Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Autoren-Archiv:

2017 15 Jun

μουσική

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

in der griechischen Antike eine Einheit von Poesie, Melos, Rhythmus, Tanz, so wie hier
 
dazu kann ich nichts sagen, es spricht für sich.
 

Mars Is No Fun
 

You can’t go to the beach
not enough water
you can’t open the window
there’s no air outside the bungalow
they didn’t mention it
on the brochure
got trapped here when I moved
five years ago
 
Mars is no fun
 
they said „Everything is pure out there
you’ll be the first human
beings to show the world
there‘ s life outside of Earth“
but the Greens don’t like us
they want us to leave the place
will you get my postcard
before Christmas?
 
Mars is no fun
 
I want to go back on Earth
and live with you
in our social housing
and wander all afternoon
in the shopping mall
of Milton Keynes
 
Mars is no fun
 
you can’t really move here
the law of gravity
is much much stronger
it’s like a tragedy
you’re grounded on the ground
if you kiss it’s forever
and if you do it on a bed … do you get the picture?
 
Mars is no fun

 
vor Jahren hörte ich diesen Song im Autoradio, zufällig
 
nur deswegen kommt Camille hier vorbei
 
vor wenigen Tagen ist ihr neues Album erschienen

2017 20 Mrz

Was??

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

1

Vorgestern habe ich – wie Ian auch – Brian Enos Reflection wiedergehört. Es ist ein wunderbares Stück, das ich am liebsten hören würde in einem lichtlosen Raum, wo die Klangfarben aus allen Richtungen tönen, voll frischer kühler Luft, an einem See aus Klang.
 
2

Für Reflection würde ich in unseren Zeiten nicht meilenweit gehen. Vor 50 Jahren hätte ich es getan. Da wäre es ein unerhörtes, nahezu innovatives Stück gewesen.
 
3

Reflection habe ich gehört im Anschluss an eine LP, für die ich vor fast 50 Jahren – um im Bild zu bleiben – meilenweit gegangen bin. Ich habe sie wohl im Radio gehört und mich auf die Suche begeben.
 
 
 

 
 
 
FOLKE RABE, Was??
 
Musik ohne Rhythmus, ohne Melodie und Harmonik
Klang, nur allmählich changierend
wie Reflection ein Member von Game Of Drones
schon 1967 entstanden
 

Folke Rabe (*1935):
 
Bereits vor vielen Jahren begann ich mich für die Zusammensetzung verschiedener Schallphänomene zu interessieren. Die physikalischen Grundvoraussetzungen waren mir bekannt; doch ich wollte die Bestandteile des Schalls mit meinem Gehör erleben. Ich versuchte, in die verschiedenen Klänge hineinzuhören, um die Komponenten zu erfassen, aus denen sie zusammengesetzt waren. Ich erlebte, wie die Obertöne in einem Klavierton sich langsam verändern, indem sie verklingen. Ich versuchte auch, soweit dies möglich war, die komplizierten Abläufe herauszuhören, die bei der Entstehung eines Schalles vorkommen. Gleichzeitig mit diesem Horchen beschäftigte ich mich mit Monotonie.

[…]

In den abendländischen Kompositionen sind Intervalle, Rhythmen, Klangfarben, soweit sie sich der Notenschrift entzogen, zu untergeordneten Teilen einer philosophischen oder zumindest einer motivisch-formalen Idee geworden. Die klingende Tatsache an sich ist mehr in den Hintergrund getreten, und das Abendland hat in ethno-zentrischer Selbstvergötzung die Überlegenheit seiner kulturellen Tradition statuiert (sei es bei Beethoven oder bei Coca-Cola).
Doch es gibt in der Welt viele musikalische Bereiche, in denen das Qualitative aus dem direkten Klang wächst. In solcher Musik wird man Formenelemente im westlichen Sinne vergebens suchen und deshalb diese Musik als primitiv, sinnlos oder gar provokant empfinden. In Wahrheit aber handelt es sich um zwei verschiedene Möglichkeiten einer musikalischen Gestaltung.

(aus dem Beiheft zu WERGO 60047)

 
4

Zurück zu Ians Artikel über Olivier Alarys eindrucksvolles Album Fiction / Non-Fiction
brandneu
Alary und Rabe, offenbar Geistesverwandte

For me the texture of sound is as evocative as a strong melody or harmonic progression. I also love to blur the boundaries between the geography of instruments and music genre.

(Alary, zitiert nach Fatcat Records Ltd)

5

Nach Brian Eno, Folke Rabe und Olivier Alary muss man in diesen Tagen nicht mehr meilenweit gehen. Sie sind nur wenige mouse clicks entfernt bei Streaming Portalen anzutreffen. Folke Rabe auf Vinyl ist eine nicht ganz billige Rarität.
 

