Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Damals hieß er noch Südwestfunk, der SWR, als Achim Hebgen mit gerade einmal 27Jahren in die Jazzredaktion des Senders eintrat, Joachim Ernst Berendt war sein Chef. Wie Berendt, war auch Hebgen nicht nur am Sender tätig, sondern bei zahlreichen Musikproduktionen beteiligt, bei MPS zum Beispiel. Die wunderbare Platte „Got The Blues“ von Don `Sugar Can´ Harris (mit Kriegel; Rypdal, Dauner, Whitehead und Robert Wyatt!!) wurde von ihm und Berendt gemeinsam produziert. Er arbeitete ferner bei den Berliner Jazztagen, dem Free Jazz Meeting Baden-Baden und den Donaueschinger Musiktagen mit.

Ich erinnere mich, 1978, in einer seiner Sendungen zum ersten Mal von Philip Catherine gehört zu haben, auch legte er gerne Gianluigi Trovesi auf, den ich durch seine Sendungen zu schätzen lernte. Übrigens, dessen Album „Round About A Midsummer’s Dream“, wurde im Jahre 2000 von Hebgen produziert.

Achim Hebgen liebte, wie Michael Engelbrecht, Sendungen mit weitem, sehr weitem Horizont, er erfand für den SWF die Sendungen RADIOPHON (noch heute im SWR zu hören) und MUSIC AVENUE.

Zwischen 1991 und 2002 leitete er dann die Jazzredaktion. Das waren schwierige Zeiten damals, denn SDR und SWF wurden 1991 zur Fusion ihrer beiden Kulturprogramme gezwungen, aus SDR 2 und SWF 2 wurde dann S2 Kultur. 1998 entstand dann ein neuer Großsender, der SWR.

Als 1990 klar war, dass dank intensiver Untersuchungen der amerikanischen Wirtschaftsberatungsfirma McKinsey, die beiden Kulturprogramme des Südens aus wirtschaftlichen Gründen zusammengelegt wurden, da verabschiedete sich Achim Hebgen tief enttäuscht von dieser kulturellen Entwicklung während einer seiner Sendungen sehr persönlich. Über 60% der Jazzsendungen seien dem Rotstift zum Opfer gefallen, zahlreiche Sendeplätze aus dem Bereich NEUE MUSIK ebenso, auch das Format MUSIC AVENUE. Während der letzten Sendung der MUSIC AVENUE beklagte Hebgen öffentlich diese Entwicklung und legte dann eine Platte auf, die diese Sendung für immer beenden sollte. Diese letzte Platte hatte es mir damals angetan. Überhaupt, der Gedanke, einmal eine letzte Platte, ein letztes Musikstück zu hören, welches Stück könnte das sein und wird es dann letztlich wohl sein?
 
 
 

 
 
 
Peter Rühmkorf schrieb am 13.12.1989 in sein Tagebuch: „Eigentlich schade, wie viele Bücher wie einmal unaufgeschlagen an der Grabeskante zurücklassen müssen …“. Recht hat er, ich bedaure das auch schon jetzt. Mir fällt allerdings noch ein anderer Gedanke dazu ein: „Wie viele Musikstücke müssen wir wohl ungehört an der Grabeskante zurücklassen?“

Zurück zu Achim Hebgens MUSIC AVENUE und zurück zu seiner letzten Schallplate in dieser Sendung. Er legte eine Schallplatte von John Surman auf: „Road to Saint Ives“ und wählte das Stück „Tintagel“, ein Stück, das seit vielen Jahren zu meinen liebsten zwanzig Stücken gehört (meine Lebenshitparade).

Achim Hebgen starb am 25. September 2012 in Freiburg, er wurde 69 Jahre alt.

Ihm eingedenk höre ich jetzt „Tintagel“, lege zuvor aber noch eine ganz neue Scheibe auf, die ihm sicher sehr gefallen würde (aber freilich nicht alle Stücke, manche sind schrecklich, wie ich finde). Nils Frahm und „All Melody“, von dieser Platte werde ich „My Friend the Forest“ und „Harm Hymn“ hören.
 
 
 

 

Es ist gar nicht lange Zeit her, da bewunderte ich zum ersten Mal in meinem Leben die Elb-Eisenbahnbrücke von Dömitz. Mit ihren 986m Länge galt sie einst als längste Eisenbahnbrücke Deutschlands. Während eines Luftangriff wurde der östliche Teil der Brücke im April 1945 zerstört, heute stehen nur noch die 16 westlichen Vorlandbrücken.
 
 
 

 
 
 
Hatte ich diese Brücke, die in die Leere führt, nicht schon einmal gesehen? Gewiss nicht, never ever. Und doch, vor ein paar Wochen kam ich während der Beschäftigung mit dem Filmemacher Wim Wenders auf die Idee, mir seinen Film Im Lauf der Zeit mal wieder anzuschauen. 1977, kurz nach Erscheinen des Films im Jahr 1976 hatte ich dieses Werk ein einziges Mal gesehen, seither nie wieder.

