Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2015 27 Jun

Downtown Music Gallery

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Gestern erreichte mich dieser ungewöhnliche Newsletter:
 
The rich get richer and the poor get worse
Ain’t nothing left but dust in my purse
We all have families so how we gonna feed’em?
Where’s Robin Hood when we really need him?
Summer is here and the heat is a drag
I wish I had some answers so I could brag

Music is the only thing that keeps me sane
So listen closely before it all goes down the drain.
Time to check out some New Music from Our Favorite Folks:

John Zorn/Dreamers’ Pellucidar! Dave Douglas! High Risk! Ingrid Laubrock
Anti-House III! Thollem/Nels Cline/Wimberley! Blind Idiot God Returns!
Anthony Coleman! Schlippenbach/Hubweber/Schubert/Thomas/Kellers!

Karl Berger & Kirk Knuffke! Sara Serpa & Ran Blake! John Hollenbeck &
Frankfurt Big Band! Frank Lacy & Mingus Big Band! Sean Sonderegger’s
Magically Inclined! Motian Sickness! Joan Wildman & Joe Fonda!

Ken Aldcroft & Scott Thomson! Helio Parallax! Karin Krog Anthology! Peter
Tosh! Waylon Jennings! Lou Reed! Lemon Pipers! And even more …!

Zunächst einmal öffne ich meinen Bücherschrank. Darin findet der gut aufgelegte Leser schnell die Abteilung Flann O´Brien, schnell übrigens deshalb, weil diese Abteilung ein halbes Regalbrett einnimmt. Da findet er unter anderem Aus Dalkeys Archiven, Der dritte Polizist, Irischer Lebenslauf, Durst und andere dringende Dinge, In Schwimmen Zwei-Vögel, Trost und Rat und Das harte Leben.

Allen Büchern gemeinsam ist die Tatsache, dass sie von Harry Rowohlt übersetzt wurden. Eine Ausnahme, man mag es kaum glauben, aber so ist es nun mal: das Büchlein Das harte Leben wurde nicht von Rowohlt, sondern von Annemarie und Heinrich Böll übersetzt. Gestern hörten wir, dass Harry Rowohlt mit gerade einmal 70 Jahren in Hamburg am 15.06. verstorben ist.

Ich habe von Harry Rowohlt übersetzte Bücher geliebt und nun mal eben den Autor herausgesucht, über den ich Rowohlt kennen gelernt habe. Besonders köstlich ist ihm die Übersetzung von In Schwimmen Zwei-Vögel und Trost und Rat gelungen. In letzterem Büchlein findet sich das Kapitel über die Buchhandhabung. O´Brien schildert hier eine geniale Geschäftsidee, über die sich jene Leute freuen dürften, die zwar nie lesen, aber dennoch vor ihren Mitmenschen als belesen und gebildet eingestuft werden wollen.

Zunächst muss man sich freilich die richtigen Titel für seine Bibliothek zusammenstellen, die Titelliste sollte natürlich in dem Buch Ulysses von James Joyce gipfeln, nebst ausgewählter Sekundärliteratur (übrigens, so spricht das einfache irische Volk über Flann O´Brien: “So hätte Joyce geschrieben, wenn er nicht so bescheuert gewesen wäre.”) Nun, die Bücherwand steht, vielleicht auch mit Hilfe der besten von Marcel Reich-Ranicki ausgewählten Romanen.

Ungelesene Bücher machen aber nun nicht viel her, deshalb kommt nun der Buchhandhaber ins Spiel, er bietet fünf verschiedene Stufen der Handhabung an, von ziemlich preiswert bis sündteuer. Stufe 1: Unser Schwachkopf von einem Kunden möchte, dass seine Bekannten ihn nach einem flüchtigem Blick ins Haus für einen Intellektuellen halten. Dazu reicht es, wenn jeder Band mit vier Eselsohren versehen wird, einem Straßenbahnfahrschein oder sagen wir einem Gepäckschein-Abschnitt. Stufe 2: Neben den Eselsohren und den genannten Papieren, werden in 25 Bänden geeignete Passagen mit Rotstift unterstrichen, außerdem bekommen sie als vergessenes Lesezeichen je eine Flugschrift über Victor Hugo in französischer Sprache.

Mit Handhabung De Luxe erreichen wir die dritte Stufe: “Jeder Band wird übel zugerichtet, die Buchrücken der kleineren Bände werden in einer Weise beschädigt, die den Eindruck entstehen lässt, sie seien in Brust- oder Hosentaschen herumgetragen worden; eine Passage in jedem Band wird mit Rotstift unterstrichen plus Ausrufungs- oder Fragezeichen am Seitenrand; ein altes Programm vom Gate Theatre wird jedem Band als vergessenes Lesezeichen beigelegt.”