2017 26 Feb

Interessant zu wissen

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

Mit diesen 3 Wörtern macht Jan bei gesichtsbuch aufmerksam auf einen Artikel in der NZZ.
 
Die Klassik wird politisch. Ist das gut?
 
Manafonistas wird politisch. Ist das gut?
 

literature
fine arts
music
film
life

 

Da haben wir’s: Manafonistas war nie unpolitisch. Hier wird nur selten explizit darüber geschrieben. Gut so.
 
Vor kurzem hat Lajla Bachtin mitgebracht. Bachtin?
 

In MEYERS TASCHENLEXIKON aus dem Jahr 1992 finde ich ihn nicht. Er müsste zwischen Bachtiar und Bächtold-Stäubli stehen. Wikipedia hilft weiter. Der Fährte folgend sammle ich ein:

In den 1920er Jahren gehörte Bachtin zu einem Leningrader Zirkel
von Literaturtheoretikern.

Bachtins Werke dieser Zeit wurden zum großen Teil erst seit den
1960er Jahren veröffentlicht.

Dazu gehörten sein Formalismus-Essay
‚Das Problem von Inhalt, Material und Form im Wortkunstschaffen‘

Ende 1929 wurde Bachtin von Stalin nach Kasachstan verbannt.

Als Russischer Formalismus wird eine literaturtheoretische Schule
bezeichnet, die etwa um 1915 entstand, aber bereits 1930 aus
ideologischen Gründen unterbunden wurde.

Die sowjetische Doktrin des Sozialistischen Realismus beendete
den ideologisch nicht konformen Russischen Formalismus Anfang
der 1930er-Jahre.

 

Sozialistischer Realismus – nun bin ich angekommen bei einem Thema, mit dem ich mich einmal intensiv beschäftigt habe, Musik & Politik.

Schostakowitsch
Lady Mcbeth von Mzensk
1948
Solomon Volkov, Die Memoiren des Dmitri Schostakowitsch

 

Und wenn ich schon bei Russland bin, dann möchte ich auf einen Artikel in der SZ vom 23. Februar 2017 hinweisen, der hier online gestellt ist. Moment mal! Was da zu lesen ist kenne ich doch schon seit dem 7. Februar 2017:
 
 
Video
 

 
 

 
 

Wenn ich ins Filmtheater gehe, suche ich einen Platz in der Mitte des Raumes. Meistens habe ich dann freie Sicht auf die Leinwand, sie erscheint so groß, dass man nicht alles gleichermaßen im Blick hat, die Augen können und müssen im Bild wandern und seit Jahren kommt der Schall nicht nur von vorne, sondern von allen Seiten. Ich bin ja froh, dass die meisten Besucher andere Gründe für ihre Platzwahl haben.

Bei vielen Filmen, die ich im Kino anschaue, verlasse ich als letzter den Saal, so etwa bei Wiplash oder The Revenant. Schuld daran ist die Filmmusik. Die Namen der vielen Mitarbeiter ziehen vorbei ohne dass ich mich bemühe, sie mir zu merken. Aber es passiert hin und wieder, dass ein Name aufhorchen lässt – wenn ich das so sagen darf.

 
 
 

 
 
 

Heute wird Philip Glass 80 Jahre alt. Deshalb habe ich vor einigen Stunden Koyaanisqatsi wieder gesehen, am Bildschirm. Der Film verdankt seinen andauernden Ruhm nicht nur, aber auch der Musik von Philip Glass. Andererseits hat in den frühen 80er Jahren gerade dieser Film die Popularität des Komponisten Glass außerhalb des Kreises der Minimal Music Kenner beträchtlich gesteigert.

In den letzten 35 Jahren hätte ich auf die Frage nach Godfrey Reggio passen müssen. Dass Walter Bachauer als Music Consultant und als Dramaturg Anteil nahm, weiß ich erst seit der Lektüre eines Essays von Walter Bachauer, erschienen in

 
MusikTexte – Zeitschrift für Neue Musik Heft 3, Februar 1984

Verlag MusikTexte Köln

Postfach 190155, 50498 Köln

 

Dieser „Filmreport“ dürfte nur für jene von Interesse sein, die den Film Koyaanisqatsi schätzen und gelegentlich wiedersehen. Ich darf ihn mit freundlicher Genehmigung von Gisela Gronemeyer (Verlag MusikTexte) hier vorstellen. Wegen seiner Länge erscheint er in der Kommentar-Rubrik.

 
hier weiterlesen

Dieses alte vergilbte Adress-Register ist mir vor wenigen Tagen in die Hände gefallen. Dass es noch vorhanden ist, hätte ich nicht gedacht. Freilich habe ich darin geblättert und unter den vielen, längst nicht mehr passenden Adressen und Telefon-Nummern, einige gefunden, die – wenigstens mir – eine kleine Geschichte erzählen. Ich klappe auf bei Buchstabe E.

