Manafonistas

on music beyond mainstream

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Wenn der Tempo mit der Jukebox wieder kommt …

 

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… ja, ich weiß auch nicht, wie das hat passieren können. Es ist zwar alles nur Fiktion, dennoch, die Vorstellung, dass jemand Taste 6 der Musikbox (siehe Plattenschrank Nr.41) drückt und es kommt nichts, ist für den Jukebox-Man natürlich furchtbar, also, das geht ja gar nicht. Da hilft auch die Vorstellung nicht, dass da vielleicht John Cage 4:33 zu hören wäre. Nr.6 wird also jetzt nachgeliefert.
 
Nr. 6 David Sylvian: I Surrender
 
Außerdem wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ich zwar Musikboxen mit jeweils 100 Schallplatten aufstellen würde, aber nur 75 Plattentitel genannt hätte. Deshalb werden auch die fehlenden 25 Titel heute nachgeliefert. Und wie sich das für eine ordentliche Jukebox-Musik-Mischung gehört, besteht auch diese Auswahl aus brandaktuellen Titeln (so zum Beispiel Corrina Corrina in der wunderschönen Version von Rod Stewart, gerade erst erschienen oder Teho Teardo & Blixa Bargeld: Still Smiling, am 15. Mai von Manafonistas vorgestellt) und Platten, die einfach immer, und das auch noch nach vielen Jahren, gedrückt werden. Der dritte Teil der Auswahl entstammt der Rubrik “Missionsplatten“, das sind Platten, die dem Jukebox-Man wichtig sind, die er einfach in der Box präsentiert, auch wenn sie nur höchst selten gedrückt werden.
 
 
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76. Rod Stewart: Corrina, Corrina

77. M. Ward: Green River

78. Neil Young: Pocahontas

79. Laurie Anderson: Tightrope

80. The Who: Won´t get fooled again

81. Bill Frisell, Dave Holland, Elvin Jones: Coffaro’s Theme

82. P J Harvey: The Words That Maketh Murder

83. Hardin & York: I can´t find my way home

84. Unbunny: Nothing comes to rest

85. Josh Ritter: Right Moves

86. Eddy Louis & Michel Petrucciani: Summertime

87. Emmylou Harris: Where will I be

88. William Fitzsimmons: After all

89. The Low Anthem: The Ballad of the broken Bones

90. David Bowie: Heroes

91. ZAZ: J’ai Tant Escamote

92. Smokey Robinson and the Miracles: Tears of a Clown

93. Talk Talk: Desire

94. Miles Davis: Time after Time

95. King Creosote: Give it up

96. Charles Lloyd: Ne Me Quitte Pas (If You Go Away)

97. Teho Teardo & Blixa Bargeld: Still Smiling

98. Roger Eno: Ted`s Funeral Music

99. John Grant: GMF

100. The National: I’m going through an awkward phase

(siehe und höre Manafonistas 17.04.2013)

 

bis die Tage …

 
 

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So, lieber Michael

auch nach wirklich stundenlangem Suchen, kein Erfolg, gerade das Heft
bleibt verschollen. Aber es gibt einen Trost: Ich habe den englischen Text
gefunden, den du mir damals zugeschickt hast, jeweils meinen Teil und deinen Teil,
also den ganzen Text. Dann habe ich noch meine Übersetzung gefunden, so, wie
ich ihn dir zugeschickt habe. Jetzt gehe ich in den Copyshop, dann zur Post und du
hast hoffentlich morgen den fetten Brief mit dem englischen Gesamt-Text und meinen
übersetzten Teil. Ich hoffe dir dennoch geholfen zu haben und freue mich auf die Tibbetts-Sendung.