Die vierte Stufe nennt man Traitement Superbe. Hier wird die Handhabung nur von ausgewiesenen Handhabungsmeistern vorgenommen. Neben allem bereits genannten werden in 50% der Bücher Randbemerkungen eingefügt, etwa: “Quatsch! / Ja, allerdings! / Sehr wahr, sehr wahr! / Da bin ich aber ganz anderer Meinung. / Warum? / Ja, aber vgl. Homer, Od.III, 151 / Na, na, na! / Schon, aber Boussuet hat in seinem Discours sur l´histoire universelle den gleichen Nachweis geführt und viel gehaltvollere Erklärungen abgegeben. / Unsinn, Unsinn! / Gut gegeben! / Aber warum, um Himmel willen? / Ebendies hat mir vor Jahren der arme Joyce gesagt.”

Kann man sich noch eine Steigerung vorstellen? Nein?

Doch, die Stufe 5. Neben allem vorangegangen genannten kommt gegen einen kleinen Aufpreis folgendes hinzu: Nicht weniger als sechs Bände werden mit gefälschten Zuneigungs- und Dankbarkeitsbezeugungen vom Autor des betreffenden Werkes versehen, z.B.: “Für meinen alten Freund und Zunftkollegen A.B. In liebevoller Erinnerung von George Moore …” oder “Lieber A.B., deine unschätzbaren Vorschläge und dein Beistand – die Freundlichkeit gar nicht zu erwähnen, die du an den Tag legtest, als du das gesamte 3. Kapitel umgeschrieben hast – als das berechtigt dich wie keinen Anderen zu diesem ersten Exemplar von Tess. Dein alter Freund T.Hardy.”

So, ich werde jetzt Harry Rowohlts gedenken, indem ich in seinen von ihm genial übersetzten Flann O´Brien-Büchern blättere, natürlich nicht, ohne mir zuvor einen großen Schluck Laphroaig, einen zehn Jahre alten Islay Single Malt Scotch Wisky, eingossenen und die wunderbare neue CD aufgelegt zu haben, die zu meinem Gedenken gut passt: Charlie Haden & Gonzalo Rubalcaba: Tokyo Adagio, ein Mitschnitt eines Duo-Konzertes aus dem Jahre 2005.

Gestern war um 18:20 Uhr im SWR das Hörspiel Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge nach dem gleichnamigen Roman von Rainer Maria Rilke zu hören. Dass die Musik von Thomas Weber – Kammerflimmer-Kollektiv – komponiert wurde, wäre doch ein Grund mehr dafür, es sich einmal anzuhören (noch bis Samstag auf der SWR-Hörspiel-Mediathek).

Der SWR schreibt dazu:

Rilkes “Brigge”, bereits 1910 erschienen, gilt heute neben Prousts Recherche und Joyces Ulysses als Wegbereiter des modernen Romans. Sein Thema: die Entwurzelung des Subjekts und seine Rettungsversuche nicht zuletzt durch die Kunst in einer aus den Fugen geratenen Zeit. Die Erfahrung der Pariser Großstadt um die Jahrhundertwende dient dabei als Spiegel für eine Ästhetik des Hässlichen, der Krankheit und des Todes. Es gibt hier keine Handlung noch einen klassischen Erzähler: In der Form eines Tagebuches reiht sich assoziativ verknüpft eine Folge von Prosadichtungen, die zwischen Erinnerung, Beschreibung, Erzählung und Reflexion stehen. Aus ihnen schält sich schattenhaft die Figur eines 28-jährigen Dänen. Als letzter Spross eines alten Adelsgeschlechts versucht er, heimat- wie besitzlos, in Paris seine Existenz als Dichter zu begründen. Die Hörspielfassung arbeitet bewusst mit einem hohen Kürzungsfaktor. Im Zentrum stehen die Stadterfahrung und das sich in Sprache und Form auflösende Ich als Signatur moderner Erfahrung.

Wenn nicht der Tempo mit dem Jukebox-Man kommt, sondern der Mazda K 360

 

Schon vor dem Öffnen der Kneipentüre erkannte ich die Musik, die im Inneres des Lokals lief: eine selten gehörte Nummer der Gruppe Free, “Mr Big”, Live at Fairfield House in Croydon 1970. Ja, dachte ich, hier bei Henry in der Hafenkneipe würde sich die Wurlitzer wohlfühlen. Free hatte ja schon richtig gute Musik gemacht, damals, man musste eben mal über “All Right Now” hinaussehen.