 
 
 

 
 
 

Darin steht die immer noch aktuelle Telefon-Nummer des Café Einstein, darunter die private Nummer von Walter Bachauer. Hm, ich war ganz selten in Berlin, im Café Einstein nur ein einziges Mal. In Kronach kannte man das Café Helbig, aber das Berliner Café Einstein doch nicht! Ich wusste von seiner Existenz aus Bachauers RIAS-Sendungen Musicarium und Avantgardemagazin. Ja, ich erinnere mich, ich muss im Einstein wohl nach Bachauer gefragt haben. Man hat meine Adresse notiert und mir über viele Jahre das Kultur-Programm des Caféhauses zugesandt.

 
 
 

 
 
 

Der Name des Hauses hat weder etwas mit dem Physiker Albert Einstein noch mit dem Berliner Schriftsteller Carl Einstein zu tun. Er wurde gewählt in Anlehnung an Philip Glass’ Oper Einstein on the Beach. Das habe ich in einem Buch über die Geschichte des Kaffeehauses gefunden (Autorin Kirstin Buchinger). Zudem habe ich die Tage Internet-Suchportale befragt. Bei Focus Online wurde ich fündig.

 

So richtig alt ist das Café Einstein in Berlin gar nicht. Aber wer die Villa aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts betritt, wird sofort in die Ära der großen Kaffeehäuser in Wien versetzt. Eine Zeit, als Künstler und Intellektuelle in Cafés heiß die neuesten Nachrichten diskutierten und man ungestört ganze Tage dort verbringen konnte – wohlgemerkt ohne den Druck, ständig ein neues Heißgetränk bestellen zu müssen.

Dabei ist das Einstein eher das Zufallsprodukt eines Spaziergangs. Die Legende geht so: Das Ehepaar Ursula und Walter Bachauer aus Graz spazierte in den 70er-Jahren die Kurfürstenstraße entlang und verliebte sich in die verwahrloste Villa, dem einstigen Haus des Stummfilmstars Henny Porten. Der letzte Besitzer dieser Residenz war ein jüdischer Bankier gewesen, der sich angesichts der drohenden Enteignung umbrachte. Und weil das geteilte Berlin keine guten Cafés besaß, kaufte das Paar zusammen mit einem dritten Österreicher das Haus, renovierte es liebevoll und eröffnete ein Kaffeehaus. Stilecht mit lederbezogenen Bänken, Thonet-Stühlen, Marmortischchen auf gusseisernen Dreifüßen und einer langen Theke wurden die hohen, lichten Räume ausgestattet.

 

Leider habe ich keine der Veranstaltungen im Café Einstein besucht. O ja, da gab es viel zu versäumen, etwa Terry Riley. Ein paar RIAS-Mitschnitte sind mir geblieben …

 
 
Terry Riley, Live im Café Einstein

2017 16 Jan

Winter is Icumen in

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

 
 

 
 

2017 14 Jan

semplice

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 3 Kommentare

2017 8 Jan

50.2273,11.5483

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 5 Kommentare

 
 
        

 

        
 
 

 

 
 
 

Storytelling Time

 

In den letzten Tagen sind viele Geschichten hier veröffentlicht worden. Ich möchte eine hinzufügen, eine von Walter Bachauer. Sie ist im Katalog des Metamusik-Festivals Berlin, 1974 & 1976 zu finden. Eine Suche im iNet nach dieser Story würde bis dato jedoch erfolglos bleiben. Man muss schon den gründlich vergriffenen Katalog im Bücherschrank stehen haben. Im Jahr 1976 war das Hauptmotiv des Festivals die musikalische Kraft, die auf der Kehrseite des Meditativen wirkt, der geschlagene Rhythmus, die Percussion. Im Rahmen dieses Programms ist das Ghana Dance Ensemble aufgetreten.

