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2017 29 Jul

Roedelius & Kasar: Einfluss

von: Jan Reetze Abgelegt unter: Blog | TB | Tags: , | 3 Kommentare

 

 
 
 

Überraschungsarm, aber sehr angenehm und leise. So leise, dass man immer wieder einmal den Klavierhocker knarren hört. Auch andere Nebengeräusche fügen sich ins Klangbild, und man weiß nicht immer, ob sie beabsichtigter Teil der Musik oder akustischer Beifang sind.

Über Hans-Joachim Roedelius muss man nichts mehr sagen. Hier spielt er Klavier, ausschließlich, aufgenommen in seiner Wohnung in Baden bei Wien. Der schon durch den Anschlag sanfte Klavierklang wird noch zusätzlich abgedämpft, indem Roedelius‘ 30 Jahre jüngerer Mitstreiter Arnold Kasar die Saiten mit Filz präpariert hat.

Man kennt die weitgehend improvisierten melodischen Girlanden und impressionistischen Akkorde eigentlich seit vielen Jahren, aber Roedelius erschafft sie in immer neuen Wendungen und Variationen, und kaum jemals werden sie langweilig. Arnold Kasar, mit elektronischen Mitteln, stellt sie in den 19 Tracks in immer neue, nie aufdringliche, aber stets präsente akustische Umgebungen. Mehr passiert im Grunde auf der ganzen CD nicht, außer dass die Intensität des Spiels im Laufe der Platte zunimmt. Aber das genügt schon, um die 76 Minuten Spieldauer ohne Durchhänger auszufüllen.

Arnold Kasar hat mit der Abmischung der Stücke bereits während der Zugfahrt von Wien nach Berlin begonnen. Vielleicht ist das ein Fingerzeig darauf, dass Einfluss eine sehr kopfhöreraffine Platte geworden ist.

Für mich schon jetzt eine meiner Platten des Jahres. Und für Roedelius, da bin ich sicher, eine ihm keineswegs gleichgültige späte Anerkennung, dass die Scheibe beim Yellow Label der DG erschienen ist. Dort darf tatsächlich noch immer nicht jeder.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 29. Juli 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

3 Kommentare

  1. Michael Engelbrecht:

    Das Album war natürlich DIE Überraschung beim Cluster / Eno / Harmonia-Seminar an der Weser. Die Geschichte dazu ein andermal. Ich war etwas nervös, als ich das Album bekam, weil ich durchaus nicht jedes seiner letzten Alben faszinierend fand, am langweiligsten war für mich das mit den drei Klavieren.

    Und ich wollte den Teilnehmern zu gern etwas Besonderes bieten. Das Werk kam wie gerufen, wie ein wahr gewordener Wunsch. Sanfter lässt sich ein Klavier nur mit Wattebäuschen präparieren – zugleich ist die Musik seltsam spannend!

  2. Uli Koch:

    Das erstaunliche daran ist, dass erst beim mehrmaligen Hören deutlich wird, dass, obwohl man schnell Bekanntes vermutet, Roedelius immer noch die Grenzen der Klangräume auslotet, sich immer wieder auf die Ideen anderer einlässt und experimentierfreudig zu Werke geht. Ein phantastisches Album, dass der Zeit eine andere Dimension hinzufügt …

  3. Gregor:

    Wirklich eine tolle Platte. Tatsächlich: ab in die Jahres Top Twenty!

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