1970, das erinnert mich an einen sechswöchigen Aufenthalt in Edinburgh. Ich weiß nicht, wie oft ich am Abend Richtung White Elephant gelaufen bin, einem Musikclub in der Innenstadt. Diese Disco wurde tatsächlich als Club geführt, man musste Mitglied werden, um Eintritt gewährt zu bekommen. Gegen 23:00Uhr gab es eine Kleinigkeit zu essen, der ganze Aufwand nur deshalb, um die Polizeistunde nach hinten verschieben zu können. Eine Gruppe spielte dort öfter, leider habe ich mir den Namen der Truppe nicht gemerkt, aber ich weiß noch, sie spielte Musik der Gruppe Free nicht unähnlich. Was war das für ein schöner Sommer in Edinburgh: der Arthur´s Seat, die Forth Bridge, die Ausflüge in das Hochland …

 
 
 

 
 
 

Schluss mit der Nostalgie, zurück in die jüngste Vergangenheit, nach Hörnum/Sylt, die Fahrt mit diesem Mazda K 360 und seinen 16 PS und meine Wurlitzer 2150 auf der winzigen Ladeflüche festgezurrt, eine schwere, schwarze Plane schwungvoll darüber geworfen und festgezogen, um die Box möglichst ohne Wasserschaden zu ihrem Zielort zu befördern. Aber die Wolken hatten sich zurückgehalten, auch die Fahrt im Autoreisezug von Niebüll bis Westerland war bestens verlaufen, freilich, etwas nervig nur, die vielen neugierigen Fragen nach Auto und Ladung. In Westerland angekommen ging es dann – mit Rückenwind bin ich doch tatsächlich 65 km/h gefahren – Richtung Hörnum.

Ich erinnerte mich an meinen ersten Besuch auf Sylt … die Strandwanderung mit Martina, Treffen mit Lajla, die Insel-Besichtungstour mit Wolfram: Wir fuhren zunächst nach Norden, nach List, bzw. Gosch, überall Gosch, kein Ort für eine Jukebox und dann zurück mit seinem flotten Audi A3 nach Hörnum. Es war doch das Wochenende, an dem 96 gegen Augsburg, auch noch in Augsburg gespielt hatte, Michael, Wolfram und ich hatten uns das Spiel in einer Hotelbar angeschaut. Ich hatte schon in Aussicht gestellt, dass ich, sollte Hannover verlieren, wohl einen Abend in den Dünen verbringen würde, begleitet lediglich von einer Flasche kühlen Weißweins. Und dann doch gewonnen. Fahrt mit Michaels Leihwagen zum Abendessen, begleitet von Musik aus der neuen “Gary Peacock”: Now This. Tolle Platte!

 
 
 

 
 
 

Zurück nach Hörnum, in Henrys Kneipe am Rande des Hafens, direkt an der Nordsee gelegen. Die Box war entladen, ein geeigneter Stellplatz gefunden, die Aufhängungen entsichert, die Jukebox justiert, da erzählte mir Henry, dass er gerade Michael Chabon Buch “Telegraph Avenue” (Köln 2014) lesen würde. Da außer drei Paaren, die mit sich selbst genug zu tun hatten, niemand im Raum anwesend war, wollte er mir seine beiden Lieblingspassagen aus dem Buch vorlesen. Also, es ginge in dem Buch um einen kleinen Jazz-Plattenladen, – Brokeland Records – der zwar gut sortiert und exklusiv bestückt am Rande der Pleite überlebe. Die beiden Besitzer, Net Jaffe und Archy Stallings würden nun durch die drohende Eröffnung eines Megastores in ihrer Existenz bedroht. Ähnlich, so Henry, ginge es ihm mit seinem Lokal auf Sylt schließlich auch. Er fühle sich doch auch in seiner Existenz bedroht durch Hotelketten und Luxusrestaurants und er hoffe, dass durch seine Idee mit der Wurlitzer und der konsequenten 70er-Jahre-Bestückung mehr Gäste in seine Kneipe gelockt würden.