 

In der Londoner Ghana-Botschaft beantrage ich vergeblich ein Visum. In meinem Paß steht „Journalist“. Ein dicklicher Beamter gibt mir zu verstehen, daß „solche Leute“ nur mit Genehmigung der Regierung nach Accra reisen dürfen. Das dauere üblicherweise drei Monate. Ich fliege dennoch anderntags nach Afrika. Die Ghana-Botschaft im senegalesischen Dakar weiß nichts von der Sonderstellung „solcher Leute“ und stempelt das Visum ein. Aber Ghana erweist sich als Dickicht für einen, der Musik auf den Dörfern sucht. Ich fliege zu einem Festival in die nördliche Provinzhauptstadt Kumasi und fahre mit dem Rover die Küste ab. Fröhliche, sicherlich unverfälschte Musik überall – aber: jeder Marktflecken in diesem Land ist stolz auf „seinen“ Rhythmus, „seine“ Lieder. Die lokalen Gruppen sind stets nur einer musikalischen Gattung Untertan, einem besonderen Set von Instrumenten. Ihre Leittrommeln sprechen die Phoneme der Ewe oder Ga oder Ashanti, ja die Vielheit der Sprachen in diesem kolonial-synthetischen Staat fächert die Musik in tausend eifersüchtig gehütete Facetten. Gemeinsam ist ihnen nur die Definition des musikalischen Inhalts nicht durch Melodien, sondern Rhythmen. Hebungen und Senkungen der percussionistischen Poesie sind identisch mit Hoheitsemblemen von kleinen und großen Potentaten. Ein abendfüllendes Programm, das europäischen Ohren auch nur Bruchteile solcher Fülle zeigen will, müßte ein Dutzend Gruppen zu einem sicherlich schauderhaften Musikzirkus summieren. Die Sache scheint äußerst verfahren und der Aufwand all der Touren durch aufgeweichte Waldtracks und armselige Wellblechsiedlungen umsonst.
Wieder in Accra suche ich die Diskussion über einen Ausweg mit dem renommiertesten Musicologen Afrikas, Kwame Nketia, graue Eminenz des ‚Institute for African Studies‘ an der Universität Legon. Schon bei der Einfahrtskontrolle zum weitläufigen Legon-Campus höre ich Trommeln. Der Wind trägt ihren Klang weither. Es sind Dondos, uhrglasförmige Haussa-Instrumente, deren Tonhöhen sich mit dem Druck der Oberarmmuskel modulieren lassen. Ein charakteristischer Sound, ganz ungewöhnlich für die Region hier im Süden. Ich vergesse Nketia und gehe der Musik nach. Neben den Wegen aus ziegelrotem Lehm, zwischen weit verstreuten niedrigen Gebäuden, blühen Bäume in jeder Schattierung von Orange. Die Haussa-Trommeln spielen in einem Barackenhof: Nketias Institut. Doch der Professor ist nicht da. Seine Studenten, die mir wie eine Compagnie ausgewählter Gestalten aus allen Regionen Ghanas erscheinen, machen sich offenbar einen freien Nachmittag mit Musik und Tanz. Doch der joviale Musikmeister Opoku klärt mich auf: dies sei Unterricht. „Wir sind keine wissenschaftlichen Buchhalter, die Musik aus dem Volk in irrelevante Notenbilder transkribieren, wie ihr das in Europa macht. Wir sind ein Ensemble, in dem die Musik weiter ‚leben‘ wird. Wissenschaft auf ghanesisch ist Praxis. Diese Studenten spielen nicht nur die wichtigsten musikalischen Genres unseres Staates, sondern halb Westafrikas, meist sogar besser als die Dorfmusiker, von denen sie lernen.“
Das „Ghana Dance Ensemble“ ist schon auf dem Weg nach Frankfurt, da erreicht uns ein Telex vom Flughafen Kairo, wo ein Stop für die Nacht vorgesehen ist. „Ghana Dance Ensemble wegen unzüchtiger Kleidung auf dem Gelände des Flughafens sistiert.“ Waren schwarzafrikanische Hüllen islamischer Moral nicht gewachsen? Nein, die Ägypter blufften. Und sie hatten gute Gründe. Fünfzehn schwarzhäutige Menschen vom Südrand der Sahara waren mit einem überbuchten Flug kollidiert. Man hat sie aus der startklaren Maschine geworfen, ihre Plätze weißen Touristen angewiesen. In Afrika, nördlich der Sahara.
 
Walter Bachauer

 
 

Am laufenden Band (5)

 
 

 

Diese Aufnahme wurde im RIAS am 29. März 1976 in Bachauers Sendung Musicarium vorgestellt, einige Monate vor dem Auftritt des Ghana Dance Ensembles beim Metamusik-Festival.


Manafonistas | Impressum | Kontakt
Wordpress 4.8 Design basiert auf Gabis Wordpress-Templates
96 Verweise - 0,949 Sekunden.