Wenders hatte es ein paar Jahre nach Abschluss seiner Filmhochschulzeit in München bereits zu einiger Berühmheit gebracht, immerhin, er hatte schon Die Angst des Tormanns beim ElfmeterAlice in den Städten, Falsche Bewegung und andere kürzere Filme gedreht. Übrigens, Peter Handke hatte Wenders bereits während seiner Studienzeit kennengelernt, sie sollten lebenslang beste Freunde bleiben.

Einer der ersten Filme Wenders, sein zehnminütigen Musikfilm 3 Amerikanische LP’s, stellte eine erste Zusammenarbeit dar (diesen Film hätte ich so gerne einmal gesehen, leider ist es mir bislang nicht gelungen, diesen Streifen zu finden).
 
 
 

 
 
 
Das Drehbuch zu Im Lauf der Zeit hätte von Handke stammen können, geschrieben hat es allerdings Wenders selbst. Es passiert wenig in diesem 168minütigen Schwarzweißfilm und doch erzählt der Film so viel. Einer der beiden Hauptfiguren im Film ist quasi ein Jukebox-Man für Filmprojektoren. In einem alten MAN-Umzugs-LKW fährt er entlang der ehemaligen Deutsch-Deutschen-Grenze und steuert die im Niedergang begriffenen Lichtspieltheater dieser Gegend an, um dort die Filmvorführgeräte zu reparieren.

Der Mann lebt und arbeitet in seinem LKW, hat eine Jukebox dabei und vorne im Führerhaus einen tragbaren Plattenspieler, daneben einen Single-Platten-Ständer für ca 50 Singles. Während der Fahrt kann der Fahrer nebenher seine Platten in den Schlitz des Plattenspielers stecken und schon läuft die entsprechende Musik zu diesem fantastischen Roadmovie. Einmal, unser Mann hat gerade eine Nacht auf einem Parkplatz an der Elbe hinter sich, rasiert er sich und schaut nebenher auf die halbe Brücke von Dömitz (daher also kenne ich die Brücke!). Plötzlich hört man rasendes Motorengeräusch, ein VW-Käfer fährt mit Höchstge-schwindigkeit ungebremst in die Elbe. Die Fahrer kann sich und einen Koffer über das Schiebedach des Wagens retten, ehe der Wagen in den Fluten verschwindet.
 
 
 

 
 
 
Von der Geschichte des Films möchte ich jetzt nicht mehr verraten, nur noch eines: der Vater des VW-Fahrers betreibt eine kleine Druckerei. Der Film zeigt liebevoll die Maschinen aus dieser Zeit, die Setzmaschine, die Druckmaschine, die riesigen Filmprojektoren, Filmklebemaschinen, all das, was es in heutigen Filmtheatern nicht mehr gibt. Im Lauf der Zeit stammt aus einer ganz anderen Zeit und doch hat meine Generation genau die erlebt, man glaubt es kaum. Die gezeigten Lichtspielhäuser wird es schon längst nicht mehr geben, die Jukeboxen sind aus den meisten Kneipen verschwunden und auf den diversen Müllhalden gelandet, all das Vergangenheit. Kameramann Robby Müller hat diesen Film unglaublich schön gedreht, es ist ein Genuss dieses nun vierzig Jahre alte Werk anzuschauen.

Zur Musik: Die meisten Musikstücke dieses Road-Movie stammen von der Gruppe Improved Sound Limited. Dann hören wir noch Heinz Burt: „Just like Eddie“, Roger Miller mit „King of the Road“, Crispian St. Peters (ja, das ist der, der „Pied Piper“ gesungen hat) mit „So long“ und Robert Johnson mit „Love in Vain“.
 
 
 

 

Manchmal denke ich, dass ich doch irgendwie Passageriten brauche wie kaum jemand. So stellt für mich beispielsweise der erste Plattenschrank eines neues Jahres, der erste Beitrag im noch jungen Januar eines Jahres doch etwas ganz Besonderes dar. Ein kleiner Rückblick: Im letzten Jahr habe ich als ersten Beitrag György Márta Kurtág: „In memoriam Haydée – Játékok, Games and Transriptions“ vorgestellt. Im Januar 2016 war Thema das alte Jahr 2015, genauer der 31.12.2015 23:59:59 Uhr. Das alte Jahr verging nämlich mit dem Lauschen der letzten Minuten des Deutschlandfunks auf der Mittelwelle. Als angemessene Hörquelle hatte ich mir meine Musiktruhe Nordmende Arabella Stereo aus dem Jahre 1958 ausgewählt. Das neue Jahr sollte nun mit einer ganz besonderen Platte eingeläutet werden, der einzigen Langspielplatte, die ich damals mit voller Absicht zweimal besaß: Beatles: Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band. Inzwischen wird sich ein jeder denken können, dass ich diese Platte seit 2017 nun ein drittes Mal kaufen musste. Die Geschichte des Kaufs der ersten Platte habe ich damals im Januar 2016 erzählt.

 
 
 

 
 
 

Im Januar 2015 fischte ich drei Platten von Chet Baker plus eine rare Aufnahme des Oscar Peterson Trio Meets Coleman Hawkins – Live In Hannover 1967 aus dem Plattenschrank.

