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2017 5 Aug

Es zählen die Gänsehautmomente

von: Hans-Dieter Klinger Abgelegt unter: Blog | TB | Keine Kommentare

Am 30. Juli morgens um 7:20 Uhr startet die Maschine von Keflavík nach München. Kurz vor Mitternacht ins Zelt kriechen, um gegen 2 Uhr morgens wieder aufzustehen, packen, mit dem Flybus um 4 Uhr von Reykjavík zum Flughafen fahren, wäre ein schnöder Abgang aus Ísland. Also lieber durchmachen. Philip kennt sich gut aus in der isländischen Musikszene, besucht seit Jahren das Airwaves Festival und vor seiner Trekking-Tour diesen Jahres im Juli war er beim Metal Festival Eistnaflug in Neskaupstaður. Mit Freunden schreibt er an einem Blog über isländische Musik. Da entgeht ihm zwar manches, aber nicht, wer am Vorabend des Heimflugs im Hard Rock Café in der Lækjargata auftritt.

 
 
 

 
 
 
Josef Bulva sagt:
 

Jedes Urteil, jede Meinung ist nur so gut wie das Wissen über diesen Gegenstand. Das ist ein Axiom, dem man nicht entrinnen kann. Musik ist dazu da, bei den Menschen bestimmte Emotionen zu wecken und deren Reflexion. Es ist ihr gutes Recht, wenn Menschen, die in der Musik illiterat sind, Wagner als bedrohenden Krach empfinden. Für mich dagegen ist Discomusik störend. Jeder muss das Recht haben, seine Musik zu genießen. Der Spruch, es gäbe nur zwei Arten von Musik, gute und schlechte, ist Unfug. Mein großes Hobby ist die Astrophysik, und überall lesen Sie heute Horoskope – etwas Dümmeres können Sie kaum finden, vielleicht Religion, das ist dasselbe. Aber wenn jemand liest, heute wird alles gut laufen, und es hilft ihm durch den Tag, dann ist doch alles gut – auch wenn das aus unserer Sicht etwas naiv ist.

 

Ísland ist teuer, ein Stück Torte im Restaurant am Gullfoss kostet um die 10 € – so wurde mir kolportiert. Der Eintrittspreis im Hard Rock Café ist in Ordnung, Pepsi Cola mit Eis kann man nachfüllen lassen. Der Himmel im geräumigen Souterrain: Flying Cymbals.

 
 
 

 
 
 

Im düster bunten Ambiente sind edle Gitarren hinter Glas ausgestellt, über mehrere Screens wird Mainstream Rock verteilt, für mich so flach wie die Bildschirme. Es ist mein gutes Recht, Bon Jovi als öde zu empfinden. Ich kenne fast keine isländische A-bis-Z-Musik und bin gespannt. Es dauert bis 22 Uhr, dann beginnt One Week Wonder, 2 Keyboarder, einer der beiden ist lead vocalist mit schöner vibratolos-cooler Stimme, eine Vokalistin, ein Gitarrist mit jazz feeling und drums – ich genieße die lässig groovenden, in Moll verliebten Songs, ihre frischen Melodien und ausgesuchten Harmonien. Gutes muss nicht berühmt und Berühmtes nicht gut sein.

Es gibt viele Bands in Ísland, wo nur wenig mehr als 340.000 Menschen leben. Kein Wunder, dass dann alle Musiker von One Week Wonder, in Teitur Magnússons Band weiterspielen, ausgelassen, witzig. Zum Schluss ein feines Solo des Gitarristen.

 
Josef Bulva hat noch mehr zu sagen:
 

Problematisch wird es, wenn man etwas professionell macht: Die ‚Mondscheinsonate‘ hat ihren Namen 27 Jahre nach Beethovens Tod erhalten, aber, da nehme ich die Naiven in Schutz, er passt, und man kann sich, wenn man die Musik als Berieselung nimmt, sehr gut in eine Mondscheinstimmung träumen. Wenn es aber ein Profimusiker so spielt, ist es eine Sünde – eine Todsünde. Der erste Satz ist eine große dreistimmige Invention, das war eine Provokation gegen die Sonatenform. Beethoven ersetzt das eröffnende Allegro durch einen erweiterten langsamen Satz – genial. Und das ist so aufgebaut, dass es wie ein Motor durchlaufen muss, nur dann spüren Sie die Spannung.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 5. August 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

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