Manafonistas

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2017 28 Jul

Eine Doku über Sleaford Mods in der Arte Mediathek

von: Manafonistas Abgelegt unter: Blog | TB | 8 Kommentare

 

„Junge Leute unterschreiben Major-Plattenverträge, bloß um über die Liebe zu singen. Hey, ich glaube ja an die Liebe. Aber for fucks sake: Wen interessiert das, wenn du von 15 Pfund in der Woche überleben musst?“, erklärt Jason Williamson, ehemaliger Hühnerfabrik-Fließbandarbeiter und Chef des Grantelrap-Duos Sleaford Mods aus Nottingham. Zusammen mit Beatmaker Andrew Fearn kümmert sich Williamson lieber um die Themen, die vom englischen Musikbusiness normalerweise ignoriert werden: die Conservative Party, Celebrity-Scheinwelten und das Leben am unteren Rand der Gesellschaft, zwischen Arbeitsamtsbesuchen und Sozialhilfeanträgen. Eine Haltung, die den beiden und ihrem Manager, dem Ex-Busfahrer und Betreiber des Avantgarde-Noise-Labels Harbinger Sound, Steve Underwood, in ihrer Heimat den Titel „Voice of the Working-Class“ einbrachte. Die Musikdoku „Bunch of Kunst“ erzählt die Geschichte von drei Überzeugungstätern, die mit scharfkantigem Sprechgepunk, Rumpel-Beats und DIY-Ethos das Musikbusiness nach ihren Regeln aufmischen. Ein Punkmärchen zwischen Boston (Lincolnshire) und Iggy-Pop-Audienz. Ein Film über Katzen. Ein Film über Fans. Ein Pop-and-Politics-Roadmovie durch die englische Provinz.“

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, 28. Juli 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

8 Kommentare

  1. Olaf:

    Hah, sehr gut, da freu‘ ich mich drauf!

  2. Michael Engelbrecht:

    Zum ersten Mal machte mich Georg Odijk von a-musik, Köln, auf die Band aufmerksam, als sie noch sehr unbekannt war. Das wäre so eine Spass-Punk-Platte, ein bisschen Old Punk sei das, ein bisschen Street Rap, und zum Spass hörte ich es mir an, und fand Sleaford Mods total gut. Nicht gerade spassig. Hat sich bis heute niccht geändert, obwohl es nicht „meine bevorzugte Musik“ ist – haha! Aber die beiden haben genau die Power, die Linton Kwesi Johnson damals hatte in den frühen 80ern mit „Bass Culture“.

    Essential listening, forget your preferences …

    Auf den Bierkonsum sollten sie etwas achten …

  3. Martina Weber:

    Als ich um 23:40 Uhr eingeschaltet habe, lief die Sendung nur noch 6 Minuten.

    Ist aber kein Problem, die Sendung kann noch 59 Tage lang hier nachträglich angesehen werden …

  4. Jan Reetze:

    Bei einer Überschrift wie „Musik als Revolte“ schlafen mir spätestens die Füße ein.

    (Ja, ich weiß. Meine destruktiven fünf Minuten.)

  5. Michael Engelbrecht:

    THINKING OF PETER HANDKE … :)
     
    Ich schliesse mich der Meinung von Peter Bradshaw an, aus dem Guardian:

    We know about British bands making it big in their 20s – but what about in their 40s? Christine Franz’s excellent documentary about Sleaford Mods shows us three middle-aged men whose dedication, creativity, productivity and relative lack of success helped them keep it real until they blew up – as they say – in the last few years. Refreshingly, even gloriously, they’ve got the maturity and sense of humour to get a handle on it all.

    Jason Williamson – who, like Joy Division’s Ian Curtis, once worked in a benefits office – rips Austerity Britain a fresh one with his uncompromisingly aggressive, funny post-punk stream-of-rap-consciousness. He is a startling stage presence, shivering and quivering like someone getting the Toronto Blessing, sometimes scooping his hand across his head like a cat washing his ears.

    Andrew Fearn contributes the musical loops and riffs, with his laptop on a beer crate. Offstage, ex-bus-driver Steve Underwood is their manager, DIY label chief, mate, and the band’s unquantifiable soul. Sleaford Mods rail at the complacency, cruelty and mediocrity of zero-hours Britain.

