Manafonistas

on music beyond mainstream

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Eigentlich bemühe ich mich, alle vierzehn Tage einen neuen Beitrag unter der Rubrik “Gregor öffnet seinen Plattenschrank” zu schreiben, leider muss ich diese Tradition nun unterbrechen. Thomas Pynchon geht vor! Das gemeinsame Leseprojekt lässt mir keine Zeit mehr, auch noch “den Plattenschrank zu öffnen”. Ein wenig bleibt er freilich geöffnet, schließlich möchte ich ja nebenher die eine oder andere Platte hören. Gerade kam Post aus Georgsmarienhütte und brachte die neue CD von Bill Frisell: Guitar in the Space Age und David Virelles: Mboko. Na, da bin ich mal gespannt. Ein anderes Mal mehr.

 
 
 

 

Morgen ist es soweit, einmal mehr ein großer Tag, ein Tag, an dem ein neuer Roman von Thomas Pynchon veröffentlicht wird. Es soll ja Leute geben, die schon Wetten abgeschlossen haben, wer den jeweils neuen Roman wohl zuerst in den Händen halten würde. Da soll dann der eine einen Buchhändler dazu bewegt haben, besagten Roman schon einen Tag früher herauszurücken, Wette trotzdem verloren! Denn der andere soll sich bereits Tage vorher die Druckfahnen des Romans besorgt haben: Gewonnen!  Blödsinn machen manche Leute … Morgen geht alles ganz seriös zu, ich werde, wenn alles gut geht, mit dem Öffnen des Buchladens meines Vertrauens um neun Uhr den neuen Roman des Meisters in Empfang nehmen. Leider muss ich aber dann für den Rest des Tages arbeiten, am nächsten Tag die 96er im Stuttgarter Stadion nach Kräften unterstützen, aber dann kann die Lektüre beginnen …
 
 
 

 
 
 
Immer wieder spielt ja auch Musik eine Rolle in den Romanen Pynchons. Das Motto des mir neben Enden der Parabel liebsten Romans von Pynchon Gegen den Tag lautet: “It´s always night or we wouldn´t need light”, und es stammt von keinem geringerem als Thelonious Monk. Dieser wunderbare 1596-Seiten-Roman, aus dem ich jetzt am liebsten seitenlang zitieren wollen würde, steht also unter einem Zitat eines der ganz großen Jazzpianisten. Grund genug, den Plattenschrank nach Monk-Platten zu durchforsten und den Abend vor der Veröffentlichung des neuen Pynchon-Romans mit Monk>-Platten zu verbringen, zum Beispiel:
 
Thelonious Monk: Straight No Chaser (Music from the Motion Picture, prod. Orrin Keepnews!)
 

Folgende Monk-Stücke werden dann aber auf jeden Fall aufgelegt: Monk´s Dream Round about Midnight /Hackensack / Evidence / We See / Let´s Call This / Friday The 13th / Skippy / Straight No Chaser / Mysterioso u.a.
 
 
 

 
 
 
Aber halt: Pynchon hat noch ein weiteres Buch unter das Motto eines Musikers gestellt, nämlich Vineland. “Jeder Hund hat seinen großen Tag und ein guter vielleicht auch zwei” – dieses Zitat stammt von Johnny Copeland. Dieser Bluesmusiker, geboren 1937 in Haynesville, Louisiana, gestorben 1997 in New York, veröffentlichte eine Menge guter Platten. Ich schlage vor, wir beenden den Vorabend der Veröffentlichung von Bleeding Edge mit der 2006 veröffentlichten CD An Introduction To Johnny Copeland, deren letztes Stück “Traveling Blues” besonders genossen werden muss.
 
 
 

 
 
 
P.S. Vor einer Woche verstarb Kenny Wheeler, 84jährig – ich gedenke seiner mit den Platten  Angel Song aus dem Jahre 1997 (Kenny Wheeler, Lee Konitz, Dave Holland und Bill Frisell) und Double, Double You aus dem Jahre 1984 (mit John Taylor, Dave Holland, Mike Brecker und Jack DeJohnette.

