Manafonistas

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2017 30 Dez

„The river is a synthesizer“

von: Michael Engelbrecht Abgelegt unter: Blog | TB | 11 Kommentare

 

 
 
 

„Ich begann die Musik zu schreiben“, sagt Kit Downes, „mit der Vorstellung, diese Orgeln könnten miteinander in Kontakt treten, zueinander sprechen. Sie wurden zu verschiedenen Zeiten gebaut, mit jeweils anderen Sounds, es fühlte sich an wie eine Zeitreise, eine Suche nach Verbindungslinien.“

 
 

Nicht die Orgel hakte, die Kit Downes in der Union Chapel Church in London bespielte, sondern der CD-Player. Daher die Wiederholung eines angelaufenen Stückes. Die Zeit, die verloren ging, sollte mit einem wilderen Orgelsolo, nach TONITE von LCD Sounsystem, bereichert werden, das Stück des Bobo Stenson Trios war da nicht die perfekte Ablösung des Zorngesanges von James Murphy. Aber das Ohr rückt sich, mit der Psyche, manches zurecht, und so hatte das vielleicht auch seinen Reiz.

Ich hatte mir stets gewünscht, Brian Eno würde einmal die Nits produzieren. Als ich ihm einst in Bonn, vor fünfhundert Zuhörern, ein Stück vorspielte, teilte er meine Begeisterung leider nicht. Umso trefflicher nach meinem Empfinden das Zusammenspiel des fantastischen Nits-Albums ANGST mit FINDING SHORE von Rogerson / Eno zu Beginn und Ende der ersten Stunde der Radionacht Klanghorizonte.

Es wurden gleich zwei Manafonisten namentlich aufgerufen, was in beiden Fällen höchst angemessen war, bei Martina und Gregs. Schliesslich gab es u.a. eine verwilderte Seqenz aus der „Hörnumer Jukebox“ zu belauschen, in der ersten Zeitreise der Nacht. XTC, Holger Czukay, Hector Zazou, Underworld, Hector Zazou, Holger Czukay, XTC. Es gibt viele Menschen, die kennen BLACK SEA gar nicht, aber vielleicht muss man leicht anglophil sein, um dem Charme dieses furiosen Quartetts aus Swindon erlegen zu sein. (s.a. „reissue of the month“)

„The river is a synthesizer“ ist der heimliche Leitspruch dieser fünf Stunden gewesen, eine Zeile aus einem Song des Nits-Albums. Und der erste Song der Nacht, der vom Blumenladen um die Ecke, nahe „Penny Lane“ und „Dead End Street“, war der Schlüsselsong. Das „Album des Monats“ ist bereits am 17. September erschienen, schön, dass ich das auch noch mitbekam, kurz vor Weihnachten. Eine diskreten Podcast der Sendung gibt es hier dieses Mal nicht, dafür aber den Hinweis, dass am dritten Samstag im Februar die nächsten Klanghorizonte sind, und dann jenes allerfeinste Album einen Auftritt haben wird, das heute Nacht der zwingenden Traumlogik des „sequencing“ weichen musste, APR 70 von Dictaphone. Ein deutsches Trio, das verliebt ist in den Brüsseler Avant-Pop der 80er Jahre, und herrlich zeitgenössische Musik schöpft. More rain may fall, the river is a synthesizer.

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 30. Dezember 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

11 Kommentare

  1. Gregor:

    Großartige Sendung. Die Jukebox zittert. Die Röhren glühen. Den Hörern pfeifen die Ohren. Wie kann man nur einen burner nach dem anderen auflegen. Wow!

  2. Michael Engelbrecht:

    Den langen Song TONITE zu rezitieren, ich ging da richtig rein, variierte und erhob die Stimme, raubte meinen Stimmbändern die letzte Ölung. Leichte Heiserkeitswerte … :):)

  3. Martina Weber:

    War sehr interessant, wie du den Text gelesen hast. (Ich hätte ihn ganz anders gelesen.)

    Ich saß gebannt vor dem Radio und konnte es kaum fassen :)

  4. Martina Weber:

    APR 70 läuft bei mir seit seinem Eintreffen kurz vor Weihnachten auf verschiedenen CD-Spielern. Ein ganz wunderbares Album von sehr feiner, ruhiger Dynamik.

  5. ijb:

    Hallo aus dem Süden. Hat jemand evtl. die Sendung oder einen Teil davon aufgezeichnet? Ich hatte aufgrund widriger Wetterumstände gestern in München zu verweilen. Glatteis, Auto aus der Kurve gerutscht, Achse kaputt. Passierte alles keine 200 Meter vom ECM HQ entfernt, so dass ich die Autobahn Richtung Württemberg gar nicht erst erreichte und meines Vaters Audi am Ende in der Werkstatt in München stehen lassen musste und die Nacht im Hotel verbrachte.

    Am Ende habe ich zwar einen dicken Stapel neuer ECM-Scheiben im Gepäck, dafür aber die die Klanghorizonte verpasst …

    Falls jemand einen Link o.ä. zu bieten hat: Gerne an mich senden.

  6. uwe Meilchen:

    Hier, wo der RADIOHÖRER postet, unter der Rubrik „Nachhören“ sollte im neuen Jahr die RADIONACHT nachzuhören sein!

    http://radio.friendsofalan.de/

  7. Rosato:

    @ Ingo

    „Falls jemand einen Link o.ä. zu bieten hat: Gerne an mich senden.“

    … das am besten passende deiner Postfächer aufsuchen.

  8. ijb:

    Super, danke! Das höre ich am Dienstag auf der Fahrt aus Baden-Württemberg nach Berlin! Freue mich drauf.

  9. radiohoerer:

    Hallo zusammen.

    Ich wünsche allen Mana’s ein erfolgreiches neues Jahr. Micha’s Klanghorizonte sind zum nach hören online. Link siehe oben … Viel spass dabei !

  10. uwe Meilchen:

    Vielen Dank RADIOHÖRER ! Dann kann ich die Sendung nun auch noch anhoeren ! :)

  11. Olaf:

    Auch von mir vielen Dank für den Link.

    Ich bin mit den Daten durcheinander gekommen und hatte nicht auf dem Schirm, dass die Sendung vom 30. logischerweise in der Nacht vom 29. auf dem 30. läuft und 24h nicht später. Jetzt geniesse ich nachträglich die ersten Stunde und freue mich auf die Jukebox am Ende.

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