Übrigens, damals im kalten Monat Januar war es, da sagte Michael in einem Radiointerview auf die Frage des CBC-Reporters: Michael Engelbrecht, haben Sie heute einen Song entdeckt, der ihre Stimmung deutlich hebt? ME: Meine Stimmung war war schon ziemlich gut, aber dann hörte ich „The Everlasting Muse“. Keine Ahnung, wovon der Song handelt, aber er wirkte wie drei Ohrwürmer auf einen Streich. Auf der einen Seite ein Flair der Swinging Sixties, auf der andern noch ein paar Dejavues obendrauf, trotzdem wirkte es unheimlich erfrischend.

CBC: Von wem ist der Song? ME: Von dem neuen Album von Belle and Sebastian.

Michael meinte das Album Girls in Peacetime Want to Dance. Was für ein Zufall, gerade eben, im Januar 2018 erschien eine neue Single diese Gruppe: The Same Star. Ob sie Michael gefallen würde? Ich nehme mal an eher nicht, viel zu glatt, ohne jede Überraschung, eher auch kein Ohrwurm.

Januar 2014 dann: Die erste CD, die ich am Neujahrstag in meinen Player geschoben habe, das war meine erste CD überhaupt. Hatte ich mich jahrelang erfolgreich geweigert, diesen Bedarfsweckungswirtschafts-Wahnsinn mitzumachen und mir keinen CD-Player und keine CDs gekauft (never ever!!!), war ich mit Erscheinen dieser CD dann eben doch weichgeklopft worden. Es handelte sich um eine CD von Paul Bley, Jimmy Guiffre und Steve Swallow, sie hatten am 16. und 17. Dezember 1989 in New York unter dem famosen Produzenten Jean-Jacques Pussiau von OWL-Records jeweils The Life of a Trio: Saturday und The Life of a Trio Sunday aufgenommen und 1990 auf den CD-Markt gebracht, als LP erschienen diese Aufnahmen nicht. Es folgte in den folgenden Wochen hier auf manafonistas.de  dann eine dreiteilige Serie über Paul-Bley-Veröffentlichungen.

In den siebziger Jahren, da gab es in der Tübinger Hirschgasse Nr. 5 das Musikhaus Armin Keller noch. Keller war in Tübingen eine bekannte Musikergröße, er spielte Schlagzeug, gab Unterricht und betrieb einen Laden mit einem Kellergewölbe, in den man hinunterstieg und am liebsten gar nicht mehr nach oben wollte, denn dort unten lagerten unglaubliche Schätze, Schallplattenschätze, einige von ihnen stellte ich im Januar 2013 vor:  Volker Kriegel: Missing Link // Blues for Allah: Grateful Dead // Nitty Gritty Dirt Band: Symphoniion // David Bowie: Young American // Lindisfarne: Titel Roll on, Ruby // Beck-Ola und Truth von Jeff Beck.

Charlie Haden und Hank Jones kamen mit ihrer neuen Platte Come Sunday zwar erst am 24.02.2012 auf den Markt, ich konnte sie allerdings bereits in den ersten Januartagen begeistert vorstellen, war sie doch auf npr.org unter der Rubrik first listen bereits schon Anfang Januar zu hören.

Im Januar 2011 gab es manafonistas.de noch nicht, diese Seite wurde erst im April 2011 eröffnet.

Bleibt nun endlich der Januar 2018.

 
 
 

 
 
 

Das erste Musikstück, das für mich das neue Jahr 2018 quasi einläutete, entstammt einer CD, die ich gerade erst am 30.12.2017 vom Plattenhändler meines Vertrauens geschickt bekommen hatte:

 

Morton Feldman: For Bunita Marcus; am Piano: Marc-Andrè Hamelin.

 

Auf dieser Seite findet man eine interessante Werkeinführung vom Morton Feldman selbst. Das Stück wurde 1985 vollendet, dauert 75 Minuten lang und wurde 2017 von Marc-André Hamelin neu eingespielt. Über seine erste Begenung mit dem Stück schrieb er: „Als ich mich zum ersten Mal ans Klavier setzte, um Feldmans Stück durchspielen, überkam mich gleich ein Gefühl von Befreiung. Es geht hier nicht mehr um den Künstler, die Aufführung, das Darstellen pianistischer Virtuosität, den gesellschaftlichen Anlass. Wir haben es nun ausschließlich mit Klang, Zeit und Raum zu tun.“

Eine wunderbare Neueinspielung, die ich hier nur sehr empfehlen kann.