Ein Klavier zu kaufen, das ist keine einfache Sache. Natürlich wird es zunächst einmal ausschließlich um den Klang gehen. Ich erinnere mich gut, dass ich vor vielen Jahren an einem Nachmittag im Spätherbst die Verkaufsräume eines Stuttgarter Pianohauses betrat und mir alle vorhanden Instrumente vorführen liess. Ich bat den Verkäufer stets dasselbe Jazzstück zu spielen, setzte mich in die Nähe des jeweiligen Klaviers, schloss die Augen und genoss die verschiedenen Klangfarben dieser Instrumente, der Preis sollte zunächst keine Rolle spielen, ich war auf der Suche nach meinem Klang. Natürlich kam es dann schlussendlich auf mein finanzielles Budget ganz entscheidend an, aber egal, zunächst sollte es nur um Klang gehen. Innerhalb von ca. sechs Wochen war mein Klavierkauf perfekt, ich hatte mich für ein Yahmaha Piano entschieden.
 
 
 

 
 
 
Für Perri Knize, Journalistin aus Missoula (Montana) sollte sich der Kauf eines Klaviers als grundanders, als viel komplizierter darstellen. Sie war jahrelang unterwegs, um ihren Klang zu finden und als sie ihn dann im New Yorker Klavierhaus Beethoven Pianos entdeckt, kann sie es nicht fassen. „Ich werde mal das da probieren, sage ich und rutsche zum Grotian-Cabinet-Flügel hinüber. Ich beginne mit Mendelsohn. Das Stück setzt tief im Bass ein; beim Anschlagen der Tasten werde ich von kraftvollen Klangwogen mitgerissen – satt, dunkel, warm, mit singenden Übertönen. Die Mittellage ist rauchig und geheimnisvoll, als töne es aus dem Kehlkopf einer großen Altstimme. Der Diskant ist glockenhell und glitzernd; voller Farbigkeit und schwebend leicht, ein schimmerndes Nordlicht. Ich staune, welche Freude mir der Anschlag bereitet, die Empfänglichkeit der Tasten, es ist, als läge eine unsichtbare Hand darunter, die mich zur Musik geleitet. Im Leib dieses Klaviers scheint eine Seele zu wohnen….Ich schreibe die Angaben vom Preisschild auf dem Notenständer ab: Grotian-Steinweg, neu, 192cm, Modell 192, Seriennummer 154393, zehn Jahre Garantie, $ 32000.“
Der Flügel ist für Perri Knize viel zu teuer, am Ende bekommt sie einen Preisnachlass und kann bald das herrliche Instrument ihr eigen nennen. Doch dann geschieht das Unfassbare, nachdem das Klavier bei ihr angeliefert und aufgestellt wird, hat der Flügel seine Klangfülle, seine Seele verloren. Perri ist untröstlich und beginnt die Suche nach dem verlorenem Klang. „Der Verlorene Klang“, das ist auch der Titel ihres umfangreichen Buches, in dem sie „Die Geschichte einer Leidenschaft“ beschreibt, die jahrelange Suche nach dem für sie perfekte Instrument und den Kampf um die Wiedergewinnung des verlorenen Klanges. Mich haben die über 530 Seiten geradezu gefangen genommen, als läse ich einen spannenden Roman. Nie habe ich soviel über Instrumentenbau erfahren, angefangen vom Auswählen ganz bestimmter Bäume für den Instrumentenbau, bis hin zur Intonation. Die Autorin besucht sogar die Firma Grotian in Braunschweig und die Wälder in Österreich, wo die Hölzer für die zukünftigen Instrumente geschlagen werden. Die Washington Post schrieb über das Buch: „Ein bewegender, sehr persönlicher Bericht und zugleich eine umfassende und leicht verständliche Lektion rund ums Klavier – unglaublich spannend.“
 
 
 

 
 
 
So, und jetzt werde ich einige Schallplatten mit Bachs Goldberg-Variationen auflegen, zunächst die Aufnahme von Glenn Gould von 1955, dann die von Andras Schiff (ECM-New Series aus dem Jahre 2003) von Keith Jarrett (ECM New Series aufgenommen 1989) und schließlich die von Grete Sultan au dem Jahre 1996 – kleiner Klangtest!
 

