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2017 15 Dez

Gregor öffnet seinen Plattenschrank (152)

von: Gregor Mundt Abgelegt unter: Blog | TB | 3 Kommentare

Wenn der Tempo mit dem Jukebox-Man kommt …

 

Es fehlt noch eine Liste, nämlich die, die über die Schallplatten Auskunft gibt, die in den Jukeboxen meiner Kneipiers im Jahr 2017 am häufigsten gedrückt wurden. Interessiert haben mich allerdings nur die gewünschten Scheiben, die im Jahre 2017 oder im Dezember 2016 erschienen sind. Wie ich an dieser Stelle schon mehrfach erläutert habe, bin ich auf die Aussagen meiner Jukeboxpächter angewiesen. Es gibt deshalb auch keine Platzierungen, sondern nur nur mehr oder weniger gleichwertige Nennungen. Interessant dieses Jahr: Neil Young ist gleich drei Platten vertreten, Van Morrison mit zweien und auch ansonsten treffen wir viele alte Bekannte: Ray Davis, Randy Newman, Willie Nelson, Santana, Lucinda Williams, das Penguin Cafe Orchstra u.v.a.

Neben den hier aufgeführten aktuellen Scheiben, werden vom Publikum einer Kneipe, das zeigt sich immer deutlicher, besondere Schwerpunkte gesetzt: in Hörnum sind es die Platten von Robert Wyatt, die gerne gewählt werden, in Cuxhaven eher die Songs von Brian Eno, anderswo wird Daniel Lanois gewünscht. Aber überall schätzt man die Musik zwischen 1968 und 1973, aus dieser Zeit werden zu gerne „Oldies“ gedrückt.

Eine der Jukeboxkneipen, die regelmäßig besuche, liegt abseits, in einem kleinen Dorf, kaum jemand kennt den Flecken. Bis vor wenigen Jahren gab es hier noch zwei Gaststätten, ein Lebensmittelladen, einen Schlachter, einen Bäcker. Alles weg, alles zu, die Schaufenster verstaubt, keine Auslagen mehr. Jetzt existiert hier nur noch ein Tattoo-Laden, der auch schon bessere Zeiten gesehen hat, vielleicht aber auch nicht, und eben die kleine Jukebox-Kneipe, die, nach Aussage des Wirts, auch kurz vor dem AUS steht. Als ich ihn neulich besuchte, meinte mein Freund, er hätte einen Plan für die letzte Stunde seines Ladens. Wenn das letzte Bier getrunken, der letzte Malt geschlürft, der letzte Gast die Tür hinter sich geschlossen habe, die Stühle auf die Tische gestellt seien, der Tresen geputzt, dann würde er absperren, sich einen Dalwhinnie Distillers Edition von 1997 eingießen und zum Schluss seine Lieblingsplatte von ASTRID auflegen, HIGH BLUES, und ERIK S wählen, das sei ein Stück von Erik Satie in einer unglaublichen Version, und ergänzt. „Stelle dir das mal vor, Gregor, die letzte Stunde dieser Kneipe mit dieser Musik. Das ist Trostmusik pur! „Musik“, so sprach er ganz leise weiter, „ist mein Lebensbegleiter, wie ginge es mir ohne ihn?!“

 

  1. Ray Davis: Silent Movie / Rock `N´ Roll Cowboy (Americana)
  2. Diagrams: Under The Graphite Sky (Dorothy)
  3. Jeff Tweedy: I Am Trying To Break Your Heart (Together At Last)
  4. Rhiannon Giddens: Birmingham Sunday (Freedom Highway)
  5. Timber Timbre: Velvet Gloves & Spit (Sincerely, Future Pollution)
  6. Father John Misty: Things It Would Have Been Helpful To Know Before The Revolution (Pure Comedy)
  7. Jane Weaver: Slow Motion (Modern Kosmology)
  8. Darren Hayman: Woodend (Thankful Villages Vol 2)
  9. Lucinda Williams: Six Block Away (This Sweet Old World)
  10. Justin Townes Earle: Maybe A Moment (Kid In The Street)
  11. Valerie June: Two Hearts (The Order Of Time)
  12. The Gift feat.Brian Eno: Love without Violins
  13. Sera Cahoone: Always Turn Around (From Where I Started)
  14. Seamus Fogarty: Shot Ballad For A Long Man (The Curios Hand)
  15. Randy Newman: Wandering Boy (Dark Matter)

 
 
 

 
 
