Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archiv: November 2017

2017 19 Nov

Manamory 10/24

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Ich wollte an einem Abend dorthin, um Shirley Collins zu treffen. Auf Drängen von Patty Smith ist die 80 jährige angereist. Shirley erzählte, dass sie 30 Jahre nicht mehr singen konnte. In dieser Zeit hätte sie angefangen, Songs zu sammeln. Im 19. Jahrhundert nannte man England „the land with no music.“ Sie ging von Tür zu Tür und foderte die Landbevölkerung auf: „Sing!“ Ihre field-Arbeit nennt sie „Archäologie der Musik“. Es wurden Ausschnitte von dem neuen Film „The Ballad of Shirley Collins“ gezeigt

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Heute (Samstag Abend) fuhr ich durch Oxford, um via Leeds nach Birmingham zu gelangen. Was sich auf den ersten Blick nach einer arg umständlichen Route anhört, war tatsächlich eine recht kurze Strecke auf der Interstate 20. Allerdings nicht in New England, sondern in Alabama. Dabei dachte ich an Lucinda Williams‘ Album von den Geistern des Highway 20, die auch ganz wunderbar auf ihrer Schallplatte Car Wheels on a Gravel Road porträtiert sind.

 

Neulich erwähnte ich in einem Kommentar zu einem Beitrag, dass in der Hörnumer Jukebox zehn Platten von Robert Wyatt zu finden seien. Seither möchte der eine oder die andere freilich wissen, um welche Platten es sich handeln könnte. Gerne möchte ich diese Fragen beantworten, hat sich hier doch ein Phänomen eingestellt, das anderenorts nicht selbstverständlich zu scheint: hier, in dieser Kneipe, ein paar Schritte vom Meer, von der rauen Nordsee entfernt, gehören diese Scheiben zu den am meisten gewünschten. The Guardian schrieb schon vor mehr als zehn Jahren:
 

Just as the best way to judge an adult is by his or her record collection, the best way to judge a pub is by the albums on its jukebox. Or it was, until the 21st-century caught up with the noisy machine in the corner. There are now nearly 2,000 internet-connected jukeboxes in the UK, each of which can access as many as 2m tracks – and with them has come Wyatting, which is either a fearless act of situationist cultural warfare or a nauseatingly snobbish prank, depending on who you ask. The phenomenon was first identified in the New York Times by Wendy McClure. She was in a grimy rock bar when someone pulled up Brian Eno’s Thursday Afternoon, which consists of a single distant piano phrase repeated for more than an hour, and found herself too mesmerised to leave. „Imagine replacing the brass cylinder in a music box with a Möbius strip made from nerve endings“, she wrote. The rest of the bar’s patrons, however, were soon in revolt.

 

Okay, hier nun die zehn ausgesuchten Robert-Wyatt-Scheiben:

 

  • Lullaby For Hamza (cuckooland 2003)
  • Maryan (shleep 1997)
  • Alliance (Old Rottenhat 1986)
  • The Age of Self (Old Rottenhat 1986)
  • Sea Song (Rock Bottom 1974)
  • Little Red Riding Hoot Hit The Road (Rock Bottom 1974)
  • The Ghost Within (… for the ghost within´ 2010)
  • Lush Life (… for the ghost within´ 2010)
  • Dondestan (dondestan 1998)
  • Little Child (Daddy Dear) 1972 (Solar Flares Burn For You 2003)

 
 
 

 
 
 

Und jetzt gibt es noch eine Warteliste, dringend werden folgende Songs gewünscht:

 

  • Strange Fruit (Nothing Can Stop Us 1982)
  • Blues in Bob minor (shleep 1997)
  • Solar Flares (Ruth Is Strager Than Richard 1989)
  • Speechless (Old Rottenhat 1986)
  • P.L.A. (Old Rottenhat 1986)
  • Round Midnigt (… for the ghost within´ 2010)
  • Sight of The Wind (dondestan 1998)
  • Costa – Memories of Under-Development (dondestan 1998)
  • At Last I´m Free (Nothing Can Stop Us 1982)
  • United States of Amnesia (Old Rottenhat 1986)

 

Ein Glas Weißwein trinken, Robert Wyatt hören, auf das Meer schauen, was will man mehr?

