Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Autoren-Archiv:

 

 
 
 
01. Brian Eno: The Ship
02. David Bowie: Blackstar
03. Leonard Cohen: You Want It Darker
04. Carla Bley: Andando El Tiempo
05. Tigran Hamasyan: Atmospheres
06. Andrew Cyrille: The Declaration of Musical Independence
07. Jack DeJohnette: In Movement
08. Jon Balke: Warp
09. Anohni: Hopelessness
10. Lucinda Williams: The Ghosts of Highway 20
11. Andràs Schiff: Encores after Beethoven
12. Nick Cave and The Bad Seeds: Skeleton Tree
13. Daniel Lanois: Goodbye To Language
14. Tindersticks: The Waiting Room
15. King Creosote: Astronaut Meets Appleman
16. Wilco: Schmilco
17. Darren Hayman: Thanful Villagers Vol.1
18. William Tyler: Modern Country
19. PJ Harvey: The Hope Six Demolition Project
20. Frederico Albanese: The Blue Hour

 

Philip Catherine

 

Im Jahre 1975 gab es noch zwei große Sendeanstalten im Südwesten, den Südwestfunk (SWF) und den Süddeutschen Rundfunk (SDR); beide machten ein richtig gutes Programm. Im SWF war Joachim Ernst Berendt fast jeden Tag zu hören, manchmal abgelöst von Achim Hebgen. Letzterer stellte in eben diesem Jahr 1975 eine Scheibe von Philip Catherine vor, `September Man´. Auf dieser großartigen Platte, die ich mir sofort nach der Sendung gekauft habe, spielen neben Philip Catherine noch Palle Mikkelborg, Jasper van´t Hof, Charlie Mariano, John Lee und Gerry Brown mit. Für mich eine der besten Platten, die der Gitarrist aufgenommen hat. Kürzlich habe ich mich meiner kleinen Catherine-Abteilung in meinem Plattenschrank erinnert und einen wunderbaren Abend mit seinen Langspielplatten verbracht (nebenbei: einmal mehr dachte ich, es ist wirklich so, nur richtige Langspielplatten bringen den richtigen Sound, auch noch nach 40 Jahren). Schon merkwürdig, der Meister hatte es in diesen Jahren mit dem Herbst: da erschien nach `September Man´ 1982 `End of August´ (mit Charlie Mariano, Trilok Gurtu und Nicolas Fiszman) und 1988 `September Sky´ (mit Aldo Romano und Hein Van de Geyn). Alle drei Platten sind auch heute noch höchst hörenswert.

 
 
 

 
 
 

Ein Jahr nach der Veröffentlichung von `September Man´ war das Ergebnis einer Zusammenarbeit Catherines mit Larry Coryell zu hören , `Twin House´. „It was Claude Nobs, organiser of the Montreux Jazz Festival, who first had the idea of teaming Larry Coryell with Philip Catherine as a duo, when both guitarists were appearing at the Festival a couple of years back. At the Berlin Jazz Days event in November last year the Swiss pianist and promoter George Gruntz was able to bring the two guitarists together again“ (Mike Hennessey). Als weitere Ergebnisse ihres gemeinsamen Musizierens folgten 1977 und 1978 die LPs `Back together again´ und `Splendid´. Auf letzter Platte wirkte während eines Stückes der Pianist Joachim Kühn mit: `Deus Xango´, ein richtiger Jazz-Ohrwurm.

Philip Catherine hat mit den unterschiedlichsten Musikern gespielt, er war bei Klaus Doldingers Jubilee von 1975 dabei, hat mit Kenny Drew, Peter Herbolzheimer, Rolf Kühn, Didier Lockwood & Christian Escoude, Stéphane Grappelli, Dexter Gordon, Carla Bley & Mike Mantler, ja, und auch mit Karin Krog (`You Must Believe in Spring´) zusammen gespielt; allein fünf Platten veröffentlichte dieser wunderbare Gitarrist zwischen den Jahren 1983 und 1985 mit Chet Baker; auf sieben Platten ist er mit einem meiner Lieblingsbassisten zur hören: Niels Henning Orsted Pedersen (zwischen 1975 und 1991).

 
 
 

 
 
 

Über viele Jahre nahm er Schallplatten mit Jasper van´t Hof und Charlie Mariano auf, als Pork Pie zwischen 1974 und 1996 oder als Trio zwischen 1996 und 2009. In letzter Zeit habe ich den Meister etwas aus den Augen und Ohren verloren. Jüngst erschienen Zusammenarbeiten mit Martin Wind (2014) und dem Orchestre Royal de Chambre de Wallonie(2015). Nicht vergessen möchte ich natürlich `Guitars Two´, eine sehr schöne Platte aus dem Jahre 2008. Die wichtige Zusammenarbeit zwischen Philip Catherine und Robert Wyatt erwähne ich natürlich am Schluss: das war 1997 auf der Platte `Shleep´, hier sei einmal ein Teil der Besetzung genannt: u.a. Philip Catherine, Phil Manzanera, Brian Eno, Evan Parker. Das Catherine-Stück `Nayram´ titelt Wyatt hier `Maryan´.

