Manafonistas

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1982 gehört zu meinen wildesten Jahren, und so wundert es mich, dass ich mich nicht daran erinnere, wann und wie  mich, an einem Tag in jenen zwölf Monaten, die mich gnadenlos durch Höhen und Tiefen purzeln liessen (mit meiner tätigen Mithilfe), via „jazz py post“ (wie sonst am Ende der Welt) ein Päckchen aus München erreichte, mit Gary Peacocks „Voice from the Past“ – diese Wahnsinnsmusik hätte sich, auch mit dem farbig aufgerissenen Himmelsmotiv, bestens in meinen Soundtrack jenes Jahres eingefügt.

 

Noch heute produzieren die Kompositionen Gänsehaut, so eindringlich, dass man sich ihnen ganz hingeben muss, lauschend: eine Traumgruppe hatte der amerikanische Basssist um sich geschart, und von dem stetig befeuerten Jack DeJohnette abgesehen, spielten Tomasz Stanko und Jan Garbarek mit einer Furiosität,  von der sie in nachfolgenden Jahrzehnten weitgehend ablassen würden, zugunsten anderer Spielideale. Als sollten es die Soli ihres Lebens werden, als würden sie ALLES hineinlegen! Selten passt das Wort „entfesselt“ mehr, und auch die im Titel zu vernehmende „Stimme aus der Vergangenheit“ kommt eher aus slawischen Urwäldern und des Bassmannes Erinnerungen an Jazzclubzeiten mit Albert Ayler, als aus einem idyllischen Shangrila.

 

„Guamba“ erschien fünf Jahre später, 1987, an das Cover erinnere ich mich, denn ich mochte es auf Anhieb, und es gibt einige dieser Art, bei denen sich sonderbare Gestalten im Vordergrund eher im Kontakt befinden mit dem Horizont und dem Abgelegenen als der Porträtlaune eines Fotografen zu folgen (man denke nur an den Wanderer auf einer John Surman-Platte, „The Amazing Adventures of Simon Simon“).  Instrumental gesehen ist es die gleiche Besetzung, allerdings spielt neben Jan Garbarek Palle Mikkelborg Trompete (ich habe zwei Lieblingsscheiben, an denen der Däne mitwirkt, „Waves“ und „Returnings“, gerade mal vier Jahrzehnte liegen zwischen ihnen, wer sagt, Zeit fliegt?), und am Schlagzeug sitzt Peter Erskine.

 

In meiner leicht pastell getönten, flüchtigen  Erinnerung (ich verlor das Werk bei irgendeinem Umzug) ist das Album im Vergleich viel melodischer, weniger ekstatisch. Es hat also bei mir nicht so viele Spuren hinterlassen, und doch möchte ich es gerne auf Vinyl wiederhören. Ich wäre sehr, sehr gespannt, wie dann diese „Stimme aus der Vergangenheit“ tönt.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, 6. April 2018 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

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