Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2017 6 Sep

Holger

von: Michael Engelbrecht Abgelegt unter: Blog | TB | 5 Kommentare

 

Und dass er nun tot aufgefunden wurde, ausgerechnet im Studio in Weilerswist, in dem so viele berühmte Platten aufgenommen wurden, hinterlässt, neben allem anderen, eine zusätzliche traurige Note. So lange nach Conny, dessen früher Tod ihn schockierte, so kurz nach Jaki (die Vornamen klingen allesamt nach verschworener Bande) – was einst Aufbruch war und Zukunft verhiess, sind nun schon alte Zeiten. Der Griff ins Plattenregal, zu den Lieblingsplatten von Can und Holger Czukay, das ist dann auch eine Art, Abschied zu nehmen.

 

„I found Ege Bamyası in the 49-cent bin at Woolworth’s. I didn’t see anything written about Can, I didn’t know anything about them except this okra can on the cover, which seemed completely bizarre. I finally picked that record up, and I completely wore it out. It was so alluring. Something about it made Can seem to be playing outside of rock ’n‘ roll. It was unlike anything else I was hearing at the time.“

(Thurston Moore, Sonic Youth)

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Mittwoch, 6. September 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

5 Kommentare

  1. Ralf Heeg:

    Hallo Micha,

    stelle mir gerade vor, dass Thurston Moore die LP bei Woolworth’s im Regal für Gemüsekonserven gefunden hat. Diese Vorstellung hätte auch Holger gefallen.

    Ich bin schockiert über die Umstände seines Todes, hier in unserer Nähe. Habe das Kurzinterview mit ihm in der Filmbiographie über Conny Plank gesehen, da wirkte er noch sehr vital.

    RIP

    Ralf

  2. Michael Engelbrecht:

    Ja, lieber Rolf,

    die Umstände sind schon traurig, und mir fiel gleich der Titel des Romans von Fallada ein, „Jeder stirbt für sich allein“, natürlich geht es auch anders. Vor Wochen erst starb seine Lebensgefährtin. Und Bauarbeiter hatten ihn tagelang nicht gesehen, lese ich in einer Kölner Zeitung, und haben daher Meldung gemacht. Mit seiner Haarmähne und seinem mitunter funkelndem Blick erinnerte er mich öfter an den Professor aus „Zurück in die Zukunft“. Ich habe eine richtige Holger-Czukay-Lieblingsplatte, „On The Way To The Peak Of Normal“, und da waren auch Conny und Jaki noch mit im Spiel.

  3. Ralf Heeg:

    Micha,

    vollkommen d’accord.

    Ich habe ihn und seine Lebensgefährtin vor längerer Zeit in der Nähe des Neumarkts auf der Höhe des British Institute aus der Straßenbahn heraus gesehen. Und ich hatte den Eindruck, dass sie eine sehr starke Person war, die für Holger eine wichtige Stütze darstellte. Er wirkte – obwohl damals vielleicht erst 65 Jahre alt – etwas zerbrechlich, „mad genius“ eben. Ihr zu früher Tod war sicherlich ein enormer Schicksalsschlag. Ich habe davon auch erst heute erfahren.

    „On The Way To The Peak Of Normal“ ist fürwahr eine geniale Platte. Ich habe diese in den späten 80ern auf einem 2nd Hand Plattenmarkt gekauft, allerdings für deutlich mehr als 49 Cent. Laut „allmusic“ basierte diese Platte auf Sessions mit der Band S.Y.P.H. und neben der „verschworenen Bande“ war auch noch Jah Wobble mit dabei…

    Seine beiden Werke mit David Sylvian waren deutlich schwieriger im Zugang, sind aber bei mir schon länger in der „Pipe der zweiten Chance“.

    Grüße
    Ralf

  4. Andreas:

    Schon merkwürdig,

    wieviele Leute sich in der letzten Zeit verabschiedet haben, mit denen ich – wie viele der Leser hier- musikalisch sozialisiert worden sind.

    Angefangen hat es mit John Abercrombie, dem Gitarristen mit den wunderbaren zarten SingleNotes, der nach meinem Dafürhalten viele zu wenig Beachtung bekommen hat … ist aber wahrscheinlich aber auch seiner eher zurückhaltenden Persönlichkeit geschuldet … wie sympathisch …

    Dann vor ein paar Tagen auch noch Walter Becker, dessen Soloalben sich wahrlich nicht zu verstecken brauchen..

    und nun auch noch Holger Czukay….

    R.I.P.

  5. Jan Reetze:

    Holgers Frau U-She wollen wir dann bitte auch nicht vergessen. Keine große Sängerin, aber immerhin. Mich hat sie immer ein bisschen an Nico erinnert.

    Scheint, als würde im Moment mal wieder die Pest umgehen.

Kommentar hinterlassen

XHTML erlaubte Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*


Manafonistas | Impressum | Kontakt
Wordpress 4.8.3 Design basiert auf Gabis Wordpress-Templates
45 Verweise - 0,211 Sekunden.