Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

„I was dancing / When I was twelve“. Als ich ein Teenager war, bekam ich eine Platte in die Finger, die mich nie mehr losliess. Ich hörte sie erst heute wieder, ich mochte den Sänger sowieso und kannte ihn schon von einem früheren Album, das sehr folkig, sehr psychedelisch, sehr abgedreht, und voller irrwitzig schöner Melodien war. Wenn ich schön schreibe, schreibe ich nicht das Wort schön, das Deutschlehrer gerne rot ankreuzen, ich schreibe das Wort schön bei klarem Bewusstsein seiner unspezfischen Aussagearmut, dicht an der letztlich ins Visier genommenen Sprachlosigkeit. Dann kam ELECTRIC WARRIOR von T REX, und das schlug bei mir so ein wie, vorher wie nachher, diverse Alben, die das Innerste nach aussen kehren, und wieder zurück. Marc Bolan starb hundert Jahre zu früh.

In dem Jahr, als ELEKTRISCHER KRIEGER erschien, stellte ich wohl meinen privaten Masturbationsweltrekord auf, indem ich sechsmal Hand an mich legte. Mindestens dreimal dachte ich dabei an eine evangelische Pfarrerstochter, bei der ich keine Schnitte bekam, was sehr schade war, da ich reines Herzens war und für sie sogar ein paar Pferde von der Ponderosa gestohlen hätte. In jenen Jahren der sogenannten Pubertät, die eigentlich ELEKTRISCHES KRIEGERLAND heissen müsste, als die Musik, mehr noch als in der frühen Kindheit, Seelennahrung wurde, waren diese auserwählten Schallplatten Schutzschild, Kampfzone und Sehnsuchtsstoff zugleich.

Und jetzt kommt die Pointe: als ich die Platte nun wieder hörte, von Anfang bis Ende, und noch einmal, gab es keinerlei Erinnerungstaumel, ich setzte meine Rüstung auf, schwang mich aufs Pferd, und machte mich auf den Weg zur schönsten Frau der Welt. Und mithin ist das letzte Bild dieser Geschichte eine Staubwolke ohne jede symbolische Bedeutung. Ausser vielleicht, ich gestehe es in aller Unbescheidenheit, weil mich die dummen Bemerkungen von anderen schon lange nicht mehr berühren, ich bin nun mal schneller als der Wind. Daher die Staubwolke. Und wenn sie nun meinen, das sei alles erfunden und vollkommener Stuss, dann irren Sie sich gewaltig. „You‘re dirty and sweet, clad in black / Don’t look back, and I love you.“

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Montag, 18. Dezember 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

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