Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Du durchsuchst gerade das Archiv des Monats Dezember 2017.

Archiv: Dezember 2017

Anfang und Ende der ersten Stunde und zweiten Stunde markieren Räume und Zeiten. Ein fast übersehener (und überragender) Songzyklus aus dem Herbst, Räume der Kindheit und Jugend in East Anglia, und nicht die schlechteste Lektüre dazu: W. G. Sebalds „Ringe des Saturn“. Ein kleiner Stapel von Januar-Neuerscheinungen aus dem Hause ECM, und kurze Reminiszenzen an Horizonte, in einer Sendung, welche nicht zufällig heisst wie sie heisst. Hier ist so einer.

 
 
 

 
 
 

Die dritte Stunde, die NAHAUFNAHME, ist eine Einladung, sich auf die Musik von Laraaji einzulassen, einen Afroamerikaner mit einem Faible für Oscar Peterson und Erroll Garner, der musikalisch ganz andere Sphären ins Visier nimmt. Die zwei letzten Stunden enthalten ausgiebige Zeitreisen, zur „Jukebox von Hörnum“ (Arbeitstitel), und dann kommt Santana. Aber das ist dann noch nicht das Finale. Ich erinnere an den einzigen Studiogast der Klanghorizonte seit 1990, und setze ein Stundenglas in Bewegung. Goodnight, and good luck.

2017 25 Dez

„Ride“

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: , | Keine Kommentare

„Messages ran all over town,
words without sound
condemned me
and left me for dead …
 
Ride, ride the very thought into the ground,
in the church of lost and found
the angels cry.

Ride, ride until the darkness closes in,
until the ravaged soul begins
to reflect the open skies.“

(David Sylvian)

 

To analyze and imitate music makes fun: music that I like the most, miss the most or that accompanied me for a long span of lifetime as part of a personal, biografical soundtrack. In the present I rarely listen to tracks or albums of David Sylvian exept they attract me as a kind of „re-entry“: recall, repeat, rework. The ghosts of my life then become wild again, so to speak. Examining „Ride“ now after years of beeing addicted to it manically in times of Everything and Nothing reveals some compositional habits. Putting the Kapo on the second fret (means C Major sounds in D), playing the guitar (not necessarily a red one), starting with the chords F#m, E, C#m, B#m, C# running along the verse works all quite easily. When moving to the chorus something typical in many songs of this special artist happens: a surprising, unusual change into another tonality. This gives us the impression of stepping from one plateau to another, somehow simular to the music of canadian trumpet player Kenny Wheeler. „Silver Moon“ from Gone to Earth might as well fit into this pattern. In „Ride“ it perfectly emphases the uplifting from a depressive mood to some kind of relief. The key change goes from F# minor (verse) to A minor (chorus) which means: three semitone steps up. The chorus follows with Am, G, F, Em, Dm, Em, Dm, C … (Esus4/B). Here comes another typical element of Sylvian´s songs into play: the quality of his voice on one hand disguises and upgrades quite trivial chord progressions (time and again also spiced and saved from pure boredom by the fine drum work of Steve Janssen) and on the other hand connects the different plateaus with tricky and beautiful melodic guidance.

 
 
v i d e o
 
 

In dieser Nacht

 

Jeder singt das gleiche Lied,
und das geht so: In dieser Nacht, in dieser Nacht, in dieser Nacht.
War mir nicht klar, dass diese Künstler hauptsächlich ans Sterben denken.

Es könnte dich zum Heulen bringen, dass wir alle auf die gleiche Weise enden.
Aber es ist die beste Nachricht dieser Woche.

Du hörst es überall im Radio.
(Was vom Radio übrig bleibt.)
Danke, ehrlich, für dein Werbepsychoding, durch das wir immer up-to-date sind.

Alle Hits über dasselbe,
nur: In dieser Nacht, in dieser Nacht, in dieser Nacht.
Und: Das Leben, es hat eine Grenze.
Shit, es fühlt sich aber endlos an.