… allein schon die Namen der Sendungen: Point (SDR), Schlafrock (SDR), Volkers Kramladen (HR), Jazzlaboratorium (NDR), Radio Unfrisiert (HR) – an letztere Sendung sei hier erinnert, ab und an wurde sie von Michael Engelbrecht moderiert. Radio Unfrisiert gab es am Samstagnachmittag und da durfte, wie der Titel der Sendung ja auch schon nahelegt, Ungewöhnliches passieren. Einmal gab es eine Sendung über Ambient-Music. Michael sprach live mit seinen Hörern über dieses Thema, etwa darüber, bei welchen Beschäftigungen Musik eine Rolle spiele.
 
Während meines eben zu Ende gegangenen Urlaubs erinnerte ich mich beim Kochen an eben diese Sendung. Beim Alltagskochen höre ich normalerweise über mein Braun Röhrenradio Atelier 1-81 Deutschlandradio – allein, ich muss mir jetzt nach einer unerträglichen Programmreform Ende Juli, die diesen Sender inhaltlich und musikalisch vollkommen an die Wand gefahren hat, einen anderen Alltagssender suchen – oder drücke auch mal ein paar Platten der Jukebox.
 
Anders im Urlaub, da gehe ich während des Kochens musikalisch doch recht ritualisiert vor. Für die Zubereitung jeder Mahlzeit wird je eine CD in den Koffer gepackt, vornehmlich solche, die bisher noch nicht aufmerksam genug angehört wurde, vielleicht auch ganz neu, gänzlich ungehört ist oder sonst irgendwie einmal mehr intensiver wahrgenommen werden sollte. Das von Musik begleitete Kochen, verstärkt sowohl den Koch- wie den Musikgenuss. Ein Gläschen Wein dabei, was will man mehr!?
 
Dieses Jahr gab es folgende Zusammenstellungen: Karen Mantler: Business is bad, dazu: Rissotto mit Pilzen. Bill Carrothers: Love an Longing, dazu, ja, doch, einmal im Jahr sei es gestattet: frischer Thunfisch mit Salzkartoffeln. Martha Agerich, Claudio Abbato: Mozart Klavierkonzert No 25 in C major KV503, dazu südfranzösische Gemüsepfanne mit Hackfleisch.
 
 
 

 
 
 
The Autumn Defense: Fifth, dazu: Tomatencremesuppe, dann frische Austern, Baguette & Salzbbutter und Weißwein. Jean-Louis Matinier & Marco Ambrosini: Inventio, dazu: südfranzösisches Fleischgericht mit Baguette. Jon Hassel: City Works of Fiction, dazu: Spagetti mit Gorgonzolasoße und Salat. Paul Bley: Play Blue, Oslo Concert 2008, dazu gebratene Forelle, Salzkartoffeln, Buttersoße und großen gemischten Salat. Dino Saluzzi Group: El Valle de la Infancia, dazu: Muscheln in scharfer Tomatensoße und natürlich einen guten Weißwein.
 
 
 

 
 
 
Heinz Holliger, Anita Leuzinger und Anton Kernjak spielen Stücke von Robert Schumann und Heinz Holliger, dazu: Dorade im Salzbett, Kartoffeln mit Buttersauce und natürlich einen vorzüglichen Weißwein. Das nur ein kleiner Ausschnitt aus großen, vergnüglichen Stunden.
 

“Aber selbstverständlich ist es auch identitätsstiftend, Gregor, den Musikgeschmack aus der Vergangenheit kritisch unter die Lupe zu nehmen und das nicht Passende (vielleicht sogar: das noch nie Passende oder mindestens: das nicht hinreichend Passende) beiseite zu legen.” Das schrieb Martina in ihrem vierten Beitrag zum Thema Martina sortiert ihren Plattenschrank und sie hat ja so recht, keine Frage. Ich habe meine zahllosen Umzüge – es dürften bald zwanzig sein – gerne zum Anlass genommen, Dinge zu sortieren, auch auszusortieren, zu verkaufen, zu verschenken, ja, auch wegzuwerfen. Auch Tonbänder, Kassetten, und CDs, sogar Bücher waren dabei. Und, wenn Peter Handke in seinen Aufzeichnungen Gestern unterwegs: “Laß. laß, laß, laß …”: Lebens- wie Sterbegebet, ausruft, hat er sicher etwas unbedingt Richtiges geschrieben.
 