Geschichten aus der Jukebox (3)

 
 

Die Taste 230 wird gedrückt, die NSA-Musikbox knackt und knistert, der Plattenwagen setzt sich in Bewegung, eine blaue Columbia-Single wird herausgefischt, das Shure-system fährt heran, nach dem ersten Ton weiß jeder, welche Platte gewünscht wurde, Cliff Richard: Congratulations. Aber was für ein grauenhafter Sound, es quietscht, quäkt, eiert, die Single müht sich voran, braucht aber statt 2:31 Minuten mindestens sechs, gefühlte 10 Minuten bis die Platte wieder in ihrem Fach verschwindet. Klar, denkt sich der Jukebox-Man, die Box ist länger nicht gelaufen, das Öl, das an den beweglichen Teilen der Musikbox haftet, die Schmiere ist verharzt, deshalb läuft die Platte nicht rund. Normalerweise ist jetzt Geduld angesagt, Lautstärke auf Null drehen und Platten laufen lassen, was das Zeug hält, nach zwei drei Stunden ist dann alles gut und die Singles bewegen sich im Normalgeschwindigkeit: Aber, Besuch naht, der sich auf die Box und das vergnügliche Plattendrücken freut. Da hat unser erfahrene Jukebox-Man nun eine tolle Idee, er denkt, man könnte die Wartezeit abkürzen, indem man gezielt mit dem Haarföhn etwas heiße Luft auf die beweglichen Teile der Box, also den Plattenwagen, richtet. Wow, es klappt, die Platten drehen sich fast schon in Normalgeschwindigkeit. Föhn abgeschaltet, Platten gedrückt, aber irgendwas scheint nicht zu stimmen, der Schallplattengreifer bekommt die Singles nicht aus dem Fach. Mir wird schwarz vor Augen, ich weiß sofort, was passiert ist … wie doof kann man eigentlich sein, was für ein jämmerlicher Idiot, ich fasse es nicht, hoffentlich liest keiner meiner Jukebox-Kunden diese Zeilen: die warme Föhnluft hat Platten über Platten auf immer zerstört, verformt, besser gesagt … nein, ich kann es nicht sagen, … meine wunderbaren uralten Singles … einfach … geschmolzen, jetzt ist es raus!

 
 
 

 
 
 

Die Verlustliste:

 

  • Cliff Richard: Congratulations
  • Casey Jones and the Governors: Don´t Ha Ha
  • Christie: Yellow River
  • Simon and Garfunkel: El Condor Pasa
  • Pink Floyd: Another Brick uín the Wall
  • Michel Prolnareff: Gloria
  • Nat „King“ Cole: Don´t Get Around much anymore
  • Nat „King“ Cole: The Party´s over
  • The Les Humphries Singers: Promised Land
  • The Creation: Painter Man
  • Desmond Dekker: You Can Get It If You Really Want
  • The 5th Dimension: Aquarius

 

Leider ist es durchaus möglich, dass die Liste noch länger wird, schließlich habe ich noch nicht jede der 100 Singles angespielt … und ein winziger Knick reicht ja schon …

Ich fasse es nicht!

 
 
 

 

2016 6 Nov

Geschichte gesucht …

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 12 Kommentare

Das Märchen von Dornröschen kennt ein jeder. Man stelle sich vor, das Märchen würde genau zu dem Zeitpunkt sein Ende finden, an dem die Königstochter, nachdem sie sich an der Spindel gestochen hatte, auf das Bett des alten Mütterchens gefallen und sofort in einen tiefen Schlaf versunken war, wie auch der König, die Königin und der ganze Hofstaat; zu dem Zeitpunkt, an dem die Pferde im Stall, die Hunde im Hof, die Tauben auf dem Dach, die Fliegen an der Wand, ja, das Feuer auf dem Herd fest eingeschlafen war und der Braten aufgehört hatte zu brutzeln und der Koch, der dem Küchenjungen, weil er etwas versehen hatte, gerade an den Haaren ziehen wollte, eingeschlafen war …. dann HALT, STOPP, nichts mehr. Die Zeit wäre für das Schloss für immer angehalten worden. Ein solches Haus, dem genau das widerfahren ist, kenne ich seit weit über zehn Jahren, also echt jetzt, kein Scherz, keine Fiktion. Die Fakten: Als ich das Haus das erste Mal am Rand eines winzigen Dorfes irgendwo in Deutschland wahrgenommen hatte, sah ich zunächst einen fachmännisch richtig gut instandgesetzten Altbau, neue Fenster und Türen einschließlich neuer Dachgauben, ein vollkommen erneuertes Dach, auch Dachrinnen montiert, allein, es fehlten die jeweiligen Abgänge der Dachrinnen. Daneben entstand ein Anbau, ein Neubau, an dem alles fertig gebaut war, bis fast hinauf zur Dachschräge, das Ganze zudem komplett eingerüstet. Auf dem Boden des Obergeschosses dieses Anbaus sah man einen Betonmischer, Stapel mit Zementsäcken, Türme von Backsteinen, die darauf warteten verbaut zu werden, Leitern, Wasserwannen und diverse Werkzeuge. In einem halben Jahr, so dachte ich, könnte dieses schmucke Haus samt Anbau bezugsfertig sein. Der Altbau wäre, so nahm ich an, wenn die Fußböden verlegt, die sanitären Anlagen eingebaut, die Badezimmer gefliest, die Malerarbeiten abgeschlossen sein würden, vielleicht schon eher bewohnbar. Das ganze Ensemble sah aus, als hätten die Bauarbeiter gerade eine Arbeitspause, eine Brotzeit eingelegt und würden umgehend ihre Arbeit fortsetzen.