Einmal, so Henry, war Archy am Ende, war nahe dran, den Laden aufzugeben und sich womöglich als Geschäftsführer der Plattenabteilung im neuen Megastore anheuern zu lassen: “… aus der dem Untergang geweihten Höhle von Brokeland Records zu kriechen, den düsteren Zukunftsaussichten auf endlose Mülldurchsuchungen und Flohmärkte zu entkommen, wo jeder Tag wie eine Platte auf den nächsten sank, am Ende des Tages die Kasse mit ihrem flachbrüstigen Bon, mit einer Kiste voll zerkratzter, schimmliger Schätze nach Hause zu kommen, nur damit die eigene Frau mit Lehrerstimme einen anhand von Zitaten aus einem Selbsthilfebuch über den moralischen Imperativ belehrte, alles aus dem eigenen Leben zu tilgen, was nicht wesentlich war …”. Und dann kommt der Investor, der Chef zahlloser Megastores doch tatsächlich in den Laden: “Er wusste, dass Nat und er sich finanziell in einem immer engeren Kreis drehten. Und da kam dieser Typ daher, der sich selbst in Zeiten, da die Plattenketten dichtmachten und ungezählte Gratis-Downloads in die Hosentasche passten, der es sich selbst jetzt leisten konnte, einen hammermäßigen Plattenladen zu eröffnen, fünfmal so groß wie Brokeland und zehnmal so umfangreich, der es sich des Ruhms und der Tugend zuliebe leisten konnte, Archy für alle Zeiten pleitegehen zu lassen, unerschöpflich finanziert durch sein Medienimperium, sein lizenziertes Abbild, sein alchemistisches Händchen mit Getto-Immobilien. Wehte an einem Samstagnachmittag bei Brokeland herein, ein König in Zivil, um seinen Stiefel in den Nacken der Eroberten zu setzen.”

Ich verstand Henrys Ängste, sortierte Platten in den Plattenkranz ein, Testphase, alles gut, alles lief bestens. Auch die Platten-Vorschläge von Jan, Uwe und Michael sind berücksichtigt worden. Gerade wollte ich den Besuch bei Henry mit einem Lagavulin abschließen, da rückte Henry noch mit zwei Plattenwünschen heraus: Midnight Theme (Fraternity 1975) und Redbonin´, eine Platte, die es im Juli 1972 bis auf Platz 32 der R&B-Charts geschafft hätte. Genaueres wusste Henry nicht, beide Plattentipps hätte er seinem Buch Telegraph Avenue entnommen. Na gut, beide Singles  besitze ich nicht, ich werde mal Downtown-Gallery kontakten.

 
 
 

 

 

Wenn nicht der Tempo mit dem Jukebox-Man kommt, sondern der Mazda K 360

 
 
 

 
 
 

“… man darf gerne ergänzen“, schrieb ich vor gut zwei Wochen. Ja, und tatsächlich kam der eine oder andere Vorschlag für eine Erstbestückung der Wurlitzer 2150 aus dem Jahre 1957, die bestimmt ist für eine Kneipe auf der Insel Sylt. Jan Reetze zum Beispiel – und das freut mich besonders – nimmt die Aktion so ernst, wie ich es mir nur wünschen kann und macht darauf aufmerksam, dass es Hallogallo nie als Single gab. Er hat natürlich Recht, die Platte hätte ja auch Überlänge und hätte höchstens auf einer EP Platz. Ach ja, die EP (steht für Extended Play), in meiner privaten Jukebox findet man davon einige, z.B. Sondereditionen von den Rolling Stones, Michel Polnareff, France Gall und natürlich von den Beatles, allerdings war das eine ganz reguläre EP, noch dazu eine Doppel-EP, nämlich die Magical Mystery Tour vom Dezember 1967. Aber zurück zu der Anmerkung von Jan. Ich habe zunächst peinlichst darauf geachtet, dass nur Singles genannt werden. Manchmal war das aber gar nicht möglich herauszufinden, ob ein Stück als Single auf den Markt kam oder nicht. Im Falle von Led Zeppelin hatte ich zunächst gedacht, die Gruppe hätte nur LPs veröffentlicht, aber nein, der Immigrant Song erschien tatsächlich auf Singleplatte, was ich allerdings von Whole lotta love nicht sagen kann. Eine Empfehlung von Jan Neu! mit dem Titel Neuschnee, das war eine Single. Ist in Ordnung, die Platte kommt in die Box, ebenso Theme One von Van der Graaf Generator. Rod Stewart hätte ich aber trotzdem gerne in der Box behalten, die beiden Stücke werden eben sehr gerne gedrückt. Die Idee mit dem Flipper werde ich dem Wirt natürlich vortragen.-

Uwe Meilchen wünscht Titel der Gruppe Magma. Aus den siebziger Jahren stammen die Alben 1001° Centigrades //Mechanik DestruktiwKommandöh 1973 // Ẁurdah Ïtah und Köhntarkösz beide 1974 // und 1976 Üdü Wüdü // Attahk einschien 1977. Welche Platte wird bevorzugt, erschien ein Werk auf Single? Ja, und Lajla wünscht sich speziell für Sylt Peter Hammill: “The plague of the lighthouse”. Okay, auch diese Platte wird in die Box gestellt, damit hätten wir dann eine zweite Platte von Van der Graaf Generator. Ja,….und wir haben immer noch Platz für ein paar Platten …