    They are plugged into disaffection and Britain’s white working class. But they’re not alt.Brexiteers like some punk legends we could mention. They are happy touring Europe, where audiences – especially in Germany – love them. I found myself thinking of Peter Handke’s play Offending the Audience. I also found myself thinking of Pet Shop Boys.

    Jason’s elegant and glamorous wife Claire is a star turn, drolly telling us about the “cunt flu” Jason suffers for a week after returning home after touring, grumpy about being made to load the dishwasher. Bad language is what incidentally earned this an 18 certificate: “kunst” is German for “art”. I’m afraid that national treasure status is Jason’s whether he wants it or not.

  6. Michael Engelbrecht:

    REMIX:

    Jason Williamson hat die Schnauze voll. Kann man mit so einer Wut, und den Mund voller Wörter, grossartige Lieder machen? Ja, kann man. Fettteduzierte! In dem Song „Fizzy“ schnappt er sich einfach dieses Wort, „Fizzy“, zerbeisst es, zerkaut es, zerlegt es. Und dann, am Ende, haut er noch ein unübersetzbares letztes verächtliches Stöhnen raus, pure unheitere Emotion. Dada is there!

    Geräuschmusik ist das nicht. Wieso erscheint sie also auf einem Label, „Harbinger Sound“, in dem Lärm, zerbrechendes Glas, und rabiates Feedbackgedröhne zum guten Ton zählen?! Weil „noise“ Interferenz ist, und „noise“ eine Kraft darstellt, die existierende „mind sytems“ aufbrechen kann. in dieser Hinsicht ist das rabiate Duo aus Nottingham eben auch geräuschig.

    Jason Williamson wurde in Grantham geboren, und auch ohne Reiseführer zu befragen, gilt dieses Städtchen als die langweiligste Stadt Englands. Die sogenannte „eiserne Lady“, Maggy Thatcher, kam auch dort auf die Welt, auch das noch. Jahrelang hat sich der junge Jason in Bands getummelt, ohne seinen Ton zu finden. Dann, irgendwann, in einem „fucking studio“ in Nottingham, hat er seine Sprechwutgesänge über einen Metalltrack gelegt.Mit diesem schmutzigen Dialekt, mit lauter seltsamen Wörtern und Codes, die einem Outsider noch fremder vorkommen müssten als der abgedrehteste Graffiti in einer leblosen Industrieanlage.

    Nach einer Weile gesellte sich Andrew Fearn zu diesen gesammelten schwarzhumorigen Wutattacken und half, den Songs einen feinen groben Schliff zu verpassen: minimale Elektronik, eine Extraidee für jeden Song, zweite Gesangsspur, und andere Details.

    „Austerity Dogs“ ist eine unglaubliche Schallplatte. Die Stücke gehen in einander über ohne die kürzeste Atempause, die Lieder sind so hart und schmucklos wie „Pink Flag“ von Wire, so trockenbassorientiert wie „Bass Culture“ von Linton Kwesi Johnson, die Atmosphäre ist so dicht, das sich Bass und Tamburin wie der bedrohlichste Klang auf Erden anhören.

    „I worked my dreams off for two bits of ravioli and a warm bottle of Smirnoff under a manager that doesn’t have a fucking clue.” Wäre „Sozialer Realismus“ nicht so ein abgefackelter Ausdruck (die Gefahr einschlafender Füsse, Jan!:)) – man könnte ihn hier bestens verwenden. Aber das lässt man besser. „Austerity Dogs“ ist ein kleines Meisterstück aus den dunklen Winkeln Englands. Und „English Tapas“ (2017) kommen auch gut.

  7. Michael Engelbrecht:

    When I say culture, I don’t mean something that can be packaged up and sold back at people so they accept their own inferiority. Austerity Dogs isn’t „we’re all in this together“ claptrap, nor some expensively educated pillock holidaying in other peoples‘ poverty like they’ve never heard ‚Common People‘. Rather, it’s soaked in the impossible realities of the everyday, and it reworks that into something truly astonishing. Each song is a stream-of-unconsciousness from the collective dream-time of the dead-end worker who’s pissed off with his boss, pissed off with shit drug dealers, pissed off with aggro cunts in clubs, pissed off with „Brian Eno – what the fuck does he know?“ It’s Chris Morris with a class consciousness, laying bare the surreal tapestry of horrors that face the working class in Britain today.

    David Bell, The Quietus

  8. Wolfram Gekeler:

    Wie lange liegt so ein Titel in der Musikgeschichte rum, bis jemand drüber stolpert:

    BORED TO BE WILD


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