Sie stand vor meinem Plattenschrank und wollte einfach einmal eine Platte ziehen, irgendeine, über die ich dann in einem meiner nächsten „Plattenschränke“ schreiben möge, so sagte sie. Solche Spiele mag ich sehr und so schaute ich Lajla zu, wie sie ihre Hände über die verschiedenen Plattenabteilungen gleiten ließ und im Jazzbereich beim Buchstaben H zugriff. Oha, eines meiner Lieblingsplatten hatte sie erwischt: Charlie Haden / Paul Motian feat. Geri Allen: ETUDES, im Jahre 1988 bei Soul Note (Milano) erschienen. Charlie Haden kannte Paul Motian zu diesem Zeitpunkt schon viele Jahre lang, damals 1959, bei ihrem ersten Treffen, spielte Haden gerade in Ornette Coleman´s Quartet und Paul Motian arbeitete mit Bill Evans und Scott La Faro zusammen. Bald darauf sollten die beiden mit Dewey Redman und Keith Jarrett durch die Lande touren. Auf dieser von Lajla ausgewählten Schallplatte musizieren die beiden zusammen mit Geri Allen. Man spielte bei den Aufnahmen zu dieser Platte in diesem Spätsommer 1987 in New York City fast ausschließlich eigene Kompositionen, drei von Paul Motian, darunter das titelgebende Stück, drei von Charlie Haden, darunter etwa die wunderschöne Nummer „Silence“. Geri Allen steuerte die Komosition „Dolphy´s Dance“ bei. Eröffnet wird die LP mit der Ornette Coleman-Nummer „Lonely Woman“.

Geri Allen, diese geniale Pianistin, verstarb am 27.06.2017 gerade einmal sechzigjährig. Wenn man mich gefragt hätte, welche Platte ich ihr zum Gedenken auflegen würde, ich hätte diese Scheibe ausgewählt.

 
 
 

 
 
 

Noch an drei weitere Musiker, die im Jahr 2017 starben, möchte ich erinnern und jeweils eine herausragende Platte wenigstens kurz nennen:

Gleich zu Beginn des Jahres, am 19. Februar ging Larry Coryell von uns. Nachdem ich Philip Catherine und seine herausragende Platte September Man (1974 veröffentlicht und seit Oktober dieses Jahres endlich wieder im Handel erhältlich) kennengelernt hatte, verfolgte ich diesen Ausnahmegitarristen auf Schritt und Tritt und wurde so auf eine Duoplatte: Larry Coryell & Philip Catherine: TWIN HOUSE“ (VÖ 1977) aufmerksam, auch eine meiner Lieblingsplatten. Die beiden spielen vier Catherine-Kompositionen, und je eine von Larry Coryell, Keith Jarrett, Django Reinhardt und Jimmy Webb.

Am 23. Februar starb Horace Parlan, er wurde 86 Jahre alt. Auch dieser Pianist ging im Jahre 1987 ins Studio, allerdings auf der anderen Seite des Atlantiks, ins Studio 44, Monster, Holland und nahm dort zusammen mit dem Saxophonisten Archie Shepp die Platte Archie Spepp Horace Parlan Duo Reunion auf. Eine wunderschöne Duoplatte, auf der Kompositionen von Duke Ellington, Billy Strayhorn, Thelonious Monk, Benny Carter, Dewey Redman, Archie Shepp und Copyright Control zu finden sind. Als ich mir damals Ende der achtziger Jahre diese LP zulegte, wusste ich nicht, was dieses Copyright Control unter der Komposition „Call Me“ bedeuten sollte. Heute weiß ich, dass es Sammler gibt, die speziell Aufnahmen von Kompositionen mit diesem Merkmal suchen. „Copyright Control means there is no publisher known for the composition(s) featured on a release. It is used in lieu of there being a known publisher.“ (Discogs).

Im Frühjahr 1984 trafen sich Jack DeJohnette, Jan Hammer, Mike Brecker und John Abercrombie in New York um eine Platte aufzunehmen, die später meine Platte des Jahres werden sollte: NIGHT. Die vier spielten fast ausschließlich Kompositionen des Meisters an der Guitar, nur eine entstammt der Feder von Jan Hammer: „Etherreggae“. Diese Nummer wurde das Eröffnungsstück der Scheibe und hatte es mir vor allem angetan. John Abercrombie starb am 22. August, dreiundsiebzigjährig.

Wenn der Tempo mit dem Jukebox-Man kommt …

 

Es fehlt noch eine Liste, nämlich die, die über die Schallplatten Auskunft gibt, die in den Jukeboxen meiner Kneipiers im Jahr 2017 am häufigsten gedrückt wurden. Interessiert haben mich allerdings nur die gewünschten Scheiben, die im Jahre 2017 oder im Dezember 2016 erschienen sind. Wie ich an dieser Stelle schon mehrfach erläutert habe, bin ich auf die Aussagen meiner Jukeboxpächter angewiesen. Es gibt deshalb auch keine Platzierungen, sondern nur nur mehr oder weniger gleichwertige Nennungen. Interessant dieses Jahr: Neil Young ist gleich drei Platten vertreten, Van Morrison mit zweien und auch ansonsten treffen wir viele alte Bekannte: Ray Davis, Randy Newman, Willie Nelson, Santana, Lucinda Williams, das Penguin Cafe Orchstra u.v.a.

Neben den hier aufgeführten aktuellen Scheiben, werden vom Publikum einer Kneipe, das zeigt sich immer deutlicher, besondere Schwerpunkte gesetzt: in Hörnum sind es die Platten von Robert Wyatt, die gerne gewählt werden, in Cuxhaven eher die Songs von Brian Eno, anderswo wird Daniel Lanois gewünscht. Aber überall schätzt man die Musik zwischen 1968 und 1973, aus dieser Zeit werden zu gerne „Oldies“ gedrückt.