Liebe Grüße
Gregor

Bin dabei das Heft zu suchen, wahrscheinlich findet es sich aber bei den Sachen, die hinter einer Tapetentür ruhen. An die Tür komme ich aber nur ran, wenn ich ein Bett abbaue und ein Bücherregal. Morgen werden ich dafür Zeit finden. Wenn ich das Heft dann finde, die Wahrscheinlichkeit liegt bei 90%, kopiere ich dir noch morgen den Artikel, dann hast du ihn Samstag. Reicht das? Ich hatte schon, nachdem ich das Heft in der Wohnung nicht finden konnte, im Jazzthetik-Archiv geschaut, aber die sind mit ihrer Digitalisierung von Heften noch längst nicht soweit, auch ein Besuch bei Reutlinger Stadtbibliothek war vergeblich, die haben nur die Hefte bis 2005 aufwärts aufgehoben. Du siehst, ich bin in deiner Angelegenheit echt tätig …

Die Nachrichten von Dortmund sind niederschmetternd: nochmals, in London müsst ihr gewinnen, zwingend!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

bis die Tage
Gregor

Wenn der Tempo mit der Jukebox kommt …

 

Vor ein paar Wochen entdeckte ich in Hannover dieses Fahrzeug.
 
 
 

 
 
 
Die Begeisterung kannte keine Grenzen. Ein echtes TEMPO Hanseat Dreirad-Fahrzeug! Dieser Lieferwagen wurde von 1938 an als Tempo A 400 und nach dem Krieg als Tempo Hanseat produziert. Für mich gehörten diese Fahrzeuge als Getränke- und Kohlewagen, eigentlich als Lastenträger aller Art, zum Stadtbild meiner Heimatstadt Hannover in den fünfziger Jahren. Diese kleinen LKWs konnten, weil es sie mit den unterschiedlichsten Aufbauten gab, universell eingesetzt werden. Angeboten wurde der Tempo zunächst mit 12,5 später mit 15 PS.
 
 
 

 
 
 
Okay, ich gebe es zu, meine Fantasie drehte beim Anblick dieses Fahrzeugs nachhaltig richtig durch. Ich stellte mir vor, wie es wäre, ein solches Fahrzeug, freilich mit geschlossener Ladefläche, zu besitzen. Beruflich hätte ich mit der Betreuung von Wurlitzer-Musikboxen zu tun und hätte die verschiedensten Kneipen anzufahren, Platten auszuwechseln, Boxen zu reparieren, Boxen zu transportieren und vieles mehr. Eine Wurlitzer 2100 von 1957 (mit 200 Wahlmöglichkeiten) stünde in einer etwas lausigen Kneipe eines weitläufigen Busbahnhofsviertels, eine Wurlitzer 2300 von 1959 hätte ich in einer Milchbar eines ziemlich verlassenen Kleinstadt-Bahnhofs zu betreuen, eine Wurlitzer 2404S (also schon Stereo) von 1960 würde in einer Eisdiele eines vernachlässigten Vorstadtviertels arbeiten. Weitere drei Boxen hätte ich nur in den Sommermonaten an der Nordsee anzufahren, sie stünden in zugigen, aber grundehrlichen Kneipen direkt am Meer. Natürlich gäbe es auch wieder Vinyl-Singles. Bestückt würden die Boxen mit einer Mischung aus aktuellen Scheiben, aber auch älteren Platten. Meine Erst-bestückung der Wurlitzer-Jukeboxen könnte so ausfallen (die Auswahl hätte nichts mit einer Best-of-Hitliste zu tun, wäre natürlich auch nicht wirtschaftlich motiviert, orientierte sich vielmehr an dem, was der Juke-Box-Man selber gerade gerne an diesen bestimmten Orten hören würde und sich wünschen würde, dass man Freude an genau dieser Musik hätte):

 