 
 

 
 
 
Dennoch: ich halte meine Bandmaschinen in Ordnung, verfüge über ein umfangreiches Ersatzteillager, schaue, dass meine Röhrenradios funktionieren, halte Ersatzröhren bereit, habe mehrere richtig gute Kassettenrecorder, um for ever meine ungefähr 1500 Kassetten genießen zu können, pflege die Arabella Musiktruhe von Nordmende und natürlich die Musikbox … und das ist gut so und passt so! Zurecht wird von Besuchern meiner Wohnung gerne von einem Museum gesprochen. Okay, ich stehe dazu. Von manchen Platten habe ich mich aus Geldmangel getrennt, um dafür lang ersehnte andere Scheiben kaufen zu können. Oft habe ich dies bereut, denn es war Musik dabei, die vielleicht zum damaligen Musikgeschmack nicht mehr gepasst hat, aber für den heutigen doch von Interesse ist. Ich weiß, ich kenne Musikbegeisterte, die nur die besten Platten und CDs aufheben, den Rest zum Kauf anbieten. Hat ja auch was!
 
 
 

 
 
 
Ein Beispiel: ich hatte mal eine Phase, in der ich sehr gerne Folkfestivals besuchte und ohne Ende Gitarren-Musik gehört habe. Platten von Tucker Zimmermann, David Qualey, Sammy Vomácka, Hermann van Veen, Victor Jara, Werner Lämmerhirt und anderen zeugen von dieser Zeit. Keine diese Platten habe ich je in den letzten etwa 15 Jahren gehört, aber ich werde es jetzt tun, der Grund? Jochen Arntz schrieb im SZ-Magazin einen längeren Artikel über den vor einem Jahr mit 69 Jahren verstorbenen Gitarristen Dale Miller (SZ-Magazin Nr.30 vom 25.07.2014 S.25-29: Zeitmaschine). Das Lesen des Artikels führte zwangsläufig zum Hören alter Platten von Miller, auch entdeckte ich, dass es durchaus hörenswerte neuere Platten dieses Musikers gibt, etwas Time goes by von 2008 (schöne Interpretationen alter Beatles-Titel finden sich auf dieses CD). Nun werde ich ich natürlich auch wieder die alten Platten aus den siebziger Jahren auflegen und mich daran erfreuen. Wichtig scheint mir allerdings, dass man nicht in der Vergoldung vergangener Zeiten verharrt, sondern sich offen hält für Neues, kein Problem für mich, dafür bin ich viel zu neugierig.
 
 
 

 

Als Musikjournalist hat man ja schon so seine Vorteile, vor allem die, dass einem die unveröffentlichten CDs ins Haus flattern und man mit dem Gehörten seinen Freunden, Mitmanafonisten und Bloglesern die Freuden der Vorfreuden bereiten kann (siehe Gregor öffnet seinen Plattenschrank 47 bis 49). Manchmal kann es natürlich passieren, dass aus Vorfreude bisweilen Neid – gar nicht gut – oder Verärgerung – auch nicht gut – entsteht.  Als Michael am 16.07.14 seine Top-Ten-For-A-Hot-Summer-Night veröffentlichte, ging mir das gleich mit seinem Platz 10 so:
 
10) Dan Michaelson and the Coastguards: Bones VÖ 18.08.2014, also das ist richtig gemein, dachte ich, diese CD kann man erst bestellen, wenn der Sommer schon fast vorbei ist, die Sekunden, die man bei jpc oder amazon hören kann, klingen doch wirklich verheißungsvoll.

9) To Rococo Rot: Gitter VÖ 18.07.2014 , hier wollen wir mal nicht meckern, zwei Tage nach Veröffentlichung der Sommer-Hitliste von Michael kam diese Scheibe in die Läden.
 
 
 

 
 
 
8) Neil Young: Girl from the North Country:  Nun ja, die Letter-from-Home-CD genießen wir seit Mai dieses Jahres .

7) The Flaming Lips: In a Dream: Diese Scheibe ist seit 20.06.14 zu haben, In a Dream, kein Zweifel, ein schönes Sommerstück, sogar mit kräftigem Sommer-Gewitter.