Eine der Jukeboxkneipen, die regelmäßig besuche, liegt abseits, in einem kleinen Dorf, kaum jemand kennt den Flecken. Bis vor wenigen Jahren gab es hier noch zwei Gaststätten, ein Lebensmittelladen, einen Schlachter, einen Bäcker. Alles weg, alles zu, die Schaufenster verstaubt, keine Auslagen mehr. Jetzt existiert hier nur noch ein Tattoo-Laden, der auch schon bessere Zeiten gesehen hat, vielleicht aber auch nicht, und eben die kleine Jukebox-Kneipe, die, nach Aussage des Wirts, auch kurz vor dem AUS steht. Als ich ihn neulich besuchte, meinte mein Freund, er hätte einen Plan für die letzte Stunde seines Ladens. Wenn das letzte Bier getrunken, der letzte Malt geschlürft, der letzte Gast die Tür hinter sich geschlossen habe, die Stühle auf die Tische gestellt seien, der Tresen geputzt, dann würde er absperren, sich einen Dalwhinnie Distillers Edition von 1997 eingießen und zum Schluss seine Lieblingsplatte von ASTRID auflegen, HIGH BLUES, und ERIK S wählen, das sei ein Stück von Erik Satie in einer unglaublichen Version, und ergänzt. „Stelle dir das mal vor, Gregor, die letzte Stunde dieser Kneipe mit dieser Musik. Das ist Trostmusik pur! „Musik“, so sprach er ganz leise weiter, „ist mein Lebensbegleiter, wie ginge es mir ohne ihn?!“

 

  1. Ray Davis: Silent Movie / Rock `N´ Roll Cowboy (Americana)
  2. Diagrams: Under The Graphite Sky (Dorothy)
  3. Jeff Tweedy: I Am Trying To Break Your Heart (Together At Last)
  4. Rhiannon Giddens: Birmingham Sunday (Freedom Highway)
  5. Timber Timbre: Velvet Gloves & Spit (Sincerely, Future Pollution)
  6. Father John Misty: Things It Would Have Been Helpful To Know Before The Revolution (Pure Comedy)
  7. Jane Weaver: Slow Motion (Modern Kosmology)
  8. Darren Hayman: Woodend (Thankful Villages Vol 2)
  9. Lucinda Williams: Six Block Away (This Sweet Old World)
  10. Justin Townes Earle: Maybe A Moment (Kid In The Street)
  11. Valerie June: Two Hearts (The Order Of Time)
  12. The Gift feat.Brian Eno: Love without Violins
  13. Sera Cahoone: Always Turn Around (From Where I Started)
  14. Seamus Fogarty: Shot Ballad For A Long Man (The Curios Hand)
  15. Randy Newman: Wandering Boy (Dark Matter)

 
 
 

 
 
 

  1. Santana & Isley Brothers: Higher Ground (Power Of Peace)
  2. Van Morrison: Automobile Blues (Roll With The Punches)
  3. Mountain Goats: Shelved (Goth)
  4. Willie Nelson: A Woman´s Love (God`s Problem Child)
  5. Dan Michaelson: First Light (First Light)
  6. Penguin Cafe Orchstra: Half Certainly (The Imperfect Sea)
  7. Josh Ritter: Showboat (Gathering)
  8. Tyler Childers: Lady May (Purgatory)
  9. Neil Young: (The Visitor)
  10. Simon Joyner: I´m feeling it today (Step into the Earthquake)
  11. Van Morrison: The Party Is Over (Versatile)
  12. Neil Young: Glass Accident (Peace Trail VÖ 12/2016)
  13. Neil Young: Pocahontas (Hitchhiker)
  14. Jason Isbell and the 400 Unit: Last Of My Kind (The Nashville Sound)
  15. The National: Nobody Else Will Be There (Sleep Well Beast)

 

Olivier Messiaen: Quartuor pour la Fin du Temps

 

Olivier Messiaen (*10.12. 1908, Avignon; †27.4.1992, Paris) war von 1939 bis 1941 Kriegsteilnehmer, danach Kriegsgefangener in einem Lager in der Nähe von Görlitz. „Im Kriegsgefangenenlager befanden sich“, so schrieb Messiaen, „auch ein Geiger, ein Klarinettist und der Cellist Etienne Pasquier. Ich schrieb ein bescheidenes, kleines Trio für sie, das sie mir in den Waschräumen vorspielten, denn der Klarinettist hatte sein Instrument behalten, und irgendjemand hatte dem Cellisten ein Cello mit drei Saiten gegeben.“ Durch dieses Experiment fühlte sich Messiaen ermutigt, ein größeres Werk zu schaffen, es sollte eine Komposition, bestehend aus acht Sätzen werden, von denen neben dem „kleinen Trio“ – dieses sollte später als vierter Satz in das Musikstück eingefügt werden – wahrscheinlich schon weitere drei in irgendeiner Form existierten. Messiaen stand ein ziemlich verstimmten Klavier, „dessen Tasten wahllos hingen“, zur Verfügung und kam sogar an Papier und Bleistift.

