang, nur allmählich changierend
wie Reflection ein Member von Game Of Drones
schon 1967 entstanden
 

Folke Rabe (*1935):
 
Bereits vor vielen Jahren begann ich mich für die Zusammensetzung verschiedener Schallphänomene zu interessieren. Die physikalischen Grundvoraussetzungen waren mir bekannt; doch ich wollte die Bestandteile des Schalls mit meinem Gehör erleben. Ich versuchte, in die verschiedenen Klänge hineinzuhören, um die Komponenten zu erfassen, aus denen sie zusammengesetzt waren. Ich erlebte, wie die Obertöne in einem Klavierton sich langsam verändern, indem sie verklingen. Ich versuchte auch, soweit dies möglich war, die komplizierten Abläufe herauszuhören, die bei der Entstehung eines Schalles vorkommen. Gleichzeitig mit diesem Horchen beschäftigte ich mich mit Monotonie.

[…]

In den abendländischen Kompositionen sind Intervalle, Rhythmen, Klangfarben, soweit sie sich der Notenschrift entzogen, zu untergeordneten Teilen einer philosophischen oder zumindest einer motivisch-formalen Idee geworden. Die klingende Tatsache an sich ist mehr in den Hintergrund getreten, und das Abendland hat in ethno-zentrischer Selbstvergötzung die Überlegenheit seiner kulturellen Tradition statuiert (sei es bei Beethoven oder bei Coca-Cola).
Doch es gibt in der Welt viele musikalische Bereiche, in denen das Qualitative aus dem direkten Klang wächst. In solcher Musik wird man Formenelemente im westlichen Sinne vergebens suchen und deshalb diese Musik als primitiv, sinnlos oder gar provokant empfinden. In Wahrheit aber handelt es sich um zwei verschiedene Möglichkeiten einer musikalischen Gestaltung.

(aus dem Beiheft zu WERGO 60047)

 
4

Zurück zu Ians Artikel über Olivier Alarys eindrucksvolles Album Fiction / Non-Fiction
brandneu
Alary und Rabe, offenbar Geistesverwandte

For me the texture of sound is as evocative as a strong melody or harmonic progression. I also love to blur the boundaries between the geography of instruments and music genre.

(Alary, zitiert nach Fatcat Records Ltd)

5

Nach Brian Eno, Folke Rabe und Olivier Alary muss man in diesen Tagen nicht mehr meilenweit gehen. Sie sind nur wenige mouse clicks entfernt bei Streaming Portalen anzutreffen. Folke Rabe auf Vinyl ist eine nicht ganz billige Rarität.
 

2017 26 Feb

Interessant zu wissen

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Mit diesen 3 Wörtern macht Jan bei gesichtsbuch aufmerksam auf einen Artikel in der NZZ.
 
Die Klassik wird politisch. Ist das gut?
 
Manafonistas wird politisch. Ist das gut?
 

literature
fine arts
music
film
life

 

Da haben wir’s: Manafonistas war nie unpolitisch. Hier wird nur selten explizit darüber geschrieben. Gut so.
 
Vor kurzem hat Lajla Bachtin mitgebracht. Bachtin?
 

In MEYERS TASCHENLEXIKON aus dem Jahr 1992 finde ich ihn nicht. Er müsste zwischen Bachtiar und Bächtold-Stäubli stehen. Wikipedia hilft weiter. Der Fährte folgend sammle ich ein:

In den 1920er Jahren gehörte Bachtin zu einem Leningrader Zirkel
von Literaturtheoretikern.

Bachtins Werke dieser Zeit wurden zum großen Teil erst seit den
1960er Jahren veröffentlicht.

Dazu gehörten sein Formalismus-Essay
‚Das Problem von Inhalt, Material und Form im Wortkunstschaffen‘

Ende 1929 wurde Bachtin von Stalin nach Kasachstan verbannt.

Als Russischer Formalismus wird eine literaturtheoretische Schule
bezeichnet, die etwa um 1915 entstand, aber bereits 1930 aus
ideologischen Gründen unterbunden wurde.

Die sowjetische Doktrin des Sozialistischen Realismus beendete
den ideologisch nicht konformen Russischen Formalismus Anfang
der 1930er-Jahre.

 

Sozialistischer Realismus – nun bin ich angekommen bei einem Thema, mit dem ich mich einmal intensiv beschäftigt habe, Musik & Politik.

Schostakowitsch
Lady Mcbeth von Mzensk
1948
Solomon Volkov, Die Memoiren des Dmitri Schostakowitsch

 

Und wenn ich schon bei Russland bin, dann möchte ich auf einen Artikel in der SZ vom 23. Februar 2017 hinweisen, der hier online gestellt ist. Moment mal! Was da zu lesen ist kenne ich doch schon seit dem 7. Februar 2017:
 
 
Video
 

 
 

 
 


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