Ob es jedem so geht?
Wir sind doch alle ungezügelt.
Nur du nicht.
Du weißt, wer gemeint ist.
Das ist ein Liebeslied.

Und du wirst älter.
Das verspreche ich dir; du wirst älter.
Und es wird besser, immer besser, bis …
– Bist ein Gewinnertyp –
bis die Zukunft ein Alptraum ist
und dann ist da nichts, was ich tun kann.
Niemand kann da etwas tun.

Jetzt kriegst du die Chance, dich anzugleichen –
Du kennst die Dialektik der Verneinung, ja?
Deine Gegner jagen dich mit Spott und Spucke.
Freunde aber können dich ins Aus befördern.
Ha, das stimmt nicht.

Du bist zu erschüttert, um ausgenutzt zu werden.
Oder du bist zu erschüttert, weil du ausgenutzt wurdest,
von großmäuligen Kindern einer mysteriösen Verlosung
von Schuhen in limitierter Auflage.

Was machst du nochmal?
Oh, ich spiele Kassandra, ich bin
der behinderte Veteran einer Plattenladen-Inquisition,
angesetzt, um das Macho-Arschlochtum zu stoppen
mit meinem späten Middle Age-Geschwafel.
Jeder Verliebte will es, dieses
„berühre mich, berühre mich, in dieser Nacht.“
Vielleicht erkennen wir das, was wir brauchen, wenigstens
bevor wir sterben.

Glück ist immer besser als Geschicklichkeit in etwas.
Wir fliegen, blind.
Großer Gott,
das hört sich an wie meine Mutter.

Außerhalb der kleinen Zimmer, auf den Straßen
kriegst du kein Internet. Wir haben unsere Erinnerung verloren.
Hinter uns, da waren Fußabdrücke aus Papier. Unsere Geheimnisse waren geborgen.
Die peinlichen Fotos haben wir alle gelöscht,
und ersetzt durch Versionen von uns, von denen wir finden, dass sie das Optimum sind,
bis sich Versionen über Versionen legen. Kopieren. Bearbeiten. Löschen. Repeat.

Du kommst her und machst dich lustig über alles, was uns einmal wichtig war.
Und du machst immer noch Fehler, immer die gleichen Fehler.
Erbsenzähler, Rationalisten kennen sich aus mit langfristigen Kalkulationen
– und darin sind sie besser als du –,
aber den schnellen Kick kennen sie nicht.
Den kennen die Gauner, und darin sind sie besser als du.

Sie werden benutzt und ausgenutzt von Leuten, die anfangs nette Zuhörer waren.
So wirst du bedrängt und verspottet, so lange du lebst.
Du versäumst eine Party, worüber du nie hinwegkommst.
Du verabscheust das Gefühl, deine Jugend zu vergeuden,
dass du viele Jahre im Hintergrund warst, oh, bis du dann älter wurdest.
Aber das sind alles Lügen,
alles, alles sind Lügen.

Ist gut jetzt, ich kann nicht mehr weiter, mein Kopf, mein Gehirn is kaputt.

 

(lyrics by James Murphy, LCD Soundsystem)

(translated by Martina Weber)

(planned to be performed by Michael Engelbrecht, Radionacht Klanghorizonte, 30-12-2017)

 

 

2017 23 Dez

Film Shelvies

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

I have no intention to become either inspired or productive; to the contrary I intend to sit in the dark at night in my big black leather chair staring out at the Hollywood Hills like a man gazing on an approaching tsunami. Here comes the present. On my monitor I run the same movies over and over with the sound off: The Bad and the Beautiful, Out of the Past, Pandora´s Box, I Walked with a Zombie. Studying the films in my shelf, Ventura remarks that I don´t own any funny ones. “What the hell are you talking about?” I answered in outrage. “You don´t think Scarlett Express is a funny movie? You don´t thing Detour is a funny movie?” Last time I was up the hall in Ventura´s apartment I took a look at his film shelf, and there´s a guy who doesn´t own a single funny movie – except Charlie Chaplin, and he and I both know he doesn´t watch City Lights because he thinks it´s funny, he watches it because he think it´s profound. The truth is I don´t own anything but funny movies. Every one of them is hysterical.