Der Cellist Etienne Pasquier berichtet: „Die Uraufführung fand am Mittwoch, dem 15.Januar 1941 statt, abends um 18:00 Uhr. Es war eiskalt draußen, Erde und Dächer mit Schnee bedeckt. Messiaen und auch wir anderen Musiker hatten alte, überall geflickte tschechische Uniformen an, an den Füßen trugen wir Holzschuhe. Die waren wärmer und gut für das Gehen im Schnee, aber es tat auch weh an den Füßen. … Die Aufführung war ein großer Erfolg, wir haben sie mehrere Male wiederholt.“

Messiaen ergänzt: „Das Publikum war eine äußerst vielfältige Mischung aus allen Gesellschaftsschichten – Landarbeiter, Hilfsarbeiter, Intellektuelle, Berufssoldaten, Ärzte, Geistliche. Niemals sonst hat man mir mit solcher Aufmerksamkeit und solchem Verständnis zugehört.“

Ausgerechnet zu einer Zeit, in der der Faschismus jedes kulturelle Schaffen entweder im Keim erstickte oder zumindest unter seiner unbedingten Kontrolle sehen wollte, schuf Messiaen ein Werk, das auf Zukünftiges, auf Neues, auf eine Welt jenseits des Faschismus gerichtet hinwies.

 
 
 

 
 
 

Nun haben der schwedische Klarinettist Martin Fröst, der französische Pianist Lucas Debargue, die niederländische Violinistin Janine Jansen und der schwedische Cellist Torleif Thedéen Quartuor pour la Fin du Temp so überwältigend gut neu eingespielt, dass diese Aufnahme zu meiner Platte des Jahres 2017 werden musste, zwingend!

 

Zitate aus: Peter Hill & Nigel Simeone: Messiaen Mainz 2007

Neulich erwähnte ich in einem Kommentar zu einem Beitrag, dass in der Hörnumer Jukebox zehn Platten von Robert Wyatt zu finden seien. Seither möchte der eine oder die andere freilich wissen, um welche Platten es sich handeln könnte. Gerne möchte ich diese Fragen beantworten, hat sich hier doch ein Phänomen eingestellt, das anderenorts nicht selbstverständlich zu scheint: hier, in dieser Kneipe, ein paar Schritte vom Meer, von der rauen Nordsee entfernt, gehören diese Scheiben zu den am meisten gewünschten. The Guardian schrieb schon vor mehr als zehn Jahren:
 

Just as the best way to judge an adult is by his or her record collection, the best way to judge a pub is by the albums on its jukebox. Or it was, until the 21st-century caught up with the noisy machine in the corner. There are now nearly 2,000 internet-connected jukeboxes in the UK, each of which can access as many as 2m tracks – and with them has come Wyatting, which is either a fearless act of situationist cultural warfare or a nauseatingly snobbish prank, depending on who you ask. The phenomenon was first identified in the New York Times by Wendy McClure. She was in a grimy rock bar when someone pulled up Brian Eno’s Thursday Afternoon, which consists of a single distant piano phrase repeated for more than an hour, and found herself too mesmerised to leave. „Imagine replacing the brass cylinder in a music box with a Möbius strip made from nerve endings“, she wrote. The rest of the bar’s patrons, however, were soon in revolt.

 

Okay, hier nun die zehn ausgesuchten Robert-Wyatt-Scheiben:

 

  • Lullaby For Hamza (cuckooland 2003)
  • Maryan (shleep 1997)
  • Alliance (Old Rottenhat 1986)
  • The Age of Self (Old Rottenhat 1986)
  • Sea Song (Rock Bottom 1974)
  • Little Red Riding Hoot Hit The Road (Rock Bottom 1974)
  • The Ghost Within (… for the ghost within´ 2010)
  • Lush Life (… for the ghost within´ 2010)
  • Dondestan (dondestan 1998)
  • Little Child (Daddy Dear) 1972 (Solar Flares Burn For You 2003)

 
 
 

 
 
 

Und jetzt gibt es noch eine Warteliste, dringend werden folgende Songs gewünscht:

 

  • Strange Fruit (Nothing Can Stop Us 1982)
  • Blues in Bob minor (shleep 1997)
  • Solar Flares (Ruth Is Strager Than Richard 1989)
  • Speechless (Old Rottenhat 1986)
  • P.L.A. (Old Rottenhat 1986)
  • Round Midnigt (… for the ghost within´ 2010)
  • Sight of The Wind (dondestan 1998)
  • Costa – Memories of Under-Development (dondestan 1998)
  • At Last I´m Free (Nothing Can Stop Us 1982)
  • United States of Amnesia (Old Rottenhat 1986)

 

Ein Glas Weißwein trinken, Robert Wyatt hören, auf das Meer schauen, was will man mehr?