2017 17 Nov

Feuer gefangen

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Jeder kennt die Liebe auf den ersten Blick. Es gibt sie in persönlichen Begegnungen, aber auch bezogen auf Musik, auf Filme, Buchlektüren. Ein einzelner Akkord, ein Melodielauf, glasklare Evidenzen, etwas von Relevanz. Die ersten Minuten aus der Fernsehserie Halt & Catch Fire laufen ab und gleich ist klar: das Weiterschauen wird ein grosser Spass in den nächsten Wochen, ein entspanntes und bereicherndes Flow-Erlebnis. Man sieht einen Monitor, etwas wird eingetippt in neongrüner Schrift: HCF. Die Bedeutung dieses Computerbefehls wird sogleich erklärt. Ein riesengrosses Gürteltier krabbelt langsam über die Bildschirm, wie in einer Animation. Dann sieht man dieses fabelhafte Viech auf geteertem Strassenbelag, hört dazu das Motorengeräusch eines irrsinnig beschleunigten Sportwagens. Ein Porsche rast die Strasse herauf, dem Betrachter entgegen. Vollbremsung. Der Fahrer steigt aus und sieht sich den Schaden an: im Kühlerfrontgitter steckt ein blutiges Etwas. Diese in rhythmischer, bildwitziger Brillianz fotografierte Eingangssequenz könnte als Metapher gelten für Vieles, was dann folgt. Es um Veränderungen und Entwicklungen der digitalen Technologien. Wollte man dies aufhalten, so würde man überrannt. Es könnte auch Hinweis sein auf die forsche Rücksichtslosigkeit und den Ehrgeiz des attraktiven, bisexuellen, rhetorisch versierten Porschefahrers Joe MacMillan, einst Salesman bei IBM. Ein David Bowie der Computerbranche? Im Vorstellungsgespräch wird ihm Soziopathie unterstellt, zu Unrecht, denn er ist zu tiefen Emotionen fähig. Die Serie kommt aus gleicher Produktionsstätte wie auch Mad Men und Breaking Bad und das sieht man ihr an. Auch an Fargo erinnert einiges. Nichts ist hier zuviel und überflüssig. Dem Betrachter wird nicht Zeit gestohlen, vielmehr geschenkt. Figuren, mit denen man sich gerne identifiziert. Empathie, Katharsis. Eigene Lebenserfahrungen werden gespiegelt, nicht nur im Soundtrack. Eine hohe emotionale Intelligenz zeichnet die Serie aus. Hat man das Ganze beendet, nach vier Staffeln, vierzig Episoden und dreissig Stunden Fernsehvergnügen, breitet sich Sehnsucht aus. Wie einst in verzauberten Sommernächten, die man allzu gerne zurückholte. Selbst ein Guru aus dem fernen Osten wäre davon nicht befreit. Denn Sehnsucht ist das Leben selbst. Wie Orpheus steige ich ein zweites Mal hinab in den Serien-Hades, beginne nach dem Abschied gleich von vorne. Schalte die Untertitel ab, geniesse den John-Bosworth-Sound in voller Konzentration. Wann hat man jemals so genial rappenden Texas-Slang gehört?

2017 16 Nov

Kurt Weill Variationen

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Bei einem Kreuzberger Weihnachtskehraus vor zwei Jahren sang eine Frau Kurt Weill Songs. Ich fragte sie, weshalb sie so begeistert von Kurt Weill sei. Sie lachte, nicht von Weill, sondern von Lotte Lenja, seiner Frau. Tatsächlich hatte die Berlinerin die gleiche signifikant kühle Schepperstimme wie Lotte.

 

Lotte: Do you know that they just found the song, you composed for me?

Kurt:  Which one do you mean?

Lotte:  Gosh,  honey, it was

Kurt: „Speak low, when you speak love.“

Lotte: I was searching for that song all over after your death. 

Kurt: Why did it mean so much to you?

Lotte: Kurt, it was the song about the white cheese. I sang it with all my power. Do you remember that wonder healer,  who preached: it was  done with white cheese compresses and two prayers.

Kurt: Yeah, I do remember.  „We were sooooo satisfied then.“

(Das „Lied vom weissen Käse“ ist vor ein paar Tagen in Berlin wieder gefunden worden)

 

Wiki speaks:

Kurt Weill wird in Dessau 1900 geboren. Er war ein deutsch-amerikanischer Komponist. Er stammte aus einer jüdischen Familie aus Dessau.  Auch er floh vor den Nazis nach New York, wo er 1950 starb. Er erlangte zunächst Bekanntheit durch die Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht (z.B. die Dreigroschenoper u.a.). Aufgrund von künstlerischen Dissonanzen trennten sie sich. Brecht versuchte ihn ganz für sich zu vereinnahmen. Weill wehrte sich: „… glauben Sie Brecht habe meine Musik komponiert? Brecht ist ein Genie, aber für die Musik in unserem Werke, dafür trage ich allein die Verantwortung.“

Lotte Lenja war die einzige Frau, die den Verführungen Brechts widerstanden hatte.