 
 
 

 
 
 

Während der Manafonisten-Tage auf Sylt habe ich mich natürlich auch gefragt, wo so eine Box ihren besten Standplatz haben könnte. Im Norden der Insel, bei GOSCH passt sie wohl kaum hin, auch Westerland wäre nicht so geeignet, aber vielleicht Hörnum, im Hafen. Auf einem Hafenrundgang am Abend habe ich zum Beispiel diese schöne Kneipe direkt am Meer gefunden. Eine Jukebox gab es dort noch nicht, dafür einen köstlichen Weißwein, den ich ganz allein in der Dämmerung dort trinken konnte. Sylt kann auch sehr schön sein.

 
 
 

 

Wenn der Tempo mit dem Jukebox-Man kommt …

 

Wenn mich jetzt heute die Nachricht erreichen würde, dass ich auf Sylt mal mit meinen Boxen eine Chance bekommen würde … und mein Tempo würde streiken … Aber von vorne: da hätte nun irgendwo auf Sylt jemand die Möglichkeit, eine romantische Kneipe aufmachen zu können und der würde nun unbedingt eine meiner wunderschönen Wurlitzer-Jukeboxen mieten wollen, vielleicht eine Wurlitzer 2150 aus dem Jahr 1957, noch dazu sollte die Box mit hundert Single-Platten gefüllt werden und – wichtige Bedingung – es dürften ausschließlich 70er-Jahre-Platten in die Box … Bis zum Manafonisten-Treffen auf Sylt würde das natürlich gar nicht mehr laufen, aber man könnte ja mal angefangen zu sammeln (siehe unten, man darf gerne ergänzen).

Allerdings (siehe oben), der Tempo würde ja streiken, wie sollte ich jetzt die Box auf die Insel bringen? Das Glück wäre mir hold, jemand würde mir ein ganz tolles Auto leihen. Aber, was für eines?! Ich hätte von dem schönen Fahrzeug bisher nichts gewusst. Es wäre ein Mazda K 360, Baujahr 1960. Auch dieses Fahrzeug wäre, nein, ist ein dreirädriger Pritschenwagen, er hat 16 PS, 356cm³ und fährt immerhin 65km/h. Die Ladefläche ist sehr klein, sie würde gerade groß genug sein, um die Wurlitzer 2150 transportieren zu können. Die Platten und meine Werkzeugkiste würde ich wohl mit ins Fahrerhäuschen nehmen müssen. Kürzlich konnte ich auf einer Oldtimer-Messe ein paar Aufnahmen von dem wunderschönen Fahrzeug machen.

 
 
 

 
 
 
Das wären die ersten 80 Platten der 70er-Jahre-Erstbestückung:
 

The Clash: London Calling
Robert Wyatt: Sea Song
Robert Wyatt: Little Red Robin Hood Hit The Road
Stevie Wonder: I Wish
Stevie Wonder: Living for the City
Simon and Garfunkel: Mrs. Robinson
Simon and Garfunkel: Scarborough Fair
Lulu: The Man who sold the World
Van Morrison: Moondance
Van Morrison: He Ain´t Give You None
Gary Wright: Dream Weaver
10cc: Rubber Bullets
Lou Reed: Walk on the wild side
Steely Dan: Do it again
George McCrae: Rock me Baby
George Harrison: I live for you
Hawkwind: Silver Machine
Alice Cooper: Schools out
Steve Harley & Cockney Rebel – Make Me Smile (Come Up And See Me)
Eagles: Hotel California
 
 
 

 
 
 
Rod Stewart: Mandoline Wind
Rod Stewart: (I Know) I´m losing you
Commodores: Machine Gun
McGuinness Flint: When I´m dead and gone
Smokey Robinson and The Miracles: The Tears of a Clown
Kinks: Lola
Kinks: Strangers
Free: Alright Now
Steve Miller Band: Fly like an Eagle
Elton John: Saturday Nights Alright
Roxy Music: Amazona
Roxy Music: Editions of you
Beach Boys: Feel Flowers
Beach Boys: Add Some Music To Your Day
The Faces: Stay with me
Manfred Mann´s Earth Band: Mighty Quinn
Hues Corporation: Rock the Boat
Timmy Thomas: Why can´t we live together
Eric Clapton: Let it grow
Van Morrison : He ain´t Give You None
Stealers Wheel: Stuck In The Middle With You
Velvet Underground: Pale Blue Eyes
Velvet Underground: Sweet Jane
Crosby, Stills, Nash & Young: Carry On
Led Zeppelin: Immigrant Song
Led Zeppelin: Whole Lotta Love
Neil Young: Pocahontas
Neil Young: Heart Of Gold
Bob Dylan: Tangled Up In Blue
Bob Dylan: It´s All Over Now, Baby Blue
The Who: Let´s see action
The Who: We won´t get fooled again
The Allman Brothers Band: Jessica
Grand Funk Railroad: We`re An American Band
The Sparks: This Town ain´t big enough for both of us
The Sparks: Amateur Hour
David Bowie: Starman
David Bowie: Rebel Rebel
Pink Floyd: Money
Osibisa: Sunshine Day
 