1. The Flaming Lips: The Terror
2. Ian Broudie: Smoke rings
3. The Go-Betweens: Finding you
4. Brian Wilson: Heroes an Villains
5. Brendan Benson: Cold Hands
7. Gillian Welch: The way it goes
8. Timmy Thomas: Why can´t we live together
9. Eels: Living life
10. Beck: True love will find you in the end
11. Sparkelhorse with the Flaming Lips: Go
12. Van Morrison: Astral Weeks
13. Wilco: I am trying to break your heart
14. Beth Gibbons & Rustin Man: Show
15. Mark Knopfler: Cleaning my gun
16. Hector Zazou & Björk: Visur Vatnsenda-Rosu
18. Antony and the Johnsons: Hope there´s someone
20. Luscious Jackson: Under your
21. Roger Eno: Ted´s Funeral Music
22. Devendra Banhart: Your fine Petting Duck
23. Nick Cave and the Bad Seeds: We No Who U R
24. Dan Michaelson and the Coastguards: Tremors
25. Kate Bush: 50 Words for Snow
26. Brian Eno: An Ending
27. Big Mama Thornton: Hound Dog
28. Van Morrison: Cyprus Avenue
29. B.B.King & Eric Clapton: Rock me baby
30. Eels: Trouble with dreams
31. Savina Yannatou: Smilj Smiljana
32. Simone White: Bunny is a bunny suit
33. Elvis Perkins: Shampoo
34. Bob Dylan: Man in a long black coat
35. The New Pornographers: Hey, snow white
36. Robert Plant & Alison Krauss: Your long journey
37. The National: So far around the Bend
38. The Decemberists: Sleepness
39. The Unthanks: Nobody knew she was there
40. The Mountain Goats: 1 Joh 4,16
41. Beirut: Mimizan
42. My morning Jacket: El Caporal
43. Muddy Waters: Mannish Boy
44. Al Steart: On the border
45. Velvet Underground: Sweet Jane
46. Suzanne Vega: Tom´s Diner
47. Robert Wyatt; Sea Song
48. Bears: More left out
49. Nick Howard: Days like these
50. Alison Krauss and Union Station: Bonita and Bill Butler
 
 
 

 
 
 
51. Andrea Corr: Pale Blue Eyes
52. The XX Coexist: Angels
53. Betty LaVette: Everything is broken
54. Eivind Aarset: Close (for comfort)
55. Regina Spektor: Small town moon
56. The Avett Brothers: February seven
57. Paul Buchanan: Mid Air
58. Colin Stetson: Lord I just can´t keep from crying sometimes
59. Spiritualized: Mary
60. Malia: Keeper of flame
61. Billy Gibbons & Ch: Oh Well
62. Rolling Stones: She´s a rainbow
63. Beatles: We can work it out
64. Frank Ocean: Bad Religion
65. Jason Lytle: Matterhorn
66. Vijay Iyer Trio: The Village of the Virgins
67. Malia: Keeper of flame
68. Patty Smith: Amerigo
69. Bob Dylan: Narrow Way
70. David Sylvian: Where´s your gravity
71. Daniel Lanois: The Deadly Nightshade
72. Bill Fay: There is a Valley
73. Johnny Cash: Solitary Man
74. Pierre L. Kab 1340
75. George Harrison: Run of the Mill

TZADIK I

 
BROOKLYN 2 – East river, strolling between the two bridges on Manhattan side, so war ein Beitrag von Henning Bolte überschrieben, in dem es unter anderem auch um einen Besuch der Downtown-Music-Gallery ging. Für mich, der ich schon viele Jahre jede Woche zwei Mails von diesem grandiosen Plattenladen bekomme und in den neuen Angeboten stöbern kann, die eine oder ander CD dann auch schon gefunden, bestellt und erhalten habe, war das natürlich eine interessante Lektüre. Die Downtown-Music-Gallery lernte ich über John Zorns Label TZADIK kennen. John Zorn konnte ich das erste Mal 1991 in Tübingen hören, damals mit seiner Band-Projekt Naked City, dabei waren Bill Frisell, Wayne Horvitz, Fred Frith und Joey Baron. Ich war begeistert, was für eine Gruppe!
 