 

Brecht auf deutsch-türkisch 

 

Isch lieb nur disch

Isch mach dir Kind

Du mach mir Text


 
 
 

 
 
 

Omg – a musical!

Als Kurt den Broadway entlangschlenderte, traf er Moss Hart, der frisch von der Couch runterkam. Die Psychoanalyse blühte. Ein Glück für Weill, der mit Hart jemanden gefunden hatte, mit dem er neue Musikformen im Theater ausprobieren konnte. Sie arbeiteten daran, wie die Traumsequenzen als Songs so in die Wort- und Theatertanzakte eingebaut werden könnten, um dem Stück „Lady in the Dark“ mehr Spannung zu verleihen.

 

„My ship has sails that are made of silk …“

 

Wie oft wurde dieser Song – THE SHIP – aus dem Musical LADY IN THE DARK gecovert: von Flora Purim, Cindy Blackman, Herbie Hancock, Miles Davis, Gil Evans …

 
 
 

 
 
 

Ich bin im Kurt Weill Zentrum in Dessau.

Es ist in einem der Meisterhäuser (Bauhaus / Feininger) untergebracht. Auf dem Tisch liegt das Kurt Weill Festspielprogramm für 2018. „Lady in the Dark“ wird aufgeführt werden und Till Brönner wird aufspielen. Mich hätten die Folksongs zu dem Musical „Huckleberry Finn“ am meisten interessiert. Wo sind sie bloß?

 

 
 
 

At first listening, this Polish-Scandinavian collaboration seems almost too archetypal ECM for its own good. But there‘s more to UNLOVED than the surface of the surface may offer. So wait and listen. My edition of Deutschlandfunk’s „JazzFacts“ on December 7th, 9.05 p.m., will shed some light over Marciej Obara‘s debut on ECM. And the sax player will speak about it, in his home language. Other themes are in preparation. Please let us not discuss t h i s album here. But: are there brand new or quite new jazz, jazz-related albums out there (from lesser known labels) I might present on that evening‘s program? Do I have to go back to some overlooked gems? Nearly no one knows, for example, the highly inventive approach to Erik Satie, performed by a piano player and a cornetist, right?! Released on Steeplechase Records. And, with special works, it’s always the question what can still be called jazz in the widest sense? Jon Balke‘s fantastic new album seems a bit far out for a program called „JazzFacts“. Mhmm …  For German listeners: a week later, December 14th, same time, Anouar Brahem’s internationally acclaimed new work is in the focus of Karl Lippegaus‘ portrait.

 

Not easy. You really need access to all four seasons, and they are, via streaming, only accessible on Amazon Prime. Only seasons 1 and 2 got DVD/BLURAY releases, so, you better wait till the COMPLETE HALT AND CATCH FIRE BOX SET will have been released one day in the future. Future is anyway a main topic here, and, as in so many cases, a future long gone. So when time has come, you will dive into the world of four, five flawed main characters who are obsessed with the dawn of the then new computer age, and, in not so discreet ways, with one another, and their own demons. Full program. Soundtracking is great and overpowers the shitty mainstream of the ‚80s. Don‘t expect any far-reaching analysis deeply grounded in sociological and psychological knowledge here. Please. We have this knowledge, we‘re no dumbheads, but, may I say so in the the name of Joey, too, we are still rendered rather speechless by our heaven-and-hell-ride over the last weeks rushing by like an autumn leaf under a stormy evening sky. Clever writing is strictly forbidden when catharsis still works. The aftermath, the afterglow. It is very helpful to stay away from reading any reviews before entering the world of Cameron, Joe, Gordon, Donna and Bos. Stay innocent and let your heart be broken slowly. Seeing is creating. It works best in the dark, with your love or loneliness or ghost friends at your side. You’ll never watch alone. Interesting, though „Mercy Street“ is wonderfully placed at one point, I got, after having seen it all, a big hunger for a different Peter Gabriel album: MELT. The common ground: everything‘s constantly on the verge of falling apart (with great rhyhtms) – and, here we go, some damn good  story-telling may be on its way to you. Just melt away!