 
 

 
 
 
Fleedwood Mac: Go Your Own Way
Fleedwood Mac: Don´t Stop
Shocking Blue: Venus
The Temptations: Papa Was An Rollin Stone
The Doobie Brothers: China Grove
The Doobie Brothers: Listen To The Music
Iggy Pop: The Passenger
Iggy Pop: Lust For Life
America: A Horse With No Name
Nick Drake: Pink Moon
Dash Crofts and Jim Seals: Summer Breeze
Edwin Starr: War
The Beatles: Accross The Universe
The Beatles: Let It Be
Santana: Black Magic Woman
Bill Withers: Lean On Me
NEU!: Hallogallo
John Cale: Fear Is The Man´s Best Friend
Rolling Stones: Hide Your Love
Rolling Stones: Wild Horses

Kürzlich mal wieder alle Platten von Julie Driscoll aus dem Plattenschrank gezogen, die Doppel-LP `Streetnoise´ aus dem Jahre 1969 mit Brian Auger and Trinity aufgelegt, abgehoben. Was sind das denn für unglaubliche Schätze: der Nina Simone-Song “Take me tot he Water“, der Doors-Klassiker “Light my Fire“, die Richie Havens-Nummer “Indian Rope Man“, das Miles Davis-Stück “All Blues“, viele tolle Brian-Auger-Stücke, ich glaub´s ja nicht. Die absolut faszinierende Stimme von Julie Driscoll, der packende Hammond-Organ-Sound von Brian Augers Spiel, es haut einen noch 46 Jahre nach Erscheinen der Platte wirklich vom Sessel.

 
 
 

 
 
 

Ich besitze noch eine zweite Orginal-LP aus dieser Zeit, `Open´, aus dem Jahre 1967. Die Originalplatte aus dem Hause Deutsche Grammophon (Polydor) kam in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift FUNK UHR auf den Markt und wurde beworben, als wäre sie der Soundtrack zur Walpurgisnacht auf dem Brocken im Harz: „Eine Walpurgisnacht in blue“, ist auf der Plattenhülle zu lesen, „Englands legendäre Popknäbin Julie Driscoll singt zum Orgelzauber des Hexenmeisters Brian Auger“. Na, denn! Schöne Walpurgisnacht!

2011 kam übrigens Brian Auger & Trinity: `The Mod Years´ heraus: 1965 bis 1969, complete Singles, b-sides and rare tracks. Sehr schöne Platte, 20 Titel, u.a.: “I Am A Lonesome Hobo“, “This Wheel´s On Fire“, “Road To Cairo“, “Can I Get The Witness“, “Cry Me A River“ u.v.m.   Leider währte die Zusammenarbeit mit Brian Auger nur wenige Jahre, aber, interessant, mit wem die Sängerin, die später Julie Tippetts heißen sollte, sonst noch zusammen gearbeitet hat. Genau, die üblichen Verdächtigen: Carla Bley (Echt?, doch, genau, auf der Platte `Tropic Appetites´ aus dem Jahr 1974), Evan Parker, Annie Whitehead und ????, ja, und Robert Wyatt. Es gibt eine Live-Aufnahme (DoCD) aus dem Jahr 2000 `Soupsongs Live – The Music of Robert Wyatt´, da war JulieTippetts auch mit dabei.

 
 
 
 

 

“Schalt mal ab”,
 
 
das ist heute in der SZ zu lesen und gemeint ist damit, dass jetzt das erste Land der WELT, nämlich Norwegen … – nein, ich kann es nicht schreiben, zu schlimm. Dabei hört man aus Oslo sonst so wunderbare Klänge! Also, wie jetzt “abschalten”? Norwegen wird als erstes Land der Welt 2017 endgültig UKW abschalten! So, jetzt ist es raus! Unfassbar! Es wird ein Riesenhaufen Schrottgeräte geben, man schätzt 7,9 Millionen Geräte. In Deutschland redet man hinter vorgehaltener Hand auch schon von solchen Untaten, bei uns würde es 94% aller Radiohörer treffen, ein Schrotthaufen bestehend aus 300 Milllionen Geräten würde das geben. Man kann sich schon denken, wo die Geräte dann hingeschippert werden. Dabei wären dann auch meine zwei Loewe-Röhrenradios, meine Arabella-Nordmende-Musiktruhe, mehrere Braun-Röhrengeräte, Kofferradios ohne Zahl …