 
 
 

 
 
 

Und nun das Erstaunliche: ein Jahr später führte mich mein Weg wieder an diesem Gebäude vorbei: das gleiche Bild, zwei, drei, vier, zehn, ja, zwölf Jahre später immer noch das unveränderte Bild. Nichts, aber auch gar nichts hatte sich verändert, kein Zementsack war weggetragen worden, keine Leiter entfernt, die Wasserwannen standen immer noch an ihrem Platz, das Gerüst unberührt, die Backsteinvorräte unangetastet. Die einzige Veränderung im Laufe der Jahre: an allen Gegenständen hatte sich Moos angesetzt, außerdem hatte der eine oder andere Baumsamen irgendwelche Erdreste zu nutzen gewusst und war nun zu zarten Bäumchen herangewachsen …

Seit Jahren versuche ich herauszubekommen, was hier passiert war, ich habe Menschen aus der Gegend befragt, mich in Kneipen umgehört, niemand scheint etwas zu wissen. Welche Katastrophe hatte die Hausbesitzer heimgesucht: Krankheit, Arbeitslosigkeit, Scheidung, ein Verbrechen (???), Tod? Niemand konnte mir die Geschichte erzählen.

Kennen Sie sie?

 

Wer die Geschichte erzählen kann, möge dies unter „Kommentare“ tun. Unter allen Einsendern (Einsendeschluss ist der 05.12.2016) wird zur Belohnung am 06.12.2016 eine CD verlost: Johann Ludwig Trepulka / Nobert von Hannenheim: Klavierstücke und Sonaten, eingespielt von Herbert Henck (ECM New Series).

Wenn der Tempo mit dem Jukebox-Man kommt …

 
 

Im Juni letzten Jahres war ich zuletzt in Henrys Kneipe, zurück nun also in Hörnum, in Henrys kleiner Wirtschaft am Rande des Hafens, direkt an der Nordsee gelegen. Nach Westen hin nur noch Sand, Dünen, weiter südwestlich ist Amrum zu sehen, im Norden, oberhalb der Gaststätte, der Leuchtturm. Es war ein wunderschöner Frühsommertag damals, als ich Henry die Wurlitzer gebracht hatte (Plattenschrank 95) … Immer wieder, was für ein Fest, einen komplett leeren Plattenkranz mit 100 Singles neu zu bestücken; die kleinen mit den Plattentiteln bedruckten Schildchen korrekt unter die jeweilige Nummer in die fast zu engen Plastikfächer zu schieben, und dann der Test: Nummer und Titel sollten jetzt stets übereinstimmen. Ich würde mir das nie verzeihen, wenn Henry A8 drückt und LOLA von den KINKS zu hören annimmt, aber TEARS OF A CLOWN von SOMKEY ROBINSON AND THE MIRACLES ertönen, das ist zwar auch eine fantastische Nummer, aber eben nicht LOLA, nee, also, das geht gar nicht.

 
 
 

dscn3387

 
 
 

Michael Chabons Buch “Telegraph Avenue” (Köln 2014) hatte Henry damals gerade gelesen und gemeint, dass seine Ängste, was das Überleben seines Betriebs anginge, ihn an den kleinen Plattenladen in Michael Chobons Buch erinnerten. Ich wollte natürlich nun nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und sofort bei meiner Ankunft nach dem Wohlergehen des Ladens fragen und so machte ich mich nach einem Begrüßungsdrink an Henrys Bar zunächst einmal an die Arbeit und schaute nach der Box. Ein paar Kleinigkeiten gab es zu richten, aber ansonsten, so sagte mir Henry, laufe die Box wie geschmiert. „Das soll wohl so sein …“, meinte ich. Mitte Oktober, Gäste waren keine mehr ins Sicht und so sperrte Henry die Türe seiner kleinen Hafenkneipe etwas früher ab als sonst. Wenn noch jemand gekommen wäre, Henry hätte ihn nicht verdursten lassen. „Wie liefen die 100 Singles? Welche Musik mochten deine Gäste in den vergangen 15 Monaten? Gibt es Schwerpunkte?“, fragte ich. „Es sind die Jahre 1966 bis 1973, Sachen aus dieser Zeit laufen bestens und dann noch ein paar deiner Missionsplatten aus der Jetztzeit, ich schau gleich mal nach …“ Das Gespräch drehte sich um Musik, aber gerade als ich nach dem Geschäft fragen wollte, stand Henry auf und holte uns etwas zu essen: Leckerste Fischbrötchen und einen feinen, kühlen Weißwein.

 
 
 

dscn3381

 
 
 

Was dann aber passierte, damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Henry verschwand hinter der Bar und holte einen Stapel CDs hervor, alle gleich an der Verpackung als ECM-CDs zu erkennen. „Das“, so meinte er, „ist meine Entspannung. Wenn der Laden leer ist, der letzte Gast den Weg zur Tür gefunden hat, dann schalte ich die Box ab und lege, während ich aufräume, spüle, die Tische hochstelle, einige dieser CDs auf. Ganz am Schluss, bevor ich gehe, setzte ich mich nochmal in Ruhe hin, trinke einen Bunnahabhain (Islay Single Malt Scotch Whisky) und höre ganz intensiv noch ein einziges Stück von einer ECM-Platte, die mir besonders gut gefällt. So, und weil du ein so guter Freund bist, hole ich jetzt die Flasche Bunnahabhain, und nenne dir meine Late-Night-Stücke der letzten zehn Tage. Ich nehme mal an, du kennst die Platten und wirst dann in der Lage sein, aus den zehn genannten Musiktiteln einen auszusuchen, mit dem wir diesen wunderbaren Abend beschließen.“ Er wählte zehn ECM-Platten aus dem Jahr 2016 aus und nannte von jeder Platte seinen Lieblingstitel:

 
 

Glauco Venier: Music for piano and percussion: Gunam

Andrew Cyrille Quartet: The Declaration of Musical Independence: Kaddisch

Tonu Krvits / Veljo Tormis: Mirror: The Last Ship

Avishai Cohen: Into The Silence: Life and Death

Jacob Bro: Streams: Full Moon Europa

Jack DeJohnette, Ravi Coltrane, Matthew Garrison: In Movement: In Movement

Jon Balke: Warp: This Is The Movie

Tigran Hamasyan, Arve Henriksen, Eivind Aaret, Jan Bang: Atmospheres: Traces 5

Rolf Lilevand: La Mascarade: Chaconne en la mineur

Tord Gustavsen: What was said: I Refuse

 
 

Ein Auslese feinster Art, diese Stücke und ich stellte mir bei jedem einzelnen Titel Henry vor, wie er die Kneipentür abgesperrt hat und nun alleine bei einem Lagavulin oder einem anderen edlem Malt sitzt und der Musik lauscht, ganz für sich allein.

Mit Henrys zwei Plattenwünschen aus dem letzten Jahr: Midnight Theme (Fraternity 1975) und Redbonin´, eine Platte, die es im Juli 1972 bis auf Platz 32 der R&B-Charts geschafft hatte, bin ich noch nicht erfolgreich gewesen, das nächste Mal vielleicht.

 
 
 

dscn3331

 

Neu in meinem Plattenschrank: Giovanni Guidi – Ida Lupino, mit Giovanni Guidi am Klavier, Guianluca Petrella Posaune, Louis Sclavis Klarinette, Gerald Cleaver Schlagzeug: Das Titelstück hat mich ohne jeden Zeifel dazu bewegt, die CD unbesehen zu kaufen. Diese wunderschöne Carla-Bley-Komposition als Titel einer Schallplatte, das gab es bislang nur äußerst selten. Vielleicht hat ECM diese Scheibe just in diesem Jahr und unter diesem Titel erscheinen lassen, weil Carla Bley im Frühjahr 80 Jahre alt geworden ist und Paul Bley, der eben dieses Stück auf einer der ersten Schallplatten der Firma ECM, auf Open To Love (1972) nämlich, veröffentlicht hat, dieses Jahr gestorben ist?! Anyway, das Stück selbst wurde so oft und von so vielen Musikern nachgespielt und ganz unterschiedlich interpretiert, dass man schnell den Überblick verliert. Paul Bley hat das Stück seiner ehemaligen Frau wohl am häufigsten eingespielt. Eine kleine Auswahl der unterschiedlichsten Einspielungen folgt sogleich. Doch zunächst: wer war eigentlich Ida Lupino? Geboren am 4. Februar 1918 in England, gestorben am 3.August 1995, sie war Schauspielerin, Regisseurin, Produzentin, Autorin und eine der ersten weiblichen Regisseurinnen in der Filmindustrie. Ein interessanter Artikel findet sich in Der Tagesspiegel vom 3. Juli 2016: Hommage an Ida Lupino.

In der TAZ las ich folgendes Zitat von Ida Lupino: „Ich behalte alle weiblichen Eigenschaften. Die Männer mögen das lieber. Sie sind kooperativer, wenn sie denken, du seist vom schwächeren Geschlecht, selbst wenn du in einer Position bist, Befehle zu erteilen, was normalerweise das Vorrecht der Männer ist. Oder zumindest glauben sie das.“ William Donati veröffentlichte 2009 eine Biographie über sie: Ida Lupino: A Biograph.

 
 
 

 
 
 

Ida Lupino gehört zu den ersten Kompositionen, die Carla Bley geschrieben hat. Damals noch als Carla Borg, kam sie Mitte der fünfziger Jahre nach New York, verdiente sich mit dem Verkauf von Zigaretten und anderem in Jazz-Clubs Geld und konnte nebenbei fast alle Jazzgrößen sehen, die sie unbedingt einmal hören wollte, Hier lernte sie auch Paul Bley kennen, ihren späteren Ehemann, der Ida Lupino, wie viele andere Kompositionen von ihr sehr häufig gespielt und aufgenommen hat.

Hier nun eine kleine Auswahl der Einspielungen von Ida Lupino … das wäre ein Mixtape!

