Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2017 23 Sep

Japanese Jewels (4): Lisa

von: Uli Koch Abgelegt unter: Blog | TB | 3 Kommentare

Diesmal möchte ich von einem Album berichten, von dem ich rückblickend nicht mehr die geringste Ahnung habe, wie es in mein Leben kam. Manche Dinge stranden halt einfach irgendwo, treten in Erscheinung und bleiben. Bleiben, weil sie sich einfach als unerwartet und schön herausstellen. Wobei „schön“ hier keine aalglatte, sentimentale Grösse darstellt, sondern eine Art musikalisches Vexierspiel mit hohem ästhetischem Reiz. Da holt sich ein japanischer Rockmusiker, Masahide Sakuma, einen japanischen Viola da Gamba-Spieler und einen japanischen Blockflötisten und spielt Kammermusikstückchen, die irgendwo zwischen mittelalterlicher Musik aus streng japanischer Perspektive, experimenteller Elektronik, meditativen Drones und einer grandiosen Interpretation der Titelmelodie des Dritten Mannes (in Moll!) zu verorten ist und trotz der vielen subtilen Ecken und Kanten eine ungemein friedliche Atmosphäre hervorbringt, die nur in einer bislang unentdeckten musikalischen Parallelwelt angesiedelt ist. Produziert hat das Seigen Ono, von dessen eigenen Alben noch ein andermal zu berichten sein wird. Kleine, raffinierte Miniaturen, die über 30 Jahre nach ihrem Erscheinen und nach unzähligem Hören nichts von ihrem Reiz eingebüßt haben und ich zudem bei jedem weiteren Hören noch etwas entdecke, das mir bisher verborgen blieb, so als ob sich diese Musik über die Zeit ganz langsam verändert haben könnte und sich subtil an meinen Klangerfahrungen vorbeischleicht, um beim nächsten mal zwischen den Noten die Frage zu stellen, ob ich wirklich glaube es jemals kennen zu können …

 
 
 

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 23. September 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

3 Kommentare

  1. Michael Engelbrecht:

    Hmm, erstaunlich… jemand anders schrieb zu dieser Rarität von 1988, die mir nie begegnet ist (LISA scheint mir ein klarer Fall für eines dieser kleinen Labels zu sein, die auf Ausgrabungen fast verlorener und zumeist vergessener Kostbarkeiten spezialisiert sind):

    „Playing electric violin, synths, pianos and all sorts of collected samples and loops, Masahide builds Lisa like Eno and Byrne built My Life in the Bush of Ghosts. Everything just sounds so organic and well-arranged, that everything just flows, even if the components shouldn’t seem to. Working with producer Seigén Ono, together they craft an album that cycles through all sorts of emotions, styles, sounds, and ideas without regard to genre.

    Lisa seems to imagine all these various rooms we have in our household, all requiring music for different occasions. You know these rooms. Some are for rest. Some are for study. Some are for entertainment. Others are for contemplation. Others are for rumination. Some just bleed into each other, hosting all sorts of in-between feelings. The overarching feeling, though, is one of comfort. At the end of the day, shouldn’t a good home provide that sense for you?“

  2. Michael Engelbrecht:

    Das COIL-Album, aus dem ich hier einen kleinen verstörenden Song postete , ist ebenfalls aus dem Handel der nornalen Preise verschwunden.

  3. Uli Koch:

    LISA ist 1986 bei Pan East Records erschienen, die im Laufe ihrer viel zu kurzen Existenz einige wunderbare Kleinode veröffentlicht haben. Ja, dieser andere Kommentator hat recht: die Musik ist erstaunlich heterogen, wobei alles seltsamerweise wie aus einem Guss wirkt und dabei wie in einer sanften Parallelexistenz. Einfach zwischen wundersam und wunderbar.

Kommentar hinterlassen

XHTML erlaubte Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*


Manafonistas | Impressum | Kontakt
Wordpress 4.8.3 Design basiert auf Gabis Wordpress-Templates
47 Verweise - 0,200 Sekunden.