6) John Hiatt: Wind Don’t Have To Hurry: John Hiatts Terms of my Surrender erschien am 11.7.2014, eine sehr hörenswerte Platte, allerdings stört mich persönlich der Hintergrundchor, muss das denn immer sein…ich weiß, es gibt inzwischen sogar einen Film über solche Chöre…

5) Swans: A Little God In My Hands: Diese Schallplatte gibt es seit dem 14.Mai 2014, meine Lieblingsstücke wären da jetzt eher Just a little boy oder To be kind.
4) The National Jazz Trio of Scotland: Getting Out: 27.06.14 war hier VÖ, tolle Platte, gefällt mir sehr.

3) King Creosote: Largs: Mit dieser Platte, VÖ 18.07.14, hat Michael seinen Lesern wieder viel Vorfreude geschenkt, bereits am 25.06.14 kam der Hinweis auf die neue CD, ich konnte es kaum erwarten. Und, die Platte hat mich nicht enttäuscht. Largs ist so ein richtiges In-den-Urlaub-Weg-Fahr-Stück. Alles ist gepackt, die Sonne lacht, der Motor läuft rund und ab geht’s. Mein Lieblinsstück der Platte wäre Something To Believe In.

2) Am 11.07.2014 erschien Remember Remember: Magnets: Zu der Platte Forgetting The Present fehlt mir offen gesagt der Zugang, kann ja noch kommen.
 
 
 

 
 
 
1) Der 27.06.14, das war das Datum der Veröffentlichung der zweiten Eno / Hyde-Platte dieses Jahres. Return ist ein tollen Stück, allerdings das Mega-Hammer-Stück trägt den Titel Moulded Life. Michael hat diesen Sturm in seiner letzten Nachtsendung im DLF losgelassen und, erstaunlich genug, der dortige CD-Player hat durchgehalten. Anyway, ich habe diese Wahnsinnstück auf einem Schulfest, einer Abrissparty, kürzlich mehrmals laufen lassen, also, die SchülerInnen hat es ja fast umgehauen. Never heard such music. Genau!
 
Für mich gibt es nun allerdings noch einen weiteren Sommer-Hammer-Burner: Mike Cooper Trout Steel. Eine Wiederveröffentlichung aus dem Jahre 1970 und: sie ist großartig, die Platte, läuft bei mir gerade richtig heiß, das ist meine Sommerplatte No.1. Rayon Hula, die CD, die Cooper 2010 herausbrachte – unglaubliche Platte, fantastisch – ist leider nur als download erhältlich, aber immerhin.

… und ab ins Freibad. Aber nicht in irgendein Freibad, nicht in so einen Wellness – Tempel, nein es sollte ein sehr altes, romantisch gelegenes Freibad sein. Möglichst nicht renoviert, ein wenig verfallen, vielleicht in der Nähe einer stillgelegten Fabrik oder einer Ruine …
 
 
 

 
 
 
 

 
 
 
 

 
 
 
 

 
 
 
 

 
 
 
 

 
 
 
Die Bilder wurden im Freibad Herrenberg und Metzingen aufgenommen.

Remember Charlie Haden 06.08.1937 – 11.07.2014

 

Am 12.07. hat Michael bereits auf den Tod von Charlie Haden aufmerksam gemacht, ich möchte an dieser Stelle auf einige meiner liebsten Platten, die unter seinem Namen erschienen sind, hinweisen. Herausragend und immer noch meine Lieblingsplatte: Charlie Haden `The Ballad of The Fallen´ mit Carla Bley, Don Cherry, Mick Goddrick, Michael Mantler, Sharon Freeman, Jack Jeffers, Paul Motion, Jim Pepper, Dewey Redman, Steve Slagle undGary Valentine. Im dunklen Monat November 1982 war es, als diese Scheibe hier in Ludwigsburg-Eglosheim im Tonstudio Bauer aufgenommen wurde.