Zunächst seien einige Einspielungen von Paul Bley erwähnt, die natürlich alle sehr, sehr hörenswert sind: Es beginnt schon 1965 mit der LP Closer, mit Barry Altschul und Steve Swallow; es folgt 1966 Ramblin´, dabei sind wieder Barry Altschul und Mark Levinson (im April 2016 wieder veröffentlicht). Ein Highlight nun, eine Platte, die einen besonderen Platz in meinem Plattenschrank einnimmt: Paul Bley: Open To Love (1972), auch hier findet sich Ida Lupino; 1975 veröffentlicht Paul Bley mit Paul Motion, Gary Peacock und John Gilmore: Turning Point; 1976 dann: Paul Bley & Jesper Lundgaard: Montmartre und 1984: Paul Bley & Jesper Lungaard: Live; nach langer Pause spielt Paul Bley dann eine ganze Platte ausschließlich mit Carla-Bley-Kompositionen ein: Paul Bley: Paul plays Carla (1991); auch auf Gary Burton & Paul Bley: Right Time – Right Place (1990) kann man eine sehr schöne Version von Ida Lupino finden; über elf Minuten hören wir dieses Stück in einer Interpretation von Charlie Haden, Paul Bley und Paul Motian: The Montreal Tapes (1994); Carla Bley selbst spielt das Stück auf Dinner Music (1977). Und hier noch einige weitere hörenswerte Interpretationen Steve Kuhn: Three Waves (1966); John Scofield: John Scofield (1978); Michel Portal, Steve Swallow, Joey Baron u.a.: Dockings (1998); Joe Thompson: Littlefoot (2001); Dave Palmer: Romance (2006); Roberto Ottaviano: Live in Israel (2007); Helge Lien: To The Little Radio (2006); Michael Gibbs & NDR Big Band: In My View (Juni 2015); Aki Takase: The first years in Europe (Juni 2015); Mary Halvorson: Meltframe (April 2016); Andy Trio Browne: Orangutans (Nov. 2007); Susanne Abbuehl: April (2009); Rüdiger Krause: A Guitar named Carla (Mai 2015); Laia Genc: Strandgut (2008); Jay Epstein & Bill Carrothers: Easy Company (2009); Irene Schweizer: To Whom It May Concern (Januar 2011)

Fast alle genannten CDs oder LPs sind noch im Handel erhältlich (z.T. eben als Wiederveröffentlichung). Ein kleiner Tipp noch zum Schluss: auf Youtube kann man die Carla Bley Combo 1972 in Hamburg sehen und hören, mit Michael Mantler und Karin Krog, sie spielen Ida Lupino und zuvor gibt es noch eine Ansage: von Michael Naura.

 
 
 
002b3d79
 

Ryuichi Sakamoto schrieb die Filmmusik, zu einem Werk, das bei uns leider noch nicht zu sehen möglich ist, Nagasaki – Memories of my Son (Japan Dezember 2015), so der Titel des Films. Es geht um den 9. August 1945, dem Tag an dem auf Nagasaki eine Atombombe fiel. Ein B-29 Bomber hatte um 11:02Uhr die Fat Man genannte Bombe abgeworfen. 36000 Menschen starben sofort, viele weitere tausend erlagen kurze Zeit später ihren Verletzungen… Zu diesem Film wird jetzt auch in Deutschland die Filmmusik veröffentlicht. Ryuichi Sakamoto ist uns ja nun aus diversen Filmmusiken bekannt und man erinnert sich gerne an seine Zusammenarbeit mit David Sylvian, David Bowie und vor allem an die mit Richard Horowitz für den Film Himmel über der Wüste.

 
 
 

 
 

Die Musik zu Nagasaki – Memories of my Son hat mich sofort in ihren Bann gezogen: man hört ruhige, sehr bewegende Klänge, sehr zart, überaus karg, sehr vorsichtig gespielt, überhaupt nicht bombastisch – das hätte gerade noch gefehlt – oder übermäßig gefühlsbetont. Mich erinnert diese Musik an ein Werk aus den siebziger Jahren, damals arbeiteten Peter Rühmkorf und Michael Naura eng zusammen (Jazz & Lyrik, siehe Plattenschrank Nr.4 und Nr.30): Einsteins Reise; oder an After The Requiem von Gavin Bryars; oder an die Musik von Giya Kancheli – in allen gennannten Fällen möchte ich den Vergleich aber nur bezüglich der Ernsthaftigkeit und Wahrhaftigkeit der Musik ziehen, nicht musikalisch. Eine großartige Platte!

Herman Melville: Moby-Dick
 

Schon öfter habe ich meine Schüler mit der Erzählung Bartleby von Herman Melville (1856) verblüfft, eine Geschichte von einem Totalverweigerer. Sein andauerndes I would prefer not to … ( „Ich möchte lieber nicht …“ ) provoziert scheinbar dermaßen, dass es meinerseits ein rechtes Vergnügen ist zu erleben, was 150 Jahre alte Literatur noch alles vermag. Ein wunderbares Büchlein, welches in den verschiedensten Ausgaben erhältlich ist, die schönste ist sicher die 2005 in Steidl-Verlag erschienene und mit einem Nachwort von Wilhelm Genazino versehene Ausgabe.

 
 
 

 
 
 

Die 1954 entstandene, unter der Regie von John Huston beeindruckend in Szene gesetzte Verfilmung des Romans Moby Dick (von Melville 1851 veröffentlicht) – in der Hauptrolle des fanatischen Kapitän Ahab übrigens Gregory Peck – hat mich immer wieder dazu angeregt, doch endlich einmal dieses Hauptwerk Melvilles zu lesen. Im gerade zu Ende gehenden Sommer war es dann soweit. Die Ausgabe in der Neuübersetzung von Mathias Jendis schien mir die geeignetste, um das Werk anzugehen. Ich wurde nicht enttäuscht, die Übersetzung ist großartig. Die 1041 Seiten umfassende Dünndruckausgabe enthält neben dem eigentlichen Romantext (866 Seiten) ein Glossar ausgewählter nautischer Begriffe, fast 100 Seiten Anmerkungen, darin enthalten: kultur- und literarhistorische Anmerkungen zum Romantext, Zitate aus Melvilles Briefen, Tagebüchern und Bezüge zu seinen anderen Werken; es findet sich auch eine ausführliche Zeittafel zur Biographie Melvilles. Das Buch umfasst 135 Kapitel und, wer nun auf Grund der Kenntnis der Verfilmung des Buches glaubt, ein Abenteuerschmöker lesen zu können, wird recht bald eines besseren belehrt. Bevor unser Walfangschiff ablegt, vergehen schon einmal fast 200 Seiten.