Zwei Fundstücke: 1. Brian Eno im Gespräch mit The Guardian (23.01.2017)

 

So what is Brian Eno working on at the moment, I ask. “I’m interested in the idea of generative music as a sort of model for how society or politics could work. I’m working out the ideas I’m interested in, about how you make a working society rather than a dysfunctional one like the one we live in at the moment – by trying to make music in a new way. I’m trying to see what kinds of models and and structures make the music I want to hear, and then I’m finding it’s not a bad idea to try to think about making societies in that way.”

Could he be more specific? “Yes. If you think of the classical picture of how things were organised in an orchestra – where you have the composer, conductor, leader of the orchestra, section principals, section sub principals, rank and file – the flow of information is always downwards. The guy at the bottom doesn’t get to talk to that guy at the top. Almost none of us now would think that hierarchic model of social organisation, the pyramid, is a good way to arrange things.”

In other words, he says, society should be built on the more egalitarian model of a folk or rock band, who just get together and do their thing, rather than a classical orchestra. “Can’t you see,” he says with the passion of a visionary, “if you transpose that argument into social terms, it’s the argument between the top down and bottom up? It is possible to have a society that doesn’t have pre-existing rules and structures. And you can use the social structures of bands, theatre groups, dance groups, all the things we now call culture. You can say: ‘Well, it works here. Why shouldn’t it work elsewhere?’”

 
 
 

 
 
 

2. Brian Eno – Ten of the Best

 

Am 25.01.2017 erschien im The Guardian ein Artikel über Brian Eno, Titel: Brian Eno – Ten Of The Best. Die 10 ausgewählten Stücke sind nun nicht als Hitparade wahrzunehmen, sie sind einfach nur chronologisch geordnet, aber immerhin, die Musikabteilung des Guardian ist der Meinung, das wären die 10 herausragenden Platten oder Musikstücke von Brian Eno (bzw. unter seiner Mitwirkung entstanden).

 

  1. Roxy Music: Ladytron (Roxy Music 1972) (Eno had been asked by Bryan Ferry to make some sounds that called to mind the moon landings)
  2. Brian Eno: Needles In The Camel´s Eye (Here Come the Warm Jets 1973)
  3. The Big Ship (Another Green World 1975)
  4. Harmonia & Eno ´76 Welcome (1976)
  5. David Bowie/Eno: Warszawa (Bowie/Eno: Low 1976)
  6. Julie with … (Before and After Science 1977)
  7. An Ending (Ascent) (Apollo1983) (Eines meiner Lieblingsstücke von Brian Eno)
  8. Thursday Afternoon (1985) (In sound, this 60-minute composition is very much the child of Ambient 1: Music for Airports’ 1/1, a track based on a looped figure played on the piano by Robert Wyatt)
  9. Eno & Hyde: Cells and Bells (2014)
  10. Fickle Sun (iii) I´m set free (The Ship 2016) (Was für ein Meisterwerk!)

Salta, Argentinien. Erste Filmeinstellung: ein verlassener Bahnhof, leere, endlos lange Bahnsteige, grasbewachsenes Gleisbett. Im Hintergrund ist eine Ruine von einem einst blauweiß gestrichenem Personenzug zu sehen, dessen erste Waggons, vielleicht auch dessen Lokomotive in einem Lokschuppen, der auch schon bessere Zeiten erlebt hat, verschwinden.

Zweite Einstellung: Von einem der Bahnsteige in Richtung Empfangsgebäude (?) aufgenommen. Mit dem Erklingen eines Bandoneons sieht man über die Gleise hinweg einen Mann vor der Bahnhofsruine stehen, es könnte Dino Saluzzi sein, im Vordergrund der Kameraeinstellung sieht man das Ortsschild SALTA. Dann kommt plötzlich Bewegung in das Standbild, Anja Lechner geht auf Dino Saluzzi zu, beide versuchen dann beim Schienenbalancieren erfolgreich zu sein, dabei erscheint der Filmtitel `El Encuentro – Ein Film für Bandoneon und Cello´.

Während die Kamera das verfallene Bahnhofsgelände zeigt, hört man die Stimme Anja Lechners, sie spricht über Musik. Der Zuschauer sieht weitere Areale des verwunschenen Bahnhofs von SALTA, weitere Eisenbahnwaggons, die nie mehr werden fahren können. Dino Saluzzi erzählt von seiner Musik.

Harter Schnitt. München. Anja Lechner begründet, weshalb ihr das Reisen so wichtig ist: „Die eigene Wahrnehmung von Musik und auch die eigene Art zu spielen verändert sich, wenn man reist. Es ist eine wunderbare Gelegenheit mit Musikern zusammenzuarbeiten, die in anderen Ländern leben, mit ihnen in ihren Ländern zu proben und zu spielen. Da kann ich die Musik ganz anders spüren und begreifen. Es eröffnet sich dann eine neue Welt, man ist dann umgeben von dieser Art Musik …“

 
 
 

 
 
 

Schnitt. Yerevan, Armenien. Anja Lechner bekennt, dass Armenien neben Argentinien das für sie wichtigste Land sei. In Armenien sei die Begegnung mit Tigran Mansurian die entscheidende Begegnung gewesen. Mit ihm zusammen arbeitet sie an der Aufführung seines Zweiten Cellokonzertes. Zwischendurch erzählt Dino Saluzzi immer wieder von seiner Heimat, seiner Musik und seiner Begegnung mit George Gruntz. Dieser sei als Leiter des Jazzfestivals Berlin 1982 durch Südamerika gereist, um Musiker zu finden, die ihr Land in Berlin musikalisch vertreten könnten. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden sollte noch viele Jahre andauern.

