Manafonistas

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2017 5 Okt

Papagayo, die Ostsee, und Westbourne Grove

von: Michael Engelbrecht Abgelegt unter: Blog | TB | Keine Kommentare

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„Ship on the Hollow Ponds / Set sail by a kid / In the heat wave that hit us all, 1976″. Wenn man einen ausgefüllten 16-Stunden-Tag hat, und heute, neben allem andern, die finalen zwei Folgen der vierten und letzten Staffel der fantastischen Piraten-Serie „Black Sails“ auf mich warten, ist es schwer, ein paar Minuten fürs Schreiben zu erübrigen, aber der Griff in den Kofferraum meines Toyota Yaris Cool Plus, eines der gefährlichsten Autos der Welt, beförderte eine CD ans Tageslicht, die ohne wenn und aber zu meinen liebsten Songalben des 21. Jahrhunderts zählt. „I was by the Black Sea / Two hours in time / Spiny urchins and a new school bell, 1979″.

„I felt the percussion / The green man had gone / Half my road was now a motorway, 1991“. Als ich vor Jahren in London die Westbourne Grove entlangschlenderte, zwei Stunden vor meinem Interview mit Brian Eno und Karl Hyde, machte sich ein unangenehmer Kopfschmerz breit, nicht aus Nervosität, sondern aus purer Wetterfühligkeit. Und just kam mir ein Friseurladen unter die Augen, der noch dazu „Michael’s Saloon“ oder so ähnlich hiess und von einem Inder betrieben wurde. Eine kleine Kopfmassage (Inder haben ein Händchen für sowas) beseitigte die Missempfindung.

Die Historie dieser langen Ausfallstrasse im Nordwesten Londons taucht in einem der Lieder von Damon Albarns Meisterwerk „Everyday Robots“ auf, und wann immer ich dort bin, geht mir der eine und andere Song des Albums durch den Kopf. Niemals hat mich je ein Album des Briten (solo, oder mit Blur) so berührt wie dieses. „Changed into lakeside / In January (Hollow Ponds) / Modern life was sprayed onto a wall in 1993″.

Where the horses and passing trains (horses and the passing trains) / A pentangle revealed / In the green woods where you walked with me / Ship on hollow ponds was filled“. Ich werde es mit nach Lanzarote nehmen, dort, am Flughafen von Arrecife, wartet eine baugleiche Vatiation des gefährlichsten Autos der Welt auf mich, und ich stellte im Vorfeld sicher, das ein CD-Player Teil der metallicblauen Ausgabe ist. Am Morgen des 10. Oktobers, bei der Fahrt zum Manafonistas-Treffen an einer der kleinen Buchten der Papagayo-Strände, werde ich im Duett mit Damon den letzten Song des Werkes intonieren, und schmunzelnd lauschen, wenn Brian die zweite Melodielinie singt.

 

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Ich war vielleicht acht Jahre alt, als ich mit meinen Eltern in Hohwacht an der Ostsee in einer Pension Ferien machte. Die Wellen waren ein müder Abklatsch der Nordsee, aber was mich vollends fesselte, war zum einen die Lektüre eines Romans über das Leben des Piraten Klaus Störtebecker, zum andern die Verzauberung einer jungen Studentin, die jeden Morgen einen Softeisstand betrieb. Ich war ihr treuester Kunde, und bereit für alles Unbekannte. Es sollte noch etwas dauern, bis ich den Code knackte, und meine erste Single von den Beatles kaufte.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 5. Oktober 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

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