 
 
 

 
 
 

Aus der Sicht des Matrosen Ismael erfahren wir zunächst einmal alles über das Gasthaus „Zum Walfänger“, über den unheimlichen Zimmergenossen Ismaels, den Harpunier Queequeg, das Frühstück, den Abschiedsgottesdienst – die komplette Predigt wird dem Leser präsentiert -, das Anheuern auf der Pequod, natürlich ausführliche Beschreibungen des Walfängers und Personenbeschreibungen in einer Breite, wie ich sie ansatzweise schon in dem oben genannten Büchlein Bartleby gelesen habe. Oft musste ich während des Lesens an das Buch Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman (1759-1767) von Laurence Sterne denken, auch hier will und will ja die Handlung nicht weitergehen und der Leser denkt: „Hallo, was passiert hier eigentlich?“

Es passiert wirklich nicht viel, jedenfalls solange nicht, bis es dann am Ende des Romans, ab S. 824 zur Jagd auf Moby Dick kommt. Aber, was lernt der Leser nicht alles in diesem Meisterwerk über den Walfang in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, über Wale überhaupt, die unterschiedlichen Unterordnungen des Wales, seine Lebensart, seine Anatomie, seine Farbe – unglaublich etwa die 13 Seiten über das Weiß des Wals und die „Farbe Weiß“ als solche – seine Verarbeitung, über Tranöfen, Lampenöl, über Festfisch und Losfisch, Theologie und Philosophie, Exkurse über Exkurse. Und doch, das Buch fesselt, die Sprache begeistert, was für ein tolles Buch! Herman Melville starb 1891, den Erfolg seines Buches Moby-Dick konnte er nicht mehr erleben …

Paul Murray: Der gute Banker
 
 

`Ein mitreißender´, okay, `eine hochkomische Betrachtung der Betrügereien, die im Namen der Kunst, der Liebe und des Kommerz geschehen´, das ist zum geringen Teil durchaus richtig, `und wahrscheinlich das lustigste Buch, das über die andauernde Finanzkrise geschrieben wurde´, dazu: habe ich ein anderes Buch gelesen? Es geht um den Klappentext des neuen Romans von Paul Murray, der nun wirklich nicht sehr hilfreich Interesse für ein in der Tat großartiges Buch zu wecken sucht. Auch wenn ich im Klappentext erfahre, dass der Autor 2016 mit dem Wodehouse Prize für Komische Literatur ausgezeichnet wurde, so empfinde ich sein neues Buch – wie übrigens auch den Vorgänger-Roman `Skippy stirbt´ – alles andere als komisch. Viele Ideen, die Paul Murray in seinen Büchern entwickelt, mögen wirklich komisch sein (vor allem sein Erstlingswerk `An Evening of Long Goodbyes´ ist in der Tat komisch), aber deshalb sind seine Bücher nicht einfach nur lustig, vor allem nicht sein jüngstes.- Als quasi Vorfilm zum Buch empfehle ich Michael Moore´s `Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte´. Dieser Dokumentarfilm (2009) versucht die Finanzkrise von 2007 zu erläutern, übrigens auch auf sehr humorvolle Weise, aber dennoch sehr engagiert und überaus ernsthaft.

 
 
 

 
 
 

Die Finanzkrise von 2007, die im Herbst 2008 ihren Höhepunkt erreichte, wird in ihrer ganzen Tragweite von Paul Murray für Irland, wo der Roman `Der gute Banker´ spielt, korrekt dargestellt (auch, wenn wir heute wissen: es war alles viel schlimmer). Paul Murray gelingt es unglaublich gut, komplizierte Vorgänge, wie sie die letzte katastrophale Finanzkrise nun einmal darstellt, allgemeinverständlich in eine Romanhandlung einzubinden. In der Tat war es doch so, dass sich die Regierung Irlands in dieser Zeit von der Bank Merill Lynch hat falsch beraten lassen. Bei Murray ist es die BOT, die Bank of Torabundo, die gefälschte Empfehlungen zur Rettung des irischen Bankensystems herausgibt. In ebendieser Bank versucht der Held des Romans, Claude Martingale, sein Glück als Banker. Er, ein gebürtiger Franzose, arbeitet als Analyst in der BOT-Investment-Bank in Dublin. Eines Tages wird unser Protagonist von einem gewissen Paul aufgesucht. Paul hatte vor sieben Jahren einmal ein wenig erfolgreiches Buch veröffentlicht und möchte erneut versuchen, ein Buch zu schreiben. Seine Idee: das Leben eines Jedermann zu erzählen. Paul sieht sich in der Tradition von James Joyce, der in seinem Ulysses einen Tag und eine Nacht im Leben eines Jedermann erzählt hat, Leopold Bloom nannte Joyce ihn und ließ ihn als Annoncenakquisiteur arbeiten. Wer könnte heute dieser Jedermann sein?: ein Banker!, so die Überzeugung unseres Literaten Paul. Nun ist Claude natürlich nicht gleich begeistert davon, von morgens bis abends von einem Autor beobachtet zu werden, um anschließend als Hauptperson in einem Roman zu landen, aber nach längeren Überlegungen und Rücksprachen mit seinen KollegInnen ist er bereit, an diesem Experiment teilzunehmen.

