Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2018 15 Jan

Funkenflug

von: Manafonistas Abgelegt unter: Blog | TB | Keine Kommentare

Hallo Herr Engelbrecht!

 

Alles hat seine Zeit.

Und so kommt es, dass ich just heute, mit einer Erkältung zuhause sitzend, Muße finde, die Klanghorizonte vom letzten Dezember zu hören. Dem netten »Radiohörer« sei Dank, dass er all die interessanten Sendungen zum Nachhören bereitstellt.

Eben begann die Laraaji-Stunde. Ihre Ausführungen haben mir lang vergangene Zeiten ins Gedächnis gerufen. Ich beginne zu wühlen.

Als nach der sogenannten Wende die Tore zum westlichen Plattenladen offenstanden, ging der Blick sofort zu den heißbegehrten späten Talk Talk, Sylvian, This Mortal Coil. (Natürlich auch viel anderem Kram – ich war ja jung.) Ja ja, ich hatte in den späten 80ern die gute Schule des Herrn Lehnert vom SFB besucht und durch das zusätzliche Vergnügen an elektronischer Musik wohl schon recht weit geöffnete Ohren. Jazz kam später. Ob ich allerdings Laraaji durchs Radio kennenlernte oder mittels eines beherzten Griffes in die Grabbelkiste (Ambient-3-CD) zu ihm fand, ist leider entschwunden; immerhin hatte lange Zeit nicht mal Herr Zimmermann aus dem ehemaligen Ostradio diese Musik – nur ich konnte ihm da offenbar aushelfen.

Es war die Zeit vor dem Internet, die Zeit der internationalen postalisch agierenden Fanclubs und Management-Offices. Man schickte einen »SAE« (Stamped and adressed envelope) in die Welt hinaus und lauerte auf den glücklichen Einflug erhoffter Materialien. Ich wollte mehr wissen und schrieb Laraaji auf diesem Wege. Meinen Wörterbuchenglischtext ließ ich von einer befreundeten Englischlehrerin durchsehen. Habe das ja nie gelernt – wie die allermeisten meiner Mitschüler hatte ich Anfang der 80er keine Lust auf drei Extrastunden Schule. Was ich heute an englisch kann, reicht, um durch die Welt zu kommen, aber zu mehr auch nicht, deswegen bleiben mir die meisten englischsprachigen Texte verschlossen. Es kam tatsächlich ein Umschlag mit einer Kassetten-Auflistung, ein paar Zetteln und einer Visitenkarte mit besten Grüßen zurück. Seit damals weiß ich von den Lachmeditationen.

[Ach, der Shimizu beginnt. Ein göttliches Stück.]

Dem Laraaji bin ich über alle Zeit treu geblieben. Kürzlich sah ich die Neuerscheinung und freue mich schon sehr darauf. Irgendwann demnächst werde ich zuschlagen. Alles sofort geht nähmlich auch nicht. Aber der Geburtstag steht ja an…

Nun klinke ich mich wieder aus und wünsche Ihnen alles Gute weiterhin und überhaupt ein erfreuliches 2018!

Vielleicht noch ein Wort:

Sie baten vor einiger Zeit um eine Top-20-Auswahl meiner Lieblingsplatten. Das wird nicht gelingen – zuviele Platten sind mir wichtig. Aber EINE will ich aus aktuellem Anlass ins Rampenlicht stellen:

Wolfgang Dauner & Charlie Mariano »Meditation On A Landscape – Tagore« (Mood Records 1986)

»Ich wollte sein eine Landschaft« hieß eine Dokumentation zur Erinnerung an den großen bengalischen Schriftsteller und Dichter Rabindranath Tagore (1861-1941), der auch als Philosoph, Maler, Musiker und Regisseur hervorgetreten war.

Charlie Mariano (Bambusflöte, Altsax), Wolfgang Dauner (keyb) und Ernst Ströer (perc) komponierten ein musikalisches Gleichnis zu Tagores Schriften; eine Annäherung an die Metaphorik der indischen Spiritualität. Die Musiker vermögen es wahrhaftig, mit Tönen eine alles umhüllende, rhythmische und doch statische, alte und sich doch erneuernde, fesselnde und doch befreiende, atmende, läuternde Stille darzustellen; dem Hörer eine Ahnung vom Wesen der Meditation zu vermitteln. Auch ohne den Film gesehen zu haben wähnt man sich bald mitten auf jenem Subkontinent, hat man eine Vision von innerer Pilgrimage zur universellen Ruhe. Diese CD ist ein Kleinod, das ich vielleicht nur alle Jahre greife, das dann aber drei Tage lang Balsam meiner Sinne ist.

Der erwähnte aktuelle Anlass ist dreiteilig:

Der erste ist das erfolgreiche Ende einer jahrelangen Recherche nach der genannten Dokumentation. Das Internet schweigt sich seit Anbeginn darüber aus, also folgte ich letztens der glorreichen Idee, bei den öffentlichen TV-Anstalten danach anzufragen. Dank eines anscheinend gut organisierten Archives bin ich nun glücklicher Besitzer einer Kopie dieses interessanten Filmes.

Zweitens: Als ich vor Weihnachten ein Stück aus der Platte bei einem Jazz-Abend abspielte, sind mir sofort gleich drei Köpfe aufgefallen, die plötzlich auf Lauschen schalteten und dann wissen wollten.

Drittens: Die nächste Reise geht wieder nach Indien.

Alles hat seine Zeit.

 

Herzlich grüßend aus dem ehemaligen roten Osten

Olaf P.

 

Klitzekleines PS: Gabor Szabo, der wohl als erster diesen ganzen psychedelischen Gitarrenkram auf große Höhen brachte, hatte Santana angeregt, statt des Blues doch lieber dieses Latinozeug zu spielen. Bei meinen Recherchen zu Santanas Anfängen (die erste habe ich eher pro forma) bin ich nie über die »Borboletta« hinausgekommen. Aber diese schätze ich sehr.

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Montag, 15. Januar 2018 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

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