 

 
 
1995 gründete Zorn sein eigenes Plattenlabel und die Bandmitglieder von Naked City sollten auch auf zahlreichen Platten dieses Labels zu hören sein. Von Beginn an faszinierte mich Zorns Plattenfirma, entdeckte ich dort doch so viel interessante Musik, TZADIK-CDs nehmen deshalb auch einen besonderen Platz in meinem Plattenschrank ein. Vor Jahren konnte man übrigens bei JAZZ IS BECK in München in einer eigens eingerichteten TZADIK-Ecke eine größere Anzahl CDs dieser Firma anschauen und vor allem auch anhören. Das ist leider inzwischen mangels Nachfrage abgeschafft worden. Aber: Das Bestellen über die Downtown-Music-Gallery macht ja auch Spaß.
An zwei TZADIK-Platten möchte ich heute erinnern: Bar Kokhba, dass war der Titel meiner ersten TZADIK-Platte, eine Doppel-CD mit John Zorn, Mark Feldman, Erik Friedlander, Greg Cohen, Anthony Coleman, David Krakauer, John Medeski, Mark Dresser, Kenny Wollesen, Chris Speed und Dave Douglas, alles Musiker, die man später auf vielen weiteren Produktionen von TZADIK wieder hören sollte. Bar Kokhba ist eine Platte aus der Radical-Jewish-Culture-Serie aus dem Masada-Projektes von John Zorn. Zarte, fast zerbrechliche Musik, 25 wirklich hörenswerte John-Zorn-Kompositionen. Die Musik dieser Platte wurde zum Teil für einen Dokumentalfilm geschrieben „The Art of Remeberance – Simon Wiesenthal.
 
 
 

 
 
 
Eine weitere CD aus der Sparte Radical-Jewish-Culture trägt den Titel Masada Guitars. Viele Titel aus Bar Kokhba hören wir hier in vollkommen neuem Klanggewand wieder, eingespielt von Bill Frisell, Marc Ribot und Tim Sparks. Und auch hier, sehr ruhige, intensive Klänge, ohne viel Beiwerk, auf das Wesentliche beschränkt. Nur ein Stück – Katzatz – mit Bill Frisell erinnert an die wilden Solos, die Frisell einst in der Tübinger Neuen Mensa mit Naked City präsentiert hat. Und im übrigen, schön, wenn sich ein wichtiges Musik-Label, צדיק nennt: Gerechtigkeit.

Nach dem Lesen des Aufsatzes von Diedrich Diederichsen über Paul Bley, Annette Peacock … in dem Katalog zur Ausstellung ECM — Eine kulturelle Archäologie, dachte ich so bei mir, du solltest doch mal wieder schauen, was es Neues von Paul Bley gibt. Und tatsächlich, eine ganz wichtige CD aus dem Jahre 2008 ist von mir nicht wahrgenommen worden, ihr Titel About Time.
 
 
 

 
 
 
Es handelt sich um ein Soloalbum, auf der der inzwischen achtzigjährige Bley nur zwei Aufnahmen veröffentlichte, das titelgebende Stück About time und die Sonny Rollins Komposition Pent-Up-House. About Time ist eine 33-Minuten Improvisation, bei der der Paul-Bley-Liebhaber voll auf seine Kosten kommt. Was für eine Musik! So spielt wirklich nur Paul Bley. Ja, und natürlich handelt About time von einem Lebensthema Bleys, der Zeit. In seiner Autobiographie schrieb Bley, dass er versucht habe, der langsamste Pianist der Welt zu werden. Das konnte ich in seiner Musik nie so recht nachvollziehen, allerdings ist er für mich der Pianist mit den längsten und sehr viel sagenden Pausen. Das kann man allerdings nun auch auf dem 33-Minuten-Stück About time wieder wahrnehmen. Hier hören wir langsame, zarte Spielphasen, aber auch höllisch schnell und manchmal sehr hart gespielte Aufbrüche. Öfter zitiert Bley sich selbst und man erkennt die eine oder andere bekannte Melodielinie. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Bley mit About time sein Lebenswerk ein Stück weit zusammenfasst: ein Meisterwerk. Konrad Heidkamp schrieb 1995 in der ZEIT über ihn: “Paul Bleys Handschrift ist unverkennbar: lyrisch, in sich versponnen, mit sparsamen Figuren der rechten Hand, mit harmonischen Zentren, mit Rhythmen, die sich verschieben. Ein Schweben entsteht, eine Offenheit, …” Genau das ist auf About time wieder zu hören.