 

  1. Santana & Isley Brothers: Higher Ground (Power Of Peace)
  2. Van Morrison: Automobile Blues (Roll With The Punches)
  3. Mountain Goats: Shelved (Goth)
  4. Willie Nelson: A Woman´s Love (God`s Problem Child)
  5. Dan Michaelson: First Light (First Light)
  6. Penguin Cafe Orchstra: Half Certainly (The Imperfect Sea)
  7. Josh Ritter: Showboat (Gathering)
  8. Tyler Childers: Lady May (Purgatory)
  9. Neil Young: (The Visitor)
  10. Simon Joyner: I´m feeling it today (Step into the Earthquake)
  11. Van Morrison: The Party Is Over (Versatile)
  12. Neil Young: Glass Accident (Peace Trail VÖ 12/2016)
  13. Neil Young: Pocahontas (Hitchhiker)
  14. Jason Isbell and the 400 Unit: Last Of My Kind (The Nashville Sound)
  15. The National: Nobody Else Will Be There (Sleep Well Beast)

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, 15. Dezember 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

3 Kommentare

  1. Michael Engelbrecht:

    Early in the morning I got a phone call from MHQ, they wanted to do a „Pagean“ interview with me, but I was stopped in the tracks by reading your story.

    Gregs has painted his masterpiece 2017 here, with all these journeys through time. This is what love for music is all about.

    My only jukebox is in an old, regularly visited pub in Villingen, Blackforest, with drinkers, losers and soul searchers aged between 40 and 75. So the ones who are broken and / or young at heart. Life is full of paradoxi. Yesterday he sent me this month‘s TOP 12, he couldn‘t name all of the songs, because he‘s lying with a broken leg in hospital, so he is describing some of the hot shit. Take care, Sven!

    1) The The: This is the day

    2) Ray Davies: that fucking great track with a country vibe and a woman singing a wonderfule duet with Ray, absolutely uplifting (from Americana)

    3) Tinariwen: track no. 5 from Elwan („wenn ich das höre, Michael, möchte ich Tuareg sein“)

    4) The Beatles: In my life

    5) Brian Eno: Spinning Away (has been top of the list between February 2007 and March 2012, no kidding)

    6) Father John Misty: Pure Comedy (the title track of the album, I‘m honoured, my album of the year)

    7) Jeff Tweedy: Sky Blue Sky (from his recent solo recital album)

    8) Grandaddy: Nevermore (from Last Place)

    9) Kammerflimmer Kollektiv: unreleased single from their 2018 album („Michael, da spielt die FreejazzschlagzeuglegendePaul Lovens mit, ich fasse es nicht“)

    10) Rolling Stones: Mother‘s Little Helper

    11) Tom Rogerson with Brian Eno: Marsh Chorus (from Finding Shore)

    12) Holger Czukay: Cool in the Pool

  2. Michael Engelbrecht:

    Darren Haymen, one of England‘s finest song writers.

    A national treasure, still unearthed.

    You have used the brilliant cover of Dan Michaelson‘s new album: a fantastic slow motion burner.

  3. E. A. P.:

    Bei sorgfältigem Nachdenken über alle üblichen künstlerischen Wirkungen oder eigentlich Effekte (im theatralischen Sinne) – erkannte ich unfehlbar sogleich, daß nichts so universell verwendet wurde wie der Refrain.

    „Gregor öffnet seinen Plattenschrank“ – Refrain No. 152

    Ist ein literarisches Werk zu lang, um in einem Zuge gelesen zu werden, muß man sich damit abfinden und auf den unerhört wichtigen Effekt verzichten, der sich aus der Einheit des Eindrucks ergibt – denn wenn zwei Ansätze nötig sind, schieben sich die Dinge der Außenwelt dazwischen, und so etwas wie Totalität ist augenblicklich zerstört.

    Gregor, das ist eine deiner schönsten Kurzgeschichten.

    Da ich das Schöne als mein Gebiet betrachte, richtete sich meine nächste Frage auf die Tonart ihrer vollkommensten Repräsentation – und alle Erfahrung lehrt, daß diese Tonart eine der Trauer ist. Schönheit jeglicher Art bewegt in ihrer höchsten Entfaltung die empfindsame Seele unvermeidlich zu Tränen. Melancholie ist daher die rechtmäßigste aller poetischen Tonarten.

    HIGH BLUES und ERIK S
    was für ein Abgesang zum Schließen einer Jukeboxkneipe

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