2017 16 Nov

Patterns of Consciousness

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„A pattern creates a certain state of consciousness. Once it is created, the pattern stands as an object exactly like the sound waves which generate it. We are at the same time inside and outside of the object. While being it, we observe it. Over time we become familiar with the inner structure of the pattern. We decode its gravitational centres, where our psycho-motor attention is attracted, where everything seems to be drawn. When a change in the pattern occurs it causes a perturbation of the previously established field of forces. This causes consciousness to fracture, potentially unfolding layers of perceptions we weren’t aware of or simply suggesting that we access only a fraction of our psychic potential. The layered nature of consciousness and the relativity of perception are some of the biggest secrets we can experience through sound.“

CB

 
 
 

 
 
 

Patterns of Consciousness: Caterina Barbieri

 

2017 15 Nov

Manamory 2017/09

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You know the difference between finding an artefact from times long gone and nod your head in respect – and jumping from your seat by the sheer joy of a „love at first sound“-album. „Event Horizon“ is such a beautiful thing, that of course exists in a power spot of New York’s New Wave offsprings from The Modern Lovers to The Talking Heads. That said The Necessairies delivered their unique version of sharply cut „sunshine avant-pop“ with a fantastic rhythm section, great guitar work and the undergrowth of Mr. Russell. Its originality and playfulness is ending every discussion of just playing the memory game.

 
 
 

 
 
 

Of course, the first thing we did was to try to cop some drugs. Jason simply went up to the most promising hippie in the vicinity and asked. The longhaired, bearded freak with the requisite flowers in his hair responded with, “No problem, man.” Jason proceeded to give him a laundry list of uppers, downers, pot, and LSD etc. The hippie told us he would get the stuff and come to our room at the Y. (Yes, we were that naive!) A few hours later, back in our room, there was a knock on the door: The hippie had actually come through with all of Jason’s requests! The rest of the summer was admittedly a blur, but I do remember nearly getting sent home several times for our escapades. (After that summer, the tour banned all longhaired kids.)

 

2017 15 Nov

Manamory 8/2017

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„The Necks, when performing live, never discuss beforehand what will happen. Our music, in the live performance, is never prescribed – verbally or otherwise; it “discovers” itself while being made by us and we, in turn, respond. I don’t set out to mimic or sonically construct particular settings in nature. Having said that, I believe there is a strong connection between the seemingly repetitive and gradually modulating nature of much of Australia’s landscape and the music we make. I also see that there is a connection between myself (and other members of the group) having grown up on the shores of the Pacific Ocean and the aesthetic choices we make.

 
 
 

 
 
 

The title „Tauchgang“ from „Metrics“ is a direct translation of the Norwegian word „dykk“. I asked my (German) wife Eva what it would be in German, and thought it sounded even better and more fitting in your language. I also speak German (but I’m not so good at writing it – hence the english in my email), and could thereby understand it quite well. The reason for the title, is that after putting together the many, many layers making up the piece I took a step back and tried to hear it without analysing it, to be able to give it a proper title. I could very clearly visualise the music, which doesn’t happen that often. To me, the long, almost hesitating waiting and tension in the introduction, resulting in a big crescendo and ultimately a near orgasmic release (I couldn’t find a more fitting word) very much resembles standing on the edge of a cliff and diving into the water. Going deeper and deeper and finally when you open your eyes you’re in a submarine landscape where sounds behave differently, your body moves more slowly, and your sight is a bit obscured. The deeper you go the more mysterious creatures you find.

 

2017 15 Nov

Manamory 2017/7

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Ich sagte zu dem Wirt meiner Hörnumer Lieblingskneipe, er müsse sich unbedingt zwei Platten des Penguin Café Orchstra anschaffen (wenn er sie nicht schon hätte), die eine “The Imperfect Sea“, die andere zusammen mit Kathryn Tichell “Laudau“, dann solle er sich bei Sonnenuntergang auf einen der Stühle vor seiner Wirtschaft mit einem Glas kühlen Weißwein so hinsetzen, dass er das Meer und am Horizont Amrum sehen könne, nun solle er einen Mitarbeiter von jener CD “Half Certainty“ und von dieser “Landau“ auflegen lassen. Und nun genießen. Dann hätte er keine Fragen mehr.

 

Cardiff 1980, milestone, one-album wonder, first grade jukebox stuff …

 

Fitting
the
noir,
the
empty
spaces…

 

here we are: „Colossal Youth“ by Young Marble Giants. Years ago I asked Alison Statton and Philip Moxham – because their record was so anti-punk and different to the fashions of that era – what they had been listening to in the time of the creation of their masterpiece, and they answered, nearly unisono, that they were listening a lot to Brian Eno’s „Another Green World“. With their kind of minimalism, they created more of „Another Bleak World“, though the vibes of childhood, old hymns, nursery rhymes and merry-go-rounds were never that far away.

 


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