Am 25. März müssen wir nach über zwanzig Jahren von den montäglichen Live-Klanghorizonten Abschied nehmen. Grund genug einmal etwas zurückzuschauen. Am 29.Dezember 1991 habe ich meine erste Sendung mit Michael Engelbrecht im Radio gehört. Empfangen konnte man damals den DLF im Raum Tübingen nur terrestrisch und das auch nur mit erheblichem Grundrauschen. Die Sendung Klanghorizonte begann damals um 00:05 Uhr am Montag und beanspruchte volle zwei Stunden. Klar, dass eine zweistündige Sendung anders aussehen konnte und musste als eine einstündige. Sehr oft wurden zum Beispiel lange Stücke gespielt. Für mich als Hörer, der ich von Beginn an die Klanghorizonte ungeheuer schätzte und keine Sendung verpassen wollte, stellte sich damals ein technisches Problem. Bis zwei Uhr die Klanghorizonte zu hören, das war mir nur in den Ferien möglich, sonst hatte ich an Werktagen um 5:45 Uhr aufzustehen, was bedeutete, dass ich mindestens die zweite Stunde der KH in der Regel aufnehmen musste. 1991 stand dem Musikliebhaber ein Kassettenrecorder – natürlich mit Timer-Funktion – zur Verfügung und Kassetten mit einer Höchstlaufzeit von zweimal 60 Minuten. Ganz empfindliche Kassetten waren das, die sehr häufig einen Bandsalat verursachten. Zwei-Stunden-Sendungen aufzunehmen, das war erst mit der Einführung des DAT-Recorders ohne größere Probleme möglich oder aber man griff auf die gute alte Bandmaschine zurück, zum Beispiel einem UHER-Royal-Tonbandgerät, schloss das Gerät an eine Zeitschaltuhr, stellte die Maschine auf Aufnahme und schon konnte es losgehen.
Zurück zu meiner ersten Sendung mit Michael Engelbrecht, dessen zweite Stunde ich tatsächlich mitgeschnitten habe und das entsprechende Band auch noch besitze. Gleich in dieser Sendung konnte ich Musiker hören, die mich in all den Jahren der Klanghorizionte begleiten sollten. Michael spielte in der zweiten Stunde zunächst Michael Brook: Sleep with the fishes. Wunderbare Musik!
 
 
 

 
 
 
Dann wurde Robin Holcomb mit ihrem Album Robin Holcomb aufgelegt. Begleitet wird die Sängerin auf dieser Platte von Wayne Horvitz, Bill Frisell und seiner Band. Eine tolle LP, die ich mir dann auch umgehend besorgt habe. Michael wählte das Stück Hand me out all stories aus. Später veröffentlichte Robin Holcomb dann so wunderbare Platten wie Todos Santos, wiederum mit Wayne Horvitz, dann aber auch mit Butch Morris, Robert Previte, Doug Wieselman und wiederum Bill Frisell oder Larks, They crazy mit Doug Wieselman, Marty Ehrlich, Wayne Horvitz, David Hofstra und Robert Previte.
 
 
 

 
 
 
Auf Robin Holcomb folgte die Bill Frisell Band mit ihrer Platte Where in the world, Michael wählte das Stück Child at heart aus. Und auch Bill Frisell sollte ein treuer Begleiter durch viele Klanghorizonte werden.
In dieser letzten Sendung des Jahres 1991 erinnerte Michael daran, dass zum Ende des Jahres eine Menge Re-issues erschienen seien, herausragend in diesem Bereich sei die die Veröffentlichung einer Vier-CD-Box von King Crimson. Robert Fripp habe ganze Arbeit geleistet und die alten Aufnahmen ausgezeichnet remastered. Das Stück Epitaph folgte.
 