Und warum? Für das hochgelobte DAB, über das ich mich in meinem Auto ständig ärgern muss, entweder hat man den Sender oder man hat ihn eben nicht. Meist ist letzteres der Fall. Zum Glück kann man DAB ausschalten, immerhin. Ich darf gar nicht dran denken, dass ich das noch erleben muss, kein UKW mehr, eine Horrorvorstellung. Meine ganze Radiosammlung, round about 30 Geräte würden von einem Tag auf den anderen verstummen, for ever. Und, als ob ich das nicht schon mal erlebt hätte, in den neunziger Jahren wurde mit großem Getöse das DSR-Radio eingeführt, das bislang modernste Radio der Welt. Die Daten kamen über Kabel digital ins Haus, und zwar im Paket. Deutschland hatte zunächst ein erstes Paket aus 16 Sendern eingeführt, das hieß, ich konnte alle Kultursender Deutschlands in CD-Qualität hören (nichts da MP3). Wow, das waren Zeiten. Hunderttausend Geräte gab es damals in Deutschland, immerhin. Dann kam ein Herr Kirch, kaufte die Frequenzen auf und von einem auf den anderen Tag, war mein Radio wertlos, dümpelt noch immer bei mir im Keller rum, will es jemand haben?

Ich geh dann mal ins Watt …
 
 
 

 

Neu im Plattenschrank

Natürlich kam mit dem Veröffentlichungstermin die neue Andras-Schiff-Platte bei mir zuhause an und wurde sogleich aufgelegt. Michael hatte diese Hammerklavier-Aufnahme ja schon erwähnt, aber, was ich da jetzt über meine Elac-Boxen zu hören bekam, hat mich schon richtig zum Staunen gebracht. Ja, ich gebe es zu, es war sogar gewöhnungsbedürftig. Wir sind doch alle verdammt gefangen in unseren Steinway-, Bechstein-,Bösendorfer und Yamaha-Hörgewohnheiten, dachte ich. Andras Schiff hat diese Platte auf seinem Hammerfügel, der 1820 in Wien von Franz Brodmann gebaut wurde, eingespielt (schön, dass im Begleitheft Michael Ladenburger über das Instrument eine Menge Interessantes zu erzählen weiß). Und: der Meister spielt Franz Schubert, die Ungarische Melodie in h-Moll D 817, die Sonate in G-Dur D 894, Moments musicaux D 780, Allegretto in c-Moll D 915, Vier Impromtus D 935 und schließlich die Sonate in B-Dur D 960. Nach mehrmaligem Hören bin ich dabei die Schätze dieser Aufnahmen zu erahnen, eine wunderbare Platte. Schiff schreibt im Begleitheft: „Nicht alle werden meine Begeisterung teilen. Für manche Musikliebhaber klingt das Fortepiano fad, farblos und monoton. Sie meinen, mit einem modernen Flügel könne es keinesfalls mithalten, der Klang des Letzteren sei kräftiger, robuster, brillanter. Wer aber in die Klangwelt des Fortepianos genau hineinhört und heimlich lauschet, dem wird sich eine neue Dimension eröffnen. Wer weiß, vielleicht wird ja auch mancher von ihnen konvertieren?“

 

 

Und auch die zweite neue Platte, die ich hier erwähnen möchte, wird sicher zu meinen besten 20 Plattentiteln des Jahres 2015 gehören: Paolu Fresu (trumpet, Flugelhorn) und Daniele di Bonaventura (bandoneon) spielten im Duo das Album `In maggiore´ ein. Was für wunderschöne, ruhige, leise, zarte Klänge…
Die neue Veröffentlichung von Sufian Stevens `Carrie and Lowell´ begeistert mich ebenso wie die von Michael hier schon ausführlich vorgestellte neue Platte von The Mountaiun Goats `Beat the Camp´.
Ende März erschien `Lost and Found´ aus der Reihe Buena Vista Social Club, keine Überraschung, aber eine gute Platte mit Aufnahmen aus dem Jahr 1996, 1999 bis 2002 und neueren Liveaufnahmen.
Fast ein echter Fehlkauf: Matthew E.White: `Fresh Blood´. Mich hat eigentlich nur ein wirklich tolles Stück auf dieser Platte begeistert: `Rock & Roll is Cold´. Das ist eines jener Stücke, die man gerne hört, wenn es in den Urlaub geht oder zum Manfonisten-Treffen nach Sylt. Sicher wird es auch zahllose Anfragen geben, dieses Stück in die diversen Juke-Boxen aufzunehmen. Den Rest der CD gilt es vielleicht noch zu entdecken.
Die Gruppe Villayers haben mich allerdings mit ihrer Platte `Darling Arithmetic´ wirklich überrascht, SPEX schreibt dieses Album gehöre zur problematischsten aller musikhistorischen Kategorien: Es sei ein Trennungsalbum. Na, das erinnert mich doch an eine Diskussion hier…..Mir gefällt diese Platte jedenfalls sehr gut, ebenso, wie das neue Album der Unthanks `Mount the Air´.

