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2017 1 Okt

Japanese Jewels (6): Lunar Cruise

von: Uli Koch Abgelegt unter: Blog | TB | 1 Kommentar

Ein treibender Rhythmus reißt die Tür auf ins Iron Paradise, wo die vom Mond Besessenen (so der ursprünglich geplante Titel des Albums) seit Ende der 80er Jahre warten mussten bis ihre archaische, ungefesselte Energie wiederveröffentlicht wurde. Ein Gemeinschaftsprojekt von Midori Takada, die uns dieses Jahr bereits ein Reissue des Monats lieferte, und Masahiko Satoh, die Lunar Cruise nach einer intensiven Auseinandersetzung mit afrikanischer, arabischer und traditioneller asiatischer Musik nach einer Tournee durch Afrika, den arabischen Raum und Europa im Studio einspielten. Ganz organisch verschmelzen hier Stammesrhythmen mit asiatischen Melodien, Jazzelementen und einem sehr eigenwilligen Synthesizerspiel zu einer Weltmusik, die an subtiler Programmatik und Kompositionsfertigkeit ein würdiges Pendant zu Jon Hassells gerade erst reflektierten Schaffens darstellt.

Während wir bei Through the Looking Glass noch in einem Sushirestaurant weilten, sitzen wir nun im Weltcafé Nahm, einem Ancient Palace, in dem die bunten verzierten Bodenfliesen einen Rhythmus vorgeben, der beim näheren Hinschauen in A Vanished Illusion übergeht, zu dem eine bizarre Jazz-Tahine serviert wird. Jyomuran transferiert einen afrikanischen Puls in den japanischen Winter (hierzu wird ein traditioneller japanischer Cocktail serviert, in dem kleine lebende Quallen mit einem Schuss Alkohol zum Leuchten gebracht werden) und Monody liefert einen verhuschten Stammesbolero hinterher. In „D“ wird Terry Riley zitiert, um dann schrittweise zerfallen zu dürfen und in Madorone im Nebel eines nur scheinbar süßlichen Shisharauches auf der abgenutzten Ottomane abzudriften. Die Faszination des Reduktionistischen beginnt in Chang-Dra auf einem Blech zu tanzen, durchläuft wellenförmige Eskalationen gleich einem uralten Drachenritual, zu dem vermeintliche Gewissheiten ins Opferfeuer geworfen werden. Nun sind wir bereit zum finalen Lunar Cruise, der letzten Reise der Mondsüchtigen, die mit kristallinen Jazz-Pianoklängen, Marimbatremolos und unirdisch leisen Halbgesängen verklingt. Stille ist es jetzt, nur der Mond leuchtet, halb wolkenverhangen, Spuren noch wie ein vergessener Wegweiser in mein Schreibzimmer …

 
 
 

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 1. Oktober 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

1 Kommentar

  1. Olaf:

    Nachdem mir „Through the Looking Glass“ dieses Jahr die schönsten Hörerlebnisse bescherte, bin ich mit der Mondreise noch nicht richtig warm geworden (allerdings ist das Teil auch erst Ende letzter Woche angekommen und ich hatte wenig Zeit). Ich mochte die kargen, reduzierten Stücke… und diese sehr freie Musik am Ende. Bin aufs weitere Hören gespannt.

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