In München, führt Anja Lechner aus, habe sie Dino Saluzzi kennengelernt, aber seine Musik erst wirklich verstehen können, nachdem sie mit ihm zusammen Argentinien und insbesondere SALTA und die Plätze seiner Kindheit besucht habe.-

Vielmehr möchte ich von diesem großartigem ECM-Film aus dem Jahre 2012 nicht verraten, nur noch eines. Dino Saluzzi spricht über sein Instrument, das Bandoneon: „Ich lernte das Instrument kennen, als ich sieben Jahre alt war. Wie alt das Instrument war, weiß ich nicht. Es kam von Anfang an zu mir, es ist die Verlängerung meines Körpers. Ein Leben ohne Bandoneon ist für mich nicht vorstellbar. Dieses Instrument spricht mit Bescheidenheit, es erhebt seine Stimme nicht, es spricht mit Ruhe, mit Einfachheit und Direktheit. Hier sind alle Wörter schon enthalten, alle Gedanken sind drin, die schwierigsten Situationen. Man muss sich nur in seinen Dienst stellen, es verstehen, so kann man seine Sprache wahrnehmen.“.

 

„El Encuentro – Ein Film für Bandoneon und Violoncello“

Regie: Norbert Wiedmer & Enrique Ros; Dokumentarfilm; CH/2012, D/sp, digital hd, 52 Min

 

P.S. Neu im Plattenschrank: Valentin Silvestrov / Hieroglyphen der Nacht – Anja Lechner & Angnés Vesterman. Eine wunderbare Platte, erschienen bei ECM New Series …

 
 
 
 

 

Am 13.10.2017 erscheint eine neue CD von Robert Plant, der Titel: Carry Fire. Für mich ein Grund, mich an zweierlei zu erinnern: Zunächst an die wunderbare Zusammenarbeit Plants mit Alison Krauss (2007) auf dem Album Raising Sand. Besonders das Stück Your Long Journey hatte es mir seinerzeit angetan. Michael, entsinne ich mich, hat damals in den Klanghorizonten diesen Titel mit Field-Recordings eingeschlossen, man hörte Regen, Wasserrauschen und Gewitter und dazwischen Robert Plant & Alison Krauss. Großartig. Dann: Ja, und dann steht Robert Plant, mal ganz abgesehen von Led Zeppelin, für meine Entdeckung des Festival au Désert, an dem er 2003 teilgenommen hatte. Seit dieser Zeit verfolge ich die Geschehnisse um dieses Festival. Entwicklt hatte sich das Festival au Désert aus einem traditionellem Tuareg-Fest. 2001 wurde daraus erstmals ein Festival unter Beteiligung von Musikern nicht nur aus Mali, neben den Tuareg waren auch Musiker der Nachbarstaaten beteiligt und dann eben auch internationale Gäste, 2003 zum Beispiel Robert Plant. Unter dem Titel Le Festival au Désert ist dieses Konzert als CD oder DVD käuflich zu erwerben.

 
 
 

 
 
 

Aber was ist aus diesem wunderbaren Wüstenfestival geworden? Ab 2007 wurde es wohl aus Sicherheitsgründen immer schwieriger das Festival stattfinden zu lassen. 2010 organisierte man es am Stadtrand von Timbuktu, ein Jahr später machten islamische Terrorgruppen ein Festival zu einem nicht mehr zu tragendem Risiko. 2014 zog dann das Festival sogar einmal ins Exil, nach Berlin.

2017, so lese ich im The Guardian vom 30.01.2017, hätte es dann wieder in Timbuktu verantstaltet werden sollen, aber „Mali cancels return of famous music festival after al-Qaida attack …“ (The Guardian). In Timbuktu war Musik von den neuen Herrschern verboten worden, deshalb war es so wichtig, mit der Durchführung des Festivals ein kräftiges Zeichen zu setzen. „The festival left Timbuktu because music was forbidden. It was very important for everyone that it should go back“, Ansar (Direktor des Festivals) said. „All the artists I contacted wanted to go. It was the message that was important.“ … „A music producer who has organised concerts all over Mali in spite of security concerns said that the festival in the desert was about far more than just the music – it was about bringing people together, and reconciling past grievances if need be.“ (The Guardian)

 

(Siehe auch die DVD: Woodstock in Timbuktu – Die Kunst des Widerstands)

 

Und die neue Platte von Robert Plant? Naja, manche Stücke erinnern entfernt an Le Festival au Désert, manche an Led Zeppelin, und gefallen mir durchaus, aber überragend oder irgendwie überraschend ist diese Scheibe eher nicht.


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