 
 

 
 
 
Den Schlusspunkt setzte dann die Gruppe Soft Machine. Michael Engelbrecht sagte, das Stück, das jetzt folge, sei eines seiner Lieblingsstücke und auch sein Kollege aus der Literaturabteilung des DLF, Hajo Steinert, würde dieses Stück zu seinen Favoriten zählen. Die Rede war von Moon in June aus der 1970 erschienen LP Soft Machine Third. Und auch Robert Wyatt, der Sänger dieses Stückes, sollte noch eine wichtige Rolle in den folgenden Jahren spielen. Eigentlich wurde jede seiner Veröffentlichungen in den KH angemessen gefeiert.
 
 
 

 
 
 
Ja, und dann gab es eben in dieser Nacht von Sonntag auf Montag in der Regel nur Live-Sendungen Das waren Sendungen, in denen auch mal etwas schief gehen durfte. Mal war der CD-Player kaputt, die CD ließ sich nicht abspielen oder wir Hörer durften einen Versprecher des Moderators brüllend vor Lachen miterleben. Abenteuerlich auch, wenn Michael auf dem Weg ins Funkhaus im Schnee stecken blieb oder aus Krankheitsgründen nicht nach Köln kommen konnte. Dann musste das Band mit einer Ersatzsendung, für solche Fälle stets in Reserve gehalten, aufgelegt werden. All das machte den Charme einer Livesendung aus. Schade, dass all das jetzt vorbei ist, schade auch, dass der gewohnte Termin gestrichen wurde und wir jetzt vollends nur mit dem Aufnahmegerät arbeiten können, denn die KH laufen ab April nur noch in der Nacht von Freitag auf Samstag  um 4:05Uhr. Und mit welchen Sendungen erfreut uns die Programmdirektion des DLF ab April in unserer gewohnten Nacht von Sonntag auf Montag? Hier ein Vorgeschmack: Kultur vom Tage, Interview der Woche, Essay und Diskurs, Kulturfragen, Debatten und Dokumente, Zwischentöne, Musik und Fragen zur Person, Radionacht Information. Na denn!!!
Und, Michael, tausend Dank für so viele Livesendungen am Montag um 00:05 Uhr bzw. 01:05 Uhr … muss auch mal gesagt werden …

Bill Evans

 
In der Bibel findet sich das Gleichnis von einem Kaufmann, der gute Perlen suchte und eines Tages eine ganz besonders kostbare Perle fand. Da er sie sich nicht leisten konnte, verkaufte er alles, was er hatte und kaufte sie. Soweit diese Geschichte. Es soll jetzt hier nicht darauf ankommen, wie man dieses Gleichnis auslegen könnte, ich muss nur immer an dieses Gleichnis denken, wenn ich auf den zentralen Platz in meinem Plattenschrank schaue. Da steht ein dicker roter Schuber, auf dem in goldenen Lettern zu lesen ist: BILL EVANS: THE COMPLETE RIVERSIDE RECORDINGS. In diesem dicken roten Schuber finden sich nun zwei weitere rote Schuber und in diesen jeweils neun Schallplatten in roten Hüllen eingeschlossen. Diese Perle unter den Schallplattenveröffentlichungen erschien 1984 in limitierter Auflage von 5000 Stück. Als ich damals von dieser Box erfuhr, dachte ich nur eines, eine von diesen 5000 copies muss dir gehören. Nun war die rote Bill-Evans-Sammlung schon damals sündteuer und für mich nicht zu bezahlen. Da gerade ein größerer Flohmarkt nahte, verkaufte ich sogar Dinge, die mir einiges wert waren, unter anderem viele Schallplatten. Zum Glück weiß ich nicht mehr, was ich alles weggegeben habe. Egal, Hauptsache ich hatte das Geld für den roten Evans-Schuber beisammen. Dann fuhr ich nach Stuttgart – damals gab es noch richtig tolle Plattenläden, nicht nur die Auswahl zwischen Saturn und Mediamarkt – und kaufte mir das ersehnte Exemplar.
 