 
 
 

 
 
 

1995 und 2010 nahm der große Bassist zusammen mit Hank Jones zwei Gospel-, Spiritualalben auf. Für Hank Jones war das 2010er Album seine letzte Einspielung, drei Monate später verstarb er.
Überhaupt, Hadens Duo-Platten, die waren besonders herausragend. Erinnert sei an das Album `As Long As There´s Music´von 1976 oder an das Bass / Guitar Duo Charlie Haden & Carlos Paredes aus dem Jahre 1990. Auch ein Höhepunkt, die Duoplatte mit Kenny Barron aus dem Jahre 1996, man höre nur diese wunderbaren Balladen auf dieser Scheibe. Ganz zu schweigen von den Montreal Tapes des Meisters: zum Beispiel die Trioaufnahme mit Paul Bley und Paul Motion aus dem Jahre 1994. Dann sind natürlich seine Quartet – West – Alben zu nennen und die bei Gitanes Jazz Productions erschiene Platte Nocturne, mit Gonazalo Rubalcaba, Ignacio Berroa, Joe Lavano, Pat Metheny und anderen Musikern…

Der Distelfink von Donna Tartt

 

Der dreizehnjährige Theo Decker lebt mit seiner Mutter in New York. In der Schule gibt es Probleme, Mutter und Sohn werden gebeten, die Schulleitung aufzusuchen. Die beiden sind zu früh dran und so schlendern sie noch etwas durch das Metropolitan Museum. Vor einem Bild von Carel Fabritius, einem Schüler Rembrandts, mit dem Titel “Der Distelfink”, verweilen die beiden. Die Mutter erzählt dem Sohn von ihrer Begeisterung, ja Liebe zu diesem Bild, das sie bereits als Kind in einem Buch entdeckt habe, davon, dass der Maler bei einer Pulverexplosion in einer Schießpulverfabrik in Delft getötet, sein Atelier zerstört, seine Bilder vernichtet wurden. Theo beobachtet während des Vortrags der Mutter ein Mädchen, das mit ihrem Großvater ebenfalls dieses Bild anschaut.

Kurze Zeit später verlässt die Mutter den Ausstellungsraum, um im Museumsshop noch schnell ein paar Karten zu kaufen. Plötzlich wird das Museum von einer gewaltigen Explosion erschüttert. Theo bleibt unverletzt, entdeckt aber zwischen den Trümmern den sterbenden Großvater, zwischen beiden kommt es zu einem kurzen, aber intensivem Gespräch. Theo erhält den Auftrag, das Bild “Der Distelfink” einzustecken und mitsamt eines schweren Goldringes, den der Alte dem Dreizehnjährigem noch geben kann, einem gewissen Hobbie vom Antiquariat Hobart and Blackwell zu bringen. Nach diesen Worten erlischt sein Leben. Wo war das Mädchen geblieben, wo seine Mutter? Soviel sei verraten: die Mutter kommt bei diesem Terroranschlag ums Leben.
 
 
 

 
 
 
Auf den folgenden mehr als 1000 Seiten wird nun die Geschichte Theos als gewaltige Rückblende packend erzählt. Mich hat das Buch sehr fasziniert, es geht um Freundschaft, Liebe und Verrat, Verzweiflung und Tod und um die Suche nach wahrhaftigem Leben. Und dabei ist das Buch auch noch spannend, ich möchte vielleicht eher sagen: wirklich fesselnd. Ein kurzes Zitat aus dem Buch, das sich am Schluss des Werkes findet:
 

“Was immer uns lehrt, mit uns selbst zu sprechen, ist wichtig: was immer uns lehrt, uns singend aus der Verzweiflung zu lösen. Aber das Bild hat mich auch gelehrt, dass wir über die Zeit hinweg miteinander sprechen können. Und ich habe das Gefühl, ich habe dir etwas sehr Ernstes und Dringliches zu sagen …: dass das Leben – was immer es sonst sein mag – kurz ist. Dass das Schicksal grausam ist, aber vielleicht nicht beliebig. Dass die Natur (also der Tod) immer gewinnt, was aber nicht bedeutet, dass wir buckeln und um Gnade winseln müssen. Dass es, wenn wir nicht immer so froh sind, hier zu sein, unsere Aufgabe ist, trotzdem einzutauchen: geradewegs hindurchzuwaten, mitten durch die Jauchegrube, und dabei Augen und Herz offen zu halten. Und inmitten unseres Sterbens, da wir uns aus dem Sumpf erheben und schmählich in den Sumpf zurücksinken, ist es herrlich und ein Privileg, das zu lieben, was der Tod nicht anrührt. Denn wenn Unheil und Katastrophe diesem Gemälde durch die Zeit gefolgt sind – so hat es auch die Liebe getan … ” (S.1022)