Es entwickelt sich eine witzige, durchaus komische Geschichte, deren weiteren Verlauf ich mich hüten werde, hier zu verraten. In diese Rahmenhandlung eingebettet, erzählt Paul Murray von den Geschehnissen in der Bank of Torabundo in der Zeit der Finanzkrise 2007/2008 in Irland. Dabei stehen die einzelnen Mitarbeiter dieses Geldinstituts für durchaus verschiedene Geisteshaltungen im Bankgeschehen. Da haben wir Sir Colin, Chef der BOT, allerdings gerade gefeuert, hat zwar der Bank dazu verholfen, die Finanzkrise unbeschadet zu überstehen, sei aber viel zu vorsichtig, hätte Angst vor toxisch gewordenen Investments und riskanten Derivaten. Neuer Chef: Porter Blankly. Er war zuvor Leiter einer amerikanischen Bank, die den Crash nur durch ein Fünfzig-Milliarden-Rettungspaket überstehen konnte. Ihn jetzt als Boss der BOT zu bestellen, ist so, „ als ob Sie den Kapitän der Titanic aus dem Wasser ziehen und ans Ruder von Ihrem Katamaran stellen würden“(S.51).

Porter meldet sich bei seinen Leuten gerne mit rätselhaften Mails, die dann die Mannschaft in der Bank eifrig entschlüsselt und deren Inhalt dann unhinterfragt befolgt wird, auch und wahrscheinlich gerade, wenn doch bekannt ist, dass jener Herr es liebt mit Hilfe komplexer Finanzinstrumente die Wirklichkeit in einen Glücksspielautomaten zu verwandeln (S.82).- Ish arbeitet in der Abteilung unsres Protagonisten, sie erinnert sich oft an ihre Vorfahren, die keinen Besitz kannten und den Kreislauf des Schenkens hochhielten. Heute droht ihnen, den Bewohnern einer Pazifikinsel, auf Grund des Klimawechsels die reale Gefahr des Untergangs. Sie wagt es Porter Blankly um Hilfe zu bitten. Dieser tobt („Wer glaubt denn diese kleine Schlampe, wer sie ist?“S.409) und findet in Ish´s Kollegen Howie ein passendes Sprachrohr: „Herrgott, Ish, was hast du dir dabei gedacht? Porter zu bitten, eine Horde Höhlenmenschen mitten im Pazifik zu retten. Hattest du deine Tage oder was?“S.409.

Howie steht für den zynischen Banker ohne Skrupel. Er sieht im Klimawandel erst den Anfang der Katastrophe, was bevorstehe sei der komplette Kollaps der Ökosysteme, Ausbreitung von Epidemien, der Zusammenbruch des ganzen Finanzsystems. Nach Meinung von Howie würde es dann hochinteressant: mit dem menschlichen Elend könne man erst richtig Geld verdienen. „Was soll daran falsch sein“(S.414)? Nach Meinung von Howie wird es Zeit, in Katastrophen zu investieren: „Eine große, mächtige Flut wird kommen, und wir haben das Rettungsboot. Eine Arche für die wenigen Auserwählten, auf der sie sich mit einem Martini entspannen und dabei zuschauen können, wie alle anderen absaufen. Das ist genau das, was sie wollen. Schon ihr ganzes Leben lang haben sie genau das gewollt“ S.415. Und welche Position vertritt Claude Martingale? Wie steht er zu den Ansichten von Porter oder Howie? Ist er der `gute Banker´ oder seine Kollegen Kevin oder Jürgen …?

Paul Murray tritt auch aus der Bank hinaus und beschreibt überaus eindrücklich die Verliererseite des Crashs in Irland, besonders in Dublin und anderswo auf der Welt.

Murray hat, wie der aufmerksame Leser auch schon in `Skippy stirbt´ feststellen konnte, hervorragend recherchiert und eine durchaus realistische Darstellung der historischen Situation der Zeit der Finanzkrise in eine mehr als unterhaltsame Story gepackt. Das ist dennoch alles andere als lustig. Andererseits, welchem Autor gelingt es so, eben durchaus humorvoll, über den Zustand unserer Welt zu schreiben? Mir fällt da allenfalls David Mitchell ein.

Mit anderen Worten: Paul Murray hat nach `Skippy stirbt´wiederum ein sehr gutes Buch geschrieben, ich wünsche ihm sehr viele aufmerksame Leser.