 
 

 
 
 
Orrin Keepnews ist der Producer dieser famosen Sammlung und wenn ich jetzt aufzähle, wer da so im Trio oder auch Quartett mit Bill Evans zwischen 1956 und 1963 gespielt hat, dann wird der/die eine oder andere LeserIn es nicht fassen können, was sich damals abgespielt hat. Der im November 2011 verstorbene Paul Motian ist der Schlagzeuger auf den meisten Aufnahmen, auch Philly Joe Jones spielt öfter mit und auf je einer Schallplatte ist Connie Kay und Larry Bunker zu hören. Der Bass wird sehr oft von Scott LaFaro bedient, aber auch von Paul Chambers, Sam Jones, Percy Heath, Chuck Israels, Ron Carter oder Teddy Kotick. Hinzu kommen auf jeweils einer Platte der Trompeter Freddie Hubbard, der Gitarrist Jim Hall und die Saxophonisten Julian Cannonball Adderley und Zoot Sims. Dass jeder Aufnahmesession liebevoll dokumentiert ist, versteht sich von selbst. Und, was bekommen wir zu hören? 140 Titel! Manche in verschiedenen Versionen, so etwa Waltz for Debby gleich vier Mal, drei Aufnahmen von All of you und My Romance, zwei von Alice in Wonderland, How about you, Nardis., Time remembered oder What is this thing called love? Und dann so seltene Aufnahmen wie Peace Piece, Night and Day, Danny Boy oder Israel. Ganz zu schweigen von den Klassikern: Summertime, Round midnight, Re: Person I knew oder In a sentimental mood.
Und? Ist der rote Schuber so limted geblieben? Nein! Bei jpc bekommt der Liebhaber die Plattenbox in Neuauflage zum Sonderpreis von 599,00 Euro, nun im schwarzen Karton. Als CD-Box ist das ganze natürlich auch erschienen, aber wer will schon CDs???

Kevin Ayers

 
Stop this train hört sich an, als ob jemand eine Platte auf einen guten alten Perpetuum Ebner legt, den Tonarm, bevor er die Maschine angeworfen hat, auf die Schallplatte hievt und dann startet, aber schön langsam. Wenn sich dann noch die entsprechende Musik auf der Platte befindet, dann meint man eine schwere Dampflokomotive verlässt den Bahnhof. Ziemlich verspielt, ganz schön heiter und mehr und mehr in Fahrt kommend, passiert der Zug eine freundliche Landschaft, hupt an dem einen oder anderen Bahnübergang ein wenig, gerät dann aber in beängstigende Geschwindigkeit – der PE Plattenspieler wurde auf 78 Umdrehungen gestellt – fade out. Gehört haben wir eine Musik, bei der mir sofort die Stimme von Robert Wyatt einfällt, wahrzunehmen ist aber der Gesang von Kevin Ayers, beide Stimmen wären zu der Musik wunderbar vorstellbar. Das Stück findet sich auf einer Langspielplatte aus dem Jahre 1969 Joy of a Toy.
 
 
 

 
 
 
Von dieser herrlichen Platte – einige der Stücke dieser LP sind auf youtube zu hören – lege ich jetzt gleich noch The Lady Rachel und Song For Insane Times auf, beim letzteren Song haben wir es dann von der Besetzung her gesehen mit der halben Softmachine-Band zu tun, dessen Gründungsmitglied Ayers war, zusammen mit Mike Ratledge, Daevid Allen und Robert Wyatt, die Band fand 1966 zusammen. Allerdings, Ayers blieb nur kurz dabei.
Kevin Ayers ist am 18.02. dieses Jahres in Montolieu (Südfrankreich) gestorben. Wer ihn noch einmal sehen und seine Stimme hören möchte, dem sei ein Interview aus dem Jahre 2008 anempfohlen, das sich ebenfalls auf youtube findet.
 