 

Auch Ostern mit Robert Wyatt

 

Sehnsucht nach einer neuen Platte von Robert Wyatt! Allein, es wird keine mehr geben.Dann stelle ich mir eben meine eigene neue Robert Wyatt-CD zusammen, auf der werden Songs zu hören sein, – das ist die Idee – die nie je unter seinem Namen erschienen sind, sondern einer Zusammenarbeit mit weiß der Teufel wem geschuldet sind.

An die Arbeit, Ostern naht.

Mein Wohnzimmer, ein Schlachtfeld; die Plattenschränke wagenweit geöffnet, unzählige Schallplatten und CDs liegen verstreut im Zimmer. Ich erinnere mich: als ich in den achtziger Jahren die Arbeit mit dem PC entdeckte und ich die Arbeit mit dBASE erlernt hatte, schwebte mir eine Verwaltung meiner Schallplatten und Kassetten vor und zwar mit einem Programm auf dBASE Basis. Nach Eingabe aller Musiker und Titel meiner LPs und CAs hätte ich mit einem Klick alle Musikstücke unter Wyatt-Beteiligung gefunden. Nach der hundertfünfzigsten Platte gab ich damals auf. Ich wollte lieber Musik hören als diesen Verwaltungs-Mist zu machen. Für heute allerdings hätte ich es leichter.

Hier mein Suchergebnis, hier die neue Robert-Wyatt-CD zu Ostern, bestehend ausschließlich aus Musik unter Wyatt-Beteiligung, nicht unter dem Namen des Meisters erschienen, immerhin 16 Stücke!

 
 
 

 
 
 

Björk & Robert Wyatt: Submarine (aus der LP / CD Medulla 2004)

Various Artists (Robert Wyatt & Hugh Hopper): Amber and Ambrines (aus:Department of Enjoyment 1984)

Various Artists (Brian Eno & Robert Wyatt): Flies (aus: Plague Songs 2006)

Dave Sinclair & Robert Wyatt: Sad Eyes (aus dem Album Stream 2011)

Pascal Comelade & Robert Wyatt: September Song (aus September Song Mini-CD 2000)

John Cage & Robert Wyatt: Expeiences No.2 (Aufnahme über YouTube, unbedingt anschauen, zwingend!,Vocals by Robert

Wyatt; aus Voices and Instruments – Obscure Records No.5 1976)

Paul Haines & Robert Wyatt: Curtsy (aus Paul Haines: Darn it – mit: Paul Bley!, Evan Parker und vielen, vielen anderen wunderbaren Musikern VÖ 1993)

Steve Nieve feat. Robert Wyatt & Muriel Teodorie: La Plus Jolie Langue ( Album Together 2014)

Jeanette Lindström & Robert Wyatt: The River (aus der CD Attitude & Orbit Control VÖ 2010; The River, ein wunderbares Stück)

Ben Watt & Robert Wyatt: A Girl in Winter (aus dem Album The Lady and The Gentle Man: A Songwriter´s Valentine VÖ 2012)

 
 
 

 
 
 

Various Artists Ben Watt & Robert Wyatt: Aquamarine (I´ll Give You My Heart – I´ll Give You My Heart Cherry Red Records 1978-1983)

Various Artists Ben Watt & Robert Wyatt: Another Conversation With Myself (The Cherry Red Records Singles Collection Part.5 2013)

Bertrand Burgylat & Robert Wyatt: This Summer Night (Vinyl Single 2008)

Pete Challis, Phil Diplock & Robert Wyatt: Rangers in the night (ich habe mich nicht vertippt, es heißt Rangers in the night … Aus dem Album Miniatures 1 VÖ 1980)

Anja Gabarek & Robert Wyatt: The Diver (aus der CD Smiling and Waving VÖ 2001, ein tolles Stück, zwingend anhören!!!)

 

Schöne Ostern


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