 

Natürlich spielt auch die Musik eine wichtige Rolle, mal werden konkrete Komponisten genannt, auch einmal ganz bestimmte Titel, dann sind es einfach nur Fetzen einer Liedzeile und der interessierte Leser muss zusehen, ob er herausbekommt, um welches Musikstück es geht. Folgende Komponisten und Musiker werden im Buch genannt: Schostakowitsch, Eric Satie, Thelonious Monk, Magnetic Fields, Mazzy Star, Nico, Nirvana, Oscar Peterson, Avo Pärt, Gustav Mahler, Bill Withers, Glenn Gould, Bee Gees, ja, und fröhliche Siebziger-Jahre-Musik. Folgende Einzeltitel, bzw. Liedzeilen finden sich im Buch, die dahinter sich versteckenden Titel habe ich versucht zu ermitteln, ob die dazu gehörenden Musiker immer die richtigen sind, kann ich natürlich nicht versprechen:
 
 
Velvet Underground: After Hours
Beatles: Dear Prudence
Radiohead: Karma Police
Billy Joel: Piano Man
Billy Joel: Only The Good Die Young
Elliott Smith: Pretty (Ugly Before)
Panda Bear: Comfy in Nautica
Captain & Tennille: Love Will Keep Us Together
John Coltrane: Greensleeves
Vince Guaraldi: Tannenbaum
 
 
Was für eine Liste! Es macht übrigens wirklich Spaß und Freude, sich eine CD zum Buch zusammenzustellen. Also, auf gehts, durchforsten wir den Plattenschrank.

… also, das geht ja eigentlich gar nicht. Da muss erst die Süddeutsche Zeitung so einen Glückwunsch zum siebzigsten Geburtstag von Ray Davis veröffentlichen und in dem Artikel auf eine Platte aufmerksam machen, die zum Urbestand meiner Plattensammlung gehört, um mich auf die Idee zu bringen, diesen Edelstein unter den tollen Kinks-Platten einmal wieder aufzulegen. Wie oft hat mich diese LP aus dem Plattenschrank heraus angebrüllt, “Leg mich auf!”, und wurde nicht gehört. Jetzt erst habe ich sie wieder aufgelegt und: eine Offenbarung, was für wunderbare Musik. Klar, die Rede ist von der Kinks-LP Face To Face.
 
 
 

 
 
 
Wie oft habe ich diese Platte wohl, als Dreizehnjähriger für 21,00 Mark sauer erspartes Taschengeld gekauft, gehört und dann geriet diese Schallplatte mindestens 40 Jahre in Vergessenheit. Tief beeindruckt hatte mich damals, dass es auf dieser Platte, ähnlich sollte es mir ein Jahr später, 1967, mit der LP Sgt.Pepper’s Lonely Hearts Club Band von den Beatles ergehen, fast keine Ausfälle gibt, jedes Stück hatte seinen ganz eigenen Reiz. Und dann dieser Cembalo-Sound … Naja, jedenfalls enthält diese HIT-TON-Schallplatte, auch Mono abspielbar, erschienen im Vertrieb der Deutschen Vogue GmbH, 14 Ray Davis-Kompositionen ( nur bei einer – PartyLine – hat Bruder Dave Davis mitgeholfen). Seite 1 Beginnt mit eben diesem Party Line, gefolgt von
 
 
 

 
 
 
Rosy won´t you please come home – ein herrliches Stück, hört man fast nie im Radio – , dann Dandy (die SZ schreibt, das sei der einzige Nummer-Eins-Hit der Kinks in Deutschland gewesen, was zu erfahren mich überrascht hat), Session Man, das gewittrige Rainy Day in June und schließlich House in the country. Platte umdrehen! Seite 2: Es geht los mit dem Meeresrauschen-unterlegtem Holiday in Walkiki, dann Most Exclusive Residence for Sale, Fancy, Little Miss Queen of Darkness, You´re lookin´Fine, ja und dann auch Sunny Afternoon und schließlich I´ll Remember.
Wow! Noch Fragen?
 
P.S. … und hier noch: Hinter dem Deich: eine der letzten ihrer Art!
 
 
 

 


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