 
 

 
 
 
Wer sich mit einer kleinen Auswahl seiner schönsten Stücke an Kevon Ayers erinnern möchte, dem würde ich ganz dringend zu dem Klassiker Decadence raten, dieses über acht Minuten lange Hammerstück findet sich auf Bananamour von 1973. Und wenn diese tolle Scheibe schon auf dem Plattenteller liegt, sollten wir uns noch von der gleichen LP Shouting in a bucket Blues anhören.
 
 
 

 
 
 
Von den vielen Platten Ayers möchte ich jetzt nur noch an eine erinnern, an Whatevershebringswesing (mit Mike Oldfield) aus dem Jahre 1971. Mit dem titelgebenden Stück dieser Platte, aber vor allem mit Stranger In Blue Suede Shoes verabschiede ich mich von Kevin Ayers.

David Bowie

 
Big Bang überschrieb Jochen seinen Artikel vom 06.02.2013. Es ging ums Älterwerden und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten etc, aber eben auch um David Bowie und Jochens Freude auf dessen Neuveröffentlichung im März. Für mich war dieser Artikel der Auslöser, nach vielen Jahren endlich mal wieder sämtliche Schallplatten und CDs von David Bowie aus meinem Plattenschrank zu kramen und sie einmal wieder zu hören. Acht Titel hatten es mir besonders angetan:
 
 
 

 
 
 
1. Memory of a free festival von der Langspielplatte Space Oddity. Mit dieser Platte, erschienen 1969 begann meine Geschichte mit David Robert Jones, der seinen Namen 1966 bereits zu David Bowie verwandelt hatte. Space Oddity war längst nicht sein erstes Werk auf Schallplatte, er trat bereits seit 1963 mit verschiedenen Bands auf, aber es war seine erste einigermaßen erfolgreiche Veröffentlichung. Ein Jahr vor der Veröffentlichung dieser Scheibe, hatte sich Bowie übrigens vergeblich bei Apple Records beworben. Memory of a free festival ist ein gänzlich außergewöhnliches Werk. Während der ersten Hälfte des 7:09 Minuten langen Stückes singt Bowie höchst eindringlich, nur von einem Instrument begleitet, während der zweiten Hälfte geht es dem Hörer wie bei einem Werk der Beatles, ich meine Hey Jude. Auch hier stellt man sich einen Tonmeister vor, der sein fast geleertes Bierglas auf den Hauptaufnahmeregler stellt, der dann unendlich langsam die immer gleiche Musik und den immer gleichen Text ausblendet. Trotzdem: ein tolles Stück.
2. Nicht jede Platte von Bowie gefiel mir, nur insgesamt neun schafften es in meinen Plattenschrank. Dazu gehört natürlich die 1970 erschienene Platte The man who sold the world. Ein raues Album, im Gegensatz zu Space Oddity eher eine Hard-Rock-Platte. Das Titelstück hat es mir besonders angetan.
3. The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars kam dann 1972 heraus und Starman war mein absolutes Lieblingsstück auf dieser Scheibe.
 
 
 

 
 
 
4.1973 habe ich mir dann eine Single-Platte von Bowie gekauft und auf ihr findet sich der damalige Partyknüller Rebel Rebel.
 
 
 

 
 
 
5. Bowie lebte von 1976 bis 1978 in West Berlin, wo er meines Wissens nach zwei eigene Alben aufnahm: Low (unter Mitwirkung von Brian Eno) und …
6. Heroes, auch dieses Platte habe ich mir natürlich anschaffen müssen. In Bowies Berliner Zeit gab dann aber auch noch Aufnahmen mit Iggy Pop.
7. In den späten siebziger und vor allem in den achtziger Jahren verlor ich Bowie aus dem Blick. Erinnert sein hier lediglich an China Girl, ein wunderschönes Stück aus dem Sommer 1983.
8. Die vorerst letzte Platte von BowieOutside – kaufte ich mir auf Empfehlung von Michael Engelbrecht, der diese Scheibe 1996 in seinen Klanghorizonten im Deutschlandfunk vorstellte und besonders auf die Mitwirkung von Brian Eno (einmal mehr) hinwies. Mein Lieblingsstück No Control!
 
 
 

 


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