Steve Erickson: Amnesiascope

 

2017 23 Dez

O Brother, Where Art Thou?

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

 

Gebt mir eure Müden, eure Ausgepowerten,
Eure ausgebrannten Massen, die frei zu atmen begehren,
Die jammernswerten Abgehängten eurer traurigen Küsten;
Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen,
Hoch halt‘ ich mein Licht an grüner Tann! 🗽

 

In diesem Jahr ist an Heilig Abend jeder bei uns willkommen.

 

2017 23 Dez

Eastend

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 

 
 
 

I will never forget the books that floored me down, kept me in deep trance, made me, in this case, time traveling to old München in the 70‘s. Oh, I have been there in old Schwabing days, seeing American movies, Nashville for example, or forgotten German films with a special amount of weirdness, Die Hamburger Krankheit for example. I had been in Erding and Pasing, visiting the old ECM and jazz store at Gleichmannstraße 10. And I talked with Rolf Dieter Brinkmann, by chance, on a rainy summer day. Days gone by. And I had been following writer Almund Grau on his strange trip through loss, psychotherapy and London, yes, Eastend! And it all comes back in circles when reading one of my greatest German novels of that decade. Surrender! Ernst Augustin is a master.

 

 
Yance Ford in "Strong Island"
 
 
 

  1. Strong Island
  2. Blade Runner 2049
  3. Detroit
  4. Wind River
  5. Die Lebenden reparieren (Réparer Les Vivants)
  6. Manchester by the Sea
  7. Dunkirk
  8. Baby Driver
  9. I am not your Negro
  10. Moonlight
  11. Loveless (Nelyubov)
  12. Beuys
  13. Denk ich an Deutschland in der Nacht
  14. The Salesman
  15. 120 BPM

 

missed, and still on my list: Lady Macbeth / Mother! / Die beste aller Welten / Elle / The Killing of a Sacred Deer / The Florida Project / Call me by your Name / Three Billboards Outside Ebbing, Missouri / In Zeiten des abnehmenden Lichts // coming up next week: Phantom Thread

 

(NB: As some films are often released later in Germany than in their country of origin, a few of these films may count as 2016 releases to residents of the U.S. or Iran. Also, many films in the run for Academy Awards 2017 have of course not been released in Germany yet. So I can only include films that have been screened in cinemas in Germany this year – or at festivals in Cannes and Berlin.)

 

Zunächst mal, bei „Radio in an Hourglass“, war es so, dass meine Frau U-She und ich eine Eieruhr bauten. Das war ein grosser Trichter. Und wir wollten diese Eieruhr mit sehr viel reinem Sand machen. Und da war da auf einmal im Kurzwellenradio eine Atmosphäre, die etwas Besonderes an sich hatte, das einzige Stück des Album MOVING PICTURES, das fast nur aus Radio besteht. Normalerweise hört man mit einem Radio immer nur einen Sender. Was mich interessiert, sind stets verschiedene Sender gleichzeitig. Und dann muss das natürlich eine Form haben. Hier fliessen die Klänge in eine Leere, und dann fliessen sie wieder in einen anderen Raum. Durch die Eieruhr kommt man hinterher in einen ganz anderen Orchesterbezug hinein. Plötzlich hat man einen Orchesterraum da, und dann ist das Stück auch schon wieder zuende.

(Holger Czukay)


Manafonistas | Impressum | Kontakt
Wordpress 4.9 Design basiert auf Gabis Wordpress-Templates
71 Verweise - 0,243 Sekunden.