 

P.S. Wer, wie in Mitchells `Knochenuhren´ Hinweise auf Musik erwartet, wird bei der Lektüre von `Der gute Banker´enttäuscht werden, es wird nur ein einziges Mal Musik erwähnt. Ariadne erinnert in einem Gespräch mit Claude über Francois Texier an das griechische Wort für `Wahrheit´: „Jeder versucht zu vergessen, was er während des Booms gemacht hat. Stattdessen tut jeder so, als wäre er ein Opfer. Das griechische Wort für Wahrheit ist Aletheia. Lethe, das ist der Fluss des Vergessens, also ist die Wahrheit, Aletheia, das, was du nicht vergisst. Aber hier passiert genau das Gegenteil. Die Wahrheit ist das, woran du dich nicht erinnerst.“ „Liffey oder Lethe“, sage ich (Claude), weil mich das an den alten Streit über den Song von `Radiohead´ erinnert.“

Wir erinnern uns: In dem Song `How to Disappear` sah sich der Sänger der Gruppe den Fluss Liffey (Dublin) hinunterschwimmen …. „I walk through walls // I float down the Liffey // I`m not here // This isn`t happening // I´m not here, I´m not here.

 

Paul Murray: Der gute Banker (Kunstmann Verlag)

Wenn der Tempo mit dem Jukebox-Man kommt …

 

Es ist entschieden, hier die Fortsetzung von Plattenschrank 119:

Nun kamen meine Pläne durch die Vorschläge von Michael (siehe Kommentare zu Plattenschrank 119) doch ein Stück weit durcheinander. So hab´ ich etwa an Muswell Hillbillies von The Kinks überhaupt nicht gedacht, obwohl die Platte in meinem Plattenschrank steht. Tatsächlich, sie erschien 1971, ich wähle das ruhige, wunderschöne Lied „Oklahoma U.S.A.“. Die Doors mit L.A. Woman hatte ich natürlich im Blick, aber die Auswahl, das ist das Problem. Ich denke mal das Volk will „Riders On The Storm“ hören, der Wirt, das weiß ich zufällig, möchte gerne „Love Her Madley“ in der Box sehen, mein Lieblingssong wäre „Hyasinth House“. Das Geburtstagskind soll seinen Willen haben, also: „Love Her Madley“. Auch die von Michael erwähnte Platte Aqualung von Jethro Tull hatte ich auf dem Zettel, aber ich nehme nicht das millionenfach gespielte „Locomotive Breath“ in die Box, sondern den Titelsong „Aqualung“. Übrigens gibt es eine ganz famose DVD, ein Mitschnitt eines Auftritts von Jethro Tull in Montreux aus dem Jahr 2003, sehr zu empfehlen. Die Beach Boys veröffentlichten 1971 ihr siebzehntes Studioalbum, Surf´s Up, das Stück „Feel Flows“ muss zwingend in die Jukebox! Diese Platte liebe ich sehr, sie ist ungewöhnlich, die meisten Stücke wird kaum jemand kennen, auch „Feel Flows“ nicht, ich stelle das Stück quasi als Missionsplatte ein. Wenn sie vom Wirt und weiteren zehn Gästen mal gedrückt wird, soll es mir recht sein.

 
 
 

 
 
 

Im September 1971 veröffentlichte John Lennon den Klassiker Imagine, keine Frage, die Platte muss vertreten sein, ich denke „Jealous Guy“ wird dem Geburtstagskind und den Kneipenbesuchern gefallen, obwohl ich mir auch schon wieder nölende Jukeboxsfans vorstellen kann, die unbedingt die Version von Roxy Music hören wollen, die ja auch wirklich hörenswert ist. Irgendwann werde ich allerdings wirklich einmal die Version dieses Songs von Jimmy Scott in die Boxen stellen, die hat es erst in sich!!

The Who kam 1971 mit einem meiner Lieblingssong dieser Gruppe heraus, „Won´t get fooled again“, ein Stück, das mich heute noch enorm anspricht. Richie Havens sang 1971 „Here comes the sun“, dieser Klassiker muss seinen Weg in die Box finden. Von der Live-Platte der Allman Brothers Band At Fillmore East 1971 würde ich ja am liebsten „You don´t Love Me“ bringen, aber leider Überlänge: 19:21 Minuten, dann eben „Statesboro Blues“. In The Land of Grey and Pink hieß die grandiose Platte, die Caravan 1971 herausbrachte, aber das Stück „Nine Feet Underground“, der ganz große Hammer, der Burner der Scheibe, dauert eben 22:37 Minuten, definitiv zu lang für die Jukebox. Ich wähle stattdessen „Love to Love You (And Tonight Pigs will Fly)“. Am 04.Januar 1971 erschien Blue von Joni Mitchell, auf dieser Scheibe findet sich mein Geburtstagsständchen für den Jubilar: „River“. Das Stück dürfte zunächst einmal niemand erkennen, es beginnt mit ruhigem Klavierspiel, bevor dann Joni Mitchell diese wunderschöne Ballade singt. Es wird ganz ruhig werden in dieser Kneipe, ein Musikstück lang werden keine klirrende Gläser, keine Gespräche zu hören sein. Dann aber: Im November 1971 wurde eine ganz große Platte veröffentlicht: Led Zeppelin IV, auf ihr befindet sich der Klassiker „Stairway to heaven“. Den größten Ärger würde ich auf mich ziehen, wenn ich dieses Stück nicht bringen würde. Dabei gäbe es auf diese Schallplatte noch so viele andere interessante und wirklich gute Aufnahmen, zum Beispiel „When The Levee Breaks“, die würde die Bude zum Kochen bringen. Sei´s drum.

 
 
 

 


Manafonistas | Impressum | Kontakt
Wordpress 4.6.1 Design basiert auf Gabis Wordpress-Templates
58 Verweise - 4,363 Sekunden.